Ausgabe 
8.12.1932 Frühausgabe
 
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einen ausführlichen Bericht fertiggestellt, -er dem Präsidenten Göring vorgelegt werden wird. Die Folgerungen aus diesem Bericht zu ziehen, ist Sache des Präsidenten, der im Haufe das Hausrecht aus­übt und Polizeigewalt hat. Die Reichstagsverwal­tung bedauert die Vorgänge insbesondere deshalb, weil sie ihren Ausgang von einer bevorzugten Tribüne nahmen, nämlich vor der Empore, auf der Angehörige und Ehrengäste des Reichspräsiden­ten, der Reichsminister und anderer hoher Behör­

den Platz zu nehmen pflegen und auf der fönst nur Mitglieder der Länderparlamente und des Reichs- wirtfchaftsrates gegen Vorweisung ihrer Mitglieds­karte zugelassen werden. Daher ist anzunehmen, daß gegen eine Wiederholung solcher Vorfälle energische Maßnahmen getroffen werden. Wahrscheinlich wird auch Anweisung ergehen, daß bei ernstlichen Zu­sammenstößen nur uniformierte Polizei­beamte einschreiten.

Oer Eindruck des zweiten Tages.

Vertagung bis Mitte Januar gilt als sicher. - Oie preußische Frage.

Berlin, 7. Dez. (CRB.) Der zweite Tag dieser Reichstagstagung hat, wenn man von dem Zwischenfall absieht, der auf der Tribüne begann und sich im Wandelgang fortsehte, einen Ver­lauf genommen, der fast vollkommen früheren normalen P a r l a m en t s z e i - ten entsprach. Die Beratung der beiden Ge­setzesanträge wurde ordnungsmäßig durchgeführt, und zwar so rasch, daß es allgemein älebrrraschung auslöste, als die Vertagung auf Freitag schon gegen 20 Llhr verkündet wurde, während man noch eine endlose Rednerliste erwartet und damit ge­rechnet hatte, daß es mindestens 22 oder 23 Ahr werden würde. Angesichts dieser Entwicklung läßt sich das Ergebnis dahin zusammenfassen, daß der gestrige Eindruck sich verstärkt hat, wonach

für Freitag die Vertagung des Reichstages auf Mitte Januar erwartet werden kann.

Auf eine einfache Formel gebracht, liegen die Dinge folgendermaßen: Das Stellv e rt re - tungsgefetz macht leine Schwierigkei- t e n. Bei dem sozialpolitischen Fragenkomplex gehen die sozialdemokratischen Anträge am weitesten, weil sie die Aufhebung der ganzen Notverordnungen vom 14.3uni und 4. September verlangen. Schon heute hat sich gezeigt, daß diese Anträge der Ab­lehnung verfallen werden. Dagegen werden die nationalsozialistischen Anträge, die sich auf Auf­hebung der lohn- und sozialpoliti­schen Bestimmungen beschränken, sicher a n - genommen werden. Konfliktsstoff ergibt sich dar­aus also nicht. So kann sichwenn nichts Außerge- wohnliches eintritt, woran man aber -kaum glaubt

am Freitagabend der Reichstag bis Mitte Ja­nuar vertagen. Für dielen Auegang der Reichs- tagstagung spricht u. a. auch die Mehrheitsbildung, die sich heute ergab, als von links der Antrag ge­stellt worden war, den Reichskanzler zu zi­tieren. Der Antrag wurde mit derselben Mehr­heit a b g e l e h n t, die schon am Dienstag in die Erscheinung getreten war. Man erwartet mit Be­stimmtheit, daß der Reichstag bei den entscheiden­den Abstimmungen am Freitagabend dasselbe Bild bieten wird. Man hält es sogar für möglich, daß auf Grund einer Verständigung noch

weilergehende Vereinbarungen zwischen Regie­rung und Parteien nicht aussichtslos sind. z. B.

über die Regelung der Preuhenfrage.

Die Berichte einiger Blätter, wonach sich das Zentrum und die ÄSDAP. auf die gemeinsame Kandidatur eines Rationalsozialisten als preußischen Ministerpräsidenten bereits geeinigt hätten, eilen den Tatsachen vor­aus. Voraussetzung für eine solche Einigung mühte Wohl eine Einigung mit der Reichsregie­rung sein, daß diese das Reichskommissariat auf­hebt und daß der zu wählende Ministerpräsi­dent in das Reichskabinett eintritt.

Entgegen der Annahme, daß der Reichstag sich am Freitag vertagen werde, rechnet man in führenden Kreisen des Zentrums mit der Möglichkeit, dah die dritte Lesung erst am Samstag vorgenommen werden kann, so daß der Reichstag sich erst am Samstag vertagen würde.

Zweck und Ziel des Freiwilligen Arbeilsdienstes.

Eine Rede des Reichsarbeitsministers.

Berlin, 7. Dez. (WTB.) Auf ber Sitzung des Huuptausschufses des Deutschen Industrie- und Han- -delstages mochte heute Reichsarbeitsminister Dr. S y r u p Ausführungen über Wesen, Zweck und Er­folge des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Einleitend betonte der Reichsarbeitsminister, daß er in seiner Eigenschaft als Reichskommisfar für den Freiwilligen Arbeitsdienst spreche. Er führte dann u. a. folgendes aus: Im Oktober 1931 zählten wir rund 300 Arbeits­dienstwillige. Am 1. November d. I. war die Zahl von Millionen bereits überschritten. Diese Hahl ist im November noch etwas gestiegen. Sie beträgt nunmehr 270 000."

Beim Arbeitsdienst handelt es sich nicht etwa um eine Betätigung im erlernten Beruf, sondern um eine körperliche Primitioarbeit, die von jedem Ar- beitsdtenstwilligen unbeschadet seiner Herkunft nach kurzer Eingewöhnung verrichtet werden kann.

Die Arbeiten sollen möglichst auf dem Lande ausgeführt werden, um die Jugend wieder stärker mit der Natur zu verbinden. Weiterhin müssen die Arbeiten zweckvoll sein. Nutzlose Arbeiten ohne Aufbauziele würden den Arbeits­willen und den Arbeitsernst der Jugend schwer schädigen. Notwendig ist es, Leistungsergebnisse zu erzielen, jedoch weniger ausgesprochene Spitzenleistungen etwa durch Gewährung von Prämien. Weiter müssen die Arbeiten gc-

Heiteres Konzert.

Erbauliche Geschichten von Musikern.

Äon Hans Brandenburg.

Gustav Mahler, bei einem Spaziergang mit Freunden, traf auf einer Walddichtung einen blin­den Orgeldreher. Die Freunde wollten den Mann durch ein Trinkgeld zum Schweigen bringen, doch Mahler sagte:Lassen Sie ihn weiter spielen! Er ist das Bild des Künstlers in der Welt: nur die Bäume hören ihm zu. Er ist überhaupt das Bild der Welt, in deren Mittelpunkt Musik ertönt." So ist es. Im Mittelpunkt der Welt ertönt Musik, und aller Musik lauschen irgendwie nur die Bäume und die Sterne. Alle Musik ist ernst und heiter zu­gleich, selbst musikalische Kapriolen sind ernst in ihrer Heiterkeit, heiter ist dieMatthäuspassion' und ernst ist dieFledermaus", und ich habe es immer für Heuchelei und zum Mindesten für arge Ver­ständnis- und Stillosigkeit gehalten, wenn man bei gewisser Musikerwegen des Ernstes der Veranstal­tung" den Applaus verbietet. Nie ist Beet­hoven, der große Tragiker der Musik, größer und überwältigender, als wenn Scherz, Lust und Humor bei ihm durchbrechen und triumphieren, so wie ja auch sein letztes und größtes Lied, als auf der Schwelle des Todes sein taubes Ohr nur noch den Marsch der Cherubim vernahm, ein Lied an die Freude war. Und wer Mozart noch über ihn stellt, der kann es höchstens deshalb, weil bei Mo­zart alles heiter ist, heiter durch Form und Maß. Darum sagt Grillparzer von ihm und diese ewigen Worte mögen uns und unserer Zeit als Richtspruch und Mahnung gelten:

Nennt ihr ihn groß? Er war es durch die Grenze; was er getan und was er sich versagt,

wiegt gleich schwer in der Schale seines Ruhms. Weil nie er mehr gewollt, als Menschen sollen, tont auch ein Maß aus allem, was er schuf, und lieber schien er kleiner, als er war, als sich zu Ungetümen anzuschwellen."

Mozarts Geist ist immer anwesend, wo Musik ertönt, die nur heiter sein will, auch wenn sein Name nicht auf dem Programm steht.

Man sieht, wir sind längst von der Musik zu den Musikern übergegangen, und von den Musikern soll ich ja auch handeln. Wenn ich das tue, so wachte ich zunächst alle die billigen Klischees zer­stören, die als typisches Bild des Musikers etwa desarmen" undweltfremden" im Umlauf finb, als wären Musiker stets und unter allen Um­ständen, wie nach Freiligrath die Dichter, des Himmels Prinzen und der Erde Lumpen". Ich habe nicht umsonst Grillparzer aufgerufen, um

meinnühig und zusätzlich sein. Sie sollen den Arbeitsmarkt nicht noch weiter einengen, son­dern Maßnahmen sein, die weder jetzt, noch in absehbarer Zeit ohne Einsatz des Arbeitsdienstes vorgenommen werden können.

Ein Beschluß darüber, in welchem Ausmaße der Arbeitsdienst im nächsten Haushaltsjahr wei­tergeführt werden soll, konnte von der Reichs- regierung bisher noch nicht getroffen werden. Rach den bisherigen Erfahrungen ist damit zu rechnen, daß in dem nächsten Haushaltsjahr mit einem durchschnittlichen Einsatz von 200 000 Ar­beitsdienstwilligen gerechnet wird. Insgesamt be­deutet dies eine Aufwendung von 200 Millionen Mark. Würde man die Einberufung eines ganzen Jahrganges unserer männlichen Jugend in Be­tracht ziehen, so bedeutet das nach einem Abzug der körperlich Untauglichen einen Einsatz von mehr als 500 000 junger Leute und mithin eine Gesamtauswendung von rund 500 Millio­nen Mark. Diese Zahlen lassen schon von der finanziellen Seite her erkennen, daß

die Forderungen auf Einführung der Arbeits- dienstpflicht nicht leicht zu erfüllen sind, ohne daß der privaten Wirtschaft erneut große Geld- mittel entzogen werden.

Zu der Volks erzieherischen Seite des Arbeitsdienstes führte der Minister u. a. aus, daß neben dieser Werksarbeit die sinnvolle Ausnut- an seiner Hand als Vertreter der Dichtkunst vor den Vertretern der Schwesterkunst würdig zu bestehen. Er nennt in jenem Gedicht auf Mozart den Ton des Lebens Herold" und dasallfühlende Ohr", das Auge des Gemüts. Und den Glauben des Mu­sikers nennt er den Glaubenan die Ahnungen; die, ohne andere Bürgen als sich selbst, und nur be­wiesen, weil sie sich gestaltet, zur Wirklichkeit ver­herrlichen den Traum." Diese Gläubigen, die mit dem hörenden Auge des Gemütes den tönenden Herold des Lebens empfangen, können im übrigen fo verschieden voneinander sein wie alle anderen Menschen auch. Und es stimmt nicht einmal bas lapidare Wort, welches Nietzsche oder sonst ein Musikgegner sprach, daß alle Musiker schmutzig seien denn wir wissen, daß Beethoven sogar komponierend in feiner Badewanne plantschte, daß Bruckner in alle Seen, Bäche und Flüsse sprang, und daß Hugo Wolf, der auch seinen jeweils ein­zigen Anzug peinlich sauber hielt, nicht die kleinste Reise ohne sein Kautschukschafs antrat. Ich weiß jedoch von keinem Meister der« Musik, der, wie ein Seraph nur von der Luft gelebt hätte, ja, Johan­nes der Täufer, der von Kamelshaaren, Heu­schrecken und wildem Honig lebte, war ganz gewiß kein Musiker. Dagegen weiß ich, baß H ä n b e l, wenn er nach gigantischem Schassen ein Lonboner Gasthaus betrat gleich brei Gedecke für sich allein bestellte, und Max Reg e r schrieb einer Dame, die ihm aus Begeisterung über sein Klavierspiel in SchubertsForellenquintett" Forellen geschickt hatte, er werde sich erlauben, in seinem nächsten Konzert das Ochsenmenuett von Haydn zum Vortrag zu bringen.

Hugo Wolf erzählt selbst, daß ihn ein Steuer­beamter schließlich ungeduldig gefragt habe:Aber Sie müssen doch von etwas leben wovon (eben Sie denn?", worauf er geantwortet:Vom Pum­pen!" Allein neben den unfreiwilligen Pumpgenies stehen fürstliche Verschwender, neben Weltflücht­lingen Weltbeherrscher, und Händel war im Leben derselbe wahrhaft königliche Mensch wie in der Mu­sik. Er zog nach England, in dasLand ohne Musik", und gewann gerade dort der Tonkunst zum ersten Male Weltgeltung und Weltläufigkeit, die große, prunkvolle, gesellschaftliche Geste und re­präsentative Gebärde. Eine berühmte dramatische Sängerin weigerte sich, unter ihm zu fingen. Nie­mand wagte, sie umzustimmen, sie war der Satan unter den Weibern und hatte ihren eigenen Mann umgebracht, als er ihr zu widersprechen wagte. Aber dem großen Musiker gelang die Zähmung der Widerspenstigen: er packte sie auf der Probe eigen­händig und schleifte sie ans offene Fenster:Madame, entweder Sie singen, oder ich werfe sie drei Stock-

zung der Freizeit, die der körperlichen und geistig- sittlichen Ertüchtigung der jungen Menschen die­nen soll, treten müsse. Der Reichsarbeitsminister wies insbesondere daraus hin, daß die geistige Gemeinschaftsarbeit in den Arbeitslagern in hohem Maße geeignet sei, die anfänglichen Ge­gensätze unter der Jugend zu lösen, gegenseitiges Verstehen zu erleichtern und die vollspvlitische Er­ziehung der Jugend aus eigenem Wollen über parteipolitische und weltanschauliche Bindungen hinweg in die richtigen Bahnen zu lenken.

Bei der FrageFreiwilligerArbeits- dienst" oderArbeitsdienstpflicht" sei vor allem die Frage entscheidend: Ist die ideolo­gische Grundlage des Arbeitsdienstes, die eine andere als die der früheren Wehrpflicht ist, trotz der Bewegtheit und politischen Zersplitte­rung unserer Jugend bereits so stark, daß die prak­tische Durchführung der zwangsweisen Arbeits­dienstpflicht ohne Gefahr schwerer innerer Span­nungen unter den Dienstpflichtigen erfolgen kann? Wird der Geist der Kameradschaft und der Ge- meinschaftsgedaicke in den Arbeitslagern nicht durch widerstrebende Dienstpflichtige, deren Dienst­leistung durch staatliche Zwangsmittel gesichert werden muß, beeinträchtigt? Der Reichsarbeits­minister betonte, erst dann, wenn man in vollem Bewußtsein der Verantwortung für unsere Jugend diese grundlegende Frage bejahe, könne man in weitere Erörterungen über die Arbeitsdienstpflicht ein treten.

Zum Schluß betonte der Reichsarbeitsminister, daß sich der Gedanke des Freiwilligen Arbeitsdienstes durchgesetzt habe.

9 Millionen Mark Mehraus­gaben in Hessen.

WSR. Darmstadt, 7. Dez. Rach der amt» lichen Rachweisung über die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen stellt sich die Finanzlage wie folgt: 3m ordentlichen Haushalt sind per Ultimo September 29,426 Millionen Einn ahmen verbucht, und zwar aus Reichs- und Landessteuern 23,113 Millionen, aus der Rechtspflege 1,378 Millionen, aus Schule, Kunst, Wissenschaft und Kirche 0,055 Millionen rind aus der übrigen Landesverwaltung 6,127 Millionen Mark. Bei den Betrieben steht nach ein Aysstand von 1,247 Millionen zu Buch. Die Ausgaben belaufen sich auf insgesamt 38,565 Millionen, und zwar für allgemeine Verwaltung einschließlich Polizei 5,741 Mill., für Rechtspflege 3,688 Mill., für Verkehrswesen 0,123 Mill., für Schule, Wissenschaft, Kunst, Kirche-12,153 Mill., für soziale Maßnahmen und Gesundheitswesen 1,803 Mill., für Wohnungswesen 0,648 Mill., für den Schuldendienst 2,143 Mill., für Ruhegehälter 7,493 Mill, und für sonstige Ausgaben 4,768 Mil­lionen. Es verbleibt also im ordentlichen Haus­halt eine Me h r a u s g a be von 9,139Mil- lionen. 3m außerordentlichen Haus­halt sind per Ultimo September 0,741 Millionen Gesamteinnahmen und 0,582 Millionen Gesamt­ausgaben verzeichnet, so daß sich hier eine Mehreinnahme von 0,159 Millionen Mark ergibt

WirdHeffendieSchlachtsteuererhöhen?

WSN. Frankfurt a. M., 7. Dez. Bekanntlich liegen die hessischen Schlachtsteuersätze teilweise er­heblich unter den preußischen. An dieser Tatsache scheiterte bisher der Abschluß eines Gegenseitigkeits­abkommens zwischen Preußen unb Hessen betreffend Erlaß ber Ausgleichssteuer. Jetzt wirb, wie wir er- fahren, von feiten bes preußischen Finanz­mini st eriums ein Druck a.uf Hessen aus- geübt, wonach Preußen nur bann zum Abschluß eines solchen Abkommens bereit sein soll, wenn Hessen seine Schlachtsteuersätze ben preußi­schen anpaßt.

Oer Reichspräsident begrüßt dieKarlsruhe".

Kiel, 7.Dez. (TTl.) Reichspräsident v. Hin­denburg hat an den zurückgekehrten Kreuzer Karlsruhe" folgendesDegrüßungstelegramm gesandt:

werke hinunter! Meinetwegen können Sie der Teufel sein ich bin Beelzebub!"

Robert Schuhmann erklärte Richard Wag­ner fürunmöglich", weil er immerzu rede, und Wagner erklärte Schumann für unmöglich, weil er immerzu schweige man kann also selbst als Mu­siker und für Musikergeschmack auf entgegengesetz­teste Art ein unmöglicher Mensch sein. Schumanns Wesen war so bescheiden-; daß er hinter seine Gat­tin, die berühmte Pianistin, ruhig zurücktrat unb es sich gefallen lassen mußte, daß nach einem Kon­zert, welches dabei nur seinen Werken gegolten hatte, Klara vorn König der Niederlande ins Ge­spräch gezogen, er aber von der Majestät mit ben leutseligen Worten ab gespeist würbe:Nun, und Sie? Sie sind auch musikalisch?" Hingegen wußte der Geiger Wilhelms seinen Stolz sehr gut zu wahren, als er bei einer reichen Dame zum Kaffee eingeladen.war, doch ohne Geige erschien und zu der enttäuschten Hausfrau mit höflicher Verbeugung sprach:Meine Geige läßt sich entschuldigen, sie trinkt keinen Kaffee!" Aber es war einz.g eine Verschiedenheit der Temperamente, die sich aus­drückte, als Anton Bruckner und Hugo Wolf bei einem Konzert in Berlin gleichzeitig uraufgcftihrt wurden und Wolf sich bei dem rauschenden Beifall nur roiberroill.g in seinem Hellen Sommeranzug aufs Podium zerren ließ, während sich Bruckner im Bratenrock mit devoten Kratzfüßen unb unter­würfigem Grinsen stets von neuem bedankte: jeder feierte auf feine Art seinen Sieg im Kampf mit dem Drachen. Hans von Bülow wußte bekannt­lich das Publikum geradezu und wirklich en canaille 3u behandeln; wie nach der Dachschen Schlußfuge eines feiner Klavierabende der Applaus nicht enden wollte, drohte er mit malitiöfem Lächeln vom Po­dium:Verehrte Anwesende! Wenn Sie jetzt nicht aufhören, bann spiele ich Ihnen die letzte Fuge wirk­lich noch einmal vor!" Den Herrscheranspruch in der Welt, den mancher Musiker erhob, hat die Welt oft genug gern und bereitwillig anerkannt und befrie-. bigt. Als Franz Liszt bei schwerem Wetter, von Gibraltar kommend, in einen kleinen spanischen Hafen einlief, wurde das Schiff infolge eines Miß- Verständnisses beschossen. Der Hafenkommandant ent­schuldigte das Versehen, aber er fabelte ben Kapitän mit den Worten:Warum haben Sie nicht die F lange »Souverän an Borb' gehißt?"

Man verstehe nur diese eben erwähnten Anek­doten recht. An der Spitze meiner kleiner Auslese würde am besten die folgende Geschichte stehen. Hugo Wolf wurde von einer Musikerzeitschrift um eine biographische Skizze unb um sein Bild ge- beten. Er antwortete auf einer Postkarte:Ich heiße Hugo Wolf, bin am 13. März 1860 in Win-

Den KreuzerKarlsruhe" heiße ich bei feinet Rückkehr in die Heimat herzlich willkommen und verbinde damit meine Anerkennung für die Leistung des Schiffes und mustergültiges Ver­halten der Besatzung, v. Hindenburg."

Aus aller Welt.

Das Lxplosionsunglück bei Rathenow.

Wie ergänzend zu dem Explosionsunglück in Premnitz bei Rathenow (Kreis Wcfthavelland) verlautet, werden noch drei Arbeiter vermißt, von denen man annimmt, daß auch sie unter ben Trümmern begraben wurden unb nicht mehr am Leben finb. Die Zahl der Toten würde sich dadurch auf 10 erhöhen. Bei den sechs Schwerver­letzten schweben vier in hoch st er Lebensge­fahr. Zu dem Unglücksfall wird von der Prcffe- stelle IG.-Farben noch mitgeteilt, daß der Betrieb vorläufig ftillgelegt ist. Am Donnerstag ober Frei­tag soll die Arbeit wieder auf genommen werden. Die Belegschaft von. Premnitz beträgt 1850 Mann.

Der Görliher Giftmordprozeh. Geständnisse des Angeklagten.

.Zu Beainn der Mittwochoerhandlung im Gör- ntzer Giftmord prozeß legte der Angeklagte 3 u ft zur allgemeinen Ueberraschung ein umfas­sendes G e st ä n b n i s ab, nach bem er sowohl feine zweite Frau, als auch die Familie G r o b a s, Vater» Mutter und Kind» mj t Arsen vergif­te t hat. Lediglich ben ihm zur Last gelegten Mord an seinem Schwiegervater, dem alten Türke, be­streitet er nach wie vor unb behauptet, baß Türke versehentlich von bem mit Arsen vergifteten Kaffee getrunken habe. Seine zweite Frau "will ber An­geklagte vergiftet haben, weil seine Schwiegermut­ter gedroht habe, ihm ihre Tochter wieder wegzu- nehmen.

15 Kriegsschiffe suchen dieSaroarabi".

Nach einer Meldung der Agentur Indo Pacifique aus Hongkong find 15 Kriegsschiffe damit beschäftigt, die Lage des gesunkenen japanischen TorpedobootszerstorersSawarabi" festzustellen und ihn zu heben. Die Hoffnung auf Rettung der 104 an Bord befindlichen Personen hat man aufgegeben.

Der Kapitän derEuropa" gestorben.

Commodore 3 o Husen, der sehr populäre Führer des SchnelldampfersEuropa" vom Rorddeutschen Lloyd, war an einer Blinddarm­entzündung erkrankt und hatte sich an Bord vom Schiffsarzt operieren lassen müssen; Commodore 3ohnseu ist jetzt in einem Reuyorker Hospital, das er nach der Ankunft derEuropa" aufgesucht hatte, gestorben.

Bergwerksunglück in Amerika. 9 Tote, 75 verschüttete.

3n dem bei der Stadt Albuquerque im Staate Reumexiko gelegenen KohlenbergwerkMadrid" wurden durch schlagende Wetter neun Bergleute getötet. Außerdem sollen 75 Berg­leute verschüttet worden fein.

Schwerer Verkehrsunfall in Karlsruhe.

In Karlsruhe ereignete sich ein schwerer Ver­kehrsunfall. Ein Schloffermeifter fuhr mit feinem Personenwagen mit voller Geschwindigkeit auf den Anhänger eines vor seinem Hause stehenden Lastwagens auf. Der im Personenwagen mitfahrende verheiratete Kaufmann Karl Bender aus Karls­ruhe wurde auf der Stelle getötet, ein weiterer Fahrgast wurde schwer, der Kraftwagenführer und eine dritte Person leicht verletzt. Die Verletzten wurden sofort ins Krankenhaus gebracht. Die Ur­sache des Unglücks ist noch nicht einwandfrei geklärt.

Ein Schmugglerdrama. Elf Tote.

Die Belgrader Blätter berichten aus Mostar (Südflawien) von einem Schmugglerdrama, bei dem 11 Personen ums ueben kamen. Reun Tabakschmuggler, die von der Zollwache verfolgt wurden, zwangen an der Reretwa einen Fährmann und dessen Sohn, sie in einem Kahn Über den Fluß zu sehen. Da der Kahn überlastet war, lief er voll. Die 3nsassen sprangen ins Wasser und ertranken.

dischgrätz geboren und noch am Leben. Die blöde Fratze tut nichts zur Sache." Auch bas Wort Richard Wagners ist ein rechtes Musikerwort: »Deutsch fein, heißt eine Sache um ihrer selbst wil­len tun." Sachlichkeit ist echte Musikerart, unb ich möchte beileibe nicht einen elenden Hunger nach Privatverhältnissen befriedigen. Wenn es gleichwohl über keine Gattung von Künstlern so viel Anekdoten gibt wie über Musiker, unb wenn diese Anekdoten zum Teil ihr volles Recht beanspruchen dürfen, so sind es eben solche von besonderem, von über- biogaphischem Charakter, die gerade beweisen, daß das Leben der Musiker nur Ton wird unb auch der Rest nur in eine Art Musik übergeht, nämlich ins Mythische unb Legendäre. Zu Operetten-, Film- unb Singspielhelben eignen sie sich nicht, unb bas letzte Wort über sie, die Cinheitsformel für ihre menschliche unb künstlerische Mannigfaltigkeit, findet nur die Mythe und Legende selbst. Und dieses letzte Wort spricht schon die alte Limburger Chronik: 3ur Zeit Karls IV. zog ein Mönch durch die Dör­fer, der fo wunderbar sang, daß die Herzen der Mädchen und Burschen von seltsamer Seligkeit schwollen. Sie verließen die Stuben und gingen ihm nach. Als sie in seine Nähe kamen, sahen sie: der Barfüßer war von schrecklicher Krankheit zer­fressen, der Atem seines Mundes hauchte G.ft. Ent­setzt flohen sie zurück. Er zog weiter einsam von Dorf unb Dorf. Niemand gab ihm die Hand, nie­mand wußte seinen Namen. Nur seine Lieder blie­ben zurück, und alle Liebenden fangen die Melo­dien des Verstoßenen."

Eine infereffanfe Expedition.

Das Seemannsapostolat plant jetzt unter der Führung von Pater Rockliff eine Expedition, die VA aus deutschen, englischen und amerikanischen Wysenschastlern zusammensetzen wird, um Häfen zu besuchen, die bisher vom Seemannsapostolat nicht erfaßt wurden. Die Mission wird sich in der Haupt­sache auf geistlichem Gebiet bewegen, soll jedoch auch wissenschaftlichen Zwecken dienen. Es werden Apparate für die Unterwasser-Aufnahmen und ein von Pater Rockliff erfundenes Instrument zum Mes­sen ber Auswirkungen von Erdbeben unter dem Wasser mitgeführt. Das Meßinstrument ist bereits erfolgreich bei oerschiebenen Erdbeben in Chile, Peru, Panama und Nicaragua angewandt worden. Pater Rockliff ist ein erfahrener Seefahrer, der schon 49 Seereifen unternommen hat, bei denen er, obwohl sie ausnahmslos in den Dienst des geistigen Wohls der Seeleute gestellt waren, Gelegenheit hatte, ungewöhnlich reiches und interessantes Mate­rial Ku sammeln.