Ausgleich der militärischen Machtmittel aller Staaten gesorgt werden. Dieser Ausgleich sei die erste und unbedingte Voraussetzung für eine friedliche Streitschlichtung, eine Voraussetzung, ohne deren Verwirklichung alle juristischen Mittel probleinatisch blieben. 5>ätte es dafür noch eines Beweises bedurft, so würde er durch die Vorgänge im Fernen Osten erbracht worden sein.
Scharfer Vorstoß der kleinen Mächte gegen Japan.
Die tschechoslowakische, die spanische und die irländische Regierung haben den Antrag eingebracht, die mandschurische Frage auf folgender Grundlage zu regeln:
1. Das militärische vorgehen Japans hat nicht den Charakter der Selb st Verteidigung.
2. Der mandschurische Staat ist nicht durch den freien willen der mandschurischen Bevölkerung gegründet worden.
3. Das vorgehen Japans bedeute eine Verletzung des Völkerbundspaktes und der internationalen Verträge.
4. Die amerikanische und die sowjetrussische Regierung werden zu den Arbeiten des ISer-Aus- schusses zugezogen.
General Gupingwen den Japanern ausgeliefert?
London, 8. Dez. (VTB. Funkspruch.) Rach einer Reutermeldung aus Tsitsikar haben die Sowjetbehörden den vor einigen Tagen auf sowjetrussisches Gebiet geflüchteten und internierten chinesischen General Supingwen zusammen mit 40 chinesischen Soldaten den japanischen Militärbehörden in Monds ch u r i a ausgeliefert. Unter den Ausgelieferten soll sich auch General Matschangtschen befinden.
Die Kammer will Herriot stürzen.
Eine Demonstration an die Adresse Washingtons.
P a r i s, 7. Dez. (TU.) Herriot wird am Donnerstag oder Freitag den Kammerausschüssen m tteilen, ob Frankreich beabsichtigt, seiner Zahlungsverpflichtung am 15. Dezember nachzukommen ober nicht. Die Regierung würde es natürlich gern sehen, wenn bis zur Kammeraussprache eine amerika- uische Antwort auf die zweite französische Rote eingetroffen wäre. Man weih jedoch nicht, ob die Washingtoner Regierung überhaupt zu antworten beabsichtige.
„Paris Soir" glaubt zu wissen, daß Herriot der Kammer vorschlagen wird, den fälligen Betrag b e i der Bank von Frankreich zu hinterlegen, damit die Regierung die Besprechungen mit Amerika und England fortsetzen könne. Die Kammer werde sich jedoch in ihrer großen Mehrheit gegen diesen Vorschlag, wie überhaupt gegen jede Zahlung aussprechen, die nicht durch eine gleich hohe Zahlung Deutschlands ausgeglichen sei. Ueber die Vertrauensfrage, die Herriot im Zusammenhang mit feinem Vorschlag stellen werde, werde die Regierung Hann gestürzt. Der gleichen Auffassung rst auch der „Intransigeant".Es soll sich dabei jedoch nicht um ein Mißtrauensvotum für die französische Regierung handeln, sondern ausschließlich um eine Kundgebung der Kammer an die Adresse des amerikanischen Kongresses. Man ist der festen Ueberzeugung, daß Herriot sofort wieder mit der Neubildung der Regierung beauftragt werde.
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Vornan von Margarete Ankelmann.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
Nachdruck verboten.
Der Morgenwind pfiff durch die Straßen, kam um die Ecken gefegt und traf erbarmungslos die Menschen, die schon so früh ihrer Arbeit nachgehen mußten. Fröstelnd zogen sie die Lieberkleider enger um den Körper: dieser Wind ging einem durch und durch.
Seit acht Tagen hatte man sich über die warme Witterung gefreut, hatte das Rahen des Frühlings geahnt, hatte ausatmend die ersten warmen Sonnenstrahlen begrüßt. Lind jetzt auf einmal, über Rächt, war es wieder bitter kalt geworden, war der schreckliche Winter zurückgekommen.
Hastig liefen die frierenden Menschen dahin oder trippelten an den Haltestellen der Elektrischen ungeduldig hin und her.
Die Tür eines Miethauses öffnete sich, ein junges Mädchen kam heraus. Die kleine Baskenmütze sah schief auf dem rechten Ohr und ließ einen tiesichwarzen, gutgeschnittenen Pagenkopf sichtbar werden.
Erschauemd apgen zwei kleine, mit billigen Handschuhen bekleidete Hände den dunkelblauen Trenchcoat fest am Hals zusammen, um dann schnell wieder in den Manteltaschen zu verschwinden, wobei die mit Brotschnitten und Thermosflasche vollgestopfte Aktentasche unter dem Arm fest an den Körper gepreßt wurde.
Mein Gott, was war das für eine Kälte! Die Tränen schossen dem jungen Ding in die Augen, die Rase war in den wenigen Augenblicken schon ganz rot geworden. Magdalene Winter schüttelte sich, als jetzt ein Windstoß daherfegte und den Rock hochwarf.
Warum war auch gerade sie dazu verdammt, jeden Morgen um dreiviertel acht ins Büro wandern zu müssen, während so viele andere junge Mädchen weiß Gott wie lange in den Federn liegen und sich ausruhen konnten?
Ein tiefer Seufzer entfloh den roten Lippen Magdalenes. Dabei trabten die Füße eilig über das Pflaster. Das Geschäft, in dem sie als Schreibmaschinenfräulein angestellt war, war ziemlich weit entfernt: der Weg streckte sich mächtig, besonders wenn man verschlafen hatte
Frau Hahn, ihre Wirtin, hatte heute selbst ^rschlafen, und alles war heidi gegangen. Der Kaffee war so heiß gewesen, daß Magdalene ihn kaum hatte trinken können, und daß sie sich den Mund dran verbrannt hatte.
Sie hatte heute auch nur flüchtig Toilette machen können. Das Waschwasser war eisig lalt
Oer Görlitzer Gistmordprozeß.
Lteberraschende Wendung: das Geständnis des Angeklagten Zust.
Im einzelnen schildert der Angeklagte die Mordtaten wie folgt: Seiner zweiten Ehefrau habe er am Tage der Entbindung das Arsen in schwarzen Kaffee und auf Kuchen gestreut zugeführt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er denn keine Reue gehabt habe, antwortet Just: ,Zch weiß nicht, wie ich dazu gekommen bin. Ich muß wohl von Sinnen gewesen sein." Die Frage nach dem Motiv der Tat beantwortet der Angeklagte: „Meine Frau sollte sterben, weil sie sich zu meiner Schwiegermutter zurückziehen wollte." Just schildert dann, wie er sich bei einem Drogisten das Gift zur Ermordung der Familie Grobas beschafft hat. Er behauptet aber nach wie vor, daß er ursprünglich sich selbst damit vergiften wollte. Er habe in seinem Leben so viel Bitteres kennen gelernt, daß er sich nicht wieder aus die Straße habe setzen lassen wollen. Die Frage des Vorsitzenden, ob er denn keine Bedenken gehabt habe, auch das kleine Kind der Grobas zu vergiften, beantwortet der Angeklagte dahin, daß es wohl auch für das Kind besser gewesen sei, wenn es tot war.
Es werden dann noch die A n g e h ö r i g en des Angeklagten vernommen, die ihm ein gutes Zeugnis ausstellen und sich nicht denken können, wie Just auf die Idee gekommen ist, seine Verwandten zu vergiften. Die Ehefrau des Angeklagten, Frau Maria Just, bricht während ihrer Vernehmung in Tränen aus und stammelt zunächst unver
ständliche Worte. Sie will nichts davon gesehen haben, wie Just den anderen das Gift beibrachte. Einmal habe'sie auf schwarzem Kaffee Schimmel bemerkt, so daß sie den Kaffee fortgegossen habe. Der 71jährige Vater, der Schuhmachermeister Just, bekundet, daß er seine Kinder immer streng erzogen habe und meint, daß der Krieg der kritische Wendepunkt im Leben seines Sohnes gewesen sei. Die Zeugin Frl. Kleinert aus Köln, die den Just 1931 in Köln kennen lernte, gibt eine ausführliche Schilderung des Bekanntschaftsoerhältnisses mit dem Angeklagten Just, der ihr zunächst erklärt habe, daß er unverheiratet sei, später aber eingestanden habe, daß er eine Frau habe. Sie habe ihm geraten, nach Hause zurückzufahren, was Just auf ihre weiteren Vorhaltungen hin gemacht habe. Nach seiner Ankunft in Klein-Partwitz habe er ihr geschrieben, daß er seine Frau (es handelt sich um die dritte Frau des Just) schwer herzkrank angetroffen habe. Der Arzt zweifle an ihrem Aufkommen. Bei seinem zwecken Aufenthalt in Köln habe ihr Just einen Heiratsantrag gemacht mit den Worten: „Wenn meine Frau stirbt, heirate ich dich: ich erbe dann die Wirtschaft." Der Airgeklagte will nichts davon wissen, der Zeugin erklärt oder geschrieben zu haben, daß seine Frau schwer krank sei. Auch die übrigen Hauptfragen bestreitet der Angeklagte (Justs dritte Frau ist in Wirklichkeit nicht krank gewesen).
Aus aller Well.
Das Explosionsunglück bei Aaihenow.
Die Bergungsarbeiten gestatten sich außerordentlich schwierig. Den Feuerwe-Hrmannischas- ten boten sich dabei erschütternde Bilder. Beim Weg- räumen einer großen Schutthalde fand man u. a. drei menschliche Beine, die mit verschiedenerlei Strümpfen bekleidet waren. Es muß angenommen werden, daß hier weitere drei Personen den Tod gefunden haben. Vermißt werden jetzt, nachdem sieben Tote geborgen worden sind, noch die Leichen des Schlosserrnersters T h i e -Rathenow und seiner drei Lehrjungen, sowie die Leiche des Meisters Winkens. Da kaum anzunehmen ist, daß diese fünf Personen noch lebend geborgen werden können, wurden die Bergungsarbeiten am Abend eingestellt. Dor allem soll' zunächst auch das Gebäude weiter abgeftützl werden, um einen neuen Einsturz zu verhüten. Das Befinden der im Rcckhe- nower Kreiskrankenhaus befindlichen sechs Schwerverletzten bat sich, bis auf einen, etwas gebessert. Es besteht bei fünf Verletzten keine unmittelbare Lebensgefahr mehr, während bei dem sechsten, dem Arbeiter Otto G a n tz e r, mit dem Ableben gerechnet werden muß. lieber die Ursache des schweren Unglücks besteht noch keine Klarheit. Es wird jetzt auch vermutet, daß nicht die Explosion einer Sauerstoff.asche, sondern eine Explosion in den Säureleitungen die Katastrophe verursacht hätte.
Amerikanischer Schlepper im Sturm gesunken.
Wie aus St. Johns (Reufundland) gemeldet wird, ist der Reuyorker Schlepper „Sandbeach", der in der Höhe von Labrador am Wrack des englischen Kreuzers „Raleigh" arbeitete, bei einem heftigen Sturm gesunken. Man befürchtet. daß die 19 Mann starke Besatzung ums Leben gekommen ist. 13 Mann der Besatzung sind bereits als Leichen an den Strand gespült wordern
Folgenschwerer Jagdunfall. — Lin Toter, zwei verletzte.
3n der Rähe von Rordhausen ereignete sich während einer Jagd ein folgenschwerer Unfall
Der aus Liebeleben stammende Sanitätsrat Dr. Klemm wurde durch einen Schuß aus dem Gewehr eines anderen Schützen tödlich getroffen. Der Schütze wurde ebenfalls schwer verletzt, während ein dritter Jäger leichte Verletzungen davontrug. Wie verlautet, soll der unglückliche Schütze gestürzt sein, wodurch sich der Schuß gelöst hatte.
Verleihung der walter-Rathenau-Medaille an Dr. Melchior und Harry Graf Kehler.
In der öffentlichen Hauptversammlung der Wal -- ter-Rathenau-Gesellschaft in Berlin überreichte Ministerialdirektor Dr. Brecht namens des Vorstandes der Walter-Rathenau-Gesellschaft Dr. Karl Melchior (Hamburg) und Harry Grafen Keßler die Walter-Rathenau-Me- d a i l [ e.
Verkehrsunglück in Polen. — vier Tote.
Ein Bauernwagen wurde beim Ueberqueren des Bahndamms bei der polnischen Kreisstadt Radom von einem Schnellzug erfaßt. Vier vom Markte heimkehrende Händler wurden zermalmt. Der Führer des Gespanns blieb unverletzt.
Line Fliegerin tödlich abgestürzt.
Auf dem Flugplatz Staaten bei Berlin stürzte eine Klemm-Sportmaschine aus bisher unbekannter Ursache ab. Die Führerin, ein Frl. von Löben, erlitt schwere Verletzungen, an denen sie bald darauf st a r b.
Der preußische Staat zu Schadensersatz verurteilt.
Nach dem schweren Brückenunglück vor zwei Jahren in Koblenz hatte sich die Mehrzahl der Hinterbliebenen der Verunglückten zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um gegen Reich und Staat Schade'n sersatzansprüche geltend zu machen. Vor der 2. Zivilkammer des Landgerichts in Koblenz fand dieser Tage eine solche Klagesache ihren Abschluß, indem der Staat Preußen wegen fehlender Beaufsichtigung durch Beamte zu Schadensersatz verurteilt wurde.
gewesen. Sonst, wenn Hähnchen nicht verschlief, bekam sie immer ihren Bottich mit warmem Wasser: aber heute hatte es dazu natürlich nicht mehr gereicht.
Ach, ein armer Mensch war wirklich beklagenswert. Lind dabei hatte sie gerade heute so schön geträumt, so daß sie Frau Hahn ganz entgeistert angestarrt hatte, als sie sie unsanft weckte.
Also war das alles wieder einmal nur ein Traum gewesen: ein Traum, daß sie reich und glücklich war — nichts als ein Traum!
.Lene, hallo! Willst du mich nicht mitnehmen?"
Magdalene Winter rümpfte die hübsche Rase, als sie diesen Anruf hörte, und schnippisch sah sie dem jungen Mann entgegen, der gerade über die Straße herüber kam und auf sie zueilte. Es war Arnold Becker, der zusammen mit ihr als Kontorist bei der Firma Teutobert Fischer, Drahtgitter- und Eifenwarenfabrik, angestellt war.
„Guten Morgen, reizende Kollegin!"
„Red' nicht so viel Llnsinn am frühen Morgen", war Magdalenes unwirsche Antwort.
„Ra, was ist los, Lene? Mit dem verkehrten Fuß aufgestanden heute?"
„Ich heiße nicht Lene, sondern Magdalene, wie ich dir schon des öfteren gesagt habe."
„Oh. Pardon, liebwerte Kollegin — ich vergaß ..."
Er mußte ein Lächeln unterdrücken. Ja, das war so eine Schwäche von der Magdalene. Man fiel sofort in Ungnade, wenn man sie mit Lene anredete, wenn man ihren langen Ramen auf diese Weise abkürzen wollte. Sie wollte das nicht hören. Das sei albern und altmodisch, wie aus Großmutters Hondlörbchen. Man könne vielleicht Magda zu ihr fragen, das ließe sich noch hören.
Lieberhaupt, daß sie so einen langweiligen Ramen mit auf den Lebensweg bekommen hatte — Magdalene Winter ausgerechnet —. damit war sie gar nicht einverstanden.
3m Büro lächelte man über diese Schwäche der Kleinen, die sonst ein lieber und vernünftiger Kerl war. Sie hatte ein hübsches Gesicht, große, graue, schwarzumwimperte Augen, die schon manchen Jüngling angelockt hatten.
Diese Anbändeleien blieben indes immer nur von kurzer Dauer. Das kleine Fräulein stellte zu große Ansprüche an ihre Verehrer.
Sie wollte nur in vornehme Lokale und Ver» miügungs'tätten geführt werden: gewöhnliche Kaffeehäuser oder einfache Bierlokale waren nicht nach ihrem Geschmack. Im Theater sah sie auch nicht gern aus einem billigen Platz: Stehparterre oder dritter Rang kamen schon gar nicht in Frage.
Magdalene Winter war ganz auf Vornehmheit eingestellt, und deshalb waren ihr alle diese jungen Herren nicht recht, die sich um ihre Gunst bemühten. Meistens kam sie schon das zwettemal nicht mehr zum Rendezvous.
Das alles hatte ja keinen Zweck! Dabei kam sie nicht weiter. Sie wollte ihr Leben genießen: aber nicht auf so billige und gewöhnliche Weise wie ihre Kolleginnen. Wenn es nichts anderes für sie gab, dann blieb sie lieber zu Hause.
Man schüttelte den Kopf über Magdalenes Vornehmheitsmarotte. Und Hippolyt Ho, f mann, der langjährige alte Buchhalter der Firma Fischer, ein alter Griesgram, nannte sie eine verrückte Liese. Magdalene hatte das gehört, und seit diesem Tage war er ihr Todfeind geworden. Das würde sie ihm nie verzeihen.
Wenn sie seitdem vom Chef irgendeiner Unachtsamkeit wegen getadelt wurde, so war sie überzeugt davon, daß Hippolyt seine Hände im Spiel und sie beim Chef verpetzt hatte.
Schweigend legten die beiden ihren Weg zum Büro zurück. Der junge Mann hatte verschiedene Male versucht, ein Gespräch in Gang zu Bringen, ohne daß er seine Gefährtin aus ihrer Schweigsamkeit hätte reißen können.
Endlich waren sie angelangt, schritten die Steintreppe hinauf, die zitz den im ersten Stock liegenden Kontorräumen der Fischerschen Fabrik führte.
Magdalene Winters Morgengruh klang ziemlich verdrießlich.
„'n Morgen, Winterchenl"
„Guten Morgen, Lene!"
„Schön' guten Morgen, gnädiges Fräulein Magda!" brüllte der Lehrling Heinrich über die anderen hinweg und verzog sich dann im Galoppschritt, um so der sicheren Ohrfeige zu entgehen, die ihm für seine Frechheit drohte.
Mit finsterer Miene nahm Magdalene ihren Platz ein, verstaute ihre Brote und die Thermos« flasche in ihrem Schubfach und schielte, nicht gerade erfreut, auf ein Bündel Rechnungen, Ne, zum Adtippen bereit, auf ihrem Platze lagen.
3nge Heinzius und Friedel Behr, ihre Schreib- mafrchinen-Kolleginnen, suchten ein Gespräch mit tpr anzuknüpfen. Aber Magdalene war heute nicht dazu aufgelegt; sie machte ihr abweiserck>stes Gesicht, und die Mädchen gaben ihre Absicht achselzuckend auf. An solchen Tagen war mit iprer Kollegin noch weniger anzufangen als sonst, das wußten sie aus Erfahrung.
Magdalene Winter hatte inzwischen ihren kleinen -Laschenkamm herausgeholt. Sie zog ihn durch die tiesschwarzen Haarsträhnen, um dem Pagenkopf den richtigen Sitz zu geben. Dabei sah sie so intensiv in den kleinen Spiegel, daß sie die ^obochtenden Blicke nicht bemerkte, die der alte Buchhalter schon seit einiger Zeit durch die Glasscheiben seines kleinen Extrakabinetts auf sie sandte. Jetzt schob er ein kleines Fensterchen in die Höhe und klopfte mit dem Bleistift gegen das Glas.
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oft lediglich zu Schönheitszwecken in Gebrauch ge- nommene Puderquaste auch einmal für hygienisch Zwecke in Bewegung zu setzen!
Bei großer Kälte ist es nicht angebracht, sofort nach dem Betreten des Zimmers die Nähe bef heißen Ofens aurzufuchen. Der jähe Terüperatui- wechsel ist nämlich für die Blutgefäßneroen beson- ders schädlich und setzt deren Widerstandskraft atf die Dauer bedeutend herab.
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und Franzbranntwein. LflDimtr 1|(
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Ohren unb Nase zu behandeln, die im Gegensatz zu Händen und Füßen durch die gewöhnliche Kleidung wenig geschützt sind, zumal viele Leute, vielleicht nu
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Aus der Provinrialbaupistadl. Frostschäden.
Don Dr. med. Hans Dolkenborn.
Die ersten Boten des Winters haben sich gemetod, Wenn wir auch noch nicht wissen, ob wir wiede, wie vor einigen Jahren, einem besonders harr« Winter mit strenger Kälte ausgesetzt sein werde,, so lohnt es doch, vorbeugend sich die nötigen Moj. nahmen für die Gesundheit klar zu machen.
Wie bei vielen anderen Krankheiten, liegt auh bei den Frostschäden die wirksamste Behandlung ii der Vorbeugung. Wir alle wissen, daß ein Ohr, obr ein Finger, oder ein Fuß, der einmal richtig erfr» ren war, auch nach völliger Heilung immer wiede dazu neigen wird, nochmals zu erkranken, wenn bcs Thermometer die Nähe des Gefrierpunktes erreich.
Die Ursache für diesen mißlichen Zustand ist b
einer Veränderung des Wutgefäßsystems der o krankten Körperteile zu erblicken Die Dlutverso- gung der betreffenden Gegend unserer Haut gell nicht mehr ordnungsgemäß vor sich, und schwere:, Rötungen, Schwellungen unb sogar Geschwürbi. düngen sinb die Folge. Leider behätt die einmal ei krankte Blutgefäßabteiluna ihre verminderte Wider, standskrast unb bringt sich bei einsetzender Kä?e sofort wieder unangenehm in Erinnerung.
Weshalb werden gerade die Hände, die Ohres unb mitunter auch bie Nase besonbers von bei Frostschäden befallen? Die Erklärung ist einfach Diese Organe sind am weitesten von dem Apporcl entfernt, der unsere Blutversorgung reguliert, narr» lich von dem Herzen. Die geringste Störung wir) sich bei ihnen am leichtesten bemerkbar machen. E; kommt deshalb nicht nur daraus an, die einmcl geschädigten Teile des Körpers in Zukunft durch warme Kleidung besonders zu schützen, sondern ei ist wichtig, den Grundursachen des Hebels zu Leid, zu gehen. Turnen, Sport, Körperbewegung, vielleicht auch Massage sind die besten Helfer, um eines normalen, widerstandsfähigen Kreislauf mit alles feinen Vorteilen zu garantieren. Außerdem empfiehlt es sich natürlich, schon bei den ersten Anzeichen eines Frostschadens lokale Maßnahmen vorzunehmer Waschungen mit lauwarmem Wasser werden (, schon ausreichen, mitunter wird man jedoch stärkere: Anreize für die Blutgefäßnerven bedürfen. Mai
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Miliiärkonzeri im Dienste der Allgemeinheit.
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der Stadt Platzkonzert zu veranstalten, um
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samrnlung von Geldspenden für bas Gießener Win- ternothilfswerk oorgenommen werden. Beiden ge-
Warum war sie eine Waise, ohne Heimah ohne Verwandte?
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Latz. 15 bis 1 nein, Sorte ammjung. -
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Ihr Vater war krank aus dem Kriege zurückgekehrt, kurze Zeit darauf gestorben. Ihre Mutter hatte als Witwe eine ganz anständige Rente bezogen, bis sie dann plötzlich krank wurde und nach wenigen Lagen ihrem Mann in den Tob
folgte.
Magdalene war von der Mutter zärtlich ver« wöhnt worden, auch dann noch, als sie schon eine Stellung inne hatte. Aber wenn sie abends nach Hause kam, war alles wunderschön gc* richtet, und Mutter und Tochter hatten ein gemütliches Leben geführt.
Mit zwanzig Jahren stand Magdalene atlein. Rber sie war nicht der Mensch, der verzweifelte, wenn sie ihr Mütterchen auch noch so heiß be« weinte.
Sie war auch nicht fentimental genug, an bei altmodischen Möbeln der Eltern zu hängen, mil denen sie nichts mehr anfangen konnte. Eine eigene Wohnung konnte sie sich nicht Hatter. So hatte sie alles verkauft und ein kleines Sümmchen in die Hand bekommen.
Lange hatte dieses Geld nicht vorgehalt«, war schnell aufgebraucht worden.' Jetzt hacke sie nichts als das. was sie jeden Monat auB* gezahlt bekam. Es war wenig genug; aber es genügte, um sich gerade durchs Leben zu schlag« Aber schon war dieses Leben nicht, darüber w»r sich Magdalene Winter vollkommen klar.
»Fräulein Winter, der Chef wünscht Sie.» t Fortsetzung folgt)
« Don CUni by } träume i
Bä Mr
Auf Bitten des Vorstandes des Verkehrs- uni Verschonerungsvereins hat sich Dbermufitmeifte: Krauße mit dem Musikkorps unseres Bataillon; in liebenswürdiger Weise bereiterklärt, am nächsten Dienstag nachmittag an zwei Stettel Mvmin M
damit die Verkehrswerbearbeit des Verkehrs- uni , Verschonerungsvereins zu unterstützen. In Serbin«17 20 bi düng mit diesem Konzert soll auch eine Straßen-
über halb neun. Hier ist doch kein Frisiersalon. Vielleicht sitzt Ihre Tolle jetzt endlich, und ei ist Ihnen genehm, mit der Arbeit zu beginnen.'
Magdalene schoß einen wütenden Blick hinüber zu dem alten Buchhalter: dann nahm fit ihre Arbeit vor.
Das war nun ihr Leben! Tipp°tipp... tipp* tipp... vom Morgen bis zum Abend. Zahlen, Buchstaben, Zahlen... Wie gräßlich diese mono« tone Schreiberei war, wie langweilig!
Lind wie schön war der Traum gewesen letzt:1 Rächt! In einem fremden Land hatte sie gelebt,1 unter Palmen und blühenden Blumen. Llnd reich ’
_______p- N.15 Uhr Fräulein Wintert Es ist bereits fünf Minute« ^gl werden.
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N Wanten (! SSchwer »Seren Morgan kRai u Raumes von 2r. Mar s "U® S 5 ■; "utter in e dürfte.
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meinnützigen Bestrebungen will unsere Gießener Militärkapelle mit ihren Darbietungen eine < fein. Der erste Teil der Platzmusik wird r:..
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war sie gewesen, unendlich reich! Hatte einen Troß von Dienern um sich, die ihr jeden Willen erfüllten. Trug die kostbarsten Gewänder, die herrlichsten Schmuckstücke.
Männer hatten ihr gehuldigt, hatten ihr zu letomtntn.; Füßen gelegen: schöne interessante Männer —i nicht solche, wie Arnold Decker, der Kontorist,! reiche ff oder wie Franz Mütter, der Kassierer. Rein, fisfcr fonn, solche, wie man sie im Kino zu sehen bekam.
Ach, warum war das alles hur ein Traum gut y > gewesen? Warum war sie in Wirklichkeit so arm, ^fer nt darauf angewiesen, sich mit ihrer Hände Arbeit ab Jr.„ ihr karges Brot zu verdienen? -|en
■ Stützt betonterer von 17 m nächsten §


