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Ur. 289 Erstes Blatt
(82. Jahrgang
Donnerstag, 8. Dezember |932
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General-Anzeiger für Oberhessen
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!
Um das persische Oel.
Don unserem ^.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London, Anfang Deze>müer 1932.
Der Mandschureikonfliktprüfstein für den Völkerbund
England und Frankreich suchen auszuweichen. — Neurath fordert einen klaren Weg.
Wie eine Bombe hat hier die Nachricht aus Teheran eingeschlagen, daß die persische R e - gierung Die Konzession der Anglo- Persian-Oil C o. gekündigt habe, da niemand darauf vorbereitet war, daß die persische Regierung so weitgehende Schritte ergreifen würde. Es hat daher sogar vorübergehend eine kurze Baisse on der Börse gegeben. Das englische Kabinett, das sich seit Jahren kaum noch um den Orient gekümmert hat, geschweige denn um Bersten, hat sich hochoffiziell mit der Angelegenheit befassen müssen und on die persische Regierung eine Ant- wortnole geschickt, die vom ganzen Kabinett gebilligt worden ist, die also nicht nur, wie für gewöhnlich in solchen Fällen, die Arbeit eines einzelnen Referenten ist. Die Beunruhigung der öffentlichen Meinung ist allerdings sehr bald wieder geichwunden; man glaubt den Versicherungen der Gesellschaft, daß die Kündigung nicht auf die Beseitigung der englischen Vertragsrechte überhaupt, sondern nur daraus abziele, daß ein günstigeres Abkommen für Persien über die von der Gesellschaft zu zahlende Abgabe an den persischen Staat abgeschlossen werden solle.
Man muß sich nun klarmachen, daß die Gesellschaft eine der beiden einzigen grasten Machtpositionen darstellt, die England noch heute in Persien besitzt, und zwar die größere von den beiden. Denn bie Imperial Bank of Persia, d i e englische Bank in Persien, die etwa die Hälft« des persischen Außenhandels mit den nichtrussischen Ländern kontrolliert, kann sich an Bedeutung mit der Analo-Persian-Oil Co. (kurz APOC.) genannt, nicht meßen, da die erste ein Aktienkapital von nur rund 13 Mill io iren Mark hat, während das der APOC. sich immerhin auf 230 Millionen beläuft.
Die englische Politik in Persien nach dem Kriege har unter allen möglichen Einflüssen geschwankt. In Lieser Politik der Erhaltung und Stärkung der Unabhängigkeit Persiens spielte auch die APOC. ihre bedeutsame, in Europa wenig bekannt« Rolle. Diese Gesellschaft, die ursprünglich von dem Australier D'Arey im Jahre 1001 gegründet wurde, gehört seit dem Jahre 1913 praktisch dem britischen Admirals st ab, da der englischen Regierung nicht weniger als rund zwei Drittel der Aktien gehören. Das hat aber nicht gehindert, daß sie doch nach kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet wurde, da man ja immerhin ein so großes Unternehmen in einem fremden Lande nicht rein nach militärischen Gesichtspunkten verwalten tann. Gerade diese kaufmännische, und wie der Fachmann zugeben muß, überaus solide geschäftliche Leitung scheint sich nun aber zu einem Verhängnis zu entwickeln. Denn während in normalen Jahren, h. also in den letzten drei Jahren, der Reingewinn der Gesellschaft sich auf etwa 130 Millionen Mark stellte, so daß diese der persischen Regierung fine Abgabe von etwa 26 Millionen Mark (ein Fünftel bis ein Sechstel des gesamten persischen Staatshaushalts) zahlen konnte, sind nach den soliden kaufmännischen Methoden und infolge der Abschreibungen, die diese erfordern, im Jahre 1931 nur noch sechs Millionen an die persische Regierung gezahlt worden, so daß liefe sich um den Gewinn geprellt fühlt. Ein Gefühl, das um so verständlicher wird, wenn man lieft, laß die englische Regierung an Aktiensteuer allein non der Gesellschaft, da sie ja nach englischem Recht als englische Gesellschaft in London errichtet ist, fast 18 Millionen Mark bezogen hat. Wo bleibt da, so fragt man sich in Persien, das Recht des eigentlichen Besitzers?
Der Streit um di« Höhe der Abgabe, die von ber APOC. zu zahlen ist, ist somit durchaus verständlich, und man hat den Eindruck, daß auch di« Gesellschaft selbst eingesehen hat, was für ein schwerer Fehler es war, daß man die persische Regierung mit der Abgabe für 1931 so schlecht stellte. Ne Gesellschaft hat sich daher schon seit einigen Monaten bereit erklärt, in eine Aenderung ihres Vertrages mit der persischen Regierung einzuwilligen. Aber die Kündigung des Vertrages in diesem Stadium, besonders nachdem bereits eine Erhöhung der Leistung für 1931 zu gestanden war, ist doch überraschend gekommen, da das zeigt, wie sehr die persische Regierung gewillt ist, aufs Ganze zu gehen. Man muß aus dem Vorgehen ler Regierung schließen, daß andere Leute hinter ihr stehen, und in London sagt man denn auch ganz effen, daß man hinter dem Vorgehen der Perser ben Ra t der Russen sehe.
... Daß Rußland nichts dagegen hat, daß die Engender aus Persien ganz und gar hinausgeworfen Derben, ist selbstverständlich. Daß sie daher auch mit jeder Schwächung der englischen Position einver- sianden sind, liegt auf der Hand —, daß sie aber £ud) Petroleuminterefsen haben, das weiß man eben nicht»immer. Und in dem Kampf zwischen dem englischen und dem russischen Petroleum spielen die persischen Oelfelder eine sehr bedeutsame Rolle. Seitdem im Jahre 1930 eine enge Verbindung zwischen 2 eterdi n g, dem großen Gegenspieler der Rus- ffn, und der APOC. besteht — die beiden Gesellschaften haben eine gemeinsame Verkaufsorganisation geschaffen —, hat die Propaganda gegen die APOC. in Persien nicht geruht. Seitdem der Versuch, eine Verständigung zwischen den Russen und 2etcrbing herbeizuführen, gescheitert ift, hat sich diese Propaganba verstärkt — unb bie Artikel ge- flen die letzte Bilanz ber APOC. in der persischen "resse verraten eine so sachkundige Hand, daß man | größere Interessenten dah'nter '»ermuten muß. End-
jede Aenderung der Konzession, die zu höheren *
Genf, 7. Rov. (TU.) Sn der außerordentlichen Dollversammlung des Völkerbundes kamen am Mittwochnachmittag nach den Erklärungen der kleinen Mächte nunmehr die Vertreter der Großmächte zu Wort.
Paul-Boncour beschäftigte sich in einer fast einstündigen phrasenreichen Rede mit dem japanisch-chinesischen Streitfall, ging jedoch einer eindeutigen Stellungnahme mit großem Geschick aus dem Wege. Die Völkerbundsversammlung soll nach Paul-Doncour ein Vermittlung s° verfahren einleiten und aus den Feststellungen des Lyttonberichts zu den Ursachen des Konflikts zur Tatsachenlage und der Ausrufung des mandschurischen Staates bestimmte Regeln herausarbeiten, die die Grundlage eines feierlichen Appells der Völkerbundsversammlung an die beiden Mächte bilden soll. Jedoch sollen die praktischen Vorschläge des Lyttonberichts für die Regelung der gesamten mandschurischen Frage zunächst beiseitegelassen werden und das Vermittlungsverfahren sich nur auf allgemeine Feststellungen des Lyttonberichts beschränken.
Der englische Außenminister Simon suchte in seiner Rede eine mittlere Linie zwischen den japanischen und chinesischen Interessen zu halten. Es liege nicht der gewöhnliche Kriegsfall oder Einbruch in ein fremdes Land vor. Zur Beilegung des Konflikts müßten jedoch die Methoden des Völkerbundspaktes angewendet werden. Die bloße Wiederher st ellung des früheren Zustandes fei vollständig ausgeschlossen, weil dadurch d i e Ursache des Streites wieder aufleben und eine Wiederholung der Unruhen eintreten würde. Simon schlug sodann vor. daß zum 19er Ausschuß der Dö^kerbundsversammlung, der mit der Beilegung des Streitfalles beauftragt werden soll, Vertreter der amerikanischen und der sowjetrussischen Regierung zugezogen werden sollten. Japan wolle auch weiterhin ein loyales Mitglied des Völkerbundes bleiben.
Oer deutsche Standpunkt.
Reichsauhenminister von Neurath gab bann in deutscher Sprache eine Erklärung über ben grundsätzlichen deutschen Standpunkt ab, in der er u. a. aus führte, welches ganz besondere Interesse gerade ei n entwaffneter Staat mie Deutschland daran habe, daß der Völkerbund sich als geeignet erweise, alle Konflikte auffriedlichem Wege zu einer gerechten Regelung zu führen. Deutschland habe im Völkerbund mit besonderem Nachdruck darauf hinzuwirken versucht, die friedliche Austragung von Streitigkeiten dadurch zu fördern, daß durch ganz genaue und im Konfliktsfalle sicher wirksame Verpflichtungen der Staaten der Möglichkeit des Einsatzes militärischer Mittel vorgebeugt werde. Der mandschurische Konflikt sei eine nur allzu handgreifliche Bestätigung der Richtigkeit dieser Bemühungen. Die Erfahrung der letzten Jahre habe aller Welt gezeigt, w i e schwierig bie Aufgabe des Völkerbundes fei, wenn es in einem Streit erft einmal zum Einsatz militärischer Machtmittel gekommen sei. Daraus müssen wenigstens für bie Zukunft die notwendigen Folgerungen gezogen werden.
Der Lyttonbericht kennzeichne den mandschurischen Streitfall dahin, daß in der Mandschurei die Gegensätze der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen und Kräfte ; u einem Zusammenprall geführt hätten, dem das verwickelte, die beiderseitigen Beziehungen
als den bisherigen Abgaben an die persische Regierung zwingt, hat zur Folge, daß das persische Petroleum der APOC. nicht mehr f o billig verkauft werden kann wie bisher, bedeutet also ■Mjminiieft einen erhöhten Gewinn für bas Bakuer Oel —, unb da sollte man glauben, daß niemand anderes an ber Angelegenheit interessiert sein sollte? In Lonbon jebenfalls ift man skeptisch. — Wenn bie persische Regierung ihre Interessen energisch wahrt, so wird man also das vollste Der- itänbnis bafür haben — anderseits ist aber eben doch auch nicht zu bezweifeln, daß das ganze eine eminent politische Bedeutung hat, da von dem Ausgang dieses Streites zweifellos mit abhängt, ob der Delfrieben zwischen Engländern und Russen zustanbekommt, und damit eines der Haupthindernisse für eine englisch-russische Verständigung beseitigt wirb, ober nicht. Es riecht also zweifellos wieder einmal nach Oel in ber Weltpolitik unb es ift kein Zufall, daß ber neue Oelkrieg wieder in Persien beginnt, genau wie einst vor zehn Jahren ber Kampf um Mossul...
Regierungskrisis in Finnland.
H e Ising so r s, 7. Dez. (TU.) Die finnische Regierung ift zurückgetreten. Im Kronrat wurde von der Agrarmehrheit ber Regierung der Antrag gestellt, dem Reichstag einen 'Vorschlag zur Zinfenregelung vorzu legen, wonach für ausgeliehenes Gelb höchstens 7 v. H. Jahreszinsen genommen werden dürften. Der Staatspräsident hat den Vorschlag abgelehnt. Von den zehn Mitgliedern der Regierung gehört die Hälfte zur Agrarmehrheit. Die übrigen ^Mitglieder stehen auf feiten des Staatspräsidenten.
regelnde Rechlssystem, in dem hoheilsrechte und Servituten einander überlagern und überschneiden, nicht habe standhallen können. Um der gestellten Aufgabe gerecht zu werden, müsse daher der Völkerbund einen konstruktiven plan finden, der den Streit wirklich endgültig aus der Mett schaffe und damit auch der Entstehung neuer Streitigkeiten in jenen Gebieten vorbeuge. Der Völkerbund dürfe f i ch lebendigen Entwicklungen, wie sie in der Mandschurei heroorgetreten seien, nicht verschließen. Dagegen habe er die Aufgabe, solche Entwicklungen in friedliche Bahnen zu leiten und damit das Ziel zu erreichen, daß der Einsatz militärischer Machtmittel als eine der Vergangenheit angehörige Methode endgültig überwunden werde. Dazu bedürfe es gar nicht neuer juristischer Systeme. Ls sei nur notwendig, daß die Regierungen den
Grundsätzen der völkerbundssahung und des kelloggpaktes ihrem wahren Geiste nach Geltung verschafften.
Alle Mitglieder des Völkerbundes hätten das gleiche Interesse und die gleiche Pflicht, dazu beizutragen, daß das gute Einvernehmen zwischen den beteiligten Staaten wiederhergestellt und damit die Gefährdung des Weltfriedens beseitigt werde. Es sei kein Zufall, daß der Völkerbund jetzt in doppelter Weise in ein kritisches Stadium seiner Entwicklung geraten sei. Reben dem mandschurischen Konflikt harre in Genf e i n anderes Problem der Lösung, das die ganze Welt bewege. Dieses andere Problem stehe hier nicht zur Diskussion. Es sollte jedoch eine wirklich sichere Gewähr dafür geschaffen werden, daß künftighin Konflikte nicht nach machtpolitischem Ausgleich drängten, sondern ohne Einsatz militärischer Machtmittel e'.i gerechte und billige Regelung fänden. Damit die Autorität des Völkerbundes für diesen seinen höchsten Zweck gestärkt werde, muhte für einen völligen
Verhandlungspause in Genf.
Man wartet HerriotS und Macdonalds Rückkehr ab.
Genf, 7. Dez. (TU.) Die zu Mittwochabend unter dem Vorsitz des englischen Außenministers Simon einberufene neue Besprechung der fünf Großmächte ist angeblich infolge der ausgedehnten Aussprache der Vollversammlung über den japanisch-chinesischen Konflikt auf Freitag verschoben worden. Der wahre Grund ist jedoch der allgemeine Wunsch, die Verhandlungen möglichst bis zu der für Freitag oder Samstag erwarteten Rückkehr Her riots und Macdonalds hinauszuzögern.
In den beteiligten Kreisen besteht der Wunsch, den deutschen Vorschlag und die Erklärung Her- riots zur Gleichberechtigungsfrage miteinander z u verbinden und damit einen Ausweg aus der völlig festgefahrenen Lage der Abrüstungskonferenz zu schaffen. Es soll die Absicht bestehen, den in dem deutschen Vorschlag vorgesehenen Sachverständigenausschuß der fünf Großmächte zu beauftragen, eine Lösung der materiellen und formellen Gleichberechtigungsfrage auf der Grundlage der g e st- rigen Erklärung Herriots zu finden.
Rach der deutschen Anregung soll dieser Sach- verständigenausschuh späte st ens b i s Ende Januar einen Vorschlag ausgearbeitet haben, in dem die deutsche Gleichberechtigung anerkannt und unter Beseitigung des Teiles V des Versailler Vertrages das künftige Abrü - stungsabkommen als die allgemeine und damit auch für den deutschen Rüstungs- stand gültige Regelung festgesetzt werden. Die fünf Großmächte sollten dann Ende Januar zur endgültigen Entscheidung der Gleichberechtigungsfrage von neuem zusam- mentreten.
Rach der sehr allgemein und vage gehaltenen französischen Gleichberechtigungsformel soll die deutsche Gleichberechtigung im Rahmen eines Systems anerkannt werden, das die gleiche Sicherheit allen Mächten gewährt. Man will nun erst die Stellungnahme der deutschen Regierung zur französischen Gleichberechtigungsformel abwarten, glaubt aber, daß sodann eine Verbindung zwischen dem deutschen Vorschlag und
der französischen Formel eine Weiterführung der Verhandlungen ermöglichen wird, die die Gleich- berechtigungssrage im Sinne der deutschen Forderung beantworten und damit zur Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz führen könnte.
Der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände an Aeurath.
Berlin, 7. Dez. (ERD.) Der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände hat an den Reichsminister des Aeußern Frhrn. v. Reurath in Genf ein Telegramm gerichtet, in dem gesagt wird, daß die öffentliche Meinung der ganzen Welt, die der zur Durchführung der allgemeinen Abrüstung zusammengetretenen Konferenz mit den größten Hoffnungen entgegengesehen habe, durch einen ergebnislosen Ausgang bet Verhandlungen auf das schwerste enttäuscht werden würde. Die Volker würden nicht verstehen, wenn das Versagen der Konserenz durch einen leinen Frieden und keine Sicherheit bringenden Beschluß vertuscht werden würde. Im deutschen Volke aber würde das bittere Empfinden zum Durchbruch kommen, daß es auch weiterhin wehrlos inmitten hoch gerüsteterStaaten stchm würde. Es habe gehofft, daß Recht und Gerechtigkeit es aus dem Zu st and der dauernden Unsicherheit herausbringen würden. Die deutsche Entwaffnung sei nicht bedingungslos, sondern nur a l s Einleitung der allgemeinen Abrüstung von Deutschland angenommen und durchgeführt worden. Dreizehn Jahre lang habe das deutsche Volk vergebens auf Erfüllung der Verpflichtung der Gegenseite gewartet. Es habe sich loyal an den Verhandlungen beteiligt. Eine Vertagung der Konferenz auf drei Jahre würde in den Augen des deutschen Volkes einem Scheitern der Konferenz gleichkommen und bedeuten, daß die anderen Staaten ihren Rechtsverpflichtungen nicht nachkommen.
Regierungsjubiläum des Königs von Schweden. Stockholm, 7. Dez. (TU. / König GustavV. feiert am heutigen Donnerstag das 25jährige Regierungsjubiläum. Obwohl er sich alle Ehrungen verbeten hat, feiert das ganze Land mit seinem Königshause. Am 8. Dezember 1907 starb der greife König Oscar II. und sein ältester Sohn bestieg als Gustav V. den Thron. Die Regierung König Gustavs verzeichnet auf äffen Gebieten eine glückliche und ungestörte Aufwärtsentwicklung Schwedens, woran der König kraftvoll teilgenommen hat. Im besonderen hat er dank feiner persönlichen Beziehungen zu fremden Herrscherhäusern und dank der verwandtschaftlichen Bande der Königsfamilie zu den meisten europäischen Dynastien auhenpol itisch viel für sein Land tun können; u. a. ergriff er die Initiative zum ersten Zusammentreffen der drei nordischenKönigel 1914 in Malmö) und damit zur Ausgleichung der früher bestehenden Gegensätze zwischen den nordischen Reichen. Innenpolitisch fallen in der Regierungszeit Gustav V. die Einführung des allgemeinen Wahlrechts auch für Frauen und andere Verfassungsänderungen, durch die jedoch die Stellung der schwedischen Monarchie in keiner Weise berührt wurde. König Gustav, der trotz seiner 74 Jahre geistig und körperlich noch außerordentlich rüstig ist, nimmt eine patriarchalische Stellung ein, die auch dadurch zum Ausdruck kommt, daß er feine Landeskinder mit „Du" anredet. In allen Bevöttcrunngskreisen wird dem greifen König große Hochachtung und Liebe entgegengebracht.
Oer neue Bundespräsident der Schwerz.
Itztzprozentige Golddeckung des Franken.
Bern, 7. Dez. (WTB.) Der Sweizerijche 9lationalrat hat mit 85 von 126 abgegebenen Stimmen Nationalrat Dollfus (katholisch-kom servativ) jum Präsidenten unb Nationalrat Huber (Soz.) zum Vi zepräsibenten mit 99 von 155 ab gegebenen Stimmen gewählt.
Bei ber Beratung des Voranschlages für 1933 gab ber Vorsteher des Finanzdepartements, Bundesrat MuIy, ein längeres Exposch wobei er über bie Lage bes Schweizer Franken u. a. ausführte, baß die Golddeckung der Schweizerischen Nationalbank 166 Prozent des gesamten Papiergeldumlaufes erreiche, während bas Gesetz nur eine Deckung von 40 Prozent verlange. Die Schweizerische Nationalbank lei ip ber Lage, bie Gesamtheit ihrer umlaufenben Banknoten in Gold auszubezahlen. Auch bie Privatbanken seien reichlich mit Gold versehen. Die Schweiz fei nicht an das Ausland verschuldet. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Schweizer Banken würden ohne Schwierigkeit erfüllt werden. Die sofortige Rückzahlung einer Milliarde in Gold an bas Auslanb würbe ber Schweiz nicht bie geringsten Schwierigkeiten verursachen. Es wäre sogar von Vorteil für die Schweiz, wenn ein Teil dieses Goldes zurückge- rufen würde, das in der Schweiz untätig lieg« unb Gastfreundschaft genieße.


