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8.11.1932 Erstes Blatt
 
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lachtviehmarkt.

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Getreidebörse.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Ur. 265 Erstes Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 8. November 1932

Eichener Anzeiger

Der Ruf zur nationalen Sammlung.

Schluß mit dem Kampf.

Für viele grundsatzbewußte Menschen hat das Wortverhandel n" einen leichten Beigeschmack. In England spricht man nicht verächtlich vom po­litischen Kompromiß. In einem Buche eines der großen Liberalen des vergangenen Jahrhunderts, On compromise", das seitdem zum eisernen Be­stand der englischen politischen Literatur gehört, ist diesem Wort und Begriff eine dauernde Ehrenret­tung zuteilgeworden. Die Einigung rviderstrebender Anschauungen und Kräfte auf der Linie des gerech­ten Ausgleiches empfiehlt man jenseits des Kanals als den Weg de r politischen Vernunft. Wir sind noch lange nicht so weit. Wir kommen so furchtbar schwer los von der programmatischen Prinzipienreiterei und von dem GrundsatzAlles oder nichts!" Nach ihm hat Adolf Hitler am 13. August gehandelt. Die Entscheidung fiel damals für nichts. Es ist zu einer Schicksalsfrage der Na­tion geworden, ob der Führer der größten deut­schen Massenbewegung aus diesem Tage und aus den nachfolgenden Ereignissen bis zum Abend des 6. November gelernt hat.

Zunächst scheint das Temperament noch einmal mit ihm durchgegangen zu sein.Keine Kompro­misse, kein Verhandeln, verstärkte Propaganda", wir möchten diese Kundgebung nicht so tragisch nehmen und sie lieber noch zum Aktenbestand eines Wahlkampfes rechnen, von dem wir wünschen, daß er für lange Zeit der Letzte war. Es ist ein ver­bürgtes Recht der Parteien und ihrer Führer, nach der Wahlschlacht 24 Stunden lang in Siegesgeschrei oder in Scheltkanonaden je nachdem. zu schwelgen. Diesmal darf das wirklich nicht län­ger als 24 Stunden dauern. Deutschland hat keine Zeit zu warten. Die Not und dies­mal ist es zunächst die politische Not brennt uns auf den Nägeln. Bei allen mit der Politik beschäf­tigten Menschen, denen die Parteien nichts und die Nation alles gilt, gibt es von ganz rechts bis weit nach links hinüber nur eine Auffassung. Es muß zu dem überparteilichen parlamenta­rischen Zusammenschluß unter Füh­rung des Reichspräsidenten kommen. Das sagt nicht nur die Papen-freundliche DAZ., das sagt jetzt auch mit dem Willen zur Einbeziehung der Nationalsozialisten die linksdemokratische Frank­furter Zeitung. Auch hier erkennt man die wert­vollen Kräfte in einer immer noch überragend star­ken Bewegung von Volksgenossen, die für den Staat gewonnen werden müssen, für einen Staat aller­dings, den sie in wesentlichen Zügen auch als ihren eigenen anzuerkennen vermögen.

Verhandeln und Versöhnung ist die Forderung des Tages. Hitler war nicht gut beraten, als er <m den Beginn des Weges Hindernisse legte. Aber auch der Ches der Reichsregierung muß sich davor hüten, in eine Taktik des Eigensinns zu verfal­len, die auf die großen Verhandlungspartner auf­reizend wirken könnte. Er darf nicht am Tage nach den Wahlen einfach sagen lassen, daß al­les beim Alten bleiben soll und daß er die Arme weit öffne für alle, die sich mit ihm auf seinem Weg rerbinden wollen. Wir können uns der Auffassung derDAZ." nur anschließen, wenn sie sagt:

Die autoritäre Reg erung, die das einzig­artige Glück besitzt, daß Hindenburg unser Staats­oberhaupt ist, muh eine breite Basis i m D o l k e r h a l t e n. Cs liegt in ihrem eige­nen Interesse, den Eindruck zu beseitigen, daß sie nur ein Zehntel der Ration für sich und neun Zehntel gegen sch hat."

Das, was heute notwendig erscheint, die natio­nale Einigung, darf nicht an Fragen der Person, nicht an Hitler und nicht an Popen scheitern. Es kommt darauf an, daß Deutschland endlich aus dem zerfleischenden Kampf Aller gegen Alle in ein Stadium der ruhigen Entwick­lung gelangt.

WassagtdiepreffezumSiand- punkt der Reichsregierung?

Berlin, 8. Rov. (ERB.) Einige Blatter be­schäftigen sich mit den offiziösen Erklärungen über den Standpunkt der Reichsregierung zum Aus­gang der Wahlen, in denen der Wille zum un­veränderten Festholten an dem bisherigen Re­gierungskurs zum Ausdruck kommt. 5HeGer­mania" (Zentrum) sieht in der Aeußerung, daß sie ihre Ar ne für jeden offen- halte, der zur Mitarbeit bereit sei, bereits politische Erkenntnisse eingeschlossen, die noch nicht mit jener befreienden Deutlichkeit benannt würden, die sie eigentlich verdienten. Dor allem die Erkenntnis, daß eine sogenannte autoritäre Staatssührung ohne jeglichen Rückhalt im Volk in einem uferlosen Meer von Experi­menten enden und scheitern muh und daß des­halb alles geschehen müsse, um ihr wieder einen festen Boden unter den Füßen zu verschaffen. Auch dieV o s s. Z e i t u n g be­zeichnet die Verlautbarung als ein Verhand­lungsangebot. Die Reichsregierung wolle offenbar die Frage der Verfassungsreform zum Prüfstein für den guten Willen der Parteien machen. DieD A Z." (gemäßigte Rechte), die wiederum ihre Forderung noch einer Regie­rung der nationalen Konzentration in den Vordergrund stellt, berichtet, daß der Reichspräsident sich zwar im ganzen von dem Wahlergebnis befriedigt ausgesprochen hoben dürfte, doch dürfte auch von dieser höchsten Stelle auf eine nachdrückliche Bemühung um eine Zu­sammenfassung aller positiven

Kräfte hingewirkt werden. Dos Blatt meint, daß nicht so sehr der Kanzler, als vielmehr der Reichspräsident jetzt die Entscheidung in dieser Frage zu treffen habe.

Unter der UeberschriftRationale Einigung notwendig!" schreibt dieBerliner Bör- senzeitung": Wer mit uns der Ueberzeu- gung ist, daß die Rettung Deutschlands nur aus der nationalen Einigung kommen kann, muß nunmehr der Hoffnung leben, daß die Rational­sozialisten jetzt das starre Prinzip des Kampfes gegen alle aufgeben und ihrerseits nichts tun, was dieser nationalen Einigung neue Hin­dernisse in den Weg legt. 3n diesem Sinne möchten wir annehmen, daß man in München in ruhigerer Stunde auch ruhiger über die neue Lage denkt, als es in einem, offensichtlich in der ersten Erregung über das Wahlergebnis nieder­geschriebenen Aufruf Hitlers der Fall ist. Der Weg des fortgesetzten Kampfes ist weder für

Berlin, 8. Noo. (WTB. Funkspruch.) Auf dem Frühstück des Vereins der Ausländischen Presse hielt Reichskanzler do n Popen heute mittag eine Rede, in der er zunächst seinen Gesamt- eindruck der Reichstagswahl schilderke. Eine erfreuliche Zunahme des Verständnisses für die Regierungsarbeit ist festzustellen, so betonte der Kanzler.

keine Partei wird noch Berechtigung zu der Annahme haben, daß sie die Alleinherrschaft in Deutschland auszuüben hat. Dagegen glaube ich die Hoffnung hegen zu dürfen, daß es nunmehr zu einer wirklichen nationalen Konzentration kommt. Möge die erfreuliche Einigkeit, die das deutsche Volk heute in den großen Fragen der auswärtigen Politik durch alle Parteien hin­durch gewahrt, jetzt auch dec Führung der Ge- famtpolitik die notwendige breite Grundlage schaffen. Personalfragen spielen hierbei ich habe es schon immer betont keine Rolle.

Die sachlichen Ziele der Regierung, die Sie kennen, werden unverändert verfolgt werden.

Der Kanzler wies dann auf die große und ver­antwortungsvolle Aufgabe der Ver­treter der ausländischen Presse hin und erklärte: Von dem Grad der Einfühlung in un­sere individuellen Lebensverhältnisse, den Sie, meine Herren, aufbringen, wird es abhängen, ob Ihre Ration uns mit den richtigen Augen sieht.

Kein Volk ist mehr in der Gefahr, mißver­standen zu werden, als das deutsche. Man muh uns mißverstehen, wenn man die Verhält­nisse anderer Völker auf uns übertragen will. Denn unsere Geschichte ist keine andere als die Ihrige. Deutschland ist von jeher das Schlacht­feld der Ideen gewesen. Deutschland wird das Kampffeld zwischen dem Rationalismus d e s W e st e n s und dem Irrationalismus des Ostens. Politischer Kampf ist bei uns zu­gleich ein Kampf der Wel tausch a uu n g. Schöpferisch kann deshalb in Deutschland mehr denn je nur eine Politik sein, die aus dem Glau­ben kommt. Diesem tiefstem Grunde entstammt allerdings auch größtenteils die das Ausland oft befremdende Schärfe unserer politischen Gegner.

Unsere Lage als Millelland Europas und unsere geschichtliche Entwicklung hal uns uner­schöpflichen Reichtum an kultureller Gestaltung in den verschiedenen deutschen Stämmen und Ländern beschert, deren Pflege und Förderung die große Aufgabe der deutschen Kulturpolitik sein muß. Aber nach außen stellt sie uns ebenso zwingend vor das Problem kultureller und politischer Selbsterhaltung.

pariser Echo.

Paris 7. Rov. (WTB.-Funkspruch.) Zum Er- aebnis der Reichstagswahl schreibtP e tit^a- r i ? i e n der Lag bedeute alles in allem einen Erfolg' für das neue Regime, selbstver- stündlich einen relativen Erfolg. Es sei ihm aber gelungen, die Hitlersche Dynamik zu brechen. Journal" spricht ebenfalls von einem Erfolg der Reichsregierung insofern, als die schwarz-braune Mehrheit gebrochen sei, daß nur ein Regime in Deutschland möglich sei, das sich auf Reichswehr und Polizei stütze Der ruhende Pol in der Erscheinungen tfluü)t bleibe Marschall Hindenburg.Oeuvre" meint, daß die Anzeichen sürdieRücckchr zur gew s'en Stabilität sich immer häufiger zeigten. - .Ordre" nennt Hitler den «roßen Besiegten des gestrigen -rrnges. Dagegen stärke der Sieg der Anhänger Hugenbergs die Lag: der Regieru g Pa-en.Figaro" meint: Angesichts einer touin tiefgreifend geänderten Lage und eines ziemlich verworrenen Dolkswil- lens bleibe Hindenburg der Herr.

Nach demT e m p s" besteht die ganze Aufgabe für die Regierung darin, daß sie mit starker Hand gegen den Willen der erdrückenden Mehrheit des Volkes und unter Androhung von Gewalt seitens

die Partei noch für die Ration gangbar und nützlich. Ietzt muß der Weg gefunden werden, der das Volk vor neuen Beunruhigun­gen und parteipolitischen Kämpfen innerhalb der Rechten bewahrt, und der eine Regierung der nationalen Zusammenfassung mit dem Vertrauen aller national denkenden Deutschen zusammenführt. Die Parteiführer müssen unter voller Verantwortung und öffentlich die Frage beantworten, ob sie auf dem Boden der durch das Wahlergebnis gege­benen Tatsachen bereit sind, mitzuar­beiten. Aus ihrer Antwort muß sich dann alles weitere ergeben. Versagen s i e sich der Rotwendigkeit einer nationalen Zusammen­arbeit, die nicht mit den Fesseln parteipolitischer Rücksichten belastet seins darf, so werden sie sich darüber klar sein müssen, daß sie vor Gott und dem Vaterland die Verantwortung für das deutsche Schicksal zu tragen haben werden.

Vornehmlich in politischer Beziehung ist unsere Mit­tellage voller Gefahren. Unsere heutige politische Lage ist nur verständlich aus einer unablässigen Verflechtung von Innen - und Außen­politik in den letzten zwanzig Jahren. Mancher, der heute im Auslande die Stärke unserer radi­kalen Strömungen verfolgt, wird sich ge­stehen müssen, daß diese ihre stärksten An­triebe aus den politischen Methoden erhalten hat, die man seit 1918 von außen her gegen uns angewandt hat.

Aus diesem geschichtlichen Zusammenhang von Innen- und Außenpolitik ergibt sich für das deut­sche Volk die schicksalhafte Aufgabe, eine Gestalt für seine Staatsführung zu finden, welche den dauernden Notwendigkeiten seiner Lage In Mitteleuropa und den besonderen Schwierig­keiten seiner heutigen Situation in gleicher Weise entspricht.

Die erste Vorbedingung hierzu ist die Meder- herstellung der vollen Hoheit des Reiches und die Einrichtung einer machtvollen Regierungs­gewalt. Line solche autoritäre Staatsführung steht nicht in Widerspruch zu dem Grundsatz der Demokratie, der wie in vielen Staaten der Welt auch die Grundlage unserer Verfassung bildet.

Demokratie und Autorität sind keine Gegen­sätze, sondern notwendige Ergänzungen- Der Kanzler betonte dann u. a., daß die Herstellung einer starken deutschen Staatsgewalt nicht nur eine Lebensnotwendigkeit für Deutschland, sondern das zentrale Problem Europas sei, und unterstrich mit Rachdruck, daß nicht eherRuhe und Frie­den in Europa herrschen werde, bis man dem deutschen Volke die lebensnotwen­digen Voraussetzungen zugestanden hat, die ihm eine friedliche und sichere Entwicklung gewährleisten.

Deutschland kann nicht 14 Iahre nach der Be­endigung des Krieges noch immer in der Rolle des Besiegten gehalten werden, wir verlangen die Gewährung der gleichen Rechte, die für alle anderen gelten, nicht als eine Plage oder eine Wohltat, sondern als unseren unverzichtbaren Anspruch. Ich stelle hier nichts Heues fest, wenn ich ausspreche: Der vertrag von Versailles hat keinen wahren Frieden gebracht.

(Der Kanzler spricht bei Schluß der Redaktion weiter.)

beider revolutionärer Parteien, die zusammen über 17 Millionen von 35 Millionen Stimmen auf sich vereinigt haben, regiert.Paris f o i r" sagt voraus, daß Deutschland nun entweder der Wieder­herstellung des Kaiserreichs oder der Moskauer Herrschaft entgegengehe. DasJournal des Debats" erklärt u. a., Popen und Schleicher hät­ten erreicht, daß nämlich keine Koalition gegen sie möglich sei. Reichspräsident von Hindenburg könne fortfahren, nach seiner Art zu regieren. Der neue französische Abrüstungsplan habe keinen Einfluß auf die deutschen Wähler gehabt. Die nationalistische Politik beherrsche Deutschland.

Mehrere Blätter rechnen mit einer Wiederauf­lösung des Reichstages und Aenderung des Wahl­gesetzes.

Sie italienische presse jur Aeichstaaswahl.

Rom, 7. Rov. (TU.) Die römischen Abendblät­ter betonen in den Ueberschristen zu den Mel­dungen über die Reichstagswahl, daß die Ratio­nalsozialisten immer noch die stärkste Partei seien. Giornale d' Italia" schreibt, die Hitlerianer hät­ten 195 Sitze erobert. Die Verluste der Rational­sozialisten werden nicht erwähnt. Das Hauptkenn­zeichen der Wahl sei die Wahlmüdigkeit gewesen, das zweite die Behauptung der politischen Dor­

Deutschlands Forderung an das Ausland

Eine Rede des Reichskanzlers vor Vertretern der ausländischen presse.

Das Ausland zur Reichslagswahl.

Herrschaft durch die Rationalsozialisten. Dagegen habe der Sozialismus an Boden verloren. Der angekündigte starke Ausstieg der kommunistischen Stimmen sei nicht eingetreten. 3m ganzen ge­nommen, bleibe die parlamentarische Lage un­verändert, ein Beweis dafür, wie unnötig die Wahl gewesen sei.

Moskau über den kommunistischen Wahlerfolg befriedigt.

Moskau, 7. Nov. (TU.) Das Interesse der sowjetrussischen Oefsentlichkeit an den deutschen Wahlen war außerordentlich groß. Aus Beranlas- sun-g der zuständigen Behörden wurden bis spät in die Nacht die Ergebnisse der Wahl laufend über­mittelt. Die Erfolge der KPD. werden als Beweis dafür angesehen, daß die im Oktober aus­gestellten Richtlinien der kommunistischen Internationale zweckmäßig waren. Nach An­sicht der russischen politischen Kreise wird die KPD. in den kommenden innerpolitischen Entscheidungen Deutschlands eine große Rolle spielen und ihren Kampf für die Zersetzung des de­mokratischen Systems fortführen. Die Wahl habe bewiesen, daß die nationalsozialistische Bewegung ihre Kräfte erschöpft habe und im Rück­gang begriffen sei. Jetzt habe die KPD. die Aus­gabe, die Massen in den Bereich ihres Ein­flusses zu ziehen.

Neues deutsch-schweizerisches Wirtschaftsabkommen.

Basel, 5. Rov. (TTl.) In Bern ist ein neues Abkommen unterzeichnet worden, das die drin­gendsten Fragen der deutsch-schweizerischen Wirt­schaftsbeziehungen regelt. Rach der Mitteilung des Voltswirtschaftsdepartements ersetzt und er­weitert das Abkommen die im Juni und Iuli des Iahres bereits getroffenen Vereinbarungen. Es bringt auf dem TevisengebieteEr- leichterungen für den Besuch deut­scher Vergnügungsreisender in der Schweiz und die Bezahlung schweizeri­scher Waren durch deutsche Einfuhrhändler. Für eine Anzahl schweizerischer Ausfuhrerzeug­nisse ist eine Herabsetzung der deutschen Zölle vorgesehen, während die Schweiz neben einigen Zollermäßigungen für eine Reihe deut­scher Waren erhöhte Kontingente zuge­steht. Das Abkommen wird am 17. Rovember in Kraft treten und vorläufig bis 31. März 1933 in Kraft bleiben. Zu den wichtigsten Regelungen des Abkommens gehört die Herabsetzung der Zölle beider Länder auf Taschen- und Armbanduhren. Außer den Tlhren- zöllen werden noch herabgesetzt die deutschen Zölle auf verschiedene Textilien, Maschinen, Chemikalien, Arzneimittel und Schokolade. Die Kontingente für deutsche Waren, die jetzt von der Schweiz erhöht worden find, ließen bisher nur eine Ein­fuhr von 20 Prozent im Vergleich zu 1931 aus Deutschland zu. Diese Anteilssähe sind im all­gemeinen auf 4O Prozent heraufgesetzt worden. Bei den anderen Positionen ist immerhin erreicht, daß keine weitere Verringerung erfolgen darf. Beides bedeutet für die deutschen Export­interessen gegenüber dem bisherigen Zustand einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Insbesondere wird aber auch hervorgehoben, daß das Abkom­men nicht etwa einen neuen Handelsvertrag, son­dern nur eine provisorischeRotlösung darstelle. Der Abschluß eines Handelsvertrages kommt für die deutsche Regierung solange nicht in Frage, als das Kontingentsh st em der Schweiz nicht beseitigt wird. Diese Voraussetzung ist jedoch heute noch nicht gegeben, kann aber un­ter der Geltung des gegenwärtigen Provisoriums, das nach dem 31. März 1933 stillschweigend ver­längert werden kann, vielleicht noch eintreten.

Der Berliner Verkehrsstreik von den Kommunisten abgeb asm DieNalionalsozialisten setzen denLireik fort.

D e r l i n, 7. Rov. (TA.) Die k o m m u n i st i s che Streikleitung teilt mit, daß sie den Berliner Verkehrsstreik nunmehr abbreche. Die natio­nalsozialistische Betriebszellen- Organisation Berlin teilt mit, daß sie bis jetzt keine Hebel in Bewegung gesetzt habe, um die gerecht um ihren Lohn kämpfenden Arbeitnehmer der BVG. zum Abbruch des Streiks zu beteegen. Für die nationalen Sozialisten innerhalb der BBG. gelte nach wie vor die Parole: Die Arbeit ruht! Sie habe nicht die Absicht, einen wirtschaftlichen Kampf in eine politische Dahn zu lenken, und zwar in einer Form, wie es die RGO. getan hat. Sie stelle erneut fest, daß die Kommunisten durch diesen Streikbruch ihr wahres Gesicht enthüllt haben und sehen ihnen sowie den sozialdemokratischen Verrätern eine ge­schlossene wirtschaftliche Front aller bei der DMA. Benachteiligten entgegen.

Diese Einstimmigkeiten in Der Streikleitung hat­ten zur Folge, daß sich in den Morgenstunden des Dienstag bereits soviel Arbeits­willige bei der BVG. meldeten, daß der Be­trieb auf sämtlichen Strahenbahn- und Autobuslinien wieder völlig fahrplanmäßig auf genommen werden konnte. Auch auf den Ll.-Dahnstrecken hofft man im Laufe des Tages den fahrplanmäßigen Be­trieb wieder durchführen zu können.