Ausgabe 
8.10.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadt

Geschichten aus aller Welt

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Leben angeschlossen.

Katzenmutter und Wcckertante.

() Paris.

Die französischen Frauen scheinen in der Er­findung neuer Berufe spitzfindiger zu sein als die Männer. Wer würde sich zum Beispiel den­ken daß eine stattliche Anzahl von Damen im Lande deslapin saute als Kaninchenfriseuse ihren Lebensunterhalt verdienen? Sie besorgt den regelrechten Haarschnitt der kleinen Tiere für einige Sous und kann sogar die Kaninchei^ haare selbst verwerten; warum soll man sich immer auf Roßhaarmatratzen versteifen?

Jede Markthalle in Paris hat ihre sogenannte Katzenmutter, der die Berpflegung der .berufs­tätigen Katzen übertragen ist. Die Katzen haben nämlich die Verpflichtung, die Batten auszu­rotten und werden dabei rund und fett. Sie müßten aber verdursten, wenn die Kahenmutter sie nicht morgens und abends mit Wasser und

Städtischen Gas- und Wasserwerk zurückbllcken. Auch dieser Jubilar genießt bei seinen Vorgesetz­ten und Mitarbeitern hohe Wertschätzung.

pflichtarbeiierstreik in Wiesbaden.

WSR. Wiesbaden, 7. Oft. Seit heute sind die bei der Stadt beschäftigten P f l i ch t a r b ei­ter in den Streik getreten. Es handelt sich um über 200 Personen. Bei diesem Streik gehen Vationalsozialisten und Kommunisten zusammen. Die höhere Entlohnung wird gefordert, toetl auch andere als nur zusätzliche Arbeiten verrech­net werden mußten.

landes wurden durch diese Einrichtung auf Schweizer Erzeugnisse aufmerksam und zählen heute zu starken Abnehmern zahlreicher Schwei­zer Waren.

Aus der Schweiz erhält man jetzt häufig Post- sacheü, deren Marken durch einen Poststempel entwertet sind, der die Aufschrift trägtAchetez les produits suissois,Donnez de travail vos compatriotes.Kauft Schweizer Wa­ren",Gebt euren Landsleuten Ar­beit". Bedauerlicherweise ist es trotz wieder­holter Bemühungen in Deutschland, das in erster Linie auf derartige Werbemöglichkeiten ange­wiesen wäre, nicht durchzusetzen gewesen, daß unsere Poststempel eine ähnliche Inschrift, wie das ausländische Beispiel, tragen. Dafür haben unsere Poststempel immerhin die tröstenden Auf­schriften:Rimm dir ein Postscheckkonto",Werde Bundfunkhörer" undWarum hast du noch keinen Fernsprechanschluß?" Wenn unsere Beichspost nur auch in der Propaganda nach dem Schweizer Beispiel beweglicher wäre ...

hat die mörserische Symphonie einen mörderischen Eindruck auf die Zuhörer gemacht.

Ein Verleger fand sich aber für das Werk nich.. Selbst der Verfasser, der in Paris 1795 einen Musikalienverlag gründete, konnte sich beherrschen, die Hymne drucken zu lassen. Er wandte sich lieber friedlicheren und bürgerlicheren Sachen zu und rief eine Klavierfabrik ins Leben, die noch heute besteht ...

Kongretz der Rätselfreunde.

(g) Rom.

Ein ungewöhnlicher Kongreß ist kürzlich in Forli abgehalten und in San Marino, der kleinen Bepublik, beendet worden, der Kongreß der italienischen Bätselfreunde. Er zählte mehrere Hunderte von Teilnehmern aus allen italienischen Provinzen, darunter bekannte Schriftsteller, Philo­logen und Historiker mit klangvollem Rainen, Mathematiker, Baturwissenschaftler usw. Wäh­rend man bisher der Ansicht sein konnte die Kreuzworträtsel-Seuche beispielsweise grassiere hauptsächlich in England und Amerika, bewies der Verlauf der Verhandlungen in Forli, daß der Italiener vielleicht ein noch fanatischerer und systematischerer Anhänger dieserinneren Qua­dratur der Worte" ist, wie einer der Referenten in einem zweistündigen (!) Vortrage über die AuflösungstLchnik dieser in Amerika erfundenen Rätselart diese bezeichnete. Man hörte weiterhin Vorträge über die ethymologische Berechtigung

I verschiedener Vokabeln, die sich die Herren Ver­fasser von Kreuzworträtseln inzwischen willkür­lich erfunden haben, über dieKunst des Bilder­rätsels", dieTechnik des Rösselsprungs" und über Raumschach, ein sehr verzwicktes mathema­tisches Problem.

Der Kongreß schloß mit einem Besuche der Be­publik San Marino ab. Die Kongreßteilnehmer wurden von der Regierung dieses Zwergländchens aufs feierlichste empfangen, die zur Feier des Tages sogar einen Bätselwettbewerb ausgeschrie­ben hatte. Es sollte nämlich das schönste Ana­gramm für die WorteLa Republica di San Ma­nno gefunden werden. Das Anagramm, eine heute ziemlich vergessene Spielerei, die jedoch im 18. Jahrhundert in Europa ebenso im Schwange war wie heute das Kreuzworträtsel, wandelt die I Buchstaben eines gegebenen Wortes in ein an- I deres oder eine Reihe von anderen Worten um.

Das Wort wird sozusagen gemixt. Als Beispiel I sei jenes Anagramm genannt, das ein Schmeichler dem Dichter Voltaire gemacht hat: Voltaire I o alte vir! (O du großer Mann!) Ein Ober­lehrer fand die Lösung, der aus den oben ge­nannten Worten die größtmögliche Schmeichelei für den marinesischen Gastgeber schöpfte, während 256 Rätselrater, die wie er im Schweiße ihres Angesichts über das treffendste Anagramm nach­gegrübelt hatten, leer ausgingen.

Die Flucht des Millionärs.

(g) Mailand.

Elli Beinhorn erzählt

Erster Vortragsabend des GoethebundeS.

Die schwerste Etappe ihres Weltflugs fei unzweifelhaft Südamerika gewesen.

Der Flug entlang der Steilküste der Kordilleren und der Anden, bei dem keinerlei' Möglichkeit zu irgendeiner Notlandung gewesen wäre, habe an ihre Nerven außerordentliche Anforderungen gestellt. Die schwerste Probe sei aber doch die Ueberquerung der Anden auf der Strecke SantiagoMendoza ge­wesen, die sich infolge der widrigen klimatischen Ver­hältnisse sehr schwierig gestaltet habe. Xie Fliegerin wußte gerade von dieser Flugstrecke aufregende, heroische Taten der in Mendoza und Santiago stationierten Flieger zu erzählen wahrend sie selbst mit viel Glück die gefährliche Strecke überwandt, um dann schließlich wohlbehalten in Buenos Aires ^Zum^ Schluß zeigte die Fliegerin noch viele Bil­den die sie vom Flugzeug aus aufgenommen hatte und auch hierzu wußte sie viel Interessantes und gleichzeitig auch viel Lustiges zu erzah en. Zwar sei es ihr auf allen ihren Flügen nicht gelungen einen 6 Erdteil zu entdecken, zwar seien die Fluglefftun- gen die sie vollbracht habe schon vor ged^t worden, immerhin freue sie sich aber doch, daß ihr das große Unterne-Hmen so glücklich gelungen fei. und sie hoffe, daß ihr eines Tages wieder Gelegen­heit gegeben fein möge, den Gießenern von einem wäteren Flug berichten zu können.

Die vielen Zuhörer dankten der Fliegerin mit anhaltendem herzlichen Beifall.

Dor Beginn des Bortrags hielt der Vorsitzende ho« lNoetbe-Bundes, Dr. Henning, eine An­sprache, in der er die Fliegerin herzlich willkommen Meß und ferner die Ziele des Bundes kennzeichnete. Er bat gleichzeitig, dem Bunde die Treue zu halten und eifrigen Anteil zu nehmen an dem, was der Goethe-Bund in Gemeinschaft mit dem Kaufmann,- schen und dem Ortsgewerbeverein im Winterhalü- fahr 1932/33 zu bieten habe.

Indien zu sehen, das sei, wie sie sich ausdrückte, ihre nächsteRosine" gewesen. Vori Indien habe sie aber nicht viel mehr gewußt, als daß es dort viele und unendlich reiche Maharadschas gebe, daß die Menschen braun seien, daß es dort sagenhafte weiße E i unten gebe und was dergleichen ähnliche Bor­st.llungen mehr sind. Diesen Flug sorgfältiger vorzu­bereiten habe sie sich, durch Erfahrung gewitzigt, sehr angelegen sein lassen. Wieder war das benötigte F ugzcug eine Klemm-Maschine, die aber diesmal m;t einem 120-?8-Motor ausgerüstet wurde, 150 km pro Stunde flog und einen Aktionsradius von 8 biro. 11 Stunden hatte. Auf diesem zweiten Flug habe sie tDieberu.a sehr viel erlebt. Schones und weniger Schönes, Aufregendes und Erhebendes. Am 4 Dezember o. I. begann der Flug in Berlin. Ber- lmBudapestKonstantinopel sei die erste Etappe gewesen, die ohne wesentliche Zwischenfälle passiert werden konnte. Heber Kleinasien sei es unfreundlich gewesen. Bei heftigstem Sturm habe sie nahe Alexan- dretta unter schwierigsten Umständen notlanden und in der Folge mit denEingeborenen" manches um­ständliche Intermezzo (unter weitgehender Zuhilfe­nahme der Zeichensprache) erleben müssen Weitere Stationen seien Aleppo (mit schwieriger Nachtlan-

** Abschieds-Ehrung für Landge­richtsdirektor Sch ud t. Eine schlichte, ober eindrucksvolle Abschiedsseier für den in den Ruhe­stand tretenden Landgerichtsdirektor S ch u d t fand am Donnerstagabend im Kreise seiner enge­ren Kollegen, Richter und Staatsanwälte, sowie unter starker Beteiligung der Handelsrichter und der Rechtsanwaltschaft im Hotel Schütz statt. Rach einigen ehrenden Ansprachen, in denen der Verdienste des Scheidenden um die hessische Rechtspflege gedacht wurde, legte Direktor S ch u d t mit treffenden Ausführungen seine hohe Auffassung vom Beruf des Richters dar, der einKenner, Könner und Künder des Rechts" sein solle. Allseits wurde dem Wunsche Aus­druck gegeben, daß der in den Ruhestand tre­tende Richter auch weiterhin durch seinen Rat zum Wohle der Rechtspflege wirken möge.

** Straßensperrung, mitgeteilt vorn Ober­hessischen Automobil-Club E. V. (A. v. D.), Gießen. Wegen Ausführung von Kleinpflasterarbeiten wird die Provinzialstraße Ortenberg Lihberg bis zum Abzweig nach Eckartsborn vom 7. Oktober ab für jeglichen Verkehr aefperrt. Umleitung über BleichenbachBergheimUsenbornHirzenhain und

Oberhessische Museum (Altes Schloß), das Völkermuseum, sowie das Kriegs­museum und die Städtische Gemäldesammlung (Beues Schloß) sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. Mit dem morgigen Sonntag tritt in der Desuchsmoglichkeit unserer Museen insofern eine Aenderung ein, als jetzt künftig auch I die Räume im Reuen Schloß jeden Sonntag von

1113 Uhr geöffnet sein werden. Der Besuch des Dölkermuseums kostet von jetzt ab nur noch 20 Pf der gemeinsame Besuch des Kriegsmuseums und der Städtischen Gemäldesammlung ebenfalls nur 20 Pf. Kinder zahlen die Hälfte.

** Arbeitsjubiläen. Am morgigen Sonntag, 9. Oktober, kann der Heizer Karl Klein aus Albach auf eine 25jährige Tätigkeit als Hei­zer im Städtischen Elektrizitätswerk zurückblicken. Der Jubilar erfreut sich wegen feiner vortreff­lichen menschlichen und beruflichen Eigenschaften der größten Wertschätzunabei der Werkdirektion, einen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Eben- alls am morgigen Tage kann der Gasarbeiter Peter Theiß auf eine 25jährige Tätigkeit im

Elli Beinhorn wurde auf das herzlichste begrüßt. Sicherlich war ihr Erscheinen und ihre Erscheinung vielen eine Ueberraschung, denn zart, schmal, liebenswürdig gewandt und mit einer Fülle von durchaus mädchenhaftem Charme be­gabt, betrat sie das Podium und nahm ben für ihren Vortrag schon im voraus gebotenen Beifall als Anerkennung für ihre zurückliegenden fliege­rischen Leistungen mit Bescheidenheit entgegen. Und bann erzählte fiel Sie erzählte im wahrsten Sinne bes Wortes. Die junge Fliegerin erzählte völlig unbekümmert und schloß so sehr schnell den Kreis zwischen sich und ihren vielen Zu­hörern (Die Reue Aula bet Universität, in der gestern abend ber Vortrag stattfand, war bis aus ben letzten Platz beseht!)

Sie sprach zuerst von Afrika.

Zu der Zeit, ba sie zum Afrikaflug startete, sei sie schon brei Jahre lang fliegerisch tätig unb mit dem Flugzeug gut vertraut gewesen. Sie habe aber nicht ohne Sinn unb Zweck fliegen wollen und sich deshalb einer Expedition ver­pflichtet, deren Leiter erst iM entscheidenden Augenblick, da es keinZurück" mehr gab, erfuhr, daß ber Flieger, ber ihn unterstützen wollte ein Mädchen war. Run, es iet alles, so erzählt sie weiter, eine Zeitlang gut gegangen. Sie sei glücklich in Afrika angenommen und dann mit ihrer kleinen Maschine mit dem sehr schwachen Motor weiter geflogen, bis sie in der Rahe von Timbuktu das Schicksal ereilt habe und zur Rot- landung zwang. (Man entsinnt sich- ein Oelroh des Motors brach!) Und dabei fei sie mitten unter die primitivsten Schwarzen ge^Len. -va habe es manche komische Situation gegeben, denn sich mit ben Eingeborenen zu verständigen, war schwer. Ohne Schlafsack, ohne Proviant ohne Moskitonetz und sonstige Dinge, tue in den Tropen nötig sind, habe sie sich in schlimmsten Situationen befunden. Etwas leichtsinnig (was die Vorbe­reitung anbetrifft) fei sie, wie sie selbst Luaivt an diesen Afrikaflug herangegangen. Das habe sich gerächt. Schließlich habe sie aber auf einem langen Fußmarsch Timbuktu erreicht, und um manche Erfahrung bereichert, bald wieder mit der Kultur Verbindung bekommen. Dieser 2sirika- flug habe aber in ihr den Wunsch wachgerufen, noch mehr von dieser Welt zu sehen.

Rach Indien ...

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Lt. Helena w.rd modern.

(g) London.

St. Helena ist eine einsame Insel im Atlanti­schen Ozean, und wenn nicht der große Rapoleon auf ihr gefangen gehalten und gestorben wäre, so würde man sich ihrer nach Verlassen der Schul­bank kaum mehr erinnern. Auch im britischen Weltreich hat dieser kleine Punkt auf dem Atlas bisher keine ernstliche Bedeutung gehabt. Im Londoner Kolonialamt ist nun endlich die Initia­tive ergr.ff:n worden, St. Hclma zu moöetmneren unb bie Besiedlung zu fördern. Straßenbauten sind in Angriff genommen, landwirtschaftliche Maschinen und Autos sind nach der Insel ge­schickt worden, eine landwirtschaftliche Versuchs­station mit erfahrenen Beamten wurde errichtet und auch der Touristenverkehr soll gehoben wer­den. 2n der Tat haben sich bereits mehrere abenteuerlustige Engländer nach St. Helena ein­geschifft, um dort in den Schluchten nach ver­borgenen Schcch"n zu suchen, denn St. Helena war e nst ein beliebter Schlupfwinkel kühner Pira^n unb Sllavenhänoler, und es geht das Gerücht, daß dort ebenso wie auf den Inseln im Karibi­schen Meer, Säcke mit Goldbarren und Beutel mit Edelsteinen verborgen liegen. Die Felsen und Klippen tragen auch heute noch die Ramen, die ihnen von den Seeräubern gegeben worden sind- Sie heißenLots Frau",Schwarzer Punkt , Toter Stein",Blutige Hand" usw., lauter Be­zeichnungen, wie wir sie aus den Piratenbüchern kennen, und wie sie die Korsaren ihren Ver­stecken zu geben pflegten. Die Eingeborenen der Insel haben zwar bisher vergeblich nach den Seeräuberschätzen gesucht, aber alle glauben an ihr Bestehen, und es liegt nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, daß die modernen Schatzgräber Erfolg haben werden. So bahnt sich denn eine neue Blütezeit für St. Helena an, denn mit den Beamten kommen Ansiedler, die Schatzgräber bringen Geld ins Land, der Verkehr hebt sich und die vergessene Insel in der Oede des Atlantischen Ozeans wird dem modernen

bung auf fragmentarischem Flugplatz) Bagdad Abuschehr (wieder eine Notlandung mit viel Auf­regung der ortsansässigen Perser unb schwieriger Zeichensprache) gewesen, welch letztere Ortschaft in unwirtlichem Gebiet nur zweifelhafte Gastfreunb- schaft in Form einer Art Schutzhaft hinter Gittern bieten konnte. Karachi (Indien) fei die nächste Sta­tion gewesen unb gleichzeitig für sie eine Enttäu­schung. Sie habe sich Indien etwas anders oorgestellt, als es sich hier in großer Armut und Nüchternheit barbot. Erst Delhi unb Kalkutta, später Darjeling unb ein märchenhafter Flug in 5000 m Höhe in bie Nähe ber höchsten Berge des Himalaja mit einem grandiosen Ausblick (der allein lohnte, fliegen gelernt zu haben) von Mont Everest bis Kangbchendzönga habe sie entschädigt unb mit Jnbien versöhnen können. Birma, Siam, Singapore bebeuten bie nächsten (Etappen; Balis wunbersame Inselwelt mit alter Kultur, mit Kunst unb der Bevölkerung des natur- lichsten Charmes, desgleichen Java, habe unvergeß­liche Eindrücke vermittelt, wenn auch ein trauriges Erlebnis vorübergehend die Harmonie des Schonen störte Nach China und Japan habe sie zu fliegen unterlassen, ba seinerzeit kriegerische Wirren eine andere Flugroute einzuschlagen geboten erscheinen ließen. In Begleitung breier großer englischer Flug­boote sei sie bann mit ihrem Landflugzeuy über eine 800 km lange Seestrecke nach Port Darwin (Austra­lien) geflogen, obwohl gerade dieser lange Flug über die große Seestrecke ein eminentes Wagnis bedeutet habe. Um so größer aber sei auch der Stolz gewesen, der sie erfüllte als sie wohlbehalten landete. Ueber die schier unendlichen Steppen Australiens führte der weitere Flug bis Sidney.

Gießen, den ».Oktober 1932. 3tir Beachtung für den Wahlkampf. Dom Amtsgericht in Diez war im April ein Angeklagter, der zur Nachtzeit auf ^Stra­ße n in Freiendiez Hakenkreuze und Wahlaufrufe angebracht hatte, von der Anschuldigung des groben Unfugs freigesprochen> worden. Auf die eingelegte Revision hat das O ber (a ndes- gericht in Frankfurt daS Urteil aufge- hobcn und nunmehr auf De st r a fu n g erkannt. Das Obcrlandesgericht fuhrt!n der älrteilsbe- rti-imbunn u a aus:Grober Unfug ist jede $?nto.ng, weich« den äußeren 'Seftanb b=r öf ent- lidien Ordnung dadurch verletzt, daß sie das Publikum als solches unmittelbar ^sahrdet, ober ungebührlich belästigt. Dies liegt hier vor. Das Publikum als solches muß belästigt oder gefährdet lein d h das Publikum in seiner unbestimmten Allgemeinheit. Maßgebend hierbei ist nicht die Ansicht der cm der Tat Beteiligten, oder der politischen Gruppe, der sie angehören, auch nicht die ihrer Gegner, sondern das Urteil der ver­ständigen, auf Ruhe und Ordnung bedachten Staatsbürger. Diese aber empfinden es als eine Belästigung, wenn die zum Allgemeinge­brauch bestimmten Gegenstände (dazu gehören auch Straßen und Drücken) durch Be- malen mit Aufrufen unb Zeichenver­unziert oder beschädigt werden. Dabei kommt cs nicht auf den Inhalt der an^brachten Aufrufe, sondern auf die Art und Weise der Anbringung an. Daß in der heutigen Zeit, noch dazu während der Wahlen, jedermann an der­artige Malereien, wie sie der Angeklagte gemacht hat, gewöhnt sei und sich dadurch nicht mehr belästigt fühle, kann dem Vorderrichter nicht zugegeben werden. Das Bemalen von Gegen­ständen des öffentlichen Gebrauchs mit Wahl­aufrufen stellt einen Auswuchs politischer Propaganda dar, der vor der Beschädigung öffentlichen und privaten Eigentums nicht Halt macht und der von allen vernünftigen Staats­bürgern, auch den vernünftigen politischen Ge­sinnungsgenossen des Angeklagten, verurteilt wird.

Das Beispiel der Schweiz.

Die reiche Schweiz hat in den letzten Jahren der deutschen Werbung für heimische Erzeugnisse immer wieder als Vorbild die­nen müssen. Die mit großem Erfolge jetzt bei uns in fast allen Städten durchaeführte Deutsche Woche baut aut Schweizer Erfahrungen auf. Die all­jährlich in der ganzen Schweiz veranstaltete Schweizer Woche hat sich zu einer beson­ders wirkungsvollen Propaganda für Schweizer Erzeugnisse entwickelt. Weite Kreise des Aus-

Wolfgang Amadeus Mozart hat tn dem Jahre in dem er zum Hofkompoffteur ernannt wurde' eines seiner reifsten Meisterwerke ge­schaffen, die OperDon Juan". (1787.) Ueber die Uraufführung dieses Stückes, insbesondere bezüglich der Premierenbesetzung, fmb Die -£n- sZten der Musikforscher sehr geteilt. In Er­mangelung eines Spielzettels ist man auf die mündliche Überlieferung angewiesen, und die ist alles eher denn authentisch. . .

Bis vor kurzem gelang es nicht, den Original- -----. Programmzettel aufzustöbern; in letzter Zeit tau- loneiten Pate standen. «nmbofitlon chen auffallend viele Exemplare auf. In Prag

Semetlenitoert bleibt bei biefet Sompoltnon ) Sauf|c in ii$Dn 3uan".»to-

die Instrumentierung. So wurde z. B d ' jammen ein und die Sammler bezahlten enorme

Glockenspiel lw Orchester von nicht w g a ^clöcr für bic unter bibliophilen Gesichtspunkte

sieben großen Kirchenstlocken^ to0%c ausnehmend wertvollenOriginale. Bis sie da­zu diesem Zwecke nicht ewgeschm 1z w^ hinter kamen, daß es sich um einen wohlorgani-

sind. Zur radikalen ^Verstärkung oes^a, fierten Schwindelfeldzug handelte.

Zeuges und der P^^Äerauf stellen die im Die wertlosen Fälschungen wanderten sofern sie dem Konzertsaal zwei Mörfer sstetten^^^ ^riüQtbefUj befanden, m den Papierkorb.

Finale genau auf den Einsatz s ge Die Restauflage hingegen trat (wie denn anders?)

ge euer! »urben. O& ^1^«zl öule au3geTauen n ^berseefahrt an. um die Bankees zu be- Effekte aus wusikalischer Uebe z 9 3 ang (üd $ einigen Wochen kommt aus Amerika hatte, obet «r fl Bestimmtheit die Nachricht man habe dort

Monte K mörderischen das garantiert echteDan 2uan"-Program.n

Emilio Scala, der vorjährige Sieger in der irischen Rennlotterie, ist mit Sack und Pack nach Italien ausgewandert, mit seiner Familie aus Dublin, wo er trotz des Millionengewinns seinen Kaffeehausbetrieb weitergeführt hatte, geflüchtet Mich versorgte. ,,, und will sich nunmehr in seinem kleinen Heimat-

Ebenfalls in der Rahe der Markthallen Hausen öo , vergraben. um nichts mehr von der schnöden die Weckertante und die Kaffeehausoesitzerin. draußen zu sehen und zu hören.

Letztere besitzt einen dreibeinigen ^isch. einen 6eit GmMo nämlich den Riesengewinn der kleinen eisernen Ofen, eine Dlechkanne. sowie Lotterie eingestrichen hat, ist er nicht mehr zur ausrangierte Biergläser. Sie stellt mit verein- ^uhe gekommen. Obwohl es in England Tausende sachtem VerfahrenCafe complet tjer^ eine ÜDn Leuten gibt, die ebenso reich und noch reicher

undefinierbare Flüssigkeit, die von den Hallen- atd er, wurde er tagtäglich mit Bettel- arbeitern genossen wird und insofern ihren <5toea 6riefen überschüttet, die er überhaupt nicht mehr erfüllt, als sie immer warm ist. Die Weckertante Q[k konnte und einfach in den Papierkorb

(rSveilleuse) arbeitet zwischen Mitternacht unö toQnöern [ic^ Daraufhin erhob sich eine Flut Morgengrauen. Sie hat die Arbeiter zu wecken DQn Drohbriefen gegen ihn. es fehlte sogar nicht und kann, wenn fie einigermaßen zuverlässig in. Presseangriffen, und der arme Emilio hatte eine Klientel von 40 bis 50 Personen ihr eigen ruhige Stunde mehr. Mit seinen Verwand- nennen. Jeder Pariser Rachtarbeiter hat seine ten un& heften Freunden hatte er gewisse Zeichen Weckertante ... . , auf den Briefumschlägen ausgemacht, damit er

Weckertante. Kahenmutter unö ^5?wc^n- Briese sofort aus dem Wust der Bettel­friseuse da können d.e armen schwachen korrespondenz herauskennen könne. auch dieses Männer wirklich nicht konkurrieren! ... Zeichen wurde irgendwie verraten und zierte

Tod oder Lympßonie! schließlich über die Hälfte der Bettelbriese.

Straßburg. Emilio bekam das Leben eines Millionärs in NS SSSLSMM

ernannt. Kaum hatte er d« Stelle, brach bie mehr «Ruhe haben wird?

Revolution aus. und derAristokrat" mußte Die Don Juanv von Prag,

flüchten. Man verhaftete ihn und bald war das (Ic) Prag.

Todelurte.1 gesprochen. Da fiel einem Mitglied des Revolutionstribunals ein, daß Pleyel Korn- ponist sei und man stellte den zum Tode Ver­urteilten vor die groteske Alternative.T o d oder Symphonie". Pleyel wählte begreif­licherweise das kleinere Hebel und komponierte in seinem Gefängnis eine gigantische Revolutions­hymne mit dem TitelDer 10. August'. So kam neben der Marseillaise von Rouget de Liste die zweite revolutionäre Komposition zustande, bet der nicht so sehr die sogenannten Musen, als p'c mc).' Cefänznisw'irter mi. aufgrpfl nzten Ba-