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8.10.1932 Frühausgabe
 
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Seger, Hauptschriftleiter des sozialdemokra- schenVolksblattes für Anhalt" unter Au Hebung des Urteils erster Instanz, das auf 500 Mark Geldstrafe lautete, wegen Beleidigung der Reichswehr zu einem Monat Ge­fängnis. Seger hatte am 17. November 1930 in einer Versammlung der Liga für Menschen­rechte geäußert, daß die Reichswehr so diffamiert werden müsse, daß jeder Reichswehrangehörige in der Öffentlichkeit w i e die Pest angesehen werde. Die Strafkam­mer betonte in der Urteilsbegründung, daß hier eine Gefängnisstrafe am Platz sei, weil die Reichswehr, die das letzte Mittel für die Aufrechterhaltung des inneren Friedens dar­stelle, besonders geschützt werden müsse.

Der Lahusen-prozeß.

Berlin, 7. Oft. (TU.) 3n dem Verfahren gegen die Gebr. Lahusen, die General­direktoren der Aordwolle in Bremen, deren Zu­sammenbruch seinerzeit großes Aufsehen erregt hatte, ist wiederum ein Verteidigungs- Wechsel zu erwarten. Die Gebr. Lahusen haben den bisherigen nationalsozialistischen Reichstags­abgeordneten Rechtsanwalt Dr. Frankel, auf* gefordert, d i e Verteidigung nieder­zulegen. Dr. Frank ist diesem Wunsche nach- gekommen, da er, wie verlautet, selbst eingesehen hat, daß er infolge seiner politischen Arbeitsüber­lastung nicht die genügende Zeit habe, sich um einen derartig umfangreichen Strafprozeß zu kümmern und daß außerdem eine Verteidigung durch einen nationalsozialistischen Abgeordneten den Lahusens in der Öffentlichkeit schaden könne. Die Mandatsniederlegung durch Frank 11. wird gleichzeitig die Mandatsniederlegung Prof. Dr. Lütgebrunes nach sich ziehen. Ein Berliner Anwalt soll sich grundsätzlich bereit erklärt haben, die Verteidigung der Lahusens zu übernehmen, wenn die beiden nationalsozialisti­schen Verteidiger ausscheiden. 3m übrigen ist mit einer Entscheidung d^s Oberlandesgerichts Hamburg in der Frage der Haftentlassung des einen noch in Untersuchungshaft befindlichen Lahusen zu rechnen.

Sensationelle Wendung in einem politischen Mordprozes.

Düsseldorf,?. Okt. (CNB.) In der Strafsache gegen vier Nationalsozialisten wegen Erschie­ßung des Kommunisten Sonnen am 9. Juni d. I. ist eine sensationelle Wendung einge­treten. Einem SA.-Mcmn gelang es, auf Grund von Gesprächen zwischen SA.-Leuten und Kommunisten, die Flobertbüchse, aus der der tödliche Schuß abgefeuert wurde, und die seitdem verschwunden war, zu ermitteln. Die Büchse war imBesitze des eigenen Bruders des Ermordeten. Die Polizei beschlagnahmte die Waffe, und Sachver­ständige stellten fest, daß die in dem Körper des Erschossenen aufgefundene Kugel zu der Büchse paßt. Schießversuche ergaben, daß die Kugel, die Sonnen traf, nur aus dieser Büchse abgegeben sein kann, da der Lauf der Büchse so geartet ist, daß der Abschuß an sämtlichen Kugeln die gleichen Merkmale aufweist. Unter dem dringenden Verdacht, ihren eigenen Angehörigen erschossen zu haben, wurden nun der Bruder und Vater des Sonnen in Haft genommen.

Ausschußsitzung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes.

Berlin, 7. Ott. (TU.) Gestern trat der Aus­schuß des A.lgeme.nen Deutschen Gewerkschafts- bunves zu c.ner Tagung in Berlin zusammen. D'r Bundesvorstand beschäftigte sich zunächst m t den Folgerungen, d e durch die Durch­führung. ve or'onung des Re.chsarbe'.tsministers vom 3. Oltober d 3- für den Abwehr­kampf der Arbeiterschaft gegen den Lohnabbau entstehen könnten. Einmütig wurde d e Meinung ve. treten, daß durch die Verordnung d e verschiedenen Einwände, die von den Gewerkschaften gegen das Bestehen einer

Gießener StaStthearer.

W.1 t r E ich Schäfer: er IN 0l ober'.

Der 18. Oktober, um den es sich hier handelt, ist ein historisches Datum. Dieses Schauspiel spielt sich ab auf dem Schlachtfelds bei Leipzig, während zweier Stunden in der Morgenfrühe, ehe der Kampf aufs neue beginnt. Auf vorgeschobenem Posten die Kompanie eines rheinbündis den Re- gim.ntes unter fran-ösis >m Oberbefehl: hart gegenüber die preußische Stellung.

*

Die Stimmung der kleinen Truppe nach schweren Verlusten, vor einer Schlacht, an der, wie alle wissen, die Ent- sc'-.idung hängt ist nicht die beste. Sie sehen dem Auögang des Kampfes ohne große Ho'fnung entgegen. Der französische Brigadier, der im Morgengrauen bei ihnen ankommt, sucht die Leute mit dem Versprechen baldiger Ver­stärkung durch französische Regimenter zu be­leben. Ohne viel Erfo'g. Die Füsiliere haben nur zu einem Vertrauen, zu ihrem Führer, dem Obersten Dauer, der wie ein Vater und wie ein Kamerad mit ihnen lebt und eben dadurch die Disziplin bewahrt.

Eine Patrouille bringt einen Gefangenen ein, einen Fuhrmann, der mit Schnaps zu de i Preußen wellte. Aber der Je angcnc sicht gar ni )t aus, als ob er ein Fuhrmann wäre, und redet auch nicht so: er kommt mit den Schnaps trinkenden Rhein- bündlem ins Gespräch und beginnt ihnen klar zu machen, daß sie, alS Deutsche unter napo­leonischem Kommando gegen Preußen, auf der falschen Seite stünden. Die werden erst nachdenk­lich, dann gibt es Lärm, ein Hauptmann kommt dazu, und cs dauert nicht lange, biS der Ge­sang, ne entlarvt ist: unter dem dunklen Fuhr- mannSmantel kommt die Uniform eines preußi­schen 3ägerS zum Vorschein.

Man bringt den Mann zum Stabe. Der fran- zösischi General ordnet da der Sachverhalt klar ist ein Kriegsgericht an und macht den Obersten Dauer zu dessen Vorsitzenden. Der Preuße, Student der Philosophie undLeutnant auf Kriegs dauer", leugnet nichts, verteidigt sich selbst und führt seine Sache (die ja zugleich die Sache aller sei in diesem deutschen Rheinbund­regiment) so trefflich, daß er den Obersten in einen schweren Gewissenskonflikt treibt: er zwingt ihn zur Entscheidung zwischen der Stimme seine­

Brückenkopf eines Weltreichs.

Palästina als englische prokuratur.

Von unserem P. P.-Korrespondenten.

Jerusalem, Oktober 1932.

Beinahe 3000 3ahre ist e- her, daß Palästina zum letztenmal selbständig war. Danach ist es von Babylon, von Rom, von Konstantinopel, von Bagdad und wieder von Konstantinopel aus regiert worden. 3etzt wird es von London aus reg.ect. Der englische Prokurator von Palä­stina, S.r Arthur Grenfell W a u ch o p e, wird vielleicht der Welt keinen ganz so bekannten Ramen hinterlassen, wie sein entfernter Vor­gänger Pontius Pilatus, aber seine Aufgabe ist dieselbe: eine kleine und entlegene Provinz nach den 3nteressen eines Weltreich- zu regieren.

Palästina ist nie durch s ich selbst wichtig gewesen, sondern immer nur durch seine eigen­artige geographische Lge. Es ist d i e s ch m a l st e Stelle der Lan. j rüde, die sich zwischen dem Mittelmeer und Der arabischen Wüste von Asien nach Afrika hinüberstredt. Bei Suez, wo sie noch enger ist, beginnt schon Afrika. Hier konnten die Großreiche von den Assyrern und Persern bis zu den Arabern und Türken fein selbständiges Gebilde dulden.

Zum letzten Male kam diese Brückenlage Pa­lästinas zur Geltung im Weltkriege. Für einen Augenblick war eine kleine deutsch-türkische Streif­abteilung von der Palästinafront bis auf das West- ufer des Suezkanals vorgestoßen, aber es blieb ein verwegenes Patrouillenstuckchen ohne Bedeutung. Die entscheidende Stelle für die Kriegführung in Palästina lag weit dahinter, auf der Strecke, wo die Bagdadbahn das Taurus- und das Ama- nusgebirge zu überwinden hatte. Diese Stücke waren nicht ausgebaut, als der Krieg begann, und sie wur­den auch während der ganzen KriegLdauer nicht für einen Vollbahnbetrieb fahrbar: eines der dunkelsten, kaum bekannten Kapitel des Weltkrieges. So blieben Aegypten und der Suezkanal in englischer Hand, um­gekehrt bauten die Engländer von Aegypten her die Bahn, mit deren Hilfe sie unsre Palästinafront zertrümmerten. Hätten w i r rechtzeitig die Bahn fertig gehabt, der Suezkanal wäre schon im ersten Kriegsiahr für die Engländer gesperrt worden ein Vorgang von unabsehbarer Bedeutung für den Ausgang des Ringen!

3etzt, nach dem Weltkrieg, hat Palästina eine andere geopolitische Bedeutung, als früher. Es ist nicht mehr Drücke zwischen Vorderasien und Rordafrika, es ist englischer Brücken­kopf für den Weg nach Bagdad und nach Indien. Die alte weltpolitische Rord- Südrichtung und die neue West-Ostrichtung kreu­zen sich rechtwinklig, und die Kreuzungsstelle liegt bei Haifa, am Fuß des Karmelvorgebirges. In dem ersten Vertrag, von 1915, den England und Frankreich über S')rien-Palästina mitein­ander schlossen, war nur die Ducht von Haifa für England vorgesehen. Das übrige Palästina ist erst später, als eine Art Anhängsel, dazu­gekommen, und wenn jetzt ein englischer Pro­kurator in Jerusalem sitzt, so geschieht eS nicht so sehr wegen Jerusalem, wie wegen Haifa.

Die Engländer bauen bei Haifa einen Hafen, der über eine Million Pfund Sterling kosten soll. Mächtige Wellenbrecher, die im nächsten Jahr fertig sein werden, schließen ein Bassin ein, vor dessen Große man sich staunend fragt, wozu es an dieser keineswegs verkehrsreichen Küste dienen soll? Roch nicht verkehrsreich! Es soll aber uald anders kommen. Die Rohrleitung von den Oelfeldern im Wossulgebiet ist schon im Bau, quer durch Mesopotamien und die syrisch-arabische Wüste, und wemr sie fertig ist, wird die Flotte der Tankschiffe, die das Oel nach Port Said, nach Malta, nach Gibraltar, nach England selbst brin­gen soll, im Hafen von Haifa ankern.

Mehr als das. Haifa wird Ausgangspunkt der englischen Bagdadbahn, die dazu be­stimmt fft, auf dem direktesten Wege das Mittel­meer mit dem Persischen Golf zu verbinden, eine neue englische Hochstraße für den Schnellverkehr nach Indien zu werden. England hält den Suez­kanal fest aber es ist entschlossen, sich für den Notfall auch von ihm unabhängig zu machen. Es umgeht chn durch zwei große Bahnen. Die eine, von Haifa nach Bagdad, ist beschlossen, aber noch nicht in Angriff genommen. Die andre ist schon seit einigen Jahren fertig. Sie führt vom Sudan, unter Vermeidung ägyptischen Gebiets, direkt ans Rote Meer (der dort angelegte Hafen heißt Port Sudan), und ist dazu bestimmt, die Produkte des Sudan auch dann nach England verfrachten zu können, wenn der Kanal etwa gesperrt, Aegypten unsicher oder feind­lich sein sollte.

Es ist der Pulsschlag eines Weltreichs, den man hier spürt in dem englischen Schutzstaot Aegyp­ten, wie in der englischen Prokuratur Palästina. Es ist, als ob man ein Triumphlied auf Englands Größe, auf seinen Gewinn aus dem Weltkrieg hörte aber es mischt sich ein anderer Ton dazwi­schen unb der klingt nicht nach Größe. Als ich vor ein paar Tagen in Port Said in den Zug nach El Krieg gebaute englische Palästinabahn beginnt, kaufte ich mir die französische Zeitung von Port Kantara stieg, wo am Ostufer des Suezkanals die im Englands auf unfern Schritt wegen der Wehrfrei­heit. Also, was zu erwarten war: Kapitulation vor Frankreich! Unaufrichtig in Ton und In­halt, ein untrügliches Zeichen der Sck mche. Eng­land möchte im Herzen die Erstarkung Deutschlands, es sähe gern das kontinentale Gleichgewicht sich wie- Sai/d, und las darin die minderwertige Antwort der bilden, das es selbst in Versailles so dumm und blind zerstören half aber es darf nicht! Frankreich will es nicht, Frankreich ist stärker, und Frankreich zu Gefallen muß England, entgegen sei­ner wahren Grundstimmung, sogar wieder den schulmeisterlichen und anmaßenden Ton gegen Deutschland brauchen, den es sich schon seit einer Weile ab gewöhnt hatte. Ein Weltreich, aber ein Weltreich in Aengsten! Diese Aengste nar­ben ihm bleiben, bis eines Tages wieder ein starkes Deutschland dasteht.

Friedenspflicht erhoben werden, nicht ent­kräftet worden feen, da eine Rechtsgrund­lage für die Verordnung des Reichsarbeits- m n.stets nicht gegeben sei. Die Gewerkschaften könnten sich zudem den Protesten ihrer Mit- gl'eder gegen den Lohnabbau nicht verschließen. De Kämpfe würden nicht durch die Gewerk­schaften, sondern durch das Unrecht der Rotverordnung selbst hervorgeru- f e n. Die Verantwort.mg für diese Arbeits­kämpfe treffe daher n cht die Gewerkschaften, sondern d'.e Reg e.ung. Von zahlreichen Rednern wurde des weiteren auf die sozial völlig un­erträglichen Auswirkungen der Notverordnung hingewiesen. Am 18. Oktober werden die Ge­werkschaften eine öffentliche Kund­gebung abhalten.

Aus aller Well.

Der Reichsoerband der Deutschen Hotels tagt in Berlin.

Der Reichsoerband der Deutschen Ho­tels, her zur Erörterung seines Hilfsprogramms für die Hotelwirtschaft zu einer außerordentlichen Tagung in Berlin zusammengekommen ist, nahm eine Entschließung an, in der die Bedeutung des Wirtschaftsprogramms der Reichsregierung als großangelegte Maßnahme zur Wiederentfachung der privatwirtschaftüchen Initiative und zur Lösung des Erwerbslvsenproblems anerkannt wirb. Leiber komme aber die Verordnung zur Entlastung der Wirtschaft dem Hotel- und Gaststättengewerbe nur in sehr beschränktem Umfange zugute, da die Steuer­gutscheine für Mehrbeschästigung von Arbeitneh­mern den Hotelbetrieben keinen Vorteil insofern

brächten, als die Dernessungsgrundlagen für die Be- schäfiigungsdurchschnitte der Monate Juni, Juli unb August 1932 eine Ueberschreitung der Arbeitnehmer- zahl sehr fragwürdig mache. Um so dringender müsse bas Hotelgewerbe eine sofortige Hilfe burch Verwirklichung ber seit Jahren oorgebrächten. Anträge auf E n t l a st u n g von Hauszins-. Grund, und Getränke steuern verlangen. Es müsse von Reichs wegen sichergestellt werden, daß Hauszinssteuern und Grundsteuern in allen Ländern nur im Verhältnis der tatsächlichen Be- setzung der Hotelbetten erhoben werden dürften und nicht, wie bas noch in vielen Ländern geschehe, nach dem Wert des Grundstückes, das in der heuti­gen Zeit vielfach nicht vollkommen auegenutzt wer­den könne. Die Beseitigung der Gemeindegetränke­steuer müsse um so dringender gefordert werden, als sie durch die Steuergutschein-VorzugsbehanLlung nicht erfaßt werde. Sowohl der Reichskan.zler, als auch der Reichsfinanzminister, die im Lause des Freitag 'Abordnungen des Hoteloerbandes empfan­gen haben, haben ihre Unterstützung im Rahmen des Möglichen zugesichert.

Ferngespräch BataviaBerlin im Rundfunk.

3m deutschen und javanischen Rundfunk wurde am Freitag das erste drahtlose Fernge­spräch zwischen Berlin und Batavia, das zwischen Dr. Kurt Rathke von der Reichs- rundfunkgesellschaft und dem Flieger Wolfgang von Gronau geführt wurde, nach Wachsplatten- aufnahmen wiedergegeben. Die Verständigung zwi­schen den Sendern Nauen und Bandoeng, also über eine Entfernung von etwa 12 000 Kilometer, war ganz ausgezeichnet. Wolfgang von Gronau beant­wortete die Frage nach den Schwierigkeiten und den weiteren Zielen des großen Fluges mit ein­dringlichen -Schilderungen. D'.e Uederwindung der langen Land- und Wasserstrecken mit Dem Flugzeug sei glänzend geglückt. Erneut habe sich herausgestellt, daß das Luftfahrzeug in den Tropcn das idealste Beförderungsmittel fei. Nach zweitägigem Aufent- halt auf Java werde zum Weiterflug gestartet. Ende des Monats denke er am Bodensee zu sein.

Sühne für einen gröblichen Dahlschwindeß

Dor dem Emdener Schöffengericht muhte sich die- fer Tage der Gründer der Partei irSj ö d) ft g e Halter der Beamten 5000 Mark für die bis jetzt abgewiesenen Kriegsbeschädigten" wegen schwerer öffentlicher Urkundenfälschung unb versuchten Betruges verantworten. Seine Liste für die letzte Reichstagswahl hatte in feinem Heimatdorf, dem ostfriesifcheu Dorf Folmhuse, 500 Unterschriften erhalten. Diese Liste wollte er aber auch in den anderen Wahlkreisen unterbringen Zu diesem Zweck ließ er sich vom Gemeindevorsteher mehrere Bescheinigunaen darüber ausstellen, daß 20 namentlich genannte Leute dort wahlberechtigt seien. Diese Bescheinigungen fälschte er um. Er setzte für die einzelnen Wahlkreise jeweils Orte hinter den entsprechenden Namen. In Düsseldorf-Ost wurde die Fälschung bei der Wahlprüfung aufgedeckt Die Anklage warf dem Angeklagten, dem Schlächter Oltmanns, vor, sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen versucht zu haben, daß er in den Reichs­tag gewählt werden sollte, um so in den Genuß der Diäten, des Freifahrtscheines und anderer Annehm, lichkeiten zu kommen. Er wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Signalglocke des früheren Kreuzers(Stuben verschwunden.

Die große S i gn a k g 1 o ck e des früheren deut­schen KreuzersE m d e n", der nach ruhmreichen Kriegsfahrten von ber überlegenen Artillerie bcs australischen KreuzersSydney zum Wrack ge­schossen würbe, wirb v e r nt i ß t. Sie war zur Er­innerung ci* bas erste Seegefecht ber australischen Marine am Eingang bes Marinedepots von Garben Islanb aufgeftellt worden, wo sie mehrere Jahre lang zu sehen war. Ein Stück der Glocke fehlte, es war durch das Artilleriefeuer der Sydney" herausgebrochen worden. Jetzt ist die Glocke obwohl sie mit eisernen Klammern befestigt war, spurlos verschwunden.

Fünf Todesurteile in der Sowjetunion vollstreckt.

Das Gericht in Tomsk verurteilte fünf Beamte der Genossenschaften wegen Sabotage und gegenrevolu­tionärer Umtriebe zum Tobe burch Er­schießen. Die Todesurteile wurden vor einigen > Tagen durch die Wachen der OGPU. vollstreckt.

Herzens und seines Blutes, die ihn auf die andere Seite weist und seiner Pflicht als Offizier und dem Gid, den er dem Landesfürsten geschworen hat. Das ist eine Entscheidung vor der Entscheidung der Schlacht in wenigen Stun­den. Und der Ausgang dieser Schlacht kann das Schicksal Preußens, Deutschlands, Europas be­stimmen. Und vielleicht steht der Oberst mit seinen sechshundert Leuten in der Schlüsselstel­lung: es kann alles davon abhängen, ob die sechshundert Eewehre hüben oder drühen losgehen.

Der Spruch des Geri-ötes lautet nach den Kriegsartikeln auf Erschießung. Der General drängt auf Vollstreckung, der Oberst bittet um Be­gnadigung. Der General lehnt ab, der Oberst weigert die Durchführung des Befehls und wird des Kommandos enthoben. Ein Hauptmann soll die Truppe zur Exekution des Preußen führen. Aber die dumpf aufbegehrende Stimmung der Leute, denen die Weirte des Preußen die Augen geöffnet und den richtigen Weg gewiesen haben, schlägt in offene Empörung um. Statt den Leut­nant zu erschießen, lassen sie ihn laufen und schlagen den eigenen Hauptmann nieder. Oberst Dauer bringt, gedrängt von einigen schnell ent­flammten Premierleutnants, die meutende Truppe zur Disziplin zurück: er übergibt einem der jungen Offiziere den Befehl und weist ihm die Richtung, aus der das preußische Avanciersignal und die friderizianische Feldmusik lockend zu ihnen her- übcrtö.iL Dem Obersten selbst bleiot die Pistole: er erschießt sich noch ehe der preußische Leutnant zu den für Preußen gewonnenen Fü­silieren zurückkehrt.

Der starke Erfolg, den die- Soldatenstück in dem keine einzige Frauenrolle vorkommt schon an zahlreichen deutschen Dühnen gesunden hat, er­klärt sich nicht allein aus dem theatergerechten, bühnensicheren Grifs, mit dem es geschrieben ist iSchäfer istvom Dau": Dramaturg und Dozent für Theatergeschichte in Stuttgart) sondern auch aus der nationalen Idee und der vaterlän­dischen Gesinnung, welcher der Konflikt seines Schauspiel- entspringt: einer Idee und einer Gesinnung, die gerade hellte weithin verstanden wird und Widerhall findet.

Die Spielleitung hatte Peter Fassott: er brachte eine durchgearbeitete, abgerundete und zweckmäßig besetzte Aufführung heraus, in der alle Akzente richtig verteilt waren. Die Regie

verstand die natürlich gegebenen, rein bühnen­mäßigen Möglichkeiten des Schauspiels in ge­schickten Steigerungen auszunutzen und zu un­mittelbarer Wirkung zu bringen. Vor allem war der Mittelakt, der mit seiner entscheidenden Auseinandersetzung die innere Achse des Stückes bildet, über den äußerlich-theatralischen Effekt hinaus empfunden und gestaltet worden. Die gut gesehenen Bühnenbilder Löfflers, welche die Stimmung des GöhschenGneisenau" wieder her­aufbeschworen, unter ftü^ten den geschlossenen Ein­druck der Ausführung auss vorteilhafteste.

Fassott gab auch selber die Rolle des alten Dauer und stellte einen grauhaarigen Obristen auf die Deine, der in seiner menschlichen Haltung ein wenig an den OLborne in derAnderen Seite" erinnerte: ein väterlicher Führer und pflichtbewußter Offizier: ein Mensch, der vor die schwerste Entscheidung seines Lebens gestellt, ist und die einzig: Lösung findet, die er zugleich vor seinem Herzen und vor seinem Eid verantworten kann.

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3hm gegenüber (aber eigentlich auf seiner Seite) der p ethische Leutnant Fabricius: Rainer Eggemann: er sand hier den befreiten Schwung der ihm als Drackenburg imEgmont" versagt hie ben mußie: zu der überzeugenden und befeuernden Rede eines leidenschaftlichen Idea­lismus, den die kühle Klarheit einer vor'okrati» schen De stesschulung nicht lähmt, fontern stärkt und vertieft.

Zwischen beiden Herr H u b als General Dela- rede, in der Maske Napoleons: eine interessante und gant runde Leistung, die auch im glatcn, diplomatischen, verbindlich-küh'en Tonfall den treffenden Ausdruck fanb.

Aus der Gruppe der Füsiliere hoben sich mit schärferem Umriß die wilde Landsknechtsgestalt des Schlagenhaufs (Hauer) und der blut­junge Bühler des Herrn Hamel heraus. Von den Offizieren: Karl Hehler, der den brutalen Adjutanten mit schneidender Schärfe zeichnete: und Paul R i e r e n, der sich temperamentvoll für den jäh für die preußische Sache entflammten Premierleutnant von Henkel einletzte. Auch alle übrigen standen tüchtig an ihrem Platz.

Der Deifall war flarf unb anhallend: ein entschiedener Erfolg. hth.

Das Mädchen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck".

Wenn der amerikanische Herz-Spezialist Dr. C. H. Deihl nicht zufällig in das Haus der Fa­milie MyhreS zu Poplar Dlusf in Missouri ge­rufen worden wäre, um den erkrankten Sohn zu behandeln, bann würde wohl heute noch nie­mand wissen, daß das Töchterchen des HausrS, die kleine Peaches Myhres einverkehrtes In­neres" hat. Das Kind erfreut sich einer vortreff­lichen Gesundheit und hat noch niemals die ge­ringsten Beschwerden geäußert. Als es daher, neidisch auf den umsorgten Druder, verlangte, auch von demOnkel ©oftor behandelt zu wer­den, legte dieser zum Spaß fein Stethoskop an die Brust des Kindes, blickte aber sofort erstaunt auf, denn er fand, daß das Herz auf der rechten Seile, also amfalschen Fleck" lag. Als er dann, um den Fall genauer zu studieren, da- Kind nach St. Louis nahm und dort eingehenden Unter» suchungömethoben, darunter auch verschiede e Röntgenaufnahmen anwendcte, wollte er zunächst seinen Augen nicht trauen, denn die Bilder zeig­ten, daß bei Peaches nicht nur das Herz an der unrechten Stelle liegt, sondernalles verkehrt" ist. De Leber befindet sich auf der linken Seite, anstatt wie bei den normalen Menschen rechts zu sein, und der Magen ist umgedreht. Trotz dieser seltsamen Verlagerungen, die amerikanische Aerzte bisher noch nie beobachtet hatten, ist die Kleine gesund und bei bestem Wohlbefinden. Das Mäd­chen konnte nicht ne r ft eben, warum man es nach St. Louis brachte und im Krankenhaus so wun­derliche Sachen mit ihm vornahm. Daß es an Dextrokardie" leidet, wie der wissenschaftliche Rame für die Verlagerung des Herzens nach rechts lautet, bedeutet nichts für sein kindliches Gemüt. Rach ungefähren ©tat.Riten werden nur etwa vier Personen von jeder Million mit Her­zen geboren, die mehr nach der rechten Seite des Körpers hinneigen, und diese Erscheinung tritt bei noch nicht einem weiblichen Wesen in einet Million auf. Daß aber auch die anderen inne­ren Organe sich am unrechten Platz befinden, ist bisher kaum je beobachtet worden. Amerika­nische Blätter, die sich mit dieser eigenartigen Mißgeburt" beschäftigen, fragen, ob die kleine Dame Ehrenmitglied des LondonerKlubs der rechten Herzen" werden wird. Diese kuriose Ver­einigung umfaßt nur sechs Mitglieder, die alle ihr Herz auf der rechten Seite tragen.