Samstag, 8. Oktober 1952
Nr.237 KvübauSsavL
182. Jahrgang
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Chefredakteur:
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für denAn- zeigcnteil i. V. TH.Kümmel, fämtlich in (Siefeen.
bedrohlichen A n g r i f f s ch ar a k t« r Habs. 3m Falle einer durchgreifenden Abrüstung muhte Vorsorge getroffen werden, dah die zivile Luftfahrt zuverlässig entgiftet werde. Dazu sei es aber nicht notwendig, die gesamte Handelsluftfahrt in einen Welttrust zusammenzufassen, der von einer internationalen Dureaukratie geleitet werde. Eine solche Mahnahme würde d e n T o d der zivilen Luftfahrt bedeuten.
Ls gebe ein sehr einfaches Mittel, um die zivile Luftfahrt jeder militärischen Verwendbarkeit radikal zu entziehen: Man brauchte nur allgemein diejenigen Bestimmungen einzuführen, welche man im Jahre 1926 der deutschen Zivilluftfahrt auf- gezwungen habe, vor ollem ober könne man die ganze vermeintliche Gefahr der zivilen Luftfahrt mit einem Schlage beseitigen, indem Dan sich auf ein allgemeines Vombenabwurfs- oerbot einige.
Das Verbot des Bombardements der Zivilbevölkerung. wie es in der Benesch-Ent- schliehung der Abrüstungskonferenz enthalten sei. sei völlig unzureichend. Wenn man die Flughäfen, die Verkehrsanlagen, die Kasernen, die Docks, die Fabriken, welche Heeresgut Herstellen und ihre Unterlieferanten als militärische Ziele anfehe und diese deswegen angreife, so bleibe eigentlich keine Stelle tn den Großstädten mehr ührig, auf die nicht Bomben geworfen werden können. Die unglückliche Zivilbevölkerung wohne nun einmal an allen diesen Stellen. Bei den Genfer Verhandlungen habe man oft den Eindruck gehabt, als ob nach der Meinung der Gegenseite nur drei Luft- f a h r z e u g e auf der ganzen Welt Angriffswaffen waren: der „Do X", der „Graf Zeppe- | Im“ und die „Junkers G 38“.
Berlin, 7. Oft. (SU.) Im Rundfunk sprach Ministerialdirektor Dr. Brandenburg über die Frage »Der deutsche Gleichberech- tigungsanspruchaufdemGebie t e d e r L u f t f a h r t." Der Vortragende betonte zunächst, dah Deutschland bisher noch niemals eine Aufrüstung verlangt habe. Es wollte seine Gleichberechtigung derart verwirklicht sehen, dah alle Mächte auf der Abrüstungskonferenz dieselben Methoden übernahmen, welche in den sogenannten Friedensverträgen den besiegten Völkern als Auftakt zu einer allgemeinen Weltabrüstung auferlegt waren.
Der Friedensvertrag verbiete Deutsch- landden Besitz jeglicher Luft st reit- k rüste als Teil des deutschen Heerwesens. Bei ehrlicher Anerkennung des Gleichberechtigungsprinzips für alle völkerbundsftoaten mühten also alle Staaten auch ihre gesamte militärische Luftsahrt abschafsen. und zwar durch Zerstörung, nicht durch Internationalisierung.
Denn wenn vielleicht eine imaginäre 11 n t e r - stellung unter den Völkerbund stattfin- det, so mühte auch Deutschland in der Lage sein sich an dieser internationalen Luftmacht zu beteiligen. 3n dem Verbot von Luftabwehrmitteln für Deutschland liege einer der gröhken Zynismen des Versailler Vertrages. Man verbiete dem abgerüsteten Volke sogar die armselige Abwehr von der Erde.
Auf der Abrüstungskonferenz sind ganz wenige Staaten bei der einzigen Abstimmung, die es über diese Frage herbeizuführen gelang, der selbstverständlichen Auffassung beigetreten, dah für ein Land ohne jede militärische Luftfahrt und ohne jede Abwehrmöglichkeit von der Erde die gesamte militärische Luftfahrt einen höchst
bot im Saale erlchicnen, das mit dem Gummiknüppel den Saal räumte. Vorher waren im Saal schon mehrere Schüsse gefallen, durch die ein junger Mann schwer verletzt wurde. Auf der Straße setzten sich die Kundgebungen fort.
Jernhaltung der Berliner SA. von deutschnationalen Versammlungen
Berlin, 7. Oft. (TU.) Der Führer der Gruppe Berlin-Brandenburg der NSDAP., Graf fz e Ildar f, hat, wie der „Angriff" meldet, an die Untergruppen folgenden Befehl erlassen: „Die deutsch- nationale Presse 'setzt mit ihrer Phantasie die letzthin erfolgten V e r s a m m l u n g s st ö r u n g e n auf unser Konto. Die deutschnationalen Versammlungen veröden an ihrer eigenen Langweiligkeit und Löcher lichkeit. Jede Beteiligung unsererseits macht höchstens Reklame. Klamauk zieht Neugierige herbei und Zahlung von Eintrittsgeldern stärkt den gegnerischen Wahlfonds. Daher ordne ich an, daß die SA. s j ch von deutfchnationalen Versammlungen fernhält.
DeiftschlandsGleichberechtigung in derLust
Zerstörung der Militärluftfahrt der andern oder gleiches Recht der Luftabwehr für Deutschland.
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Versammlungsstörung in Oüffeldorf.
Düsseldorf, 7.Okt. (TU.) Die DNVP. wollte am Freitagabend im Kaisersaal der Tonhalle eine Wahlversammlung veranstalten, in der Referendar Dr. Givelius über das Thema „Nazi erwache" sprechen sollte. Gleich zu Beginn der Versammlung wurde der Versammlungsleiter durch laute Zurufe unterbrochen, die ihn zwangen, die nationalsozialistischen Zwischenrufer durch den Saal- schütz entfernen zu lassen. Hieraus entstand em ungeheurer Tumult. Stühle flogen durch die Luft und es kam zu einer ausgedehnten Schlägerei. Als die Nationalsozialisten das Horst-Wessel-Lied anstimm- fen, spielte die Kapelle das Deutschlandlied. Inzwischen war ein starkes Schupoausge-
nommen. 3d> hoffe, daß es der Dank für 3n> dustrieobligationen im Zusammenhang mit den Landstellen gelingen wird, das Verfahren so stark zu beschleunigen, daß dadurch autoritative Eingriffe der Reichsregierung überflüssig werden. Die Reichsregierung beabsichtigt, in Zusammenhang mit einer Gesamtsanierung der ländlichen Genossenschaften die Forderungen der Genossenschaften an zu entschuldende Betriebe des Osthilfegebietes durch eine Pauschalsumme abzulösen. Eine Erhöhung der baren Entschuldungsmittel bei entsprechender Minderung des Umlaufs an Entschuldungsbriefen ist bis auf 40 v. H. im Reichsdurchschnitt ins Auge gefaßt. So wird ermöglicht, daß nicht nur di? kleinen Gläubiger, wie Handwerker und Kleingewerbetreibenden in b a r ab- gefunden werden, sondern daß auch die anderen Gläubiger einen wesentlichen Teil ihrer Forderungen in bar erhalten
Der Minister gedachte zum Schluß desReichs - Präsidenten, des Siegers von Tannenberg, der heute klar und unbeirrt wie ein alter wetterfester Lotse sein Schiff durch die Klippen steuere und betonte, daß cs für ihn eine unauslöschliche Erinnerung bleibe, wie Hindenburg mit innerster Anteilnahme sich alle Pläne zur Forderung der Land - w i r t s ch a f t vortragen ließ und sie in seiner immer wieder aufs neue verblüffenden Klarheit eingehend besprach. Er bleibe der große Lehrer des Wortes: „Herrschen heißt dienen“.
Wegen Beleidigung der Reichswehr verurteilt.
Berlin, 7.Okt. (TU.) Die fünfte große Straf- kammer beim Landgericht I verurteilte am Freitag den bisherigen sozialdemokratischen ReichstagSabgcordneten Gerhard
Der Hessische Landtag vertagt sich bis Mitte November
Wirtschaftspolitische Debatte und Abstimmungen über -ie Anträge der Parteien.
schwinden. ,, , ,, . .
Fivanzminister Kirnberge r stellt fest, daß die Regierung alle Wünsche und Anträge mit größtem Entgegenkommen bearbeiten wird, die einen brauchbaren D e ck u n g s v o r s ch l a g enthalten. Der oft beliebte „Deckungsvorschlag mit den Forderungen aus der Eisen» bahnschuld des Reiches sei nicht brauchbar: denn zur Zeit verfüge das Reich über le ne Mittel zur Zahlung seiner anerkannten Schuld. Die Regierung werde die Aus- stattung der nicht gerechten Sondergebäu d e- steuer mit Sieue. gutscheinen im Reichsrat beantragen. Wie kaum ein anderes Land habe Hessen für feine Landwirtschaft in Rotfällen gesorgt in Erkenntnis der ungeheuren Bedeutung der Landwirtschaft für Geben und Wesen des Volkes. r ..
Landforstmeister Dr. Hesse erklärt, daß die Erhebung der Staatspachten 1932 nach den Sähen von 1931, eventuell modifiziert, jetzt veranlaßt werde.
Das Verbot des betäubungslosen Schlachtens
vertritt Abg. Dr. Lang (Rat.-Soz.), der als Tierarzt die hyfiologischen Vorgänge bei dem Schächten darlegt und die Betäubungsmethoden anführt die auch den rituellen Vorschriften des orthodoxen Judentums gerecht werden.
Abg Glenz (Soz.) lehnt die Vorlage ab. Die dauernd vom „Köpferollen" sprechenden Nationalsozialisten mimten ausgerechnet tierschutzlensche Be- strebungen. Der Fleischerverband Hessen und Hessen- Nassau beantrage aus wirtschaftlichen Gründen Ablehnung des Schächteverbots, das auch der Reichs- Verfassung widerspreche.
Abg. Frau P r i n g s h e , m erinnert an Potempa, wo „bie SA.-Leute dreiviertel Stunden zur Betau-
Erörterung landwirtschaftlicher Fragen '
Darmstadt, 7. Ott. (WHP.) Präsident > Werner eröffnet die Sitzung zur Fortsetzung j der Sozial» und Wirtschaftsdebatte.
Abg. (Södel (RS.) seht sich mit den Kommu- j nisten auseinander, die „aus der Rot der Bauern Riemen schneiden wollten". Die lommunistifchen Anträge zur Landwirtschaftshilfe seien ohne Dedungsmittel und daher undurchführbar. Die Regierung habe die Finanzämter angewiesen, int Einzelfall den Llnwettergeschädigten größtes Entgegenkommen zuzugestehen; das ;ci das einzig Reale heute. Die deutsche Landwirtschaft sei heute imstande, das Volk zu ernähren: darum müsse die ausländische Einfuhr eingestellt werden.
Abg. Seipel (RS.) erklärt die Regierungsantwort zu den einzelnen Anträgen für ungenügend. Der Bauer wolle kein Geschäft aus »seiner Rot machen, aber ein zusammengebrochener Bauer könne keine Steuern und Abgaben mehr zahlen. Die Regierung habe 60 000 Mark für ein Wa^erbauinstitut übrig (Zuruf: Sie haben ja selbst dafür gestimmt! — Heiterkeit.).
Abg. Glaser (Lv.) fordert Anpassung der Aderpachten an die Friedenssätze. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse lägen weit unter Friedenspreis: Die Kartoffeln 1 RM. tiefer als vor 30 Jahren, das Getreide 2 bis 3 RM. unter Friedenspreis, em Kalb bringe in der Wetterau noch 15 RM. Zuckerrüben bedeuteten ein glattes Verluftgesck>äft. Gemüse rentiere auf dem Lande kaum noch. Die toonber-- gebäubefteuer solle entsprechend den erfolgten Reparaturen gesenkt roetben.
Abg. Thomas (Soz.) erklärt: Sicherlich deckten die landwirtschaftlichen Preise die Selbstkosten des Bauern nicht: dennoch finde die Produktion keinen Absatz, weil die Hungerunterstützungen von Millionen auch für diese niedrigen Preise für deutsche Produkte nicht ausreichten. Mit Zöllen und Preiserhöhungen könne daher die erwünschte Kaufkrafterhöhung der Landwirtschaft nicht erreicht werden.
Abg. Renz (Rats.) fordert Zwangsvollstreckungs schütz für Handwerk und Gewerbe, das bisher stets das'fünfte Rad am Wagen gewesen sei. Die nationalsozialistischen Handwerker lehnten bas Wirt- schastsprogramm des Kabinetts Papen ab.
Abg. Böhm (dn.) sicht in den Ausführungen des Finanzministers die Bestätigung für die jahrelange Kritik der Opposition. Angesichts der Zins- jenkung erlcheine die Entlastung von nur 500 000 Mark bei der hohen Schuldenlast des Landes gering. Der Redner fragt, wie hoch sich die kurz- und langfristige Verschuldung beziffere. Die DNVP. erkenne d'e Mängel, besonders auf sozialpolitischem Gebiet, im Papen-Programm durchaus an. Aber Papen habe die schlimme Erbschaft Brünings übernehmen müssen. In Zwang-versteigerungsverfahren solle mehr als bisher d^r Richter als Vermittler zwischen Schuldner und Gläubiger eingesetzt werden.
Abg. G u m d e l (Soz.) setzt sich mit den national- sr. statistischen Wirtschaftstheorien auseinander, die , Dr. Best entwickelt hat. Erst mit der Beseitigung des Kapitalismus und seiner Geißel, der Wirtschaftskrisen, werde eine des Menschen würdige Wirtschaftsform möglich sein.
Abg. Rink (Soz.) bezichtigt den Abg. Dr. Best des Plagiates; seine gestern verlesene Rede sei aus einer Broschüre von Köhler und Tholens: „Nationalsozialistisches Sofortprogramm zur Behebung der Arbeitslosigkeit" abgeschrieben. Oberst Hierl habe die Arbeitsdienstpflicht der NsDAP. entschleiert mit seiner Begründung, der marxistische Gedanke in den Hirnen der Arbeiter, jede Arbeit müsse mit entsprechendem Lohn bezahlt werden, habe zu ver-
wird. „ .
Eine Minderheit von Sozialdemokraten und Kommunisten stimmt für den sozialdemokratischen Antrag auf Gewährung einer Wirtschaf t s b e i h i l f e f ür die älnterstühungsemp- fänger. Die Rationalsozialisten enthalten sich der Stimme. Die kommunistischen Anträge hierzu werden ab gelehnt. - Die Regierung wird dann einstimmig ersucht, dem zentralen HilfsausZchuß der Winterhilfe in Hessen aus vorhandenen Fonds einen Beitrag zur Verfügung zu stellen. — Der nationalsozialistische Antrag, die Regierung möge die Bezirks - fürsorgeoer bände sofort anweisen, die in der allgemeinen und gehobenen Fürsorge geltenden Richtsätze während der Wintermonate um 10 Prozent zu erhöhen und die vom Reich für die Kleinrentner zur Verfügung gestellten Sondermittel umgehend zur Auszahlung zu bringm, wird angenommen. Die Regierung hatte jedoch vorher hierzu erklärt, daß den Fürsorgeverbänden die jetzigen älnterstühungen Schwierigkeiten bereiten, so daß für erhöhte Sähe erst recht keine Mittel vorhanden seien.
Ein nationalsozialistischer Antrag, der verlangt, baß die Sonbergebäubesteuer dis zur Hälfte erlassen werden kann, wenn in dieser Höhe nachweisbar Aufwendungen für Instandsetzungen und Verbesserungen an der Sonbergebäubesteuer unterliegenden Gebäuden gemacht worden sind, wird mit 33 gegen 32 Stimmen angenommen. Ein weitergehender Antrag des Abg. Glaser (LV.), der eine gleitende Quote der Steuer nachgelassen haben will, wird mit dem gleichen Stimmenverhältnis genehmigt. Beide An- träge sehen als Deckungsmittel die hes- fische Eisenbahnforderung an das Reich vor, was der Finanzminister jedoch nicht als brauchbare Deckungsgrundlage ansieht, da das Reich diese Forderung, die zwar anerkannt ist, zur Zeit nicht erfüllen kann. Gegen die Kommu- nisten billigen die übrigen Parteien den Antrag des Abg Niepoth (DD.), bei der Reichsregierung die Ausstattung der S o n d e r g e b a u d e- steuer mit Steuergutscheinen zu verlangen. Ein Zentrumsantrag, der gleichfalls Erlaß d-r Sondergebäudesteuer vorsieht bei Vornahme von Reparaturen und weiter die Gemeinden aufforbert, sich dem Vorgehen der hesischen Regierung anzu- jchließen, wird gleichfalls angenommen.
Der nationalsozialistische Antrag, die F o r st b e - soldungsbeiträge der Gemeinden und der privaten Waldbesitzer zu senken, wird genehmigt — Das Plenum ersucht dann die Regierung au Antrag des Abg. Glaser (Lv.) um Neufestsetzung der Pachtsätze f Ü r s i s k a l i s ch e s Gelände und — bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten — um Vorstellungen bei der Reichs- regierung, daß auch die privaten Pachten durch Reichsnotverordnung um 30 Prozent gesenkt werden. — Die nationalsozialistischen Anträge, die Regierung möge für sich — die Gemeinden sollen in gleichem Sinne ersucht werden — lebe Z w a n g s > oolstrecku ng gegen L a n d w i r t e u n d G e - werbetreibende unterlassen, wenn die Voll- streckung die zur Fortführung des Betriebes erforderliche Vermögenssubst an z an g rei ft, werden einmütig gebilligt. — Em Antrag Glaser (Lv) der Hilfsmaßnahmen für die Unwetter geschädigten Gemeinden, Senkung der gesamten Landessteuern. Gemeindesteuern,' soweit die Gemeinden damit einverstanden sind, und einjähriges Moralo- rium für die Beitragszahlung an die Entwafse- rungsverbände verlangt, wird angenommen
Der kommunistische Antrag, am 6. November zu. lammen mit der Reichstagswahl a u ch Kommunal w a h l e n in Hessen oorzunehmen, wird ab gelehnt. Der nationalsozialistische Antrag, am 12 Februar 1933 neu wählen zu lassen, soll in der nächsten Sitzungsperiode des Landtags beraten werden Der Landtag wird am 15. November wieder zusammentreten.
Breslau, 7. Okt. (TU.) Auf dem Derbandstag des Prooinzialoerbandes Niederschlesischer l ä n d • kicher Genossenschaften Raiffeisen hielt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, eine Rede, in der er u. a. ausführte: „Ich werde mich heute darauf beschränken, den gegenwärtigen Stand des Siedlungsoerfahrens und seine Aussichten und die Ost Hilfe zu berühren, sowie die Frage der Genossenschaftshilfe kurz zu streifen. Bei der Weiterführung der landwirtschaftlichen Siedlung werden eine gewisse Rolle die Güter spielen, die aus dem S i ch e r u n g s o e r s a h r e n entlassen werden müssen. Zur Zeit werden die Vorbereitungen getroffen, die hiervon zur Siedlung geeigneten Güter aufzusiedeln. Die Reichsregierung hat die Finanzierung der Reichsstelle für Siedlerberatung entscheidend auf sich genommen, ferner die Mittel für eine Wirtschaftsberatung der Siedler in Preußen bereitgestellt und den Ausbau einer Wirtschaftsberatung in Mecklenburg- Schwerin in Angriff genommen. Um die Möglichkeiten der Siedlung ganz auszuschöpfen, sind nut dem preußischen Domänenfiskus Verhandlungen ein- geleitet über eine Vereinbarung, nach der der Do- mänenfiskus b e s i c d l u n g s f a h i g e D o m a • non zur Siedlung hergibt. Im Austausch fall dafür der preußische Fiskus geeigne e Walds lachen übernehmen von denjenigen Privat- befihern die in Entschuldungsverfahren durch Abverkauf von Wald l a n i e r t werben können. Unter Berücksichtigung der Wirtschaftslage der Landwirtschaft und der allgemeinen Konjunk- turverschlechterung hat die Reichsregierung ferner in Aussicht genommen, die Jahresleistungen ber Siedler ab l.Juli für die nächsten zwei Jahre von 5 a u f 3 i v. H. zu ermäßig e n.
Die Entlricklung der Ost Hilf e hat — das spreche ich ganz offen aus — keinen allgemein befriedigenden Verlauf ge-
Sichener Anzeiger
General-Anzeiger sm Oberhessen
Druck Md Verlag: vrühl'sche Ui,lversitS1§-Yuch' und Steiudruckerel R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.
Siedlung und Osthilfe.
ReichSernährungsminister Freiherr von Braun spricht vor den landwirtschaftlichen Genossenschaften in Breslau.
bung von Menschen gebraucht haben". Um die antisemitischen Hintergründe zu verbergen, entdeckten die Nationalsozialisten plötzlich das humane Herz in ihrer rauhen Männerbrust. (Heiterkeit.)
Abg. S ch ü l (Zentr.) ist der Auffassung, daß die heutigen Schlachtmethoden weitgehend schinerzlos wirken. Die Versuche mit der elektrischen Betäubung ließen noch auf ein Ergebnis warten. Aus politischen und verfassungsrechtlichen Gründen lehne das Zen- trum den Antrag ab.
Abg. Dr. Niepoth (DVP.) sieht in dem Verlangen eine Erschwerung der Kultusausübung. Im gegenwärtigen Augenblick könne man der Landwirtschaft und dem Metzgergewerbe nicht zumuten, daß die hessischen gesetzestreuen Juden als Fleischkonsu- menten ausfielen.
An der Aussprache beteiligen sich weiter die Abgeordneten Jung (Natsoz.), Dr. W e r n e r (Natsoz.), der schon seit Jahrzehnten für das Schächteverbot eintritt, und Abg. Dr. Stahr (Zentr.), der eine Kontingentierung der Schlachttiere entsprechend den Bedürfnissen für annehmbar hält. Die Nationalsozialisten stellen darauf einen entsprechenden neuen Antrag.
Abstimmungen.
Der nationalsozialistische Antrag auf ein Schäch tverbot wird mit 34 gegen 32 stimmen abgelehnt. Angenommen wird dagegen der nationalistische Antrag, die Regierung möge unverzüglich veranlassen, daß das Schächten von Schlachttieren nach demBedarf derjudi- schen Bevölkerung kontingentiert


