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keine Abkommen zwischen den beiden Regierungen nnertennen, welche die vertraglichen Rechte der Vereinigten Staaten in China ver­letzten. Amerika werde auch kein Abkommen aner­kennen, daß gegen den Kclloggpakt verstoße.

Stimson bemerkte hierzu, Amerika zweifle Japans Vertragsrechte in der Mandschurei nicht an, und es beabsichtige nicht, sich damit zu befassen. Es wolle sich auch nicht in ein japanisch.chinesisches Abkommen zur Beilegung des gegenwärtigen Konfliktes ein­mischen unter zwei Bedingungen: Nichts in einem derartigen Abkommen darf Amerikas Rechte bezüglich der offenen Tür verletzen; zwei­tens darf das Abkommen nicht unter Verletzung der im Kellogpakt festgelegten Methoden erreicht werden.

Was wir- in Lausanne herauskommen?

Mutmaßungen über eine mögliche Reparationsregelung.

London, 8. Jan. (END. Funkspruch.)Fi­nancial News" schreibt, in gut unterrichteten Kreisen werde folgende Reparativ ns» regelung als möglich beeichnet: Die Lau­sanner Konserenz werde ein zweijähriges Morqtori um genau nach dem Voung- p l a n beschließen. Die ungeschützten An­nuitäten sollen Deutschland zurück­geliehen werden. Dann werde sich die Kon­ferenz bis zum Juni vertagen, wo eine inzwischen von Ausschüssen vorbereitete end­gültige R e g e l u n g . versucht werden solle, die von einer entsprechenden Neu­regelung der Schuldenvereinbarung mit Amerika abhängig sein würde. Man hoffe, daß die Vereinigten Staaten ihre Hal­tung ändern würden, wenn alle Par­teien Opferbereitschaft zeigten. Daily Telegraph" hört, daß die Idee, die Lau­

sanner Konferenz sollte praktische Pläne B18 nach den französischen Wahlen auf­schieben, von dem englischen Kabinettsausfchuh für die Reparationen ebensowenig gebilligt werde, wie der andere Vorschlag eineselastischen" Mo­ratoriums. Man sei der Meinung, in beiden Fällen werde nicht genügend Rücksicht auf gewisse politische und psycholo­gische Faktoren genommen.

Oer Wahnsinn von Versailles.

Die Reparationen als Quelle des Miß­trauens in der Wcltvolitik.

Paris, 7. Jan. (WTB.) ImParis Midi" macht der bekannte Wirtschaftspolitiker Ro'mier den Ur­hebern des Versailler Vertrages den Vorwurf, sie hätten jedes Verständnis für die geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung des Begriffs .Kriegs, entschädigung" vermissen lassen. Um jährlich seinen Gläubigern eine Annuität in der bekannten Höhe zu zahlen, müsse der Schuldner sich auf die eine oder die andere Weise eine außerordent­liche Einnahmequelle verschaffen, denn wenn er aus seinen normalen Einnahmequellen zah­len würde, würde er chronisch bankerott machen und die Schulden würden auf diese Weise unmöglich einzutreiben sein. Der Mecha- nisinus der internationalen Schulden habe sich als gebrechlich und zugleich als schädlich erwiesen. Nicht nur habe er periodisch die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland vergiftet, son­dern, und darauf werde so wenig geachtet, unauf­hörlich den Gei st des Mißtrauens zwi­schen Frankreich und seinen einstigen Verbündeten genährt. Solle man nun einfach einen dicken Strich durch das alles machen? Das wohl nicht. Nötig aber sei, während des Moratoriums abstrakte Rechnungssormeln durch ein System reeller Kompensationen und Hypotheken zu ersetzen, die auf einer internationalen Gen, einschaft der Gläubiger und Schuldner beruhten.

Laval will ein Kabinett her nationalen Einigung.

Umbildung des Kabinetts. Briand soll durch paul-Boncour erseht werden.

Heranziehung der Radikalen. - Oie Wahl wirst ihre Schatten voraus.

P a r i». 8. Ian. (IBXB. Funkspruch.) Die gesamte Morgenpresse ist der Auffassung, Ministerpräsident Laval werde wahrscheinlich den Tod des Kriegsmini st ers Maginot dazu benutzen wollen, dem Präsidenten der Republik die 0t- samtdemisslon des Kabinetts anzubieten. Diesem Schritt dürfte die Annahme zugrunde liegen, daß Briand dann aus Gesundheitsrück- sichten zurücktreten werde. Der Präsident der Republik würde jedenfalls sicher wieder Laval mit der Neubildung des Kabinetts be­trauen, um ihm so Gelegenheit zu geben, eine Konzentrationsregierung auf brei­terer Grundlage zu bilden.

Petit parisien" glaubt. Laval werde späte­stens am kommenden Mittwoch die Ge­samtdemission des Kabinsslls dem Präsidenten der Republik anbieten. Es liege kur; vor der Konferenz von Lausanne und Genf im offensichtlichen Interesse Frankreichs, das Ministerium auf eine breitere Grundlage zu stellen und möglichst eine natio­nale Einheitsfront sämtlicher Par­teien zu schaffen. Briand habe in letzter Zelt wie­derholt dem Ministerpräsidenten zu verstehen ge­geben, wie beschwerlich für ihn die mit der Konferenz verbundenen Mühen sein würden. Ebenso sehen viele andere Blätter in der Gesamtdemission des Kabinetts die wahrscheinliche Lösung, zu der sich Laval entschließen werde. Sie verkleinern dabei aber nicht die Schwierigkeiten einer Neu­bildung des Kabinetts für Laval.

Wenn Laval tatsächlich daran gedacht haben sollte, ein Ministerium der nationalen Einheitsfront nur unter Einschluß der Sozialisten zu bil­den, dann müßte die Antwort, die ihm der soziali­stischeP o p u l a i r e" heute in einem Artikel des

Abg. Frossard gibt, genügen, um Laval zum Ver­zicht auf dieses Projekt zu bewegen. Das Blatt schreibt nämlich: Wenn Laval mit dieser Idee spielt, die in Franklin Bouillon ihren geistigen Vater hat und deutlich wird, welchen Empfang er damit bei den Sozialisten findet, dann geschieht dies alles doch nur, um zu versuchen, die Radikalen in die erweiterte Mehrheit hineinzu­bekommen. Diese Operation scheint aber wenig Aussicht auf Erfolg zu haben. Wir stehen drei Monate vor den Wahlen und Laval ist nicht Poincare.

Die radikalen Blätter bringen zum Teil offen, zum Teil versteckt den Gedanken zum Ausdruck, daß Briand. dessen Gesundheitszustand durch­aus nicht ein Ausscheiden ans dem Kabinett nötig mache, ausgebootet werden solle und betonen, daß die Radikalen kurz vor den Mahlen ihreparteiaussichtendurch Eintritt in ein großes Kabinett Laval nur verschlechtern können.

O e u v r e" rät dem Ministerpräsidenten, sich keine Illusionen zu machen. Die Wahlen brächten eine Mehrheit, die eine dem französischen Interesse und gleichzeitig der Aufrechterhaltung des Friedens Rechnung tragende Politik ermögliche. Diese Politik sei die Politik Briands. Eine Neuorientie- rung der französischen Politik könne erst durch die allgemeinen Wahlen herbeigeführt werden. Laval selbst dürfte sich über die Schwierigkeiten seiner Auf- aabe klar sein. In manchen Blättern kommt zum Ausdruck, daß er deshalb vielleicht auf den Ausweg verfallen wäre, links st ehende Einzelper­sönlichkeiten für sich zu gewinnen und dadurch die hinter diesen stehenden parlamentarischen Kreise an sich zu fesseln, so werden Paul- Boncour für das Außenministerium und Pain- l e v 6 für das Kriegsministerium genannt.

Der Untersuchungsausschuß des Hessischen Landtags.

Oie Weg erung verbietet den Beamten die Zeugenaussage. Oas Polizeiamt Offenbach und der Fall Schäfer.

Darmstadt, 7. Jan. (WEN.) Der auf Ein­trag der Nationalsozialisten eingesetzte Unter» suchungsausstchuß zur Prüfung verschie­dener Amtshandlungen des Innenministers L e u s ch n e r sowie verschiedener Polizei- und Justizstellen trat heute zu seiner zweiten öffent­lichen Sitzung zusammen- Der Vorsitzende Abg. Jung (Natfoz.) teilte zunächst die in der letzten Sitzung angenommenen Deweisanträge mit, wo­nach verschiedene Beamte vernommen und die Amtsakten vorgelegt werden sollen. Auf das Ersuchen des Ausschusses hat die Regierung erklärt:Auf die an den Herrn Minister des Innern und den Herrn Justiz­minister gerichteten Anträge vom 4. Januar d. I., die als Zeugen benannten Beamten von der Pflicht zur Amtsverschwiegenheit zu entbinden, hat das Gesamtministerium nach § 54 StrPO. beschlossen, diesem Antrag in seiner Allgemeinheit nichtzu entsprechen. Gleich, zeitig ist beschlossen worden, das Vorlegen der geforderten Verwaltungsakten auf Grund des § 96 StrPO. zu verweigern."

Abg. Best (Ratsoz.) betonte, die Regierungs­antwort bedeute, daß die Regierung die Arbeit des verfassungsmäßig eingesetzten Untersuchungs­ausschusses sabotiere oder, wie man vulgär sagen könne, daß die Regierung kneife. Der Vorsitzende ersuchte den Redner, auch im Ausschuß in parlamentarischen For­men zu verkehren, was Abg. Best zur Kenntnis nahm. Der Abgeordnete erklärte weiter, er fei der Auffassung, daß die Aktenverweigerung der Verfassung widerspreche.Dieses un- erwartete Vorgehen der Regierung stellt uns vor eine neue Situation. Die ausführ, liche Regierungsantwort muh von jedem Aus- schuhmitglied zunächst genau geprüft werden, so daß ich beantrage, die Sitzung zu vertagen".

Abg. Zinn kann (Soz.) und Abg. Wesp

(Ztr.) forderten, die auf Verlangen des Aus­schusses erteilte Re g i e r un g s ant w or t zu verlesen. Der Vorsitzende Jung verlas dann die Antwort des Staatspräsidenten, in der u. a. festgestellt wird, daß eine Amtspflichtverletzung des Polizeiamts Offenbach oder einzelner seiner Beamten nicht vorliege. Das Polizeiamt Offen­bach habe vielmehr dem Abg. Schäfer am 26. Oktober 1931 auf seinen Antrag in üblicher formularmäßiger Weise bescheinigt: 1. daß er vom 17. April 1930 bis zu dem ge­nannten Tage in Offenbach polizeilich ge­meldet ist, 2. während dieser Zeit, soweit hier amtlich bekannt, keine gerichtliche Bestrafung erlitten hat. Die Bescheinigung zu Ziffer 2 fei erfolgt, da dem Polizeiamt die vorgeschriebene Mitteilung über die am 5. Februar 1931 zu Weimar er­folgte Bestrafung Schäfers nicht zu - gegangen war und es auch auf andere Weise keinerlei Kenntnis von der Bestrafung Schäfers erlangt habe. Wie nachträglich durch Anfrage bei der thüringischen Staatsanwaltschaft in Wei­mar festgestellt wurde, ist von dort nicht das Polizeiamt in Offenbach, sondern das Polizei­präsidium in Frankfurt a. M. benachrichtigt wor­den, weil nach dem Urteil Schäfer in Frank­furt wohnte. Das Polizeipräsidium Frankfurt hat die Strafnachricht nicht an das Polizeiamt Offenbach weilergegeben, da, wie gleichfalls nach­träglich festgestellt wurde, Schäfer auch in Frankfurt a. M. polizeilich gemeldet war. Der Vorwurf derAufbauschung" der mit demBoxheimer Dokument" zusam­menhängenden Vorgänge zu einerHochverrats­affäre" würde, wenn er richtig wäre, nicht den hessischen Innenminister, sondern in erster Linie den Oberreichsanwalt treffen, auf dessen Antrag gegen den nationalsozialistischen Abge­ordneten Dr. Best und Genossen durch Einleitung

Bet Voruntersuchung Bel dem Reichsgericht An­klage wegen Hochverrats erhoben worden ist. Die Behauptung müsse deshalb schon im Interesse des Ansehens des Oberreichsanwalts und des höchsten deutschen Gerichtshofes zurückgewiesen werden. Die Veröffentlichung des Doku­ments sei nicht auf Veranlassung des hessi­schen Ministers des Innern, sondern durch Or­gane eines anderen deutschen Landes erfolgt, de­nen es ohne Mitwirkung des hessi­schen Ministers des Innern zur Kennt­nis gelangt war und auf die dem hessischen Mi­nister ein Einfluß nicht zustehe. Eine Amtspflicht­verletzung des Ministers des Innern liegt auch hier nicht vor.

Nach der Verlesung der Regierungserklärung erklärte der Vorsitzende: Meines Erachtens wird es im Interesse einer objektiven Feststellung des Ausschusses notwendig sein, zunächst die Re­gierungsantwort zu studieren, um überhaupt Stel­lung dazu nehmen zu können, und ich glaube, daß wir heute in dieser Sache nicht weiterkommen können.

Abg. Schul (Z.) erhob Bedenken gegen die Ar­beitsweise des Ausschusses, die der Verfassung und der Geschäftsordnung des Landtages wider­spreche. Der Untersuchungsausschuß sei nur ein gewöhnlicher Ausschuß des Landta­ges, der besondere Unterlagen zu prüfen und besondere Ausgaben zu erledigen habe. Die Oef- fentlichkeit dürfe nur zugelassen werden, soweit Beweiserhebungen stattfinden. Vorsitzender Jung bestätigte unter Bezugnahme auf Art. 36a. der hessischen Verfassung, daß sich hiernach das Ver­fahren der Untersuchungsausschüsse zu richten habe. Abg. Dr. Best (Natsoz.) erklärte, nach Art. 15 der Geschäftsordnung seien die Ausschuh­verhandlungen durchweg nichtöffentlich. Die Nationalsozialisten legten allerdings das größte Gewicht daraus, alle Untersuchungen öffentlich vorzunehmen, ständen aber selbstverständlich, auf dem Boden der Gesetze und könnten nicht unge­setzlich vorgehen. Nach dreiviertelstündiger Un­terbrechung der Sitzung teilte der Vorsitzende mit, daß der Ausschuß beschlossen habe, s i ch a u f u n - bestimmte Zeit zu vertagen.

Oie Gcheckgefchäste -er Sklareks.

Im Sklarek-Prozeh wurden die Scheckgeschäfte der Sklareks behandelt. Genau wie bei den Gefäl­ligkeitswechseln ließen sich die Sklareks Schecks in beträchtlicher Hohe, zum Teil vor­datiert, von Verwandten und Bekann­ten aus st eilen. Diese Schecks dienten dann der Stadtbank als Unterlage für öie gewährten Kredite. So hat ein Feinkost- geschäft derartige Schecks für 4,7 Millionen Mk., ein Geschäftsfreund der Sklareks für 20 Mill. Mk., und ein Sklarek-Angestellter für 85 Mill. Mk. ausgestellt. Die Gebrüder Sklarek erklärten auch heute, daß derartige Geschäfte nur von Max getätigt worden sind. Leo Sklarek äußerte: Ich habe gar nicht gewußt, daß sich Max auf soviel eingelassen hat. Das ist doch direkt irrsinnig. Vielleicht mühte der Arzt ihn einmal untersuchen, ob er zu der Zeit nicht verrückt war. Max ist ein guter, anständiger Junge, wenn er sich auch w i e Napoleon t>orfam.,r

Der Vorsitzende stellte fest, daß die Stadtbank allein für 28 Millionen Mark vor­datierte Schecks von den Sklareks bekam, denen an Eingängen auf dem Postscheckkonto nur 1,5 Millionen Mark gegenüber» standen. Sobald derartige wertlose Schecks fällig geworden waren, wurden sie von der Stadtbank zurückgegeben und von den Sklareks durch neue ebenso wertlose Schecks erseht. Auf die Erklärung des Stadt­

bankdirektors Hoffmann, die Revisionsberichte hätten ergeben, dah die Umsätze der Sklareks entsprechend groß waren, erwiderte der Vor­sitzende, dah Hoffmann schon wegen derart phan­tastischer Zahlen hätte stutzig werden müssen. Auch die Statusmeldungen hätten ergeben, daß der Kredit auf den absolut wertlosen Schecks basiert war, da die Sklareks zeitweilig gar keine Forderungen an öie Stadt hatten. Sowohl Leo Sklarek als auch die Stadtbank­direktoren Hoffmann und Schmitt erklärten, nicht gewußt zu haben, daß Schecks in Höhe von 80 Millionen gegeben worden waren. Der Vorsitzende berichtigte diese Zahl dahingehend, daß insgesamt sogar für 18 0 Mil­lionen Mark Schecks ausgegeben wor­den waren.

Der Hauptangeklagte im Sklarek-Prozeh, Max Sklarek, der bisher nicht zur Verhandlung erscheinen konnte, weil er nach Ansicht der Aerzte infolge schwerer Krankheit weder verneh- mungs- noch beförderungsfähig ist, hat vor wenigen Tagen am Kaiserdamm eine neue Sieben-Zimmer-Wohnung bezogen. Der Kaiserdamm gehört bekanntlich mit zu den teuersten und elegantesten Wohn­vierteln Berlins. Der Umzug ist angeblich aus Ersparnisgründen erfolgt. Bisher hatte Max Sklarek eine Villa inne.

Aus aller Welt.

Luftfahrloerhandlungen

der deutsch-französischen Wirtschaftskommission.

In Berlin wurden von dem Komitee für Handels­luftfahrt der deutsch-französischen Wirtschaftskommis­sion unter Vorsitz von Dr. Weigelt Besprechungen abgehalten, in denen über eine Verbesserung der be­stehenden Luftverbindungen sowie über die Möglich, feit beraten wurde, auf den augenblicklich in Betrieb befindlichen Linien eine Konkurrenz und unnötige Ausgaben zu vermeiden. Ins- besondere beschäftigte sich das Komitee mit den Luft- Verbindungen ParisWien und mit den gemein­samen Verlängerungen dieser Linie in Richtung n a ch d e m Balkan. Bezüglich des Luftverkehrs nach Südamerika eröffnete dieser Meinungs­austausch neue Möglichkeiten für eine technische Zu­sammenarbeit zwischen der Luft-Hansa und dem Luftschiffbau Zeppelin und dem Condor-Syndikat und der Aeropostale, deren Einzelheiten beim näch­sten Zusammentritt des Komitees festgelegt werden sotten.

Zahlungseinstellung

einer Landgemeinde im kreise Kassel.

Die Gemeinde Oberkaufungen im Landkreis Kassel, die bei 3500'Einwohnern 320 Wohlfahrts­erwerbslose mit 500 Zuschlagsempfändern zählt und bereits mit 12 0 Prozent der Wohlfahrts- Unterstützung im Nückstand ist, konnte auch heute von der fälligen Wohlfahrtsunterstützung nichts zur Auszahlung bringen, worauf es zu schweren Unruhen der Erwerbslosen kam, die die Scheiben des Gemeindehauses zertrüm- merten und den Bürgermeister und die Gemeinde- beamten tätlich angriffen. Die täglich wachsende Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen, die aus der Betreuung des Reiches in die Gemeindeunterstützung abströmen, hat dazu geführt, daß im Landkreis Kassel d i e G e - Währung des Existenzminimums der notleidenden Bevölkerung nicht mehr gesichert ist. Auch die Gehälter des Bürgermeisters und sämtlicher Gemeindebeamten konnten nicht zur Auszahlung gelangen. Da ein Umsichgreifen dieser Bewegung bei den übrigen Jndustriegemein- den aus dem gleichen Grunde befürchtet wird, wer­den die Kreisausschußmitglieder in diesen Tagen bei den Berliner Ministerien vorstellig werden.

Große Ueberschwemmungen in der Prignlh und Allmark.

In Öen Niederungen der Prignih und Altmark ist das Land weithin überschwemmt. Die Hoch» wasservorherfage der Elbstrombauverwaltung kün­digt für Wittenberge einen Stand von 4,60 Meter an gegenüber einem normalen Wasser- stand von 1,35 Meter. Die Dosse ist über die Ufer getreten und hat zwischen Neustadt und Wusterhausen weite Gebiete über­schwemmt. Besonders starke Auswirkungen hat das Hochwasser der Jeetzel im linkselbischen Gebiet in Hannover verursacht. Zwischen Salz­wedel und Dannenberg ist ein einziger gro­ßer See entstanden. Der Bahnkörper Salzwe­delOebisfelde wird bereits von beiden Seiten vom Wasser bespült. 3n Hoyersburg ist das Hochwasser in einige Wohnhäuser eingedrungen. Die Ortschaften Kricheldorf und Lübbow sind voll­ständig vom Hochwasser eingeschlossen.

Dammbruch in den vereinigten Staaten.

Infolge eines Dammbruches am Talahatschie- Fluh (Staat Mississippi) wurden 12 000 Hek- tar Ackerland überschwemmt. Hunderte von Einwohnern sind unter Zurücklassung ihrer Habe und ihres Viehbestandes geflüchtet. Man fürchtet, dah viele Menschen den Fluten zum Opfer gefallen sind.

Die Bergungsarbeiten

auf der Grube Karsten-Zentrum bei Deuthen.

Eine neue, sehr gefährliche Gebirgsbewegung zwang gestern abend die Rettungsmannschaften zum Rückzug. Die ganze Arbeit zweier Tage war vergeblich gewesen. Die zum Greifen nahen Wagen, hinter denen man die ersten Ver­

schütt e t e n zu finden hoffte, verschwanden wieder in neue Fernen. Man muß jetzt zuerst die Zimmerung verstärken. Wenn alles gut geht, hofft man heute abend wieder dort zu fein, wo man vor drei Tageü den einzigen Ueber* lebenden geborgen hatte.

Großfeuer in einem würtkembergifchen Dorf.

In Hochrnoefsing (Oberamt Oberndorf) brach ein Brand aus, der sich bei starkem Sturm sehr rasch ausdehnte, und insgesamt vier Haupt - und zweiRebengebäudever- n i ch t e t e. Der Schaden wird auf über 100 000 Mark geschätzt. Ein Feuerwehrmann erlitt bei einem Sturz einen schweren Schädelbruch, drei. Feuerwehrleute mußten wegen Rauchvcr if ung ins Krankenhaus nach Oberndorf gebracht werden.

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Wettervoraussage.

Obwohl das skandinavische Fallgebiet weiter ab­zieht und durch Kaltluft an seiner Rückseite über den britischen Inseln Temperaturrückgang bis zu stellenweisem Frost entstanden ist, wurde nach Frank- reich, sowie Mittel- und Süddeutschland Warmluft vorgeschoben, die uns trübes Wetter und Nieder­schläge gebracht hat. Im Vogelsberg gingen die Niederschläge in Schnee über und brachten eine Neuschnecdecke von 3 Zentimeter. Von Westen dringt jetzt kühlere Lust vor, so daß auch bei uns allmäblich Temperaturrückgang stattfindet. Auch die Niederschläge gehen später zurück und treten nur vereinzelt auf.

Aussichten für Samstag: Neblig-wolkig und später wechselnd wolkig mit vorübergehendem Aufklaren, Temperaturen anfangs wenig verändert, dann kälter, zeitweise noch Niederschläge, auf den Bergen als Schnee.

Aussichten für Sonntag: Bewölkt mit Aufheiterung, Nachtfrostgefahr, meist trocken.

Lufttemperaturen am 7. Januar: mittags 7,1 Grad Celsius, abends 3,4 Grad: am 8. Januar: morgens 3,8 Grad. Maximum 11,9 Grad, Minimum 2,6 Grad. Niederschläge 0,2 mm. Sonnenscheindauer 2% Stunden.