Ausgabe 
7.12.1932 Frühausgabe
 
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Hoovers ZahresboWast an den Kongreß

stabililäk

Ver-

Havarie derTonte bi Savoia".

Sodann schulden

Aus aller Welt.

Seine Entschädigung für Bullcrjahn.

Kein Zusammentritt des Hessischen Landtages vor Weihnachten

Darmstadt, 5. Dez. (WSN.) Wie nunmehr feststeht, tritt der Hessische Landtag vor den Weih­nachtsfeiertagen nicht mehr zusammen. Lediglich die Ausschüsse werden in diesen Wochen ihre Be­ratungen weiterführen.

Washington, 6. Dez. (WLD.) Präsident Hoover verlas imKongreßdie übliche 3 o h- resbotschaft. Cr erklärte, daß die bisherigen Maßnahmen und die Kredite der Finanzre<.on° struktionsgesellschaft die bedürftige Bevölkerung der Vereinigten Staaten im kommenden Winter vor Hunger und Kälte bewahren würden. Die un­vergleichliche Weltdepression habe während des ganzen Jahres angehalten und im letzten Win­ter und vor allem im Herbst infolge des europäi­schen Zusammenbruchs mehrere sehr ernste Krisen hervorgerufen. Die getroffenen Votmahnahmen hätten jedoch die Vereinigten Staaten vor einem Wirtschaftszusammenbruch gerettet und

seil Juli sei eine gewisse Wirlschaflsbesserung zu beobachten.

Zur Wirtschaftsbelebung seien notwendig: 1. eine drastische Kürzung der Derwaltunas- kosten, 2. eine völlige Äeuorganifation des amerikanischen Vankensystems, dessen älnzuver- lässigkeit die Wirtschaftskrise wesentlich ver­schärft habe, und eine nachdrückliche offenher­zige Zusammenarbeit mit den übrigen Na­tionen zwecks Stabilisierung der Rohstoffpreise durch Verbrauchshebung und Wiederherstellung des allgemeinen Vertrauens.

Hoover kündigte sodann in seiner Dotschaft eine Kürzung des Haushalts um 580 Millionen Dollar an und empfahl die Beibehal­tung des im letzten Jahr eingeführten Systems des zwangsweisen unbezahlten Urlaubs für die Regierungsbeamten. Ferner schlägt Hoover eine w itere Gehaltskürzung bis zu 14.8 v. H. vor. so­wie die Abschaffung unnötiger Kriegsteilnehmer­bezüge.

Hinsichtlich der Weltabrüstung erklärte Hoover, daß

die Regierung der vereinigten Staaten bemüht sei, die Verteidigungswaffen anderer Rationen zu stärken, die Stärke der Angriffswaffen da­gegen herabzusehen, hierdurch würde die welt-

mitgrteilt, daß er dem amerikanischen Kongreß Mittel und Wege empfehlen werde, um nötigen­falls zeitweilige Trasferschwierig- keiten in Verbindung mit den Dezemberzah­lungen zu beheben.

In diesem Zusammenhang kündigte Hoover eine S o n d e r b o t s ch a f t an, die die Sriegsschul- denfrage im einzelnen behandeln wird.

Schließlich verwies er, was das Haager Schieds­gericht das Antitrustgeseh und die zahlreichen inneren Reformen anbelangt, auf seine früheren Botschaften.

Die Einzelheiten des Wirtschaftsprogcamms werden in einer Sonderbotschaft in den nächsten Tagen erwartet.

und der allgemeine Wohlstand gefördert.

Ausschüssen überwiesen werden dürften. Staats­sekretär Planck wies darauf hin, daß in den Fragen der Amnestie und der Winter- h l l f e auch bve Regierung die Absicht habe. Vor- schlage zu machen. Heber den Zeitpunkt und die Duvä.suhrung dieser Vorschläge konnte er noch mchts Mitteilen.

Oer Reichspräsident beim Gottesdienst vor Eröffnung des Reichstags.

X V Vm rL' 6-Dez. (CNB. Funkspruch. Eigene Mel­dung.) Nach althergebrachter Sitte fand heute mit- lag aus Anlaß der Eröffnung des Reichstages ein Gottesdienst für die Mitglieder der Reichsregierung, °?b..,^eichsrates und des Reichstages statt. Die Geistlichkeit empfing im Vorraum des Doms den Reichspräsidenten von Hindenburg, der punkt 12 Uhr in Begleitung von Staatssekretär Dr Meißner erschienen war. An dem Gottesdienst nahmen außerdem der Reichsfinanz- und der Reichswirtscha tsminister teil. Der Vize- Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats, Ober­domprediger Dr. D. Burghardt hielt die Predigt.

Schlechte Aufnahme der neuen Schuldennoten.

Hoover Witt nicht reagieren.

Washington. 5. Dez. (WTD.) Don ameri­kanischer Regierungsseite verlautet, daß die alli­ierten Regierungen keinerlei Aussichten auf wohlwollende Behandlung ihrer zweiten Serie von Schuldennoten haben dürften. Auch innerhalb des republikani­schen Kabinetts werden diese Roten als völlig ungeeignet zur Förderung der Angelegenhett bezeichnet, und es ist zweifelhaft, ob mehr als eine rein formelle Empfangsbestätigung darauf erfolgen wird. Im Weißen Haus sieht man keine Möglichkeit, diese Roten Englands und Frankreichs dem Kongreß mit der Bitte um wei­tere Behandlung vorzulegen, da sie unrichtige Feststellungen, Entstellungen und reine Pro­paganda enthalten. 2m Weißen Hause wird mit Rachdruck dementiert, daß Hoover irgend etwas mit dem LausannerAbkommen oder mit dem Lausanner gentlemen Agreement zu tun gehabt habe. Auch die französische Behauptung wird abgelehnt, daß Hoover infolge des Morato­riums vom Juni 1931 den Anlaß zu den alli­ierten Schuldennoten gegeben habe. Beide Roten enthielten kein einziges Wort über eine Her­absetzung der Ko st en für die Rü­stungen. Ton und Inhalt der beiden Roten seien derart, daß Hoover sich ernsthaft überlege, ob er irgendwie darauf reagieren solle.

Oie Hungerdemonstranien in Washington.

Washington, 5. Dez. (WTB.) Den umfas­senden Vorbereitungen der Polizei ist die schwere Aufgabe gelungen, die aus zwei Himmelsrichtungen auf Washington zukommenden Karawanen von Arbeitslosen, notleidenden Farmern und Kommunisten in Lastwagen und Prioat- autos ohne größere Störungen in ein Konzen­trationslager am Außenrande der Stadt zu bringen, wo sie ein starkes Polizeiauf- aebot Tag und Nacht bewacht und durch weitgehende Absperrungen jegliche Berührungmitdem Publikum verhindert wird. Die Demon­stranten dürfen morgen ei n z e l n in die Stadt hin­ein, jedoch sind Umzüge verboten, und um das Kapitol, dem Sitz des Bundeskongresses, ist eine Bannmeile gezogen, die von Sonder­trupps aus Polizisten und Feuerwehrleuten abae- fperrt wird.

Gefchästsführendes Kabinett

Adelung bleibt.

BegrenzungderBrandversicherungebciträge

Darmstadt, 6. Dez. (WHP.) Der Gesetz- gebungsausschußdesHessischenLand- t a g s beriet heute über den Antrag Dr. Niepoth UW), auf Aenderung des Art. 38 der Hessischen Versagung. Der Antrag bezweckt, daß eine g e = schäftsführende Regierung nach einer gewissen Zeit automatisch durch den Prä­sidenten des Oberlandesgerichts ab- g e l ö st werde. Bei Stimmenthaltung der National­sozialisten wurde der Antrag mit den Stimmen von Zentrum und Sozialdemokraten a b g e l e h n t.

Der Antrag Dr. Niepoth (DVp.), wonach die Verordnung zur Sanierung der Versiche- rungsanstaltfürgemeindlicheBeamte zu Unrecht auf die Notverordnung des Reichspräsi­denten zur Aufrechterhaltung der Haushalte der Län­der sich stütze und daher dem Landtag eine entspre­chende Vorlage ^unterbreitet werden , müsse, wurde mit 7 gegen 5 Stimmen angenommen.

Der voltsparteiliche Antrag, wonach die Regie­rung für das Jahr 1932 einen höheren Satz als 8 Pf. für 100 RM. Versicherungskapital als U m - 1Q 9 e der H e s s i s ch en Brandversiche-

Der neue italienische Luxusdampfer C onte di Savoia" muhte auf seiner Jung­fernfahrt nach Ameri'ka etwa 800 Seemeilen von Neuyork wegen eines Defektes an den Turbo-Gene­ratoren stoppen. Ein Seeventil war gebrochen. Drei Stunden lang mußten Mechaniker in der Nähe der

Das Thüringer Wahlergebnis

Ein nationalsozialistisll er Rückblick.

München, 6. Dez. (TU.) Zn derNSK." wird zu dem Ergebnis der Thüringer Wahlen Stellung genommen. Es wird gesagt, daß die Thü­ringer Kreis- und Geme.inderatswahlen vom Sonn­tag den klaren Beweis erbracht hätten, daß der von der bürgerliche Presse immer wieder abgeleugnete E i n b r u ch i n die marxistische Front Tat­sache sei. Die Wahl vom Sonntag habe in dieser Richtung Fortschritte gemacht. In Gera, im Kreis Zeulenroda, Langenberg, Tribes, Neustadt am Rennsteig sei die rote Mehrheit gebrochen worden. Die absolute Mehrheit hätten die Nationalsozialisten neu in Meiningen, Lauscha, Neustadt am Renn­steig, Vieselbach und in zahlreichen kleineren Ge­meinden erringen können. Der Marxismus habe heute nur noch im Stadt- und Landkreis Altenburg eine Mehrheit. In den übrigen 24 Stadt- und Land­kreisen seien nationalsozialistisch-bürgerliche Mehr­heiten. Im Landkreis Hildburghausen sogar eine rein nationalsozialistische Mehrheit vorhanden. Die Na­tionalsozialisten seien mit Ausnahme von Altenburg und G-ra überall die stärkste Partei. Sie habe, von lokalen Ausnahmen abgesehen, über die geringe Wahlbeteiligung hinausgehende Stimmrück­gange nicht zu verzeichnen. In vielen kleinen Ge­meinden habe das Stimmergebnis der letzten Reichstagswahlen sogar noch gesteigert nyrben kön­nen. Das Wahlergebnis in Thüringen bedeute eine Vertraue ms kundgebung der thüringischen Wählerschaft für die nationalsozialistischen Minister. In den Massen der Arbeiterschaft wachse das Ver­trauen zum Nationalsozialismus langsam, aber sicher.

behandelte Hoover die Kriegs­und erwähnte auch kurz die britische und die französische Schuldennote, sowie die Ant­wort der amerikanischen Regierung. Der Präsi­dent lehnte den Wunsch der alliierten Schuldner nach Aufschub der am 15. Dezember fälligen Kriegsschuldenzahlungen mit der Beg Ladung a b, daß Vertrauen und Freundschaft nur dann erhalten werden könnten, wenn man Ver­träge getreulich erfülle, bis sie durch ein gegenseitiges Abkommen geändert seien und eine für beide Teile segensreiche Lösung gefunden sei. Er, Hoover, habe den Schuldnern Amerikas

rungsanstalt nicht genehmigen soll, wurde durch die zusagende Erklärung der Regierung für erleb,at erklärt. Das weitere Verlangen Dr. Nie­st o t h«s, baß die Leitung der Branoversicherungs- anstalt veranlaßt werde, alljährlich bis zum 31. Dezember eine Ueb erficht über die Ein­nahmen und Ausgaben nebst einer Nachweisung über die Höhe des Reservefonds und des Betriebs­fonds oorzulegen, wurde einstimmig gebilligt.

Der IV. Strafsenat des Reichsgerichts hat beschlossen, dem Oberlagerverwalter Bullerjahn eine Entschädigung für die von ihm verbüßten mehr als 6.Jahre Zucht­haus nicht zu gewähren. Die Derhand- lung, die zu seiner Freisprechung führte, habe weder feine äln schuld ergeben, noch dargetan, daß gegen ihn ein begründeter ~ dckcht nicht vorliege.

Wasserlinie außenbord arbeiten. Wie erinnerlich, mußte seinerzeit auch das Schwesterschiff, dieRex", wegen einer Störung an den Turbo-Generatoren ihre Jungfernfahrt in Gibraltar unterbrechen.

Das japanische Schiffsunglück.

In Tokio wird amtlich bekanntgegeben, daß an Bord des gesunkenen japanischen Zerstörers Sawarabi" sich die volle etatsmäßige Besatzung in Stärke von 120 Mann befunden habe, so daß mit dem Verlust von 10 6 Mann gerechnet wird, nachdem bisher nur 14 gerettet werden konnten. Ent­gegen den ersten Berichten ist das Schiff nicht ab­gesackt, sondern gekentert. Es treibt kieloben, so daß Hoffnung besteht, es noch bergen zu können.

Feuerüberfall auf einen Kraftwagen.

Der mit mehreren Personen besetzte Kraftwagen des Lehrers Spreewald aus Ortelsburg (Ost­preußen) ist im Rudauer Wald über fallen wor­den. Quer über die Straße war ein Baumstamm gelegt worden. Als sich der Kraftwagen auf etwa 20 Meter dem Hindernis genähert hatte, fielen acht Schüsse, von denen einer Spreewald in den Kopf traf. Seinen Begleiter gelang es, den Wagen sofort zu wenden und den Verletzten ins nächste Krankenhaus zu bringen. Wie später fcstgcstcllt wurde, war vor dem Baumstamm ein Draht­seil über den Weg gespannt gewesen, das aber bereits von einem vorher durchfahrenden Kraft­wagen zerrissen worden sein muß.

Raubüberfall in Berlin.

3m Osten von Berlin wurde der 26jährige Hauswirt Albert S t ö f f i n beim Betreten seines Hauses nachts von zwei noch unbekannten Män­nern überfallen. Stöffin wurde von den Männern, die ihm mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchteten, sofort niedergeschlagen. Durch Schläge mit der Faust oder mit einem harten Gegenstand wurde der äleberfallene bearbeitet, bis er bewußtlos zusammenbrach. Die Täter raubten om3 der inneren Westentasche 1000 Mark einkasslerte Mietsgelder, rissen außerdem eine Aktentasche mit weiteren 1000 Mark Silber- gelb an sich und stahlen noch eine Brieftasche, in der sich u. a. ein Führerschein und ein Bank­ausweis befanden. Die aufgenommenen Ermitt­lungen haben bisher noch keinen Erfolg gebracht. Grauenhafter Selbstmord einer 67jährigen Frau.

3n Lemberg hat eine 67jährige Frau namens Dobromilska in furchtbarer Meise Selbst­mord begangen. Zunächst machte sie sich durch reichlichen Alkoholgenuß betrunken, begoß sich bann mit Del und zünbete barauf ihre Kleider an. Nach einiger Zeit fanden die Nachbarn die verkohlte Leiche der Frau.

Zwei Todesopfer einer Kohlenoxydvergiftung.

Vier Wanderburschen wurden in der Herberge in Landsberg (Ostpreußen) durch Kohlenoxyd vergiftet aufgefunden. Zwei von ihnen waren bereits t o t. Die beiden anderen mußten i n be­denklichem Zustande ins Krankenhaus ge­bracht werden.

Wolfsplage in Wolhynien.

Ein Bauer wurde bei Kowel in Wolhynien von einem Rudel Wölfe überfallen und zer­rissen. Zwei in der Nähe weilende Pferde wur­den ebenfalls von den Wölfen angegriffen. Die Be­völkerung, die vor der überhand nehmenden Wolfs­plage in ständiger Furcht lebt, bereitet umfassende Abwehrmaßnahmen vor.

Entziehung der Unkerrichtserlaubnls für einen polnischen Lehrer.

Die Regierung hat dem Lehrer S a r n o w s k i an der polnischen Winderheitenschule in Alt­mark, Kreis Sluhrn, bieälnterrichtserlaub- nis entzogen, weil er sich außerhalb seiner Lehrertätigkeit in einer dem friedlichen Zusam­menleben der Angehörigen deutschen und pol­nischen Volkstums abträglichen Weise betätigt hat. Eine Schließung der Schule ist mit dieser Maßnahme nicht verbunden.

Der französische Dramatiker Eugen Brieux f.

Der Dramatiker Eugen D r i e u x , Mitglied der Academie Fran;aise, ist in Rizza gestorben. Brieux ist in Deutschland hauptsächlich durch sein JustizdramaDie rote Robe" und durch sein viel gespieltes AufklärungsstückDie Schiffbrüchigen" bekannt geworden.

Gießener Gtadttheater.

Henry Bernstein:Der Dieb".

Man wurde mehrfach im Laufe des Abends, während der drei Akte dieses französischen Schau­spiels, an ein anderes Stück erinnert: ein eng­lisches, vom Nobelpreisträger Galsworthy; es führt den etwas unzulänglich ins Deutsche über­setzten, vielleicht überhaupt unübersetzbaren Titel Loyalties. S^eibe Stücke beginnen mit einem Skandal, beide mit der höchst peinlichen Auf­deckung eines Diebstahls. Doch nahm der Eng­länder seinen Fall zum Anlaß einer grundsätz­lichen Erörterung, zur Aufrollung eines gesell­schaftlichen und sozialen Problems, sogar einerRas- senfrage. Während in diesem französischen Stück eigentlich nie die private Sphäre überschritten wird: der Fall bleibt durchaus Einze'lfall. älnd der kv'.minelle Vorgang dient zur psychologischen Entschleierung einer Herzensgeschichte. Vielleicht ist diese grundsätzliche Abgrenzung in nationalen Untermieten begründet.

In einer sehr seriösen Gesellschaft auf dem Schloß des Herrn Lagardes werden Gelddieb­stähle entdeckt. Der Hausherr enge gierst einen Detektiv. Der sagt nach eingehend.r Unter­suchung des Falles zum allgemeinen Entsetzen dem Sohn des Hauses, Fernand, die Verfeh­lungen auf den Kopf zu. Der Junge gesteht.

Da er schon im ersten Akt gesteht, tauchen dem Zuschauer einige Zweifel an der Echtheit des Ge­ständnisses umso eindringlicher auf, als Fer­nand einer Dame, Marie Luise Voysin, die mit ihrem fliann bei Lagardes zu Gast ist, seine Liebe erklärt hat; und weil in diesem ebenso geschickt wie durchsichtig komponierten Stück Marie Luise und Fernand kurz vor Fernands Geständnis Gelegenheit hatten, unter vier Augen miteinander zu sprechen.

Die rein kriminalistische Spannung ist also schon nach dem ersten Akt mindestens gelockert. Aber im zweiten beginnt sogleich nicht nur sich zu be­stätigen, was schon zuvor vermutet wurde son­dern auch die psychologische Motivierung: Marie Luise ist die Täterin. Fernand hat sich mit dem Geständnis für sie geopfert aus Liebe. Aber auch Marie Luise handelte aus Liebe zu ihrem Mann. Sie hat gestohlen, um reich zu sein, um schön und elegant zu fein, um ihm zu gefallen. Sie

hat sich in Schulden und unwürdige Abhängigkei­ten verstrickt. Ihr Mann, Richard, ist außer sich über ihre Tat; ein einmal geweckter Verdacht nährt seine Eifersucht, und er erpreßt seiner Frau ein zweites Geständnis, wo doch nichts zu ge­stehen war. Marie Luise beweist die Haltlosig­keit seiner Vermutungen durch den Vorschlag, mit Wichard, zusammen ins Ausland zu gehen, für immer in die Verbannung, die, für einige Zeit, dem unschuldigen und ritterlichen Fernand von seinem Vater zudiktiert worden war. Tlnd das letzte Geständnis an diesem Abend kommt von Richard, der seine Frau noch immer, trotz allem, vielleicht sogar um ihrer Tat willen liebt.

Dieses Schauspiel, deutsch von Rudolf Lothar, ist ein ungemein wirksames Theaterstück, baä seiner Spannung in jeder Szene sicher ist und dem Zu­schauer dennoch Zeit läßt, im Stillen aller-

Kombinationen zu verfolgen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Eine dankbare Aufgabe für oie Regie. Es wurde, unter der Führung von Herrn Hehser, vorzüglich gespielt; der Dialog gmg federnd in wohlgeölten Gelenken; die Stichworte kamen wie am Schnürchen; die Pau­sen waren sorgsam berechnet; die Steigerun­gen effektvoll eingefädelt und vorbereitet; die großen Szenen entfesselten ein Drillantfeuerwerk darstellerischer Möglichkeiten. Dazu die Dekoratio­nen von Löffler, die dem äußerst luxuriösen Lebensstil in diesem Hause mit Geschmack und Ver­ständnis angepaßt waren.

Was diegroßen Szenen" angeht, so stand der Mittelakt nicht nur äußerlich im Zentrum des Spiels im Schloß. Edith Berger hat mit ber Marie Luise eine Paraderolle ersten Ranges; sie kann alle Minen springen lassen wie die selige Lady Milford, ist Salondame und Lieb­haberin in einem, kann ihrem Temperament die Zügel freigeben und, mit Gefühl und Intellekt gleichermaßen beteiligt, nicht nur Theater spielen, sondern auch ein kleines, törichtes, menschliches Schicksal begreiflich machen.

Als ihr eigentlicher Partner begann Herr Hauer (Richard) ganz leicht und fpielerifch, im Stil des schwerelosen Salonstücks, um dann im Mittelakt, mit sorgfältiger Stufung und Stei­gerung, immer härter, schärfer und gefährlicher werdend, zum großen Ausbruch und endlich zu einem leisen Geständnis zu gelangen.

Ten jungen Fernand gab Herr Eggemann; er rüefte die Figur anfänglich geschickt ins Zwie­licht, so daß der Zuschauer zunächst auf eine falsche Fährte geriet; später erschien er so beherrscht und ritterlich, daß seine Opfer- bereitfchaft nicht unglaubhaft wirkte. Hehser, in der Rolle des Zambault, gab die entscheidende ©jene knapp, scharf, mit schneidender und eis- gefüblter Dialektik. Sibylle Flemming und Wolfgang Kühne: vornehm und taktvoll zu­rückhaltend, doch nicht ohne Wärme, als das Ehepaar Lagardes.

Tas Stück hätte, wie vorauszusehen war einen ausgesprochenen Publikumserfolg. hth.

Wie sich junge Krieger bei Hofe benehmen sotten.

Eine Verordnung des österreichischen Hofmar­schallamtes aus dem Jah.e 1624, die den Ka- betten vorschreibt, wie sie sich zu benehmen haben, nn Falle sie von einem Herzog zur Tafel geladen toercen, liefert einen interessanten Beitrag zu der Kulturgeschichte der damaligen Zeit. Der betref- fenoe Erlaß lautet:

König!. Hoheit haben geruht, verschiedene Offiziere zur Tafel zu laden, und haben häufig Gelegenheit gehabt zu bemerken, daß bet größte Seil dieser Offiziere sich mit der größten Hoflich- kelt und guten Erziehung benimmt und sich gleich wahren und würdigen Cavalieren aufführt. Richts- destoweniger erscheint es Höchstdemselben ratsam, den minder erfahrenen Cadetten folgende L^n^gsporschriften zu machen: Sie sollen 1. Se. Konrgl. Hoheit gleich nach Ankunst ihre Hochach- tung beweisen hübsch gekleidet, mit Rock und versehen, und nicht in das Zimmer in halbtrunkenem Zustande eintreten. 2. Bei Tafel nicht mit dem Stuhle schaukeln ober sich darin , der Länge nach ausstrecken.

ti xV IC?em Mundvoll trinken, denn wenn sie das thun, so werden sie bald berauscht sein; den Becher nicht mehr als zur Hälfte nach jedem reF und vor dem Trinken den Wund und Schnurrbart rein abpuhen. 4. Die Hände nicht in die Schüsseln stecken und die Knochen nicht unter nK- Werfen. 5. Richt die Finger ablecken, noch in die Teller ausspucken und ebensowenig die Rase am Tischtuche abputzen. 6. Richt so bestialisch trinken, um vom Stuhle zu fallen und verhindert zu sein, aufrecht zu gehen."

Ausflüge auf den Meeresgrund.

Die Wunder des tierischen unb pflanzlichen Le­bens auf bem Boben bes Meeres finb nicht nur häufig von Tauchern, sondern auch in jüngster Zeit von einigen kühnen Gelehrten geschildert' worben. Es würbe daher in so manchem Besucher des ele­ganten kalifornischen Badeortes Long Beach die Sehnsucht rege, auch einmal etwas von diesen Sehenswürdigkeiten der Meerestiefc zu betrachten. Diesem Zweck dient nun eine praktische Erfindung, bie von einem finbigen Unternehmer an ber Küste von Long Beach eingerichtet ist. Der Apparat, ber SU diesen jetzt sehr beliebten Ausflügen auf den Meeresgrund benutzt wird, ist ein geräumiger was­serdichter Behälter, der mit dicken Glasplatten als Fenstern ausgerüstet ist und mit einem Paar sehr kräftiger Scheinwerfer, bie bie bunklen Wassertiefen erhellen. Außerdem ist noch ein Telephon und ein Sauerstoffapparat angebracht, der den Insassen frische Luft zuführt. Diese bequeme Taucher-Kabine wird von einem Schiff aus heruntergelassen, das etwa 15 Kilometer von der Küste entfernt verankert liegt. Das Wasser unter dem Kiel ist etwa 75 Me­ter tief, und es ist ein Fleck auf dem Meeresgrund ausgewählt, der an Pflanzenwelt und Tierleben besonders reich ist. Die Ausflügler nach dem Mee­resgrund begeben sich in den Stahlzylinder durch eine wasserdichte Tür, die ganz fest geschlossen wird, bevor bas Signal zur Fahrt nach unten gegeben wird. Auf dem Boden steht der Apparat sicher auf drei starken Beinen; die Scheinwerfer werden an- gestellt, und in ihrem grellen Licht betrachten die Insassen durch bie Fenster das bunte Schauspiel bes wimmelnben Lebens rund um sie herum. Man fürchtete zuerst, baß das starke Licht die Tiere ab­schrecken würde, aber das gerade Gegenteil ist der Fall; sie werden dadurch in großen Massen heran- gelockt, von den kleinsten Fischen bis zu den riesi­gen Haien. Die ersten Kunden fürchteten sich etwas vor dem Ausflug in die Meerestiefe, aber als ihnen auseinanbergefeijt worden war, daß nicht die ge­ringste Gefahr drohe und daß alle nur erdenklichen r 0rJUo!nafore9eIn getroffen waren, unternahmen sie den Ausflug unb kehrten begeistert zurück. Seit­dem ist das Geschäft sehr lebhaft geworden. Immer wieder steigt die Tauchkammer mit vier Insassen, Denen ein Begleiter beigegeben ist, in die Tiefe hinunter, und Tausende haben bereits die Herrlich­keiten auf dem Meeresgründe bewundert.