Ausgabe 
7.12.1932 Frühausgabe
 
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Der große Schrecken von 1832/'

A s die Cholera in Paris wütete ...

Seminars mit Tee und Gebäck, das in der Küche des Seminars von den fungen Mädchen selbst her« gestellt war, aufs freundlichste bewirtet. Auf diese Weise verbreitete sich bald eine behagliche Stimmung unter den Gästen, die bis zuletzt anhielt. Die Schü­lerinnen des Fröbel-Seminars haben durch diese Veranstaltung einen Grundsatz der Anstalt prakti'ch durchgcsührt: Mit wenig Mitteln aus eigener Kraft selbständig etwas zu gestalten. Vieles, was sie wäh­rend ihrer Ausbildung lernten, haben sie bei den Vorbereitungen zu dem Elternnachmittag mit viel Liebe und Eifer angewendet. Sie haben damit auf das hohe Ziel hingewiesen, das das Fröbel-Scminar seinen Schülerinnen in und mit der Berufsausbil­dung zu geben bestrebt ist: durch die Tat seine Lebenstüchtigkeit zu beweisen im Sinne Fröbels, dessen LeitspruchSchweigen und Tun" auch den zukünftigen Erzieherinnen der jüngsten Generatton ein Wegweiser sein soll.

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DieBerwendung derRuhrgelder in Seffen

Handwerkskammer-UniersuchungSausschuß des Hessischen Landtags.

Auf ihrem Zug durch die Welt, auf dem sie un­barmherzig gleich dem Schwärzen Tode des Mittel­alters Ernte hielt, war die Cholera im Jahre 1 832 auch nach Paris gelangt. Von die­sen Monaten grausamen Schreckens, da die Pariser hilf- und ratlos dem großen Sterben gegenüber­standen, entwirft ein soeben erschienenes Werk von Luoas-DebretonDer große Schrecken von 1832" erschütternde B.lder. Zwei Jahre früher hatte die unh-eimliche Seuche ihren Einzug in Europa gehal­ten, nachdem sie 1817 zuerst in Jndien^aufgetaucht war. Vergebens suchten die einzelnen Staaten, be­sonders Preußen, durch Absperrungs'maßnah.nen und sanitäre Vorschriften ihrem Vordringen einen Damm'entgegenzusetzen. Sie wütete ebenso in Berlin, wie sie sich .durch das in Ungarn als Allheilmittel gepriesene Wismut nicht in ihren Siegen aufhalten -ließ.

In Paris fand sie in der dichtbevölkerten Stadt, deren hygienische Einrichtungen sehr im Argen lagen, einen vortrefflichen Nährboden. Niemand wußte eine wirksame Methode zu ihrer Bekämp­fung. Die einen schworen auf Dampfbäder, andere aus das Eingraben bis zum Halse in Pferdedung and ähnlichen unappetitlichen Stoffen oder auf die Besprengung der Räume mit Chlorlöisung, indessen wieder andere meinten, man solle sich um die Krank­heit nicht kümmern und ohne Furcht seine gewohnte Lebensweise fortsetzen.

Aber auch den klügsten Parisern half das bald nichts mehr. Nachdem am 1. Februar ein Portier in der rue des Lombards zuerst der Seuche erlegen war, folgten am 26. März ein Eierhändler, ein kleines Mädchen, ein Hausierer usw. Indessen stand Paris gerade im Zeichen des Karnevals und wollte sich seine Freude nicht stören lassen.

Am 1. April war die Zahl der Todesfälle durch Cholera bereits auf 565 gestiegen. Nun be­gann auch die Polizei, besonders der tatkräft.ge Präfekt Gisquet, durch eine Reihe von hygieni­schen Maßnahmen und Vorschriften den Kampf gegen die Seuche. Es wurden Brunnen errichtet, fleißige Straßenreiniaung angeoodnet und ebenso die Hausbesitzer zu größerer Reinlichkeit angcha.ten. Als man aber eine Neuordnung der Kehrichtabfuhr mit leichteren Wagen einführte, die den Dienst nicht wie die früheren schweren nur einmal täglich be­sorgten da brach eine wahre Revolution aus, die als ,I r i e'g d e r Lumpensammler" berühmt ge­worden ist.

Diese Komödie innerhalb der großen Tragödie begann, indem die Lumpensammler, die sich ihrer

Ernte beraubt sahen, di« neuen Wagen in Brand setzten; es folgten Angriffe auf Polizei und Sol­daten. Dieser Krieg griff immer weiter um sich, in­dem die politischen Leidenschaften erregt und gegen die Regierung alle möglichen sinnlosen Beschuldigun­gen erhoben wurden. Da wollte man gesehen haben, wie ein Mann eine verdächtige Flüssigkeit in einen Brunnen geschüttet habe, die sich dann als Melüfsen- wasser herausstellte; dort hatte ein anderer verdäch­tige weiße Kugeln ousgestreut, die sich nachher als harmlose Porgellankugeln entpuppten.

Es kam soweit, daß die Aerzte nur verkleid e t ihrer Pflicht nachgehen konnten und daß harmlose Passanten auf der Straße niedergeschlagen wurden. Endlich gelang es, dem Krieg der Lumpensammler ein Eiche zu bereiten, aber dem Wüten der Cholera noch lange nicht. Die Zahl der Todesopfer stieg so, daß man in aller Eile neue Leichenwagen anfertigen lassen mußte. Die Nachfrage war so groß, daß bei dem Ruf:Leichenwagen!" stets ein heftiger Streit entstand, wie um die Droschken beim Regen. Man half sich mit Möbelwagen, aus denen die Firmen-Aufschriften notdürftig mit schwarzem Stoff bedeckt wurden. Bald danach brach ein Man­ge l an Särgen aus; Säcke mußten an ihre «teile treten. Auf den Friedhöfen wurden die Lei­chen in drei Lagen übereinander verscharrt, ohne daß sich jemand um die sonst vorgeschobenen Zwi­schenschichten von Erdreich kümmerte.

Die^Totengräber, die unter den furchtbaren Aus­dünstungen litten, verweigerten die Arbeit; arbeits­lose Erdarbeiter mußten an ihre Stelle treten. Die Aerzte hatten keine Zeit mehr zum Schlafen. Die Theater spielten weiter, aber die Besucher b.iebcn aus. In der Oper betrat eines Abends der Sänger Santini die Bühne, und plötzlich versagte ihm die Stimme.Die große Seuche hat mich erfaßt!" schreit er auf, eilt aus dem Hause und flieht aus Paris. Unter den Opfern befanden sich u. a. der Ent­zifferer der Hieroglyphen Champollion, der große Naturforscher Cuvier, der Ministerpräsi­dent Casimir Parier. Endlich, gegen Ende April ist der Höhepunkt der Cholera überschritten. Man zählt an diesem Tagenur noch" 100 Tote. Gleich­zeitig wuchs aber die Erregung im Volke und es kam zu richtigen Straßensch'.achten beim Begräbnis des Generals Lamarques. Im August ver­schwand die Seuche ebenso gohe:mnisooll, wie sie gekommen, und wandte sich nach dem Südwesten. In Paris ließ sie ein Leichenfeld von 18 400 Toten zurück. A. H

Oie niedrigste Temperatur Europas.

Der Wiener Professor Dr. Wilhelm Schmidt hat eine Forschungsstätte in der Biologischen Station am Lunzer See in Rieder-Oesterreich geschaffen, aus deren interessanten Beobachtungen Dr. Alfred Gradenwitz einiges in der Frankfurter Wochen­schriftDie Almschau" mitteilt. Hier ist eine Ar­beitsgemeinschaft tätig, die aus Meteorologen, Botanikern, Zoologen, Boden-Chemikern, Mikro­biologen und Zoologen besteht. 3n der Umgebung der eigentlichen Station wurden zwölf bewegliche Beobachtungsstellen eingerichtet, die mit den ver­schiedensten Apparaten und Methoden die Wetter- Vorgänge auf kleinstem Raum ergründen sollen. Dabei werden sogar Dautemperaturen gemessen, Pflanzen einmal in der Woche photographiert, um ihre Entwicklung zu verfolgen, Tiersammlungen angelegt, um das Auftreten von Schädlingen zu erkennen usw. Unter den überraschenden Tat­sachen, die dadurch gewonnen wurden, befindet sich auch die Feststellung der niedrigsten Tempera­tur, die jemals in Europa gemessen wurde. Die­ser kälteste Ort ist dieGstettneralm", eine ab­flußlose Vertiefung im Kalk-Plateau in 1270 Meter Höhe; infolge der Ansammlung abgekühl­ter Luft treten hier im Winter sehr niedrige Temperaturen auf, die bis minus 51 Grad Celsius sinkckn. Während hier infolge dieser Kälte nur ein äußerst dürftiger Pflanzenwuchs, ähnlich dem im nördlichen Lappland und in Sibirien, auftritt, fand man in einer Entfernung von kaum einem Kilometer, nur wenig tiefer, in einem Tal mit gutem Luftausgleich Laubhölzer und subtropische Moosarten, wie sie sonst nur in den wärmeren Teilen von Japan und den Südstaaten Rordame- rikas Vorkommen. Der Rachweis so schroffer Klimaunterschiede auf engstem Raum gewinnt be­sondere Bedeutung, um die Entwicklung von 3n» sektenschädlingen zu erkennen. Interessante Ergeb­nisse lieferte auch die Untersuchung über den Ein­fluß der Häusermassen auf die Temperatur. Dabei wurde festgestellt, daß an heißen Sommertagen die Wärme in engen Gassen bis 6 Grad niedriger ist als in dicht daneben gelegenen breiten Straßen; die enge Bauweise in südlichen Ländern wird da­durch in ihrer praktischen Wirkung erklärt. Ein weiterer Schritt zur Erforschung des Kleinklimas führt von der Straße ins Haus; auch zwischen den Wänden gibt es bedeutende Unterschiede. Man hat ein Schema über das sog.Deamtenklima" ausgearbeitet, d. h über den Wechsel der Tempe­raturen denen ein Beamter während seines Ar­beitstages ausgesetzt ist. Dieses weist besonders im Winter große Schwankungen auf. Der Weg nach öem Amt, die Wanderung in freier Luft, die Fahrt mit Straßenbahn oder Eisenbahn, zeigen schon Gegensätze zwischen der Winterkälte und der Wärme im geheizten Wagen. Die verschiedene Temperatur der Zimmer und Gänge im Amt, Be­sorgungen im Freien, Wege in der Mittagspause

** Das Fröbel-Seminar peranstaltete am vorigen Sonntagnachmittag im Saalbau Leib für die Eltern und Angehörigen der Schülerinnen einen sehr gut besuchten Elternnachmittag. Nach einem leicht und beschwingt gesungenen Brgrüßungs- lied des Schülerinnenchores begrüßte zunächst wie man uns berichtet eine Schülerin, daraus die Leiterin des Fröbel-Seminars, Fräulein Burg­heim, in einer längeren Ansprache die Gäste. Dann folgten in bunter Reihenfolge Darbietungen mannigfaltigster Art, wie Volkstänze, Chöre, ein Hans-Sachs-Spiel. Kasperle-Theater für Erwachsene, ein Singspiel, musikalische Vorträge u. a. m. Eine Lotterie erfreute die Gäste mit kleinen Geschenken, die von den Schülerinnen gestiftet und selbst her­gestellt waren. Der Erlös aus dieser Lotterie kommt der Kasse der Kinderspeisung des Fröbel-Seminars zugute. An weihnachtlich geschmückten Tischen wurden die Gäste von Schülerinnen des Fröbel-

O eIahrgeiderstattungderlsteichsbahn.

Rücknahme und Umtausch gelöster unbenutz­ter Fahrausweise erfolgt bei den Fahrkarten­ausgaben der Reichsbahn und bei den Reise­bureaus MER (möglichst den Ausgabe­stellen) innerhalb der Gültigkeitsdauer ohne Abzug von Verwaltungskosten. 3st Gepäck aufgeliefert, oder eine Platzkarte gelöst worden, so werden die zugehörigen Fahrausweise nur zurückgenommen oder umgetauscht, wenn der Reisende das Reisegepäck von der Beförderung zurückzieht, oder nach dem Bestimmungsbahnhof des neugelösten Fahrausweises aufliefert. Erstat­tung auf Grund von teilweise benutzten Fahr­ausweisen erfolgt im allgemeinen für die nicht­abgefahrene Strecke. Einwandfreier Rachweis über den Umfang der Richtbenuhung ist zu führen. (Bescheinigung auf dem Fahrausweis durch den Aufsichtsbeamten ist stets erforderlich^) Bei unvorhergesehenen Umständen, z. D. durch Krankheit, Unfall, besteht nach § 19 der Eisen­bahnverkehrsordnung Rechtsanspruch auf Rück­zahlung; in anderen Fällen wird möglichst ent- gegenlommend verfahren. ,

Zuständig f ü r Fahrgelderstattung sind die größeren Fahrkartenausgaben, die Reichsbahnverkehrsämter und die Reichsbahn­direktionen, für Bayern das Zentralverkehrs­amt in München. Fahrkartenausgaben erledigen mündliche Anträge bei einwandfreiem Rachweis sofort. Sie sind nicht zuständig für Fahr­karten aus dem Auslandverkehr einschließlich Danzig, Saargebiet usw., für Fahrkarten aus dem Ost- und Rordseebäderverkehr, aus dem Verkehr mit Ostpreußen und mit Privatbahnen, für Fahrausweise, die bei einem Reifebureau für Platz- und Bettkarten usw. gelöst wurden. Alle Anträge, zu deren Erledigung die Fahr­kartenausgaben nicht zuständig sind, werden von den Reichsbahnverkehrsämtern erledigt. So­fern ein Verschulden der Eisenbahn nicht nach­gewiesen ist, werden 10 Prozent Verwal» tungskosten, mindestens 0,20 Mark, höch­stens 2 Mark einbehalten.

Reichsbund der Kinderreichen.

Die neugegründete Gießener Ortsgruppe.

Der Reichsbund der Kinderreichen hielt dieser Tage imAquarium" eine Versammlung ab, in der der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Herr Heil- Offenbach, die Ziele des Bundes dar­legte. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde eine Entschließung gefaßt, die folgen­den Wortlaut haue:

Die in Gießen versammelten Kinderreichen des Landesverbaizdes Hessen im Reichsbund der Kin­derreichen Deutschlands zum Schutze der Familie, haben einmütig Stellung genommen zu der Lage der kinderreichen Familien in dieser Zeit der Not, unter der sie unvergleichlich mehr zu leiden haben, als ledige, kinderlose und kinderarme Volksgenossen. Die zum Schutze der Wirtschaft erlassenen Notver­ordnungen wirken sich geradezu familienfeindlich aus. Daß unsere kinderreichen Familien trotzdem ihre sittliche und staatsbürgerliche Haltung bewahrt haben, verdient die Achtung und Anerkennung aller um die Zukunft des Staates und des Volkes ernsthaft besorgten Volksgenossen. Unerläßlich ist aber ein wirksamer, gesetzlicher Familienschutz. Wir verkennen nicht die Notlage des Staates, müssen aber im Interesse des bedrohten Vaterlandes for­dern, daß auch die Notgesetze dieser Zeit die Sorge um Familie und Volk nicht vermissen lassen. Nicht die Wirtschaft ist das höchste Gut des Staates, sondern das von seinen Familien getragene Volk. Wo bleibt die Notverordnung zum Schutze der Fa­milie und zur Sicherung des Volkes? Eine der

WSR. Darmstadt, 6. Dez. Der Hand­werkskammer-Untersuchungsausschuß des Hessischen Landtags setzte heute Die Beweisaufnahme fort mit der Vernehmung des Apothekers Walter Senat (Goddelau) Der Zeuge erklärte, daß vor Jahren im Kreis Groß- Gerau lebhafte Beunruhigung entstanden sei durch die Verteilung des Ruhrfonds, wobei ver- hältnismäßig hohe Zinsen und die Mitglied­schaft bei der Handwerler-Zentralgenossenschaft gefordert wurden. Erst im Februar d. 3- habe er von der Alebertoeifung der 325 000 Mk. an die Handwerker-Zentralgenosenschaft Kenntnis erhalten worauf von einzelnen Mitgliedern des Dezirtsverbandes ein heftiger Kampf gegen die Handwer.skammer und die Handwerker-Zentral­genossenschaft geführt worden fei

Jlad) allem, was sich aus feinen Verhandlungen mit dem handwerkskammeroorstand ergeben habe, komme er zu der Auffassung, daß die Handwerkskammer, um der Handwerker-Zentral- genossenschast zu helfen, bei der Regierung den Antrag gestellt habe, das Geld an die Hand­werker-Zentralgenossenschaft geben zu dürfen, worauf die Regierung dem Antrag wohlwollend zustimmte.

Wer die Initiative dazu ergriffen habe, wisse er nicht. Ungeklärt sei ihm, ob die Handwerks­kammer berechtigt gewesen fei, über diese 325 000 Mark zu verfügen. Wenn die Auffassung der Handwerkskammer zutre'se, daß die 325 COJ Mk. nur darlehensweise an die Handwerler-Zentral- genossenschaft» gegeben wurden, so fei deren Di- lanzierungsmethode nicht korrekt gewesen.

Der Direktor der Groß-Gerauer Volksbank, Ra, Auffichtsratsmitglied der Handwerker- Zentralgenossenschaft, stellte fest, daß ein Betrag voiu.49 178,10 Mark im 3ahre 1925 zur Abdeckung fauler Forderungen (nur 10 Prozent für besetztes Gebiet) abgebucht wurde. Dennoch sind davon 1012 000 Mark noch eingegangen, die sahungs- widrig zur Derlustdeckung verwandt wurden. Heute könne die Handwerker-Zentralgenoffen­schaft über etwa 178 000 Mark Ruhrhilfe ver­fügen.

Der Zeug» ist der Meinung, daß die der

Hauptursachen der deutschen Volksnot sind die Iributlaftcn. Die Ausbringung derselben hat unsere Familien in unsägliche Verelendung geführt. Unsere kinderreichen Familien haben mit ihren Söhnen auch im Kriege die größten Opfer auf den Altar des Vaterlandes gebracht.

Nun ist es genug. Die Würde unseres Volkes und seine auf der Erhaltung der deutschen Familie beruhende Zukunft dulden nicht ein Verharren auf dem bisherigen Wege. Wir fordern Arbeit^ für un­sere Familien und den Ausgleich der Familien- laften durch staatliche Erziehungsbeih.lfen; wir for­dern Verbindung der deutschen Familie mit dem deutschen Boden durch Wohnung und Siedlung, damit die aus der BindungLand und Leute" ent­strömenden vaterländischen Kräfte eingestellt wer­den können in den Wiederaufbau von Volk und Staat!"

Zum Schluß wurde die Ortsgruppe Gießen ge­gründet, der sofort 32 Mitglieder beitraten. Der vorläufige Vorstand setzt sich aus den Herren Schäfer, Hillebrandistraße (1. Vorsitzender), Wolf (Schriftführer) und Schlossermeister Schön (Kassierer) zusammen.

Rentenempfänger und ©teuerfarte.

Das Dersorgungsamt Mainz teilt mit: 3m Dezember werden allgemein die Steuerkar­ten für das 3ahr 1933 zugestellt. Empfänger von Ruhegeld, Witwengeld und Dienstzeitrente, die ihre Bezüge durch das Dersorgungsamt Mainz erhalten, handeln im eigenen 3nteresse, wenn sie die Steuerkarte für 1933 schnellstens dem ge­nannten Amt (Mainz, Rheinstraße 2 und 4) ein- senden. Das Dersorgungsamt ist alsdann in der Lage, rechtzeitig die neuen Derhältnisse zu be­rücksichtigen. Gehen die Steuerlarten verspätet ein, dann müssen nachträglich Ausgleiche und Alm- rechnungen vorgenommen werden. Die auf diese Weise veränderten Zahlbeträge führen bei den Empfängern .ost zu Mißverständnissen, weil eine Benachrichtigung jedes Einzelnen nicht immer möglich ist. Seht die Steuerkarte trotz Auffor­derung nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht ein, dann ist dos Dersorgungsamt verpflichtet, volle 10 v. H. vom Ruhegeld usw. als Steuer einzu- behalten und die sonst zustehenden Steuerermäßi­gungen (steuerfreier Teil, Ehefrau, Kinder usw.) für die zurückliegende Zeit unberücksichtigt zu lassen. Die Empfänger können diese, für beide Teile unliebsamen Folgen durch rechtzeitige Ein­sendung der Steuerkarte vermeiden. Trifft die Steuerkarte von der Gemeindeverwaltung nicht rechtzeitig ein, so ist es zweckmäßig, wenn sich die Empfänger an das Steuerbureau der Ge­meindeverwaltung wenden.

Vornotizen.

Aus dem S t ad 11 he a te r - B u r e o u wird uns geschrieben:Aleber unsere Kraft", Schauspiel von Djörnson (Spielleitung: Wolfgang Kühne) heute zum letzten MaL 9. Darstellung der Mittwoch-Abonnenten. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 AIHr. Erstauffüh­rung des deutschen Frontstückes:Heber unsere Kraft", von Grafs und Hintze, am Freitag, 9. De­zember. Der Aufführung, der bisher an vielen Bühnen allgemein ungeteiltes Interesse und über­all lebhafteste Zustimmung zuteil wurde, dürfte auch in Gießen mit großer Erwartung entgegen­gesehen werden. Für Montag, 12. Dezember, hat die 3ntendanz als Operettenvolksvorstellung zu kleinen Operettenpreisen die letzte Ausführung der OperetteDie Toni aus Wien" angeseht. Der Kartenverkauf hat bereits sehr rege eingesetzt und beweist die Dorliebe des Gießener Theater- Publikums für Werke musikalischen Charakters.

Zeuge Direktor R a i h teilte mit, daß die Alntersuchungskommission bei der Handw-rks» lammet demnächst das Ergebnis ihrer Arbeit dem Kammervorstand und dann dem Handwerk mitteilen werde. Einige Ruhrkredite seien nicht gesichert. Gegenüber der dem Alntersuchungsaus- schuß heute vorgelegten Aufstellung über 680 Konten über insgesamt 333 000 Mark erklärte der Zeuge, daß nur 520 Konten über insgesamt 262 000 Mark vorhanden seien.

Durch die Uebertragung der 325 000 RM. habe nur der Gläubiger gewechselt, tatsächlich jedoch seien die ausgeliehenen Ruhrkredite verloren, da nach seiner Prüfung die meisten Konten­inhaberfaul seien. 3n dieser ganzen An­gelegenheit habe die handwerker-Zentral- genossenschaft leichtfertig gehandelt.

Ein Beamter habe ein Darlehen von 10 000 Mark zu verbilligtem Zinsfuß (6 Prozent) erhalten, obwohl von der Handwerker-Zentralgenofsen- schaft selbst höhere Zinsen gezahlt werden müssen. Auch Lcgationsrat Heinemann sei Dar­lehensnehmer.

Rach der Mittagspause folgte die Vernehmung des Tapez'erermeisters Gaßbach (Groß-Gerau), des jetzigen Dorsihenden des Groß-Gerauer Hand- werkskammer-Dezirksverband-es. 3n seiner fast zweistündigen Vernehmung betonte der Zeuge u. a., der Kammersyndikus Dr. Lindemann habe 1923 in Groß-Gerau erklärt, daß sämtliche Ruhrgelder bereits ausgeschüttet seien. Von dem Direktor der Groß-Gerauer Volksbank, R a i ß , habe er aehört, daß Legationsrat Heinemann, Ministerialrat Petri und Landtagsabgeordneter Laudenbach Tauaelder aus der Ruyrhilfe er­halten hättew Auch einige Handwerkssüh.er hät­tenSchornsteinkredite" bekommen, so z. D. der Oberme ste- Schmuck in Worms 23 000 Mark und der Obermeister Dieter (Eberstadt).

Ministerialrat Hechler stellte in Abrede, daß Legationsrat Heinemann und Ministerialrat Petri aus dem RuhrfondH zu verbilligtem Zins­fuß Baugelder erhalten hättew Was sie bekamen, stamme aus einem zinsverbilligten Bausands, des­sen Gelder jedem Staatsbürger zur Verfügung ge­standen hätten. Der Regierungsvertreter be­tonte, daß die 3nitiative zu der Aleberschreibung des Betrages von 325 000 Mark an die Hand­werker-Zentralgenossenschaft von deren Direktor P aech ausgegangen sei.

Am Mittwochvormittag wird die Zeugenverneh­mung fortgesetzt.

wiesen an einem Tage Schwankungen bis zu 37 Grad auf. Rach Büroschluß bringt Dann wieder der Heimweg, der Besuch von Fortbildungskursen und so weiter neue Gegensätze der Temperatur.

Ein prähistorischer Mord.

Bei Straßenbauten in Minnesota (USA.) wurde vor einiger Zeit ein Frauenskelett gefunden, das offensichtlich die Anzeichen eines schweren Ver­brechens aufwies. Ein herbei gerufener Arzt und von ihm zur Alntersuchung aufgeforderte Sachver­ständige stellten nach einer gründlichen Alnter­suchung fest, daß das Skelett etwa-23000 3ahrs alt sein müsse. Diese sensationelle anthropologische Entdeckung wurde dieser Tage in Reuyork von der Rationalakademie eingehend besprochen, und der augenscheinliche Mord in allen Einzelheiten re­konstruiert. Rach der Ansicht der mit kriminalisti­schen Fragen vertrauten Gelehrten ist der Tod durch einen Herzstich verursacht worden. Dann warf der Täter sein Opfer in den See, der sich in vorgeschichtlichen Zeiten anstelle Der heutigen fruchtbaren Ebene befand. Wahrscheinlich ist hier ein Leidenschaftsverbrechen begangen worden, Da es sich bei der Ermordeten um ein ungefähr 17- jähriges und, wie Die Gelehrten aus Dem an Den Knochen hängenden Schmuck aus ausgereihtön Mu­scheln zu schließen glauben, kokettes Mädchen han­delt. Allerdings interessieren die Wissenschaftler ' weniger die von ihnen gedeuteten Motive, als Die Tatsache, daß sich aus dem Skelett darauf schlie­ßen läßt, daß die vorgeschichtlichen Bewohner Amerikas einer mongolischen Rasse angehört haben.

Vor Gericht rasiert.

Ein Angeklagter ist dieser Tage auf Veran­lassung eines französischen Gerichtes unentgeltlich rasiert worden. Es war ein Hochstapler, der als englischer Aristokrat mit tadellos rasiertem Ant­litz aufgetreten war und dem nun während der langen Haftzeit ein üppiger Bart gewachsen war. Obwohl Die Polizei verschiedene Photographien vorweisen konnte, die ihn in seiner früheren Er­scheinung zeigten, erklärten doch verschiedene Ge­schädigte, sie könnten ihn mit dem Bart nicht wieder erkennen. Der Richter befahl daher die sofortige Entfernung des verändernden Bart­wuchses. Als man ihm entgegenhielt, daß das nicht so schnell ginge, erklärte er resolut, er habe in seinem Ankleidezimmer einen Rasierapparat, und ein Schöffe, der sich als erfahrener Barbier bezeichnete, fand sich zur Vornahme der Hand­lung bereit. Das Rasieren ging im Vorzimmer des Gerichtssaales vor sich, während das Gericht selbst weiter tagte. Als der Angeklagte mit glat­tem Gesicht wieder vor die Schranken gebracht wurde, erkannten ihn die Zeugen sofort wieder und er wurde zu acht 3ahren Gefängnis verur­teilt.