Ausgabe 
7.12.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

deutschnationalen Fraktion vorgeschlagenen lang» Vchrrgen und verdienten Vizepräsidenten Gräf wiederum wählen würden. Diese Gewähr zu geben, haben die Vertreter der nationalsozia­listischen Fraktion ausdrücklich abgelehnt Der Fraktionsvorsitzende Dr. Frick hat vor Beginn der Reichstagssitzung dem deutschnationalen Frak- twnsvorsitzenden Dr. Oberfohren erklärt es liege ein Beschluß der nationalsozialistischen Fraktion vor, HerrnGräf nicht zu w ä h - l e n. Er stellte in diesem Zusammenhang die Zumutung, daß die Deutschnationalen einen anderen Kandidaten Vorschlägen sollten. Diese Zumutung wurde selbstverständlich zurückgewiesen. Daraufhin stellte Dr. Frick cm« erneute Benachrichtigung in Aussicht. Diese Benachrichtigung erfolgte nun vor dem Wahl­gang und besagte, daß wahrscheinlich ein Teil der Vationalsozialisten für Gräf stimmen werde. Irgend eine Gewähr wurde ausdrücklich abgelehnt. Die deutschnationale Fraktion stimmte nunmehr geschlossen für Herrn Gräf. Dadurch, dast die Vationalsozialisten bei der Vizepräsi- denten^ahl an Stelle des Herrn Gräf die Kan­didatur des Volksparteilers Hugo aufstellten, kam der Sozialdemokrat Lobe in die Stich­wahl und wurde dann mit Hilfe des Zentrums mit einer Stimme Mehrheit gewählt."

Ferner teilt die deutschnationale Deichstags­fraktion mit, ihr sei sowohl von maßgebender Seite des Zentrums, als auch der Deut­schen Dolkspartei vor der Sitzung erklärt worden, daß diese beiden Parteien für Herrn Gräf als Vizepräsidenten stimmen wollten.

Gesamtzahlen derKommunal- wahlen in Thüringen.

Weimar, 7. Dez. Die Kommunalwahlen in Thüringen (Gemeindevertretungen und Kreistage) standen unter dem Zeichen einer starken Wahl­müdigkeit. Die Wahlbeteiligung betrug etwa durch­schnittlich 65 Prozent, sank teilweise auf wenig über 50 Prozent, um nur an ganz wenigen Orten, wie in Gera, Sonneberg und Altenburg 80 Pro­zent zu überschreiten. Don einem Wahlkamps konnte man kaum sprechen. Lediglich die Nationallsozialisten hielten Versammlungen in. großem Ausmaß ab. Gegenüber 341 230 Stimmen am 6. November (am 31. Juli waren es 423 948) erhielten diesmal die Nationalsozialisten insgesamt in Thürin­gen 263 722 Stimmen, also ca. 77 000 Stimmen weniger. Die Verluste der Kommunisten belie­fen sich auf etwa 20 000 Stimmen (178 404 bzw. 158 405), die der SPD. aus über 33 000 Stimmen (209 784 bzw. 176 467). Demgegenüber stiegen die für bürgerliche Listen abgegebenen Stim­men von etwa 170 000 am 6. November aus 194 000. Prozentual erhielten von der Gssamtstimmen- zahl in Thüringen:

Keine Beamtengehaliskürzungen.

am 6 Nov.

am 4. Dez.

NSDAp.

38 Prozent

33 Prozent

Bürgerliche SPD.

19

23

24,5

23,5

KPD.

20

20

Berlin, 7.Dez. (CVB. Funkspruch.j In den Kreisen der Wirtschaft kursieren Gerüchte über bevorstehende Kürzungen der Beam­tengehälter. Es wird im Zusammenhang mit diesen Gerüchten behauptet, daß das Weih­nachtsgeschäft dadurch gewisse Hemmungen erleidet. Es wird von zuständigen Stellen der Reichsregierung, wie auch der kommissarischen preußischen Regierung, mit allem Vach, druck erklärt, daß Gehaltskürzungen weder in Aussicht genommen noch erwogen werden.

Aus aller Welt.

Schweres Explosionsunglück bei Rathenow.

Bei Bauarbeiten in dem bei Rathenow (Hovel) gelegene Premnitzer Sunstseidewerk der IG.Farben, die von einer Rathenower Baufirma ausgeführl werden, explodierte beim Schweißen eine Wasser­stoff-Flasche und zerriß eine Gruppe von 8 bis 9 Arbeitern. Einige der verunglückten wurden bi» zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Unfallstelle macht den Eindruck schwerster Ver­wüstung. Sämtliche Fensterscheiben in weitestem Umkreise sind demoliert. Bisher wurden 7 Tote geborgen; wahrscheinlich sind noch weitere 2Hen- schenleben zu beklagen. Außerdem wurde noch eine Anzahl von Personen verletzt. Rach einer Darstel­lung der TU. war ein Schlossermeisler In einem Neubau mit Arbeiten beschäftigt. Bei der Beförde­rung einer Sauerstoff-Flasche ließendie Lehr­linge die Flasche fallen, die unter hohem Druck stand und explodierte. Die Gase, die über dem Werk lagen, verbanden sich mit dem Sauerstoff. Durch den gewaltigen Druck platzten die Fensterscheiben in der Umgegend, weiter stürzte eine Mauer ein.

Tödlicher Absturz einer italienischen Fliegerin.

Die italienische Europasliegerin Baby Ange- i i n i, die in diesem Herbst einen Europarundflug machte, ist bei Beginn ihres geplanten Afrika­fluges zwischen Bengasi und Tobruk tödlich verunglückt. Aach mehrtägigen Vachforschun­gen ist das als vermißt gemeldete Flugzeug in der Vähe von Hadi Helda bei Eirene auf- gesunden worden. Man nimmt an, daß die Flie­gerin die Richtung verloren hat, nach der Mittel­meerküste zurückfliegen wollte und dabei einem Motordefekt zum Opfer gefallen ist.

Rückkehr der deutschen Anden-Lxpedltion 1932.

/ Der Hapag-DampferGeneral Artigas" traf von seiner Südamerikafahrt im Hamburger Ha­fen ein. An Bord des Dampfers befanden sich Prominente Mitglieder der deutschen An den - Cxpedition 1932, die nach einer achteinhalb­monatigen Forschungsreise in die Heimat zurück­kehrten. Die heimkehrenden Expeditionsmitglie» der wurden von Vertretern des Deutsch-Oester- reichischen Alpenvereins und der Votgemeinschaft der ^utsthen Wissenschaft willkommen geheißen. Dr Borchers, der schon an der Pamir-Exvedition i?2® tcchzenommen hatte, gab einen kurzen itebcrbHd über den Verlauf des jetzigen Unter* nr Ziel, von Peru aus zu der

Andenkette vorzustohen und die höchsten Gipfel der Cordilleren zu besteigen. Es handelte sich oabel keineswegs um bergsteigerische Aufgaben, foiwern es follten durch kartographische Auf­nahmen und Vermessungen viele der weißen Flecken verschwinden, die sich bisher noch auf der Landkarte dieser Gebirgszonen befinden.

Oer Görlitzer Gistmörderprozeß.

In der weiteren Vernehmung des wegen fünf­fachen Giftmordes angeklagten Schuhmachers Eduard Just aus Klein-Partwitz (Kreis Hoyers­werda) gab er eine eingehende Schilderung seines Lebens. Darauf äußerte sich der Angeklagte zu dem Mord an seiner zweiten Ehefrau, die in Kottbus verstarb. Er erklärte, am zweiten Tage nach der Geburt des Kindes habe seine Frau ihm gestanden, sich mit Arsen vergiftet zu haben, lieber die Gründe dieses Selbstmordes hüllt sich der Angeklagte in Schweigen. Er will erst sprechen, wenn seine Schwie­germutter ihre Aussage gemacht hat. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er keinen Arzt geholt habe, als ihm die Vergiftung bekannt wurde, er­klärte Just: ,Zch meine, wenn sich jemand vergiftet und sterben will, so soll man ihn ruhig sterben lassen". Die Frau o e r st a r b einige Tage später im Krankenhaus, ohne daß di« Aerzte die wahre Todes­ursache erkennen konnten. Desgleichen habe die schlechte Wirtschaftslage seinen Schwager G r o b a gezwungen, Gift zu nehmen. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten seine Geständnisse vor, di« er nur wegen seiner Schweigepflicht gegenüber seinem Schwager und seiner Frau gemacht habe.

Damit war die Vernehmung des Angeklagten be­endet, und Kriminalkommissar Dr. K u b i tz i von der Breslauer Mordkommission schildert eingehend die angestellten Ermittlungen. Bei der Verneh­mung habe sich Just ziemlich lasch benommen. Die Todesfälle seien ihm nicht nahegegangen. Das Ge­ständnis habe Just dann in Görlitz widerrufen.

Die Giftquelle habe nicht einwandfrei geklärt wer­den können. Chefarzt Dr. Kühne aus Kottbus hält es für unmöglich, daß die Frau Selbstmord begangen haben könnte. Nachdem der Angeklagte erklärt hatte, auch weiterhin bei feinem bisherigen Leugnen bleiben zu wollen, wurde die Beweisauf­nahme fortgesetzt. Die Hebamme Berta Struck aus Petershain, die die zweite Frau Justs entbun­den hat, hält den von dem Angeklagten behaupte­ten Selbstmord für völlig unwahrscheinlich.

Unter großer Spannung wird bann die Mutter der verstorbenen zweiten Frau des Angeklagten ver­nommen. Sie sagt aus, daß die Ebe nicht immer glücklich gewesen sei. Oft habe sich ihre Tochter über schlechte Behandlung und auch über körperliche Mißhandlungen beschwert. Nach der Ge­burt des Kindes sei sie voller Zukunftspläne ge­wesen, so daß ein Selbstmord kaum anzunehmen wäre.

Die weiteren 3 eng en stellen dem Angeklagten ein sehr ungünstiges Leumundszeug' nis aus und bekunden, daß Just schon kurz nach dem Tode feiner zweiten Fran lustig gezecht und getanzt habe. Ein Schmelzermeister aus Welzow muß zugeben, dem Angeklagten schon im Jahre 1929 auf fein Bitten hin eine Handvoll Arsenik an­geblich zur Rattenvergiftung ausgehändigt zu haben. Damit ist die Beweisaufnahme zu dem dem Ange- klagten zur Last gelegten Mord an seiner zweiten Frau abgeschlossen.

Außerdem wurden auch Messungen der Höhen­strahlungen vorgenommen. Alle Forschungen ha­ben zu außerordentlich guten Ergebnissen ge­führt. Die breitere Oeffentlichkeit dürfte vor allem intereffieren, daß der 6970 Meter hohe Berg Aconcagua, ein alter Vulkan, von der Ex­pedition bezwungen worden ist, was als ein neuer großer Erfolg des Bergsteigers Schnei­der verzeichnet werden kann.

Generaloberst Graf von Vothmer 80 Jahre alt.

Am 10. Dezember vollendet einer der bekanntesten bayerischen Heerführer im Weltkrieg«. Generaloberst a. D. Graf Felix von Bothrner sein 8 0. Le­bensjahr. 1852 in München als Sohn des Generalleutnants Maximilian von Bothrner ge­boren, erwarb sich Graf Bothrner als General der Infanterie 1915 hohen Ruhm mit der Erstürmung des Zwinin-Derges, den die Russen für unbezwing­lich gehalten halten, und zeichnete sich weiter be- sonders bei den Kämpfen bei Tarnopol aus. Na- mentlich bei der russischen Sommeroffisive 1916 leistete der unter seinem Kommando stehende Teil der Front in Galizien stärksten Widerstand. Nach Herstellung des Friedens im Osten erhielt Graf Bothrner 1918 im Westen den Oberbefehl über die 19. Armee an der lothringischen Grenze, den er bis zum Schluß des Krieges beibehielt. Nach einer außerordentlich ehrenvollen Laufbahn schied er als Generaloberst aus dem Heere aus.

75 3ahre deutsch-evangelische Kirchengemeinde im Haag.

Die deutsche evangelische Kirchen­gemeinde im Haag, die als älteste deutsche Auslandgemeinde auf eine inhaltsreiche Ge­schichte zurückblickt, beging die Feier ihres 75- jährigen Bestehens. Bei dem Festakt überbrachte Iustizminister Dr.Donner die Grüße der nie­derländischen Regierung. Für das Deutsche Reich sprach der Gesandte Graf Zech, für den deutsch- evangelischen Kirchenausschuh und den Gustav- Adolf-Derein Oberkonsistorialrat D. Heckel- Derlin, der auch eine ansehnliche Spende über­brachte. In allen Reden wurde die hohe Wert­schätzung der deutschen evangelischen Gemeinde im Haag und zugleich die Anerkennung ihrer ökumenischen Mission bekundet. An den Reichs- Präsidenten von Hindenburg, an den Präsi­denten des Deutschen Evangelischen Kirchenbun­des, D. Dr. Kapier, und an den Vorsitzenden des Gustav-Adolf-Dereins, Geheimrat D. Dr. Rendtorff»Leipzig wurden Degrüßungötele- gramme gesandt.

Mord an einem Belastungszeugen?

In einem Wasserloch in der Nähe von Wah­rendorf bei Lensahn (Oldenburg) wurde der Sied­ler Möller aus Schönwalde tot ausgesun- den. Die Leiche war in Sackleinewand gewickelt verschnürt. Möller sollte in einem Strafprozeß als Belastungszeuge vernommen werden und wurde seit vier Wochen vermißt. Alle An­zeichen deuten darauf hin, daß an ihm ein Ver­brechen begangen worden ist. Als des Mordes dringend verdächtig wurden der 2. jährige Gärtner Rommel aus Augsburg und die Wirtschafts, gehilfin Iohanna Degen aus Mainz festgestellt. Beide wohnten bis zum 15. Vovember d. I. bei Möller und sind kurz nach der Tat von Wahren­dorf angeblich nach Augsburg abgereist. Sie konn­ten dort bisher nicht ermittelt werden.

Jn der Kleidung des Gefängnisdireklors entwischt.

Ein Sträfling des französischen Gefängnisses von Poissy, der zum Arbeitsdienst in die Woh­nung des Gesängnisdirektors abkommandiert war, benutzte einen Augenblick, in dem er nicht be­wacht wurde, um Mantel und Hut des Direktors anzuz.ehen und in dieser Verkleidung zu ent­fliehen. Er hatte das Glück, außer dem Mantel noch einen Tausendfranksschein aus der Wohnung des Direktors entwenden zu können. Die Suche nach dem Flüchtling blieb ergebnislos.

Wettervoraussage.

.. $n Gemeinschaft mit der kontinentalen Störung»- tätitzkeit und dem hohen Druck über dem Nordmeer sowie Skandinavien prägt sich mehr und mehr eine nordöstliche Windströmung aus. In ihrer Beglei­tung wird zwar der hohe Druck auch südwärts über Deutschland aufgebaut werden, jedoch führt die Kalt­luft zunächst noch Bewölkung mit sich, außerdem ver­ursacht ste einzelne Niederschläge, meist in Form von Schnee. Stärkere Temperaturgegenfätze zwischen Tag und Nacht kommen nicht zustande, die Werte liegen nachts unter Null und dürsten tagsüber nur wenig über den Gefrierpunkt anziehen.

Aussichten für Donnerstag: Nachtfrost, wechselnd bewölkt mit Aufklaren, vereinzelt geringe Schneefälle, Temperaturen tagsüber nur wenig über Null, nordöstlich« Winde.

Lufttemperaturen am 6. Dezember: mittags 1,7 Grad Celsius, abends 1,9 Grad; am 7. Dezember: morgens 0,7 Grad. Maximum 2,5 Grad, Minimum 0,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Dezember: abends 1,2 Grad; am 7. Dezember: morgens 1,1 Grad Celsius Niederschläge 2,2 mm. Sonnenfcheindauer % Stunde.

Aus Der provtuzialhaupiKaDt.

Landgerichtsrat Adolf Strack.

Am gestrigen 6. Dezember jährte sich zum vier­zigsten Male der Tag, an dem Landgerichtsrat Adolf Strack als Gerichtsakzessist (jetzt Refe­rendar) am Amtsgericht Friedberg in den Dienst der hessischen Justiz trat

Der Iubilar, dessen Vater Forstmeister in Ober-Rosbach am Taunus war, ist ein Sohn der Provinz Oberhessen. Ostern 1889 bestand er am Gymnasium zu Bensheim das Maturitäts­examen. Seinen juristischen Studien lag er an der Landesuniversität ob; hier gehörte er dem Korps Starkenburgia an. ©ein Abschlustexamen bestand er mit ter Gesamtnote «Sehr gut.

Vach DrendigrMg seines Vorbereitungsdienstes am Amtsgericht Friedberg wurde er am Land­gericht Gießen beschäftigt, hierauf bei dem lang­jährigen Landtagsabgeordneten Rechtsanwalt Geh. Iustizrat I ö ck e l in Friedberg und schließ­lich bei dem dortigen Kreisamt Bereits im März 1896 unterzog sich der Iubilar der großen juristischen Staatsprüfung für das Iustiz- und Verwaltungsfach und erhielt unter sämtlichen Kandidaten den ersten Platz. Als nunmehriger Gerichtsassessor wurde er Amtsanwalt in Lauter­bach, sodann nach kurzer Beschäftigung als Stell­vertreter des Rechtsanwalts Windecker in Fried­berg Amtsanwalt in Büdingen und Offenbach am Main. Hier wurde er im Iahre 1899 erst­mals richterlich verwendet. Mit Wirkung vom 1. Ianuar 1901 erfolgte seine Ernennung zum Amtsrichter in Lorsch, im Dezember 1904 seine Versetzung an das Amtsgericht Friedberg. Das Vertrauen der Wählerschaft seines Heimatkreises berief ihn alsbald in den Deutschen Reichstag, dem er als eifriges Mitglied der damaligen Vationalliberalen Partei angehörte. Im Ianuar 1909 wurde er zum Amtsrichter in Gießen er­nannt, mit Wirkung vom 4. Dezember 1911 wurde er Landgerichtsrat beim Landgericht der Provinz Oberhesssen.

Landgerichtsrat S t r a ck ist weithin als außer­ordentlich kenntnisreicher, tüchtiger, schaffens­freudiger und allezeit hilfsbereiter Richter in der Zivil- und Strafrechtspflege bekannt. Sein Urteil ist scharf und zutreffend, abhold jedem Bürokratismus. Aeußerlich bescheiden und jedem falschen Schein abhold, steht er als Iurist und Mensch gleich hoch im Ansehen.seiner engeren Derufsgenossen und seiner Mitbürger, die den Adel feiner Gesinnung kennen und schätzen. Seiner. heimatlichen Provinz ist er stets treu geblieben.

3u seinem gestrigen Jubiläumstage wurde Landgerichts rat Strack im besonderen Auftrage des Hessischen Iustizministers von dem Land- crerichtspräsidenten der Provinz Oberhessen Dr. Maurer ein Schreiben des Iustizministers über­reicht, in dem dieser ihm zur Vollendung des 40. Dienstjahres im Flamen der Staatsregierung beste Glückwünsche und zugleich deren Dank für die treuen und ersprießlichen Dienste ausspricht, die Landgerichtsrat Strack dem hessischen Staate bis­her geleistet hat.

Mögen dem Iubilar noch lange Iahre seine Ge­sundheit und damit seine ersprießliche Arbeits- und Schaffenskraft im Dienst der hessischen Justiz und der deutschen Rechtspflege erhalten bleiben.

Pornotizen.

TageskalenderfürMittwoch. Stadt- theater: 20 bis 22 Uhr,Ueber unsere Kraft". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- platj: 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. Konsumverein Gießen und Umgegend: 20 Uhr, Katholisches Vereins- Haus, Hausfrauenabend. HotelPrinz Carl: 15 bis 17, 20 bis 22 Uhr, Frischkoftkurse mit Kostproben. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Strich durch die Rechnung".

In derVornotiz de s S t a d t t he a- ters von heute morgen war der Titel der Erst­aufführung am Freitag falsch wi eiergegeben wor­den. Cs muß richtig heißen: Erstaufführung des deutschen FrontstückesDieendloseStraße" usw. und nichtlieber unsere Kraft".

Oeff entlief! Vorträge über Phy- nächsten Sonntag, 11. Dezember, 11,15 Ate (pünktlich), findet im Physiologischen Jn- Intut, Friedrichstraße 24, der 12. öffentliche Vortrag über Physiologie statt. Professor Dr. B ü r t e r IPP/vl überdie Funktionen bes Nervensystems". Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

Hausfrauenabende des Konsum- Vereins. Der Konsumverein Gießen veran­staltet am heutigen Mittwoch, 7. Dezember, am morgigen Donnerstag, 8. Dezember, und am

9- Dezember, jeweils um 20 Uhr, im Katholischen Vereinshaus bzw. im Eafs Leib (am Freitag) Hausfrauenabende, in denen Vor­lage und unterhaltsame Darbietungen die Stun­den ausfüllen werden. Die Kapelle Meyer, Herr Erb- W.eseck als Solist, sowie zwei Ge- fangsquartette haben ihre Mitwirkung zugesagt. Redner der Abende sind Frau T h e u n i s s e n - Düsseldorf und Derbandssekretär Pichler- Heidelberg. Väheres ist aus der heutigen An­zeige ersichtlich.

** Militärpersonalie. Mit Wirkung vom 1. Dezember wurde Oberst Geyer, Infanterie» führer V und Standortältester in Kassel, zum Ge­neralmajor befördert.

** For st Personalien. Mit Wirkung vom 1. Januar 1933 ab wurden der Förster Karl Hinkel zu Bingenheim und der Kommunalforstwart Johs. Leyerer zu Climbach in den Ruhestand versetzt.

** Winters Antrittsoisite. Im Verlaufe der letzten Nacht hat der Winter oei uns seinen Ein­zug gehalten. Nachdem es schon gestern spät abends leichtgefusselt" hatte, lag heute früh in der sechsten Morgenstunde eine Schneedecke auf den Dächern und den Straßen, die sich bis heute gegen 10 Uhr auf den Dächern im großen und ganzen gehalten hat, während sie in den Straßen zu Wasser und Schmutz wurde. Dagegen ist die Antrittsoisite des Winters im Vogelsberg weit kräftiger ausgefallen. Wie wir aus Schotten hören, hat es dort, und im Oberwald erst recht, während der ganzen Nacht und weiterhin auch heute vormittag kräftig geschneit. In Schotten liegt der Schnee etwa 15 cm hoch, die Temperatur be­wegt sich um den Nullpunkt. Leider konnten wir vom Hoherodskopf über den Beginn des Winter-

Kaufen schafft Arbeit!

Rur noch kurze Zeit trennt uns vom weihnachts- fest. Neben dem Schenken und Freudebereilen in der Familie muß bei dieser Gelegenheit auch der volkswirtschaftliche Gedanke zur Geltung kommen. Troß aller Not der Zeit sind alle Familien im Rahmen ihrer Möglichkeiten noch kaufkräftig. Ihre Aufgabe ist es,

durch Weihnachtseinkäufe die Wirtschaft zu beleben.

Die Geschäftswelt hat in weitgehendem Maße Vor­sorge getroffen, daß dem kaufenden Publikum reiche Auswahl an Daren und bestmöglichste Preisgestal­tung die Anschaffung erleichtern. Diese Vorteile zu nützen, ist Pflicht aller kaufkräftigen Mitbürger in Stadt und Land. Wer danach handelt, wird die Ge­nugtuung haben, daß er zum weihnachtsfeste nicht nur seinen Angehörigen, sondern durch Warenabsatz und neue Arbeitsmöglichkeit auch den anderen Mit­menschen Freude bereitet.

Kaufen ist erste Bürgerpflicht!

roetters nichts hören, da die Fernsprechleitung zum Hoherodskopf, anscheinend durch starken Schneefall, in der zehnten Vormittagsstunde noch gestört war. Unser Gewährsmann in Schotten betont aber^ daß der Vogelsberg überall ein weißes Gewand angelegt habe und mit der Möglichkeit des Wintersports am nächsten Sonntag wohl gerechnet werden könne, wenn bis dahin keine starke Veränderung der Wet­terlage mit ansteigender Temperatur eintrete.

** Falschgeld. Aus Frankfurt a. M. wird be­richtet: In letzter Zeit taucht u. a. eine neue Sorte falscher Zweimarkstücke im Zahlungsverkehr auf. Diese Falsifikate sind daran erkenntlich, daß sie ein poröses Aussehen haben. Die Riffelung ist unscharf. Sie haben ein weißes, mattes Aussehen. Sehr zahl­reich erscheinen auch wieder falsche 50-Pfennigstücke, die durchweg aus Zinn und im Gußoerfahren her- gestellt sind. Trotzdem sie im Verhältnis zu den echten Stücken an ihrer blaugrauen Färbung, der schlechten Riffelung und der leichten Biegsamkeit er­kennbar find, bringen sie die Fälscher immer wieder an den Mann.

* Kinder lernen kochen! Vor einiger Zeit gingen in der Studienanstalt und in der Schillerschule Eingeichnungslisten um, in die sich die Schülerinnen, die an dem Kinderschaukochen imEinhorn" teilnehmen wollten, einzeichnen konnten. Diele meldeten sich. Gestern nachmittag begann nun dieses S chau kochen, das von dem städtischen Elektrizitätswerk veranstaltet und mit Hilfe der Damen der Hausfrauenberatung durchgeführt wurde. In den Räumen der Haus­frauenberatung imEinhorn" herrschte lebhafter Betrieb. In schmucken weißen Kopftüchern, in sauberen Schürzen stateden die Mädchen um die Herde, saßen an den Tischen und warteten, bis die Reihe auch an sie kam, um dann mit großem Eifer bei der Sache zu sein, die ihnen allen* sichtlich viel Spaß machte. An kleinen Herden wurden einfache Gerichte. Eintopfgerichte bereitet, es wurde gebacken und gekocht; sorg­fältig muhte auch die vorbereitende Arbeit unter der Anleitung von Frau Kalbfleisch und ihrer Helferinnen geleistet werden. So standen sie da und hantierten mit einer natürlichen Geschicklichkeit, die die zukünftigen Hausfrauen ahnen lieh. Herr Ingenieur M a x e i n sprach als Beauftragter des Elektrizitätswerkes einige einleitende Worte und wies dabei besonders auf die Herde hin, die bei aller Wirtschaftlich­keit einfach in der Handhabung und völlig ge­fahrlos zu bedienen seien. Iedes der Mädchen erhielt in dieser Veranstaltung eine Stunde lang praktischen Unterricht im Kochen, der, wenn auch nicht allzuvieles, so doch eine Reihe von grundlegenden Kenntnissen vermitteln konnte. An den verschiedenen Herden und an den Arbeits­plätzen konnten innerhalb einer Stunde 24 Mäd­chen beschäftigt werden. Das Kinderschaukochen dauerte etwa drei Stunden, so daß etwa 72 Mäd­chen die ersten Versuche am Kochherd hinter sich brachten. Heute nachmittag wird das Kochen fortgesetzt, und voraussichtlich findet am Freitag eine weitere Kochvorführung statt.

* Deutscher Bankbeamtenverein, Gießen. Dieser Tage fand, wie man uns berichtet, eine gut besuchte Mitgliederversamm- lung des Deutschen Banlbeamtenvereins, Zweig­verein Gießen, statt, in der Gaugeschäftsführer Decker, Frankfurt a. M., über wirtschafts­politische und sozialpolitische Zeitfragen sprach. Der Redner behandelte in seinem Vortrag zuerst dte Wirtschaftskrise, die Deutschland um so schlimmer betroffen habe, als in unserem Vater- lanb di« Mechanisierung viel zu hastig vorwärts­getrieben worden sei. Der Redner siihrte u. a. tociter aus, daß durch die Maßnahmen der letzten Reichsregierung dem Massenelend nicht gesteuert würde, vielmehr würde die Kaufkraft der breiten Masse noch weiter herabgedrückt und die Wirt­schaft demzufolge weiter zusammenschrumpfen. Es sei unbedingt erforderlich, und zwar in erster Linie schon aus rein nationalem Interesse, um «egen den Osten einigermaßen geschützt zu sein, den schwachen und überschuldeten ostpreußischen Großgrundbesitz durch einen starken und.gesun- iten Bauernstand abzulösen. Schließlich wies der Redner in seinen Ausführungen daraus J)in, daß