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[eir, ist nichts anderes als ein furchtbarer Zer- störungsprozoß. wenn, hinter ihr nicht als ihr eigentliches Motiv, als ihr Glück der Wille znm Kinde, die Mütterlichkeit steht. Es t hinreichend dafür gesorgt, dah dem her- ai; .den Geschlecht, den Eltern der unge-

boeenen neuen Generation dieses von der Datur und von der Moral gesteckte Ziel: die Mutter- und Elternschaft schwer gemacht wird. Lind es gibt nid): viele Aufgaben, diewichtiger wären als diese: dre hierin beschlossene Gefahr für die Zukunft unseres Volkes zu überwinden.

SerMMen Gießen im SommekIustverlehr iS32

Lin 1. Mai ist im europäischen Luftverkehrsnetz der Sommerflugplan in Kraft getreten. Dic Den che Luft-Hansa wird ihren Sommerluft­verkehr auf den großen Durchgangsoerbindungen im In- und Auslande in annähernd gleichem Umfange wie im Dorjahre durchführen.

Wenn der Flughafen Gießen in diesem Jahre am 2. Mai den Luftverkehr auf der Strecke Gießen Frankfurt a. M. Darmstadt Mannheim Karlsruhe Baden-Baden Frei­burg Konstanz eröffnen konnte, fo ist dies dem großen Entgegenkommen der Deutschen Lust- Hansa in finanzieller Beziehung zu verdanken. Es ist gelungen, den an die Deutsche Lust-Hansa zu leistenden

Slredenbcifrag für die Stadt Gießen im ver­gleich zum Vorjahre ganz wesentlich zu senken.

Die Deutsche Luft-Hansa hat auf diese Weise weit­gehende Rücksicht auf die finanziell schlechte Lage der Städte genommen, um die ihr verkehrspolitisch wichtig erscheinenden Strecken und Flughäfen dem innerdeutschen Luftverkehr zu erhalten. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß die Deutsche Luft-Hansa auf diese Weise auch ihr großes Interesse an dem Flughafen und der Stadt Gießen bekundet hat.

Die Flugzeuge der £uff-f)anfa landen in Gie­ßen täglich.

außer Sonntags, um 13 Uhr, und starten um 14.25 Uhr. Bon Gießen aus sind in einem Tage z u erreichen: Baden-Baden in 2!? Stunden, Basel in 2%, Bern in 4%, Darmstadt in %, Düsseldorf in 43A, Essen in 3%, Mülheim in 3%, Frankfurt a.M. in ', Freiburg in 3K, Friedrichs­hafen in 3%, Genf in 4V>, Karlsruhe in 2, Köln in 2%, Konstanz in 4, Lausanne in 5, Mannheim in 1%, München in 3, Paris in 5, Nürnberg in 2%, Saarbrücken in VA, Stuttgart in VA, Zürich in 3% Stunden.

Alle übrigen Flughäfen des In- und Auslandes können von Frankfurt a. M. aus durch gute Luft­verkehrsverbindungen, gegebenenfalls durch eine Be- darfsflugoerbindUng von Gießen nach Frankfurt am Main erreicht werden.

Was für die schnelle Beförderung von Fluggästen gilt, trifft im gleichen Maße auch für

die Beförderung von Postsachen und Fracht­sendungen

zu. Postsachen müssen angeliefert sein bei der Post- hilssstelle Flughafen 10 Minuten, bei dem Post, amt I 1 Stunde vor Abgang des Flugzeuges. Fracht- fenbungen müssen % Stunde vor Abgang des Flug­zeuges auf dem Flughafen Angeliefert werden. Neben der Beförderung von Fluggästen ist in der Handelsluftfahrt gerade der Frachtverkehr immer mehr in den Vordergrund getreten. Aber immer noch kennen zu wenige Kaufleute die Mög­lichkeiten, die ihnen der Schnellfrachtversand bietet. Durch das Zusammenarbeiten von Eisenbahn und Flugzeug kann heute jeder noch so entlegene Ort an die Luftverkehrslinien angeschlossen werden. Die Kosten für den Lufttransport, der besonders bei größeren Entfernungen die Laufzeit der Frachten erheblich verringert sind, weit geringer, als man in Anbetracht der großen Vorteile vermutet.

Da das Flugzeug in der Stunde durchschnittlich 150 Kilometer zurücklegt, ist

der Luftfrachlverkehr in erster Linie Schnell­verkehr.

Eine weitere Zeitersparnis wird auch noch durch die beschleunigte Zollabfert'igung der Luft­frachten erreicht. Im Luftfrachtverkehr können von jedem Orte des In- und Auslandes Güter in beiden Richtungen befördert werden.

Daß der planmäßige Luftverkehr eine Zukunft auch für die Stadt Gießen hat, beweist die troß der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse feftguftel- lende wesentliche Erhöhung der.Be- nutzungsziffern im Jahre 1931 gegenüber den Zahlen der beförderten Fluggäste in den Vorjahren. Es ist ein erfreuliches Zeichen für unseren Flug Hafen, daß die Frequenz des Jahres 1931 175 Pro zent der Frequenz des Vorjahres betragen hat. 3m Interesse der Derkehrsbekange unserer Stadt tmn man hoffen, daß die, Entwicklung auch mei günstig bleibt.

Das Ergebnis der Gießener Winiernoihilfe 1931 2.

Ein hervorragendes Hilfswerk für die notleidenden Mitbür§

Die drei Arbeitsausschüsse der Gießener W i n t ern o th i l f e 1 93 1'32 ber Werbe- und Sammelausschuß, der Verteilungs-Ausschuß und der Finairz- und Kontrollausfchuß ver­sammelten sich am Mittwochnachmittag im Sit­zungssaale des städtischen Wohlfahrtsamtes zu einer gemeinsamen Schlußsitzung, in der das Ergebnis des Hilfswerkes abschließend festgestcllt und die Arbeitstätigkeit der Ausschüsse beendet wurde. Die Rückschau auf die gemeinsame rege Arbeit zur Hilfeleistung für die notleidenden Mit­bürger während des verflossenen Winters be­rechtigte zu der Feststellung, daß dieses Werk der freiwilligen Liebestätigkcit angesichts der überaus schwierigen Wirtschaftsverhältnisse als hervorragend bezeick)net werden muß.

Lieber die Tätigkeit der einzelnen Arbecks- ausschüsse ist als besonders bemerkenswert zu berichten:

Werbe- und Sammelausschuß.

Der Ausschuß, der insgesamt 14 Sitzungen hielt, sah als erste Aufgabe die Beschaffung von Kartoffeln vor sich. Durch die Aus- schußmitglicder Kaufmann Leopold Mayer und Syndikus Röhr wurde der Kartoffelankauf bestens besorgt. Dadurch wurden 1 7 4 5 Zent­ner Kartoffeln zum Durchschnittspreise von 2,50 Mk. geliefert. Die Ausgaben hierfür be­liefen sich einschl. Fracht und sonstige Llnkosten auf 4247,06 Mr. An die Hilfsbedürftigen wurde der Zentner zu 1,50 Mk. abgegeben, so daß also pro Zentner 1 Mk. von der Winternothilfe Zu- Ä wurde. Reben den angekauften Kartoffeln

n

aus bem kreise Gießen runb 800 Zentner Kartoffeln gestiftet, die von der Winternothilfe restlos verschenkt wurden.

Ferner kamen aus dem Kreise Gießen,200 Zent­ner Obst, 180 Zentner Gemüse, 6 Zentner Hülsen- früchte, 3 Zentner Mehl, 1,5 Zentner Fett, 3 4 Zentner Fleisch- und Wurstwaren, kleinere Men­gen Honig, Dötrobst und einige Kleidungsstücke, sowie 20 Mk. Bargeld. Diese Spenden waren hauptsächlich auf die Initiative der kirchlichen Frauenvereine im Kreise Gießen zurückzuführen, denen für ihre außerordentlich ersprießliche Sam­meltätigkeit herzlicher Dank gebührt. Ferner flössen der Winterhilfe weitere umfangreiche Lebensmittelspenden von zahlreichen Gießener Firmen und von Privatpersonen ' in Gießen zu. Durch die rege Rachfrage nach Kartoffeln sah sich der Ausschuß in den letzten Wochen veran­laßt, nochmals 400 Zentner Kartof­feln zum Preise von 2,90 und 3,20 Mk. anzu­kaufen, die jetzt noch in kleinen Mengen unent­geltlich mit bevorzugter Berücksichtigung kin­derreicher Familien abgegeben werden.

Weiter war die Versorgung der notleidenden Familien mit Wäsche und Kleidungs­stücken dringend erforderlich. Der Bericht des Ausschusses erwähnt hier zuerst die Spende des Gießener Anzeigers" in^Höhe von 4500 Mark, aus der allein rund 300 Familien bedacht werden konnten. Der Gießener Textil- und Schuhwaren­handel unterstützte das Hilsswerk in den Monaten Oktober, Rovember und Dezember durch Sach­spenden, ferner fütterten weitere Firmen dieser Branchen und auch Geschäfte des Kohlenhandels, des Lederhandels, die SHuhmacherinnung und die Schneiderinnung das Hilfswerk durch Waren­spenden bzw. durch Arbeitsleistung. Die Um*

änderungundIn standfetz .< gvon ge­tragenen Kleidungsstück aus dem

sehr erfreulichen (Ergebnis bet beiden Kleiber­sammlungen

sowie der Reuanfertigung von Kleidern für Frauen und Kinder diente vor allem die von Frau Bürgermeister Dr. Seid ins Leben gerufene Rähstube in t$r Jugendherberge im Asterweg. Dadurch war es möglich, die Kleiderspen­den fast re st los zu verwerten. 2m gan­zen wurde in der Rähstube an 48 Rachmittagen gearbeitet, 20 Damen aus den Wohlfahrtsorga­nisationen übernahmen abwechselnd die Leitung. Rund 15 0 Familien sind von der Rähstube mit Kleidungsstücken bedacht worden.

Bei der Heranschaffung der hochherzigen Stif­tungen an Raturalien der verschiedensten Art und Kleidungsstücken war

unser Reichswehrbataillon in unermüdlicher Weise tätig.

Mit Hilfe der Reichswehr und der. Helfer der Technischen Rothilfe und des Fung- deutschen Ordens konnten nicht nur die Kleidersammlungen in Gießen musteraültig.durch- geführt werden, sondern es war auch dank dieser Hilfeleistung möglich, aus 52 Gemeinden des Kreises Lebensmittel heranzuschaffen und aus dem Wald der Gemeinde Staufenberg geschenktes Holz hierher zu bringen. Der Reichswehr - Gar­nison wird in dem Schlußbericht der Winter- nothilfe mit Rocht besonderer Dank aus­gesprochen. Ebenso wird auch der übrigen? Helfer dankbar gedacht. Ferner wird mit hoher und dankbarer Anerkennung auf dieSpeisung von hilfsbedürftigen Kindekn durch un­sere Reichswehr hingewiesen, die täglich 100 Liter Essen an durchschnittlich 150 Kinder in der Zeit von Mitte Januar bis Mitte Mai zur Ver­teilung brachte und die Kosten dieser Speisung aus freiwilligen Spenden der Angehöri- gen des Bataillons bestritt. Aus der dan­kenswerten Holzspende der Gemeinde Staufenberg erhielten etwa 180 Familien Brennmaterial. Wei­ter haben sich die Firmen Denninghoff, Ihring- Melchior in Lich, Konsumverein, Poppe L Co. uNd Schasfstaedt durch Bereitstellung ihrer Lastkraft­wagen zur Hcranschaffung der Kartoffeln um das Hilfswerk verdient gemacht.

Die Geldspenden der verschiedenen Orga­nisationen und privaten Spender werden in dem Schlußbericht ebenfalls mit herzlichem Danke ver­zeichnet. Besondere Anerkennung gebührt Frau Dr. Koeppe, die das schwierige und arbeits­reiche Werk der Organisation und der Durchfüh­rung der beiden Haussammlungen in mu­stergültiger Weise bewältigte und in Gemein­schaft mit den Sammlerinnen die Genug­tuung hatte, daß die vereinte dankenswerte Arbeit das Ergebnis von 4042 Mark erbrachte. Ebenfalls mit Dankbarkeit vermerkt werden die zahlreichen Veranstaltungen, deren Ertrag dem Sammelwerk zugute tarnen.

Das Gesamtergebnis der Geld- und Materia­liensammlung ist ein s ch ö n es Z e i ch e n f ü r die Opferbereitschaft der Bevölke­rung der Stadt und des Kreises Gießen.

Verteilungs-Ausschuß.

Dieser Ausschuß hatte in zehn Sitzungen rund 1700 Anträge von Hilfsbedürftigen zu erledigen. Zuerst hatte der Ausschuß die Spende des Gießener Anzeigers" im Gesamtbeträge von

4500 Mk. zu verteilen, wobei wie oben schon erwähnt rund 300 Familien berücksichtigt werden konnten. Im Winternothilfe-Ausschuß wurde mit Anerkennung vermerkt, daß diese Spende, entsprechend dem Willen der Stifter, zu Wareneinkäufen bei der Gießener Geschäfts­welt verwendet wurde und dadurch neben der Hilfeleistung für notleidende Familien auch der schwer ringenden Geschäftswelt eine Einnahme­quelle erschlossen werden konnte. Der Vertei­lungs-Ausschuß gewährte die Spenden, mit Aus­nahme derjenigen an verschämte Arme, nicht in bar, sondern in Gutscheinen auf Waren, wobei die Gießener Geschäftswelt möglichst gleichmäßig berücksichtigt wurde. Für die Beschaffung neuer Kleidungsstücke für rund 900 Fa­milien und Einzelpersonen wurden von dem Aus­schuß 9562,26 Mk. ausgegeben. Aus den Spenden des Textil- und Schuhwarenhandels und den Kleidersammlungen durch'die Reichswehr konnten etwa 600 Familien bedacht werden. Rund 200 Paar Schuhe wurden an hilfsbedürftige Schul­kinder verabreicht. 160 Familien erhielten die gespendeten 250 Zentner Briketts, außerdem wur­den noch 250 Zentner Briketts angekauft und ver­teilt. Die Lebensmittelspenden aus dem Kreise Gießen, vorzugsweise Obst und Kartoffeln, sind an rund 1100 Familien verteilt worden. Die von Gießener Firmen und Privat­personen gestifteten Lebensmittel kamen rund 900 Familien zugute. Auch die Kleinkinderschule in der Diezstraße, die Krippe im Evangelischen Schwesternhaus und die Zuflucht wurden mit Lebensmittelspenden bedacht. Zu Weihnachten wurden an etwa 830 Familien und Einzelpersonen Lebensmittelgutscheine im Gesamtbeträge von 3476 Mk. verteilt. 115 verschämte Arme erhielten Barzuwendungen im Betrage von 3260,30 Mk.

Finanz- und Kontrottausschuß.

Die sehr umfangreiche Arbeit der Kontrolle der eingegangenen Gelder, der Bewilligung von Mitteln für die vorgesehenen Ausgaben und die Prüfung der Rechnungsbelege oblag diesem Aus­schuß, der in 20 Sitzungen seine Aufgaben er­ledigte.

Das Gesamtergebnis der Geldspenden belief sich einschließlich einer Restsumme aus 1930/31 in höhe von 1295,55 Mark auf 25 370,74 Mark.

Im einzelnen setzt sich diese Summe wie folgt zusammen: Rest aus 1930/31 1295,55 Mk., Spenden der Frauenhilfe (umfassend die zu \ckrn Zwecke gemeinsam wirkenden Gießener acauenvereine) 2400 Mk., Arbeitgeberverband

)00 Mk., Oberhessischer Automobilklub 500 Mk., Bankenvereinigung 900 Mk., Gewerbeverein 180 Mark, Ertrag der Haussammlungcn 4042,50 Mk., Vorträge 418,48 Mk., Veranstaltungen 1474,86 Mark, Privatspenden 1194,20 Mk., Vereine und Vereinigungen 688,05 Mk., Dezirkssparkasse 6120,86 Mk., sonstige Eingänge 781,51 Mk., Kartoffel- und Aepfelerlös 2435,25 Mk., Zinsen 39,48 Mk.

Die Gelbausgabe belief sich insgesamt auf 24 272,38 Mark.

Im einzelnen verteilen sich die Ausgaben wie folgt: Beschaffung von Bekleidung 9562,26 Mk., Beschaffung von Lebensrnitteln 4408,08 Mk., An­kauf von Kartoffeln 5372,78 Mk., Ankauf von Brennstoffen 318,88 Mk-, Barunterstühung an verschämte Arme 3260,30 Mk.. Aufwendungen für Fracht. Porto und sonstige Linkosten 1223,48 Mk., Zuckersteuer 126,60 Mk.

Aus der Geldwirtschaft der Winterhilfe 1931/32 verbleibt mithin ein Guthabensaldo von 1 0 9 8,3 6 Mark. Diese Summe soll für das kommende Hilfswerk als Barvorrat verbleiben. Das verausgabte Geld ist. mit Ausnahme des Kartoffelankaufs, der Gießener Wirtschaft zu­geflossen.

Oer Verlauf der Schlußsitzung.

Lieber die Arbeiten der einzelnen Ausschüsse und die Mithilfe der verschiedensten Organisatio­nen wurde in der Schlußsitzung von zahlreichen Damen und Herren ein rückschauender Lieberblick gegeben. Es berichteten: Frau Bürgermeister Dr. Seid, Frau Dr. Koeppe, Frau Sanitätsrat Dr.Schliephake, Stadtratsmitglied Leopold Mayer, Stadtratsmitglied Horn, FrauK r e u- d e r, Frau Rotar Peters, Frau Stadtrats­mitglied Roll, Frau Medizinalrat Dr. Schenck, Syndikus Münch, Gewerkschaftssekretär O 11 i - I i e, Kaufmann Horst, Regierungsrat Dr. Bues, Oberfürsorgerin Schwester Anita Her­rn a n n h und Frau Prof. Kramer.

Zum Schluß sprach Bürgermeister Dr. Seid allen Spendern und Helfern, insbesondere dem Winternothilfe-Ausschuß und seinem Vorsitzenden, Verwaltungsamtmann K e i tz e r, den Dank der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft für das große und in hohem Maße anerkennenswerte Hilfswerk aus. Amtmann K e i tz e r dankte noch seinen Mitarbeitern im Wohlfahrtsamt, die ihm bei der Winternothilfearbeit zur Seite standen.

Aus -er provinzialhauptstodt.

Gießen, den 7. Mai 1932.

Oeuischnationale Volkspartei.

In der vor einigen Tagen im Hotel Schütz ab­gehaltenen Mitgliederversammlung der D R V P. hielt, wie man uns mitteilt, Oberst a. D. Kock einen Vortrag über den Ver­sailler Vertrag und die Reparatio­nen. Er führte aus, daß eins der wichtigsten Pro­bleme, welches uns, augenblicklich und wohl mit Recht am meisten beschäftigt, und von dem unsere Zukunft abhängt, das der Tribute sei. Ihre Berechtigung steht und fällt mit der Anerken­nung des Artikels 231 des Versailler Diktates: Die alliierten und assoziierten Regierun­gen erklären und Deutschland erkennt an, dah Deutschland und seine Verbündeten als Llr- hebcr aller Schäden verantwortlich sind, welche die alliierten und assoziierten Regie­rungen und ihre Angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben."

An Hand der 14 Punkte Wilsons und der verschiedensten Roten Wilsons und. seines Staats­

sekretärs Lansing wies der Redner nach, daß der Vorfriede auf einer für Deutschland lebens­fähigen Grundlage auf gebaut und daß dieser Vertrag mit dem Waffenstillstand als Völkerrechte lich fundiert und bindend zwischen Deutschland und seinen Kriegsgegnern anzusehen war. In dem Vorfrieden stehe nichts von der Kriegsschuldlüge, nichts von Tributleistungen durch Geschlechter­folge, nichts von einseitiger Entwaffnung und Wehrloshaltung, kein Wort über die Zerreißung des Ostens, die Abtrennung von Eupen und Mal­medy und Rordschleswig, kein Wort von der entmilitarisierten Zone usw.

Der Bruch des Vorfriedens durch das spätere Diktat von Versailles wurde den Feindbundstaaten nur dadurch möglich, daß die Revolution Deutsch­land das Rückgrat brach und das deutsche Volk die ungeheure Dummheit beging, sich selbst zu entwaffnen, ehe es den Frieden in Händen hatte. Dieser Bruch ist in der Geschichte der Kultur­völker eine einzig dastehende Llngeheuerlichkeit.

Bekanntlich weigerte sich der damalige deutsche Außenminister Graf Brockdorf-Rantzau, diesen Vertrag zu unterzeichnen. Aber trotz seines energischen, oft wiederholten Widerspruches hat die deutsche Regierung <S fertiggebracht, schließ­lich ihre Llnterschrift unter das Schandmal zu setzen.

QI He weiteren Verträge die 1925, 1926, 1927 und 1929 abgeschlossen wurden, dieNten-nur dazu, diein Kraft befindlichen Verträge" durcher­gänzende Garantien" zu sichern. Daß dieser ganze Wust von Verträgen nicht dadurch gelockert wer­den kann, wenn dieser oder jener Teil des Dik­tatsrevidiert" wird, sollte jedem einleuchten. Hier hilft nur ganz große Arbeit: Zerstörung des Fundamentes des Artikels 231 mit Hilfe des Rechtsanspruches Brockdors-Ranhaus und des Vorfriedensvertrages.

Die weiteren Ausführungen galten den schmach­vollen Bedingungen des Diktates, den Repara­tionen und dem seit Jahrhunderten über Deutsch­land schwebenden wechselvollen Schicksal. Zum Schluß zeigte der Redner den Weg für den Kampf zur Zerstörung der Feindbundlügen und den Weg zur Freiheit.

** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 30. Qlpril verstorben in unserer Stadt: 18.: Philipp- Stier, Friseurmeister, 74 Jahre, Wilhelmstraße 1: 19.: Friedrich Bober, Friedhofsverwalter i. R., 79 Jahre, Kaiserallee 77; 20.: Kommerzienrat Heinrich Schafsstädt, Fabri­kant, 81 Jahre, Ostanlage 23. Erna Frieda Gümbel, Schneiderin, 18 Jahre, Grabenstraße 12; Ernst Hauser, Optikergehi.se, 26 Jahre, Stein­flraße 38; 21.: Michael He Isert, Schuhmacher- meister, 73 Jahre, Qllicenstraße 32; 22.: Johanna Prack, techn. Assistentin, 29 Jahre, Marburger Straße 10; Karl Maus, Verwaltungssekretär, 45 Jahre, Stephanstraße 53; 23.: Friedrich Vogel, Eisenbahn-Oberschaffner i. R., 67 Jahre, .Reu, stadt 39; Rosalie Heck, geb. Dangendorf, Witwe, 66 Jahre, Bismarckstraße 14; 25.: Elisabeth Pfaff geb. Dietzel, Witwe, 76 Jahre, Am Riegelpfad 68; 28.: Anna Cullmann geb. Theobald, 80 Jahre, Südanlage 16; 30.: Margot Pfeffer, 6Monate, Grünberger Straße 42; Margarete Schneider, geb. Bastian, 63 Jahre, Weserstraße 18.

' OeffentlicheBüchcr halle. Im Qlpril wurden 1879 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1271, Literaturgeschichte 4, Zeitschriften 63, Gedichte und Dramen 16, Iugendschriften 150, Länder- und Völkerkunde 112, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biogra­phien 129, Kunstgeschichte 16. Raturwissen- schäft und Technologie 55, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 1, Gesundheitslehre I, Religion und Philosophie 1^ Staatswissenscha;t 25, Sprachwissenschaft 1, Sport 1, Fremdsprach­liches 7 Bände. Rach auswärts kamen 3 Bände.

^Jedermann sein cigenerFilmstar!" Im Cafs Leib hielt am Montagabend Dr. Gerb Briese (Berlin) als Beauftragter berAgfa" einen Dortrag überbas Kino im eigenen Heim". Der Rebner ging zunächst kurz auf die Entwicklung der Photographie in ben letzten zwei Jahrzehnten ein, stellte bic Unterschiebe zwischen ber Arnateur- photographie unb ber Kinematographie heraus, kennzeichnete besonbers die Voraussetzungen ber Kinemqtographie in technischer Hinsicht und erklärte bann die nötigen Apparate. Gleichzeitig erklärte er in einfacher Form die Technik ber Aufnahme, legte bar, baß bas Filmen auf Grund der technischen Vollkommenheit ber Aufnahmekamera sehr leicht sei unb keinerlei besondere Vorkenntnisse erfordere. In einem humorvollen und geschickt zusammengestellten Bildstreifen oab der Vortragende einen Ueberblitf über bic vielen Möglichkeiten ber Anwenbung ber Filmkamera. Sehr "interessant waren weiterbic Ausführungen über bie besonberen Eigenschaften des Schmalfilms, ber nicht feuergefährlich ist, dessen Bilder aber trotz des winzigen Formates doch in hohem Maße vergrößerungsfähig find und unter Zuhilfenahme des "geigneten Vorführapparates sehr groß projiziert werben können. Verschiedene anbere Filme (Sport, Heimaufnahmen, ein Auszug aus dem Schmalfilmrepertoir derAgfa") vervollstän­digten ben Abend unb bewiesen bie außerorbentlich hoch entwickelte Technik, die es ermöglicht, ohne allzu hohe Unkosten die Kinematographie nicht auf einen industriellen Kreis beschränkt sein zu lassen, sondern vielen zuzuführen, die ihr bisher zwangs* __________(Schluß des rebaktioneflcn Teils.)__________

Schenkt zum Muttertag den wanbhalter für Persil iMi Ata! Darüber freut sich die Mutter bestimmt, denn damit hat sie die bewährten Reinigungshelfer am Spülstein gleich zur Hand. In allen Haüshaltgeschäften ist dieser schlichte, aber sehr praktische Geschenkartikel zu haben.__________2776A

Mit Ächgelis auch Kronfeld in Weimar. Der so­eben von seiner Berufung zum Segelfluglehrer des Schweizerischen Aeroklubs nach Deutschland zurück­gekehrte Rekord-Segelflieger Robert K r o n f e 1 d wird feine weiteren technischen Versuchsarbeiten an ber Ingenieurschule Weimar durchführen. Da diese Anstalt über sehr leistungsfähige Versuchsanlagen unb Flugzeugwerkstätten verfügt, dürfte eine erfolg­reiche Weiterarbeit gewährleistet sein. Herr Kron- felb wirb neben ben technischen Versuchsarbeiten seine Unterrichtsmethoden auf bem Gebiete des Schlepp­fluges in Gemeinschaft mit bem an der Ingenieur­schule Weimar tätigen Deutschen Äunftflugmeiftcr Gerd Ächgelis auch in Weimar zur Einführung 1 bringen. 695V