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letzt die vorbeugende Fürsorge sichergestellt wird. Schon die Mitteilungen, das) sich der Gesund­heitszustand des Dolles zusehends verschlechtere, sollte für die Reichsregierung Dcranlassung sein, sich den Forderungen nicht zu verschließen. D i e Hunderte von Millionen, die in der letztenZeitderPrivatwirtschaftzur Verfügung gestellt worden sind, rechtfertigen jede weitergehende Hilfe auf der anderen Seite, die endlich die Gefährdung der Fürsorge e i n d ä m m t.

Aus ver Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. April 1932.

Zum Kapitel Geburtenrückgang.

All-Gießener Erinnerung.

Dor einiger Zeit bemerkte ein Stammtisch- Kommunalpolitiker, nachdem er die Gemeinde­politik der Stadtverwaltung und der Stadtväter in bezug auf die in den letzten Jahren von der Stadt ausgeführten Reu- und Umbauten (Volks- halle, Marktlauben usw.) durch die Schokolade gezogen, zu dem Reubau der Pestalozzischule in den Gichgärtcn:Eht hawwe mer e neu Schul­haus, awwcr kaa Kinner". Daß es heute viele Eheleute gibt, diekaa Kinner hawwe", oder vielleicht nur eins, ist keine Neuerscheinung. Aus einemAnzeigungs-Blättchen der Stadt Giessen" aus dem vorvorigen Jahrhundert ist zu ersehen, daß es schon damals hier recht niedrige Geburts­kurven gab. 3n nicht mißzuvcrstehender Form werden in einemEingesandt" die Eheleute, insbesondere die Eheherren aufgefordert, der Be­völkerungsabnahme ingeziemender" Weise ab­zuhelfen. Daß es aber in vergangenen Jahr­hunderten Eheleute gegeben hat, die reichlich für Bevölkerungszuwachs sorgten, wird die Bestäti­gung ausgerechnet auf dem Alten Friedhof finden. Die an den Außenwänden der Friedhofs­kapelle aufgestellten Grabsteine in ihrer künst­lerischen Ausführung lassen darauf schließen, daß die Verstorbenen und ihre Hinterbliebenen wohl­habende Leute gewesen sein müssen, im Gegensatz zu den heute meist in recht ärmlichen DerhLlt- nissen lebenden sog. Kinderreichen. Soweit die zum Teil unleserlich gewordenen Inschriften zu entziffern sind, wurden den, an dieser Stelle nicht namentlich bezeichneten Eheleuten z. B. gebohren": Einem im Jahre 1670 Gestorbenen 6 Sohne und 5 Töchter, einem um 1676 Gestor­benen 13 Kinder, 25 Enckel, 8 Uhrenckel. Weiter verzeichnen die Sterbejahre der Eltern 1705 12 Kinder (4 Sohne, 8 Töchter), 1718 4 Söhne, 5 Töchter; 1729 6 Söhne, 3 Töchter; 1673 7 Söhne, 2 Töchter. Wie viele sonstige Kinderreiche aus damaligen Zeiten, denen die Hinterbliebenen ent­weder keinen Grabstein sehen konnten, oder ein solcher inzwischen verschwunden ist, auf dem Alten Friedhof begraben sind, ist wohl nicht festzu­stellen, wohl aber die Tatsache, daß Kinder­reichtum und Geburtenrückgang schon früher wie Ebbe und Flut wechselten. Es bleibt zu wünschen, daß die steinernen Zeugen vergangener Jahr­hunderte, die man auf alten Friedhöfen, be­sonders aber auf dem Gießener, findet, möglichst vor weiterem Verfall geschützt werden, schon aus kunsthistorischem Interesse. Es finden sich dort Grabsteine, in die in wundervoller Schrift in lateinischer Sprache bis über 300 Worte ein- gemeißelt sind, die in ihrem ornamentalen Schmuck die Steinhauer als Meister ihres Handwerks erscheinen lassen. Daß schließlich auf seinem Grab­stein ein ehrsamer Gastwirt und Herbergsvater den lieben Gott bittet, ihn nach seinem Tode ebenso freundlich im Jenseits aufzunehmen, wie er es seinen Gästen hier in Gießen gegenüber getan, beweist, daß heilige Einfalt uno Humor vor der Friedhofspforte nicht immer ab- schwenkten. H. E.

Koch-Weitbewerb der Mnen-Lieblinge.

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Die Filmschauspielerin Lee Parry und der Schauspieler FritzKampers bei dem Wettkochen der prominenten Schauspieler, das im -Rahmen der Reichsgastwirtsmesse veranstaltet wurde. Das Publikum, das seine Lieblinge so einmal bei ganz ungewohnter Beschäftigung sah, folgte den Bemühungen der männ­lichen und weiblichen Kochkünstler um die Zusammenstellung eines schmackhaften Menus mit dem größten Interesse.

Viehbestand und Obsternte in Hessen 1931.

WSN. Nach den Feststellungen des Hessischen Landesstatistischen Amtes betrug die Zahl der Viehhaltungen in Hessen am 1. De­zember 1931 insgesamt 151102, gegen 150 993 im Dorjahr. Davon entfallen auf die Provinz Star­kenburg 65 386, auf O b e r h e s s e n 47 290 und auf Rheinhessen 38 426. In ganz Hessen gab es 1931: 58 889 Pferde, 317 319 Stück Rindvieh, 33 815 Schafe, 398 426 Schweine, 98 383 Ziegen, 2131110 Stück Federvieh und 23 974 Bienen­stöcke.

Wie ausgezeichnet die Obsternte im ver­gangenen Jahre ausgefallen war, zeigt eben­falls die Statistik: 925 834 Doppelzentner Obst im Werte von 6 015 703 Mark stehen einem Er­trag von 175 403 Doppelzentner im Betrage von 3 840127 Mark im Jahre 1930 gegenüber. Die Provinz Starkenburg hat wieder den Löwen­anteil mit 412 154 Doppelzentner, es folgt Ober­hessen mit 337 862 Doppelzentner und Rhein­hessen mit 175 818 Doppelzentner. Die Apfelernte hat sich gegen 1930 weit mehr als verzwanzig­facht, denn es wurden 669 292 Doppelzentner ge­erntet, gegen 28 844 Doppelzentner 1930. Bei den Birnen ist das Derhältnis ebenfalls sehr günstig, denn es stehen 185 567 Doppelzentner 1931 gegen 37 239 Doppelzentner im Jahre vor­her. Bei den Zwetschen und Pflaumen ist aller­dings der Ertrag um ungefähr die Hälfte zurück- gegangen, und auch bei den 2ft,rikosen und Pfir­sichen ist ein, wenn auch geringeres, Minus zu verzeichnen. Die Kirschenernte hat gegen 1930 zugenommen.

Fremdenverkehrs - Werbemit- tel in den Schulen. Der Hessische Minister für Kultus und Dildungswesen hat nachstehendes

Ausschreiben an die Kreis- und Stadtschulämter und die Direktionen der höheren Schulen erlassen: Der Herr Reichsverkehrsminifter hat angeregt, die Schulen darauf aufmerksam zu machen, welch' große Bedeutung es bei der gegenwärtigen wirt­schaftlichen Lage Deutschlands hat, daß deutsche Reisende die Kur- und Erholungsstätten der eig­nen Heimat aufsuchen. Rach den Richtlinien für die Lehrpläne aller Schularten bestehen genügend Möglichkeiten, im Rahmen des Unterrichts auf diese Fragen eiruugeben und durch Hinweise auf die Schönheiten Deutschlands mittelbar für diesen Gedanken zu werben. In diesem Zusammenhang bestehen keine Bedenken dagegen, wenn Werbe­mittel der Verkehrsverbände (Karten, Bilder. Sta­tistiken usw.), die den Schulen kostenlos zur Ver­fügung stehen, in geeigneter Weise im Unterricht verwandt werden."

** Die Maul- und Klauenseuche in Oberhessen. In Rieder-Erlenbach (Kreis Fried­berg) ist die Maul- und Klauenseuche erneut aus- gebrochen. In Burkhardsfelden (Kreis Gießen) ist die Seuche erloschen.

** Sperrzeit für Tauben. Während der Saatzeit vom 9. April bis 10. Mai müssen die Be­sitzer von Tauben ihre Tiere in den Schlägen halten, wenn sie nicht riskieren wollen, daß die Tauben ab­geschossen werden unb für ihren Besitzer außerdem noch Strafe eintritt. Man beachte die heutige Be­kanntmachung.

** DHC. Gießen. Man berichtet uns: Am vergangenen Sonntag unternahm der VHC. Gie­ßen seine Aprilwanderung. Die für diesen Tag ungünstige Wetterprognose, die glücklicherweise nicht zutraf, hatte nur eine Schar von nahezu 40 Teilnehmern auf die Beine gebracht, die von Hungen aus bei hellem Sonnenschein die Wan­derfahrt in den lachenden Frühling antrat. An der lustig plätschernden Horloff entlang ging der Weg, um später in den Wald überzugehen, wo

Senn löstet Stauen luetüen

Roman von I. Gchneider-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.

21. Fortsetzung. Nachdruck verboten I

Dann vernahm sie, wie Malnow draußen zu dem Chauffeur sagte:Sehen Sie doch einmal ins Haus, wo das gnädige Fräulein bleibt. Mög­licherweise hat es sich schlafen gelegt. Das Zim­mermädchen gibt Ihnen gerne Auskunft. Ich laufe inzwischen zum Fluß hinunter. Dort ist nämlich ihr Lieblingsplatz."

Nun glückt es womöglich doch noch, dachte Suse, als sich die Schritte der beiden entfernten. Sie sah noch Dieters Haar dunkel in der Sonne auf» flimmern, als sie sich bereits auf den Rand des Fensters schwang. Niemand war unterwegs, der Hof vollkommen menschenleer. Mit einem Satz sprang sie zu Boden.

Der Chauffeur kam gelaufen, als er den Motor wieder prusten hörte:Ich habe das gnädige Fräulein soeben gesucht!"

Und ich bin soeben gekommen! Ich war am Fluß", log sie kaltblütig.Wir können sofort weg- sahren." Ihr war es jetzt vor allem darum zu tun, Malnow nicht mehr zu begegnen. Sie hatte keine solche Uebung im Verstellen, daß sie in Gegenwart des Chauffeurs Gleichgültiges mit ihm hätte sprechen können.'

Als der Sportwagen auf dem Weißen Band der Chaussee dahinflog, sah Suse Malnow drüben über die abgemähten Wiesen laufen. Wie be­ruhigend, daß der Fluß dazwischenlag. Sie glaubte ihn rufen zu hören und trug hartnäckig das Gesicht nach der anderen Seite gewandt, wo die Felder in gelbbrauner Tönung sich längs des Weges hinzogen.

Zu dumm, daß sie schon wieder weinen mußte. Aber sie würde schon darüber Hinwegkommen. Wenigstens hatte sie jetzt Gewißheit. Trotz des Schmerzes, den sie in sich trug und dem Zorn über sein Verhalten, konnte sie es doch nicht lassen, einen Blick nach den Wiesen hinüberzu­werfen. Sie sah ihn, wie er mit hängenden Armen zwischen den Weiden stand und dem Wagen nach­starrte.

Lächerlich, daß er solch hochtrabende Worte gebraucht hatte:Ich habe die letzten Nächte kein Auge mehr zugetan! Jeder Dissen, den ich zu mir genommen habe, hat mich gewürgt."

Er hatte wohl Grund dazu. Schon möglich, daß einem, wenn man so etwas mit sich Herumtrug, Schlafen und Essen verging. Und wie zuversicht­lich er gesagt hatte: Meine Mutter ist tot. Es gibt niemand mehr, mit dem du mich teilen mühtest. Das Kind zählte wohl nicht! - So­lange er sie im Arm gehalten hatte, war die Kleine vielleicht vergessen, aber am Sonntag

würde es ihn wieder nach München ziehen, um den Feiertag mit dem Kinde zu verbringen.

Und Suse wollte und wollte nun nicht mit einem Zweiten in seiner Liebe teilen. Er konnte meinetwegen seine kleine Tochter in die Arme nehmen, aber sie mußte er dann aus dem Spiele lassen. Von heute ab war es aus zwischen ihnen! Wenn er sie jetzt schon belog, wie wurde das erst sein, wenn sie verheiratet waren. Immer tiefer verbohrte sie sich in ihre Gedanken.

Als der Wagen nach dreieinhalb Stunden nach Groh-Steinach einbog, stopfte sie ihr gezacktes Spihentüchlein als nasses Knäuel in ihre Leder- Handtasche. Der grohe schöne Traum ihrer acht­zehn Jahre war zerronnen. Zusammengebrochen das Glück, von dem sie sich Ewigkeitsdauer er­wartet hatte.

Nun besah die Mutter eine zweite Tochter, die um ihre Liebe betrogen war.

Doktor Wander nahm im Aerztezimmer eine Tasse Fleischbrühe zu sich und verspürte dabei ein Gefühl, als zwänge sich jeder Schluck in der Luftröhre fest. Lächerlich, dachte er! Ich bin doch kein Studio mehr, ermunterte er sich selbst. Wenn sie jetzt hereinkommt, vorausgesetzt, daß sie allein ist, frag ich sie, ob sie mich Haven will. Wenn ja, werde ich mich fein bescheiden mit einem Kuß begnügen, wenn sie mir überhaupt einen gibt, wenn neinGuten Vormittag, Fräulein Kollegin!" unterbrach er seinen Gedankengang und schob die Tasse weit gegen den Rand des Tisches.

Im Begriff, darnach zu fassen, berührten sich ihrer beider Hände. Margret zog die ihren mit Eile zurück.Ich möchte ab 1. Januar um meine Entlassung bitten", sagte sie gleichmütig, nahm einige Rechnungen vom Tisch und drückte einen Stempel darunter.

Cr war für den Augenblick derart verblüfft, daß er nicht gleich eine Erwiderung fand. Dann hatte er sich wieder so weit gefaßt, sprechen zu können.Befriedigt Sie Ihre Tätigkeit hier nicht?"

Doch! Aber sie ist einseitig", erklärte sie. Meine Mutter hat mir die Uebernahme einer Praxis in der Adelgundenstraße ermöglicht. Das sagt mir besser zu. Wenn Sie einen Ersatz für mich brauchen, respektive, wenn ich Ihnen eine Nachfolgerin empfehlen darf, Kollegin Hersfeld ist sehr gewissenhaft und tüchtig", fügte sie bei, gewahrte, wie er die Stirn runzelte und zuckte die Achseln.Weih Gott, was Sie sonst noch alles für Bedingungen stellen. In gewissem Sinne ist doch jede von Ihnen, als Chefarzt, abhängig."

Rur Sie nicht!" brauste er auf.

©ottl Es klang nicht im mindesten erregt. Ich habe eben nicht nötig, mich immer unter einen anderen Willen zu beugen. Wenn es mir irgendwo nicht paßt, schnüre ich mein Bündel. Eine andere kann das nicht!"

Ihr Vertrag läuft übrigens bis Ende Mai", warf er ein. Es klang herrisch und hörfe sich bei­nahe wie eine Drohung an.

Run klirrte die Tasse doch auf dem Boden, so heftig hatten ihre Finger an der Decke gezogen, die über den Tisch gebreitet lag.

Lassen Sie's!" Cr kniete schon auf den Dielen und las die Scherben auf. Als er fein Gesicht hob, war es von Hellem Rot gefärbt, das ihre aber stand etwas blaß unter dem dunklen Haar, das aus den Schläfen gekämmt war.

Ich nehme nicht an, daß Sie mich zum Bleiben zwingen wollen!"

Doch! Das werde ich!"

Auch gegen meinen Willen?"

Jawohl!" entfuhr es ihm.Sie haben unter­schrieben! Basta!"

Aber warum denn?" fragte sie etwas kleinlaut. Ich sehe mich doch sogar um Ersah für Sie um. Was wollen Sie denn eigentlich mehr?"

Sie zur Frau haben!" sagte er brüsk.Sonst weiter nichts!"

Sie starrte ihn an, als zweifle sie, es mit einem normalen Menschen zu tun zu haben.Ihre Brauen zogen sich so eng zusammen, daß ihre Augen sich merklich verkleinerten.Ich bin nicht da, Herr Chefarzt, daß Sie mit mir scherzen. Das können Sie sich für eine andere sparen. Am ersten Januar verlasse ich meinen Posten hier. Sie können mich ja bei der Aerztekammer oder wo Sie sonst wollen, auf Kontraktbruch verklagen."

Das jperbe ich auch!" sagte er kaltblütig. Außer Sie geben mir das Versprechen, daß ich einmal, wenn Sie eine zugänglichere Stunde haben, um Sie werben darf."

Sie reckte ihre schmale Gestalt. Trotzdem reichte sie nicht an seine muskulöse, stattliche Größe heran. Das Lächeln, das über fein Gesicht glitt, nahm ihr jede Selbstbeherrschung.Ich heirate Sie so wenig wie einen anderen!" brauste sie auf. Wenn Die wüßten, wie mich das anekelt, daß Sie auch nichts anderes in mir sehen, als eben das Weib, das Sie notwendig zu Ihrer Er­gänzung brauchen! Beglücken Sie doch eine von den vielen, die sich darnach sehnen, das zu fein, wozu sie die Ratur geschaffen hat... Ich emp­finde keinerlei Bedürfnis darnach!"

Das ist ja nicht wahr, Margret!" wehrte er gutmütig.Du--

Ein dunkles Rot auf den Wangen, hieß sie ihn schweigen:Ich appelliere an Ihre Pflicht als Kavalier und Ehrenmann. Ich heiße nicht Mar­gret für Sie! Wenn Sie nicht wissen, wie Sie einer Kollegin zu begegnen haben, bann ver­lassen Sie, bitte, das Zimmer--oder ich tue

es selbst" setzte sie heftig hinzu.

Das Lächeln stand noch immer auf feinem ©eficht.Ich gehe sofort!" besänftigte er.So bleiben wir in Gottes Namen ledig, wir beide! Guten Morgen, Fräulein Kollegin!"

die Vogelwelt die Wanderschar durch ihre fröh­lichen Weisen begrüßte. Zahlreiche Frühlings­boten, wie Lerchensporn, Huflattich, Veilchen und Anemonen verkündeten den Einzug des Lenzes. Die erste Rast erfolgte in dem anmutig in einem Talkessel gelegenen Dörfchen Langd. In dauerndem Anstieg ging es weiter über den Plat­tenberg, von dessen Kamm man bei der herrschen­den klaren Luft wunderbare Fernblicke über die Wetterau mit Burg Münzenberg bis zu den Höhen des Taunus, des Westerwalds mit Stop­pelberg und Dünsberg genoß, während nach Nordosten zu sich das gewaltige Massiv des Hohen Vogelsberges hinzog. An dem stattlichen Hof Ringelshausen vorüber zog sich der Weg nach dem gastlichen Forsthaus Glaubzahl, dessen ehe­malige Klostermauern die Wanderer für kurze Zeit beherbergten. Auf breiter, von seltenen Koni­feren umsäumter Landstraße, später auf gut ge­pflegten Waldwegen ging es weiter über den Rabenstein, von dessen Gipfel sich wiederum ein prächtiges Dogeisbergpanorama erschloß, durch das idyllische Bad Salzhausen zum Endziel Nidda, um von hier nach einem Schluhtrunk die Heim­fahrt anzutreten.

Oberbeffen.

Kreis Schotten.

Laubach, 6. April. Am Sonntagnachmit- tag hielt der hiesige Geflügelzuchtverein seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach der Eröffnung durch den ersten Vorsitzenden, Karl Pitz, erstattete Rechner Hch.^G r a u l i ch den Kassenbericht, der einen Ueberschuß ergab. Die auf der diesjährigen Landesverbands- und Dezirksversammlung gefaßten Beschlüsse wurden eingehend besprochen. Die Bezirksausstellung findet am 15. Januar 1933 in Laubach statt. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Er­gebnis: 1. Vorsitzender Karl Pih, 2. Vorsitzende» Georg Gunkel (Wetterfeld), Rechner Hch. Graulich, Schriftführer Friedrich Stotz. Als Beisitzer wurden gewählt: Fritz Wolf, Kar! Rühl, Heinrich P i h und Wilhelm Horst (Ruppertsburg). Weiterhin wurde beschlossen, daß auf der Bezirksausstellung nur Tiere mit Bun­desringen zugelassen werden sollen.

Kreis Büdingen.

A 21 i b b a, 5. April. Am Sonntag wurde hie» unser ältester Mitbürger, Spenglermei­ster Konrad Paul, unter großer Beteiligung zu» letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene galt in der ganzen Gegend als ein reeller und tüchtige» Meister, der einer hier alteingesessenen Hand­werkerfamilie entstammte und sich großer Hoch­achtung erfreute. Er hat ein Alter von 87 Jah­ren erreicht. Die Firma Carl L o r z, hier- felbst, konnte am 1. Apsil ihr 50jähriges Bestehen feiern. Der nunmehr 78 Jahre alte Gründer der Firma, Carl Lorz scn., errichtete vor 50 Jahren im Hause seines Schwiegervaters, des Lehrers L. 21hn, in der Schillerstraße ein Manufakturwaren-Gcschäft, das sich bald einen großen Kundenkreis in der Stadt Nidda und deren weiteren Umgebung, in der Wetterau und dem südlichen Vogelsberg erwarb. Dor einigen Jah­ren übergab der Jubilar das Geschäft feinem äl­testen Sohn Carl Lorz jun.

Kreis Alsfeld.

WSN. Alsfeld, 6. April. In dem Ba­sal t stein bruch bei Brauerschwend wurde der Steinbrucharbeiter Wilhelm Reinhardt aus Brauerschwend, während er auf der Sohle des Steinbruches beschäftigt war, von einer Schicht plötzlich herab stürzenden Säu- lenbasalts zu Boden geschlagen und so schwer verletzt, daß er unterwegs auf dem Transport nach der Gießener Klinik verstarb. Zwei Mitarbeitern des auf so tragische Weise um das Leben gekommenen Mannes gelang es, der herabstürzenoen Gesteinssäule durch Sprung zur

Die Türe schnappte etwas unsanft hinter ihm ein.Unerhört!" zürnte sie. Gut, daß sie die Möglichkeit besaß, von hier wegzukommen. Dann bleiben wir in Gottes Namen ledig, wir beide! Lächerlich! Er würde schon nicht unbeweibt bleiben ihretwegen. Das war auch so eine Phrase, welche die Männer immer gleich bei der Hand hatten, um Eindruck zu schinden.

Verärgert horchte sie auf, wollte den Stapel Rechnungen xur Seite schieben und lauschte noch einmal. Auf dem Korridor erklang Suses Stimme. Die Schwester hatte sie ab und zu besucht, abev daß es gerade heute der Fall war, kam ihr reich­lich unerwünscht. Jetzt, für den Augenblick wenig­stens, wollte sie nicht gleich mit Doktor Wände» wieder zusammentreffen. Sie ahnte nicht, ebenso­wenig wie die beiden anderen, die draußen in der Halle standen, wie notwendig es gewesen wäre, daß sie gerade jetzt den Augenblick besser genutzt hätte.

Wander, noch erregt über die Worte, die e» mit Margret gewechselt hatte, sah die jüngst- Recklinhauserin mit den Blicken des Mannes, den das Mädchen seiner Liebe soeben abgewiesen hatte. Jeder seiner Sinne war wachgerufen. Er bemerkte Suses fein gerötetes Gesichtchen, dem das blonde Flimmerhaar, welches sich kräuselnd unter dem weihen Strohhut hervorzwang, eine rührend keusche, kindlich süße Rote gab, die durch den Ausdruck der blauen Augen noch verstärk wurde.

Was der Doktor sonst nie zu tun pflegte, eine» Dame die Hand zu küssen, das tat er jetzt. Suses Mund zuckte begehrlich. Wander gefiel ihr. Sic» war Tag und Nacht bemüht, Dieters Bild au8 ihrem Gedächtnis zu löschen. Der Mann hier war kein Knabe mehr. Sie taxierte ihn rasch. Das dichte brünette Haar, in dem noch kein einzige» Silberstreifen flimmerte, die sehnige, tadellos pro­portionierte Gestalt, der glattrasierte Mund, mit dem etwas herrischen Kinn als Abschluß! Er war zwar nicht Malnow! Aber er konnte ihn möglicherweise ersetzen.

Ihr Lächeln wurde kindhaft scheu, als er sia jetzt so durchdringend ansah.Ist meine Schwester sehr beschäftigt, Herr Doktor?" fragte sie ab- lenkend.

Für den Augenblick schon!" log er kaltblütig. »Kann ich Ihnen vielleicht inzwischen den Garten zeigen? Ich bin für den Augenblick gerade ab­kömmlich. Schwester Lenore ist mit einem kleinen Rekonvaleszenten ausgegangen. Ich sehe voraus, daß Ihnen meine Gesellschaft nicht lästig ist. gnädiges Fräulein!"

Gewiß nicht!" bekannte sie rasch.Ich wüßta sonst nicht, was ich anfangen sollte."

»Dann wollen wir also losziehenl Gedulden Sir sich noch einen Augenblick, Fräulein von Recklin- hausen. Ich lege nur meinen Kittel ab.

(Fortsetzung folgt)