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Nr. 8; Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gberhetzen)

Donnerstag, 1. April 1952

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Kämpfer für Hindenburg ziehen durch Deuischland!

ZmHindenburg.Zlugzeug nach Ostpreußen.OaS Volk steht zum Führer .. *

(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

In der Lust erscheint der Name

Hindenburg"!

Ein schöner Frühlingsmorgen, Lempelhoser Feld, Berlin. Auf dem Rollfeld stehen sechs Flug­zeuge, start- und kampfbereit. An ihren Trag­flächen steht der NameHindenburg", und wir sind dabei, große Stötze von Propagan­damaterial in das Innere des Flugzeugs zu laden. Jetzt springt der Propeller an, eine Riesenkraft schiebt die Maschine vor, als wäre ein 10O--Motor in ein Kleinauto eingebaut. Jetzt ein kleiner Ruck, und wir schweben über Berlin.

Rasch eine Kurve über dem Potsdamer Platz. Wir fliegen ganz tief und sehen deutlich das mor­gendliche Gewühl im Mittelpunkt der Reichs­hauptstadt. Was ist das? ... Die Menschenmasse, die den Platz füllt, richtet plötzlich die Köpfe nach oben. Autobusse und Straßenbahnen bleiben stehen. Sogar der Polizeibeamte auf dem Ber­kehrsturm vergitzt für einen Augenblick feine Pflicht. Alles grüht, ruft, winkt nach oben. Ein Meer wehender Taschentücher. Das ist ein guter Anfang.

Rach O st Preußen geht die Fahrt. In dem Flachland leuchten rote Dörfer auf, hin und wie­der eine Stadt. Die Menschen sind schon auf den Aeckern. Wo sich nur ein menschliches Wesen zeigt, wird es beim Anblick des Ramens Hindenburg lebendig. Selten bleiben die da unten passiv. Zu­rufe, Winken, das Dorf, die Stadt steht auf der Straße, lacht und rennt und winkt, sobald eines der Hindenburg-Flugzeuge auftaucht. Es ist ein schöner, ein hoffnungsvoller Frühlingsmorgen.

Danzig. Die Menschen auf den Straßen blei­ben wie auf Kommando stehen, als Gruß schwen­ken sie die Mühen, sie fühlen, diese Mahnung des deutschen Mutterlandes, sie wissen, daß man sie nicht vergessen wird. Es ist eine stille, große Demonstration, es ist die Hoffnung Tausender, die zu uns cmporsteigt, und die uns nicht vergessen läßt, daß wir eisern unsere Pflicht zu tun haben.

Eine grohe Schleife es geht nach Ostpreußen hinein. Unten taucht ein Soldatensriedhof auf, viele Tausend deutsche Helden schlafen unter den weißen Kreuzen. Im Augenblick, als das Hin­denburg-Flugzeug vorüber zieht, neigt der Wind die Trauerweiden über den Gräbern. Ist es nicht ein Gruß der Treuen an den, der ihnen die Treue gehalten hat?

Das Flugzeug geht etwas tiefer, und jetzt liegt vor uns ein mächtiger Steinbau, das Denkmal von Tannenberg! Wr reiben die Schutz­brille blank, glauben nicht recht zu sehen: da un­ten schiebt sich ein langer Zug von Menschen auf das Denkrnal zu. Cs ist eine Pilgerfahrt zu Hindenburg, wenige Tage vor der Wohl. Und wieder bleiben die Menschen stehen, grüßen angesichts des Denkmals mit winkenden Händen zu dem Ramen Hindenburg empor. So verharren sie, bis unser Flugzeug in der Ferne verschwindet.

Mit dem Hindenburg- Lautsprecher durchs Land ...

Zwischen Hannover und Köln gibt es in jedem Dorfe Aufenthalt. Wir haben ja nicht nur in An­wesenheit des ganzen Dorfes unsere Grammo­phonplatten abzuspiclen, die die Hindenburg- Rede enthalten und dann die Stimme unseres Reichspräsidenten ertönen lassen, wir haben auch den persönlichen Berkehr der Bevölkerung mit ihrem Führer zu regeln. Die Bauern kom­men:Ach, fahren Sie gleich zu Hindenburg zu­rück? Werden Sie den Reichspräsidenten heute noch sprechen? Dann haben wir eine Bitte, dann

nehmen Sie doch bitte dieses Paket voller selbst eingeschlachteter Wurst, diesen Speck und diesen Käse mit ... In Berlin bekommt man ja doch nichts richtiges zu essen ..Und die Bäuerin kommt und bringt Blumen, ein alter Mann über­gibt uns eine wunderbare, selbst geschnitzte Ta­bakspfeife und fragt:Ob der Herr Reichspräsi­dent wohl so ein Geschenk von einem armen Mann annehmen wird? Ich glaube ja, er wird sich doch sicher freuen, daß wir hier auf dem Lande alle an ihn denken."

Das wiederholt sich in jedem Dorf. Und alle fragen:Wie geht es unserem Reichspräsidenten, wie sieht er aus?" Die Kinder laufen erregt suchend überall herum, weil sie doch nicht begreifen können, daß auf einmal der Feldmarscholl von Hindenburg zu ihnen spricht, und man ihn doch nirgendswo sieht. Biele hören zum erstenmal eine Grammophonplatte, und es ist für sie ein unauslöschlicher Eindruck. Auf einer sol­chen Reise durch das deutsche Land erlebt man cs. daß kein Volk mit seinem Führer enger verwach­sen sein kann, als Deutschland mit Hindenburg.

In einer kleinen Stadt, wo sich aus dem Markt­platz alle Einwohner um uns versammelt hoben, kommt ein Trupp radikaler Jugend mit Gröhlen und Pfeifen angezogen. Dann stehen sie vor uns, sehen das Bild und hören die Stimme Hinden­burgs. Auf einmal werden sie still, stoßen sich ver­legen an und gehen dann stumm weiter. Das Bild Hindenburgs, die imponierende Gestalt des Füh­rers, die sie doch von Kindheit auf kennen, hat plötzlich wieder ihr Herz gepackt, und sie fühlen, daß sie nicht auf dem richtigen Wege waren. Und während sie abzichen, fragt neben unserem Wagen eine Helle Kinderstimmc die Mutter, weshalb denn Hindenburg gewählt werden soll.Er hat uns da­mals vor den eindringenden Feinden gerettet, er hat auch in der Rot immer zu uns gestanden, und deshalb i st nur er unser Führer!" Die­ser Ausspruch kehrt hundertfach wieder.

Mii -em Kanzler auf der Wahlreise.

Tag und Rächt ist der Reichskanzler unterwegs, er reist durch Deutschland, um für Hindenburg die Trommel zu schlagen. In den Rächten im Zuge arbeitet er die Reden aus, schreibt kurze Briefe nach Berlin ins Reichspräsidentenpalais, telepho­niert bei jedem nächtlichen Aufenthalt des Zuges nach Berlin in die Reichskanzlei, um dort in Füh­lung zu bleiben. Er braucht keinen Schlaf, und nur die dicken, schwärzlichen Brasilzigarren sind ihm auch bei der Hindenburg-Schlacht Begleiter. Der Reichskanzler berichtet in einem Augenblick der Pause von dem Erlebnis dieser Reise: Er trifft einen Politiker, der ihm früher als Gegner gegenüberstand und froh reicht ihm der andere die Hand:Ich gehöre auch zur Hinden- burg-Front!" Bei einer Konferenz hält sich der Reichskanzler zu lange auf, weil er immer wieder von Hindenburg berichten muß. Als er mit seinen Begleitern endlich herausstürzt, um zum Bahnhof zu fahren, ist das erwartete Auto nicht da. Endlich, nach weiteren verlorenen Minuten, gelingt es, ein Taxi zu bekommen. Der Chauffeur erkennt deu Reichskanzler und antwortet auf die Bitte, rasch zu fahren:Für Hindenburg hole ich mir sogar ein Strafmandat!"

In einem Hotel tritt nach Beendigung des Essens der Oberkellner auf den Reichskanzler zu: Herr Reichskanzler, wenn Sie mir eine Bemer­kung gestatten wollen: Ich habe beim Selbstschutz mit dem Herrn Reichskanzler in einer Abteilung gestanden. Und damals schon haben wir für Hin­denburg gekämpft." Brüning lacht und bietet dem alten Kameraden die Rechte.

Die Rächte werden im Hotel durchgearbeitet.

Am Morgcir sagt das Zimmermädchen, das Dr. Brüning bedient, zu seinem Sekretär:Wenn alle Menschen in Deutschland soviel arbeiteten, dann hätten sie alle eine hohe Lichtrechnung!"

Kein solches Volkserlebnis seit dem Kriege ..."

Für ein paar Stunden treffen sich eine Anzahl Hindenburg-Kämpfer in Berlin. Alle berichten das Gleiche: Stürmische Begeisterung. Gral Westarp erzählt: In den Wahlversammlungen sind zahlreiche Arbeiter zu mir gekommen, haben mit leuchtenden Augen mir die Hand gereicht und von der neuen Einheitsfront der guten Deutschen gesprochen." Westarp fügt mit er­hobener Stimme hinzu:Seit dem Kriege haben wir kein solches Volkserlebnis gehabt, wre diese Hindenburg-Wahl!"

Cs ist eine heilige, eine hoffnungsvolle, eine freudige Begeisterung. Wenn Zehntausende wie aus einem Munde dos Wort Hindenburg sprechen, wenn sie, Minuten schweigend, aus ihrem Platz verharren, wenn sie geeint das Deutschlandlied fingen und danach die Hand zum Gide für Hinden­burg erheben, dann wissen wir: Deutschland wird leben !

Oer Kirchenzusammenschluß in Hessen und Nassau.

Wird Marburg Litz der Kirchenregierung?

WSR. Frankfurt a. M.. 5. April. Unter der Ueberschrift .,W ird Marburg Sih der Kirchenregierung? wurde eine Rotiz ver­breitet. zu der von zuständiger Seite folgendes mitgeteilt wird: Es ist an sich richtig, daß die Berhandlungen zwecks Herbeiführung einer Großhessischen Kirche auch im vergangenen Winter weitergeführt worden sind. Berschiedene Sitzungen der seinerzeit gebildeten Unterausschüsse für Verfassung und Fi­nanzen fanden in Marburg statt. So hat der Unterausschuß für Berfassung versucht, einen Ber- fassungsentwurf für eine künftigeKirche von Hessen und Rassau" zusammenzustellen. Als oberste Kirchenbehörde ist im Berfassungs- enttourf ein einheitliches Landes- kirchenarnt vorgesehen. Cs hat ferner der Unterausschuß für Finanzen die A u f st e l - lung eines vorläufigen Haushalts für das neue Kirchengebilde unternommen. Beide Arbeiten sind zu Ende geführt worden. Es handelt sich zunächst nur um Dorarbeiten, die erst noch von dem Gesamtausschuß verabschiedet wer­den müssen. Die beteiligten Kirchenregierungen bzw- die beteiligten Landeskirchentoge haben dann das weitere Wort zu sprechen. Wichtige Ber­handlungen mit den beiden beteiligten Staaten Preußen und Hessen sind auch noch zu führen. Die Frage der etwa künftig zu bildendenKirche von Hessen und Rassau" steht also noch nicht un­mittelbar vor der Lösung. Ebenso steht es noch dahin, ob der allerdings in dem vorläufigen Verfassungsentwurf vorgesehene Sitz der Kir­chenregierung in Marburg die Zustim­mung der beteiligten Kirchenregierungen und der Kirchenparlamente finden wird.

Oie Reichsversicherungsanstatt für Angestellte im Jahre 1931.

Am 51. Dezember 19.31 liefen 155 514 (im Jahre 1930: 125 576) Ruhegelder mit 25 316 (19 982) Sin« derzuschüssen, 72 473 (63 557) Witwen- und Witwer- renten und 40 258 (37 233) Waisenrenten. Insgesamt waren im Berichtsjahre 113 436 (98 965) Leistungs­anträge zu bearbeiten. Der Gesamtaufwand für d i e Rentenlei st ungen, Abfindungen und Beitragserstattungen betrug im Jahre 1931 220,3 Millionen (183,6 Millionen) Mark. Rach dem Stande vom 31. Dezember 1931 betrug die monat­liche Rentenleistung 16,6 Millionen (14 Millionen)

Goethe vor Cäsar.

Von Or. Gustav W. Eberlein, Vom.

Rom, im April.

Es ist nicht verbürgt, doch möchte man's an- nehmen, daß es im Getlüftc des Kapitols war. wo die Erkenntnis auf seinen Lippen sich formte: 3a. es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern, ewige Roma!"

Das Wort ist nicht wie andere, romkündendc. romrühmende Worte, eingegraben in die Wände des Senatorenpalastes, aber man gab es ihm in diesen Tagen zurück, als Rom seinem unsterb­lichen Genius huldigte in diesem Saal der Ehren- Bürger, daß er heimisch wurde zwischen Gari­baldi und Derdi. Cavour und Carducci. Cäsar und Mussolini. Als wir mit ihm hinaufstregen die Marmortreppen Michelangelos, vorbet an der Roma triumphans. als wir wanderten durch diezweimal tausendjährigen Mauern", wie eine Inschrift sagt, und durch das alte labuwrium und das neue Palatium gelangten in den Raum, der eine Basilika zu sein scheint. So etwas laßt sich mit allen Mitteln und Millionen der Reu­zeit nicht schaffen. Marmor. Gold und Purpur. Die Kapitolswächter in Goldhelmen so funkelnd, daß der rembrandtsche dagegen nur funkelt. Unb doch alles schrumpfend vor dem Hauch der Ge- schichte, der einem entgegenweht.

Ein Spalier prunküberladener Lakaien in wei­ßen Perrückcn der Goethezeit. cingcftidt m öte Livreen wohl hundertmal das stolze d. l . Fahnen und Adler ringsum. S. P. Q. R.Sc* nat und Bolk von Rom", wahrlich, sie wissen den deutschen Dichter zu empfangen.

Cs empfängt ihn, überlebensgroß. Cäsar, und unsichtbar und überlebensgroß steht auch er vor dem Marmorbildnis eines Mannes, der >eht alle Blicke auf sich vereinigt, der mit seiner aus­drucksvollen Rednergebärde alle Sinne an sich reißt der den Gesandten eines fernen Volkes und einer verschwisterten Kultur zu feiern und zu weihen bestimmt scheint. Iahrhunderte^ng wußte außer ein paar Archivbeamten und Die­nern kaum ein Gebildeter um diese Statue aus edelstem gelben Marmor, sie dämmerte irgendwo in einem musealen Massengrab abgetaner romt- schcr Herrschaften, bis Mussolini kam und den irdischen Staub wegbltes. Auf den Ehrenplatz des Kapitols stellte er sein Vorbild und letzt braust -iese seltsame Sinfonie durch den Raum: Ca­sar Mussolini Goethe!

Ich weiß, das klingt nicht gut in der sauber aufgeräumten guten Stube der Literatur, das fügt sich schlecht in die ordnungsliebende Regi­stratur. das kann ein schulmeisterliches Ohr be­leidigen. aber wir alle, die wir hier saßen, auf­gewühlt bis in die Tiefen des Unbegreiflichen, wir alle haben die rauschende Sinfonie gehört.

Ich habe darüber sogar vergessen, wie der Festausschuß zusammengesetzt war. Es waren er­schienen ... man bemerkte ferner ... die heilige Roma möge mir verzeihen, aber ich habe, nach­dem als Vertreter des Königs der Herzog von S p o l e t o erschienen war und der Versamm­lung den römischen Gruß entboten hatte, nie­manden mehr bemerkt als Goethe, Goethe vor Cäsar.

Ich weiß nur noch, daß draußen, als der Gouverneur, Fürst Boncompagni-Ludo- v i s i den Dichter der römischen Elegien be­grüßt hatte wie einen Mann, dem zu sagen ver­gönnt ist: Civis romanus sum), dessen italienische Leidenschaft er pries, daß in diesem Augenblick draußen die Glocken läuteten.

Und dann erhob sich aus der Schar der Aka­demiker. die wie alle Geladenen für diese Sieges­stunde des Geistes auf Ehrenkleider und Orden verzichtet hatten, Arthur Farinelli und sprach und sprach und jubelte und huldigte ...

Ob ein Festredner in der Heimat des Ge­feierten solche Worte fand? Sicher ist, daß ihn die Fremde nirgends herzlicher willkommen ge­heißen hat. Das war Rom. fein Rom. Und das Rom Mussolinis, der am andern Tage die ihm von einer begeisterten Amerikanerin geschenkte, riesige Parkvilla Sciarra auf dem Gianicolo weitergab an das neugegründeteItalienische Institut für deutsche Studien". Er weihte es dem Gedächtnis Goethes.

... Die Rede Farinellis, dieses Feuerkopfes in grauen Haaren, war lang, ebenso schön wie lang, und sie war ungewöhnlich schön. Je größer Goethe wurde, um so kleiner wurde Cäsar, je mehr der Feuerzauber um sich griff, um so mehr verblaßte der Feldherr. Der Herrscherstab entfiel seiner Rechten, der Marmorboden wich einem Schulzimmer und es war mir, als hätte ich ein vergleichendes Aufsatzthema vorgelegt bekommen. Der Mann in der Toga nahm die Gestalt meines Lateinlehrers an, schlug die Grammatik auf und las mit jener unterstreichenden Bewegung der linken Hand, bei der der Mittelfinger so über­groß hervortritt, den schönen Satz zum Ueber«

) Ich bin ein römischer Bürger.

setzen vor: Die Römer haben die Griechen mit den Waffen besiegt, aber diese haben jene mit den Waffen des Geistes besiegt.

Richt leicht, so etwas zu übersetzen. Aber Goethe brachte es fertig. Er besiegte Rom.

..Alles Bergängliche ist nur ein Gleichnis."

Das schmetterte auf Deutsch durch den Saal der Senatoren und wir standen auf, als togren wir schweren Weines trunken.

Draußen läuteten wieder die Glocken, von den Fenstern und Ballonen hingen leuchtende Tep­piche herab und die Menschen auf der Kapitols- treppe wichen zu beiden Seiten zurück, als wollten sie einem Manne, größer als Cäsar, die ehrende Mitte freigeben.

Zalschriechen.

Die Parosmie, eine krankhafte Erscheinung, bei der andere als die normalen Geruchsempfindun­gen auftreten, ist in letzter Zeit wissenschaftlich eingehender beobachtet worden, und man hat dabei ganz erstaunliche Irrwege des Geruchs­sinnes entdeckt. Wie in derChemiker-Zeitung" ausgeführt wird, tritt das Falschriechen gelegent­lich nach entzündlichen Prozessen des Rasen­rachenraumes auf, findet sich aber auch im Ver­lauf einer Influenza. Eine solche Parosmie läßt sich künstlich dadurch erzeugen, daß die Rasen­schleimhaut mit Sublimat-Lösungen oder Lösun­gen anderer Quecksilbersalze bespült wird. Ber- > schiedene Stoffe beeinflussen das Riechvermögen in eigenartiger Weise, wenn sie innerlich ein­genommen werden. So wird die Geruchsempfin- durch durch Strychnin gesteigert, durch Morphium abgeschwächt und kann durch Kokain sogar ganz aufgehoben werden. Durch Einnahme des als Wurmmittel benutzten Santonins tritt bei man­chen Personen ein unangenehmer brenzlicher Ge­ruch auf, der ihnen tagelang anhaftet, während durch Antipyrin und Antifebrin ein angenehmer Zimt-Geruch hervorgerusen wird. Berstärkte Ge- ruchsempsindungen, ja sogar ausgesprochene Ge­ruchs-Halluzinationen sind besonders bei Frauen beobachtet worden. Der Geruch wird bisweilen bei der werdenden Mutter merkwürdig beeinflußt, so daß sie sonst zusagende Gerüche als unange­nehm empfindet und durch den Eigengeruch der Hausbewohner, der sonst nicht auffällt, belästigt wird- Rach entzündlichen Prozessen der Rase und des Rachens kommt es vor. daß der Kranke gewisse Duftstofse überhaupt nicht mehr wahr­nimmt. andere nur schwach empfindet, dagegen ganz neue Gerüche erlebt, so daß er sich in einer

Mark. Es gingen 136 346 (132 862) Anträge von Versicherten auf Gewährung eines Heil­verfahrens ein. Es wurden 48 316 (49 047) ständige Heilverfahren durchgeführt. Es wurden für die Gefundheitsiürforge insgesamt 28,9 Millionen (27,1 Millionen) Mark aufgewendet. Die Gesamt- beitragseinnahme belief sich auf 343,4 Mil­lionen (385,1 Millionen) Mark. Der Beitraasrück- gang ist auf die starke Stellenlosigkeit der Ange­stellten und auf das Sinken der Gehälter und Lohne zurückzufuhren. Die Beiträge machen etwa 5 v. f). des durchschnittlichen Monatsverdienstes aus gegen 7 o. ch. in der Vorkriegszeit. Die Zahl der Ver­sicherten wird für das Ende des Iabres 1931 auf 3,1 Millionen geschätzt. Die Anlegung der Rück­lagen erfolgte wertbeständig auf Goldmarkgrund­lage mit dem Ziele, sie dem Versicherungszweck un­geschmälert zu erhalten. Die Gesamtneuanlage für Wohnungsbauzwecke belief sich auf 128 Millionen (184 Millionen) Mark. An versicherte An- gestellte wurden 782 (1468) hypothekarische Dar­lehen für neuerstellte Eigenheime mit 4,8 Millionen (9,k Millionen) Mark ausgezahlt. Der Vermal- tunqskostenaufwand betrug 2,8 (2,5) v. f). der Gesamleinnahme. Es verbleiben also 97,2 d. S). dieser Einnahme für die Zwecke der Versicherung.

Oie Gefährdung der öffentlichen und sozialen Fürsorge.

Dom Zentralverband der ArbeitS- invaliden und Witwen Deutschlands geht uns eine Zuschrift zu. der wir folgendes entnehmen: Die Entwicklung der finanziellen Der- hältnisse in den Gemeinden wächst sich zu einer großen Gefahr für die gesamte Fürsorge au3. Gemeinden und Dezirksfürsorgeverbände er­klären. daß sic trotz aller Anstrengungen kaum noch die Möglichkeit sehen, die Gelder aufzu­bringen. die zur Fortführung der Fürsorge- tätigteit notwendig sind.

Die Folge ist eine sich sortgcseht steigernde Beunruhigung in allen Kreisen der Hilfsbedürf­tigen und eine Verbitterung, die aus die Ver- schlechterung der Fürsorge zurückzuführen ist. Man hat nicht nur die Richtsätze sehr oft um mehr als die prozentual gesunkenen Lebenshaltungskosten gesenkt, sondern es sind auch starke Einschrän­kungen bei den Sach- und Sonderleistungen vor­genommen worden, so daß durch diese Herab­setzungen Kürzungen bis au 30 und 40 Prozent eingetreten sind. Eine sehr große Anzahl So­zialrentner sind aus der Fürsorge ausgeschieden. Auch die neugeschaffene Bestimmung, die in der erhöhten Fürsorge nur noch eine zu gewährende angemessene Mehrleistung" vorschreibt, trägt da­zu bei. daß sich die Lebensverhältnjsse der Klein- und Sozialrentner und ihnen Gleichgestellten in recht fühlbarer Weise verschlechtert haben.

Bon den Gemeinden und Bezirlssürsorgever- bänden wird nicht selten daraus hingewiesen, daß man weitere Einschränkungen vornehmen müsse, wenn nicht bald eine Behebung der Finanzkrise in den Gemeinden eintritt. Eine weitere Einengung der LebensVerhältnisse aller Hilfsbedürftigen würde aber bi« Erregung ins Unermeßliche stei­gern.

Unsere Organisation, die 350 000 Mitglieder umfaßt, hat die Pflicht, die nachdrücklichste War­nung vor dieser Gefährdung der öffentlichen und sozialen Fürsorge zu erlassen.

Die Gemeinden und ihre Körperschaften, wie auch andere Organisationen, sehen eine Erleich­terung in der Aenderung des ßaften- ausgleichsin der Erwerbslosensürsorge. Man schätzt die Erwerbslosenlasten im Jahre 1932 aus 1560 Millionen. Das sind gegenüber dem Bor­jahre 460 Millionen mehr. Diesem ungeheuren Druck glauben die Gemeinden nicht mehr stand» halten zu können und ihr 'Verlangen, dasReich müsse mehr als 230 Millionen von diesen Lasten übernehmen, ist bei dielen Verhältnissen nur zu berechtigt: diese Reichshilfe fchafft die Voraus­setzungen dafür, daß die soziale und nicht zu­

vollkommen andersartigen Welt des Geruchs zu­rechtfinden muß. Aerzte. die an Parosmie litten, haben merkwürdige Beobachtungen mitgeteilt. So roch der eine drei Tage lang beständig Pech und Teer, ein zweiter Schellack und später Schwefel, Knoblauch und Leichen, ein dritter erst verfaultes Fleisch, dann Seife und Petroleum. Beim Falschriechen treten vorwiegend unangenehme Geruchsempfindungen auf, während angenehme, wie Blumengerüche usw. viel seltener vorkommen. Eine ganz besondere Krankheit ist die sogenannte Stinknase" (Ozaena), unter ber ber Patient viel weniger leibet als seine Umgebung. Personen, bic dauernd mit starkriechenden Stoffen in Be­rührung kommen, verändern bisweilen voll­kommen ihre Geruchsauffafsung. Wenn man be­denkt, daß von den rund zwei Millionen organi­schen und anorganischen Körpern, die bisher bekannt sind, etwa ein Fünftel den Geruch an- regen. so wird man sich nicht wundern, daß sich solche verschiedenen Eindrücke, die durch Rasse oder Gewohnheit bedingt sein können, heraus- bilden.

Oie Elche gedeihen in Ostpreußen.

Die letzten gesetzlichen Maßnahmen, die zugun­sten des Elchwildes 1929 erlassen wurden, forder­ten den unbedingten Schutz dieser Tiere, die sich als Ueberreste einer fernen Vergangenheit bis in unsere Zeit erhalten haben. Rur wenige Stücke wurden in den ersten Jahren abgeschossen, um die Zucht zu verbessern. Dann aber konnte der Ab­schuß in größerem Umfange gestattet werden, wie Scharein imDeutschen Jäger" ausführt. In den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen wurden in den privaten Jagdbezirken 25 (Stangen- Elche und 16 Schmaltiere zum Abschuß freigegeben. Die Lichtung der Bestände war dadurch gerecht­fertigt. daß dieses große Wild nicht unbeträchtliche Schäden an dem jungen Holz in den Forsten an­richten kann. Bei der Jagd wurde natürlich dar­auf geachtet, daß hauptsächlich solche Stücke be­seitigt werden, die wegen schlechter Geweihform oder sonstigen Unzulänglichkeiten einer gesunden Rachzucht im Wege stehen. Man braucht ja heute nicht mehr vor allem darauf zu sehen, daß die ost- preußischen Elche überhaupt erhalten bleiben, denn ihr Bestand entspricht bereits wieder dem der Vor­kriegszeit. Das Hauptziel ist vielmehr, daß die Körperbeschaffenheit des Wildes sich von Iah" ?u Jahr bessert und die Veredelung der Geweih- orm sortschreitet. Dieses Ziel wird in den Elch­gehegen Ostpreußens schon in erfreulichem Aus­maße erreicht