wünschten wir ihm dazu besten Erfolg. Die Reichs« k regierung müsse sich vorläufig auf die aufmerksame ' diplomatische Beobachtung der Abrüftungssaboteure beschränken. — Die „B ö r s e n z e i t u n g' meist darauf hin, daß man in gut unterrichteten politischen Kreisen Berlins noch kurz vor dem Eintreffen der Londoner Meldungen das Zustandekommen der Konferenz etwas optimistischer beurteilt habe, aber Herriots Intransigenz sei wieder einmal stärker gewesen als der gute Wille Englands.
Wir brauchen eine Aenderung des Wehrsystems.
Grüner über aktuelle Wehrfraaen.
Berlin, 5. Oft. (EBB.) Hier svrach Reichswehrminister a. D. Groener über „aktuelle
mit Empörung Kenntnis genommen von dem ungeheuerlichen Urteil gegen St. Lippert und Krause. Es sollen hier auf Grund der Rotverordnung Männer ins Gefängnis geworfen werden, die nach bestem Wissen und im Interesse der Volksgesundheit Zustände beleuchtet uni) sich mit Persönlichkeiten befaßt haben, die durch Zeugen, und Sachverständigenaussagen im Verlaufe des Prozesses jedenfalls vor der gesamten Oeffentlich- keit aus Klägern zu Angeklagten wurden. Während sich für die tägliche Verleumdung Adolf Hitlers und der Führer der deutschen Freiheitsbewegung kein Staatsanwalt findet und kein Gefängnis öffnet, werden nationalsozialistische Iournalisten, die aus ihrer Ueberzeugung im öffentlichen Interesse kein Hehl machen, mit schwersten Strafen belegt. Die Reichsarbeitsgemeinschaft
erbebk gegen dieses Urteil, das völlig unhaltbar ist. allerschärfsten Protest.'
Oie Bürgermeisterwahl in Reustadt (Odenwald).
DTR. Wie die Pressestelle der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz mitteilt, hat bei der Bür- germeisterwahl in Neustadt im Odenwald über- Haupt kein Nationalsozialist kandidiert, geschweige denn Gauleiter Lenz. Don bürgerlicher Parteiseite wurde allerdings u. a. auch ein Kandidat namens Lenz aufgestellt. Auch das Wolffbüro bestätigt, daß es sich um ein Mißverständnis handelt. (Bauleiter Lenz hat nicht kandidiert, sondern ein Neustädter Einwohner gleichen Namens.
Wehrfragen". Deutschland fordere Abrüstung und Gleichberechtigung. Es müsse in die Lage versetzt werden, seine Grenzen zu verteidigen. Hierfür sei aber nicht allein die Zahl und Art der Waffen, sondern vor allem eine Aenderung des Wehrsystems entscheidend. Deutschlands gegenwärtige Reichswehr sei trotz hervorragender Leistungen nicht in der Lage, allen Aufgaben gerecht zu werden. Rotwendig sei, eine auf allgemeiner Wehrpflicht beruhende Miliz mit kurzer Ausbildungszeit, insbesondere in den Grenz- gebieten, neben die Reichswehr zu schalten. Die Dienstzeit der Reichswehr müsse herabgesetzt werden. Dadurch würden auch genügend Mittel frei, um die Aenderung des Wehrsystems ohne wesentliche Mehrheit herbeizuführen. Diese Forderungen bedeuten keine Aufrüstung, sondern lediglich die Herstellung der einfachsten Doraussetzunggen der Landesverteidigung.
Oas Urteil im Prozeß Weiß contra „Angriff".
Gefängnisstrafen für beide anceklagten Redakteure.
Berlin, 5. Oft. (CNB.) Im Prozeß gegen die verantwortlichen Redakteure d e s „A n gr i f f" «wegen Beleidigung des bisherigen Berliner Pvlizei- vizepräsidenten Dr. Weiß und des früheren Polizeipräsidenten Grzesinski beantragte Oberstaatsanwalt Dr. Burchardi gegen den verantwortlichen Lokalredakteur Krause eine Gefängnisstrafe -von fünf Monaten und gegen den verantwortlichen politischen Redakteur Dr. Lippert eine Geldstrafe von 1500 Mark. Die Strafkammer verurteilte Dr. Lippert wegen Beleidigung des Polizeioize- prcflbenten Dr. Weiß und wegen übler Nachrede gegen Dr. Weiß und den Polizeipräsidenten Grzesin- fti z u drei Monaten Gefängnis; der Angeklagte Redakteur Krause erhielt wegen der gleichen Vergehen fünf Monate Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens fallen den Angeklagten gur Last. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, daß die Angeklagten den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen nur lehr lückenhaft angetreten hätten. Bei der Nachprüfung der Frage, ob die Angeklagten i n entschuldbarem guten Glauben gehandelt hätten, habe das Gericht feststellen müssen, daß die diesbezüglichen Unterlagen so dürftig waren, daß ihnen dieser gute Glaube nicht ^gebilligt werden konnte. Auch die Anwendung des Paragraphen, der die Wahrung berechtigter Interessen behandelt, komme für die Angeklagten nicht in Frage.
Nationalsozialistischer Protest.
München, 6. Oft. (TU.) Die »Reichs arbeit s g e m e i n sch a f t der nationalsozialistischen I o u r n a l i st e n" hat an den Reichsjustizminister ein Telegramm gesandt, in Dem es heißt: „Sie Reichsarbeitsgemeinschaft hat
Parteien im Wahlkampf.
Reichspropagandatagung der NSDAP.
München, 5. Oft. (TU.) In München begann die dreitägige Reichspropagandatagung der RSDAP., gleichzeitig mit einer Pressetagung der Parteiverbände. Die gemeinsame Sitzung wurde, wie die Reichspressestelle der RSDAP. mitteilt, vom Reichsorganisationsleiter Gregor Straßer eröffnet. In der Geschichte der Ration, so führte Straßer u. a. aus, werde einmal der 1 3. A u g u st, an dem man den Führer der größten politischen Bewegung Deutschlands die ihm zukommende Führung der Regierung verweigert habe, als ein Verbrechen angesehen werden. Ohne Rückhalt im Volke gebe es keine wirkliche Regierung. Wenn die heute noch regierenden Herren wirklich überzeugt waren, daß das nationalsozialistische Programm schon nach sechs Wochen scheitern müßte, warum hätten sie dann eine solche Angst vor den Rationalsozialisten? Aber die Drahtzieher wüßten nur zu genau, daß das nationalsozialistische Arbeitsbeschafsungspro- grgmm, wenn die RSDAP. regiere, nicht scheitern, sondern daß eine nationalsozialistische Rez gierung es auch durchführen werde. Das jüdisch- liberalistische System, das sich aus Furcht vor dem Rationalsozialismus in die Arme der Reaktion werfe, wisse, daß man vor der grundlegendsten geistig revolutionären Entscheidung stehe, die jemals das deutsche Volk zu fällen hatte. Der innere seelische und geistige Aufbruch des deutschen Volkes sei da, als das sichtbare äußere Ergebnis des Kampfes Hitlers und seiner Bewegung.
Rach kurzen Ausführungen des Reichswahlleiters der RSDAP, Staatsminister a. D. Dr. Frick, über die technischen Wahlvorbereitungen und die Aufstellung der Wahlvorschläge wurde in die Sondertagungen der Landesinspektoren und Gauleiter, der nationalsozialistischen Haupt- fchriftleiter und der Verlagsleiter eingetreten.
In der morgigen Reichspropagandatagung, die sich mit der politischen Haltung und der Durchführung des Wahlkampfes befaßt, wird Adolf Hi tler das Wort ergreifen.
Der Deutsche Nationalverein zur Reichstagswahl.
Berkin, 5. Oft (ERD.) Der Vorstand des Deutschen Rationaldereins gibt zur kommenden Reichstagswahl seinen Freunden Richtlinien, in denen es heißt: Der Deutsche Rationalverein hat vor dieser Reichstagswahl den Versuch gemacht, die Parteien der bürgerlichen Mitte zusammenzuführen, um erneuter Zersplitterung vorzubeugen. Dieser Versuch ist mißlungen. Eigene Wahlbeteiligung an der
kommenden Reichstagswahl lehnt der Deutsche Rationalverein ab. Der Deutsche Rationalverein erwartet aber von seinen Mitgliedern und Freun- den, daß sie in ihrem bisherigen Wirkungskreis alles daransetzen, um zu verhindern, daß der Wahlkampf in der Hauptsache mit Erbitterung zwischen den Splittern der Mittelparteien geführt wird. Der Kampf hat den radikalen Parteien rechts und l i n k s zu gelten.
Gestörte Wahlversammlungen.
Essen, 5.Oft. (END.) In einer deutsch- nationalen Wahlversammlung im Städtischen Saalbau kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen dem Hauptredner, dem Reichstagsoizepräsidenten Graef und zahlreich er- schienenen Nationalsozialisten. Die Polizei mußte eingreifen und einige Störer aus dem Saale führen, unter ihnen den Führer der Essener Na- ttonalsoziatisten Zilkens. Die Nationalsozialisten stimmten darauf Kampflieder an und verließen schließlich die Dersammlung. — Auch in Berlin, wo die Deutschnationale Volkspartei acht Wahloer- sammlungen in den verschiedenen Stadtgemeinden veranstaltet hatte, kam es überall zu heftigen Lärm- szenen und Störungsversuchen durch nattonalsozia- listische Besucher. Die Störungen machten es in allen Fällen notwendig, daß die Polini eingreifen mußte, um einen ordnungsmäßigen . Ablauf der Versammlungen zu gewährleisten.
Das Zentrum und papen.
Kampf um eine Wahlplattform.
TU. M ü n st e r, 6. Oft In einer Versammlung des Alt-Windhorst-Dundes sprach Landtagsabg. Graf vonGalen über die Stellung des Zentrums zur Regierung von Papen. Bis jetzt habe das Zentrum noch feine Wahlparole. Richt ohne weiteres könnten die Zentrumswähler einer offiziellen Parole folgen. Es sei vielmehr ihre Pflicht, diese Parole mitzube stimmen. Brüning sei nicht gestürzt worden wegen einiger Dinge, die, wie die Siedlungsfrage, in seiner geplanten Rot- vervrdnung standen, sondern weil Hindenburg die große Bewegung des Rationalsozialismus in die Verantwortung einspannen wollte und weil in diesem Punkt Meinungsverschiedenheiten bestanden, zum mindesten über den Zeitpunkt, wann der Rationalsozialismus einge- sparmt werden sollte. Die verantwortliche Entscheidung Hindenburgs, der eine Rechtsregierung wollte, müsse anerkannt werden. Denn der Reichspräsident wollte damit zugleich d i e älebernahme der Gesamtmacht durch den Rationalsozialismus verhindern. Die Verhandlungen Papens mit Hitler über die Regierungsbildung seien an der Mehrforderung Hitlers gescheitert Das habe einen unerwarteten Er- folg gezeitigt: die Kraft der nationalsozialistischen
4. Fortsetzung.
Rachdruck verboten!
Und er durfte yichts gegen ihn unternehmen, mußte es dulden, daß er in sein Haus kam.
ilnb alles um diese Frgu, die vor drei Iahren in seinem Leben gewesen war und von der er heute noch nicht wußte, ob es von ihr nicht von allem Anfang an ein wohlüberlegtes, mit diesem Manne, der heute in seinem Hause war, abgekartetes Spiel gewesen war.
Vielleicht!
Vielleicht aber tat er ihnen auch unrecht!
Oder — ging das Spiel sogar so weit, daß Altendorf überhaupt nur hier in diese Stadt gekommen war, um sich an ihm zu rächen? Sich Zugang zu seinem Hause zu verschaffen?
Wie töricht Hilma auf diese ganze Angelegenheit hereingefallen war! Eie bezog des Sängers Interesse nur auf sich! Wie sie ja von jeher sich immer in den Vordergrund gedrängt hatte.
Was bezweckte Altendorf eigentlich?
Altendorf? Ein Künstlername!
Als er ihn vor drei Iahren kannte, war er Heinz Lerhoff. War er ein eleganter Weltenbummler! Lieh er im Gespräch durchblicken, daß er es nicht nötig habe, zu arbeiten, spielte dabei auf riesige Unternehmungen seines Vaters in Holland an.
Ein warmer, berauschender Abend in Baden» Baden. Die schöne Frau Rora Sellin ihm, Loh- ^arten. gegenüber auf der Terrasse des vornehmen
Vom Kurgarten klangen betörende Melodien herüber, und eine weiche, träumerische Stimmung war in ihm.
Seit Wochen waren sie nun täglich zusammen, ©eit vier wundervollen Sommerwochen.
Da tauchte Heinz Lerhoff auf! Der Sohn deS schärfsten Konkurrenten der Lohgarten-Werke! Er war bald genug der Liebling der Gesellschaft, rind der schönen Rora Sellin näherte er sich mit eleganter Selbstverständlichkeit.
llnb — sie ließ ihn abfallen! Sie zeigte ganz offen, baß Jic seine Gesellschaft nicht mochte, lind Hemz Lerhoff lächelte höhnisch.
Dann kam die schwere Auseinandersetzung der beiden Herren an jenem Dallabend, und eS kam der Augenblick, wo Heinz Lerhoff sagte:
.Ich weiß nicht, was Sie wollen, Herr Loh- Ufr1 toUl '* na^rc "üch meiner Frau, so viel »Ihrer Frau? Ist Rora Sellin Ihre Frau?"
Bos SM loiiö Den Ski
Roman von Gert Nothberg.
Copyright by Martin Feuchttoanger, Halle (Saale)
„Ia! Cs hat einen kleinen Zank zwischen uns gegeben; ich bin ihr nachgereist — noch zwei bis drei Tage und ich werde meine Frau küssen, so viel ich will."
Fritz Lohgarten hatte sich steif aufgerichtet.
„Verzeihung! Mir wurde Frau Lerhoff als Rora Sellin und als junge Witwe bezeichnet." „Ach ja, Rora liebt schon immer solche Sachen. Unb mir macht sie' Spaß. Aber nun werden Sie doch einsehen, daß..."
„Gewiß, Herr Lerhoff, ich habe längst eingesehen. Und — ich reise noch heute ab."
„Wie Sie wünschen. Mich hätte Ihre Anwesenheit in Baden-Baden durchaus nicht gestört. Doch — wir haben noch eine Kleinigkeit zu besprechen. Ihre Firma hat mit der Orsleh-Com- Pany Verträge geschlossen?"
„Ich wüßte nicht, wie ich dazu käme, Ihnen Rede und Antwort zu stehen", hatte Lohgarten verächtlich erwidert.
Ieht schon wußte er, in was für eine raffinierte Falle er gegangen war.
Der andere klemmte das Einglas ein, lachte hohnvoll.
„Richt? Ich denke aber doch, daß Sie sich be- hnnen werden. Ich würde es mich etwas kosten lassen, mein Herr!"
Ohne ein weiteres Wort verließ Lohgarten das Zimmer. Am anderen Morgen, als er packte, fap er ruxb einmal seine wichtigen Papiere durch'
™ ?Ä^ge mit der Orsleh-Company fehlten! Gestohlen!
L^hoff hotte sie ihm gestohlen! Kein <3tocifel — sie, nur sie konnte es getan haben.
Em ungeheurer Ekel packte ihn. So also arbeiteten heute Menschen, die um jeden Preis zum Ziele kommen wollten.
Was sollte jetzt geschehen?
Der Generaldirektor der Orsleh-Company war bereits vor einigen Tagen abgereift. Die ganzen, wochenlangen Verhandlungen in Baden-Baden waren umsonst; er hatte nichts mehr in Händen Und die Firma Lerhoff würde nicht zögern, die nunmehr geschaffene Situation gründlich auszu- nühen.
Ein Telegramm nach dem andern jagte er hinüber in die Staaten, ohne eine Antwort zu erholten. Aber in den Dörsenzeitungen las er von der Verbindung der deutschen Firma Lerhoff mit der amerikanischen Orsleh-Company I
Cin Schaden, der ihn ruinieren konnte.
Es kam nicht dazu! Aber es wußte keiner von den vielen durcharbeiteten Rächten des Chels der Lohgarten-Werke.
Er schaffte es! Der Schurkenstreich hatte ihm das Lebensmark nicht genommen. Aber es blieb eine wunde Stelle im Herzen Fritz Lohgartens.
Daß er sich in einer Frau so hatte täuschen können, das verzieh er sich nie!
Und nun tauchte der Mann, der durch ein verächtliches Manöver ihn damals hatte schädigen wollen, plötzlich hier in dieser Stadt auf. Rein, in sein Haus hatte er sich geschlichen. Er war heute ein berühmter Sänger!
Richtig, der Mann hatte damals in Baden- Baden anläßlich des Geburtstages des reichen Rumänen in einer Herrengesellschaft einige Lieder zum besten gegeben. Und er erinnerte sich auch, daß man Lerhoff den guten Rat gab, sich mit dieser wunderbaren Stimme Geld zu verdienen. Aber er hatte nur gelacht. Ihm, Loh- garten, war dieses Lachen- da als unsympathisch und eitel erschienen, trotzdem er ihn kaum kannte. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte er ja noch keine Ahnung gehabt, daß Rora Sellin die Frau dieses Mannes sein könnte.
Was wollte Lerhoff, oder wie er sich jetzt nannte, von ihm? Denn er wollte doch wieder etwas. Mit einem ganz bestimmten Ziel war er hierhergekommen!
Aber er sollte ihn gewappnet finden.
Die Lerhoffs schienen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die alte Firma Lohgarten zugrunde zu richten. Es würde ihnen jedoch nicht gelingen. Riemals würde es ihnen gelingen!
Fritz Lohgartens Züge wurden hart. In den Hellen, blauen Augen brannte es.
"Seine Freunde würden jetzt gesagt haben: „Aha, jetzt nimmt Lohgarten sich etwas aufs Korn! Ietzt kann der andere sich freuen!"
Fritz Lohgarten richtete sich hoch auf. Seine nervige, gestählte Hand strich über die heiße Stirn. Einen kurzen Augenblick noch des Rachdenkens, dann ging der Chef der Lohgarten-Werke wieder zur Gesellschaft zurück.
Drittes Kapitel.
„Dedaure sehr, Mama, ich kann dir da keinerlei Ausschluß geben — nur soviel, daß ich nicht wünsche, daß Altendorf in meinem Hause verkehrt."
Frau Lohgarten war außer sich. Oder, besser gesagt, sie tat so! Innerlich triumphierte sie nämlich.
Fritz war eifersüchtig! Er war eifersüchtig auf ben Sänger, weil der sich so auffällig um Hilma bemüht hatte.
Vornehm-lässig hob sie die Schultern.
"■^Kin lieber Sohn, ein bißchen näher wirst du M^ voch erklären müffen. Schließlich bin ich als IHutter bod) erfreut, wenn ein solch berühmter
uch um Hilma bewirbt. Daß er bai tut, paben alle unsere Gäste am gestrigen Abend fest- stellen können."
hätte gewünscht, Hilma wäre zurückhaltender gewesen."
Äaum hatte er es gesagt, bereute er eS auch fajon. Denn er sah das strahlende Lächeln seiner
Bewegung sei gebrochen und, weil der Ratio» nalismus der Verlierer sei, sei er so zahm ge* worden, daß er sogar Verhandlungen mit dem Zentrum begonnen habe und sich auf den Boden der parlamentarischen Demokratie stelle.
Was das Regierungsprogramm angehe, so müsse auffallen, daß die Reichsregierung sich so entschieden zu christlichen Grundsätzen bekenne. Das Agrarprvgramm der ReichSregierung sei zu billigen, während das s v - zialpvlitische Programm im Hinblick auf die generelle Ermächtigung zu schweren Bedenken Anlaß gebe. Beim Wirtschaftsprogramm sei entschieden Mitarbeit erwünscht, um insbesondere den arbeitenden Schichten bald wieder zu einer besseren Lage zu verhelfen. Auch dem kulturpolitischen Programm müsse man weitgehend zustimmen. Eine Tolerierung des Regierungsprogramms durch das Zentrum werde aber bisher für unmöglich erklärt. Der Parteivorstand habe eine programmatische Kundgebung in Aussicht gestellt, die Prälat Kaas am 14. Oktober in Münster verkünden soll. Diese Kundgebung solle die klaren Linien der zukünftigen Zen- trumspolitik enthalten und die Plattform für den Wahlkampf bilden. Die katholische Arbeiterschaft stehe geschlossen zu den Parolen des Par- teivorstandes, wohingegen die Zentrumswähler zum größten Teil ganz anders eingestellt feien. Sie fäben in dem Kampf gegen das Kabinett Papen den Kampf um die Rettung der formalen Parlaments- demvkratie und verständen infolgedessen nicht die Verhandlungen mit den Rationalsozialisten. Diese Wähler wünschten, daß das Zentrum das Kabinett Papen toleriere und daß man in dieser Stunde, wo es um die Zukunft des Da> terlandes gehe, m i t a r b e 11 c. Sie forderten eine starke Staatsautorität und ständen geschlossen hinter dem Reichspräsidenten.
DieKandidatenliste derDVp.sürHeffen
Frankfurt a. W., 5. OIL (WER.) Der Landesausichuh der Deutschen Dolkspartei des Wahlkreises Hessen-Darm st adt trat heute in Frankfurt zu einer Sitzung zusammen und stellte für die Reichstagswahl folgenden Wahlvorschlag auf: 1. Rechtsanwalt Singel- dey - Berlin, 2. Bürgermeister Dr. Riepoth - Schlitz, 3. Lehrerin i. R. Frl. (Birnbaum- Gießen, 4. Metzgermeister Becker- Offenbach, 5. Landwirt Pfeiffer- Schwabei heim (Rhein- Hessen). 6. Fabrikant Heyne, Regierungsrat a. D., Offenbach, 7. Polizeiverwaltungssekretär Ahl- Darmstadt, 8. städtischer Angestellter Heu- lohn- Darmstadt.
Hindenburgs Geburtstag in der italienischen presse.
In einem Geburtstagartikel der „I r i b u n a* heißt es: das Leben Hindenburgs war ein einziger Weg der Treue und Pflichterfüllung. Als er in dem schweren Augenblick des Jahres 1925 noch einmal auf feine Ruhe verzichtete und die Verantwortung für das Reich auf sich genommen habe, habe er zweifellos überraschende staatsmännische Gaben entwickelt. Der Aufsatz fährt dann fort: über Hindenburg als Staatsmann endgültig zu urteilen fei jedoch noch zu früh, die Geschichte werde zeigen, ob er mit dem Ausschluß Hitlers und seiner jungen Bewegung denselben Weitblick bewiesen habe, wie auf dem Schlachtfeld von Tannenberg.
Nachprüfung der Lage des Gelsenkirchener Konzerns.
B e r 11 n, 6. Ott. (CNB. Funkspruch.) Amtlich wird bestätigt, daß der Mitinhaber des Bankhauses Hardy & Co., Bankier von Flotow, im Auftrage der Reichsregierung dieLage der Gelsenkirche- ner Bergwerks AG. an Ort und Stelle nach-
Stiefmutter, und er wußte, daß sie ihn jetzt falsch verstanden hatte.
Frau Lohgarten trat zu ihm, legte die Hand auf seinen Arm und sagte mit süßem Lächeln:
„Das heißt also, daß du bereit bist, meinen innigsten Wunsch zu erfüllen?“
„Rein! Davpn kann keine Rede sein. Ich wollte nur sagen, daß Hilma mit ihrem allzu großen Entgegenkommen dem Sänger gegenüber sich nur unnötig dem Gespött ausseht", sagte er hart.
Verletzte Eitelkeit und wilde Empörung schüttelten sie. Fast keuchend sagte sie.
„Es geht dich nichts an, was Hilma tut. Äach- dem du sie verschmähst, kann es dir ganz gleich sein, w?n sie heiratet."
„Gewiß! Ich möchte dich aber bitten, in vier Wochen in unsere Villa am Pfeilsring überzu- siedeln. Mit Hilma! In meinem Hause bin ich der Herr, und ich allein bestimme, wer eingeladen wird."
Fassungslos sah sie ihre Macht diesem Manne gegenüber vollständig vernichtet. Im Grunde genommen aber hatte sie ja niemals irgendeine Macht über ihn besessen. Er war nur viel zu gutmütig gewesen, um ihnen groß hineinzureden, wenn sie sich etwas wünschten oder wenn sie irgend etwas veranstalten oder besuchen wollten. Ietzt aber handelte es sich um Schwerwiegende». Wenn sie sich seinen Wünschen nicht fügen wollten, bann war es besser, sie hatten ihren Haushalt für sich.
„Unerhört!" Frau Lohgarten muhte sich, eine hohcitsvolle Haltung xu zeigen. Dann fuhr sis fort: „älnd das wagst du mir zu bieten?"
„Gewiß! Ich sehe keinen andern Ausweg."
„Und wie hast du dir die finanzielle Regelung gedacht?"
Er nannte ihr die Summe, die er ihnen monatlich zur Verfügung stellen wollte.
Eine ganze Weile war Frau Lohgarten sprachlos, dann aber sagte sie außer sich:
„Einen solchen Bettel wagst du uns anzubieten? Davon können wir nur ganz bescheiden leben.“
„Gewiß! Cs ist aber immer noch dreimal so viel wie das, was du zur Verfügung hattest, ehe mein Vater dich zur Frau nahm. Es war mir hier schon immer zu viel. In einer solchen Zeit, too andere Menschen hungern und darben, sind glänzende Festlichkeiten nicht angebracht; aber ich habe euch eben um des lieben Friedens willen leben Wunsch erfüllt. Was diesen Herrn Alten» dvrf anbetrifft, muh ich unerbittlich bleiben. Er betritt mein Haus nicht mehr."
„WaS sollen die Menschen dazu sagen? Sie haben es doch schon gestern feftgefteUt, wie du Herrn Altendorf gegenüber stehst , sagte sie, und sie wußte nicht, was jetzt zu tun sei.
(Fortsetzung folgt.)


