Nr. 156 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 6. Zull' 1932
Aus dem Reiche der Frau.
Serien daheim!
Don Margret Halm
Ferien daheim — Sie meinen, das wäre nichts Rechtes? Oho! Da müssen wir energisch widersprechen. Man muß es nur verstehen, sich auch tatsächlich daran zu halten, daß bald „Ferien" sind und den ganzen Haushalt darauf einstellen,' dann kann das sogar wunderschön sein. Gewiß hat das Der- reisen manchen Vorzug, zumal, wenn man ein Bad auf sucht mit heilkräftigen Quellen, Gebirgs- oder Seeluft zur Kräftigung des Organismus atmen soll. Sich erholen aber, ausruhen und als gesunder Mensch neue Kräfte sammeln, das kann man sehr wohl auch zu Hause.
In den Händen der Hausfrau liegt es, den Ihren daheim zwei ober drei richtige Ferienwochen zu gestalten. Wie zu einer Ferienreise sind auch hierfür mancherlei Vorbereitungen zu treffen. Vor allem ist die Hausarbeit so einzuteilen, daß vor den Ferien große Wäsche, Bügelei, Putzerei und Näherei so erledigt wird, daß man einmal 14 Tage lang auskommt, wenn man nur das unbedingt Nötigste erledigt. Bewußt wird mal in dieser Ferienzeit alles kurz gemacht, um möglichst viel freie Zeit zu gewinnen. Da muß man auch mal etwas „liegen sehen" können.
Schon bevor die Ferien beginnen, hat man sich ein Programm gemacht für Ausflüge und Spaziergänge, die man dann aber auch pünktlich unternimmt. Als wäre es Sonntag, verläßt man am festgesetzten Morgen das Haus, im Rucksack den Tagesproviant und kommt vor Abend nicht zurück. Für den nächsten Tag ist badengehen angesetzt. Wieder wird der Haushalt so rasch wie möglich erledigt. Jeder hilft ein bißchen, man hat ja sonst nichts zu tun, und Mutter soll auch entlastet sein und Ferien haben. Und wieder geht es möglichst für den ganzen Tag in eines der Fluß- oder Strandbäder, die es heute überall gibt. Dieses Den- ganzen-Tag-Unterwegssein hat den großen Vorteil, daß es daheim keine Kocherei, kein Geschirr und keinen Schmutz im Zimmer gibt. Ist das Wetter nicht so günstig, tann man auch mal daheim gemütliche Stunden schaffen. Vielleicht hat man sich mit guten Freunden verabredet, gleichzeitig „Ferien" zu machen und verbringt manche gemütliche Plauder-, Kaffee- und Abendstunden gemeinsam. Stunden zum Lesen sind festgesetzt, man kommt einmal ans Briefschreiben, ans „Kramen", kommt einmal zu sich selbst. Besucht auch einmal Stätten der Kunst oder historische Sehenswürdigkeiten in ber eigenen Sterbt, zu welchen man ja bekanntlich nur kommt, wenn man Besuch hat oder Fremde führen muh. Ei, da wird so mancher erst einmal entdecken, wie schön er‘s eigentlich zu Hause hat! Dor lauter Hasten und Jagen im Alltag hat man das gar nicht bemerkt. Nur muß die Mutter wirk- lich mittun: schickt sie in der bekannten Art Mann und Kinder allein oder sagt, sie sollen nur schon vorausgehen, sie will erst alles in Ordnung bringen — kommt nach — erwartet sie bann wieder daheim — kann sich nicht dazu bringen, fünf gerade " sein zu lassen — dann ist es nichts mit den Fen en daheim — bann ist es verfehlt und bringt nur Merger und Verstimmung, was, roenn's die Mutter einzurichten weiß, wahre Erholung, innere Einkehr und neue Harmonie unter den Familienmitgliedern bringt, und in diesem Sinne schöner und nutzbringender sein kann als die teuerste Sommerreise.
Bubi will nicht frühstücken.
Eine ständige Sorge vieler Mütter.
Dis Dubi in die Schule kam, wußte er gar nicht anders, als daß man morgens seine Milch zu trinken und mindestens ein Brötchen dazu in das kleine Mäulchen zu stopfen hatte. Wenn das mit Marmelade schön bestrichen war, so sah man dann davon die Spuren — man frage besser nicht wo. Aber das war eine Sache für sich und Mutti hätte das gern in Kauf genom
men, wenn er bloß, nachdem er nun in die Schule kam, sein Brötchen weiter essen wollte. Aber nein — wie auf Kommando hört das auf. Einmal ein Schulkind, wollte er einfach vom Frühstück nichts mehr wissen. „Keine Zeit", ist die liebste Erklärung dafür, daß man ungefrühstückt davonspringt, ilnb wenn man auch vorher noch so lange herumge trödelt hat. Mit knapper Rot gelingt es, die Tasse Milch ihnen einzureden — einzuschütten! Brötchen — unmöglich.
Dann aber, nach einer Stunde, wird es ihnen plötzlich flau, und sie wissen nicht warum Passen nicht auf, sind müde, geben schlechte Antwort, versagen bei dem, was sie gut gelernt haben, und was ihnen eigentlich gar keine Mühe macht. Dann gibt es schlechte Boten — Strafarbeit — Tränen, und niemand ahnt den wahren Grund.
So ungeheuer wichtig ist es, daß das Schulkinp fein erstes Frühstück richtig zu sich nimmt. Das wird durch die Schulsemmel nicht erseht und auch das Schulfrühstück, das dort verabreicht wird, ist meist kein vollgültiger Ersatz. Die Stunden, die nüchtern verbracht wurden, zehren soviel Kräfte auf, die holen sich nicht nach.
Mutti muh alles daransetzen, das Kind zum ersten Frühstück zu bewegen, llnö wenn es das Marmeladebrot nicht tut, so rutscht vielleicht ein Käsebrot besser hinunter. Sehr gut ist es, zum ersten Frühstück Kakao zu geben, so ist schon etwas Kraftspendendes in der Milch enthalten. Man kann es mit Suppen versuchen, mit Brei, was das Kind nun lieber mag, und wenn man auch gerne mit Strenge „von Erziehung wegen" sagen möchte: „Cs wird gegessen!!!", so soll man lieber nicht zu hartnäckig auf seinem Willen bestehen, und wenn das Kind zu etwas anderem mehr neigt, ihm lieber seinen Willen lassen, um das Wichtigste zu erreichen — nämlich, daß es überhaupt zum ersten Frühstück etwas genießt.
Stelle deinem Schulkind fein Frühstück nicht irgendwohin, sondern frühstücke mit ihm, das regt seine Eßlust an. Sprich nicht während des Frühstücks mit ihm von der Schule, gar von den Schularbeiten. Denn zweifellos ist es die Schulerregung, die ihm den Appetit verschlägt. So läßt man eben am besten das heikle Thema für die Dauer des Frühstücks aus dem Spiel. Frühstück muh fein.
Die Heilwirkungen der Wasserkur.
Ein Kapitel für Aerzte und Laien.
Don San.-Rai Or. Albert Schalle.
Es ist das erstemal, daß ein erfahrener Mediziner, San.-Bat Dr. Schalle, der bekannte und verdiente Kurarzt Bad Wö- rishofens, eine umfassende, wissenschaftlich begründete Darstellung der Kneippschen Heilmethode gibt. Mit Erlaubnis des Verlags Knorr & Hirth, München, entnehmen wir seinem Buch „®ie Kneippkur — die Kur der Erfolge", von dem heute bereits innerhalb kurzer Zeit eine neue erweiterte, illustrierte Ausgabe vorliegt, den folgenden interessanten Abschnitt:
Ein rationeller Gebrauch des Wassers ist der ureigenste, natürlichste Heilfaktor, dessen sich die Menschheit feit den ältesten Zeiten bediente.
Die Hydrotherapie (Wasserheilkunde) ist aus der Empirie (Erfahrung) hervorgegangen. Auch Kneipp hat fein Wasserheilverfahren durch langjährige Erfahrung und Erprobung, zunächst an sich selbst, entwickelt und nach und nach zu dem großartigen System ausgebaut, das wir heute bewundern. „30 Jahre lang", schreibt er, „habe ich sondiert und jede einzelne Anwendung an mir selbst probiert." „Dreimal sah ich mich veranlaßt, mein Wasserheilverfahren zu ändern, von der Strenge zur Milde, von großer Milde zu noch größerer herabzusteigen... Derjenige wendet das Wasser mit den vorteilhaftesten Wirkungen und sichersten Resultaten an, welcher es in der einfachsten, leichtesten, schuldlosesten Form zu gebrauchen weih."
Es entsteht nun die Frage: Wie wirkt dieses Heilmittel? Auf welche Weise bewirkt das Wasser die Heilung der Krankheit? Kneipp gibt als Antwort: durch die drei Eigenschaften des Wassers: auf lösen, ausleiten, kräftigen, und er sagt: „Untere Wasserkur heilt alle überhaupt heilbaren Krankheiten, denn die verschiedenen Wasseran- wendungen zielen darauf ab, die Wurzeln der Krankheiten zu beseitigen, indem sie 1. die Krankheitsstoffe im Blut auf lösen, 2. das Aufgelöste ausscheiden, 3. das gereinigte Blut wieder in die richtige Zirkulation bringen und 4. den geschwächten Organismus kräftigen und abhärten."
Damit hat der geniale Begründer die vielseitige, tiefe Totalwirkung seiner Wasserkur in kurzen, inhaltsreichen programmatischen Erklärungen dargelegt. Beachtet möge dabei besonders werden, welchen Rachdruck und Wert er auf die
peinlich genaue und milde Art der Anwendungen legt. Das von Gegnern oft so abfällig gebrauchte Wort von der Kneippkur als einer „Roßkur, Gewaltkur" erledigt sich so durch den Ausspruch des Meisters selbst
Wenn wir nun in kurzen Zügen die wissenschaftliche Begründung der Heilwirkung der Wasserkur darzulegen versuchen, so ist von vornherein zu betonen, daß die Wirkungen der Wasseranwendungen auf den menschlichen Körper auherordentlich komplizierte, und die obwaltenden physiologischen Vorgänge noch vielfach ungeklärt find, ©an* allgemein beruht die Wirkung darauf, daß wir die verschiedensten Temperaturgrade an die Haut heranbringen, daß wir damit einen Reiz auf die Haut und durch diese auf den ganzen Körper ausüben, der je nach Temperaturunterschied, Dauer der Anwendung und Empfänglichkeit des Körpers verschieden ist. Dieser Reiz ist ein mehrfacher, und zwar 1. ein mechanischer Berührungsreiz, 2. ein thermischer (Temperatur-) Reiz, 3. ein chemischer, der aber weniger von Bedeutung ist.
Den Hauptangriffspunkt der Reize bildet die Haut, die bekanntlich nicht eine einfache schützende Decke, sondern ein lebenswichtiges Organ dar- stellt, das im Wärmehaushalt, in der Regelung der Körpertemperatur und Regulierung des Gesamtstoffwechsels eine große Rolle spielt. Die Haut ist mit ihren zahlreichen feinen Rervenendigun- gen ein kompliziertes Aufnahme- und Schaltwerk für zahllose biologische Reflexvorgänge. Durch die thermischen und mechanischen Reize auf die Haut werden eine ganze Anzahl von Körperfunktionen in ihrem Ablauf verändert. Durch die Beeinflussung der Organfunktionen, der Zirkulation, der Atmung, des Wärmehaushaltes, des Stoffwechsels, der Drüsenfunktionen, der Blutzusammen- sehung usw. kommt es zu Reaktions- und Ausgleichsvorgängen. welche eine gänzliche „Umstimmung" des Organismus Hervorrufen. In dieser Umstimmung und den sie bewirkenden Ausgleichsund Abwehrvorgängen ist die eigentliche Heilwirkung der Wasserkur zu erblicken.
Kaltwasseranwendungen bewirken zunächst eine Verengung der Hautgefäße. während gleichzeitig dem Körper Wärme entzogen wird. Bald tritt eine Gegenwirkung, eine Reaktion ein: die Blutgefäße erweitern sich, die Haut wird rot, ein angenehmes Wärmegefühl breitet sich aus. Diese
Reaktion erfolgt um so rascher, je kürzer und je stärker der Kältereiz ist.
Wie die anderen physikalischen Heilmethoden (Einwirkung von Licht, Luft, Elektrizität. Massage usw.) will auch die Wafserheilkunde einen Reiz auf die Haut und ihre Organe ausüben, sie dadurch zu einer Reaktion. Gegenwirkung zwingen. Die Herbeiführung einer vollkommenen Reaktion ist demnach ein Hauptziel der Wasserkur. Aus der Art der Reaktion Der Haut ist der Erfolg der Wasseranwendung ersichtlich. Der äußerlich sichtbare und subjektiv vom Patienten wahrnehmbare (Rötung, Erwärmung der Haut) Eintritt der Reaktion ist Vorbedingung für die Bekömmlichkeit der Kaltwasseranwendung. Es ist angesichts der Wichtigkeit der Reaktion von Bedeutung. zu wissen, durch welche Hilfsmittel der Eintritt der Reaktion begünstigt werden kann (z. D. bei blutarmen, schwächlichen Personen).
Das erste derartige Hilfsmittel ist die Sorge für genügende vorherige Erwärmung durch Bewegung, Muskelübung, Reiben, Frottieren usw. Der dadurch bewirkte sogenannte mechanische Reiz dient dem Zweck der reaktiven Erwärmung. Außerdem wird durch die Kürze der Anwendung und durch die Intensität der Kältewirkung der Eintritt der Reaktion gefördert. Es ist ein Irrtum. anzunehmen, daß die Reaktion durch lauwarme Prozeduren in schonenderer Weise hervorgerufen werde als durch kalte. Es kommt aber nicht allein auf den Kältegrad des Wassers an, sondern auch auf den Kontrast gegen die vorherige Temperatur der Haut. Je größer dieser Kontrast, desto stärker die Reaktion. Mit dem ihm eigenen Feingefühl für physiologische Vorgänge hat Sebastian Kneipp die heutigen wissenschaftlichen Ergebnisse in seinem Wasserheilverfähren längst vorausgesehen und eingeführt.
Die Kaltwasseranwendungen wirken nicht nut auf den Blutkreislauf sondern vor allem auf die Wärmebildung des Blutes ein. auf den Wärmehaushalt und damit auch auf den Stoffwechsel. Wenn man bedenkt, daß das Gebiet der feinen Blutgefäße der Haut (Kapillaren) eigentlich der Ort des Stoffaustausches, das Zweckorgan des ganzen Kreislaufes ist, und daß diese Organe vor allem durch Wafseranwendungen Anreiz zu erhöhter Funktion erfahren, so leuchtet Wohl ein, daß eine rationelle Wasserkur auf den Wärmehaushalt, auf den ganzen Stoffwechsel eine mächtige Einwirkung haben muß. Durch wirksame allgemeine Kaltwasseranwendungen wird der sogenannte respiratorische (Atmungs-)Stoff- wechsel erhöht, die Derbrennungsvorgänge in den Muskeln werden gesteigert. Es ist nachgewiesen. daß nach Kaltwasseranwendungen (ebenso durch heiße Anwendungen) die Ausscheidung von Säuren und Salzen aus dem Blute vermehrt wird. So wirkt die Beeinflussung der Haut im Sinne einer Entsäuerung, Entgiftung des Blutes. Krankheitsstoffe werden aufgelöst und die zur Lösung gebrachten ausgeschieden. Hand in Hand damit geht die Beeinflussung der Dlutzusammen- setzung. Es ist nachgewiesen, daß unter dem Einfluß der Kaltwasserkur der Hömoglobingehalt (Farbstoff gehalt) des Blutes, die Zahl der roten Blutkörperchen wächst. Demerkenswerterweise steigt dabei gleichzeitig auch die Bildung der Abwehrstoffe des Blutes.
Die bisherigen Ausführungen dürften genügen, um zu zeigen, daß das Gebiet der rationellen Wasserkur in seiner theoretischen Begründung und praktischen Handhabung kein einfaches, leicht lösliches Problem darstellt, wie so oft von Aerzten und Laien angenommen wird. Der ganze Ernst des tiefen Beobachters, das ganze Rüstzeug der wissenschaftlichen Schulung, das intuitive Verständnis für medizinische Belange und nicht zuletzt die innerste Liebe zur Sache, die ehrliche Begeisterung für das Ideale und Wahre tut not, um dieser Dehandlungsweise feine Kräfte, fein Leben zu widmen, dieser Therapie, die keinen oberflächlichen Schematismus kennt, sondern streng sachlichen Individualismus, Treue im Kleinen fordert.
Gesunde Ernährung im Gommer.
Don Johanna Kalbfleisch, Gießen.
Es wird von ärztlicher Seite so viel über die Wichtigkeit der pflanzlichen Rahrung und des Obstgenusses besonders während der Sommermonate geschrieben: und doch gibt es noch sehr Diele Menschen, die sich nicht dazu bekehren lassen wollen. Meistens muß es ein körperliches Leiden fein, das den Menschen zum ilebergang zu ber nahn> gemäßen Lebensweise zwingt. Man muß ja auch nicht gleich fanatischer Rohköstler oder Vegetarier werden. Vielmehr ist ein krasser liebergang zur Rohkost oft gar nicht gut, er kann sogar zu ernsthaften Störungen führen. Jedenfalls soll man eine ausschließliche Rohkostdiät nur unter Aufsicht des Arztes machen.
Es gibt aber viele Möglichkeiten, auch überzeugte Fleischesser nach und nach zum mindesten an Gemischkost zu gewöhnen. Man beginnt beim Mittagessen am besten mit einet Vorspeise aus rohem Obst oder Gemüse. Dazu eignen sich alle Gemüse- und Obstsalate, Kaltschalen und Fruchte- Diätspeisen, von denen einige Rezepte am Schluß folgen werden.
Als Beikost zu Fleisch und Kartoffeln gibt man eine Rohkostplatte. Es genügen drei- bis viererlei Gemüse, z. B. Tomate, grüner Salat, Rettig, Gurkensalat Oder: Tomate, Gurke, gelbe Rüben, Kohlrabi. Ober: grünet Salat, Blumenkohl, Tomaten, Gurke, Rabiese.
Man richtet auf einer Platte jedes Gemüse getrennt an. Wurzelgemüse werden geraspelt. Blattgemüse und grüne Bohnen klein geschnitten. Tomaten und Gurken in Scheiben geschnitten. Alle Gemüse beträufelt man mit Zitronensaft und Oel unb bestreut sie mit gewiegten Kräutern. In bie Mitte ber Platte stält man ein Schälchen mit Mayonnaise, von ber sich bei Tisch jeher nach Belieben unter bas Gemüse mischen kann.
Run sagen viele Hausfrauen: „Es ist mir zu viel Arbeit". Auch bas ist zu wiberlegen. beim bei ben Rohgemüsen spart bie Hausfrau bie Kochzeit, unb an bas Anrichten berfd)iebener Gemüse wirb sie sich gewöhnen unb sehr halb Hebung barin haben. Das Abenbbrot ist auch ohne viel Arbeit, sehr abwechslungsreich zu gestalten. Es empfiehlt sich eine Mischbutter zu bereiten, die auf Brot gestrichen mit verschiedenem Belag sehr
gut mundet. Zur Kräuterbutter schmecken sehr gut Tomatenscheiben, Eierscheiben, Radiese und Rettig. Zu Rettigbutter Tomatenscheiben, Gurken, Radiese und Schnittlauch.
Ist man an warmes Abendessen gewöhnt und will man Kartoffelreste verwerten, so schmeckt vorzüglich zu Röstkartoffeln Salat und Rührei mit gewiegten Kräutern, oder Rührei mit Tomatenscheiben garniert und mit Schnittlauch bestreut, ober grüne Soße mit gekochten Eihälften, ober Tomatensalat garniert mit gekochten Eivierteln unb Schweizerkäse.
Dor allem soll aber bie Früchte-Diatspeise erwähnt werden. Sie kommt als Frühstück ober Abenbbrot in Betracht unb ist bei Kindern wie Erwachsenen sehr beliebt.
Sehr wichtig ist auch bei Rohkost die Abwechslung, unb bas ist ja bei unserem Reichtum an Gemüsen unb Obst nicht schwer.
Gemischte Früchtekaltschale. V8 Liter alkoholfreier Obst- ober Traubenwein, 15 Gramm Zucker, 2 Eßlöffel Zitronensaft. 100 Gramm zerschnittene Erbbeeren, 100 Gramm zerschnittene Himbeeren. 1 Eßlöffel süßen ober sauren Rahm. Wein. Zucker, Rahm unb Zitronensaft werben gemischt, bie Früchte bazu gegeben unb sofort serviert. Als Beigabe Zwieback.
Erbbeer-Kaltschale. 1 Pfunb Erbbeeren wird durch die Fruchtpresse gegeben, 2 Aepfel feingeschnitten, 1 Apfelsine in Scheiben geschnitten, 2 Bananen in Scheiben geschnitten, Saft einer halben Zitrone, 1 Teelöffel Zucker unter das Erbbeermark gemischt unb sofort zu Tisch gegeben.
Grüne Soße. 1 Taffenkopf bider saurer Rahm. 1 Tassenkopf Oel, Saft von 1 bis 2 Zitronen, etwas Salz, 3 Eßlöffel gewiegte Kräuter, 2 hartgekochte, gehackte Eier. Alle Zutaten werben gemischt, in eine flache Schüssel gegeben unb gekochte Eihälften barin angerichtet. Mit Ra» bieschen unb Tomatenvierteln garniert.
Apfel-Diätspeise. 2 mittlere Aepfel werben mit einem Tuch gut abgerieben, von Stiel und Blüte befreit und mit ber Schale unb bem Kerngehäuse geraspelt. Dann fügt man ben Saft einer halben Zitrone, 2 Eßlöffel biden Rahm ober Milch, 1 Teelöffel Zucker und 1 Eßlöffel Haferfloden, die 12 Stunden in 3 Eßlöffel Wasser geweicht haben, hinzu und bestreut das ganze mit geriebenen Rüssen. Statt ber Hafer» flocken kann man auch ein Butterbrot bazu essen.
Diese Diätspeise kann man auch von allen an- beren Früchten bereiten.
Apfel-Sellerie-Dorspeise. 1 großer Apfel, eine halbe mittlere Sellerieknolle werben gerieben unb mit bem Saft einer halben Zitrone, 2 Eßlöffel biden Rahm ober Milch gemischt und mit feingeschnittenen Radieschen unb Salatherzen garniert.
Kräuter-Butter. Vz Pfunb Butter wirb zu Sahne gerührt, mit 3 Eßlöffel gewiegten Kräutern gemischt unb mit Selleriesalz abge* schmeckt.
Rettig-Butter. V? Pfunb Butter zu Sahne gerührt, mit 3 Eßlöffel geriebenem Rettig, 1 Teelöffel Zitronensaft, etwas Kräutersalz unb ganz wenig geriebenem Knoblauch gemischt.
Kann man auch aus Süßkirschen eine feste Mnnelade bereiten?
Von E Müller, Gewerbeoberlehrerin.
Wenn man bisher eine Kirsch-Marmelade kochen wollte, so nahm man dazu immer Sauerkirschen, weil diese besser steif wurden. Süßkirschen ocr- toanbten die Hausfrauen zur Marmeladenbereitung überhaupt nicht, höchstens in Verbindung mit gutgelierenden Johannisbeeren. In den meisten Fällen jedoch erhielt man auch dann nicht mal eine feste Masse, sondern mehr einen dicklichen, zerfliehlichen Sirup, der auch im Geschmack infolge ber manchmal ftunbenlangen Kochzeit keine große Freube bereitete. Das ist nun eigentlich besonbers schade: denn eine aus süßen Kirchen hergestellte Marmelade ist, wenn sie gelingt, viel feiner, viel geschmackvoller und nicht zuletzt billiger als eine Marmelade aus Sauerkirschen.
Ich arbeite feit drei Jahren nach einem Rezept, bas mir bamals von einer Bekannten übergeben würbe und für das ich ihr noch heute dankbar bin. Man nimmt dunkle, süße Kirschen, wäscht, entsteint und entstielt sie und wiegt darauf genau 3 Pfivio ab. Run zerschneidet man die Kirschen aufs feinste, nur ein Zerdrücken mit dem Holzstampfer genagt meist nicht: am besten ist es, die Früchte durch die Fleischmaschine zu drehen. Hierauf fugt man V< Liter = Vz Pfund Wasser hinzu unb ferner 3 ,, Pftinb Zucker. Dieses Gemisch von zusammen 7 Pfunb wirb nun unter Rühren §um Kixhen ge- bracht. Rachdem das Kochen grunblich brausend
eingesetzt hat, sieht man auf die Uhr unb läßt genau zehn Minuten stark durchkochen — nicht kürzer —; wenn es eine Minute länger dauert, so schadet dies nichts. Hat nun die stark wallende Kochung zehn Minuten angehalten, so rührt man eine Flasche Opekta. welche 86 Pfennig kostet, sowie den Saft einer Zitrone in die kochende Masse, läßt nochmals einen Augenblick — drei bis fünf Sekunden — aufwallen, nimmt den Topf vom Feuer und füllt sofort in bereitgesetzte Gläser.
Während es mir bis dahin nie gelungen war, selbst nach 2- bis 3ftünbigem Kochen eine gute Kirsch-Marmelade zu erzielen, ist sie mir nach vorstehendem Rezept jetzt schon drei Jahre hintereinander durchaus geglüdt. Dabei ist der Ge- schmad unvergleichlich fruchtrein, bie Farbe lachend rot — beides infolge der kurzen Kochzeit von zehn Minuten — unb bie Haltbarkeit scheint unbegrenzt, auch ohne Salizyl unb ähnliche Konservierungsmittel, wie einige Gläser, die ich schon feit zwei Jahren habe, beweisen.
Interessant ist aber, daß die vorstehende Marmelade viel billiger ist. obwohl ich für Opekta noch 86 Pfennig ausgeben mutz, als meine frühere, langgekochte Marmelade.
Früher kauft ich nämlich
Mk.
10 Pfund Kirschen zu 2 50
und 5 Pfund Zucker zu 2 —
macht zusammen: _ 4,50
gebrauchte noch für Heizung 0.20
zusammen 4,70
unb hatte nach mehrstünbigem, mühseligem Arbeiten etwa 7 Pfund Marmelade. Alles andere war verkocht: Kostenvreis je Pfund Marmelade
früher ohne Opekta 0,67
Jetzt kaufe ich
Mk.
3 Pfund Kirschen zu 0,75
3Vz Pfund Zucker zu 1,40
1 Flasche Opekta zu 0,86
Feuerung 0,04
macht zusammen: 3,05
unb habe nach zehn Minuten ebenfalls 7 PfunL Marmelade von viel feinerer Qualität: Kostenpreis je Pfund Marmelade jetzt
mit Opekta 0.4>/e
Das nennt man sparen!


