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Fenster ihres stand, und sog liebte sehr die tuend erfrischt, in dem kleinen
kleinen Salons, das weit offen die kräftige Winterluft ein. Sie
starke Winterluft, die so wohl- und sie liebte die hohen Bäume Park hinter dem Hause, auf den ihre -Zimmerfenster hinausgingen. Es war Ende Februar. Leicht vom Schnee bestäubt, standen die Bäume, fachen fremd und verzaubert aus und
lichen Ehejahren starb und ihm Elisabeth, ihr verjüngtes Ebenbild, zurücklieh. Eduard Körner hing mit abgöttischer Liebe an dem Mädelchen. Verwöhnt und von allem umgeben, was sie wünschte, wuchs die Kleine auf. Sie war gutherzig wie der Vater, lebhaft und lustig wie die Mutter, deren Helles Lachen einmal das Pracht- vvlle palastähnliche Haus in der vornehmen Dockencheimer Landstraße hell und froh gemacht und daim so traurig bald für immer im Leben verstummt war. Roch heute, nach so vielen Jahren, traten dem Manne die Tränen in die Augen, wenn er sich in Gedanken an seine Frau verlor, die er so sehr geliebt und nach ein paar glücklichen Jahren hergeben muhte. Jetzt, während Lil so vor ihm stand, der Mutter fast zum Verwechseln ähnlich, und ihn bittend ansach, konnte er nicht anders, als ihr nachzugeben wie immer.
„Tue, was du will, Lil! Spiele Clown oder dummer August, soviel du magst und vor wem du magst. Mach ihnen deine Bajazzostreiche vor, bringe alle zum Lachen. Es geschieht ja zum Besten der Wohltätigkeit und kein normal denkender Mensch wird Anstoß daran nehmen."
Lil wußte ja, sie würde wie stets siegen. Sie lachte vergnügt und laut, die Lippen enthüllten zwei Reihen blendendweiher Zähne.
„Vati, du bist doch ein ganz famoser Mensch 1" jubelte sie und fiel ihm um den Hals, setzte sich dabei auf feilte Knie und schaukelte sich nun leicht hin und her wie ein Kind. Sie flüsterte mit vor Vergnügen strahlenden Augen: „Weißt du, ich denke mir iwch allerlei aus, unsere guten Mitbürger sollen staunen. Zum Lachen will ich sie schon bringen, zum gründlichen Lachen. Die dicken Spieherbäuche sollen ihnen wackeln von dem Lachen." Sie sprang auf. „Jetzt muß ich gleich zu Lotti Deinert, ihr sagen, du bist einverstanden."
€fte wirbelte wie eine Tänzerin ein paarmal im Zimmer herum und^'verschwand, dem Vater von der Tür her noch Kußhändchen zuwerfend. Sie stürmte, immer zwei Stufen nehmend, die Treppe hinauf in den zweiten Stock, wo sie drei Zimmer bewohnte. Salon, Wohn- und Schlafzimmer. Es waren dieselben Räume, die Bankier Körner für seine Frau hatte einrichten lassen. Alles war hier schön und bequem. Manches war der modernen Zeit entsprechend verändert worden, und Lil fühlte sich in ihrem Reich sehr wohl. Hier empfing sie ihre Freundinnen, hier feierte sie ihre kleinen Feste. Sie trat an das
glitzerten in der Hellen Wintersonne, als zögen sich dichte Retze aus winzigen Brillantchen darüber hin.
Lil lächelte. Ganz weich und versonnen war das meist ein wenig trotzig wirkende Gesichtchen, als sie vor sich hinsprach: Ich rieche schon den Frühling, nun ist er nicht mehr weit!
Sie schloß die Fenster und wandte sich ins Zimmer zurück. Polstermöbel mit veilchenfarbener Seide standen ein wenig protzig da und über dem Sofa mit der vergoldeten Lehne hing ein großes Dikd- Lils Mutter. Man hätte fast meinen können, es wäre Lil selbst. Zu dem Bilde sah das junge Mädchen auf. Der Blick ihrer Augen war sehr ernst, und Sehnsucht faßte sie an nach der Mutter. Vier Jahre erst war sie alt gewesen, als ihre Mutter starb, und manchmal war es ihr, als sähe sie wie durch matte Rebel die hübsche, blonde Frau, wie sie sich zu ihr, als sie nach winzig klein war, niederneigte und sie küßte und herzte. Es mußte schön sein, eine Mutter zu haben, dachte sie wehmütig, doch im nächsten Augenblick war die trübe Stimmung bezwungen. Der Vater war so gut, so übergut, und er hüllte sie in seine Liebe ein wie in einen dichten, schützenden Mantel. Sie „ ging in ihr Schlafzimmer, das angenehm erwärmt war. Die Zofe sah hier und nähte an irgendeinem Wäschestück. Lil lachte sie an: „Geben Sie mir Mantel und Hut, Meta, ich will ausgehen. Sehen Sie, Vati hat nachgegeben, ich darf bei der Wohltätigkeitsvorstellung Clown spielen, soviel ich will."
Meta, ein leidlich hübsches schwarzhaariges Mädchen, Mitte der Zwanzig, war schon am Kleiderschrank beschäftigt. Von dorther sagte sie: „Der Herr Vater gibt doch immer nach, wenn das gnädige Fräulein etwas will."
Sie half ihrer jungen Herrin in den pelzgefütterten braunen Tuchmantel, den ein brauner Hermelinkragen schmückte, und reichte ihr die kleine Hermelinkappe.
Kaum hatte Lil das Haus verlassen, eilte Meta hinunter in die Drenerstube neben der Küche, erzählte der Köchin, dem Hausmädchen, dem Diener und dem Chauffeur, die beim Rachmittagskaffee beisammensahen: „Also, sie hat's durchgesetzt, die Lil, jetzt wird sie den Herrschaften bei der Wohltätigkeitsvorstellung ihre Rarrens- possen vormachen. Ich verstehe einfach nicht, wie der Alte ihr solchen Unsinn erlauben kann. Wenn ich in den Zirkus oder ins Varietetheater gehe und lache über die Kerls mit den blödsinnig bemalten Gesichtern, dann hat das ja wohl feine Richtigkeit, dann ist da nichts daran auszusehen. Die Leute verdienen sich ihr Geld damit, den dummen August zu spielen. Aber wenn die Tochter vom reichen Bankier Körner sich dazu hergeben will, den Leuten Grimmasfen zu schneiden und vor ihnen Purzelbäume zu schlagen, ist das doch waS anderes. Ich meine, die könnte sich
As ittirtft Mel.
Original-Roman von Anny von panhuys.
Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
NacAruck verboten.
1. Kapitel.
Zwei Glückliche.
Bankier Körner lächelte seine Tochter an: „Rein, Kind, das geht aber wohl doch nicht, dah du bei der Wohltätigkeitsvorstellung als Clown auftrittst. Dazu darf ich nicht ja sagen. Ich glaube, Tante Adele kriegte Anfälle und ganz Frankfurt stände auf dem Kopf vor Entsetzen. Wenigstens unsere Freunde und Bekannten."
„Dati!" Beinahe empört llang der Ausruf, und dann redete sich ein junger, roter Mund in Eifer. „Dati, feit wann bist du denn so beängstigend lleinlich? Im allgemeinen nimmst du doch gar nicht so viel Rücksicht auf dumme Menschen, lind es können doch nur dumme Menschen sein, die etwas dabei finden, wenn ich bei der Wohltätigkeitsvorstellung als das mitwirke, was mir am besten liegt. 5>u weißt doch, ich kann weder besonders singen noch Klavierspielen und leiste auch auf sonst keinem Instrument was Besonderes. Mein bißchen Geigenspiel soll man schon gar nicht für voll nehmen. Aber wenn ich bei intimen Hausfesten so ’n bißchen herumgewurstelt habe als Clown, dann lachten alle wie toll. Du am allermeisten! lind wenn mir nun Lotti Deinert rät, bei der Wohltätigkeitsvorstellung zu zeigen, was ich kann, hat sie recht. Sie sagt, ich würde die Sensation des Abends werden und außerdem zöge die Ankündigung: ,Lil Körner erscheint als Clown' so stark, daß für die Rachfrage gar nicht Plätze genug im Saal sind." Ihre großen, tiefblauen Augen blitzten den Dater an. „Wenn viele Leute kommen, gibt es eine große Einnahme, lind je größer die Einnahme, um so besser für die armen Blinden, für die doch die Darstellung sein soll."
Lil Körner war llein und zierlich, ihr Gesicht fein und regelmäßig, die natürlichen Locken ihres Hellen Blondhaares strudelten ein wenig wild um den schmalen Kopf, wenn sie sich, wie jetzt, in Erregung befand und allzu lebhafte Bewegungen machte.
Bankier Körner saß an feinem Schreibtisch. Er war ein mittelgroßer Herr mit gutmütigem vollem Gesicht, dem man ansah, er verachte gutes Essen und Trinken nicht. Er war schon ein Sechziger, und Lil, die eigentlich Elisabeth hieß, aber nur Lil genannt wurde, war erst zwanzig Jahre.
Eduard Körner hatte spät geheiratet, ein schönes, armes Mädchen, die nach ein paar glück-
Doch nachher gar nicht mehr auf der Straße sehen lassen, ohne daß die Leute hinterherlachen, weil sie nicht vergessen können, wie sie als Clown ausgesehen hat. Wenn sie hier im Hause vor wren Freundinnen so'n Blech anstellt oder vor ihrem Dater, ist das ja vielleicht auch nicht so schlimm, aber vor einem großen Saal mit frem- ben Leuten..." Sie schwieg einen Augenblick, schloß: «Ern toll verwöhntes Ding ist sie, ich wünschte, sie kriegte mal einen ordentlichen Rasenstüber."
Der Diener Franz, ein älterer Mann, der mit der Köchin verheiratet war, schüttelte den Kopf.
„Mir gefällt die Idee mit dem Clownspielen ja auch nicht, aber Ihre Bosheit, Meta, gefällt mir noch viel weniger. Sie können das gnädige Fräulein nicht leiden, das merkt man immer wieder, und dabei haben Sie es doch bei ihr so £“1' ^"../chkchtes, hinterhältiges Frauenzimmer sind Sie! -
Metas ein wenig schrägstehende Grauaugen funfelten ihn mit grünlichem Schein an wie Katzenaugen.
„Halten Sie gefälligst die Klappe, oller Seife- tretet. Ich kann keine Menschen leiden, die mehr haben als ich."
Lil hatte das Auto verschmäht, sie lief gern M Fuß. Vor dem Opernhaus traf sie mit einem schlanken großen Herrn zusammen. Heber sein schmales, kräftig geschnittenes Gesicht flog ein froher Schein. Er faßte mit beiden Händen die lleine Rechte Lils und drückte sie kräftig.
„Mädelchen, wo willst du hin? Ich habe gerade -Zeit, darf ich dich ein Stück begleiten."
3hre Augen strahlten. Sie freute sich immer, wenn sie ihren Detter Werner Sturm traf. Er war, obwohl erst achtundzwanzig Jahre alt, schon ein in Frankfurt sehr bekannter und beliebter Arzt. Er hieß eigentlich Baron Sturm, aber er machte von seinem Titel kaum Gebrauch, desto mehr aber achtete seine Mutter, eine Stiefschwester von Bankier Körner, darauf, daß niemand vergaß, der siebenzackigen Krone, die sie sich erheiratet, den nötigen Respekt zu erweisen. Lil freute sich jedes Zusammenseins mit Werner Sturm genau so sehr, wie sie jedem Zusammensein mit seiner Mutter nach Möglichkeit auswich.
Lil antwortete dem jungen Arzt: „Natürlich darfst du mich begleiten. Ich will zu Lotti Deinert in Sachsenhausen und ihr eine frohe Rachricht bringen. Dater hat jetzt nichts mehr dagegen, wenn ich als Clown auftrete in der Wohltätigkeitsvorstellung. Sie verspricht sich soviel davon, die Lotti!"
Werner Sturm lachte: „Aber Lil, du willst als Clown auftreten? Oeffentlich? Das ist natürlich nur ein Witz?"
Lil, die jetzt neben ihm herschritt, saH erstaunt zu ihm auf.
(Fortsetzung folgt.)_________


