Bertram lebt!
Zur Auffindung der deutschen Australienflieger.
Don E>. Otun.
im Volksdienst gegen die Krise des Staates, mit einer Staats- und Wirtschastsauffassung, die aus lebendigem evangelischen Glauben kommt! Arbeitet mit uns an der Schaffung einer wirklichen, Gott sich verantwortlich wissenden Obrigkeit, die den Mut zu starker Führung hat und die gleichzeitig die freudige Mitarbeit und Mitverantwortung des Volkes an seinem Staate weckt und sichert.
Der Volksdienst wendet sich gegen die Verachtung des Staates durch den marxistischen Linksradikalismus wie gegen seine Vergötzung durch den Faschismus. Beide sind Totengräber eines wahren und gesunden Staates. Der Volksdienst kämpft gegen die Versuche, in Deutschland eine Partei- oder Klassendiktatur aufzurichten. Er tritt für die gleichberechtigte Eingliederung aller schassenden Stände in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ein.
Der Volksdienst will in dieser Feit schwerster Krise gegen alle Versuche, die Lasten einseitig auf die Schultern der Schwachen abzuwälzen, die Solidarität des ganzen Volkes bei der Üeberwindung der Wirtschaftsnot zur ©eltung bringen. Der Hauptstoß seines Kampfes richtet sich gegen die Arbeitslosigkeit, die bekämpft werden muß nach außen durch die Wiederherstellung des internationalen Vertrauens, nach innen durch eine gesunde Wirtschafts- und Steuerpolitik im Sinne der Erhaltung und Stärkung des Bauerntums und des gewerblichen Mittelstandes, durch ein weitausschauendes Arbeitsbeschaffungsprogramm, das durch eine Volksanleihe zu finanzieren ist und durch eine großzügige Siedlungspolitik in Verbindung mit dem so- fertigen Ausbau des Arbeitsdienstes. So wichtig wie die Bekämpfung der Wirtschaftskrise ist uns der Kampf gegen das Vordringen des Bolschewismus im geistigen und sittlichen Leben unseres Volkes. Aber gerade hier müßte der Kampf mit äußeren Machtmitteln versagen, wenn nicht gleichzeitig die Erneuerung unseres Volkes aus den Kräften bes Glaubens einsetzen würde. Alle Mobilisierung der Kräfte im Innern muß in der Gegenwart letzten Endes dem großen Ziele gelten, dem deutschen Volke nach außen wieder Gleichberechtigung und Freiheit auf allen Gebieten zu erkämpfen. So arbeitet der Volksdienst mit zielklarer und unbeirrbarer Entschlossenheit an der Mobilisierung und an dem Einsatz des evangelischen Oeffenttichkeitswillens.
Die preußische Verwaltungsreform.
Die Regierung Otto Braun hat viele Iahre -Zeit gehabt, eine Verwaltungsreform in Preußen in Angriff zu nehmen. Sie hat die kostbare Zeit ungenutztvorüber st reichenlassen und erst im Winter des vorigen Jahres den schüchternen Versuch gemacht, ihren Verwaltungsapparat einer Durchorganisierung zu unterziehen. Aus freiwilligen Stücken hat sie allerdings diesen Schritt nicht unternommen. Sie ist vielmehr durch die Finanzlage gezwungen to tfr b e n, auf dem Rotverordnungswege gewisse Verwaltungsvereinfachungen vorzunehmen. Dieser Verordnung fehlte jedoch der große Schwung, man begnügte sich im wesentlichen damit, einige Oberförstereien und ähnliche Einrichtungen der Auflösung zu überantworten. Inzwischen hat nun das Zentrum von sich aus den Versuch gemacht, der Verwaltungsreform einen ganz bestimmten Auftrieb zu geben. Es forderte die Auflösung eines Ministeriums, ohne sich etwas klarer auszudrücken. Es konnte sich aber dabei nur um das Handelsministerium drehen, bestimmt nicht um das Wohlfahrtsmini» st e r i u m, weil hier der Zentrumsminister H i r t- s i e f e r sitzt, während Handel und Gewerbe durch den Staatsparteiler Schreiber betreut werden. Auch diese Aktion ist zunächst versackt. Es soll jetzt zunächst erst einmal die Regierungsneubildung in Preußen abgewartet werden, die vorläufig noch in weiter Ferne liegt. Damit ist auch die Verwaltungsreform auf unbestimmte Zeit vertagt. Das ist außerordentlich bedauerlich, weil es längst feststeht, daß man gewisse Ministerien einziehen kann, ohne dadurch irgendwelchen Schaden anzurichten. Die Aufgaben des Wohlfahrtsministeriums könnte man sehr gut auf das Innen- und das Finanzministerium verteilen, während Handels- und Finanzministerium zusammengelegt werden können. Vielleicht ließen sich sogar aus dem Ernährungsministerium ganze Abteilungen herausnehmen und der Rest in einer
Es ist kein Zufall und mehr als nur Gottvertrauen, daß es gerade die Eltern des verschollenen deutschen Fliegers Hans Bertram waren, die bis zum letzten Augenblick nicht glauben wollten, daß ihr Sohn auf dem Flug von Batavia nach Australien jenem Fliegerschicksal zum Opfer gefallen sein sollte, das in den letzten fahren Dutzende seiner Kollegen, die ähnlich gefahrvolle Flüge unternommen hatten, getroffen hatte. Hans Bertrarns Eltern kann- ten ihren Jungen und sie wußten, daß er zu jenen seltenen Menschen gehörte, die den Glauben an sich selbst und an den Schutz eines Höheren niemals verlieren könnten. Zwei Jahre alt war Hans Bertram, als er sich zum erstenmale, im wahrsten Sinne des Wortes, auf seine eigenen Füße stellte, und zum Bahnhof seines Heimatortes pilgerte, um ZU „verreise n", und dieser Drang zur Selbständigkeit, dieser Wunsch, nur auf sich selbst gestellt in die Ferne zu ziehen, hat ihn niemals verlassen.
Wer Bertram vor seinem ersten deutsch- chinesischen Freund,schaftsflug, den er im vorigen Jahr unternahm, gegenübersaß und ihn von seinen Plänen sachlich und nüchtern erzählen hörte, der hatte den Eindruck: Hier sitzt ein Mann, der weiß, was er will. Der sich selbst ebenso kennt, wie seine Maschine und die Welt, die er durchfliegen will. Einer, für den Schwierigkeiten nur dazu da sind, um überwunden zu werden. Ein Flieger, der aus jenem gleichen Holze geschnitzt ist wie die großen Pioniere, die der Menschheit die ferne Welt erschlossen.
Und als die Nachricht eintraf, daß Bertrarns Flugzeug im Golfvon Bengalen in schweren Sturm geraten und gekentert war, da schien es fast selbstverständlich, daß der Flieger im letzten Augenblick, als feine Maschine gerade zu ver-
kleinen Sonderbehorde zusammenfassen. Es wird wohl doch nichts anderes übrig bleiben, als vom Reiche her endlich eine große Verwaltungsreform in Angriff zu nehmen, die sich dann aber auch ganz gründlich in den Ländern und darüber hinaus auch in den Gemeinden auswirkt.
Hessen und die Reichsreform.
Das Fuldaer Land und das Rhein- Mainische Wirtschaftsgebiet.
Vom Arbeitsausschuß Oberhessen — Fuldagau im Hessischen Dolksbund wird uns geschrieben: „Maßgebende Fuldaer Instanzen haben in letzter Zeit wiederholt die Zugehörigkeit des Fuldaer Landes zum Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet betont. Wenn man in Kasseler und Hers- felder Kreisen hierin eine Spitze gegen Rieder- hessen gesehen haben will, so möge man bedenken, daß die Stellungnahme des Fuldaer Landes durch Hessen—Kassel veranlaßt worden ist, das sich nicht einem gemeinsamen Hessen—Rheinfranken einfügen, sondern im Zeitalter der Flurbereinigung der deutschen Landkarte einen neuen Kleinstaat schaffen will, für den es auch das Fuldaer Land und die oberhessischen Kreise Alsfeld und Lauterbach in Anspruch nimmt.
Das Fuldaer Land und der nordöstliche Vogelsberg gehören, wie erneut betont wird, zum Rhein- Mainischen Wirtschaftsgebiet. Sie werden, wenn Kassel auf seinem Standpunkt beharrt und von der Gesamtlandschalt sich selbst ausschließt, nicht ihm folgen, sondern sich dem Grohland Hessen—Rheinfranken anschließen, wohin sie Volkstum, Geschichte und Wirtschaft ziehen. Wenn aber Kassel die Landesgrenze zwischen Hersfeld und Hünfeld als lästig und hinderlich empfindet, so ist dies ein Beweis dafür, daß diese Grenze unnatürlich ist, daß die niederhessische Landschaft ebenso Glied eines Reichslandes Hessen—Rheinfranken werden muß, wie der Duchengau und der nordöstliche Vogelsberg. Kassels Stellung wird dadurch nicht beeinträchtigt werden. Wie am Riederrhein Köln und Düsseldorf nebeneinander bestehen, so werden auch in Hessen-Rheinfranken Frankfurt und Kassel nebeneinander bestehen können. Wir sehen
sinken drohte, von einem Dampf er gerettet werden konnte. Einen anderen hätte dieser tra- gische Abschluß eines mit größter Energie und voller Hoffnungen in Angriff genommenen Flugunter, nehmens von diesem Ausmaß mürbe gemacht. Ein anderer hätte resigniert und wäre nicht sofort wieder an die Vorbereitung eines neuen Fluges gegangen, dem noch größere Ziele gesteckt waren. Aber Bertram war eben fein „anderer". Kaum war er nach feiner wunderbaren Rettung wieder in die Heimat zurückgekehrt, da setzte er bereits wieder alle Hebel in Bewegung, um die Mittel für seinen neuen Flug, der ihn nach dem Fernen Osten — und vielleicht um die ganze Welt — führen sollte, zu beschaffen. Das Unwahrscheinliche gelang. Die fug- geftioe Kraft, die von Bertram ausging, brachte es Zuwege, daß trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, trotz aller Depression alles Nötige für den neuen Flug in verhältnismäßig kurzer Zeit vorbereitet werden konnte. Und bald konnte Bertram wie- der von seinen neuen Plänen erzählen, und niemand, der nicht wußte, daß ihn erst vor wenigen Monaten ein Dampfer aus Todesnot aufgelefen hatte, wäre auf den Gedanken gekommen, er unterhielte sich mit einem Menschen, der die Schwierigkeiten des geplanten Unternehmens mit dem Einsatz seines Lebens am eigenen Leibe schon kennengelernt hatte.
Noch liegen nur kurze Mitteilungen über die neue wunderbare Rettung von Bertram und seinem Monteur Klaußmann vor, aber schon diese kurzen Berichte lassen erkennen, welche fast über- menschliche Energie und Ausdauer die beiden Flieger entwickelt haben. Und wir alle wünschen, daß ein dritter Flug Hans Bertram recht bald auch jenen äußerlichen Erfolg beschert, der ihm bisher versagt blieb.
keinen Grund, der dafür spräche, in unseren Rotzeiten einen gesonderten, kostspieligen Derwal- tungsapparat für Hessen-Kassel aufzuziehen."
Das Ergebnis
der Londoner Gtillhaliekonferenz.
Die Verhandlungen der Londoner Stillhaltekonfe- renz sollen sich im großen und ganzen r e i b u n g s- 1 °*5 vollzogen haben, was bei der unbestreitbar großen Verschiedenheit der Interessen und For- berungen der einzelnen Gruppen wohl nur dadurch möglich geworden ist, daß man die Verhandlungen unter Offenlassung grundsätzlicher prägen mehr auf das technische Gleis geschoben hat. Das Schlußkommunlquö soll, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, tatsächlich alle Punkte, die zur Beratung standen, enthalten. Wenn das Kommunique auf ziffernmäßige Einzel- hegten nicht eingeht, so dürfte sich dies aus dem Bestreben erklären, die Beratungen, die nun innerhalb der Gläubigerausfchüsse der einzelnen L ä n d er auf Grund der Empfehlungen ihrer Londoner Delegierten stattfinden werden, in keiner Weise zu präjubizieren.
ZnrKündignng des deutsch-schwedischen Handelsvertrags.
In unterrichteten Kreisen wird betont, baß es sich del der Lösung von dem jetzigen deutsch-schwedischen Handelsvertrag nicht um eine einseitige Kündigung, sondern um eine gütliche Vereinbarung handelt, die von beiden Seiten getragen wird. Der Vertrag stammt aus dem Jahre 1926 und ist deshalb in einer Reihe von Positionen Überholt. Kündbar war der Vertrag halbjähr, lich zum ersten Male zum 1. Januar 1933. Be- zeichnenderweise ist aber vereinbart worden, daß die Kündigung sich auf den 15. Februar beziehen soll. Das hat feinen Grund darin, daß im Januar der schwedische Reichstag Zusammentritt und daß man hofft, bis dahin bereits einen neuen Vertrag vorlegen zu können, so daß weder jetzt noch sur spater mit einem Zollkrieg zu rechnen ist. Die Lösung von dem Vertrag geht auf das Drängen der land- und forstwirtschaftlichen Kreise in beiden Säubern zurück.
Abschwächung der innerpoliiischen Krisis.
Auch in Frankreich ein Preiskommissar.
Paris, 5.Juli. (TU.) Die innenpolitische Lage hat sich wesentlich geklärt. Man betont, baß di« Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit bem Finanzprogramm ber Regierung aufgetreten waren, durch bie Ausführungen Herriots im Finanzausschuß und anschließend baran vor der radikalsozia- listischen Kammerfraktion wesentlich abgemildert worden sind. Wenn auch im Schoße des Finanzausschusses selbst keine vollkommene Einigung erzielt worben ist, so darf man boch wenigstens damit rechnen, daß sich bie rabikalsozialiftischen Mitglieder bei der zweiten Lesung des Programms im Sinne Herriots aussprechen werben. Die Sozialisten werben ihre enbgültige Haltung erst am Mittwoch fest leg en. Haushaltsminister Palmade hat sich noch einmal mit bem Finanzausschuß in Der- binbung gesetzt, um gewisse Abänderungen am Finanzprogramm oorzunehmen, die geeignet sind, bie Zustimmung ber Regierung unb des Ausschusses Zu finden. Die große öffentliche Aussprache in ber Kammer wird voraussichtlich am Montag ftattfin- den. Es soll die Absicht bestehen, einen Preis« kontra! lkommissar bei der Ministerpräsi- ^"hchaft einzusetzen, der die Bewegung der Einzelpreise überwachen unb gesetzgeberische, verwaltungstechnische und Strafmaßnahmen vorzuschlagen hätte, um die Lebensteuerung zu bekämpfen und Mißbräuche abzustellen. Außerdem sollen die Beamtenvertretungen aufgefordert werden, Vorschläge zu machen.
Aus aller Welt.
3n(ernalionalet Eleklrizitälskongreß in pari».
3n der Zeit vom 4. bis 15. Iuli findet in Paris ein Internationaler Elektrizitätskongretz statt sur Erinnerung an die erste Elektrische Ausstellung, welche vor 50 Iahren ,im Pariser Industriepalast veranstaltet wurde. Zu den wenigen noch lebenden Personen, welche an dieser AussteUung beteiligt waren, gehört Exc. Dr. Oscar v. Miller, der als Delegierter der bayerischen Staatsregierung die Ausstellung seinerzeit besuchte und an dem damaligen Elektrotechniker-Kongreß teilnahm. Exc. v. MiNer wird KU der Iubelfeier nach Paris reisen und auf Wunsch der französischen Regierung einen Bericht über die Geschichte der Elektrotechnik erstatten, wie sie in den verschiedenen staatlichen und privaten Museen, die der Technik und Raturwissenschaft dienen, zur Darstellung kommt.
Unwetterkatastrophe im schlesischen fireife Rimptsch.
3m Kreise Nimptsch ging ein Unwetter nieder, das auf weiten Strecken binnen kurzem d i e gesamte Ernte restlos vernichtete. Im Kreise fiel eine Viertelstunde lang Hagel in Taubenei- große. Das Gebiet zeigt ein Bild der Verwüstung. Die Telefondrähte sind zum Teil zerrissen. In Grünhartau ist auf der einen Straßenseite kaum ein Fenster ganz geblieben. Noch gegen Abend lagen die Eiskörner bis zu 15 Zentimeter hoch.
Wettervoraussage.
Während der Tiefdruckkern zwischen Island und den britischen Inseln seither seine Lage kaum verändert hat, ist jetzt eine beginnende Vorwärtsbewegung in östlicher Richtung zu erkennen. An bem südlichen Teil ber Störung ist etwas kühlere ßuft bis nach Frankreich unb Holland oorgebrungen, in deren Begleitung Nieberschläge erfolgen. Sie wird uns zunächst Abkühlung bringen, ferner vereinzelte Nieberschläge, bie zum Teil auch von Gewittern begleitet sein werben. Mit bem von Westen beginnenden Luftbruckanstieg wirb aber bie Wetterbeeinflus- suna nur vorübergehenb fein.
Aussichten für Donnerstag: Noch einzelne, zum Teil gewitterartige Nieberschläge, bewölkt mit Aufheiterung, etwas kühlere westliche Winde.
Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, meist trocken, tagsüber wieder wärmer.
Lufttemperaturen. Am 6. Juli: mittags 26,8 Grad, abends 21,0 Grad; am 7. Juli: morgens 18,6 Grad, Maximum 29,2 Grad, Minimum 14,8 Grad Celsius. Niederschläge 0,5 mm. Sonnenscheindauer 15 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 6. Juli: abends 28,4 Grad; am 7. Juli: morgens 21,0 Grad Celsius.
Kaiser von fremden Gnaden..
Zum 100. Geburtstage Maximilians von Mexiko.
Von Gerhard Duncker.
Maximilian von Mexiko — spricht man diesen ycamen aus, dann fällt einem unwillkürlich der Titel eines verschollenen Jugendbuches ein: „Kaiser Max, der letzte Ritter". Ein kleiner Irrtum! Denn mit diesem letzten Ritter ist nicht jener scheue Mann gemeint, dessen Leben im Juni 1867 durch eine mexikanische Kugel beendet wurde — sondern der deutsche Kaiser, ber um bie Wenbe bes IC Jahr- hunders Habsburg in Mitteleuropa zum Aufstieg verhalf. Aber seltsamerweise schwingt in diesem Wort vom letzten Ritter eine Nuance mit, die auch auf jenen Mann zutriff, dessen Jubiläum wir heute feiern.
Falls ein Name sich in Bildern und Vorstellungen auflösen läßt, so verbindet sich für uns mit bem Begriff.„Maximilian von Mexiko" mancherlei — eine Jugenb der militärischen Erziehung, aber gesättigt durch schöne Reisen und bequeme, gut gepolsterte Abenteuer, von der prunkhasten Kabine eines Schiffes aus gesehen. Weltgeschichtliche Konflikte ziehen vorbei, wie in ein Panorama gepreßt, Konflikte, die einem jungen, träumerischen Mann nicht den Stoff zu Taten lieferten, sondern zu ästhetischem Genuß, zur Freude an ber charaktervollen Buntheit einer unruhigen Epoche. Italien, bie Lombardei, habsburgische Konflikte mit mißtrauischen, nationalistischen italienischen Politikern — mein Gott, wie reizvoll es für einen jungen Fürsten mar, Kämpfe anzuspinnen, Schwierigkeiten zu überwinden, feine Gunst und Gnade auf einem ungefestigten Posten gütig, aber aussichtslos an ein fremdes Volk zu verschenken! Dann politische Miß- erfolge, bann Zurückgezogenheit auf einem Schloß bei Triest, unter Palmen, unter blauem Himmel, nn blauer See, Stubium der Künste und Wifsen- schasten, harmonisches Zusammenleben mit einer |a)onen und geistvollen Frau, der Tochter des Kö- mgs von Belgien...
Ja, ein Leben der Ueppigkeit und Freude, ein ^eben fürstlichen, ein wenig dekadenten Genusses
e6z das der junge Habsburger bis zu seinem »fiht ft Lebensjahre zu führen vermochte, gestutzt auf bie Krone und bas Recht seiner Vorfahren, |
reich mit Gütern gesegnet, gegen bie alle politischen Fehlschlage einer abgebrochenen Karriere nur wenig auszurichten vermochten. Dem Abenteurer, wie Maximilian einer war, oerwanbeln sich alle Mißerfolge bes tatsächlichen Gebens in eine Art höheren Amüsements, bas die Opfer nicht kennt unb nicht achtet, bie fremde Menschen für das Leben dieses Abenteurers bringen müssen. Aber zum Abenteurer echten Geblütes fehlte Maximilian letzten Endes boch em entscheibenber Faktor — bie Kraft, in ber Fülle ber Ereignisse selbst führenb am Steuer zu stehen, Ke von den Begebenheiten gedrängt, gestoßen, ge- sichrt zu werden. Und hier liegt vielleicht bie ein- z'.ge Tragik bieses begabten Monarchen — baß er N'cht Abenteurer genug war, baß er zu verträumt, ZU wenig brutal war, um schließlich als Sieger über bie Geschichte, bie er zu machen half, dazustehen.
Das merkwürdige Ereignis, in dessen Verlauf er sem Leben verlor, bestätigt die Unzulänglichkeit Maximilians als wirklicher Abenteurer in vollem Umfang. Zu Beginn der sechziger Iahre setzte in Rord- und Zentralamerika eine Bewegung ein, deren Erschütterungen auch auf Europa Übergriffen. Durch den amerikanischen Sezessionskrieg war in allen Randgebieten der Nordamerika- Nischen Union eine Lage entstanden, die einer fast völligen politischen Anarchie entsprach. Eine Zeit lang sah es so aus, als sollte dieser ganze riesige Staatenkomplex gänzlich zerfallen. Einige europäische Staaten, vor allem England und Frankreich, stellten also im Iahre 1861 die For- oerung. das Vermögen ihrer in Mexiko ansässigen Untertanen sicherzustellen. Benito Iuarez, der demokratische Präsident Mexikos, kam diesen Forderungen in der Konvention von Soledad nach, worauf die meisten Interessenvertreter Europas das Feld räumten. Rur Frankreich blieb zurück um auf Grund eines phantastischen Planes R a - poleons lll. eine Aktion durchzuführen, die einem kolonialen Raubzug sehr ähnlich sah. Ge- vÄretJe in Versailles förderten diese sog. „Wiedergeburt Mexikos" so weit, daß sich in Zentralamerika bald erhebliche Truppen an- Jammelten, die schließlich nach wechselvollen Kämpfen im Iahre 1863 die Macht in Mexiko erobert Hattern Run galt es, zur Festigung der Zustände eine Monarchie einzusehen, deren Drahtzieher niemand anderes als Frankreich war Als Kandidat für diesen höchst zweifelhaften I Posten wurde alsbald Maximilian genannt, als |
Vruder Kaiser Franz Iosephs und Abenteurer von Geblüt scheinbar für diese Stellung gut qualifiziert. Anfangs zögerte dieser Mann, die üppige Abgeschlossenheit seines Triester Schlosses aufzugeben, aber der Reiz des Abenteuers und seine ritterliche Sentimentalität bewogen ihn bald, sich Rapoleon zur Verfügung zu stellen. Rachdem in Mexiko die erbärmliche Komödie einer Volksabstimmung zugunsten ber Monarchie in Szene gegangen war, lieh Maximilian sich vom Papst segnen und zog, nachdem er allenthalben ausgiebige Schulden gemacht hatte, um sich eine geldliche Grundlage für seine Hofhaltung zu schaffen, im Iuni 1864 mit feiner Gemahlin in Vkexiko ein. Seine erste Aufgabe sah er darin, den Einfluß Iuarez' radikal auszurotten. So kam es in dem dünn bevölkerten Land zu einem endlosen Guerillakrieg der französischen Schuh- truppen Maximilians gegen die Republikaner, ohne daß es den Monarchisten gelang, den Einfluß der mexikanischen Banden entscheidend zu brechen.
VM der Zeit stellte es sich heraus, wie künstlich die Errichtung dieser Monarchie gewesen war, wie es ihr an Grundlagen in ganz Lateinamerika fehlte, welche Rolle Maximilian als ausschließliches Werkzeug der französischen Höflinge auf verlorenem Posten spielen mußte. Bald kam, was kommen mußte — die nordamerikanische Regierung verwahrte sich in aller Schärfe gegen Öen Aufenthalt französischer Truppen in Mexiko. Gestützt auf die Monroe-Doktrin, auf das drohende Wort „Amerika den Amerikanern", stellte sie ultimativ die Forderung ihres Abzuges. Da Frankreich einzusehen begann, daß dieses Geschäft mit Mexiko ein Verlustgeschäft fein mußte, fügte es sich unumwunden den Drohungen der llnion. Marschall Baza ine zog in kurzer Zeit alle französischen Truppen aus Mexiko heraus und überließ Maximilian schutzlos seinem Schicksal. Wäre der Habsburger ein großer Stratege gewesen, so hätte er vielleicht die ihn bedrohenden Gefahren noch abwenden können. Sein Fehler war, in romantischer Pose auf seinem lebensgefährlichen Posten zu verharren und durch seine Frau Schuh beim Papst zu suchen, der auf Grund alter finanzieller Konflikte mit den mexikanischen Republikanern gar nicht daran dachte, einen Finger für Zentralamerika zu rühren. So vollendete sich die Tragödie am 19. Iuni 1867 I
in der Garnison Queretaro — der gefangen genommene Maximilian wurde durch die Republikaner^ erschossen, fein Leichnam kam auf dem gleichen Schiff in die Heimat, das ihn pomphaft einst in dieses Abenteuer getragen hatte — während die Kaiserin von Mexiko, enttäuscht und verzweifelt, in Wahnsinn verfiel, aus dem sie erst jm Iahre 1922 der Tod erlöste.
Wenn Geister Ohrfeigen ausieilen.
Ein Wiener ließ sich überreden, an einer spiritistischen Sitzung teilzunehmen. Arglos setzte er sich- mit an den Tisch, fand alles sehr interessant, geheimnisvoll und überirdisch und — erhielt plötzlich eine Ohrfeige. Das kam ihm gar nicht überirdisch vor, denn er hatte noch nie gehört, daß Geister in dieser Weise züchtigen, noch dazu so. daß die Spuren des Backenstreichs die Abdrücke einer zweifellos vollfleischigen Hand trugen. @r behauptete, nicht der Geist, sondern sein Rachbar, der Klempnermeister Thomas sei cs gewesen. Vor Gericht erklärte Thomas, er habe keineswegs geschlagen, es müsse der Geist gewesen sein. Darauf wurde das Medium als Zeuge vernommen, und die Dame erklärte, es könne schon möglich sein, daß der Klempnermeister seinem Rachbar in der Dunkelheit eine heruntergehauen habe, ohne daß die anderen Teilnehmer der Sitzung etwas bemerkt hätten- Darauf entschied der Richter: Der Geist ist unschuldig und der Klempnermeister zahlt 100 Schilling Geldstrafe.
Zeitschriften.
— „Philosophie und Leben", hg. von Professor Aug. Messer. Verlag Felix Meiner, Leipzig. 8. Iahrg. 1932. Viertel,. 3 Hefte 1,80 Mark, Einzelheit 75 Pfennig. — DaS Iuli-Heft ist dem Unsterbllchkeitsprvblem gewidmet. Es wird eingeleitet durch die Erörterung des Seelenbegriffs selbst im Anschluß an ein Werk des Wiener Philosophen Reininger. In einem Aussatz über .Metaphysik aus Todesangst" setzt sich der Herausgeber scharf mit einem Buche Grunhuts (Richtung Heidegger!) auseinander. Die.Aussprache" dreht sich hauptsächlich um die .Beweisbarkeit" des Fortlebens.


