Ausgabe 
6.6.1932
 
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Montag, 6. Juni 1932

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhrfsen)

Nr. 130 Zweites Blatt

S.J.Jpot<

fuhr.

Die Ergebnisse:

rtsgr. Gießen

der Veranstalter vollauf entspricht.

hth.

Sie

3 000Frankfurter haben sich für da» am nächsten Sonntag in Nürnberg stattsindende End­spiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt ange­meldet.

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Hub war der Datterich: eine große und dank­bare Partie, eine Rolle nach seinem Herzen, er kniete sich richtig hinein und ließ eine Gestalt von erstaunlicher Plastik und heiterer Lebensfülle er- stehen. Er gab auch mehr als eine bloße Posten- figur; man spürte bei aller drastischen Komik den vermenschlichenden Zug zur Komödie: die Aus­brüche der phantaftiid) fabulierenden Renommiste­rei. des versoffenen Schnorrertalents und des le­benskünstlerischen Komödiantentums kamen im takt­fest und schlagkräftig beherrschten Dialekt prachtvoll zur Geltung.

Ernst Elias N i e b e r g a l l wurde 1815 als Sohn eines großherzoglichen Kammermusikers in Darm­stadt geboren, war ein Mitschüler des größeren und berühmteren Büchner. Theologiestudent und Bur- schcnschafter in Gießen, später (1835) Hauslehrer in Dieburg dann an einem Knabeninstitut in Darm­stadt. und ist im April 1843, erst 28 Jahre alt, ge­storben.

Karl Vogt hat einmal Niebergalls Gießener Leben umschrieben mit den Worten: .Kartenspielen. Stipcndiumssuppenessen. Pumpen, Kneipen, wenn man Geld hatte, und Kollegien schwänzen". Aber dennoch ist es nicht richtig, wenn man behauptet, Riebergall habe sich im Datterich selbst porträtiert. Hingegen wissen wir, daß die beiden Stücke, die er geschrieben hat und die seinen Namen in alle Literaturgeschichten gebracht haben, von den Dialekt- possen des Franksurter Lokaldichters Karl Malß be­einflußt worden find. 1837 erschienDes Burschen Heimkehr oder der tolle Hund": 1841, zwei Jahre vor seinem Tode.Datterich". Lokolposse in der Mundart der Darmstädter in sechs Bildern.

zartes Halmgrün. Der Wind spielt in Ihm wie in den weichen Fahnen zierlicher Federn. Oft liegen die auf- und niedergezaustcn Grasbüschel wie hin- geknickt am Boden, im nächsten Augenblick aber zün­geln sie wieder elastisch auf gleich Kerzenflammen, die im Winde sich biegen und flackern. Vereinzelt schaukeln zwischen ihrer wogenden Unruhe zarte Lilatupfen kleiner Taubnesselblüten, die als lockende Lichter für honigsuchende Hummeln in das unschein­bare Gebüsch ihrer Blätterwedel hineingesprenkell sind. Tückische Brennesseln und schöne Blattrosetten von Löwenzahn verdichten den krausen Wildwuchs, über dem die alte Mauer sich selber zu heben und zu wachsen scheint.

Im Glanz der Mittagssonne flimmert ihre Ober- fläche und tausend Nuancen von goldener Helle huschen, lichtem und bliszen über die rauhe Mörtel­kruste hin. Die Mauer lebt. Man spürt körperwarm ihre Nähe, und die alles betastenden Mücken be- krabbeln sie wie einen prallen Tierleib. Sie ahnen nicht, daß hier kleine Krobbenspinnen jagen, ge- fürchtete Wegelagerer im Reiche der Fliegen, die die Dtatur, als Ersatz für das Fehlen der 3(üge(, zu wahren Lauf, und Springkünstlern machte, die vor- und rückwärts und schräg rennend selten ein er­spähtes Opfer ihren Klauen entwischen lallen. Drollig nimmt sich die Flucht eines Weberknechtes aus, dessen haardünne Stelzen mit dem linsengroßcn Körper wie mit einem winzigen Baldachin in Siebenmeilenschritten daoonhetzen. Ein ziegelroter Nestelfalter, der sich auf einer Scherbe des Zacken- kranzes niederläßt, faltet seine schwarz und gelb gefleckten, mit blauen Randmonden gespipgelten Flügel auf und zusammen wie in langsamem Atem- spiel Sicher bat er in einer geschützten Mauerspalte den langen Winter verschlafen und ist auf seinen ersten Frühlingsflügen.

Während ich bei feinem unhörbaren Flügelschlag die in spielerischem Wechsel bargebotene und wieder entzogene Farbenglut der Schwingen bewundere, raschelt eine Eidechse vor mir in den Weg. Meine Schritte erschrecken und verwirren sie, daß sie ab­biegt. anstatt umzukehren. Ich fange die schlängelnd und in Zickzack Flüchtende und halte einen Augen- blick den erregt pulsenden Körper des ziersichen Tier- chens in meiner Hand. Die Angst läßt es nicht zur Ruhe kommen. Ich setze es ins Gras zurück. Die leicht beroeaten Halmspitzen verraten die Richtung der Ent- schlüpfenden.

Je länger man verweilt, um so mehr vergißt man den Garten hinter der alten Mauer. Sie ist selber ein Dorado mannigfaltigsten Lebens.

Gießener Stavttheaier.

Ernst vlias Niebergall:Tatterich".

Es war ein freundlicher Gedanke, die diesjährige Spielzeit mit einem Stück ausklingen zu lassen, dem gerade wir in Hessen und Gießen uns beziehungsvoll verbunden sühlen. Man geht erheitert und ein wenig gerührt aus dieser Benesizvorstellung für die Mit- glieber des Ensembles nach Hause aus der Meinen, beschaulichen und kaum ernstlich zu erregen- den Welt eines Darmstädter Biedermeier-Idylls, das uns für ein paar Stunden dem stürmischen Rhyth­mus einer trüben Gegenwart entrückt.

Die Inszenierung unter Hubs umsichtiger und humorbegabter Leitung war reizend, sie gab das Stück aus dem Dollen, liebevoll ausgepinselt, saftig im Lokalkolorit, idyllisch eingelebt in die Atmosphäre der kleinen Residenz vor hundert Jahrem Die De­korationen von Löffler waren auf Stimmung und Umwelt abgetönt und gaben ein so heiteres wie anschauliches Bild von den Schauplätzen der tra- gikomischen Begebenheiten. Insbesondere die alt­väterischeWertzstubb", Dotkerichs Dachkammer (von nahezu spißwegmäßigen Qualitäten) und die abendliche Idylle im Herrengarten und bei den drei Brunnen. Ein großes Ensemble war mit Eifer und Hingabe am Werk und mühte sich auch rechtschaffen um die teilweise doch wesensfremdeMundart der Darmstädter".

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Herr Michel gab den Drehergesellen ,Iall" Schmidt (dem albe Schmibt sei Sohn") in einer Maske von beachtlicher Bieberkeit, mit drolliger Steigerung aus anfänglicher Schüchternheit und Gutgläubigkeit zu der handfesten Entschlossenheit, die zuletzt verblüffende Wirkungen heroorbringt. D o l ck als Drehermeister Dummbach war ein präch­tiger Handwerksmeister von altem Schrot und Korn, von patriarchalischem Bürgerstolz behäbig geschwellt. Frl. Doering gab sehr niedlich und fouragiert das Mariechen, Frl. W i e l a n ö c r die schnippisch­mundfertige Lisette. Fassott: gemütlich-spießi­ger Skatbruder Bennelbächer; Hauer, Nieren und Geiger als ehrsame Handwerksmeister: und Frau Schubert-Jüngling als geschwätzige Bawett" seien vom großen Ensemble noch genannt.

DT. und DSV. Handball- Meisterschaften. e

Io. Herrnsheim Meister bet DI. bei den Männern.

Dor 5000 Zuschauern siegte in Hannover die Wormser Mannschaft überraschend über den MTV. Herrenhausen. Zwar waren die Wormser technisch nicht besonders gut, sic hotten dafür aber einen guten Sturm, wahrend sich der Hannoveraner Sturm zu sehr durch Jnnenkombination verzettelte. Der Spielverlauf sah zunächst die Süddeutschen überlegen. Nach dem Wechsel kam Herrenhausen etwas mehr auf, die Wormser konnten aber im End­spurt ihren Sieg sichersteUen.

Io. Vorwärts Breslau wieder Meister bet Frauen.

Im Frankfurter Stadion standen sich, wie schon im Vorjahre, der Stadt-SD. Frankfurt und der Titelverteidiger TD. Dorwärts Breslau im End- piel um die DT -Handballmeisterschaft der Frauen jegenüber. Die Breslauerinnen waren der Frank- urter Mannschaft in taktischer Hinsicht klar über­legen. Nach anfänglich gutem Spiel der Frank­furter kam Breslau machiig auf und gestaltete das Spiel überlegen. Auch nach der Pause war die Bres­lauer Mannschaft weiterhin überlegen und verließ als knapper Sieger den Platz.

Es war ein festlicher Abend und ein voller Er­folg vor stark besuchtem Hause: das Stammpubli­kum stattete mit ausdauerndem Beifall, mit Blu­men und einem reichhaltig gedeckten Gabentisch dem Ensemble seinen Dank ab; und es ist zu wünschen, daß das geschäftliche Ergebnis den Erwartungen

pflasterte Gäßchen, besten eine Seite sie säumt. Kein Tor unterbricht die graue Monotonie der dicken mör­telrauhen Wand, die immerhin überfteigbar wäre, wenn nicht eine spitze Zackenwehr von Flaschen­scherben sie krönte, in die nach Halt zu greifen keines Aufklimmcnden Hand wagen dürste. An vielen Stellen lasten klaffende Risse im verwitterten Bewurf eine untrügliche Runenschrift des Alters den Gesteinskern durchschimmern Man kann ihr, wie bet tiefen Wunden, bis auf die Knochen sehen. Aber mehr offenbart die Mauer nicht. Nirgends ist ein Guckloch ausgebröckelt, neugierigen Blicken das Geheimnis des Gartens zu entdecken.

Wie hoch jedoch die Wogen der frühlingstollen Reim- und Wurzelsäfte schlagen und wie wild sie die geborstene und gelockerte Erde über und über mit Grün und Blütenbunt überschäumen, verrät ein üppig austchwellendes Graspolsler, das am Fuße der Mauer, im Winkel zwischen Wand und 2ßeg^ hin- wächst. Als habe eine Hochflut hinter der Mauer Grundwasier emporgepreßt, so fremd und uner­wartet weht hier aus Gestein und hartem Boden

Rund um Schotten."

Die größte mitteldeutschche motorsportliche Veranstaltung.-40000 Zuschauer. Glänzender Verlaus.

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Polizei Weißenfels schlägt Polizei Berlin 8:3 (4:1).

In einem überaus spannenden Spiel schlug in D e s s a u die Polizei Weißenfels überraschenderweise den Altmeister, Polizei Berlin, glatt 8:3 (4:1). Die Weißenfelser waren sofort im Angriff und führten schon bei der Pause durch Tore von Dreikorn (3)

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Pätzold, Bullu s. Geiß, Kratz u. a. Der Samstag trat für daS offizielle Training vorgesehen. Leider haben äußerst starke Ge­witterregen gestört. Die Rennstrecke liegt jedoch meist bcäh, die feste Basaltdecke hielt die Strecke im allgemeinen trocken. Die vielen wertvollen Ehrenpreise, die ausgestellt waren, erregten all­gemeine Bewunderung. Ansehnliche Geldpreise ge­langten zur Derteilung. Der hessische Staat, die Stadt Schotten, der Deutsche Motorradsahrerver- band u. a. hatten wertvolle Ehrenpreise gestiftet.

Für Samstagabend hatte die Stadt Schotten die Fahrer und Vertreter der Sportbehörde in den Saal des altehrwürdigen Rathauses gebeten. Hier begrüßte Bürgermeister Mangel die Gäste im Ramen der Stadt und ließ ihnen aus den Silber­pokalen der Stadt einen Ehrentrunk kredenzen. Dr. Dambmann begrüßte im Auftrag des hiesigen WotorradclubS. Der Saal war zum Empsang festlich geschmückt, die Gäste erkannten dankbar die Aufmerksamkeit der Stadt und des Elubs, wie auch die freundliche Aufnahme, die sie in der Bürgerschaft gefunden hatten, an.

Ein prächtiger Sonntag war gekommen, da- Wetter, das der Tag brachte, war nicht besser zu wünschen. Unübersehbar waren die Zuschauer­massen; etwa 40 000 Menschen hatten sich einge­sunden, um Zeugen des Rennens zu werden.

Das kennen.

Bullus fährt wiederum Rekord.

Der Wettbewerb erhielt durch die Einbeziehung des zweiten Meisterschaftslaufs eine besondere Note. Das Rennen verlief bei ausgezeich­neter Organisation ohne wesentlichen Unfall. Den Auftakt bildete das Rennen der Beiwagen-

Beiwagenmaschinen (52,8 km): Kl. F 600 ccm: 1. Kahrmann-Fulda, 35:18 = 89,7 Stunden­kilometer auf NSU. 2. Nagel - Frankfurt (NSU) 37:13, 3. Detert - Faust, Nürnberg (NSU) 38:26. Kl. 0 über 600 ccm: 1. Jos. Moritz-München (Vic­toria) 34:02 = 93,2 Stundenkilometer (neuer Bei- wagenrekord); 2. Erlenbruch Wuppertdl 34:32 (Marke nicht genannt); 3. Stoll, Brand (H.-David- son), 36:29.

Ausweisfahrer (35 km): RI. A. 250 ccm: 1. Schön-Frankfurt (Bücfer) z4:24 (86,5 Stunden­kilometer). RI. B 350 ccm: 1 Wagner-Bieber bei Dffenbad) (MAG) 23:21 = 90,4 Stundenkilometer, beste Zeit der Ausweisfahrer Kl. C 500 ccm: 1. Bantz-lllm (Norton) 27:22 - 77,2 Stundenkilometer. RI. D-E 1000 ccm: 1. Eschenbach Weißenfels (BMW) 24:27 = 86 Stundenkilometer.

Meisterschaftslauf (Lizenzfahrer) 212 km: Kl A 250 ccm: 1. Winkler-Ehemnitz (DKW) 2:16,35 = 92,8 Stundenkilometer; 2. Kahrmann-Fulda (Her- kules-Jap) 2:19,09; 3. Geiß - Pforzheim (DKW) 2:26:26, 4. Schlotterbach-Düsseldorf (Jmp.-Rudge) 2:27,28. RI. B 350 ccm: 1. Loos-Godesberg (3m- peria) 2:09,27 = 97,9 Stundenkilometer; 2. Ley- Nürnberg (irium.-MAG) 2:12,42; 3. Winkler-Mün­chen 2:14,18 (auf Rudge), 4. Bertholet-Köln 2:17,41 (Rudge-W). Rl.C 500 ccm: 1. T Bullus-Eng- land (NSU) 2:03,41 = 102,44 Stundenkilometer, beste Zeit des Tages, neuer Streckenrekord; 2. und Sieger im Meisterschaftslauf Pepp Giggenbach- M Hadorf 2:10:58 (Rudge); 3 Jos. Klein-Frankfurt (Ardie-Jap) 2:11,27; 4 Mellmann - Lendrinolen (Norton) 2:12,11; 5. Bauhofer-München (DkW) 2:13:23. RI. D-E 1000 can. 1. Eduard Kratz- Dberotjmen (BMW) 2:08,6 - 98,9 Stundenkilometer; 2 Rüttchen Erkelenz (NSU) 2:09,51; 3 Roesc-Düs- seldorf (BMW) 2:13-31; 4. Weyres-Aachen (Harley Davidson) 2:15,33; 5. Prelle, Altenhagen (BMW) 2:30,00.

Kunze Gportnotizen.

Ionath-Bochum durchlief beim Nationalen Sportfest in Bochum die 100-Meter-Strecke in der neuen Weltrekordzeit von 10,3 Sekunden.

Juni 1932, nachmittag, Löwen ', Jlfumnvg 28, I I und Siede (Betanni- i DecheiyenmMah n Sofortige Anzahlung WM 1 Spülfkin,

1 Badewanne, 1 3tn; ü'chenhetd, Sessel, 1 nc ücher, 1 Bücherschran!. Sofas, Schreibmaschine', ichuhe, Stoffe, 1 wagen 1 Tasbackheri, änberlampe, 3 Fremder, ertito, Anzuge, 1 hrit- ohhüle, hüte, hmdcn. deneinrichlung, 1 L°dcn- nisieranlage, 1 Nkgistr node, 1 Sp-ndclpre lfl5apparat,®rammopbone Ähinne, Stöcke, «tag -e 1 Rotomaschine, I M ,parat, 1 BohnermasckM, ichtsvollzieher®!*n ^II^IelephonM^ MW S£®.

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Oie alte Mauer.

Von Peter Bauer, ist so lang wie das feldwegschmale, unge-

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die Strö<flPfe die Handschuh* das Oberhemd den Krag«n

Der sympathische Eindruck dieses seines berühm- testen Stückes das wie kaum ein anderes vor Zuckmayer ganz und gar aus hessischen Boden ge­wachsen war - ist nicht zuletzt begründet m der Anspruchslosigkeit, mit der Riebergall es hat er­scheinen lassen: er nannte es Lokalposse, aber es ist mehr, als die Bescheidenheit seines Schöpfers ihm zubilligen wollte: ein richtiges Volksstuck em Bieder­meierkleide, mit feinen Ansätzen zum Charakter- lustspicl, getreues Abbild des beschaulichen, hessischen Kleinbürgertums vor hundert Jahren.

Die einzelnen Bilder sind breit und behäbig aus­gemalt, idyllisch, nicht sehr bewegt von dramatischen

Zum achten Male wurde zu Schotten das große Motorradrennen, verbunden mit dem Lauf um die deutsche Motorradmeisterschaft, auf der bekann­ten Rennstrecke,bem Vogelsberger Rürburgring" ausgetragen. Alles, was Ramen im Kreis der deutschen Motorradfahrer trägt, war am Start angetreten. Dadurch gewann das Rennen, die größte mitteldeutsche sportliche Veranstaltung, er­heblich an Bedeutung. Schon seit Wochen war der rührige Elub mit seinen vielen älnterausschüssen mit der Vorbereitung des Rennens beschäftigt. Dank dem Entgegenkommen der Strahenverwal- tung und anderer Stellen war die

Rennstrecke in gutem Zustand verseht worden. Feste Absperrungen wurden an den Hauptpunkten angebracht. Die über 17 Kilo­meter lange Strecke wurde durch eine größere Abteilung Schutzpolizei und etwa 300 Mann der Freiwilligen Feuerwehr gesichert. Zehn Aerzte, zwei sreiwillige Sanitätskolormen waren auf der Strecke verteilt. Man kann die Zahl der bei dem Rennen beschäftigten Ausschüsse und Hilfs­kräfte auf über 500 annehmen.

Schotten selbst hatte sich zum Empfang der Fah­rer und der zu erwartenden Zuschauer festlich ge­schmückt. Durch Lautsprecher und telephonische Mitteilung der Rennresultate wurden die Zu­schauer auf der ganzen Strecke aus dem Lausenden gehalten. Zahlreiche Parkplätze waren wohlgeord­net in der Stadt eingerichtet worden, so daß die Unterbringung, An- und Abfahrt der vielen Räder, Motorräder und Autos gut vonstatten ging.

Schon feit Mitte der Woche weilten die Fahrer in Schotten, darunter Dauhofer, Soenius, Möritz, Rüttgen, Klein, Kahrmann,

und Seiler mit 4:1. Der Meister trifft nun im (Ent- scheidungssoiel um dieDeutsche Meisterschaft" auf den DT.-Me>ster TD. Herrnsheim Worms.

SC. Ct>arlottrnburg wieder Meister der Frauen.

Das zweite Endspiel in Dessau, das Meister­schaftsspiel der Frauen, sah den Titelverteidiger SC Chärlottendurg über Eintracht Frankfurt 4:1 (2:1) siegreich. Das Spiel stand meist im Zeichen der Ucberlegcnbeit der Spielerinnen des schwarzen C", die vor allem auch die ausgeglichenere Mann- schaslsleistung boten.

Süddeutschland im BundeSpokal geschlagen.

Der Horden siegt In Leipzig 2:1 (1:1).

Mit einer maßen Ueberraschung endete das End­spiel um den Bundespotal zwischen Süd- und Nord- deutschland in Leipzig. Vor nur 5000 Zuschauern wurde ein Spiel vorgeführt, das nicht im entfernte­sten den Erwartungen entsprach. Außerdem ist der Ausgang als vollkommen irregulär anzusprechen, denn der Süden war im ganzen Spiel überlegen.

Süddeutschland hatte in Koch und Wurzer zwei glatte Versager, auch Oehm und Burkhardt waren schwach Der Sturm war nicht sehr schußkräftig, doch waren Rühr und Leichter lehr sleißig. In der Läufer­reihe stach besonders Tiesel hervor. Jakob war an den beiden Treffern schuldlos. Die gesamte süd­deutsche Mannschaft zeigte aber die bessere technische Reife, auch das Zusammenspiel klappte besser als beim Norden. Die norddeutsche Mannschaft hielt sich besser als erwartet. Dor allem zeigten die Stürmer einen starken Drang aufs Tor. Die besten Leute waren Kath, Riste, Wolpers, Doerseld und Reh- wedder. Ludwig als Mittelläufer hatte einen guten Start, baute aber ab. Die Treffer für Norddeutsch- land erzielte beide Wolpers, das Tor für die Süd­deutschen schoß Leichter. Hohl (Halle) leitete das Spiel gut.

Die Gießener Rudergesellschast in Trier erfolgreich.

Die Ruderer der Gießener Rudergesellschaft von 1877 konnten am gestrigen Sonntag in Trier zwei eindrucksvolle Siege landen. Besondere Bedeutung kommt dem Sieg im Ersten Achter zu. Die Gießener, die vom Start weg die Führung ai^sich rissen blie­ben auf der ganzen Strecke in Front, zuerst mit etwa Vx Länge Vorsprung, auf halber Strecke konn­ten sie den Vorsprung auf eine halbe Länge ver­größern, verloren aber kurz vor dem Ziel wieder etwas Raum, so daß sie nur mit K Bootslänge immerhin aber sicher vor dem Achter des Kölner Klubs für Wassersport und dem Kölner RE. 1931 das Zielband passierten. Der Sieg erscheint deshalb beachtenswert, weil die beiden Konkurrenten in die­sem Rennen der Kölner Klub für Wassersport ünd der Kölner Ruderklub 1931 noch am vorigen Sonn­tag große Siege errangen. Der Achter des Kölner Ruderklubs siegte in Df(enbe aegen beste holländische und belgische Klasse, die Wassersportler landeten in Mühlheim einen eindrucksvollen Sieg. Die Gieße­ner Ruderer (Weidig, Hartmann, Flimm, Strauch, Köhler, Becker, Neuroth, Goetz, St.: Loh) machten also ihrem Verein und der Stabt Gießen wieder alle Ehre.

Im Einer bewies wieder Friedel I ö d t seine Leistungsfähigkeit. Er errang gegen fünf Konkurren­ten aus Bochum, Zell, Neuwied und Düsseldorf in guter Zeit einen überlegenen und sehr eindrucks- vollen Sieg.

Die wichtigsten Ergebnisse der Regatta:

Er st er Achter: Gießener Ruderge- sellschaft 1 877 6:33; 2. Kölner Klub für Was­sersport 6:33,6; 3. Kölner Ruder-Klub 1931 6:38.

Zweier ohne Steuermann: 1. RV. Bayer-Leverkusen 7:13,8; 2. Kölner Klub für Was­sersport bei 1500 Meter aufgegeben.

Doppelzweier:!. RV. Bayer-Leverkusen 7:05. (Fr ft er Vierer: WSD. Düsseldorf 6:54; 2.

Germania Düsseldorf 6:47,4.

Fußball der Gießener Mannschaften.

Spieloereinigung 1900.

Die Liga der Spielvereinigung weilte am Sonn­tag in Marburg, spielte gegen die Liga des VfB. Kurhessen und erzielte einen knappen, aber ver­dienten Sieg mit 3:4 Toren. Das Ergebnis be­deutet eine angenehme Ueberraschung. (Halbzeit 2:2.) Die Ligareserve spielte gegen die 2. Mann­schaft deS gleichen Vereins unentschieden 3:3 (1:3). Die Vierte gewann auf eigenem Platz gegen Ebs­dorf I. mit 2:0 (0:0). Die 1. Jugend konnte daS Spiel gegen die 1. Jugend Friedbergs überraschend hoch mit 1:5 für sich entscheiden. Die 2. Jugend siegte in Ettingshausen knapp mit 0:1. Die dritten Schüler verloren gegen Klein-Linden Schüler mit 1:0. Die Spiele der 1. und 2. Schüler fielen auS.

VfB.

Am Samstag gewann die Liga des VfB. auf eigenem Platz in einem schönen Spiel gegen die Liga von Ockershausen mit 4:0 (2:0). Die Alten Herren verloren am gleichen Tage gegen eine Mannschaft der Schied-richtervereimgung mit 1:5 Toren.

Am Sonntag empfing die Liga ebenfalls auf eigenem Platz die Liga des Sportverein- Wetzlar. Der hart geführte Kamps endete mit einem un­verhältnismäßig hohen Unentschieden von 6:6 (4:2) Toren. Die Ligareserve spielte in Garbenteich ge­gen die dortige 1 Mannschaft unentschieden 3:3. DaS Spiel der 3. Elf fiel aus. Die Jugend von Wetzlar-Ricdergirmes trat zum Spiel um die Meisterschaft des Gaues Gießen-Wetzlar nicht an und überließ den Gießenern kampflos die Würde. Die l. Spüler spielten in Großen-Buseck 2:2, die 2. Schüler kämpften gegen WieseckS Schüler eben­falls unentschieden (0:0).

Akzenten, aber theatralisch höchst wirksam, prall ge­füllt mit handfestem Humor, uns nah und heimat­lich vertraut im großartig abgelouschten und wieder­gegebenen Dialekt.

Die Tatsächlichkeiten der Handlung sind gering und übrigens so bekannt, daß man sie nicht ausführ­lich zu wiederholen braucht: die letzten Stationen auf dem unrettbar abschüssigen Lebensweg eines verbummelten Halbgenies, und der Sturm im Was­serglas, die geringen Exaltationen einer fleinbürger- lichen Welt, in die der alternde Vagabund er- schreckend und störend einbricht: insonderheit: die Gesöhrdung und endliche Rettung eines jungen Liebesglücks.

Ein kleines Meisterstück von Niebergalls treff- sicherer Eharakterifierungskunst bleibt die im Mittel­punkt stehende Gestalt des fragwürdigen Helden: Datterich,Particulier" und stadtbekanntes Original, hestendarmstädtifcher Falstaff, Schwadroneur und Aufschneider, versoffener Schlemihl und phantasie- begabter Schnorrer.

f a b r e r über drei Runden 52,8 km. In der 600-ccm-Klasse siegte ftahrmann - Qulba mit einem Stundendurchschnitt von 89,7 km.^ In der großen Beiwa genklasse fuhr Josef Möritz- München (Victoria) mit 93,2 Stunden­kilometern einen neuen Streckenrekord für Bei­wagenmaschinen. Das zweite Rennen der Aus­weisfahrer ging über 2 Runden (35 km) und b achte 29 Fahrer an den Start. Hier erwies sich der Sieger der ..'»Oer-Klasse, Wagner- Bieber bei Offenbach auf MAG mit einem Stundendurchschnitt von 90,4 km als bester.

Die Hauptkonkurrenz des Taaes bildete der zweite Meisterschaftslauf, zu dem von 58 gemeldeten ,»ahrern 45 ontraten. Diese hatten in allen 4 Klasten 12 Runden - 212 km zurück- zulegen In der 250-ecm Klaste siegte der Chem­nitzer DKW-Fahrer Winkler vor dem Fuldaer Hans Kahrmann, der anfänglich geführt hatte. Die 350er-Klasle war eine sichere Beute des Godes­bergers Ernst Loos (Jmperia). In der j-Liter-Klasse zog Bullus (NSU) davon und siegte mit neuer Re­kordzeit, nämlich mit einem Durchschnitt von 102,44 km. Sein Sieg konnte aber, da Bullus Engländer ist, für den Meisterschaftslauf nicht gewertet wer- den; diesen holte sich der an zweiter stelle einkom­mende Pepp Giggenbach - Mühldorf (Rudge) vor dem Frankfurter Klein.

In der großen Klasse bis 1000 ccm siegte nach anfänglicher Führung von Rüttchen- Erkelenz schließlich Eduard K r a tz - Oberohmen (BMW), der die beste Zeit aller deutschen Fahrer mit einem Stundenmittel von 98,9 Stundenkilometer heraus-