Ausgabe 
6.6.1932
 
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bisher zwei nur einen Sitz. Die Sozialdemo­kratische Partei mit einem Verlust von rund 10 000 Stimmen konnte sich verhältnismäßig gut halten. Ähre Fraktion ist um zwei Mandate geschwächt. Die Kommunisten haben einen Sitz hinzugewonnen. Leer ausgegangen ist die SAP.

Gtädtergebniffe.

Das Endergebnis der Stadt Wismar lautet: Sozialdemokraten 6393 (Reichstagswahl am 14. September 1930 6506), Kommunisten 1945 (1978), Rationalsozialisten 6196 (2656; Präs.-Wahl 6251), Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft der Mitte 589, DRDP. 699, Arbeitsgemeinschaft nat. Mecklen­burger 422, SAP. 19.

Rostock: Sozialdemokraten 17 920 (Reichs­tagswahl am 14. September 1930 19 600), KPD. 4328 (4224), RSDAP. 20 656 (8175; Präs.-Wahl 21 805), Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft der Mitte 1361, DRDP. 5645 (6231), Arbeitsgemeinschaft nat. Mecklenburger 1352, SAP. 65.

Schwerin: Soz. 8576 (10 862), KPD. 1054 (906; 921), RSDAP. 13 966 (5138; Präs.-Wahl 12 301), Bürgerliche Arbeitsgemeinfch. der Mitte 1479, DRDP. 2577 (2960), Ärbeitsgemeinsch. nat. Mecklenburger 1453, SAP. 108.

Die Lanbtagswahl in Hessen.

Erleichterungen für die Wahlpropaganda.

D a r m st a d t, 4. 3uni. (WSR.) In einer Unterhaltung mit dem Bertreter des WTD. er­klärte der hessische Staatspräsident Dr. Ade­lung zu den an die hessische Regierung in den letzten Tagen gerichteten Anregungen, die hes­sischen Landtagswahlen, die am 19. Juni stattfinden sollen, mit den Reichstags­wahlen zu verbinden: Die Berbindung der hessischen Landtagswahl mit der Reichstagswahl wäre nur möglich, wenn die Reichstagswahl vor dem 3. Juli stattfände, da nach Auf­lösung des Landtags verfassungsmäßig die Reu- Wahlen innerhalb von 60 Tagen erfolgt sein müssen. Die Reichstagswahl ist aber für die zweite Hälfte des Juli festgelegt worden. Es muh also schon aus diesem Grunde bei dem 19. Juni für die Hessischen Landtags­wahlen bleiben.

Alm den Wünschen der Parteien nach Er­leichterungen bei der Propaganda während des Landtagswahlkampfes soweit wie möglich entgegenzukommen, hat sich der Minister des Innern entschlossen, das allgemeine Demonstrationsverbot insoweit e i na u - schränken, dah während der Dauer des Land­tagswahlkampfes für alle Parteien Kundge­bungen und Bersammlungen unter freiem Himmel erlaubt werden, des­gleichen alle damit zusammenhängenden An- und Abmärsche der Teilnehmer in geschlosse­nen Gruppen. Aus den gleichen Gründen wird auch das bisher bestehende Verbot der Pro­paganda mit Parteifahnen aufge­hoben.

Oer -eutschnaiionale Wahlvorschlag.

D a r m st a d t, 5.3uni. Die Deutschnationale Dolkspartei hat für die Landtagswahl folgenden Wahlvorschlag Rr. 6 eingereicht: Böhm, Amts­gerichtsrat, Dad-Rauheim; Fenchel, Landwirt, öber-Hörgern; Schell, Pfarrer, Worms-Psiff- ligheim; Klara Klingspor, Hausfrau, Offen­bach a.M; Lahr, Landwirt, Ober-Hilbersheim; Arras, Landwirt und Bürgermeister, Ober- Ostern; Dauer, Schneidermeister, Darmstadt; Simon, Lokomotivführer i. R., Seeheim; Wolf, Landwirt, Effolderbach; Reuter, Zieglermeister, Bensheim; Christ offel, Gerichtsreferendar, Mainz; L e i n k a u f, Hhrmachermeister, Dad- Rauheim; Lutz, Landwirt und Müller, Klein- Felda; Kurtz, Oberpostsekretär, Friedberg; Günther, Landwirt und Gastwirt, Steinfurt; Antonie Raumann, Oberreallehrerin, Darmstadt; Komp, Landwirt, 3lbeshausen; Spies, Verwaltungsbeamter, Dittelsheim; Flach, Lehrer, Mainz; K a l b h e n n, Rechts­anwalt, Darmstadt; R a ch t i g a l l Schlossermstr., Gießen; Kling, Rektor, Gießen; Barth, Ober­leutnant a. D., Darmstadt.

Eine Gedächtnisfeier für Wilhelm Kahl im Reichstag.

Berlin, 5. Juni. (TU.) In dem mit würdigem Trauerschmuck versehenen Sitzungssaal des Reichs­tages fand eine Gedenkfeier für das verstorbene alte st e Mitglied des Reichstages, Ge­heimen Justizrat, Universitätsprofessor D. Dr. Dr. Wilhelm Kahl, statt. Ueber dem Präsidenten­gestühl war eine Büste Kahls aufgestellt. In der Reichspräsidentenloge wohnte neben dem Reichs­tagspräsidenten Lobe und dem Staatssekretär Dr. Meißner die Witwe des Verstorbenen der Gedenkfeier bei. Als Vertreter der Reichs­regierung war Reichskanzler v. Papen er­schienen, ferner bemerkte man den Führer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, den bis­herigen Reichsjustizminister Dr. Joel und den Rek­tor der Berliner Universität, Prof. Dr. Lüders, den stellvertretenden Vorsitzenden des Strafrechts­ausschusses des Reichstages, Dr. Bell, und den österreichischen Gesandten Dr. Frank. Den Platz des Verstorbenen aus seiner Fraktionsbank schmückte ein großer Strauß weißer Lilien. Auf den vier Ecktürmen des Reichstagsgebäudes waren die Fah­nen Halbmast gesetzt.

Als erster Redner würdigte Prof. Dr. Gold­schmidt, der Dekan der juristischen Fakultät der Berliner Universität, die juristische Tätig­keit Wilhelm Kahls. Er bezeichnete den Ver­storbenen als einen Rechtsgelehrten und Rechts­lehrer von außergewöhnlichem Ausmaß. Aus dem Forscher und Lehrer sei Kahl zum Hüter und Gestal­ter des Rechts geworden, gleichviel, ob er als Mitt- ler oder als Kämpfer auftrat. Wilhelm Kahl fei in Schmerz darüber dahingegangen, feine letzte Lebensaufgabe, die Strafrechtsreform nicht mehr vollendet zu hoben.

Geheimer Konsiftorialrat ^Iniversitätsprofessor D. Dr. Ege r, Hatte, Präses der Sächsischen Pro­vinzialsynode, legte dann dar, was Kahl der evangelischen Kirche gewesen sei. Volle 40 3ahre habe Kahl am Leben der evangelischen Kirche teilgenommen, als Mitglied der rheinischen und der brandenburgischen Provinzialsynode und der evangelischen Generalsynode. Der Redner hob besonders die Bedeutung in der Mitwirkung Kahls an der Verfassunggebenden evangelischen Kirchenversammlung hervor. - Reichstagsabge-- vrdneter Dingeldey widmete dem Verstör-

Die AattonaWalisten und das Kabinett papen.

Eine llnierre-ung mit Or. $ricf.

Kopenhagen, 3.3uni. (211.) Der Sonder­berichterstatter derDerlingske Lidende" in Ber­lin hatte eine Unterredung mit dem Führer der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion Dr. Frick, die das Blatt in großer Aufmachung un­ter der HeberschriftDas gegenwärtige und zu­künftige Deutschland bezahltkeine Repa­rationszahlungen mehr" veröffentlicht. Dr. Frick habe u. a. gesagt: Papens Regie­rung, obwohl sie mehr Verständnis für die Rationalsozialisten als Brüning habe, dürfe nicht als nationalsozialistische Re­gierung betrachtet werden. Der national­sozialistischen Partei stehe Papen neutral gegenüber. Man warte nationalsozialistischerseits erst einmal ihre Handlungen ab, um sie danach zu beurteilen. Auf die Frage, ob die Rationalsozialisten nach den Wahlen selb st die Regierungsbildung in die Hand nehmen würden, habe Frick geantwortet, daß sich das sowieso nicht mehr lange um­gehen lasse.

Heber die zukünftige Außenpolitik habe Dr. Frick gesagt, der ganze Geist der Außenpolitik müsse ein anderer werden. 3n Genf säßen deutsche Ver.reter und verhand lten völ ig ernsthaft, damit

die deutsche Abrüstung auf der Grund­lage, wie sie im Versailler Vertrag festgelegt sei, bestehenbleiben solle. Dies sei ein Hohn gegen Deutschland. Seit 14 3ahrrn seien di: Deut­schen wie ein Helotenvolk behandelt worden. Line derartige Behandlung gehe nicht mehr an, weshalb jetzt auch für das deut­sche Volk volle Gleichberechtigung verlangt werde. Die Voraussetzungen für die Deutschland aufgezwungene Abrüstung, wie sie im Versailler Vertrag vorgesehen seien, seien be­sondere. Diese Bestimmung des Versailler Ver­trages bestehe nicht mehr zu Recht. Er­kenne man dies auf der Abrüstungskonferenz in Genf nicht an, so hätten die Verhandlungen für Deutschland kein Interesse mehr.

Was Lausanne betrifft, so verstehe er, Dr. Frick, überhaupt nicht, was man dort noch wolle. Es gebe doch niemand mehr, der glaube, daß Deutschland aufs neue Reparation s° zahlungen lei st en werde. 3n der 3nnen- und Außenpolitik müsse man heute mit einem nationalsozialistischen Deutschland rechnen, erfüllt von Hitlers Geist. Das sei die Gegenwart und die Zukunft.

Die presse zu Papens Programm.

Berlin, 4. 3uni. (TU. Funkspruch.) Zur Re­gierungserklärung sagt dieDÄZ" u. a.: Die Regierungserklärung werde durch die große Offenheit ihrer Sprache Aufsehen erre­gen. Die Bilanz des politischen und wirtschaft­lichen Zustandes der Ration sei allerdings erschüt­ternd. Und die Ursachen der moralischen und wirt­schaftlichen Krise würden endlich einmal unmißverständlich beim Ramen ge­nannt. Die Entartung des Staates zu einem in­zwischen dem nackten Bankerott verfallenen Wohl­fahrtsstaat, die Zersetzung des öffentlichen Lebens durch Klassenkampf und die literarischen Aus­wüchse der Geistesfreiheit, die Bedrohung der deut­schen und christlichen Kultur durch den Atheismus würden ohne Umschweife beim Ramen genannt. Den klaren programmatischen Sähen der Kund­gebung sei wenig hinzuzufügen. Sie wirke durch ihre Ehrlichkeit und 3llusionslosigkeit. ,®er T a g" bemerkt, über die Regierungserklärung gehöre das Wort, das wir als Ueberschrift für diese kurze Stellungnahme wählten:Die Wei­marer Dilanzl"

DieGermania" führt u. a. aus, die Kundgebung der Reichsregierung fei, um es gleich zu sagen, des­halb eine Ueberraschung, weil man nicht darauf ge­faßt gewesen sei, daß jie d i e reaktionären Ziele des neuen Kurses mit einer solchen Offenheit proklamieren würde, wie dies tatsächlich geschehen sei. Sie sei zweitens eine Ueberraschung, da sie nichts Besseres zu sagen wisse, als das Ka­binett Brüning mit allem'zu belasten, was sie an Schwierigkeiten vorfinde. Wenn die von der neuen Regierung vorgefundene Bilanz dahin gekennzeichnet werde, daß die finanziellen Grunlagen des Reiches, der Länder und der Gemeinden erschüttert seien ein seit langem bestehender Gefahrenzustand, den das frühere Kabinett immer wieder überwunden und dem es auch jetzt durch die Fertigstellung des Haushalts, dem nur die Unterschrift gefehlt habe, begegnet fei bann müsse man demgegenüber fest­stellen, daß es sich heute noch immer um jenen Enoe

1918 erfolgten Bankerott des kaiserlichen Deutschlands handle, zu dessen ßiquibierung bie Regieruna Brüning bie bisher größten unb erfolg­reichsten Anstrengungen gemacht habe. Sehr einfach felbftDerftänblid) unb vom Volk unumstritten böten sich die .a u ß e n p o 1 i t i f ch e n Ziele der neuen Männer dar. Hier hätten sie eingutgemachtes Bett gefunden, hier gingen sie einen Weg, auf dem unsichtbar, aber unbestritten der Staatsmann Brüning über seine Amtszeit hinaus ihr Führer sei.

Derß o f a l a n 3 e i g e r" stimmt der Erklärung darin zu, daß eine grundsätzliche Klärung innerhalb des deutschen Volkes unbedingt erforderlich sei. Un- zweifelhaft sei in der Erklärung eine ganze Reihe sehr richtiger Erkenntnisse ausgedrückt. Aber die Erkenntnis dessen, was ist, sei nur ein Teil und der leichtere der dem Staatsmann ge­stellten Ausgaben. An Positivem erfahre man so­wohl auf innen- wie außenpolitischem Gebiet nur sehr wenig. DieNachtausgabe" bezeichnet als besonders auffallend die Sätze gegen ben Staats- fozialismus und die dabei ausgesprochene Erkennt­nis, daß die Arbeitslosigkeit durch bie übermäßige Belastung des Reichs, der fiänber unb Gemeinden mit sozialpolitischen Aufgaben noch gesteigert wor­den sei. Zu der Erklärung über die Außenpo 1 i. t i k sagt das Blatt, eine größere Deutlich- feit wäre für die Regierungserklärung nur von Vorteil gewesen.

DieTägliche Rundschau" empfindet es als einen Mangel, daß bie Erklärung kein Pro- g ramm enthalte. In ber Frage der Reichs- r c f o r m fei von dem Kabinett v. Papen wenig Erfreuliches zu erwarten. Das Blatt bedauert wei­ter den sozialpolitischen Kurs und vermißt Aus- führungen über die Siedlung. DieVoffische Zeitung" bezeichnet bie Erklärung als inner­politisch von Hugenbera und außenpolitisch von Brüning abgetrieben. Der Unterschied sei nur, daß Hugenbergs Schlagworte völlig übernommen wor­den seien, Brünings außenpolitische Thesen dagegen mit Auswahl.

bencn als Parteifreund und Parlamentarier letzte Worte des Gedenkens. Mit großer Wärme und Leidenschaft habe Kahl das deutsche Volk auf dem Weg durch Krieg und Zusammenbruch be­gleitet. Sein Eintritt in die Rationalversamm­lung galt nur der einen Aufgabe, mitten in der Stunde des Riederbruches Mahner und Helfer zu sein und den Ausgleich zu schaffen zwischen dem Gedanken der Autorität und den Forderungen des Tages. 3m Reichstag habe er die Arbeit für das große Werk der Strafrechts­reform wieder ausgenommen, dem bereits 3ahr- zehnte seines Lebens gedient hatten. Wenn dieses Werk nicht vollendet werden konnte, so liege darin die letzte Tragik des Wirkens Kahls.

Ein geplanter Anschlag auf Mussolini.

Rom, 5. 3uni. (TU.) Ein 25jähriger 3taliener, der geständig sein soll, einen Anschlag auf Mussolini geplant zu haben, wurde Samstag auf der Piazza Venetta verhaftet. Er war im Besitz von zwei Bomben und einem Revolver. Bei der Untersuchung wurde bei ihm ein Schweizer Paß auf den Ramen Angelio G a l v i n i gefunden, jedoch soll fest- gestellt worden sein, daß sein richtiger Rame S b a r b e l o 11 o ist. Heber das weitere Ergebnis des Verhörs ist bisher nichts zu erfahren. Der Verhaftete dürfte dem Sondergerichtshof zum Schuhe des Staates übergeben werden. Bei der Untersuchung der Bomben wurde festgestellt, daß sie eine gefährliche Wirkung gehabt hätten. Cs heißt, daß es sich um einen ita­lienischen Emigranten handelt, der 1925 aus 3talten In die Schweiz übergesiedelt ist. Er soll bereits im Oktober nach Rom gekommen sein und seither seinen verbreche­rischen Plan gehegt haben, ohne jedoch die Ge­legenheit zu seiner Ausführung gefunden zu haben.

Umsturz in Chile.

EinnationalsozialtstischcsKabinettüebildet

Santiago de Chile, 5.Juni. (TU.) In Chile ist eine Revolution ausgebrochen, die mit dem Siege der Armee geendet hat. Der Staatspräsident Montero ist gestürzt und die s o z i a 1 i st i s ch e Republik ausgerufen. Der in der Mi- Utärfliegerschule Bosque bei Santiago gebildete re« oolutionäre Ausschuß richtete am Sams- tagfrüh an die Regierung ein Ultimatum, zurückzutreten. Gleichzeitig wurde ein Dreieraus­schuß, an dessen Spitze ber General Puga stand, beauftragt, die Macht zu übernehmen. Als bie Re­gierung sich weigerte, schlossen sich bie Truppen ber Provinz der Bewegung an und verweigerten ber Regierung bcn Gehorsam. Militär- flieget überflogen bie Stadt. Der Versuch des frühe­ren Staatspräsidenten A l e j s a n b r i zu vermitteln,

wurde vom Militär abgeleh.nt. Am Samstag- früh trafen bie Führer ber Revolution unter Oberst Grove im Regierungspalaft ein unb zwangen Montero, abzubanken. Bei einem Menfchenauf- lauf in ben Straßen ber Hauptstadt wurde scharf geschossen, wobei es drei Tote und 61 Ver­wundete gab. Die neue Regierung ist bereits gebildet worden. Als stärkster Mann im Ministe­rium gilt der Wehrmini st er Grove. Die Regierung hat eine Kundgebung ausge- sprachen nationalsozialistischen Cha- rakters erlassen. Sie tritt für Außenhandelskon­trolle, Belebung der Wirtschaft durch Staatseingriffe ein und wendet sich scharf gegen ben Liberalismus unb das internationale Kapital. Die Ruhe in ber Stadt ist inzwischen völlig wiederhergestellt. Außer General Puga, dem neuen Innenminister, befan» den sich in dem Revolutionsausschuß noch D a d i 1 a, der Botschafter in Washington war und der Großmeister der Freimaurerloge, Matte.

Ein Deutscher Präsident des Memeldirektoriums.

Memel, 6. 3uni. (WTD. Funkspruch.) Gou­verneur G Y l h S hat hertte vormittag nach seiner Rückkehr aus Kowno, wohin er am Samstag ge­fahren war, den Abgeordneten der memellänoi- schen Volkspartei, Dr. Sch reiber, zumPrä- sidenten des memelländischen 2.1- rektoriums ernannt. Dr. Schreiber wird, wie wir hören, noch im Laufe des heutigen vormittags Hauptlehrer Wal gähn, der bisher politisch nicht hervorgetreten ist, und den Abgeordneten Sziagaud, der der Landwirtschaftspartei an­gehört und auch Mitglied desDirektori- ums Böttcher war, ernennen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsaußenminister Freiherr von Neu- r a t h traf Sonntag früh tnLondon ein. Er wird am Montagvormittag eine Besprechung mit d e m englischen Außenminister haben unb sich von btefem verabschieben. Der Röntg hat Frei- Herrn von Neurath zum FrühstückimBucking. h a m p a 1 a st am Montagmittag gebeten. An ben folgenben Tagen wird von Neurath die Amts- geschäfte übergeben und Abschiedsbesuche in London machen. Seine Rückkehr nach Berlin wirb voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche erfolgen.

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Der frühere Bundesführer deS Reichsbanners, Oberpräsident z. D. Otto H ö r s i n g, hat die Gründung der seit einiger Zeit von ihm ge­plantenSozialrepublikanischen Par­tei Deutschlands" vorgenommen. Als ihr Ziel wird angegeben: rupublikanische Konzentra­tion, Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsbelcbung. Außer Hörsing gehören dem Vorstände noch an Rechtsanwalt Dr. Homburger, Berlin, und der Reichsjugendführer deS Reichsbanners Pape.

Der englische Staatssekretär des Auswärtigen Simon und ber italienische Außenminister ® r a n b i haben bem neuernannten deutschen Außenminister Freiherrn v. Neurath herz­liche Begrüßungstelegramme übersandt.

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In Rumänien ist es dem Londoner Gesandten T i t u 1 e s c u nicht gelungen, das Konzentrations­kabinett zu bilden. Titulescu gab seine Betrauung dem König zurück. In ber Wohnung Titulescus fanb zwischen biesem unb ben Führern ber na­tionalen Bauernpartei eine längere Be­ratung statt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wirb ber König Baiba mit ber Bilbung eines Uebergangs- fabinetts betrauen.

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3n Griechenland hat Veniselos nach dem kurzen Zwischenspiel Papanastasius nunmehr wie­derum das Kabinett gebildet. Außen­minister ist wie in seinem letzten Kabinett Michalakopulos..

Veteranenmarsch auf Washington.

Etwa 4500 Kriegsteilnehmer sind aus ben Der« schiebensten ßanbesteilen in großereil"ünb kleineren Trupps zu Fuß, auf Güterzügen unb Lastautos nach Washington unterwegs, um die volle Auszahlung ihrer Lebensver­sicherungspolicen zu verlangen. Wie ver­lautet, sollen 145 Mitglieder des Repräsentanten­hauses versprochen haben, ben Gesetzentwurf Pat- man zu unterstützen, ber bie Zahlung von Prämien in Höhe von insgesamt zwei Milliarben Dollar an bie ehemaligen Sol- baten vorsieht. Präsident Hoover würde sicher fein Veto einlegen, wenn ber Gesetzentwurf an­genommen würbe. Nachbem 111 Demokraten und 33 Republikaner sich bafür eingesetzt hatten, daß bie Bonus-Bill am 13. Juni im Unterhaus zur Verhanblung kommen soll, erklärten bie in Washington versammelten Veteranen, sie würben in Washington bleiben, bis bie Bill angenommen worden sei. Die Polizei forderte die Veteranen wiederholt auf, Washington zu verlassen, erhielt jedoch bie Antwort, man möge sie aus Washington hinaustragen. Die Frage ber Ernährung ber zusammengeströmten Vetera- nen-Massen wirb von ber Polizei als hoffnungslos bezeichnet, zumal ein Zuzug von weiteren 4000 Mann In den nächsten Tagen er­wartet wird. Auch bie'U nterbringung der Leute stoßt auf ernsteste Schwierigkeiten. Mittler­weile sammeln sich an zahlreichen Punkten des Lan­des weitere Tausende von Kriegsteilnehmern zu einem Marsch auf Washington. Sie schrecken vor Sabotageakten nicht zurück. Wenn ihnen keine Freifahrt auf den Eisenbahnen gewährt wird, beschmieren sie bie Gleise mit Seife, um bie Züge auf biefe Weise zum Stillstand zu bringen.

Aus aller Wett.

Auch ein IDeffetroälber Kriegsgefangener kehrt zurück.

Während noch dieser Tage bie deutsche Presse ausführlich die Heimkehr des Kriegsgefangenen Os­kar Daubmann (Endingen) würdigte, hielt in dem Westerwaldborf Fluterschen bei Alten­kirchen ein anderer ehemaliger Kriegsgefangener seinen stillen Einzug: Wilhelm Krämer, der Sohn des Lehrers L R. Krämer, ber ebenfalls nach 17 Jahren erstmalig fein Vaterhaus wie- bersehen bars. Nachbem Wilhelm Krämer 1915 mit seinem Truppenteil an bie galizische Ostfront ver­setzt mürbe, geriet er hier 1916 in russische Kriegsgefangenschaft. Im Offiziersgefan» genenlager zu Ranft würbe er mit 600 Kameraben gefangengehalten, in 2 Quabratmeter Raum pro Kopf. In ber Eigenschaft als Lebensmittel­aufkäufer lernte er hier in Kansk feine nach­malige Gattin, bie Witwe eines russischen Stabs­arztes, Tochter eines Geistlichen, kennen. Bei Aus­bruch ber großen Revolution geriet in in bie Hänbe ber Bolschewiken. Nach langen Iah» ren vieler Drangsale in Sibirien besserte sich bann bas Schicksal Krämers. Als Renner ber russischen Sprache bot sich ihm vielseitige Betätigung. Seit wenigen Jahren nun ist er beutscher Kvnsu - latssekretär in Nowo-Sibirsk. Nun traf er mit Gattin unb Kindern in Fluterschen ein. Wilhelm Krämer wirb nach seinem 6wochigen Urlaub roieber zurück nach Rußland gehen.

Derbanbelag des Deulschnalionalen handlungs- gchilsenoerbandes.

Der Deutschnationale Handlungsgehilsen-Verdand veranstaltete in Hamburg seinen 23. Verbanbs- t a g, der von 360 Abgeordneten aus bem Reiche, dem europäischen und überseeischen Auslande be­schickt und insgesamt von mehr als 2000 Teilneh­mern besucht war. Aus bem Rechenschaftsbericht über bie beiden letzten Jahre geht hervor, daß ber DHV. mit 400 000 Mitgliedern als einziger großer Berufsverbot feinen Bestand voll behauptet hat. In einem Vortrag überSoziale Wirtfchaftspoli- tik" wandte sich Max Hegewald gegen jeden Versuch der gewaltsamen Losung j)er Krise durch Währungsexperimente unb betonte, ber DHV. werbe mit äußerster Entschiedenheit bie Tarif­verträge, das Schlichtungswesen und die Verbindlichkeitserklärung als wich­tigste Punkte des Arbeitnehrnerfchutzes verteidigen.

Verbandssekretär B e ch 1 y wies darauf hin, daß bie Führungspflicht ben DHV. in ben Kampf für die Unabhängigkeit ber Gewerkschaften zwinge, wobei sich der Verband niemals einer bestimmten Partei verschreiben werde. Bei ben bevorstehenben Wahlen gelte ber Kampf bes DHV. vor allem bem Marxis­mus. Zu bem Regierungswechsel betonte ber Reb­ber, ber Verbot mache seine Haltung abhänaig von ber Haltung der Regierung zu seinen nationalen und sozialen Zielen. In mehreren Entschließungen wur­den jede weitere Geholtssenkung, Eingriffe in bie Angestelltenoersicherung sowie Einführung ber Be- bürftigfeitsprüfung in der Arbeitslosenversicherung entschieden abgelehnt.

Zwölf Maler malen eine Frau.

In Anwesenheit bes Staatspräfibenten unb zahl­reicher Vertreter von Regierung unb Stabt sowie ber Darmftäbter Gesellschaft mürbe in Darmftabt bie diesjährige Sommeraus ft ellung auf ber Mathilbenhöhe, die von ber Darm- ftäbter Gruppe anläßlich ihres zwölfjährigen Be- stehens unter bem MottoZwölf Maler malen eine Frau" veranstaltet wird, eröffnet. Die Durchführung ber Ausstellung würbe burch bas Entgegenkommen von Frau Dr. Henrich ermöglicht, ber ber Leiter ber Darmftäbter Gruppe, Maler Alexanber Vosch, im Namen ber Gruppe ben lebhaften Dank aller Beteiligten ausfprach.

Ueber 50 000 Brieflauben aufgestiegen.

Der Bahnhof Rehfelde (Ostbahn), eine wich­tige Brieftauben-Flugstation der Reichsbahn, hatte

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