Persischen Finanzminister erklärt, daß die Gesellschaft das Recht der Regierung zur Kündigung der Konzession nicht anerkenne.
Der Vorgang hat in Bagdad im Irak- staot starke Rückwirkungen ausgelost. Die irakische Presse .erklärt, daß die Kündigung der Konzession ein Beweis für die Wiedererstarkung Persiens sei. Der Irakstaat müsse ebenfalls darauf bedacht s ein, die Stellung des Volkes zu heben, dessen Rechte durch gewisse Abmachungen mit England beeinträchtigt worden seien.
Hindenburgs Dank an papen Ein l erzlichesHandschrciben desNeichsprä- sidcntcu an den scheidenden Reichskanzler.
Berlin, 3. Dez. (WTB.) Reichspräsi- d e n t v. Hindenburg hat an den scheidenden Reichskanzler v. Papen nachstehendes Schreiben gerichtet:
Sehr geehrter Herr Reichskanzler!
Ihrem Anträge um Entlassung aus den Aem- tern des Reichskanzlers und des Reichskommissars für das Land Preußen habe ich durch die anliegende Urkunde entsprochen.
Schweren Herzens und nur veranlaßt durch Ihre persönlichen Borstel- l u n g e n lasse ich Sie in Würdigung der mir vorgetragenen Gründe aus diesen Aemtern scheiden; mein Vertrauen und meine Achtung für Ihre Person und Ihr Wirken bleiben unvermindert. Während Ihrer leider nur einhalbjährigen Tätigkeit als Reichsianzler und als Reichskommissar für Preußen habe ich Ihre hingebende und verantwortungsfreudige Arbeit, Ihre selb st lose Vaterlandsliebe und Ihre vornehmen Charaktereigenschaften hochschätzen gelernt. Ich werde die Zeit der Zusammenarbeit mit Ihnen nie vergessen. Für alles, was Sie in diesen schweren Monaten für unser Vaterland getan hüben, spreche ich Ihnen im Ramen des Reiches wie in eigenem Ramen meinen tief empfundenen Dank aus.
Mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen und mit kameradschaftlichen Grüßen verbleibe ich Ihr stets ergebener
(gez.) v. Hindenburg.
Ebenso hat der Herr Reichspräsident dem scheidenden Reichsminister des Innern Freiherrn v. ®ol)l und dem Reichsarbeitsminister Schäffer in persönliche nHandschreiben seinen Dank und Anerkennung für die geleisteten Dienste zum Ausdruck gebracht.
Eine Kundgebung des schsidsndenReichskanzlers
Berlin, 3. Dez. (WTB.) Eine Kundgebung des heute aus seinem Amte scheidenden Reichskanzlers von Papen:
In dem Augenblick, wo ich das Kairzleramt, in das mich das Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten berufen hat, an meinen Rachfolger abgebe, liegt es mir am Herzen, allenFreunden im Lande zu danken, die in den verflossenen sechs Monaten die Arbeit der Deichsregierung um die Wiedergewinnung unserer inneren und äußeren Freiheit, um die Grundlegung eines neuen und besseren konstitutionel- lenLebens, um autoritäre Staatsjührung gegen Parteiherrschast, um Arbeit und Brot für alle unterstützt Ijaben.
Meine Arbeit hatte nur das eine Ziel: Dem Z u f a m m enschluß allerwahrhaft vaterländischen Kräfte zu dienen. In ihm liegt die Zukunft der Ration beschlossen, der wir alle heißen Herzens dienen. Kämpfen wir weiter „mit Hindenburg für das neue Deutschland"!
Waisenrenten und Kmderzuschuß in der Angestelltenversicherung.
Berlin, 3. Dez. (TU.) Die Reichsversicherungs- anstalt für Angestellten teilt mit: Nach der 4. Notverordnung durften Waisenrenten und Kinder- Zuschuß über das vollendete 15. Lebensjahr hinaus uom 1.1.1932 an auch in der Angestelltenoersichc- rung nicht nie h r gezahlt werden. Auf Grund
der Ermächtigung in der Verordnung vom 19.10. 1932 haben Direktorium und Verwaltungsrat der Reichsversicherungsanstalt die 18-Iahres- grenze für den Bezug von Waisenrenten und die Gewährung von Kinderzuschüjsen als widerrufliche Mehrleistung eingeführt. Der Reichsarbeitsminister hat diesen Mehrleistungen z u - gestimmt. Mit Rückwirkung vorn 1. 10. 1932 werden hiernach Waisenrenten und Kinderzuschüsfe längstens bis zum vollendeten 18. Lebensjahre gezahlt, solange ein Kind nach Vollendung des 15. Lebensjahres Schul- und Berufsaus
bildung erhält oder infolge körperlicher und geistiger Gebrechen außerstande ist, sich l elbft zu unterhalten. Stiefkinder uni) Enkel können die Mehrleistung nicht erhalten.
Zur Wiedergewährung der nach der 4. Notverordnung fortgefallenen Waisenrenten und Kinder- Zuschüsse und zur Gewährung der neuen Leistung in den Rentenfällen, die in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Dezember 1932 entschieden wurden, bedarf es eines ausdrücklichen Antrages an die Reichsversicherungsanstakt.
Schuldig nicht aussprechen au dürfen. Ich darf daher, so schloß der Vorsitzende, das Gesamtergebnis dahin zusammenfassen, daß der Angeklagte verdächtig bleibt, daß aber, sowohl für die Indizien, als für das Gesamtergebnis der Schlußstein, der Rachweis für die Schuld des Angeklagten, doch fehlt.
Kunst und Wissenschaft.
Der Schriftsteller Gustav Meyrink f.
Der Schriftsteller Gustav Meyrink ist, einer Meldung aus München zufolge, im Alter von 64 Jahren in Starnberg gestorben. Meyrink war gebürtiger Wiener, lebte zunächst als Bankbeamter in Prag und kam erst verhältnismäßig spät zur Literatur; seine Stärke waren die Groteske und der phantastische Roman. Von seinen Büchern seien genannt: „Der Golem", „Das grüne Gesicht", „Walpurgisnacht", „An der Schwelle des Jenseits", „Der weiße Dominikaner".
Aus aller Welt.
Die die „Ersah Riobe" oussieht.
Amtlich wird mitgeteilt: „Der Ches der Marineleitung hat die Schiffswerft Blohm & Voß in Hamburg mit dem Dau desneue. Segel- schulschi^fes als Ersatz für das Suzulscyiff „Riobe" beantragt. Das Schiss wird als Drei- mast-Bark der höchsten Klasse des germanischen Lloyd und unter dessen Aufsicht mit allen erforderlichen Sicherheitseinrichtungen gebaut. Die Abmessungen sind: Länge über alles 73 Meter, Länge zwischen den Loten 62 Meter, größte Breite 12 Meter, größter Tiefgang in vollausgerüstetem Zustand 5 Meter bei einer Wasserverdrängung von etwa 1500 Tonnen. Ein Hilfsdieselmotor Typ MAN, der dem Schiff eine Geschwindigkeit von etwa 8 Seemeilen verleiht. Das Schiff wird für eine Besatzung von 226 Mann eingerichtet.
Die Karlsruhe" auf dem Dege nach kiel.
Der deutsche Kreuzxr „Karlsruhe" hat den Hafen von Dcgo (Spanien) verlassen, um nach Kiel zurückzukehren. Damit findet die Weltreise des Kreuzers „Karlsruhe" ihren Abschluß.
Schweres Verkehrsunglück in Wien.
Auf dem Währinger Gürtel in Wien stieß ein Lastkraftwagen gegen einen Straßenbahn z u g. Das Auto wurde vollständig zertrümmert. Drei Personen kamen ums Leben. Eine Passantin wurde schwer verletzt. Auch in dem Straßenbahnzug gab es mehrere Verletzte.
Raubmord in leget bei Berlin.
Ein Kapitalverbrechen wurde in einer Wohnung in Tegel bei Berlin entdeckt. Eine Stenotypistin, die bei dem Generalversicherungsagenten Bessert beschäftigt ist, fand diesen in feiner Wohnung erschlagen auf. Alle Behältnisse, Schränke ' und Schreibtische waren aufgebrochen und durchwühlt. Zwischen dem Mörder und seinem Opfer Muß sich ein heftiger Kampf abgespielt haben.
Tödlicher Absturz eines Ozeanfliegers.
Der irländische Flieger Ellife, der einen 0 3 e a n f lu g in Richtung nach Europa unternehmen wollte, ist bei Rosario in Argentinien tödlich abgestürzt.
Die Ergebnisse der Internationalen Telegraphenkonferenz in Madrid.
Ein Mitglied der französischen Delegation äußerte sich über die Ergebnisse der Internationalen Telegraphenkonferenz in Madrid, die jetzt zum Abschluß kommt. Ein einziges Abkommen, betitelt „Internationales Fernmitte i lu n g sab k o m m e n" werde abgeschlossen werden, und zwar zum doppelten Pressetarif. Trotz der Opposition Englands, der Internationalen Handels- kammer und der Handels- und Industrie kreise sei die Einführung eines fünf Buchstaben umfassenden Codewortes an Stelle von bisher zehn Buchstaben beschlossen worden. Diese Neuerung werde ab 1. Januar 1934 in Kraft treten. Die Kreise, die Telegramme zu senden pflegen, würden jedoch dadurch nicht geschädigt, denn die Einführung des fünf Buchstaben umfassenden Codewortes würde eine öOprozentige Herabsetzung der Gebühren für die außereuropäischen und eine 70pro- zentige für die europäischen Länder mit sich bringen.
DieGemeindewahlen in Thüringen
Bei ruhigem Berkaus geringere Wahlbeteiligung.
Weimar, 4.Dez. (TTl.) Am Sonntag fanden in sämtlichen Städten und Landkreisen des Landes Thüringen die Neuwahlen für die Gemeinde- und Kreisräte statt. Dcr Wahlakt schloß um 18 4Ihr. Rach den bisher vorliegenden Meldungen verliefen die Wahlen bei erheblich geringerer Anteilnahme der wahlberechtigten Bevölkerung störungslos und invollerRuhe. Die Wahlwerbung am Wahltage selbst war nur gering, wie überhaupt der Wahlkampf sich bis auf die Tätigkeit der Rationalso^ialisten und ihrer Führer unter Hitlers persönlichem Einsatz im engsten Rahmen bewegte. Die teilweise erhebliche Anzahl von Splitterlisten machte das nach 18 älhr einsetzende Wahlzählungsgeschäft zeitraubend und unübersichtlich.
Die ersten Ergebnisse.
Als erstes Ergebnis der thüringischen Gemeindewahlen liegt das aus Apolda vor. Von 19 234 Stimmberechtigten (am 6. November 18 838) beteiligten sich nur 12 200 (15 084), also 63,5 v. H. Von diesen entfielen auf die SPD. 2798 (gegen 3478 bei der Reichstagswahl am 6. November d. I.), KPD.
2184 (2574), NSDAP. 4430 (6389), Bürgerliche 2788 (zirka 2400). Die Mandat so erteilung im Stadtparlament stellt sich danach wie folgt, wobei die Vergleichszahlen sich auf die letzten Gemeindewahlen vor vier Jahren beziehen: SPD. 6 (8), KPD. 4 (2), NSDAP. 9 (6), Bürgerliche 6 (9).
Amtliches Ergebnis aus Weimar (in Klammern letzte Reichstagswahl vom 6. Rovember): RSDAP. 7122 (11 003;, SPD. 3347 (5491), KPD. 2703 (3914), Ztr. 619 (636), DRVP. 2272 (3768), DVP. 1250 (2100), Bürgeri. Mi-tte 922 (443).
Amtliches Ergebnis aus Jen a: RSDAP. 6249 (8420), Mandate 8 (1), SPD. 7479 (9615), 9 (11); KPD. 6513 (7442), 8 (5); DRVP. 1864 (3635), 2 (—), Staatspartei 28 66(2005), 3 (4); Bürgerl. Liste 3369 (2648), 5 (—). — Bei der Kommunalwahl des Jahres 1928 waren in der Bürgerlichen Liste der DRVP., DVP., Zentrum, Wrrtschaftspartei und die Christlich-Soziale Partei mit 14 Mandaten vereinigt, während diesmal in der bürgerlichen Liste nur die DVP., Zentrum, Wirtschaftspartei und Christlich-Soziale verbunden sind.
Das Urteil im Bntlerjahnprozeß.
Der Angeklagte wird sreigesprochen, bleibt jedoch des Landesverrats verdächtig.
Die Urteilsbegründung.
Leipzig, 3. Dez. (WTB.) In der Begründung zum Freispruch Dullerjahns betonte Senats- Präsident Dr. Dünger: Das Gericht fei sich dessen bewußt gewesen, daß eine Verurteilung nur auf Grund eines ganz exakten schlüssigen Beweises erfolgen dürfe. Den Beweis dafür, daß Bullerjahn aus Geldgier gehandelt habe, halte der Senat n i ch t f ü r erbracht. Landesverrat sei eines der schwersten und verächtlichsten Delikte. Einen Verrat dürfe man bei jemandem nur dann annehmen, wenn man dafür wirklich begründeten Anhalt habe. Bei Bullerjahn sei das n i ch t d e r Fall. Sein Vorleben, seine Abstammung und seine Erziehung deuteten dagegen. Wenn der Angeklagte einen Verrat aber doch begangen haben sollte, so sei das aus die Behandlung zurückzufüh - r e n, die ihm im Zusammenhang mit den Schrott- Schiebungen zuteil geworden ist. Der Senat halte es nicht für angängig, aus dem Mienenspiel, der Gangart, Tuscheln und anderen ähnlichen Momenten Schlußfolgerungen auf das Schuldbewußtsein des Angeklagten zu ziehen. Cs bestehe praktisch die Möglichkeit, daß der Kontroll-Kommission auch auf anderem Wege vertrauliches Material über das Wittenauer Werk zugetragen worden sei. /
Der Senat nehme allerdings mit einer an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit an, daß die Revisionen im Dezember und Januar auf besondere VerratsHandlungen zurückzuführen feien. Wie auf Grund von Auskünften des Auswärtigen Amtes jetzt fest- stehe, fei die Richträumung des Rheinlandes am- 10. Januar bereits beschlossene Sache gewesen. Dieser Beschluß habe nach außen hin
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begründet werden müssen, und es habe gegolten, das für Deutschland belastende Material schnell zu beschaffen. Man habe schärfere Kontrollmaßnahmen angeordnet und beschlossen, zur Durchführung unvorhergesehener Kontrollen überzugehen. Don einem französischen Minister sei gesagt worden, daß gerade der Wittenauer Fall eine dieser unvorhergesehenen Kontrollen gewesen sei. Zu berücksichtigen sei weiter, daß der französische Leutnant Jost als früherer Kriminalkommissar als ein besonders findiger Durchsucher anzusprechen fei.
Ein ganz starkes Verdachtsmoment ist und bleibt aber der Besuch des Angeklagten im Horstweg, wo der französische Leutnant Jost wohnte. Die beiden Airwesenheiten am Horstwege lassen doch Wohl ^ine einwandfreie Antwort auf die Frage verlangen: Was wollte der Angeklagte dort? Eine solche einwandfreie Antwort hat Bullerjahn nicht gegeben. Seine Antworten sind unwahrscheinlich und auch mit älnwahrhaftig- keit verbunden. Wenn der Senat trotzdem nicht । zu einer Verurteilung gekommen sei, so einmal I deswegen, weil es doch nicht ganz ausgeschlossen I fei, daß der Angeklagte sich anz 25. Dezember bei Herns nach einer Stellung erkundigen wollte, und dann, weil es möglich, wenn auch unwahrscheinlich fei, daß der Angeklagte am 7. Januar vorübergehend und in Aufregung auf den Gedanken gekommen wäre, sich von Jost eine schriftliche Ehrenerklä * t u n g geben zu lassen. Endlich halte es der Senat für nicht ganz ausgeschlossen, daß der Angeklagte seine frühere Anwesenheit am Horstweg deswegen verschwiegen habe, weil er glaubte, dadurch Ver- dachtsgründe gegen sich zu schassen. Eine lückenlose und exakte Beweisführung sei nicht erbracht worden, so daß der Senat geglaubt habe, ein
Renaissance des Klaviers.
Don Professor Alexander Borovski, Präger des Dud-nsteinpreises.
Die musikgeschichtliche Entwicklung des musikalischen schaffens der letzten Varkriegsjahre war gekennzeichnet durch eine immer stärker wuchernde Ueppigkeit des Orchesterklanges. Man Hütte angesichts der dominjerendenRolle desOrchesters von einer „Inflation der Instrumentierung" sprechen können. Das Klavier, eines der ursprünglichsten Musikinstrumente, war beinahe vollständig in den Hintergrund gedruckt. Nichtberufliche Musil er, die d as Klaoier- spiel pflegten, wurden leichthin als Dilettanten bezeichnet. Man vergaß dabei den geflügelten Ausdruck Hans v. Bülows, dieses einzigartigen Musikers des Geistes, daß Dilettant Liebhaber bedeutet. Em Kunstliebhaber muß aber seine Sache erst kennen, um sie zu lieben. Demnach muß ein echter „Dilettant" zugleich ein Kunstkenner sein.
3n der letzten Zeit hingegen scheint das Klavier wieder an Bedeutung und Ansehen zu gewinnen. Die vor kurzem eingeleitete Aktion zur Pflege der Hausmusik lenkt ebenfalls die B.icke auf dieses Instrument zurück. Es ist bezeichnend, daß im vergangenen Sommer bei einem internationalen Musikfest in Wien nicht weniger als 16 Klavier- konzerte aufgeführt worden sind. Wenn man vom Klavier spricht, so muß man bedenken, daß die größten Musiker gerade auf diesem Instrument lebendig werden, vor aLem Johann Sebastian Bach, der Baler aller deutschen Meister. Ja ganz Europa und Amerika verkörpert Bach den Jnbegriss deutscher Musikkultur. In England beispielsweise ist der Bach- Kultus tief eingewurzelt. Zu Ende des Sommers finden in London sogenannte Promenadenkonzerte statt, Veranstaltungen, die dort ungeheuer populär sind, und die durchaus volkstümlichen Charakter im besten Sinne haben. Das Publikum hört sich stehend 'm p^kätvoller Stille Meisterwerke der musikalischen Weltliteratur an. Nicht weniger als acht Abende sind dem Meister Bach gewidmet. Hans o. Bülow, dessen geniale Aussprüche zu zitieren man nie müde wird, hat nicht umsonst die Klavierwerke Bachs als den „Tripleextrakt der Musik" be.^ichnet. „Wenn alle Meisterwerke der Musik verloren gingen", pflegte Bülow zu sagen, „das wohltemperierte Klavier uns aber erhalten bliebe, so könnte man da raus we lzanze Literatur wieder neu konstruieren. Das wohltemperierte Klavier ist das alte Testament, an das wir glauben müssen". Daß Bachs Werke in ber letzten Zeit immer öfter auf dem Konzertpro-
gramm erscheinen, hat auch andere, nicht nur kulturgeschichtliche Gründe. Bach ist heute durchaus aktuell. Die Konstruktivität seiner musikalischen Form, sein eiserner Rhythmus und seine Geistigkeit sind dem mechanischen Zeitalter nahe. Bach hat einen ungeheuren Einfluß auf die ganze moderne Musik ausgeübt. Die Führer des modernen musikalischen Schaffens in der ganzen Welt, Strawinski, Prokofieff und nicht zuletzt Hindemith erweisen in ihren Werken ihre Bewunderung und ihre Liebe für Bach.
Neben Bach sind die Beethovenschen Kla- viersonaten eine Duelle unendlichen Genusses für den Musiker. Hat Bülow die Werke Bachs als das alle Testament bezeichnet, so nennt er die Beethoven schen Klavierfonaten das neue Testament, an das wir gleichfalls glauben müssen. Gerade der Mu- sikliebhaber erlebt beim Spiel Beethovenscher Sonaten eine geistige Genugtuung, die oft genug vollen Ersatz bedeutet für rein materiellen Erfolg.
Den großen Meistern der Klaviermusik Bach und Beethoven reiht sich ebenbürtig der „göttliche" Mozart an. Die Klaviersonaten Mozarts bergen einen köstlichen Schatz von reinster Musik, die zu rem dramatischem Erlebnis wird. Ebenso darf hier Chopin, der Poet des Klaviers, nicht außer Acht gelassen werden. Seinerzeit wurde Chopin vorgeworfen, daß er Tänze komponiere. Seine Mazurkas sind aber aus tiefster Empfindung entstanden. Heute noch muß man die Gewack der Leidenschaft und die Schwermut, die aus diesen Klängen spricht, bewundern. In feiner Art ist Chopins Erscheinung in der musikalischen Weit ziemlich einzigstehend. Er ist der geborene Romantiker. Wenn unsere Zeit einerseits das Männlichstraffe bewundert, so hat sie andererseits eine begreifliche Sehnsucht nach dem Gegensatz. Ja, diese Sehnsucht kann sich in einem Maß übersteigern, daß ihr Ziel und ihre Erfüllung wird: der Kitsch. Chopin aber bleibt stets im wahrsten Sinne romantisch und lyrisch, ohne je kitschig zu sein, und befriedigt so in edelster Form den leichtverständlichen Drang des abgehetzten Menschen der Gegenwart nach einem Schluß Romantik. Darüber hinaus sieht der Klavierspieler in Chopin den Meister, bei dem man etwas Seltenes und Besonderes lernen kann, nämlich das, was man am besten als ,/befeette Technik" bezeichnet.
Liszt, der unvergeßliche Virtuose, verkörpert gleichfalls eine Epoche in der Entwicklung des Klaviers. Liszt war es, der diesem Instrument ein fr- bis dahin noch nie erreichte kulturelle Höhe bSschied. Liszts Klaviertradition ist auch heute »noch maß
gebend. Liszt Schule -war keine Schule in der alten Bedeutung des Worts. Es war keine trockene Schulmeisterei, sondern die künstlerische Emanzipierung des musikalischen Inhalts eines Werkes vom starren Schema. Liszts Schule war lebendig, sie lehrte die freie und nicht die sklavische Vorführung eines Werkes. Im Rahmen einer strengen Gesetzlichkeit gab sie der künstlerischen Individualität die Möglichkeit, sich frei und ungehemmt zu entwickeln.
Das Klavier ist mit der Quintessenz des musikalischen Schaffens also eng verbunden, daß von einer Zurückdrängung des Klaviers, die man kommen sehen wollte, nicht die Rede fein kann.' Wir erleben vielmehr eine Renaissance dieses Instruments, und es ist bezeichnend, daß einer der modernsten Musiker, nämlich Strawinski, den wir heute bereits als Neo-Klassiker empfinden, seine letzten Werke für Klavier komponiert hat.
Tonfilm: ^Strich durch die Rechnung".
Ein neuer Ufa-Film, der in Rennfahrerkreisen fpielt und in einem großen und groß ausgemachten Radrennen seinen Höhepunkt uno Abschuß findet. Er dürste aber nicht nur Sportsleute interessieren, da er nebenbei auch em hübscher Unterhaltungs- und Spielfilm mit volksstückmäßigcm Einschlag -ist, über eine flott ab laufende Handlung, sauber w.ederge- gebenes M.lieu und eine kleine Liebesgeschichte verfügt, auch lebendig und wirkungsvoll photographiert ch. Der Regisseur Alfred Zeisler hat aus dcm Drehbuch (nach einer Komödie von Fred A. Anger- P1" her) alles Mögliche herausgeholt: eine pubbi- kumsfichere Mischung von Spannung, Humor und volkstümlichen Stonflitten. Außerdem bringt er eine bis in kleine Chargen hinein sorgfältig zusammen- ge(teilte und aufeinander abgestimmte Besetzung heraus. Heinz Rühmann Hot hier eine große Chance, sein Operettentalent auf etwas seriöserem »oben zu entfalten; er gewinnt durch angeborene Schlagfertigkeit und trockenen Witz, hat aber Gelegenheit, zu zeigen, daß er auch ernst fein kann, wenn er will und vor die richtige Ausgabe gestellt wird. Neben ihm vor allen anderen: Tony van Eyck, Reinhardts berühmtes Kätchen von Heilbronn, hier ein ganz einfaches, liebes und tüchtiges Mädel „aus dem Volk". Eine Menge guter Leistungen: WaIlburg natürlich, Speelmans, die elegante Flokina von Plate n, Tiedtke (ausgezeichneter Berliner Typ), Margarete Kupfer und Kämpers, um nur die wichtigsten #u
nennen. — Der Film läuft seit gestern mit einem vielseitigen Beiprogramm bei großem Besuch im Lichtspielhaus. Aus der Bühne fanden R a - mona und Pola (Tanz, Akrobatik, Dressur) freundlichen Beifall. —r—
Zeitschriften.
— Das Tezemberh-eft der „Zeitwende" (C. Sy Veck'sche Verlagsbuchhandlung München) bringt einen Aussatz des Erforschers afrikanischen Volkstums, Vruno Gutmann, über den Weihnachtsbaum. Gutmann faßt den Paradiesesbaum des Alten Testaments, den Weltenbaum der Rord- völker und das Kreuz Jesu Christi in eine große Schau zusammen. Sie knüpft an alte deutsche Ueberlieferungen an und zeigt damit anschaulich die innige Verbundenheit von Christentum und deutschem DolRtum. Es ist deshalb kein Zufall, daß Gutmann den Weihnachtsbaum auch als Sinnbild einer im Boden verwurzelten, ins göttliche Licht emporwachsenden Volksgemeinschaft hin- ftellt. — Ein Schauder der geheimnisvollen Bedeutung des Baumes, die Gutmanns Meihnachts- betrachtung aufdeckt, liegt auch über dem Beitrag von Lisa Hohorst „Das verwunschene Schloß". Er enthält schlichte und anspruchslose Kindheitserinnerungen an ein zerfallenes Prunkschloß in der Rähe von Moskau und an seinen verwilderten Park. Diese Erinnerungen lassen uns lauschen auf das uralte Lied von vergänglichen und ewigen Dingen, das eine solche Waldwildnis singt.
— Aus der Dezembernummer von Wester- manns Monatsheften. die man als Weihnachtsheft bezeichnen darf, sei besonders die mit rielen Dildwiedergoben versehene Abhandlung über „Otto Graf, ein süddeutscher Maler" von Oeftering erwähnt. Dem Leben und Werk be^ Karlsruher Malers, der ein Schüler von Friedrich Fehr ist, wird eingehende Beachtung geschenkt. Daß Geschwister oft die besten Erzieher sind, beweist Frau Dr. Doris Iaehner in einer Plauderei über die erzieherische Wirkung und das Beispiel, das Geschwister untereinander sich geben und das in manchem nachhaltiger ist, als pädagogischer Vorbedacht Erwasener. Daß das Schenken anläßlich eines frohen Festes eine besondere Aunsi ist, zeigt uns Dr. Max Schefold in feiner Weihnachtsrundschau über schöne Geschenke. Für das Fest besonders beftimmt sind die Abhandlungen über Weihnachtsgebäck von Dr. Anton Mayer und deutsches Holzspielzeug von Otto August Ehlers.


