Ausgabe 
5.11.1932 Frühausgabe
 
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wäre, weil er aus ihm hätte wieder aussteigen müssen. Allerdings, wenn man eine Zusam - rnenfafsung aller nationalen Kräfte wünscht und will, dann kann man nicht die Befrei­ung der wegen feiger Mordtat verurteilten Beu- thener Mörder feierlich zur Ehrensache seiner Partei erklären. Dann muh man die Normen des Rechts st a a t s anerkennen, wie er in Jahrhunderte alter Bindung geworden ist. Kann eine Regierung, so frage ich, darauf verzichten, mit den schärfsten Mitteln gegen Mord und Ter­ror einzuschreiten, um eine Lage zu beseitigen, wie sie von den radikalen Parteien nach dem Wahl­ergebnis des 31. Juli in Königsberg und an an­deren Orten geschaffen war? Die Führung der Staatspolitik muh in der Hand von Leuten liegen, die eine Tat als Heldentat oder Verbrechen nicht lediglich danach unterscheiden, ob der Täter zu ihrer eigenen Partei gehört oder nicht.

Wenn sich Herr Hitler in den gemeinsamen Zug mit dem großen nationalen Deutschland sehen will, dann darf er auch nicht die Skrupellosigkeit be­sitzen, die Stellung der um die Gleich­berechtigung und Wehrhoheit der Ration kämpfenden Regierung durch einen Dolchstoh in den Rücken zu schwächen. Will eigentlich die nationalsozialistische Bewegung die Vormundschaft der Parteien über die Reichs- und Staatsführung abschaffen, oder will sie sie verewigen? Fast scheint das letz­tere der Fall. Denn vor dem 13. August hat sie uns in ihrer Presse aufgefordert, i n P r e u h e n Ruhe und Ordnung sicherzustellen. Heute aber findet sie, dah das Eingreifen in Preußen unberechtigt war, beschließt mit den Kom­munisten, dah die preußischen Beamten nicht zum Gehorsam gegen uns verpflichtet seien und setzt das Parlament zum Schiedsrichter über die Ge­schicke der Ration ein. Wo ist da Wahrheit, Klar­heit? Wo ist da Sinn und Ziel des Kampfes der nationalen Kräfte gegen den Marxismus und die Allmacht des Parteienstaates?

Am was es geht, ist doch dieses: Richt, ob dieser oder jener Parteiführer auf dem Kanzlerstuhle sitzt, nicht ob dieser Mann Hitler, Brüning oder Papcn heißt, es geht darum, daß wir uns zusammenfinden, um die Lebensgrund­lagen des deutschen Volkes zu sichern. Der Kampf, den diese Regierung um die Sicher­stellung unserer Lebensgrundlage seit säst fünf Monaten führt, Hal nichts im Auge als die Rot der Familie in Stadt und Land, an deren kargem Küchentisch hunger und Verzweiflung zu Gaffe sitzen. Das ist die Vorstellung, die einem das Herz bluten macht, und die allein unser Dollen bestimmt.

Hnser Amt ist wahrlich keine Herrschaft irgend» einer Kaste oder hauchdünnen Schicht, wie man es hinzustellen beliebt, unser Amt ist Dienst am Volk. Wir alle gehören zusammen. Wir wollen nichts anderes als helfen. Niemand soll von der gemeinsamen Arbeit ausgeschlossen wer­den und auch die Behauptung, wir wollten die Frau des Wahlrechts berauben, ist eine der zahlreichen Wahllügen. Diese Regierung vertritt keine Partei, und sie w i r b t f ü r k e i n e P a r - te i, aber jeder, der es ehrlich mit Deutschland meint, sollte in diesem Wahlkampfe seine Stimme Aner Partei geben, die das Ziel dieser Regierung unterstützt. Parteien sind Ausdrucksformen des politischen Willens. Wenn eine Partei aber den Willen des Wählers nicht vertritt, dann wähle er eine andere, denn Par­teien sind kein Glaubensbekenntnis. Sie wechseln mit der Zweckmäßigkeit der poli­tischen Loge.

Das diese Reichsregierung wollte und weiter will, das hat zwar die Parteipresse aller Schat­tierungen, verzerrt und verleumdet, aber unsre Arbeit spricht für uns. Man kann nicht in fünf Monaten sechs Millionen Arbeitslose von der Straße bringen, die zer­rütteten Finanzen ordnen, den aufgeblähten

öffentlichen Apparat zusammenschweißen, ffaafs- und wirtschaftspolitische Reformen durchführen, auf die das Volk seit Jahren wartet. Aber überall ist der Anfang gemacht, die Resultate der Parteiherrschaft zu beseitigen.

In Preußen ist mit eiserner Hand zuge­griffen, um durch rigorose Sparsamkeit in der Verwaltung oben und unten die unerträglichen Lasten zu senken. Für die Landwirtschaft und die Gesundung des Binnenmark­tes sind Milliarden aufgewendet. Das gesamte Finanz- und Wirtschaftsprogramm ist ein Beweis eigener Kraft, nicht um einen Pfennig sind unsere Auslandschulden vermehrt. All diese Ar­beit soll gekrönt werden durch die Reform der Verfassung, die wir mit den Ländern und den Parlamenten durchzuführen hoffen. Diese Erneuerung muß unser Ziel sein, wenn wir am 6. November wählen.

Wenn wir aber das Trümmerfeld übersehen, das die Verhetzung dieser letzten Wochen ge­schaffen, dann können wir eigentlich alle nur von einem Gedanken beseelt sein: Deutschland ist nur zu retten, wennalle" wieder von dem Geist der Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft erfüllt sind, der ein st im Schützengraben den Geheimratssohn und den Bauernknecht zur

Kameradschaft auf Tod und Leben verband. Rur dieses engste Herzensband der Kampf­gemeinschaft hat Deutschland zu so unerhörten Leistungen im Krieg befähigt. Kann es nicht heute wieder so sein? Wollen wir nicht endlich gemeinsam am Aufbau der Ration arbeiten, nicht endlich dieDurchbruchsschlacht deutscher Selbstbesinnung" schlagen? Das ist die Schicksalsfrage, die ich vor allem auch an die große nationale Freiheitsbewegung Deutschlands richte. Aufbauen kann man nur mit Vertrauen und Liebe. Laßt uns an unsere Christenpflicht erinnern und an den tiefen Sinn des Opfers von zwei Millionen unserer besten Söhne. Wer Deutschland liebt, der folge dem Rufe seines geliebten Führers in Krieg und Frieden, der wie ein Wahrzeichen feine schützende und gerechte Hand über unser Land hält, hört auf ihn, der nicht müde wurde, euch zur Einigkeit aufzurufen, schließt die Reihen, damit nach dem 6. Rovember die wahren nationalen Kräfte geläutert aus dem Glutofen dieser Rotzeit emporwachsen. M i t Hindenburg für ein neues Deutsch- land!"

MederinganOtziW des Verkehrs in Berlin.

Starker Widerstand der Streikenden.-Steine und Schüsse gegen ausfahrende Straßenbahnwagen.

Holzbalken und aufgeworfenes Straßenpflaster bedecken die Straßenbahngleise.

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Berlin, 4. Nov. (CNB.) Die Funktionäre der Tariforganisation der Freien Ge­werkschaften haben die Wiederaufnahme der Arbeit bei der BVG. empfohlen. Hingegen hat eine l o kale Streikoersammlung, an

der etwa 1200 Angestellte und Arbeiter der BVG. teilgenommen haben, sich für die Fortsetzung des Streiks entschieden.

Die von der BVG. für die Wiederaufnahme der Arbeit gestellte Frist bis heute nachmittag hatte

zur Folge, daß sich schon im Laufe des Vormittags eine größere Menschenmenge vor den verschiedenen Betriebsbahnhöfen an­sammelte. Um 14.45 Uhr verließ als erster Wagen die 96 E mit Richtung Hallcsches Tor den Bahn­hof. Neben dem Personal fuhr ein Aufseher und auf dem Vorder- und Hinterperron je ein Polizei- beamter mit. Weiter wurde die Straßenbahn von einem Streifenwagen der Polizei begleitet. Gleich nach der Ausfahrt wurde das Personal von der Menschenmenge m ü ft beschimpft. Man hörte Rufe wie:Streikbrecher",Strolche", Rausholen" usw. In der Belle-Alliance-Straße standen Tausende von Menschen, die von dem Be­triebsbahnhof Kreuzberg abgedrängt waren. Hier sah man auch die ersten aus der Stadt zurückkehren­den Wagen mit eingeworfenen Fensterscheiben. Ueberall war die Polizei damit beschäftigt, die Men- schenmassen auseinander zu treiben. Kurz nach 15.15 Uhr setzten systematische Steinwürfe gegen vorüberfahrende Straßenbahnen auf dem Abschnitt der Gneisenau-Ecke Belle-Alliance- Straße und der Kreuzbergstraße ein, so daß die Polizei sich gezwungen sah, Schreckschüsse abzu­geben. Auch die Polizeibeamten auf den Straßen­bahnen zogen die Pistolen, um die Steinwerfer ab­zuschrecken. Nachdem einige Haupträdels- sührer zwangsgestellt waren, wurde es ruhiger. Auf der Strecke mußten die Straßen­bahnen wiederholt halten, da die Schienen und die Weichen durch eingeklemmte Steine unbefahrbar gemacht worden waren. Zahlreiche Wagen fuhren mit eingeschlagenen Scheiben in das Depot am Kreuzberg zurück. In der Weinmeisterftraße wurde ein Wagen der Stra­ßenbahnlinie 6 zunächst mit Steinen beworfen und, als die begleitenden Polizeibeamten die Täter fest- stellen wollten, aus cin'em Haus heraus' beschossen. Am Alexanderplatz bildeten sich unt Die gleiche Zeit ft arte Ansammlungen Streikender und Sympathisierender), so daß der Fußgängerverkehr völlig ins Stocken geriet. Erst nach der wiederholten Anwendung des Gummiknüppels gelang es der Polizei, die An­sammlung zu zerstreuen und die Ruhe wiederher- zustellen.

In Her Hauptstraße in Schöneberg wurden mehrere Straßenbahnwagen mit Steinen be­worfen, so daß die meisten Wagen wieder ins Depot zurückfahren mußten. Mehrere Polizeibeamte wunden hart bedrängt. Sie haben Schüsse ab­gegeben, wodurch eine Frau Verletzungen erlit­ten hat. Man brachte sie zur nächsten Rettungsstelle. Eine Kvastwagenstreife der Polizei ist in der Vor­bergstraße beschossen und mit Steinen be­worfen worden. Daraufhin haben die Beamten das Feuer er widert. Ein Mann wurde hier­bei getötet.

Im allgemeinen bietet das Innere der Stadt ein sehr bewegtes Bild, da der Straßenbahn-, Omnibus- und U.-Bahnverkehr noch recht spärlich funktioniert und gegen 17 Uhr nach Arbeitsschluß die Menschen auf die Straße strömen. Besonders in der Geschäftsgegend, aber auch im Regierungsviertel wird ein erhöhter Streifendienst aufrechterhalten, um auch hier etwa aufkommende politische Demonstra­tionen von der Bannmeile fernzuhalten.

Oer Ll-Bahnbetrieb

konnte vorläufig nur teilweise wieder ausgenommen werden. Als die Wagen die Depots verließen, setzte sofort der Terror der Streikenden ein, die von Sympathisierenden unterstützt wurden. So sind am Stettiner Bahnhof zwei Omnibusse umge» kippt worden, wobei es nicht ohne Verletzte abging. In der Kaiserallee wurden in die Linie 47, die als eine der ersten den Betrieb aufgenommen hatte, Barrikaden gebaut, die erst nach längerer Zeit beseitigt werden konnten. Ueberall, wo sich Straßenbahnen zeigten, rotteten sich Streikende und Sympathisierende zusammen und b e d r o h t e n d i e Fahrer. In vielen Fällen wurden faustgroße Steine gegen die Wagen geschleudert, wobei vielfach Scheiben in Trümmer gingen. In den meisten Fäl­len waren die Wagen so schwach besetzt, daß wei­teres Unheil nicht entstanden ist.

Spiel des Zufalls.

Don Frih Mack.

Man sprach wieder einmal vom ZufaU. Zum soundsovielten Male wurde die Frage erörtert ob es überhaupt einen Zufall gäbe. Man wies auf das oft genug wirklich seltsame Zusammen­treffen von älmständen hin, auf die Häufung ungewöhnlicher Ereignisse, die in manchen Fällen ans Wunderbare grenzten. Einer gab zu be­denken, ob man in der merkwürdigen Gleich­zeitigkeit oder auch in dem Racheinander ver­schiedener, scheinbar in einem geheimnisvollen cc-^mmcn^an9 stehenden Ereignisse nicht einen ab,ichtsvollen Plan der Vorsehung, des Schick- sals oder wie immer man das nennen möge, erblicken müsse. Ein anderer, okkulten Dingen zugeneigter Teilnehmer des Gesprächs stellte die kühne Hypothese zur Debatte es käme möglicher- weise eine uns bis jetzt noch nicht bekannte Fähigkeit einzelner Menschen in Frage, durch ein geheimnisvolles Zusammenwirken von Wunsch und Willen den Gang der Ereignisse in be­stimmter Richtung zu beeinflussen. Zuletzt er­griff der Redakteur das Wort: er erklärte sich an der Deutung des Begriffs Zufall nicht be­teiligen zu wollen, dagegen wolle er aus feiner Sammlung von Zeitungsausschnitten einige vor­lesen, in denen die oft entscheidende Rolle des Zufalls im Leben des Menschen sich besonders eindringlich dokumentiere:

Eine Londoner Zeitung brachte vor Jahren diese Meldung:

Es ist eine uns allen bekannte Tatsache, daß Flaschenposten manchmal jahrelang auf dem Meere umhertreiben, bevor sie aufgefischt und dem Adressaten zugestellt werden. Die Empfin­dungen, die solche Flaschenposten bei dem Emp­fänger auslösen, werden in der Regel solche der Trauer fein, da sie ja fast immer von Personen herrühren, dieder blanke Hans" als Opfer erfordert hat. Daher dürfte der folgende Fall einzig in seiner Art sein: Ein englischer Baronet befand sich auf einer Seereise. Das Schiff geriet in^ einen schweren Sturm und wurde so schwer beschädigt, daß mit seinem Untergang gerechnet werden mußte. In dieser Situation schrieb der Baronet einen Abschiedsbrief an seine Frau, den er als Flaschenpost dem Meere anver- traute. Das Schiff ging auch tatsächlich unter, das Boot aber, in dem der Baronet sich befand, wurde von einem Dampfer gesichert und der Baronet gerettet.

Mehrere Jahre später, als der Baronet ge­rade mit seiner Familie beim Frühstück sah,

wurde der Frau des Hauses der Brief über­bracht, der in der erst jetzt aufgefundenen Flaschen­post enthalten war. Dieser Brief enthielt- neben rüyrenoen Abschiedsworten auch Mitteilungen über verschiedene eheliche Fehltritte des Baro­nets, die dieser in feiner letzten Deichte feiner Stau zu bekennen sich verpflichtet gefühlt hatte. Wäre dieser Bries gleich nach der Rettung des Baronets in die Hände seiner Frau gelangt, so hätte diese ihm wahrscheinlich verziehen: im Laufe der Jahre hatten sich aber die ehelichen Ver­hältnisse so zugespitzt, dah die Gattin des Baro­nets in dieser Flaschenpost ein willkommenes Beweismittel sah, um die Ehescheidungsklage gegen d'esen einzuleiten."

(Siner anderen englischen Zeitung ist die nach­folgende Geschichte entnommen:

-Der Rachtwächter der englischen Stadt Lei­cester, Saddington mit Ramen, führte ein über­aus ärmliches Leben und wohnte im dunkelsten Mertel der Stadt. Eines Morgens sah er, müde von der anstrengenden Arbeit, auf einer Bank pon Leicester und las in einer von irgend jemandem zurückgelassenen Londoner Zeitung. Plötzlich entdeckte er ein Inserat, durch das die Erben eines in Australien verstorbenen Eng­länders namens Saddington gesucht wurden Der Rachtwächter erinnert sich, gehört zu haben, dah einmal ein Onkel von ihm als Arbeiter nach Australien ausgewandert sei. Er meldete den Fall feinem Vorgesetzten, der die Angelegenheit weiter verfolgte Bald stellte sich heraus dah der Rachtwächier der allein ge Erbe des Ver­mögens des Verstorbenen war, das sich auf 50 000 Pfund belief. Der Onkel war bereits vor zwanzig Jahren gestorben und die Behörden hatten durch verschiedene Ausschreibungen ver­geblich nach den Erben gesucht. Die Ankündi­gung in der Londoner Zeitung sollte die letzte sein. SeltsamerZufall" wollte es, dah gerade diese Rümmer in die Hände des armen Sadding­ton fiel. Gr hätte sonst kaum je etwas von der Erbschaft erfahren!"

In einer Budapester Zeitung fand ich diese merkwürdige Geschichte:

Vor etwa 30 Jahren verschwand aus dem kleinen Puhtadörfchen Alattyan ein junges Mäd­chen namens Ilona, die Tochter des Bauern Torocsik, der der reichste Bauer im Orte war. Die Sache war um so rätselhafter, als das junge Mädchen keinerlei Umgang gehabt hatte. Die Gendarmerw von zehn Komitaten wurde in Be­wegung gesetzt, das ganze Land wurde abge­sucht: Ilona blieb verschwunden. Die Mutter

starb, der Bauer Torocsik wurde alt und grau. In seiner Einsamkeit beschloh er, ein fremdes Kind anzunehmen. Er reiste nach Budapest und suchte sich im Waisenhaus ein hübsches, neun­jähriges Mädchen aus, das er Ilona nannte. Das Kind erwies sich dankbar und tat alles, um dem Pflegevater den Lebensabend so an­genehm wie möglich zu machen. Zwanzig Jahre war Ilona alt, als der alte Torocsik starb. Ilona erbte sein ganzes Besitztum und nach Ablauf des Trauerjahres heiratete sie den Stefan Szabos, den stattlichsten Burschen von Alattyan.

Jahre vergingen, da erschien eines Tages im Dörfchen eine ältere Frau die verschwundene Tochter Stefan Torocsis. Sie legitimierte sich bei der Behörde mit einem amerikanischen Pah unö erzählte, dah sie seinerzeit einem gewissen­losen Verführer zum Opfer gefallen sei, der sie nach Budapest gelockt und dort verlassen habe, nachdem sie Mutter geworden sei. Sie habe das Kind in Budapest ins Findelhaus gegeben und sei selbst nach Amerika ausgewandert. Erb- ansprüche wolle sie nicht geltend machen, da sie sich selbst ein kleines Vermögen erspart hatte. Aber sie bat den Dorfnotar, ihr bei der Auf­findung ihres Kindes behilflich zu sein. Man schlug in den Büchern nach und fand, dah das von Torocsik angenommene Pflegetöchterchen mit öem Kinde seiner damals verschwundenen Tochter identisch war."

GerhariHauptmann als Weber-Sproß.

Der bekannte Genealoge Stephan Kekule von Stradonitz hat sich jetzt eingehend mit der Ahnen­tafel Gerhart Hauptmanns beschäftigt und teilt interessante Einzelheiten daraus in der Mo­natsschriftDie Literatur" mit, die einen Teil ihrer Aufsätze dem Dichter zu feinem 70. Ge­burtstag widmet. Der Vater des Ächters war bekanntlich der Besitzer des GasthofesZur Krone" in Bad Salzbrunn, Karl Eduard Robert Albrecht Hauptmann, seine Mutter war Marie Luise Ama-

Slraehler, die 1827 zu Breslau geboren wurde. Der Vater fron Robert, der Großvater des Dich­ters, Karl Ehrenfried Hauptmann, wurde 1793 zu H^ischäorf beim Bade Warmbrunn geboren, nahm an den Befreiungskriegen teil und war später Gastwirt. Vielleicht ist er in feiner Ju­gend noch Weber gewesen, aber fest steht, daß die Vorfahren des Dichters in drei Geschlechts- folgen zu Herischdorf Weber waren. Der älteste dieser Vorfahren. Melchior Hauptmann, hat um 1730 gelebt und warJnnwohner und Weber" zu Horischdorf.Es ist unzweifelhaft sehr merftoür- big, bemerkt dazu Stradonitz,dah der Dichter derdßeber auf diese Art fron einer ganzen

Stammfolge fron Webern abftammt, die dann al­lerdings in zwei Geschlechtsfolgen fron wohlhaben­den Gasthofbesitzem ausmündet, deren familien­geschichtliche Aufgabe, wenn man so sagen darf, darin bestand, durch ihren Heberqang zur Wohl­habenheit dem hochfreranlagten Dichter, den der Stamm hervorbringen sollte, die notwendige gute und vielseitige Erziehung zu vermitteln." Richt minder interessant ist, daß von der Mutter Ger­harts eine geistige Verbindungslinie in die Um­gebung des Fürsten Blücher, desMarschall Vor­wärts", führt. Marie Straehler war nämlich die Tochter desAktuarius" Friedrich Ferdinand Straehler, der später Privatsekretär des Regie­rungsrats von Heinen und dann Brunnen-Inspek­tor zu Bad Salzbrunn wurde. Der Regierungsrat von Heinen muh in engen Beziehung^» zum Für- sten Blücher gestanden haben, da er 1819wegen seiner Verdienste um den Feldmarschall Fürsten Blücher" geadelt wurde und auf fei nein Wappen den Schlüssel aus bem Wappen der Blücher führte. Ein Beweis für die engen Beziehungen zwischen den Familien von Heinen und Straehler ergibt sich daraus, daß die Gattin des Regierungsrats bei den vier Kindern des Skraehlerschen Ehe­paars, darunter auch bei Marie, der Mutter Ger­hart Hauptmanns, Pate gestanden hat.Die Mut­ter des Dichters entstammte also", wie Strado- nitz bemerkt,ersichtlich einer durchausaristo­kratischen" Umwelt, und jedenfalls wird sie im Hause ihres Vaters, des Brunnen-Inspektors, von und über Heinen und über seine Beziehungen zum Fürsten Blücher viel gehört haben." Das hinterlassene Archiv des Regierungsrats von Hei- nen befindet sich jetzt durch Erbgang auf Schloß Groh-Wandriß im Kreise Liegnitz und soll durch­forscht werden.

Zeitschriften.

Dem Gedächtnis des großen Schwedenkönigs Gustav Adolf widmet die Jllustrirte Zei­tung (I. 3. Weber, Leipzigs ihre neueste Rüm­mer. Roch einmal zieht in Wort und Bild der Rettungsfeldzug Gustav Adolfs in feinen Einzel­heiten an uns vorüber, der mit dem Helden ko de des Schwedenkönigs nicht beendet war, sondern von seinen Anhängern zum siegreichen Ausgang geführt wurde. Die Denkmäler, die man Gustav 2Idolf setzte, sind von einem überragt: dem Gustav- Adols-Derein, der das Andenken an den großen König über die Jahrhunderte hinaus bewahrt. Von dem hohen Ziele dieses Vereins berichtet D. Bruno Geißler in anschaulicher Weise. Heber dem Hauptthema der Rümmer werden die Fragen der Tagesgeschichte, der Technik, der Er­findungen nicht vergessen, sondern bildlich und textlich eingehend behandelt.