zeichnet, in seine Heimat zurück und lieh sich in Südtirol nieder, wo er dann die Leitung der Kriegsgefangenenfürsorge des österreichischen Roten Kreuzes übernahm. 3n seinem Buch »Fe ue r und Schwert im Sudan" hat er sein abenteuerreiches Leben geschildert.
Gießener Gtadttheater.
Beginn der J bitäums-SPi lzcit: „Egmont" von (öocl e.
Die gestern eröffnete neue Spielzeit ist die fünf- undzwanzigste seit dem Bestehen unseres Theaters, öie wurde — wie vor beinahe genau fünf Jahren — mit dem „Egmont" begonnen, und da der Theaterjubiläumswinter in das ausklingende Goethe-Jahr fällt, so ist der Auftakt, den man gewählt hatte, zugleich eine sinnreiche Huldigung und ein würdiges Praludipm des Kommenden.
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Denn wenn auch dieses Trauerspiel nie die weitreichende Popularität genossen hat wie etwa der „Göll und der „Faust", so ist es doch, gleichsam auf der Grenze und in der Mitte stehend zwischen Frankfurt und Weimar, hinwiederum der stets etwas kühlen und publikumsfernen Klassiker-Sphäre entrückt geblieben, in der die strenge, nach griechischem Mast stllisierte Kunst des „Tasso" und der „Iphigenie" gedieh.
Der „Egmont" hat, um es kurz zu sagen, allezeit etwas oom Festspielcharakter in sich gehabt, zumal in der Verbindung mit der feierlichen und ganz kongenialen Musik, die Beethoven im Jahre 1810 „aus tiebe zu Goethes Dichtungen" für das Drama geschrieben hat. ”
Auch „Egmont" ist, wie alle oder fast olle wesent- lichen Schöpfungen Goethes „Bruchstück einer grasten Konfession", er ist „bedeutend" im Sinne des Dichters, künstlerisch und menschlich, und steht sehr kenn- zeichnend an einem gewichtigen Schnittpunkt seines Lebens, seiner persönlichen und geistigen Entwick- lung: er bedeutet: Abschied von der Jugend Abschied von Frankfurt, endgültigen Abschied von der geliebten und schönen Lili, von einer Verwirrung des Gefühls, einem Aufruhr des Herzens, dem sich Goethe schon einmal zuvor durch die Flucht in die vchweiz lahlings entzogen hatte.
-luch künstlerisch ist der „Egmont", in Frankfurt begonnen, in Rom (1788) vollendet, gleichsam ein $rüdc Klagend etwa zwischen ?turm und Drang des „Götz" und der ganz « getnebenen, ungewissen Tragik des in
klassischen Versen stlNsterten Tasso-Dramas.
Volks-stuck und Liebesdrama in einem, politische «aQabe unb melodramatischer Heldengesang: so steht Ser „Egmont uns immer noch nahe. Vor dem
SerprozeßWeiß confra„2üignfr
D erlin, 4. Oft (ERD. Funkspruch. Eigene Meldung.) Rach zehntägiger Unterbrechung der Verhandlung wurden die Verhandlungen imDe- leidigunasprozeh des früheren Polizeivizepräsi- denken Weist und des Polizeipräsidenten Grze - sinski gegen die »Angriffs' -Redakteure Dr. Lippert urrd Krause fortgesetzt. Bei der Zeugenvernehmung gab der Kriminalassistent ScheperS zu, daß er den .Angriff"-Redakteuren daS Material über die nach feiner Meinung unzulässige Bevorzugung einzelner Spielflubs durch Dr. Weist gegeben habe. Sch. war im Spieldezernat beschäftigt und erklärte, er habe den Eindruck gehabt, daß man an höherer Stelle übel vermerke, wenn er gegen die vornehmeren Spielflubs habe einschreiten wollen. Er schilderte dann eine Auseinandersetzung über den Klub des Westens. 3n diesem Falle habe er die Anzeige ausgenommen und die Aussagen eines Zeugen protokolliert, daß Dr. Weist in diesem Klub spiele. Er wäre dann zuDr. Weist gerufen worden, der ihm in Gegenwart von Regierungsdirektor Scholz seiner Entrüstung dar» über Ausdruck gab, dah gegen diesen Klub vorgegangen worden sei. Auf eine Anfrage des Rebenklägers Dr. Weist bestätigte der Zeuge, dast Dr. Weiß vor allem darüber erregt gewesen sei, daß ihm feine Mitteilung davon gern a ch t wurde, dast sein Rame in dieser Anzeige eine Rolle gespielt habe. Oberverwaltungsgerichtsrat Hagemann erklärtem seiner Aussage, er habe sich immer gegen die allzu häufigen Razzien gewandt, weil sie mehr Schaden stifteten als Ruhen brächten. Bei stichhaltigem Material sei selbstverständlich ohne Rücksicht auf den gesellschaftlichen Charakter der Klubs borgegangen worben. Die anonymen Anzeig n. die von „unglücklichen Gatten" und „tiefbetrübten Müttern" eingegangen feien, hätten sich zumeist als Manöver der K o n k u r r e n z v e r - eine entpuppt. Der als Fachmann fürSpie- lerangelegenheilen bekannte Kciminalober'.nspek- torvonManteuffel bekundete, daß die Verfolgung des Spielerwesens nach dem Kriege dadurch erschwert worden sei, dast sich jeder der M i t s p i e l e r st r a f b a r m a ch t e, die Polizei also nurmitDeschuldigten zu tun hatte, wobei nicht viel zu ermitteln war. Der Zeuge sprach sich gegen die allzu zahlreichen Razzien aus. Damit war die Beweisaufnahme beendet: die Verhandlung wurde auf Mittwoch vertagt, der die Plädoyers bringt.
Kleine politische Nachrichten.
Seine Heiligkeit Papst Pius XI. hat dem Herrn Reichspräsidenten zu seinem 85. Geburtstage durch den apostolischen Runtius in Derlin seine besten Glück- und Segenswünsche übermittelt.
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Der Reichsinnenminister hat den R e i ch s r u n d - funkkommissar Scholz ersucht, die Um- st e l l u n g des Rundfunkwesens beschleunigt weiterzuführen, um den bisher unvermeidlichen Zwischenzustanb mit seinen Begleiterscheinungen ab- zu kürzen. Die offenbar von persönlich interessierter Seite ausgehenden Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritt des Reichsrundfunkkommissars Scholz s sind völlig erfunden.
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3n dem Schlichterbezirk Bayern sind vom 28. September bis 3. Oktober rund 2600, im Schlichterbezirk Westfalen in der gleichen Berichtszeit rund 2400 und im Schlichterbezirk Mitteldeutschland 3200 Neueinstellungen erfolgt.
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Der Reichspräsident hat den Reichsminister und Botschafter a. D. Wirkl. Geh. Rat Dr. S o l f zur
Vollendung seines 70. Lebensjahres in einem herzlichen persönlichen Schreiben seine Glückwünsche ausgesprochen. *
Reichskanzler o. Papen imb Reichsminister des Innern Freiherr o. Gayl haben dem Kolontal- ft a a t 5 i e t r e t ä r a. D. d r i e b r t ch v. L i n d e- q u i ft zur Vollendung des 70. Lebensjahres herzliche Glückwünsche ausgesprochen.
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Der Verbindungsmann der Reichsregierung, F r e i- Herr von Lersner, ist 'n D r e s d e n emge- troffen um dem sächsischen Ministerpräsidenten Schick seinen Besuch abzustatten.
Die Deutsche L a n d w i r t s ch a f t s g e s e lisch a f t hält in diesem Jahr« ihre Herbsttagung erstmalig in Danzig ab. Den Auftakt der Tagung bildeten am Montagabend Arbeitssitzungen zahlreicher Ausschüsse. Auch der Dienstagoormittag war mit Ausschwbsitzungen ausgefüllt.
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Der päp stliche Legat ist aus Mexiko ausgewiesen worden. Er hat Mexiko im Flugzeug verlassen.
Aus aller Welt.
5,5 Millionen Devisen verschoben. — Der größte Devisenprozcß Deutschlands.
Vor der zweiten großen Strafkammer beim Landgericht I begann dieser Tage ein Devisenschie - bungsprozeß, der bisher als der größte Prozeß dieser Art angesehen werden kann. Der Hauptangeklagte ist der früher bei einer Berliner Großbank tätig gewesene Devisenhändler Emeran Sedlmaier, der mit einem Monatsgehalt von 1000 Mark und weiteren Tantiemebezügen bei der Bank angestellt war. Sedlmaier, der eingeschriebenes Mitglied der KPD. ist, wird des Vergehens gegen die Deoisenverordnung vom 23. Mai 1932 und der Urkundenfälschung beschuldigt. Es wird ihm vorgeworfen, 5 £ Millionen im ausländischen Besitz befindliche deutsche Effekten bei Berliner Banken verkauft und den Erlös wieder nach dem Auslande, hauptsächlich nach der Schweiz und nach Oesterreich, gebracht zu haben. Mitangeklagt wegen Beihilfe ist der Straßen- Händler Adam Neuhauser, den Sedlmaier bei den Banken, bei denen er die Devisen verkaufte, als seinen Onkel, einen Millionär, bezeichnete. Seine Hintermänner hat Sedlmaier, der sich gleich Neu- bairfer in Untersuchungshaft befindet, nicht genannt. Man vermutet, daß der Mittelsmann der südslavi- sche Rechtsanwalt S a j o w i c z ist.
Krach im Hause Adlon.
Der bekannteste Berliner Hotelier Louis Adlon klagte gegen seinen 25jährigen Sohn Karl, der in einem seiner Betriebe als Empfangschef angestellt war, und dem gekündigt wurde, nachdem er sich mit der Tochter eines Chicagoer Hoteliers verheiratet hatte. Karl Adlon hat sich, geweigert, die Kündigung anzunehmen und die Wohnung in dem Hotel zu räumen.
Französische Regimenlskasfe mit 250 000 Franken gestohlen.
Der Sekretär des Rcg.mentszahlmeisters des 178. französischen 3nfanterie-Regiments, namens O st e r m a n n, hat in den letzten Tagen mit der Regimentsfasse, d e 250 000 Franken (etwa 40 000 Mk.) Bargeld enthielt, ^b.e Flucht ergriffen. Man nimmt an, dast er sich in Paris aufhält.
Fünfzehnjähriger erschießt seine Base.
3n Rostock fern es in einem Hause der Altstadt zu einem furchtbaren Llnglücksfall. Ein bei seinem Onkel zu Besuch weilender Ibjähriger 3unge eignete sich den Revolver seines Onkels an und spielte mit der Waffe. Plötzlich ging ein Schuß los, der der danebenstehenden Base des unglücklichen Schutzen in den Kopf drang. Das Mädchen war auf der Stell« t o t.
Gedenkfeier
auf hoher See für den Kreuzer „Karlsruhe".
Auf der Fahrt von Pernarnbuco nach Trinidad veranstaltete der Kreuzer „Karlsruhe" in der
Rahe der Untergangsstelle des tm Kriege infolge einer inneren Explosion gesunkenen Kreuzers ..Karlsruhe" eine Gedenkfeier, in deren Verlauf ein Eisernes Kreuz versenkt wurde. — Der kleine deutsche Kreuzer „Karlsruhe" (1912 erbaut und 4900 Tonnen groß) war bei Beginn des Weltkrieges in Westindien. Rach Ausbruch der Feindseligkeiten führte er von dort aus erfolgreich Handelskrieg. 17 feindliche Schiffe (insgesamt 76 000 Registertonnen) wurden von ihm erbeutet oder versenkt. Am 4. Rdvember 1914 fiel er einer inneren Explosion zum Opfer. 1916 wurde für das gesunkene Schiff ein Ersatzbau
sertiggestellt, der bet Scapa Flow zusammen mH den anderen den Feindmächten ausgelieferten Schiffen versenkt wurde.
Großfeuer in einer Pappenfabrik.
3nfolge Heihlaufens eines Lagers entstand in einer der vergangenen Rächte in der Pappen- fabrif Windi'cheschenbach ein Feuer, das in kurzer Zeit einen derartigen Umfang annahm, daß die gesamte Schleiferei, die Fabrikations- räume und die Kartonnagen-Abteilung sowie ein Teil der Lagerbestände und des Rohmaterials ein Raub der Flammen wurden. Der Schaden wird auf über 3 0 0 000 Mark geschätzt.
Spanien wird Bundesstaat.
Das Autonomiestatut für Katalonien -Wann kommen die baskischen Provinzen?
Don unserem v. Ors.-Berichterftatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Madrid, Oktober 1932.
Während diese Zeilen geschrieben werden, befindet sich der spanische Ministerpräsident A z a n a in Barcelona, um dort den Katalanen feierlich das „Statut" zu überreichen, das dieser Region die Selb st Verwaltung innerhalb des jpa« Nischen Staates verleiht. Eine halbe Million Menschen umjubelten den Ueberbringer der Botschaft, Fahnen wehten, Militär paradierte, ein Freudenrausch schien die katalanische Hauptstadt erfaßt zu haben. Nach heftigen Kämpfen hat der autonomifti- sche Gedanke den Sieg über den unitaristischen davongetragen. Noch vor zwei Monaten schien es unmöglich, die Lösung dieses Problems in so kurzer Zeit herbeizuführen. Stärkster Widerstand gegen die Aufgabe irgendwelcher Rechte von feiten des Staates hatte sich im ganzen Lande bemerkbar gemacht, antikatalanische Demonstrationen in den Universitäten sowohl wie in gewerblichen und kaufmännischen Kreisen waren an ter Tagesordnung. Dabei wurde der Kampf nicht etwa nur von der politischen Rechten geführt, deren Presse allerdings sich mit allen Mitteln für die Aufrechterhaltung des Einheitsstaates eingesetzt hatte. Er fand auch bis weit hinein in die Reihen der überzeugten Republikaner Unterstützung, lieber Nacht beinahe fiel bann plötzlich dieser Widerstand zusammen, die Nationalversammlung nahm mit überwälti- gerober Stimmenmehrheit das katalanische Autonomieproiekt an, das vorher schon die Billigung der Regierung gefunden hatte.
Dieser unerwartete Umfall ist eine direkte Folge des mißglückten monarchistischen älnter- nehmens vom August, das nicht nur die auf Grund des Republikfchuhgesehes erfolgte Lahmlegung der gesamten Rechtspresse mit sich brachte, sondern auch ein merkliches Aufschließen der gemäßigten republikanischen Parteien nach li nks zur Folge hatte. Sogar die Radikalen des ehemaligen Außenministers Lerroux, der sich ursprünglich die Aufgabe gestellt hatte, die Republik aus dem sozialistischen Fahrwasser in ein bürgerliches überzuleiten, gaben angesichts der eben überstandenen Gefahr ihre Oppositton in der Autonomiefrage auf und machten damit den Weg zur Gesetzwerdung des katalanischen Statuts erst endgültig frei. Damit konnte dann die Regierung jenes Versprechen, das sie als Revolutionskomitee den Katalanen gegeben hatte, um deren Mithilfe beim Umsturz zu gewinnen, einlösen — Katalonien ist autonom geworden.
Während andere Lander Jahrhunderte hindurch blutig« und unblutige Kämpfe ausfechten mußten, um sich langsam zum Einheitsstaat zu- sammrnzuschweißen, schlägt Spanien den umgekehrten Weg ein. Fast 450 3ahre lang Einheitsstaat, von so manchen wegen dieses Glücks beneidet und bewundert, hat es nun mit der Autonomieerteilun-g an Katalonien den ersten und wichtigsten Schritt zu einer Lockerung dieses bisher unerschütterlichen Gefüges getan und damit einen Präzedenzfall geschaffen, der als Anfang zum Uebergang in'den Födera- tivstaat gekennzeichnet werden muß. Schon
rüfjr t es sich auch in anderen spanischen Regionen und alle Anzeichen deuten daraus hin, daß vor allem die nordischen Provinzen, die Bascongadas und Ravarra, das katalanische Vorbild nachahmen und gleiche Rechte für sich fordern werden. Laut Verfassung muß solchen Wünschen Rechnung getragen werden und die augenblickliche Zusammensetzung der Rationalversammlung ist ebenfalls so, daß weitere Statute auf ihre Annahme rechnen können. Die Zukunft wird zeigen, ob dieses Verlassen des geschichtlichen Weges im 3nteresse des Landes gelegen ist oder nicht.
Katalonien ist nunmehr „eine autonome Region innerhalb des spanischen Staates". Sein Gebiet umfaßt die Provinzen Barcelona, Tarragona, Lerida und Gero na. Die Katalanen wählen nach dem allgemeinen spanischen Wahlrecht e i n eigenes Parlament, dem der Präsident und ein sog. Exekutivrat zu entnehmen ist, die beide dem Parlament verantwortlich sind. Während der Präsident Katalonien repräsentativ vertritt, insbesondere auch hinsichtlich der Begehungen zum spanischen Staat, bildet der Rat, dessen Mitglieder etwa den deutschen Länderministern entsprechen, mit dem Präsidenten zusammen die Dollzugsgewalt innerhalb der Region.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gleichstellung der katalanischen Sprache mit der spanischen, was in der Praxis die allmähliche Verdrängung der letzteren aus dem katalanischen Gebiet zur Folge haben kann. Auch die Organisation und Leitung des gesamten Schulwesens obliegt den Katalanen, lieber die Universität Barcelona sind Sonderbestimmungen getroffen, nach denen sie auf Antrag der Generalidad „auto= nemifiert" werden kann, wenn die Garantie gegeben wird, daß dabei die spanischen Belange nicht hinter den katalanischen zurückstehen. Mit anderen Worten: die Universität Barcelona kann auf Wunsch der Katalanen vom Staate losgelöst werden, was wiederum ein Gefahrmoment für die spanische Kultur darstellt.
Auf dem Gebiete der Gesetzgebung räumt das Statut der Generalidad ebenfalls weitgehende Freiheiten ein. Das Fi n a n z p r oble m endlich ist so gelöst, daß die Generalidad vom Staat prozentuale Beteiligung an verschiedenen Steuern erhält, wenn es sich nicht um Gebiete handelt, die bereits vom Staat mit Beschlag belegt sind. Außerdem kann Katalonien aber auch Schuldverschreibungen herausgeben. Die Aufnahme ausländ ischer Kredite ist von der Genehmigung der Staatsregierung abhängig. Die Finanzlage wird alle fünf 3ahre vom Staat überprüft, der sich auch sonst eine Reihe von 3n- spektionsmöglichkeiten gesichert hat. Das Statut kann abgeändert werden auf Grund eines katalanischen Referendums oder auf Wunsch der spanischen Regierung in Verbindung mit einem Viertel der Stimmen der spanischen Rationalversammlung. Zur Gesetzwerdung der Reformvorschläge dagegen ist in beiden Fällen die Zweidrittelmehrheit der letzteren erforderlich. — 3m 3nteresse Spaniens ist zu hoffen, daß dieses den Katalanen gebrachte Opfer nicht vergeblich fein möge!
düsteren Hintergründe ferner Welthistorie, inmitten des Freiheitskampfes der Niederländer wider die mächtige Herrschaft der Spanier erhebt sich meteorgleich die strahlend ansteigende und düster ab- brechende Schicksalslinie des Grafen Egmont.
Und es stört uns an diesem Helden so wenig wie bei der Prinzessin Eboli im „Don Carlos" das Bewußtsein, daß die historischen Urbilder beider Gestalten mit ihrer dichterischen Verklärung nicht in Einklang zu bringen sind. Wir wissen, daß die wahre Eboli ^häßlich, daß der wahre Egmont, worauf schon Schiller in der berühmt gewordenen ersten Rezension des Trauerspieles hingewiesen hatte, ein verheirateter Mann war, der elf eheliche Kinder hinterließ, als er am 5. Juni 1568 zusammen mit dem Grafen Horn aus dem Marktplatz zu Brüssel hingerichtet wurde.
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Für uns behält die umbildende Stilisierung Goethes schon um deswillen ihre Gültigkeit, weil mit ihr das Bild eines der klassischen Liebespaare unserer Dichtung unlösbar verbunden ist: uns ist Egmont ohne Klärchen undenkbar: beide Namen sind uns längst zu einem Doppelbegriff geworden wie Romeo und Julia, wie Margarete und Faust. Wenn aber Egmont im Gegensatz zu andern Heldengestalten ein überwiegend passiver und gleichsam lyrischer Held ist, so wächst seine Geliebte überraschend aus der bürgerlichen Nachbarschaft Gretchens und des Kätchens von Heilbronn in die heroischen Bezirke der Johanna von Orleans hinein.
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Und zu dem eben angedeuteten Bilde des Helden paßt sowohl der ganz illusionistische und melodramatische Ausklang des Trauerspiels, jener ebenfalls von Schiller getadelte „Saltomortale in eine Opern- weit" ... als auch der Begriff des Dämonischen, wie er im „Egmont" feine Gestaltung gefunden hat.
Der Graf ist seinem Schicksal anheimgegeben und verfallen nicht anders als Wallenstein oder Cäsar: er vertraut seinem Stern bedingungslos in der Schicksalsminute, da das Gestirn, schon oerdunkell und verblaßt, hoffnungslos und verhängnisvoll zu sinken beginnt.
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Und wie Beethovens Musik zu dem Goetheschen Drama die unsterbliche Verklärung zärtlich geliebter unb im Geiste verbundener Schwesterkunst bleiben wird, so werden im Sinne der angedeuteten Schicksalsidee allezeit Eamonts klassische Worte den Orgelpunkt bilden in der Melodieführung des Trauerspiels: „Kind! Kind! Nicht weiter! Wie von unsichtbaren Gefftern gepeitscht gehen die Sonnenpferbe
der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts, als mutig gefaßt die Zügel festzuhalten unb bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam." —
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Die Aufführung, vom Intendanten Dr. P rasch persönlich vorbereitet und in Szene gesetzt, erwies sich als ein würdiger und repräsentativer Austakt zur neuen Arbeit. Die dramaturgische Behandluna war geschickt: gestrichen hatte man, wie es vielfach geschieht, die Szenen der Regentin und des Mac» chiaoell; herausgearbeitet die sich überschneidenden Komponenten des Trauerspiels: von den Dolks- szenen sich abhebend und von ihnen getragen das Bild des Helden; ihm gegenüber in scharfem und wirksamem Kontrast die spanische Gegenaktion (Alba).
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Der Schauplatz ist Brüssel: in gehaltenen Farben und klarer Raumanordnung oom Bühnenbildner Löffler und vom Beleuchter Keim aufgebaut unb gegliedert, so daß jegliche Spieigruope ihren angemessenen Rahmen fand. Darstellerisch schienen uns die Szenen in Klärchens Haus, dann vor allem jene, vom klirrenden Marschrhythmus der fpanffchen Söldner gespenstisch verscheuchte, nächtliche Zusammenkunft der verängstigten Bürger ... und das erfreulich unpathetisch und ohne opernhafte Aus- schmückung wiedergegebene Kerkerbild besonders glücklich gelungen.
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Die Beethovensche Bühnenmusik intonierte, durch- wirkte, begleitete das Spiel und ließ es in den triumphierend wiederaufgenommenen, stürmischen Schlußtakten der Ouvertüre symbolisch ausklingen. Unioersitätsmusikdirektor Dr. Temesvary hatte bie~ musikalische Leitung; er faßte die tüchtigen Kräfte des Orchesteroereins zu einem ge- schlosienen und oolltönigen Klangkörper zusammen und interpretierte feinsinnig und schmiegsam, stets auf gerechtes Zusammenwirken mit dem szenischen Ablauf bedacht, die wahrhaft strahlende Partitur.
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„Den Egmont gab Herr Hauer: nobel, groß- zügig und dabei so männlich, wie man ihn sich nur oenten kann und der Charakter der Rolle das gestattet; als Liebhaber unb Mann des Volkes, als Diplomat und als Offizier das Porträt eines Niederländers und Freiheitshelden, das der Phantasie leichter eingeht, als jenes in den Quellen festgelegte Bild des historischen Grafen. — Als Klärchen fah
man neben ihm Fräulein Doering; sie entwickelte ihre Rolle folgerichtig etwa auf der mittleren Linie zwischen dem Gretchen und der Ieanne d'Arc: sie war eine zärtlich-heitere Liebhaberin, mehr freuld- ooll als leidvoll, und wuchs mit guter Steigerung in die halb schmerzliche, halb kriegerisch aufbegeh- renbe Stimmung der letzten Szenen hinein.
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3n größeren unb kleineren Aufgaben stellten sich einige neuengagierte Mitglieder des Ensembles vor. Rainer (Eggemann als Brackenburg: eine schlanke, bühnengerechte Erscheinung von angenehmer, klarer Stimme; er verstand der nicht Übermäßig dankbaren Rolle persönlichen Umriß zu geben. — Alfred Fier« ment (Buyck) führte sich mit der anschaulich gesteigerten Soldatenerzählung von der Gravelinger Schlacht vorteilhaft ein. — Kurt Hamel, frisch, blond und jugendlich, gab den Ferdinand; Wilhelm Di et en mit ruhiger Zurückhaltung Egmonts Sekretär: man kann nach diesen kurzen Proben freilich nicht über Umfang unb Eigenart ihrer darstellerischen Möglichkeiten urteilen.
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Herr Kühne erschien als Herzog Alba, schon äußerlich wirksam als wichtigster Gegenspieler Egmonts gekennzeichnet: dem düsteren und kalten Prunk seiner spanischen Tracht entsprach die Auffassung in Haltung und Spiel, wobei statt des brutalen Gewaltmenschen im Herzog seine hinterhältige Diplomatie und bedenkenlose Verschlagenheit geschickt betont wurde.
Ms Oranien an Egmonts Seite stand Herr Hey- Le,L' .^."dn^Llich mahnend und warnend, in feiner hellsichtigen Bedachffamkeit das rechte Gegenbild zu der sorglosen Heiterkeit unb Gutgläubigkeit öt» Freunbes.
21us der Bürgergruppe sei mit besonderer Anerkennung Hubs Schreiber Bansen hervorgehoben, eine überaus bewegliche, volkstümlich-phantastisch« i^igur; daneben Bruck, recht witzig als Schneiber Setter; und Dolck, als Soest, wie aus einem Bilde von Rembrandt.
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Die Premiere fand verdientermaßen starken Beifall. Intendant und Dirigent mußten sich mit den Hauptdarstellern zeigen. hth.
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-Der außerordentliche Professor Dr. HanS Runge an der ilniberfität Kiel erhielt einen Ruf auf den Lehrstuhl der Geburtshilfe und Gynäkologie an der Uniberfitäi Greifswald.


