Ausgabe 
5.8.1932 Frühausgabe
 
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Ore Weltanschauung des Jaschrsmus.

Ein grundsätzlicher

Rom, 4. August. (TU.) Mussolini hat für die neue italienij'chc Enzyklika einen Aufsatz über die politische und soziale Lehr­meinung des Faschismus geschrieben. Ein­leitend erklärt er, daß er den Faschismus nicht aufgrund einer fertigen Lehre geschaffen habe, son­dern zuerst sei er dem Gesetz des Han­delns gefolgt. Mussolini sagt dann weiter: Der Faschismus hat heute seine eigene Ziel­setzung in allen Fragen, die materiell und gei­stig die Völker >der Welt bedränaen. Vor allem glaubt der Faschismus, was die Zukunft und die Entwicklung der Menschheit im allgemeinen anbe­trifft und zwar abgesehen von jeder Bezug­nahme auf die gegenwärtige Politik nicht an den ewigen Frieden. Er weist daher den Pazifismus zurück, der den Verzicht auf den Kampf und die Feigheit gegenüber dem Opfer verbürgt. Rur der Krieg führt alle menschlichen Energien zur höchsten Spannung und drückt den Völkern, die die Tugend besitzen, ihn zu führen, einen Stempel des Adels auf. Alles andere ist Ersatz, der den Menschen niemals sich selbst gegenüberstellt in der Entscheidung über Leben und Tod. Eine Lehre, die von der vöraussetzenden Forderung des Friedens ausgeht, ist dem Faschismus fremd ebenso auch,

Aufsatz Mussolinis.

wenn sie wegen ihrer Nützlichkeit in bestimmten politischen Lagen hingenommen werden, alle inter­nationalistischen und sozialen Konstruktionen, die, wie die Geschichte beweist, im Winde zerflattern, wenn, gefühlsmäßige ideelle und praktische Gründe das Herz der Völker im Sturm zerfetzen. Der Fa­schismus verneint entschieden jene Lehre, die die Grundlage des sogenannten wissenschaftlichen und marxistischen Sozialismus bildet, das heißt die Lehrmeinung des geschichtlichen Materialismus. Der Faschismus leugnet, daß die Zahl durch die Tatsache allein, daß sie Zahl ist, die menschliche Gesellschaft leiten kann. Er leugnet, daß diese Zahl durch eine periodische Befragung re­gieren kann. Er lehnt in der Demokratie d i e sinn­lose konventionelle Lüge von der po­litischen Gleichheit ab. Den liberalen Dok­trinen ist der Faschismus völlig entgegengesetzt so­wohl auf dem Gebiet der Politik, wie auch auf dem der Wirtschaft. Deutschland hat seine nationale Ein­heit außerhalb und gegen den Libera­lismus erreicht; gegen eine Lehre, die der deut­schen Seele, die vorwiegend monarchistisch ist, fremd zu sein scheint, wogegen der Liberalismus das ge­schichtliche und logische Vorzimmer der Anarchie ist.'

Durchführung dieser Reform mit ihren in das Wirt­schaftsleben des platten Landes einschneidenden Maß­nahmen b e d a u r e. Die erwartete Ersparnis werde vielfach durch die der Bevölkerung erwachsenden er­heblichen Mehrkosten wieder aufgehoben werden, zu­mal die Auswahl der Kreis st ädte den Ver­kehrs- und Wirtschaftsinteressen teilweise keines­wegs Rechnung trage.

Das Schicksal der deutschen privatfchulden im Ausland.

Amerika gegen eine Neuregelung.

Aeuyork, 4. Aug. (END.) Sn politischen und wirtschaftlichen Kreisen Amerikas hat das in vereinzelten Meldungen der amerikanischen Presse wieöergegebene Gerücht, daß Deutsch­land angeblich beabsichtige, auf der kommenden internationalen Wirtschastskonferenz eine Einschränkung des Dienstes der deutschen Privatschulden zu erlangen, Anlaß zu lebhaften Diskussionen gegeben. Aach Aewhork Times" wurde in Kreisen des Staatsdepartements erklärt, daß über eine derartige Absicht Deutschlands keine offi­zielle Mitteilung eingegangen sei. Man sei daher nicht geneigt, zu glauben, daß Deutsch­land einen derartigen Versuch unternehmen werde, zumal ja die Wirtschaftskonferenz eine Zusammenkunft von Regierungs- Vertretern sei, während die Regelung von Privatschulden eine Angelegenheit der Privat­wirtschaft sei. Abgesehen von der Einwirkung eines derartigen Schrittes auf die Struktur der deutschen Kreditwirtschaft, müsse darauf hinge­wiesen werden, daß das Reichs bereits in Lau­sanne großes Entgegenkommen gefunden hätte und daß das Bestreben, jetzt weitere Kon­zessionen zu erlangen, ungünstige Rück­wirkungen zeitigen könne. Diese Anschauung der Dinge werde offenbar auch von der Reichs­bank und den Führern der deutschen Industrie vertreten.

Keine Meinungsverschiedenheiten im Kabinett über die Zinsfrage.

Berlin, 4. Aug. (CAB. Funkspruch.) In einem Berliner Blatt ist behauptet worden, daß Reichswirt­schaftsminister Professor w a r m b o l d gegen die Zinskonvertierung Stellung genommen und daraus eine Kabinettsfrage gemacht habe. Demgegen­über wird amtlich erklärt, daß in der Frage der Zinskonvertierung innerhalb des Reichskabinetts

keine Meinungsverschiedenheiten be­stehen. An eine generelle Konvertierung der Zinsen wird überhaupt nicht gedacht. Selbst­verständlich ist eine Senkung des Zinsfußes erstre­benswert. Die Zinssenkung kann aber nur auf dem Dege privater Verhandlungen mit dem Auslande und soweit die inländi­schen Schulden in Frage kommen, auf indivi­duelle Weise geregelt werden.

Hartnäckige Unverschämtheit.

Erneuter Protest Polens in Berlin zurüttgcwicsen.

Berlin, 4. Aug. (TA.) Der polnische Gesandte begab sich am Donnerstagnachmittag 18 Ahr zum Reichsaußenmini st er, um mit ihm, wie verlautet,laufende Angelegen- 6eiten zu besprechen. 3m Berlaufe der Bespre­chungen wurde seitens des polischen Gesandten auch die Angelegenheit des Flaggenzwi- schenfalls in Warschau gestreift, nachdem die polnische Regierung bereits, wie berichtet, eine Rote an die Reichsregierung gesandt hatte. Sn dieser Rote hat die polnische Regie­rung, ohne auf Einzelheiten einzugehen, ledig­lich noch einmal ihren Protest zum Ausdruck gebracht. Die Rote wird von der Reichsregierung unverzüglich beantwor­tet werden und zwar in demselben Sinne, den der Reichsaußenminister dem polnischen Ge­sandten gegenüber bereits am 2. August zum Ausdruck gebracht hatte, daß nämlich der Sach­verhalt bereits geprüft sei und das Ver­halten des deutschen Geschäftsträgers von Rin- telen durchaus der internationalen Aebung entsprochen habe. Aus diesem Grunde müsse der Protest der polnischen Re­gierung zurückgewiesen werden.

Das Lausanner Protokoll vom Haupt­ausschuß des österreichischen National­rats angenommen.

Wien, 4. Aug. (TU.) Der hauptausschuß des österreichischen Rationalrals hat nach längerer Aussprache das Lausanner Protokoll mit elf gegen zehn Stimmen angenommen. Durch einen Antrag des Landbundes werden hierbei die Bestimmungen des Protokolls so ausgelegt, daß auch weiterhin für Beschluß des völker- bundsrates Einstimmigkeit gelte, wenn

sie sich auf Bestimmungen beziehen, die sich aus der Uebernahme des Genfer Protokolls vom Iahre 1922 ergeben. Die Befugnisse des Kon­trollausschusses, die Bedingungen für die vorzeitige Rückzahlung der Anleihe im Iahre 1942 festzusehen, soll s i ch nur auf die technisch­finanziellen Bedingungen beziehen.

Ein Rückschluß auf die Abstimmung in der Voll­versammlung, die in der nächsten Woche stattfindet, ist trotz dieser Annahme noch nicht möglich, da die Kärntener Parteiinstanzen des Landbundes neuerlich auf Vertagung bestehen.

KriegsrüstMgm in Südamerika.

Mobilmachun^sfikber in Bolivien und Para nah.

Buenos Aires, 4. August. (TU.) Obwohl weder Bolivien noch Paraguay eine Kriegserklärung herausgegeben haben, geht doch in beiden Ländern die Mobilmachung weiter. In der Hauptstadt von Paraguay verteilt das Rote Kreuz weiter Gas­masken an die Zivilbevölkerung. Die Regierung läßt große Mengen von Gasmasken anfertigen, denn der bolivianische Flugzeughafen ist nur vier Flug­stunden von Asuncion entfernt. Zivilisten drängen sich zum Heeresdienst. In Puerto Nueoo mußte die Polizei Hunderte von Zivilisten wieder von den Fahrzeugen herunterholen, auf denen sie zu den Truppen an die Grenze fahren wollten. Hunderte von jun­gen Mädchen umlagern das Kriegsministerium ; und verlangen Unterricht im Schießen. Kinder ziehen durch die Straßen und singen die Nationalhymne.

In La Paz, der Hauptstadt Boliviens, befürch- ! tet man, daß ein etwaiger Krieg zu einer Sper­rung der Grenzen Boliviens durch die benachbarten Neutralen führen werde. Das wäre eine sehr schneidende Maßnahme, da Bolivien keinen Zugang zum Meere hat, während Paraguay jederzeit Zufuhren aus dem Paraguayfluß erhalten kann. Praktisch würde sich also ein solcher Schritt der Nachbarstaaten zu einer Unterstützung Paraguays auswirken. Die bolivia­nische Gesandschaft veröffentlicht eine Erklärung, in der gesagt wird, die gegenwärtige Lage sei infolge eines Abbruches der Washingtoner Äusgleichsver- handlungen durch Paraguay und infolge des paraguayanischen Angriffes auf die bolivianischen Häfen Santa Cruz und Florida im Gran Chaco entstanden. Die Bolivianer hätten die paraguaya­nischen Forts Corrales, Toledo und Bougueron als Vergeltungsmaßnahmen besetzt.

Der Präsident des Völkerbundsrates hatte sich bekanntlich an Bolivien und Paraguay gewandt und die beiden Staaten an ihre Verpflichtungen als Mitglieder des Völkerbundes erinnert. Der Ratspräsident hatte zugleich die Mitglieder des Völkerbundsrates aufgefordert, sich seinem Schritt anzu schließen. Deutsch­land ist nunmehr dieser Aufforderung nachge­kommen und hat seine Gesandten in Bolivien jjnö Paraguay beauftragt, sich in freundschaftlicher Weise der Vorstellung des Ratspräsidenten an­zu s ch l i e ß e n.

Oie Oeuische Volköpartei im neuen Reichstag.

Berlin, 4. Aug. (ERD.) Die Rationallibe­rale Korrespondenz wendet sich unter der Heber- schriftGrundlose Erörterungen" gegen die Mel­dungen über die künftige Taktik der Deutschen Volkspartei, in denen die Frage aufgeworfen wurde, ob die volksparteiliche Fraktion in ein Hospitantenverhältnis zu den Deutschnationalen treten wolle oder ob sie sich mit anderen kleinen Fraktionen zu einer tech­nischen Fraktion der Mitte vereinigt. Wir stellen fest, erklärt die Korrespondenz, daß in der Deutschen Volkspartei wederdaseine, noch das andere geplant wird, zunächst soll man überhaupt erst einmal abwarten, ob der nächste Reichstag eine arbeitsfähige Versamm­lung ist.

a n g o st e i l t e Beamte können, ernenn sie 50 Jahre alt find ober 10 Jahre Dienstzeit verzeichnen, gegen ihren Willen nur unter Bewilligung des gesetzlichen Rul>egehalts entlassen werden. Ist diese Voraus­setzung nicht gegeben, jo ist eine Abfindung zu ge­währen. Die Beamten sind unter Umständen auch verpflichtet, in den Dienst eines anderen unbetei­ligten Landkreises überzutreten.

Für entbehrlicherklärte Beamte, die eine pensionsfähige Dienstzeit von mindestens 10 Sahren zurückgelegt haben, sind auf Antrag zu pensionieren. Die preußischen Landkreise sind ver­pflichtet, nach Maßgabe der verfügbaren Stellen entbehrliche Beamte zu übernehmen. Heber die Unterbringung der für entbehrlich erklärten Beamten in den Landkreisen entscheidet eine Schieds stelle. Gegen die Verfügung der Schiedsstelle steht den betroffenen Beamten der Einspruch zu.

3m Kapitel 111 wird die Auseinander­setzung zwischen den betroffenen Provinzen und Landkreisen geregelt. Abschnitt 1 bringt Vorschriften bezüglich der Eigentumsverhältnisse der Provinzialstraßen, so­wie über das Beteiligungsverhältnis der Provin­zen an den Dotationen und den Heberweisungen bei der Kraftfahrzeugsteuer. Abschnitt 2 regelt die Auseinandersetzung zwischen Landkreisen.

Kapitel IV (Heberleitung und Sntrafttreten) be­stimmt, daß die Kreistage folgender Land­kreise aus gelöst werden: Strehlen, Breslau, Reumarkt, Guhrau, Hirschberg, Lüben, Glogau, Rothenburg, Grüneberg, Grafschaft Hohenstein, Segeberg, Plön, Rendsburg, Frankenberg, Hnterwesterwald, Wetzlar, Ahrweiler, Mayen, Euskirchen, Bonn und Erkelenz. Den Wahltag für die Wahlen zu den Kreistagen der neugebildeten Landkreise bestimmt das Staats­ministerium. Bis zur Reuwahl des Kreis­tages wird in jedem Landkreis ein kommissa­rischer Ausschuß eingesetzt, den die Auf­sichtsbehörde bestellt.

3m Landkreise Wetzlar treten die i n der Provinz Hessen-Rassau geltenden Vorschriften übet die Verfassung und Verwaltung der Landgemeinden, Städte, Kreise und Bezirks­verbände und der Provinz in Kraft, die ent­sprechenden bisher geltenden Vorschriften außer Kraft. Solange der Landkreis Wetz­lar nicht durch Satzung die Einführung der in der Provinz Hessen-Rassau geltenden Vorschrif­ten beschließt, gelten für den Landkreis Metzlar die in der Rheinprovinz geltenden Vor­schriften über die Verfassung und Verwaltung der Aemter.

Protest der Landgemeinden gegen die Zusammenlegung.

Berlin, 4. Qlug. (ERB.) Der Verband der preußischen Landgemeinden wen­det sich in einer längeren Erklärung gegen die von der preußischen Staatsregierung durch Rot­verordnung verfügte Aufhebung von 51 Landkreisen. Der Protest wird mit der Er­klärung begründet, daß nennenswerte Ersparnisse bei einer solchen Reform in der unteren 3 nstanz nicht anftün* * den, die Rachteile, die der Bevölkerung da­durch erwüchsen, vielmehr die fiskalischen Erspar­nisse bei weitem überfliegen. Die Landgemeinden feien grundsätzlich durchaus keine Gegner einer gesunden, organischen Cßertoal- tungsref orm; die jetzige Maßnahme einer meist nur schematischen Zusammenle­gung nehme keine Rücksicht auf die wirtschaft­liche Entwicklung und den historischen Werde­gang. Statt schematische Zusammenlegung wäre organische Aufteilung erforderlich ge­wesen. Der Landgemeindeverband werde jede ge­setzliche und rechtliche Möglichkeit ausnuhen, um diese Maßnahme wieder rückgängig zu machen.

Oeutschnaiionale Kritik.

B e r l i n , 4. Aug. (TU.) ,Zu der Zusammenlegung von Landkreisen veröffentlicht die Landtags- fraktionderDNVP. eine Erklärung, in der sie darauf hinweist, daß sie eine schematische Zusammen­legung von Kreisen stetsbekämpft habe und die

Unter Großaffen und Leoparden.

Abenteuer in der Kalahari.

Von Francis Burnett-Cursett.

Kapstadt, Ende 3uli.

Vor einigen Tagen erhielten wir den Auftrag, zwei Paare junge Gorillas festzunehmen und sie am Schiffskai in Mombassa abzuliefern. Der Auftrag hört sich einfach an, aber bloß um zum Ziel zu gelangen, geht ein kleiner Hmweg durch Die ungeheuren Wälder des Kongo. Einen zu­sammenklappbaren Käfig mit automatischen Tü­ren hatte ich dazu gebaut, womit wir zunächst einmal auf Äffen proben wollten.

Rach einigem Suchen fanden wir einen idealen Platz, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Es war am Fuße der Felsen einer hübschen Anhöhe, hin­ter den Felsen erstreckte sich die weite, endlose Fläche der Sandwüste bis über den Horizont hin­aus.

Sicher verborgen in unserem Versteck verbrach­ten wir einen Rachmittag mit der Beobachtung vonHerrn und Frau Affe zu Haufe" und durch unsere starken Feldgläser verfolgten wir ihr na­türliches und glückliches Leben.

Wie Kinder jagten sie sich im Spiel über die unfreundlichen Felsen und die nahen Dünen. Mit nonchalanter Eleganz bummelten einige mit ab­surdem Wiegen des Körpers und der Glieder um­her. Andere saßen und blinzelten in die heiße Sonne, während sie sich an den verschiedensten Körperteilen kratzten; wieder andere sprangen und rannten in alle Richtungen, fielen übereinander her, um sich zu kneifen und zogen sich gegenseitig am Schwanz.

Während sich dies lebhafte Treiben abspielte, sah ein alter Äffe auf einem erhöhten Punkt in­mitten der Felsen und wachte pflichtgetreu über Das Völkchen. Seine Blicke flogen hin und her Durch das umgebende Land und plötzlich, während er irgendeinen alarmierenden Laut ausstieß, streckte er den Kopf vor und blickte starr auf einen verdächtigen Punkt im Felsspalt. Rach sekunden­langem Starren bellte er dreimal kurz und heftig.

Das Resultat war, daß die Affen von allen Seiten zusammenschofsen. Sie fielen von den Däu- men, jagten aus den Felsen und den Spalten her­vor und rannten wie die Wahnsinnigen die Schlucht herab, schreiend und knurrend, wie von Furien gejagt.

Weit im Westen, wo Himmel und Sand zu­sammenfließen, verschwanden die letzten goldenen Strahlen der untergehenden Sonne, und langsam hüllte Dunkelheit die Wüste ein. Die Affen schlie­fen jetzt fest; die Zungen umarmten die Körper ihrer Mütter, die Männchen schliefen in einem Ring rund um die Weibchen, und die Posten, nun verstärkt, wachten aufmerksam von ihren erhöhten Punkten.

Mittlerweile hatten wir genug von den Ge­wohnten der Affen gesehen, um nun mit unserem Fang beginnen zu können. Wir wollten am näch­sten Tage damit anfangen. Da wir nun auch wuß­ten, daß Leoparden in der Rähe waren, bewegten wir uns sehr vorsichtig. Hnsere Falle war in der Qlrt eines Vogelkäfigs gebaut. Sie war zerleg­bar, um den Transport zu erleichtern. Oben und an beiden Enden befanden sich automatische Klap­pen, die sich schlossen, wenn das Tier in die Falle ging. Auf die Klappen wirkten Federn, die ihrer­seits durch die Last des Tieres in Bewegung ge­setzt wurden, wenn es im Käfig war. Das Ganze war von starker Konstruktion, das Material Stahl und die Stangen 58 Zoll dick.

Am nächsten Tag starteten wir, und um Mittag hatten wir die Freude, einen großen männlichen 2lffen gefangen zu haben. Der Affe war kaum gefangen, als auch schon ein Hausen Wahnsinniger Den Käsig umgab. Wir blieben natürlich ver­steckt in unserem Zufluchtsort.

Einer aus dem Haufen, unzweifelhaft die Gat­tin des gefangenen Tieres, versuchte ihn aus dem Käfig zu ziehen. Sie steckte ihre Hände durch die Stangen des Käfigs, ergriff das Männchen beim Kopf und versuchte ihn durch die Stangen zu ziehen, bis das Männchen so fest eingeklemmt war daß er sich weder vorwärts noch rückwärts be­wegen konnte. Ein toller Kampf erfolgte Das Männchen versuchte, sich selbst zu befreien, wäh­rend das Weibchen fortfuhr, nach außen zu zie­hen. Der wahnsinnige Haufen von Affen lief fort­während herum, die ganze Zeit wild gestikulie­rend und rufend. Das Weibchen zog und zog, und das Männchen gab alle Versuche auf, sich zu be­freien, bis der sogenannteBefreier" so energisch zog, daß er dem Männchen das Genick brach und ihn auf der Stelle tötete. Sn diesem Augen­blick stieß der wachhabende Affe seinen Warnungs­ruf aus und der ganze Trupp floh in die Verstecke der Schlucht.

*

Mit den ersten Strahlen der ausgehenden Sonne kehrten wir zu unserer Beobachtung zurück. Da

lag das Weibchen tot neben dem Körper ihres Gatten. Man konnte sich Öen Grund ihres Todes nicht erklären, vielleicht war es die Trauer...

Mein Kamerad sagte, er wollte die beiden Kör­per begraben, aber da ich einen Malariaanfall herannahen spürte, nahm ich an dieser Verrich­tung nicht teil. Einer der Boys begleitete meinen Freund zu dem Platz unter einem großen Baum, der etwa 100 Meter von unserem Camp ent­fernt war.

Mein Partner war nur mit seinem Revolver, Kaliber 46, bewaffnet. Während ich auf seine Rückkehr wartete, lag ich auf meiner Bettdecke und vertrieb mir die Zeit mit dem Putzen meines Beiles, das ich mir selber gemacht hatte. Statt eines flachen Kopfes hatte es eine etwa 3 Zoll lange, scharfe Spitze. Während ich damit be­schäftigt war, hörte ich das schwache Echo eines Revolverschusses. 3ch sprang auf und ging aus dem Zelt. Sm selben Äugenblick hörte ich rufen und sah den Eingeborenen, der meinen Freund begleitet hatte, auf unser Camp zurennen. 3ch lief ihm entgegen. Kaum in Hörweite, rief er in gebrochenem Englisch:O Baas, ein Tiger tötet den anderen Baas!"

Sch jagte zu den Platz, wo mein Freund war, und fand ihn dort im Kampfe mit einem Leo­parden. Mit der rechten Hand hielt er die Katze an der Kehle, während die Linke das Gesicht schützte. Sein Revolver, der ihm offenbar aus der Hand geschlagen worden war, lag ein paar Fuß davon entfernt. 3ch konnte sehen, daß die Kräfte meines Kameraden langsam nachließen, denn das Hngeheuer riß seinen rechten Arm in Fetzen. Offenbar war er von dem Leoparden überrascht worden und hatte mit dem Revolver auf ihn ge­schossen, ihn dabei nur leicht verwundend. Das Tier hatte ihn angesprungen und ihm den Revol­ver dabei aus der Hand geschlagen.

3ch sprang vor und mit einem starken Stoß trieb ich dem Tier die Spitze meines Beiles in den Schädel bis ins Hirn und tötete es augen­blicklich. 3ch befreite meinen Freund, der jetzt vor Schmerzen und Blutverlust in Ohnmacht fiel. Mit Hilfe des Boys trug ich ihn sofort zum Camp, wo ich den verwundeten Arm auswusch und ver­band.

Da ich fürchtete, daß eine Ader zerrissen war, band ich den Arm ab. Dann schrieb ich eine kurze Mitteilung an die nächste Polizeistation, erzählte, was geschehen war und bat sie, die nächste medi­zinische Hilfe herbeizuholen, während ich den ver­

wundeten Mann zu ihrem Camp transportieren wollte, der etwa 70 Meilen entfernt war. Die Mitteilung ließ ich durch den flinksten Boy un­serer Mannschaft befördern, den ich mit dem Ver­sprechen eines guten Lohnes anspornte. Eiligst bauten wir eine Bahre, und der Verwundete, der nun in hohem Fieber und Delirium lag, wurde auf die Bahre gelegt und mit sechs Boys, die ihn trugen, brachen wir auf.

*

Am nächsten Rachmittag erreichten wir die Po­lizeistation, wo der Mediziner (ein Missionar) ge­rade angekommen war. Er konnte die eben ent­stehende Blutvergiftung hemmen, und mein Freund wurde zum nächsten Krankenhaus ge­bracht, wo er bret Monate bleiben muhte sein Arm war für immer gelähmt.

Aus unserem Gorillafang wurde nichts...

Kampf bis aufs Messer gegen das Bad!

Mechmed Mahomed Ben Mustapha glühte vor Entrüstung, als ihm dieser Tage früh auf einer Pariser Polizeiwache ein Bad verordnet wurde. Ein Bad? Rimmermehr! Bis auf den heutigen Tag hat er ein glückseliges Leben ge­führt ohne sich jemals der Prozedur eines Bades unterziehen zu lassen. Hnd daran läßt er nicht rütteln! Vergeblich versucht der Wächter des Gesetzes ihm verständlich zu machen, daß nun einmal jeder Gefangene die Zeit seines Aufent­haltes m diesem Gebäude mit einem Bad zu eröffnen hat. Der vohn der Wüste bleibt uner­schüttert. Als man vom Zureden schließlich zur Anwendung von Gewalt übergehen wollte, griff er nach dem Messer und niemand wagte, sich dem Empörten zu nähern. Die Wache wurde nrt; Offiziere und fünf Mann verstärkt, -über Mahomed, der seine Bewaffnung inzwi­schen durch eine Eisenstange vervollständigt hatte, war in einet verzweifelten Verfassung und zum äußersten bereit, seinen Grundsatz, sei es auch mit öem Leben, zu verteidigen. Run versuchte man es mit Tränengas; auch hier blieb der Erfolg aus, weil die Fenster leider offen standen. End­lich. drei volle Stunden nach Eröffnung der Verhandlungen, gelang es den mit Gasmasken versehenen Beamten, den Mann zu überwältigen. Aber es wäre alles gar nicht nötig gewesen: Mechmed Mahomed Ben Mustapha wurde von selbst ganz sanft und gefügig, als er horte, daß das Bade°Problem zunächst einmal vertagt wor­den war.