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Ut.5 Erstes blatt

182. Jahrgang

Dienstag, 5. Januar 1952

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnck vnd verloo: vrühl'sche Univeistläls-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Sefchaftzstelle: SchulNraße 7.

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange, verantwortlich fürPolitik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

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Sie Lage in Indien spitzt sich zu.

Gandhi im Gefängnis.

Ein Appell an vas amerikanische'-voll.

Bombay 4.Fan. (TU.) Gandhi wurde in der Nacht zum Montag aus der Terrasse seines Wohnhauses in Bombay aus dem Bett her­aus von sechs Polizeioffizieren verhaftet und nach demZerardagefängnis bei Puna gebracht. Auch der Präsident des Allindischen Kongresses, Dollabhai Patel, wurde verhaftet und in dasselbe Gefängnis gebracht. Die Verfügung, mit der Gandhis Verhaftung erfolgte, bestimmt, daß er lediglich gefangengehalten, jedoch nicht vor Gericht ge st eilt werden soll. Gandhi sollte ursprünglich auf der Eisenbahnfahrt von Bombay nach Ahmedabad verhaftet werden. Da er

einer Bots chaft an das englische Volk sagt er, daß er es liebe, wie seine eigenen Volks­genossen. Er habe nichts Gehässiges oder Böses gegen das englische Volk getan, hoffentlich werde es auch in Zukunft nicht notwendig sein. Er habe dem eng­lischen Volke gegenüber so gehandelt, wie er es auch seinen eigenen Volksgenossen gegenüber getan hätte. In einer weiteren Botschaft wendet er sich an die Großmut des amerikanischen Volkes und bittet, im Interesse der Menschlichkeit, in I n - dien einzuschreiten.

Gegenmaßnahmen des Vizekönigs.

Delhi, 4.Ian. (TU.) Der Vizekönia hat vier Verordnungen erlassen, um die Ungehorsam- bewegung zu bekämpfen. Die erste gibt der Regie­rung und ihren Vertretern außerordentliche Vollmachten für die Aufrechterhaltung der gesetz­lichen Ordnung, die zweite richtet sich gegen Anstifter ungesetzlicher Handlungen, die dritte gegen gesetz­widrige Vereinigungen, die vierte bezieht sich auf den Schutz von Leben und Eigentum. Die Regierung veröffentlicht eine Erklärung, in der sie dem Natio- nalkongreß oorwirft, den Pakt von Delhi zu verletzen. Es bestand dauernd die Drohung m i t z i v i l e m U n g e h o r s a m. Für die Regie­

rung gab es daher nur einen Weg: Maßnahmen gegen den Feldzug des zivilen Ungehorsams, der allen verfassungsmäßigen Grundsätzen zuwiderläuft und jede Form einer Regierung unmöglich machen würde. Der Fortschritt Indiens hängt von der A u f- rechterhaltung Der Autorität der Re­gierung und der Einhaltung der Gesetze ab. Die Regierung würde sich eine Pflichtvcrsäumnis zuschulden kommen lassen, wenn sie cs irgendeinem Organismus erlauben würde, sich ihre Befugnisse anzumaßen.

Nach den neuen Verordnungen der Regierung werden auch Streikposten und alle Vereini­gungen, die dem öffentlichen Frieden eine Gefahr bringen können, für ungesetzlich erklärt. Die Notstandsverordnung, die bisher nur für die vereinigten Provinzen und die Nordwcstgrcnze in Kraft waren, werden auf ganz Indien aus­gedehnt. Die örtlichen Beamten erhalten weit- gehende Vollmachten zur Verhaftung von verdäch­tigen Personen. Die Polizei hat Dokumente in den verschiedenen Gebäuden des Kongresses beschlag­nahmt. Die Bureaus und Versammlungsräume der Kongreßpartei liegen verödet. Man erwartet noch weitere Verhaftungen. In Kalkutta wurde die Polizei verstärkt. Die Europäer wurden aufgefor- ! dert, die Polizei zu unterstützen.

jedoch diese Reise, die er zusammen mit mehreren Kongreßführern ausführen wollte, im letzten Augen­blick verschoben hatte, erfolgte die Festnahme in seiner Wohnung.

Gandhi und der Präsident des Kongresses, Vallabhai Patel, sind im Gefängnis in Puna ein getroffe". Bei den Behörden der Stadt herrscht ziemliche Nervosität, da der Kraft­wagen mit Gandhi nicht pünktlich eintraf. Polizei­offiziere fuhren auf die Landstraße hinaus und ahen dann nach längerem Warten, kurz nach der Morgendämmerung, das Automobil mit Gandhi herankommen, das sie bis zum Gefängnis beglei­teten. Es hatte vier Stunden Verspätung. Gandhi clbst ist guten Mutes, da Montag sein Schweigetag ist, so konnte er den Gefängnis­wärter, als er ihn wiedererkannte, nur mit einem reundlichen Lächeln begrüßen. Er befindet sich in demselben Raume, in dem er schon früher gefangen- ehalten war. Er hat sein Spinnrad, ein paar Zücher und ein paar Kochtöpfe mitgebracht. In

Der Allindische Kongreß aufgelöst.

London. 4.San. (TU.) Die Kvngreh- führerinBvmbay haben anläßlich der Ver- haftung Gandhis einen T r a u e r f e i e r t a g er­klärt, der in ganz Indien bis nach Burma von den Nationalisten mit Ausnahme der Moham­medaner streng befolgt wird. 3n Delhi und in anderen Städten fühlt man besonders stark die Spannung in ganz Indien. Die Läden und eine große Zahl von Spinnereien find ge­schlossen. Es haben auch schon einige P ro­te st demon st rationen stattgefunden. Bisher ist es aber noch zu keiner Störung der öffentlichen Ordnung gekommen. Der Ausschuß des All­indischen Kongresses ist im Anschluß an die Verhaftung Gandhis fürungesehlicher- klärt worden. Dieser von Gandhi eingesetzte Ausschuß umsahte die Führerderindischen revolutionären Bewegung. Die Ver­haftung zahlreicher weiterer Kongreßführer wird erwartet. Voraussichtlich wird die Regierung alles Eigentum des Kongresses einschlieh- lich der Gebäude beschlagnahmen und den Kongreßmitgliedern alle Eisenbahn- und Post- vergünstigungen entziehen. Die englischen Poli­zisten in allen indischen Städten sind im Besitz von Haftbefehlen, die sie zur Verhaftung eines jeden Kongreßmitgliedes ermächtigen. Iawarhal Rehru, der frühere Präsident des Allindischen Kongresses und jetziger Führer der extremen

Kongreßmitglieder, ist zu zwei Jahren Ge­fängnis und einer Geldstrafe von 500 Rupien verurteilt worden.

Der Boykott britischer Waren beginnt.

Ahmedabad, 4..Ian. (WTB. Funkspruch.) Die hiesigen Daumwollfabriken haben we­gen der Verhaftung Gandhis beschlossen, kei­nerlei britische Waren mehr zu kau­fen. Die Fabrikbesitzer planen ferner, die nach England gegebenen Bestellungen auf Ma­schinen rückgängig zu machen. Auch der Gemeinderat der Stadt erwägt den Boykott britischer Waren und Firmen.

Die meisten größeren Kongreßausschüsse in den Provinzen haben ihre verschiedenen Un - terausschüsse durch Diktatoren er­seht, die befugt sind, für den Fall ihrer Ver­haftung selbständig ihre Rachsolger zu ernennen. Ueberdies haben die kleineren Aus­schüsse in den verschiedenen Orten Anweisungen erhalten, ihreigenesAktionsprogramm aufzunehmen, ohne auf Weisungen der Zentral­ausschüsse zu warten. In Cawnpur sind sieben, in Lucknow vier Kongreßführer verhaftet worden.

Nach her Pause.

Die kurz bemessene Frist der politischen Weih­nachtsserien ist vorüber, der Burgfriede^ am Sonntag abgelaufen. Die Reichsregie- runa hat eine Verlängerung nicht vorgenommen, weil sie glaubte, mit den allgemeinen Bestimmun­gen über Uniform- und Abzeichenverbot alle in­nerpolitischen Spannungen überwinden zu kön­nen. Wir wollen hoffen, daß dieser Optimismus gerechtfertigt ist. Denkbar aber ist er nur, wenn der Wille zum Handeln daneben steht und die Ge­heimwühler merken, daß ihre Revolutionsspiele­reien doch unter Umständen auch lebensgefähr­lich sind. Dr. Brüning ist ebenfalls nach Derlinzurückgekehrt und findet ein selbst für feine Verhältnisse außerordentlich reiches Ar­beitsprogramm vor. Wir haben ihm gewiß den kurzen Reujahrsurlaub nicht mißgönnt. Er hat ihn, an seinen Arbeitsleistungen gemessen, sicher­lich verdient. Immerhin darf nebenbei doch ein­mal die Frage aufgeworfen werden, ob es in sol­chen kritischen Zeitläuften gerade nützlich ist, wenn sämtliche politischen Minister ien gleichzeitig verwaist sind und ausge­rechnet der Reichspostminister als Vertreter des Kabinetts am Reujahrstage sprechen muh.

Wichtiger als das aber ist schließlich der In­halt der Ansprache gewesen, die R e i ch s Prä­sident von Hindenburg an das Diploma­tische Korps gehalten hat. Ausgehend von den tief einschneidenden Maßnahmen, die das deut­sche Volk auf fich nehmen muhte, hat der Reichs­präsident das Zusammenwirken aller Länder ge­fordert, um die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen in der ganzen Welt zu erhöhen. Mit ebensolchem Rachdruck hat das Reichsoberhaupt verlangt, dah die Erwartungen des deutschen Vol­kes in der Frage der Abrüstung nicht nochmals enttäuscht werden dürfen. Dieser Satz und die Erinnerung an die ruhmvolle Tradition von Tan­nenberg, die Herr vo i Hindenburg in seiner Reu- jahrsbotschast an d. deutsche Volk aufleben lieh, gibt der politischen Arbeit des deutschen Volkes in diesem Jahre feine Rote. Hindenburg hat wie­der als oer Ekkehard unserer Ration gehandelt, schlicht und würdig das gesagt, was Dol^ks- e m p f l n d e n ist.

Wenn das Echo aus Paris auf die Rede des Reichspräsidenten von der gewohnten Un° sreundlichkeit erfüllt war, so hat das nicht über­rascht. Alle Welt weih, dah Frankreich sich starr an die Buchstaben von Diktaten und überlebten Verträgen klammern möchte, um seine Hegemonie in Europa ausrecht zu erhalten. Damit wächst aber auch Frankreich allmählich in seine Isolie­rung hinein, die auf die Dauer nicht zu seinem Vorteil sein kann. Der deutsche Standpunkt für die kommenden Konferenzen ist klar genug, er mühte aber noch schärfer herausgestellt werden. Richt mit Unrecht verlangen große Blätter vom Reichskanzler und von der Reichsregierung, daß sie in dieser Hinsicht zur rechten Zeit offener sprechen als bisher. Die schweren wirtschaft­lichen Lasten, die auf unserem Volke ruhen, können doch nur getragen werden, wenn im Lande das Gefühl vorhanden ist, dah seine Führung ent­schlossen ist, den Kamps um die Befreiung von unerträglichen Fesseln mit Heistern Herzen und klarer Entschlossenheit fortzusetzen.

Die Vorbereitungen für die eigentliche Repa­rationskonferenz werden wohl noch einige Tage liegenbleiben, bis Ende der Woche der Finanzminister Dietrich eingetroffen ist. Inzwi­schen wird die Regierung ihre letzten Beschlüsse fassen müssen s ü t d i e Ratstagung, die am 25. Januar in Genf beginnt das Schicksal Ehinas ist ja gerade für uns von ungeheuerlicher Aktualität wie auch für die Abrüstungs­konferenz, die jetzt doch wohl kaum mehr ver­schoben werden kann. Die Franzosen versuchen zwar, die Einberufung der Reparationskonferenz auf Ende Januar hinauszuschieben, um dadurch die zeitliche Ueberschneidung der beiden Konferenzen zu verstärken. Inwieweit sie dabei das englische Spiel spielen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist Deutschland bei diesen ganzen taktischen Intrigen im Vorfelde zunächst unbeteiligter Zuschauer. Wir müssen sehen, dah wir inzwischen mit den Stillhalteverhand­lungen der Bankiers weiterkommen, die aber auch wieder irgendwie an die Reparations­konferenz gebunden sind. Die deutsche Regierung legt nach wie vor entscheidendes Gewicht darauf, den Druck der kurzfristigen Kredite loszuwerden und durch die Aufstellung eines lang­fristigen Rückzahlungsprogramms die Gefahren eines neuen Runs zu verringern. Die Bankiers aber schielen bereits nach Lau­sanne, weil ihnen in der ganzen austenpolitischen Konstellation nicht wohl ist. Sie wollen sich jeden­falls nur sehr ungern binden, solange sie nicht wissen, wie politisch die Entwickelung weiter­geht. Das ist aber im Augenblick noch gar nicht zu übeyjehen. Frankreich hat zwar den Erfolg, dah es jetzt wieder die Engländer eng an seiner Seite hat, aber es steht doch auch vor der Gefahr, dah am 1. Juli bei der allgemein anerkannten Zahlungsunfähigkeit Deutschlands die Gelder aus Deutschland Wegfällen, während die Rückzahlungen von Frankrei d) an Amerika weitergehen müssen: und diese Gefahr ist um so größer, je halsstarriger Frank­reich jedes Entgegeickommen in der Abrüstung ablehnt. Die Fäden laufen also vorderhand noch so durcheinander, dah für den Kanzler jetzt schon starke Rerven dazu gehören, um nicht die Ueber- sicht zu verlieren, bevor der eigentliche Kamps beginnt.

Es ist wahrscheinlich, dast die Reichsregierung bet ©inberuf ung des Reichstages, die

von den Kommunisten verlangt wird und am 12. Januar dem Aeltestenrat zur Deschluhsas- ung unterliegt, aus austenpolitischen Gründen widerspricht. Sie wird darlegen, dah in einer Zeit wichtiger internationaler Entscheidungen kein Raum für innerpolitische Kämpfe vorhanden fein kann, dah die Regierung vielmehr in ungeschmä­lerter Autorität ihren Gang zu den außenpoliti­schen Konferenzen antreten müsse. Inzwischen werden die A u s s ch ü s s e des Reichstages ihre Arbeiten aufnehmen. Das Plenum ist bekannt­lich erst für den 23. Februar in Aussicht genommen. An Beratungsstoss wird es ihm nicht fehlen. Reben alten Vorlagen, wie die Strafrechtsreform, stehen neue Gesetze zur Beratung, zu denen ein Rerchs- städtebaugesetz gehört, ferner die Uebemahme der Wasserstraßenverwaltungen auf das Reich, em Entwurf über Zugabewesen, dann die große So­zialversicherungsreform. Auch das Pensionskur- zungsgeseh, das Gesetz über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten und das Disziplinarrecht für die Beamten harren ihrer Erledigung durch die Volksvertretung.

Das Deichskabinett wieder vollzählig in Berlin.

Vorbereitung der Genfer und der Lausanner Konferenz.

Berlin, 4. Jan. (TU.) Reichskanzler Dr. Brüning und die übrigen Reichsnnmster, die über Weihnachten und Reujahr von 'Berlin ab- wesend waren, find wieder in der Reichs­hauptstadt eingetroffen. Das Kabinett wird in den nächsten Wochen mit den deutschen Vertretern für die Tribut- und Abrüstungskonfe­renz die letzten Vorbereitungen für diese Tagungen durchberaten. Auf der Tributkonferenz in Lausanne wird der Reichskanzler die deutsche Abordnung führen. Ferner werden Reichsfinanzminister Dietrich und voraussicht­lich auch Reichswirtschaftsminister Dr. Warm- b o ID Deutschland in Lausanne vertreten. Letzteres ist als bestimmt anzunehmen, da auch auf den beiden Haager Konferenzen die Wirtschaftsmini­ster (Dr. Curtius und Robert Schmidt) anwesend waren.

DieAbordnungsürdieAbrüstungs- konferenz in Genf besteht bekanntlich aus dem Kanzler, Reichswehrminister Gröner.

Staatssekretär v. Bülow, sowie den Bvt- schastem Rad olnh (Angora) und Graf Wel- czek (Madrid). Falls sich die beiden Konferenzen überschneiden sollten, wird der Reichswehr- Minister den Kanzler in Genf ver­treten. Jedoch ist anzunehmen, daß auch der Kanzler wenigstens zeitweise an der Abrüstungs­konferenz teilnehmen wird. Es steht auch noch nicht fest, ob Staatssekretär v. B ü l o w , der Deutschland auf derDölkerbundsratssit- z u n g vertritt, an der Lausanner ober der Gen­fer Konferenz teilnehmen wird.

England und die Reparationskonferenz Einflußreiche Finanzkreife für Vertagung der Entscheidung bis zum Sommer *?

London, 5. Ian. (ERB. Funkspruch, eigene Meldung.) Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" schreibt: Es verlautet, daß der Kabinettsausschuß für das Reparations- Problem morgen zusammentreten wird, um die Grundlagen festzusehen, auf denen Leith-Roß feine Verhandlungen mit dem fran­zösischen Schatzam t wieder auf neh­men soll. Während des Wochenendes haben der Premierminister und die anderen Minister des Kabinettsausschusses eine Denkschrift ge­prüft, die die Anempfehlungen der britischen Schatzamtssachverständigen enthält. Ser Karre- spondent erwähnt dann Gerüchte, wonachin einem der mächtigsten Kreise der Bankwelt" da­für eingetreten werde, daß man in Lausanne nicht versuche, auch nur eine proviso­rische Lösung des Reparationsproblems zu erreichen. Die Konferenz sollte sich nach Ansicht der betreffenden Bank vielmehr damit begnügen, die Möglichkeiten zu untersuchen, die der Vaseler Sachverständigenbericht biete und s i ch dann b i s zum Sommer vertagen. Im Sommer würde die Atmosphäre günsti­ger sür eine umfassende und dauer­hafte Regelung sein. Schließlich werde noch erklärt, daß ein dreijähriges Morato­rium, von dem jetzt gesprochen werde, weder für das Bedürfnis Deutschlands, noch für das der Finanzmärkts der Welt genüge» würde.

Frankreichs Kriegsschäden schon mehr als bezahlt.

Deutschland feiner Wiedergutmachung^ Pflicht ledig.

Berlin, 4. Jan. (TU.) Heber die wieder­aufbaukosten des französischen be­setzten Gebietes sind die verschiedensten Mit­teilungen verbreitet worden. Bon zuständiger Stelle wird dazu folgendes mitgeteilt: Rach Anlage 14 zum französischen Haushaltsentwurf für 1932 betragen die Gesamt schaden im ehemals besetzten fran­zösischen Gebiet 98 Milliarden Papierfranken. Davon müssen abgezogen werden 5,8 Milliarden für Schäden an öffentlichem Eigentum und 12,5 Mill, für Zinszahlungen und Ber- waltungskosten. Rach deutscher Auffassung kommen demnach auf Grund der Lansing-Rote von 1918 für Deutschland als Schuld in Frage 79,6 2TUI- liorden Papierfranken (etwa 13,5 Milliarden Mark). Der französische Arbeitsminister Deligne Hot 1931 in einem Bortrag festgestellt, daß sich der Ge­samtaufwand für die Sachschäden im französischen besetzten Gebiet auf 80,1 Milliarden papierfranken beziffert. Do wir nach amerikanischer Aufstellung schon mindestens 34 Milliar­den Mark bezahlt haben, van denen Frank­reich etwa 18 Milliarden Mark er Hal- t en Hot, fo hat Deutschland demgemäß schon mehr für die Aufbauf chäden bezahlt, als nötig war.

Die Neuordnung der Wafferstraßenverwaltung.

Berlin, 5. Ian. (ERB.) Unter Vorsitz de» Reichsverkehrsministers Treviranus beginnen dieBeratungen mit den Länderregierungen über den völligen Hebergang der Wasserstra- ßenverwaltung aus das Reich. Den "Be­ratungen liegt der Entwurf eines Reichsgesehes über die Reichswasserstraßenverwaltung zu­grunde. Der Gesetzentwurf umsaßt die Verwal­tung der Äeichswasserstraßen, die Unterhaltung und den Betrieb, den Ausbau und Reubau, das Seezeichenwesen, das Lotsenwelen auf den mii be*