Ausgabe 
4.10.1932 Erstes Blatt
 
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'Had)brud verboten I

2. Fortsetzung.

über Hier Son-

Lo^arten überlegte. Er hätte so gern ettnos für die Kleinen getan; aber da plötzlich merk­würdig viele Leute auf der Straße waren, wußte er nicht, wie er sich zu verhalten hatte. Schließ­lich flüsterte er dem Chauffeur etwas zu. Der erteilte bann dem Wagenpfleger, der stets mit im Wagen bei ihm sah, einen 2luftrag.

Unterdessen stieg Fritz Lohgarten die aus­getretenen Stufen einer am Hause Rümmer neun emporführenden Treppe hinauf.

Ha, Mutter, wohnt hier der Schlosser Kielven/ 3a? Danke sehr! Und nun hier eine Kleinigkeit für 3hre Liebenswürdigkeit, Mutter."

Sie starrte ihm mit offenem Munde nach; bann faltete sie ben Zehnmarkschein sorgfältig zusammen. ,

Der erste Mensch, ber freunblich zu ihr ge­wesen war!

Seit langen, langen Jahren!

Fritz Lohgarten ging weiter. Stand endlich vor einer Tür. Kurz entschlossen klopfte er, da diese Tür den Qtamen Peter Kielven trug.

Einen Augenblick lang wich er zurück vor der schlechten Luft, die ihm entgegenwehte, tir |ay auch nichts. Aber als er ein Weilchen hier stanb, gewöhnten sich feine scharfen, hellen Augen an bas Durcheinander. Und da sagte auch schon Der alte Dolscher, ber bereits vor einer Stunde ge­kommen war: r .«

Herr Lohgarten möchte Sie sprechen, Kielven!

Die Frau, die mit zerwühltem Haar am Ofen stand, kam näher. Ihre Augen leuchteten. Eilig rückte sie einen Stuhl zurecht, bat, doch Platz zu nehmen. Aber Fritz Lohgarten dankte. Er blieb an ber Tür stehen unb blickte auf ben Mann, ber sich schwer unb unbeholfen vom Sofa emporwälzte.

Das Mädel bleibt hier bei mir. Ich bin ihr Vormund; ich habe es dem alten Rarren, dem Dolscher schon letzthin gesagt, als er bei mir war aber er scheint's nicht ausgerichtet zu haben. Wir sind die Verwandten, und wir haben das Recht an das Mädel."

Das haben Sie nicht mehr, Kielven. Das Ge­

garten stieg aus.

Ola, Kinder?" .

Seine Hand fuhr einem Dlondkopfchen bas Gesicht. Hier wohnten diese Kliwer! in diesen alten, baufälligen Hausern. Kem nenstrahl mochte den Weg zu den meisten Woh- nungen finden. Vicht einmal ein Gärtchen war

Zweites Kapitel.

Graue Mauern. Elende alte Häuser! Zer­lumpte Menschen mit fembfeligen Augen, schmutzige Kinder mit blassen Gesichtern.

Jetzt drängten sie sich an den haltenden Wagen heran, neugierig ins Innere lugend

Der Chauffeur öffnete die Tur, und Fritz Loh-

Zorn wallte in ihm hoch. Dann besann er sich, sagte ruhig:

War er denn schon bei einer anderen Gesell­schaft anwesend?" t

Olein! Er sagt stets in letzter Minute ab. Aa also, da hast du es. Er weiß, toer er ift. ber große Mann. So blamiert euch eben nicht zum zweiten Male. Unsere Gesellschaftsabende waren bis jetzt immer ganz nett, auch ohne Dielen Herrn. Schließlich kann man ihn nicht zwingen uns simplen Menschen Gesellschaft zu leisten. Herr schwelgt eben in höheren Regionen.

Er strich Hilma über das rostrote Haar Er hatte sie immer im Derbacht, daß sie sich sj^bte. Da er sie aber nicht zu heiraten gedachte, so nahm er sich nicht die Mühe, sie naher daraufhin 8U^a^ ßofaar tcn saß bereits am Abendbrottisch Un3ntobSem Augenblick brachte ?->^nn noch die Abendpost, die er wie üblich auf den Platz des Hausherrn legte, der sie dann verteilte.

Es war eine Zusage des Sängers Altendorf b<$itma saß mit hochroten Wangen da ur£ Räu­berte mit der Mutter über die neue Toilette und ob man sich doch nicht lieber noch etwas anderes schicken lasse. Vielleicht cm Modell von Goldstern. , .,

Fritz Lohgarten aber war es, als sei es mit bieder Zusage des Sängers mit ber Ruhe in seinem Hause vorbei.

Albern war bas; aber bieses seltsame Emp­finden blieb den ganzen Abend über Da die beiden Damen froh waren, ungestört über diese völlig unerwartete Zusage plaudern zu können, so fiel es nicht auf, daß ber Hausherr schweigsam bafaß unb seltsam finstere Augen machte.

Als Lohgarten an biefem Abenb in ben Klub fuhr, marterte ihn noch immer bie Frage:

Woher kenne ich Altenborf? Weine Ahnungen haben mich nie betrogen. Mit ihm hängt irgenb etwas zusammen, bas mir ben Frieden rauben wird.

Sein Dlick fiel durch das Fenster. Wie lange heute die Fahrt dauerte!

Jetzt eben fuhr der Wagen am strahlend hell- erleuchteten Opernhause vorüber.

Fritz Lohgarten sah auf das Gebäude, als berge es einen Todfeind!

305 (9108 1000 OtO W

Roman von Gert Rothberg.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

richt hat es anders beschlossen", sagte Lohgarten kurz unb scharf. _ ,,

Der Trunkenbold stierte ihn an; bann fluchte er.

Das verdammte Gericht. Wir braunen kein Gericht. Ich bin der alleinige Herr über Die Sache verstehen Sie?" _ .

Lassen Sie diese Redensarten. Der Vormund bin von jetzt ab ich. Zu Recht! Wan hätte Ihnen das Wädelchen gar nicht erst anvertrauen sollen. Run, es wird noch nicht zu spät sein. Der Mensch versinkt nur dann mit im Sumpf, wenn er selbst die nötigen Anlagen dazu mitgebracht hat. Ich bin bereit, Ihnen fünftausend Mark zu zahle^ damit Sie sich ein kleines Geschäft kaufen und einen ordenllichen Lebenswandel anfangen kön­nen. Bedingung ist jedoch, daß Sie sich weder dem Mädel noch mir oder auch Dolscher je wieder nähern. Forderungen würden abgewiesen werden. Sie selbst, wenn Sie das Ihnen aus- gezahlte Geld verttinken, würde man in einer Anstalt unterbringen müssen, wohin Sie schon jetzt gehören. Ich habe die Rente für die Kleine ge-ahlt Das könnte ich sofort einftellen unb Ihnen das Mädelchen ttohdem überlassen; dann würden Sie jedenfalls durchaus nicht darauf bestehen, das Kind zu behalten. Also? Ich lasse Ihnen zehn Minuten Dedenkzeit."

Die brauche ich nicht verflucht noch mal! Geben Sie mir das Geld!"

Schön dann unterschreiben Sie hier dieses Schriftstück!" Mißtrauisch schielte der Mann von unten herauf in Lohgartens Gesicht.

Dekomm ich dann gleich das Geld?" Gewiß hier ist es!"

Mit zitternden Fingern unterschrieb der Mann.

Lohgarten steckte ruhig das Schreiben wieder in seine Drusttasche.

Frau Kielven war wütend.

Richt mit einem einzigen Dlick hatte ber große blonde Mann sie angesehen. Sie ging zu einer schmutzigen, schmalen Seitentür, öffnete sie:

Komm herein Traute."

Schüchtern schob sich ein blasses Mädelchen ins Zimmer. Groß und angstvoll ruhten die schonen, dunkelblauen Augen auf dem hochgewachsenen Manne.

Lohgarten trat zu dem Mädelchen und strich sanft über das rostrote, seidenweiche Haar. Hier war es echt, dieses schone, glänzende Haar.

Ra, Traute, willst du mit Vater Dolscher gehen? Du wirst es dort gut haben."

Ja, ich Witt."

Es war wie ein erlösender Aufschrei, und Loh­gar ten fühlte es, wie das Kind gelitten haben mußte.

Du bist sehr undankbar, Traute! Aber geh nur, geh man ist ja nichts Gutes mehr gewohnt."

Frau Kielven sagte es in weinerlichem Tone und führte einen Zipfel ihrer schmutzigen Schürze an die Augen.

Was dir besonders lieb ist, Traute, bas packe zusammen. Das andere läßt du alles hier; die Mutter näht dir neue Sachen", sagte Dolscher.

Da nickte Traute unb ging noch einmal in da- Kämmerchen hinüber. Rach wenigen Minuten kam sie zurück, einen kleinen Koffer tragend.

So, nun verabschiede dich, und dann wollen wir gehen."

Vater Dolscher hatte es gesagt unb ber Kleinen den Koffer abgenommen.

Traute gab Den Verwandten bie Hand. Loh- garten wußte, daß sie es nicht erwarten konnte, von hier fortzukommen.

Armes lleines Mädelchen!, dachte er, und er war froh, daß et Dollchers Bitten nachgegeben und sich für die Angelegenheit eingesetzt hatte. Er grüßte kurz und verlieh die Wohnung des Kiel- venschen Paares, das noch gar nicht so recht xur Besinnung gekommen war, so schnell war alles gegangen und so sehr hatte sie das bestimmte Auftreten Lohgartens überrumpelt. Zudem lähmte sie auch der Anblick des Geldes.

Drunten waren der Chauffeur und ber Wagen- pfleger indessen die Helden des Tages. Vielmehr der kleinen, schmutzigen Gasse. Sie hatten den Be­fehl ihres Herrn ausgeführt und hatten Süßig­keiten eingekauft, was sie kaufen konnten, und die Kinder damit beschenkt.

Ranu, die Traute?"

Ein großer hübscher Dengel lieh die verwun­derten Worte fallen, und da sahen es^ auch die anderp ganz verdutzt, daß Kielvens Traute in dem vornehmen Auto Platz genommen hatte. Cs blieb jedoch nicht viel Zeit zum Staunen. Denn der Wagen fuhr davon, ehe man es sich versah. Vater Dolscher hatte bescheiden nach Hause laufen wollen, aber er sah jetzt mit im Wagen. Loh­garten hatte es so gewünscht.

Traute aber hatte die Hände gefaltet unb Da« Köpfchen tief gesenkt. Sie wußte es: Diesen Tag würde sie nie vergessen. Er war ber schönste in ihrem ganzen bisherigen Leben.

Und dem Manne, der sie erlöst hatte aus einem Dasein voll Pein und Ekel, dem würde sie ewig dankbar fein.

Und dann kam der Augenblick, wo Traute der alten Frau Dolscher voll unaussprechlicher Dank­barkeit um den Hals siel.

Dieses reizende, helle Zimmerchen sollte sie gan$ allein bewohnen?

Duftige Mullgardinen wehten luftig vor dem Fenster, ein blütenweiß bezogenes Dett stand an der einen Wand, ein Klecherschrank daneben, eine kleine Waschkommode, ein winziges Sofa und ein schmaler Eckschrank für Wäsche an der andern Seite. In ber Mitte ein runder kleiner Teppich mit Rosenmuster unb ein runder Tisch mit Decke bar auf.

(Fortsetzung folgt.)

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Die Beerdigung findet von der Neuen Friedhofskapelle in Gießen aus am 6. Oktober, nachm. 3 Uhr statt.

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Für die vielen Beweise inrflger Teilnahme beim

Heimgang unseres lieben Entschlafenen

Herrn Karl Neurath

sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer

Bremmer, dem Eisenbahn- und Kavallerie-Verein

unseren alleraufrichtigsten Dank.

Frau Luise Neurath Wwe. und Kinder