Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 4. August 1932.
Allerlei Erntemerkwürdigkeiten.
Hicheldengeln und Sensenwehen sind die typischen Zeichen der Ernte des Brotkorns. Wohl und Wehe eines Staates hingen früher, als die Verkehrsmittel noch mangelhaft waren, mit der guten oder schlechten Ernte eng zusammen. Deshalb auch der breite Raum, den in der Geschichte und in der Poesie das Getreide einnimmt. Als besondere Merkwürdigkeit stellt sich uns in der Bibel die 30», 50- und lOOfältige Frucht vor, die tatsächlich heute noch in den fruchtbarsten Gegenden Aegyptens gedeiht. Aber auch bei uns gab es im Laufe der Jahrhunderte merkwürdige Einzelheiten von vielfältigen Fruchtähren.
So wird aus dem Jahre 1312 berichtet, daß auf dem Aikolasfriedhof zu Höxter eine Aoggen- ähre gewachsen sei mit einer Hauptähre und zwölf Rebenähren, die insgesamt etwa 1200 Fruchtkörner trugen. Das Klostergut Lorch verzeichnet in seinen Annalien von 1554, daß einem Korn 61 Aehren entsprossen seien. 1634 überbrachten Landsleute dem Herzog von Schlesien einen bei Strehlen gefundenen Kornhalm mit 18 großen Aehren. Bon einem Raturwunder wird 163fr aus Themar berichtet. Auf einer Brandstätte unweit der Stadtmauer wuchs ein Kornhalm auf mit 21 ausgewachsenen Aehren, die im Juni blühten und im August reiften. Täglich kamen viele Leute, um diese Crntemerkwürdigkeit zu besichtigen.
Eine ähnliche Attraktion erlebte im Jahre 1617 Mittelwaldau in der Grafschaft Glah. Dort trug ein Gerstenhalm 9 kleine und 15 große Aehren, die alle voller Körner waren. Man sandte diese Merkwürdigkeit als besondere (Rarität nach Wien. 2lußer diesen Einzelheiten wird von einer ganz besonderen Fruchternte aus der Heilbronner Ge- Send zu Ende des 17. Jahrhunderts berichtet. 'N Kriegszeitläufen verheerten die Soldaten die noch grünen Fruchtäcker. Boß und Mann traten die Halme in der ganzen Gegend zur Erde, um durch eine Hungersnot der Stadt zu schaden. Merkwürdigerweise aber grünten erneut die verwüsteten Getreidefelder und dank einer äußerst guten Witterung konnte im Spätherbst eine reiche Ernte eingcfahren werden.
Daten für Samstag, 6 August.
1195; Heinrich der Löwe in Braunschweig gestorben: — 1809: der Dichter Alfred Tennyson in Somersby geboren; — 1914: Kriegserklärung Oester- reich-Ungarns an Rußland und Serbiens an Deutschland; — 1930: der Polarforscher Salomon August Andrse und seine zwei Begleiter auf der Weißen Insel tot aufgefunden und am 5. Oktober zu Stockholm eingeäschert.
Vornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Bund der Lahnfreunde: Monatsversammlung bei Hopfeld. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kreuzer Emden".
Gießener Wochenmarktpreise.
Gießen, 4. Aug. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt. Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30
Wirsing 8, Weißkraut 8, Rotkraut 12, gewe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 8 bis 10 Spinat 18 bis 20, Erbsen 18 bis 20. Romischkohl 8, Zwiebeln 12, Pilze 25, Dohnen (grüne) 12 bis 15, (gelbe) 12 bis 15, Kartoffeln (neue) 4 (pro Zentner 3,50 Mk.), Tomaten 20 bis 30, Frühäpfel 20 bis 25, ■Birnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Himbeeren 15 bis 20 Johannisbeeren 12 bis 15, Pfirsiche 40 bis 60 Pflaumen 15 bis 20. Honig 40 bis 45, Zwetschen 30, Mirabellen 35, Reineclauden 25, junge Hähne 80 bis 90. Suppenhühner 60 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60. Eier 8. Blumenkohl 30 bis 60. Salat 8 bis 10. Salatgurken 15 bis 30. Einmachgurken 2 bis 4, Oberkohlrabi 8 bis 10. Rettich 10 bis 12, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 8 bis 10 Pfennig pro Bund.
*’ Strohfeuer. Der Feuerwehr wurde am Dienstagnachmittag nach dem Wihmarer Weg, in die Nähe des Bootshauses des Ruderklubs „Hellas" gerufen. Dort war ein Haufen alten Strohes in Brand geraten. Die Feuerwehr mußte energisch eingreifen, da die in unmittelbarer Nähe befindlichen Fruchtseider in Gefahr waren. Nach halbstündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder einrücken.
** Nachtrag zur Vergnügungssteuer- O r d n u n g. Im heutigen Anzeigenteil wird in einer Bekanntmachung ein Nachtrag zur Steuerordnung über die Erhebung der Vergnügungssteuer in der Stadt Gießen veröffentlicht. Interessenten seien besonders daraus aufmerksam gemacht.
" Schulung der Crwerbslosen- j u g e n d. Der Gewerkschaftsring und andere gewerlschc f l che Spitzenorgamsationen haben kürzlich dem Preußischen Ministerium für Volks- wohlfahrt einen Antrag überreicht, der dringend Maßnahmen für Schulentlassene, die keine Lehre ober Arbeitsstätte finden können, und für die beschäftigungslosen Lehrlinge und die arbeitslosen an- und ungelernten Jugendlichen fordert! 3n Erwägung gezogen werden Fortsetzung des Schu.besuches, insbesondere an den Berufsschulen, Err chtung von Sammellehrwerkstätten zur Bollendung der Berufsausbildung usw. im Rahmen der Fortbildungsmahnahmen der amtlichen Arbeitslosenbetreuung.
** Theologie-Studenten als Siedler? Da auf den gegenwärtig noch vorhandenen Pfarrermangel angesichts des starken Zudranges vor allem zum Theologiestudium mit einem baldigen Ueberfluß an Pfarramtsanwärtern zu rechnen ist, erwägt man jetzt an zuständiger Stelle die Heranführung der Theologie-Studenten an die praktische Lösung des Siedlungsproblems. Die jungen Leute sollen bann zunächst ihre materielle Existenz sicherstellen und sich darüber hinaus als „Siedlungstheologen" vor allem in Ostpreußen auch seelsorgerisch und pfarramtlich betätigen. In einzelnen Fällen hofft man mehrere Siedler zu einer Gruppe zusammenzufassen, die bann ähnlich wie es in den Klöstern des Mittelalters der Fall war, zusammen' arbcitcn könnte. Zum Zwecke der Vorbereitung werden besondere Kurse erwogen, in denen im Sommer die Landwirtschaft und im Winter Theologie gelehrt werden würde.
Ernte in Oberheffen.
Oie Getreideernte befriedigt. —Obsternte fällt aus. —Hackfrüchte gut entwickelt
I Aus dem südlichen Kreise Gießen, 3. Aug. Trotz der vielen Lagerfrucht schreitet die Erntearbeit sehr gut vorwärts. Der Roggen und die Sommergerste sind bereits geschnitten. Die Mähmaschine konnte nur ganz selten in Tätigkeit treten. Auch Weizen und Hafer sind nun reif und werden wohl Ende dieser und Anfang nächster Woche geschnitten werden können. Der Ertrag ist fast durchweg als sehr gut zu bezeichnen. Die Ernte der Frühkartoffeln ist auch nahezu beendet. Die letzten Regcnfälle kamen den mittleren Sorten noch sehr zustatten. So kommt es, daß die Sorte „Blaue Odenwälder", die immer noch ziemlich viel angepflanzt wird, viel bessere Erträge abwirft als die ganz frühen Sorten, die unter der Trockenheit zu leiden hatten. In den Gärten und auf den Kohlfeldern macht sich der Kohlweißling sehr unangenehm bemerkbar. Er kommt in großen Massen, um seine Eier abzulegen.
ch Aus dem Lumdatal, 3. August. Gegenwärtig ist die Getreideernte in vollem Gange. Die Arbeiten nehmen einen langsamen Fortgang, da Lagerfrucht, die zumeist erst in den letzten Wochen entstanden ist, unvorhergesehene Schwierigkeiten bereitet, so daß kaum die Getreideerntemaschine benutzt werden kann. Das gesamte Getreide, Sommer- wie Winterfrucht, ist durch die Gewitterstürme kreuz und quer durcheinander geworfen. Soeben wirb der Roggen- und Gerstenschnitt durch- gesührt. Was die Menge der Fruchthaufen der einzelnen Aecker anlangt, so kann kaum eins der oer- floHenen Jahre damit verglichen werden. Hoffentlich fallt auch bei dem Drusch das Körnerergebnis entsprechend aus. Die Wintergerste ist bereits unter Dad) unb Fach. Hier und da liegen bereits die Druschergebnisse vor. Im allgemeinen ist der Ertrag an otrob unb Körnern befriedigend. In etwas trockenen Gegenden reift der Hafer in den letzten -agen zusehends. Leiber sind bie Aussichten auf
die Obsternte immer trüber geworden. Die wenigen an den Kern- wie auch Steinobstbäumen verbliebenen Früchte beginnen zu fallen, was wohl zum größten Teil auf die schädliche Einwirkung der Obstbaumschädlinge zurückzuführen ist. Die Himbeerernte, die noch zumeist gegegenroärtig in den Wäldern vorgenommen wird, ist überall recht gut und hat der geringeren Bevölkerung nennenswerte Nebeneinnahmen verschafft, soweit bie Früchte nicht im eigenen Haushalte Verwendung fanden. Leider sind in diesem Jahre in den Himbeerfrüchten, wie bei den Kirschen, ungezählte Maden anzutreffen. Die Hackfrüchte stehen gut. Die Spätkartoffeln stehen in voller Blüte und haben infolge der feucht- warmen Witterung recht gut an Knollen angesetzt. Die Erträge der Frühkartoffeln sind durchweg befrieoigenb. Bohnen unb Gurken bringen in den Gärten bie erste gute Ernte. Die Kohlweißlinge treten wieder stark auf. Ihre Raupen richten an allen Krautgewächsen schon jetzt beträchtlichen Schaden an.
dfc Aus der Wetterau, 3. Aug. Der Schnitt von Roggen und Gerste ist beendet. Wegen starker Lagerung konnten die Erntemaschinen fast nicht benutzt werden. Da infolge der wenig günstigen Witterung Weizen und Hafer nur sehr langsam reifen, tritt eine kurze Arbeitspause ein, die man zum Drusch der immer mehr zum Anbau gelangenden Wintergerste benutzt. Die Dreschmaschine hat in den Dörfern die Arbeit ausgenommen. Allgemein ist man mit dem Druschergebnis der Wintergerste zufrieden. Allenthalben ist man daran, die Stoppeln umzubrechen und Erbsen sowie Wicken einzusäen. Begünstigt durch die feuchte Witterung weisen die Hackfrüchte einen guten Stand auf. Wenn keine größeren Riederschläge mehr ein treten, ist mit einer ausgezeichneten Kartoffelernte zu rechnen. Die Obstaussichten werden täglich schlechter. Rur Wirtschaftsbirnen versprechen eine mittlere Ernte. Die
Gärten zeigen einen Prächtigen Stand. Die Weinspaliere an den Häusern haben reichlich Gescheine angesetzt.
Facit der Frankfurter Freilichtbühne auf dem 2Römerbcrg.
Die Optimisten behielten recht!
WSN. Frankfurt a. M., 3. August. Die Ent- berfung des Römerberges als Freilichtbühne von besonders guter Eigenschaft ist bi- Ueberraschung dieses Sommers. Die Verwaltung ber Stäbtischen Dühnen hat mit biesen Aufführungen einen guten Gnff getan, benn bie Vorstellungen auf dem Römer- berg erfreuen sich besonderer Beliebtheit und sind bisher alle vollkommen ausverkauft gewese n. Der finanzielle Erfolg ist so groß, daß man sich in mafogeber.bcn Kreisen der städtischen Verwaltung mit dem Gedanken trägt, die Freilichtaufführungen auf dem Römerberg alljährlich im Sommer zu oeran st alten. Abgesehen von dem Aufbau ber Tribüne entstehen auch hier kaum besondere Aufwendungen, denn im Unterschieb flu ben_Freilichtaufführungen in Heibelberg und näheren Städten hat man doch hier in Frankfurt a. M.
das ganze benötigte Ensemble beisammen unb kann dieses durch Verlegung ber Urlaubszeit für bie Zeit ber Freilichtaufführungen frei machen.
Wenn auch in diesem Sommer burchaus kein beständiges Wetter war, so waren doch bie Dorstel- (urigen auf dem Römerberg außerordentlich vom Wetter begünstigt, benn von 2 5 angesetzten Vorstellungen konnten nicht weniger als 23 programmäßig burchgef ührt werden. Und was ist vor dem Beginn der Vorstellungen gegen bas Unternehmen nicht alles ins Treffen geführt worben, wieviele Besserwisser haben ein großes Defizit vorausgesagt. „Jede zweite Vorstel- hing wirb verregnen," hieß es, „kein Mensch wird bei ben schlechten Zeiten dafür Gelb ausgeben.“ Verglichen mit ben Freilichtaufführungen in anderen Städten sind die Preise auch nicht zu hoch. Für die ganz Armen unb bie Minberbemittelten will man jetzt Sonberoorstettungen geben, unb zwar für Erwerbslose ganz unentgeltlich am Montag, 29.August, unb für Minderbemittelte zum Preise von 50 Pfennige am Dienstag, 30. August. Diese beiben Vorstellung sinb sozusagen als Abschluß ber Goethe- Gedächtnis-Woche gebucht, bie vorn 21. bis 28. August in Frankfurt a. M. ftattfinbet.
Olympisches Tagebuch
Humor und Tragik in Los Angeles.
Hochs ut ber Rekorde.
Großartige Olympiade! Sportfest aller Sportfeste! Fast läßt sich nach dem ersten Tag nicht vorstellen, daß dieser Höhepunkt an Stimmung, Kampfstärke, Rekordwillen, Intensität überboten werden kann. Man denke sich: ein einziger Kampftag — und fünf Weltrekorde. Lieber 100 Meter erreichte der Reger Tolan die phantastische Zeit von 10,3 Sekunden. Im Hürdenrennen bleibt die Leistung des Iren Tis dal mit 51,8 Sekunden ein märchenhaftes Ergebnis. Ein zweiter Rekord fällt beim Hammerwerfen an Irlands klassischen Vertreter Pat O'C a l l a g h a n. Die Distanz über 3000 Meter findet in dem jungen Finnen I s o h o l l o einen Bezwinger wie noch nie — obwohl dieses Rennen im wahren Sinne des Wortes ein „Rennen mit Hindernissen" war. 10 000-Meter-Lauf — Sieger K u s o c z i n s k i aus Polen, Abbild und schwacher Ersah des großen Rurmi. 100-Meter- Lauf der Frauen — ein tapferes Mädchen, W a l a s i e w i c z genannt, Landsmännin des vorigen, macht dem sogenannten schwachen Geschlecht in der phänomenalen Zeit von 11,9 Sekunden Ehre. Was will man eigentlich mehr?
52 Nationalhymnen.
Stundenlang dauerte bei der Eröffnung der Olympiade der feierliche Einzug aller Kämpfer. Immer wieder wurden die Delegationen der verschiedenen Rationen mit Beifall überschüttet. Bon Südafrika bis zu den Philippinen, von Rorwegen über Japan nach Australien — eine ganze Arche Roah war auf dem blitzblanken Weißen Weg des Stadions beieinander. Tausende von Teilnehmern, 52 verschiedene Länder — immer wieder brach die Kapelle in eine neue Rationalhymne aus. So feierlich es war, es dauerte ein bißchen sehr lange. Gewiß: man hat nicht immer Gelegenheit, die philippinische Nationalhymne Schulter an Schulter mit „Finnland, Finnland über alles" zu hören. Einige unverbesserliche Statistiker haben sich aber ausgerechnet, daß, wollte man die Rotenlinien dieser 52 Rationalhymnen der Länge nach aneinanderlegen, ungefähr die Distanz zwischen Los Angeles und der Stadt Mexiko herauskommen würde...
Schade um Hirschfrld.
Ganz zweifellos gehört der deutsche Reichs- Wehrfeldwebel zu den besten Kugelstoßern der Welt. Diesmal aber hat er sich und seinem Land keine Lorbeeren verschaffen können. Möglich, daß man nach seinem Training Wunderdinge von ihm erwartete. Denn in Anwesenheit von einigen Pressephotographen erreichte er kürzlich bei einer puren Schaustellung seiner Kunst die Weltrekordgrenze. Bei den eigentlichen Kämpfen aber brachte er es nur auf ben vierten Platz. Sollte ein Reichswehrfeldwebel tatsächlich nicht vom Lampenfieber verschont bleiben?
Deutsche Sportler unter ihrer Form.
Ich glaube, allein daran liegt es wohl nicht. Denn bei fast allen deutschen Athleten, mögen sie nun Hirschfeld ober Ellen Braumüller, Straßberger oder Syring heißen, überall tritt das gleiche Merkmal zutage. Sie erreichen nicht ihre Papierform. Ob es an der glühenden Hitze, am ungewohnten Essen, am fremden Publikum liegt? .Untere Meister find jedenfalls noch nicht so recht aus sich herausgegangen. Die einzige Goldmedaille, die Deutschland bis jetzt erringen konnte, fiel beim Gewichtheben an den Münchener Jsmahr.
Unsere Landsleute müssen sich mächtig an- strengen, wenn sie im Gesamtklassement noch etwas werden wollen.
Weltmeister ber weihen Rasse.
Eine einzige Ausnahme macht unser Sprinter 2 o n a t h. Von vornherein hatte man nicht annehmen können, daß er besser abschneiden würde, als er tatsächlich abschloß. Torheit, zu glauben, er könnte die schwarzen Stars der amerikanischen Mannschaft, Tolan und Metcalfe, bezwingen. Cs kam, wie es kommen muhte. Jonath belegte, nachdem er das Rennen seines Lebens gelaufen war, einen in diesem Zusammenhang höchst anständigen Platz. Alle anderen weißen Teilnehmer am 100-Meter-Lauf hatten
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— Spiegel der Wettkämpfe.
das Rachsehen. Jonath ist nun tatsächlich der beste Kurzstreckenläufer der weißen Rasse.
Unerwünschte Sieger ...
Es ist nicht Jonaths Fehler, daß Tolan heute einfach nicht zu schlagen ist. Dieser kleine Mann, der mit seiner Brille ganz gewiß nicht so aussieht, wie der kleine Moritz sich einen Olympia- Sieger vorstellt, spurtete in Los Angeles alle, aber auch alle Rekordleute der ganzen Welt in zwei unvergeßlichen Läusen in Grund und Boden. Sein Rassengenosse Metcalfe war in einem dritten Lauf sogar in der Lage, Tolans anfängliche Leistung von 10,7 auf 10,6 zu verbessern. Im entscheidenden Rennen jedoch gelang es ihm nicht, wie erwartet, den Sieg davonzu- tragen. Run sitzen die beiden schwarzen Männer wohl irgendwo in einem olympischen Restaurant — an einem Tisch für sich. Denn daß Farbige an der allgemeinen Siegestafel Platz nehmen dürfen, wenn sie auch zur ersten Weltklasse gehören, das würden die amerikanischen Vereine zur Regerbekämpsung nie unb nimmer gestatten.
Um eine einzige Hürde!
Wir haben schon oben bas brillante Ab- schneiben des Iren Tisbal im Hürbenrennen erwähnt. Wie kam es aber, bah nicht er, fonbern ber Amerikaner Harbing, ber 0,2 ©clunben hinter Tisbal lanbete, zum Sieger erklärt würbe, bah bie Leistung bes Iren als Weltrekorb keine Bestätigung fanb? Run, biefer Unglücksrabe hatte währenb bes Rennens eine Hürde leicht mit bem Fuß gestreift, so baß sie umfiel. Ein kleiner Schönheitsfehler — eine große Wirkung. Der Englänber Lorb Burghley, schon seit ber Amsterdamer Olympiade heißer Favorit, konnte seinem Lanb keinen Erfolg bringen. Er enbete, klein unb bescheiben, auf bem vierten Platz.
Memento!
Am 1. August brachte bie „Los Angeles Times" ein ganzseitiges Photo eines Mannes auf ber Tribüne, ber aufmerksam, von einem breitkrempigen Hut beschattet, ben Ereignissen auf ber Dahn folgte. Seine Augen waren nicht zu sehen, sein Gesicht schien seltsam bekannt. Unter dem Dilb staub zu lesen: „Der Größte von allen, Paovo (Rurmi saß verfehmt unb versteckt in der äußersten Reihe des Stadions und sah, wie die Athleten aller Länder zu ben Spielen aufmarschierten, an benen teilzunehmen ihm verboten war." John Decker.
Polizei gegen Autogrammjäger.
Ein einziges Mal war es bisher notwenbig, im Rahmen ber Olympiabe bie Polizei zu rufen. Aus welchem geschichtlichen Anlaß? Run, hierbei hanbelte es sich weniger um richtiggehenden Sports als um eine sportliche Begeisterung recht merkwürbiger Ratur. zusammen mit seinem Freund Haralb L l o h b unb seinem Familienanhang war Douglas Fairbanks auf ber Tribüne erschienen. Obwohl er burch bie Abfassung eines nicht gerabe glanzvollen Olympia- Films sich bie Sympathie breiter Kreise verscherzt hatte, waren bie Rennen, war ber Kampf der Wagen und Gesänge, mit einemmal vergessen. Alles stürzte hin, um aus der Hand des Meisters Autogramme zu empfangen. Da die Befürchtung nahe stand, dem guten Doug würden vor lauter Begeisterung die Kleider vom Leibe gerissen werden, marschierte ein Bataillon Polizisten schützend in seine Loge ein.
(Rut langsam legte sich dann bie Aufregung ... (Schluß des redaktionellen Teils.)
Für die Leitung ber deutschen Olympiade-Mannschaft ist es außerordentlich wichtig, daß der Gesund- heitszustand aller Teilnehmer tadellos ist. Es wurde daher dafür Sorge getragen, daß unsere Leute das ihnen aus der Heimat so wohlbekannte rein natürliche deutsche Gesundheitswasser „Staatlich Fachingen" so- wohl an Bord der „Europa" als auch im Speisewagen während der oierzehntägigen Fahrt von Neuyork nach Los Angeles und auch im Olympia-Dorf vorfanden. „Fachingen wirkt belebend unb erhaltend auf den Organismus und erhält dadurch Körper und Geist frisch und gesund." 229V
Mehr zu bieten ist unmöglich!
Der „Oberst"-Raucher bekommt für 3xh pfg. eine ausgezeichnete Tabakmischung im dicksten Format, das überhaupt zulässig ist, - und dazu noch Soldaten-Bilder zum Sammeln,^ Oberst ist auch ohne Mundstück erhältlich.
OBERST
WALDORF-ASTO RIA G.M.B.H.
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