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4.8.1932 Erstes Blatt
 
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Am 16. August tritt der preußische Landtag zusammen.

Berlin. 3. Aug. (VDZ.) 3m Aeltestenrat Les Preußischen Landtags wurde am Mittwoch beschlossen, daß am 16. und 17. August Landtagssihungen stattfinden sollen. Auf der Tagesordnung sollen Anträge der Sozial­demokraten und Kommunisten über die Ein­setzung des Reichskommissars für Preußen, sowie über die Gewaltakte i n Königsberg, Schlesien, Schleswig-Holstein tunb anderen Landesteilen stehen. Die Sozialdemo­kraten hatten beantragt, den Landtag s ch o n für die nach st e Woche einzuberufen. Prä­sident K e r r l erklärte, daß es sich nicht emp­fehle, den Landtag zusammentreten zu lassen, bevor eine Klärung hinsichtlich der Regierungs­bildung im Reich und in Preußen erfolgt sei. Da die Einberufung des Landtags von mehr als einem Fünftel der Abgeordneten gefordert würde, müsse dem Antrag stattgegeben werden. Bor dem 16. August werde er aber den Landtag nicht einberufen. Abg. K u b e (Rats.) wandte sich an­gesichts der erregten Stimmung seiner Partei­freunde gegen eine Landtagseinberufung in die­sem Augenblick. Er schlug vor, die Landtagstagung bis zum September zu verschieben und dann eine ordnungsmäßige Regierung aus dem Bolkswillen heraus zu bilden, die die nö­tige Autorität haben werde, Ruhe und Ordnung herzustellen. Abg. H e i l m a n n (Soz.) erwiderte, daß die Sozialdemokratie unter keinen Um» ständen darauf verzichte, eine Stellung­nahme des Landtags zu den letzten politischen Vorgängen herbeizuführen.

Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten wurde der Zusammentritt für den 16. August beschlossen. Eine Entscheidung darüber, wann die Wahl des Ministerpräsiden­ten vorgenommen werden soll, wurde nicht getroffen.

Die polizeilichen Ermittlungen in Königsberg.

Königsberg, 4. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Polizei hat heute das Material über die Vorfälle am 1. August der Staatsanwaltschaft, über­geb e n. Zu den übrigen Vorfällen erfolgen immer neue Festnahmen und Vernehmungen, so daß die. Ermittelungen darüber noch nicht abgeschlos- | e n werden konnten. Anläßlich der Beerdigung des beim Zetteloerteilen erschossenen Nationalsozialisten Reinke und des am l.August erschossenen kommunisti­schen Stadtverordneten Sauck beabsichtigten die An­hänger der Nationalsozialisten und der Kommunisten demonstrative Leichenbegängnisse zu veranstalten. Der Polizeipräsident hat nun beiden Parteien mitgeteilt, daß die Beerdigungen nicht zu den gewöhnlichen Leichenbegängnissen zu rechnen und deshalb auch verboten sind. Die nationalsoziali­stischePreußische Zeitung" und die sozialdemokra­tischeVolkszeitung" sind beide wegen ihrer Artikel in der Montagsausgabe verwarnt worden (Auf­reizung zum Klassenhaß).

In der vergangenen Nacht wurde von unbekannten Tätern eine Bombe durch ein offenes Fenster des Grundbuchamts des Amtsgerichts Veh- lauten (Kreis Labiau, Ostpreußen) geschleudert. Verletzt wurde durch den Anschlag niemand, doch ist Sachschaden an der Einrichtung und den Akten ent­standen.

Oer /».Völkische Beobachter^ über die innerpolitische Lage.

München, 4. Aug. (CNB. Funkspruch.) Der Völkische Beobachter" schreibt in einem Leitartikel, betiteltEntscheidende Wochen" u. a., seit Jahren sei es das Ziel Brünings gewesen, die Na­tionalsozialisten auszuschalten. Nur deshalb sei Brü­ning von der SPD. toleriert worden. Diese Taktik sei nun zu Ende, und man gehe in holder Gemein­samkeit dahin, die Nationalsozialisten t e i l n e h m e n zu lassen an der Regierung. Diese Leute gäben sich noch immer den Anschein, als glaubten siees bei uns mit ungefährlichen deutschnationalen Bür­gern" zu tun zu haben,dabei ist doch klar, daß wir gar nicht daran denken, irgendwo teilzunehmen, sondern wir werden uns freihalten, w i e bisher, oder die um» strittene Führung übernehmen und es anderen überlassen, ob sie diese anerkennen wollen oder nicht!" Wenn man eine theoretisch jetzt viel beredete Koalition mit dem Zentrum be­handeln wolle, so stehe zunächst fest, daß die NSDAP, dreimal stärker sei als diese Partei. Das würde bedeuten, daß wir zum mindesten bei vier Ministern drei zu stellen hätten unter ein» heutiger Führung unsererseits: also alle politisch entscheidenden Ministerien bei ent­sprechender Regelung in Preußen".

Am Schluß des Aufsatzes heißt es u. a.:Die Fronten sind klar, es gibt kein Ausweichen mehr. Die Entscheidung, ob für oder gegen Deutschland folgt nunmehr in diesen Wochen. Bleibt das Zentrum an dem Marxismus kleben, so wird es samt seinen Führern bis in die untersten Grade hinein von der deutschen Zukunft als grundsätzlicher Staats- und Volksfeind ausgerufen und dementsprechend behan­delt werden!" Es habe aber den Anschein, so fügt das Blatt hinzu, als ob das Zentrum sich für feinen alten roten Koalitionsbruder gegen Deutsch­land entscheiden werde.

ReichsbannerführerbeimZnnenmmister

Berlin, 4. Aug. (ERB.) Der Bundesvor- fihende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Reichstagsabgeordneter Höltermann und der stellvertretende Bundesvorsihende Reichstagsab­geordneter L e m m e r haben dem Reichsinnen­minister F r h r. v. G a y l bei einer älnterredung über die Ausschreitungen gegen Reichsbanner­angehörige und Republikaner Material vorgelegt. Sie wiesen darauf hin, daß das Reichsbanner seit der Aufhebung des SA.-Verbots 15 Tote und 104 Schwerverwundete, von denen eine ganze Reihe in Lebensgefahr schwebt, zu beklagen habe, und forderten schärfste Maßnahmen gegen die täglich wachsende Zahl von Terrorakten.

Unruhige Nacht in München.

München, 4. August. (CNB. Funkspruch.) Die heutige Nacht brachte eine Reihe politischer Zusammenstöße und Zwischenfälle, die allein an einer Stelle der Stadt ein drei­maliges Ausrücken des Ueberfall- kommandos notwendig machten. Hier waren Nationalsozialisten mit Kommunisten heftig an» einanbergeraten. Ein 25jähriger Backer ist bei die­ser Gelegenheit durch einen Brustschuß schwer ver­letzt worden. Der Täter soll ein Kommunist fein. Noch unbekannte Täter fuhren gegen 3 Uhr früh

beizweiKaufhäusern vor und warfen durch ein großes Schaufenster Brandbomben in das Innere. Glücklicherweise entzündeten sich die Bom­ben nicht, wodurch unabsehbare Folgen vermieden wurden. Die Täter sind unerkannt entkommen. An einer anderen Stelle der Stadt, im Dante-Stadion, geriet das Bierzelt der Löwenbrauerei in Brand. Man vermutet auch hier politische Hintergründe. In einem unweit des Stadions ge­legenen Jugendheim der sozialdemokratischen Partei gerieten, wie es heißt, nach einer heftigen Detonation Einrichtungsgegenstände in Brand. Tische, Stühle und Holzbänke wurden vom Feuer ergriffen, das von der Wehr bald gelöscht werden konnte.

Oie Volksrecht-pariei im neuen Reichstag.

Wie man uns mitzuteilen bittet, ist nach den neuesten Wahlresultaten auch die Bolksrecht- Partei im neuen Reichstag vertreten. Da der Chri st l. -soziale Bolksdienst im Wahl- kreisverbano Westfalen nur mit Hilfe der Volks- rechtpartei-Stimmen ein Grundmandat erhielt, entfällt gemäß vorherigem Liebereinkommen bei der Listenverbindung dieser beiden Parteien f ü r die Dolksrech tpartei ein Mandat auf der gemeinsamen Reichsliste die- er beiden Parteien. Der Reichsparteiführer Oberschulrat B a u f e r - Stuttgart, der auch Spitzenkandidat der Bolksrechtpartei im Wahl­kreis Hessen-Darmstadt war, ist somit in den Reichstag gewählt.

Vermittlungsversuche im südamerikanischen Streit.

Genf, 3. Aug. (WTB.) Der Präsident des Völkerbundsrats M a t o s gab der bolivianischen Regierung Kenntnis von einem Telegramm der Regierung von Paraguay. Matos fügte hinzu:Ich lenke Ihre Aufmerksamkeit besonders auf den Satz, in dem Paraguay erklärt, daß es auch weiterhin bereit sei, den Streitfall mit Bolivien einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Gemäß Artikel 12 des Völker­bundspaktes ist das schiedsgerichtliche Verfahren einer der beiden Wege, auf den alle Mitglieds­staaten des Völkerbundes übereingekommen find,

jeden mit einem Bruch drohenden Konfliktsfall einer internationalen Instanz zu unterbreiten. Ich würde mich glücklich schätzen, sobald wie möglich zu Händen des Völkerbundsrats davon Kenntnis zu erhalten, wie Ihre Regierung die friedliche Lösung der Streitfrage z u er­leb i g e n gedenkt."

In der von 19 amerikanischen Ratio- n e n an Bolivien und Paraguay gerichteten Rote heißt es, die beiden streitenden Länder müßten die Feindseligkeiten e i n st e l l e n und sich neu­tralen Vorschlägen unterwerfen. Die 19 in Frage kommenden Rationen würden keinerlei Landgewinnung anerkennen, die auf kriegerischem Wege von einer der beiden Parteien gemacht fei.

Die Vertreter Großbritanniens in La Paz und Asuncion sind angewiesen worden, die Regierung in Bolivien und Paraguay davon in Kenntnis zu sehen, daß die britische Regierung wünscht, den Appell des Präsidenten des Völker­bundsrats und den mäßigenden Schritten der in Washington vereinigten Völker jede Unter­st ü h u n g zu leihen.

Kleine politische Nachrichten.

Vertreter von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Japan, Rorwegen, den Bereinigten Staa­ten und Großbritannien werden demnächst i n London zusammenkommen, um die Welt - w i r t s ch a s t s k o n f e r e n z in die Wege zu leiten. Der Dorbereitungsausschuh, in dem je ein Vertreter eines jeden dieser Länder sitzen wird, wird die Einladungen an die anderen Länder fertigstellen und das endgültige Da­tum der Konferenz sestlegen.

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Der Schlichter für Berlin-Brandenburg, der sozial­demokratische Minister a. D. Rudolf W issell, ist vom Reichsarbeitsminister zum 1. September g e - kündigt worden.

Der Kaiser von Abessinien hat eine besondere Behörde zurUnterdrückungdesSklaven» Handels geschaffen. An ihrer Spitze wird ein abes­sinischer Fürst stehen, der von einem britischen Rat­geber und einem Ausschuß führender Persönlichkeiten unterstützt wird.

Aus aller Weit.

Reichskanzler vonPaven im Saargebiet.

Saarbrücken, 4. Aug. (CNB. Funkspruch) Reichskanzler von Papen traf gestern um 11.30 Uhr z u seinem Ferienaufenthalt in Wallerfangen ein. Die Bevölkerung bereitete ihm eine herzliche Kundgebung, um ihrer Verbundenheit mit dem deutschen Va­terland Ausdruck zu geben. Der Reichskanzler dankte für die freundliche Begrüßung.

Schwierige Bergungsarbeiten an betJliobe.

lieber die schwierigen Bergungsarbeiten bei dem Wrack derNiobe" erfahren wir von der mit der Hebung des Schiffes beauftragten Hamburger Bugsier-, Reederei- und Bergungs-AG. u. a. folgendes: Der über der Unfallstelle ver­ankerte Berger I ist zur Zeit damit beschäftigt, die Masten aus dem gesunkenen Schiff herauszunehmen und Segel und Rahen zu bergen. Während dieser Arbeiten, die noch einige Tage in Anspruch nehmen werden, sollen Stahltrossen um den gesunkenen Schiffskörper gelegt werden. Dann wird das Hebe­schiffHiev" über derNiobe" verankert und voll Wasser gepumpt, damit es sich soweit senkt, daß die Trossen an ihm befestigt werden können. Hierauf wird das Hebeschiff wieder leer gepumpt. Mit dem dadurch erzielten Auftrieb wird auch die an den Trossen befestigteNiobe" angezogen werden. In diesem Zustand wird das Wrack dann aus dem Fehmarn-Belt in das ruhige Wasser der Kieler Förde geschleppt werden, wo bann die eigentlichen Aufrichtungsarbeiten ihren Anfang nehmen. Die gesamten Vergungs- und Hebearbeiten werden noch mindestens zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen.

Der Chef der Marinestation der Ostsee, Dizeadmi- ral Hansen, und der Inspekteur des Bildungs­wesens der Reichsmarine besuchten an Bord der MarineyachtNixe" die Unfallstelle derNiobe". Sie überzeugten sich von dem Stande der Ber­gungsarbeiten und kamen zu der Ueberzeugung, daß erst Mitte August mit einem Eindringen indenSchiffskörperzu rechnen fei. Auf dem Rückwege nahmen die beiden Vertreter der Reichs­marine Gelegenheit, dem Kapitän und der Mann­schaft des FeuerschiffesFehmarn-Belt" für ihre tat­kräftige Hilfe zu danken.

Gronaus nächste Pläne.

Der deutsche Flieger v. G r o n a u beabsichtigt, zehn Tage bis zwei Wochen in Chicago zu bleiben. Während dieser Zeit unternimmt er ge­legentlich Flüge nach benachbarten Städten, dar­unter nach Milwaukee. Die nächste Etappe in Richtung auf den Pazifik führt sodann nach Winnipeg, wo ein einwöchiger Aufenthalt ge­plant ist. v. Gronau erhielt ein Glückwunsch­telegramm von dem italienischen Luftfahrtminister Dalbo.

Graf Zeppelin"

fährt vorläufig nicht nach Südamerika.

Aus nachdrückliches Anraten der südamerikani­schen Gewährsleute des Luftschiffbaus Zeppelin, wird die auf den 15. d. M. angesetzte fünfte Südamerikareise wegen der dortigen po­litischen Wirren auf geschoben. Es soll zunächst die weitere Entwicklung in Südamerika abgewartet werden. Die Fahrt wird dann ge­gebenenfalls Ende Oktober oder später nachgeholt.

Verurteilung der in Stolp gelandeten polnischen Flieger.

Die beiden polnischen Flieger, die, wie bereits ge­meldet, die deutsche Grenze überflogen und in Strickershagen im Kreise Stolp landeten, wurden vom Schnellrichtek wegen Paßvergehens und Verstoßes gegen die Bestimmungen des Luft- Verkehrsgesetzes zu je 100 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten des Ber- fahrens verurteilt. Der Betrag wurde sofort von dem anwesenden polnischen Konsul bezahlt. Für die erlittene Untersuchungshaft wurde ein Betrag von je 50 Mark in Abzug gebracht.

Tagung der preußischen Hausbesitzer.

Der Preußenverband der Haus- und Grundbesitzeroereine, der etwa 300 000

Mitglieder umfaßt, ist in Altona zu einer Tagung zusammengetreten. In einer geschlossenen Sitzung wurde der in den Ausschüssen erfolgten Wiederwahl des 1. Vorsitzenden, Ladendorf (Berlin) in einer geheimen Abstimmung d i e Bestätigung ver­sagt.

Spuren ein r Römerstrahe.

Im Bereich der ehemaligen Seckenheimer Ge­markung in Baden hat Professor Gropen- g i e ß e r, Mannheim, eine bedeutende römische Straße festgestellt, die bei Kanalarbeiten auf- gedeckt worden war. Diese 15 Zentimeter dicke, mit erstaunlich glatter Oberfläche versehene Straße ist ein weiteres Zwischenglied zu der wohl an­genommenen, in ihrem genauen Verlaus aber nicht ganz sicher festgestellten römischen Straße von Ladenburg nach Altrip.

Gründung

einer Deutschen Gesellschaft für Goldschmiedekunst.

Im Alten Museum in Berlin wurde unter Füh­rung von Geheimrat Professor Waehold, dem Generaldirektor der staatlichen Museen, eine Deutsche Gesellschaft für Gold­schmiedekunst begründet. Zur Förderung» der kunstgeschichtlichen Erforschung der Gold­schmiedekunst und zur Pflege des Goldschmiede­handwerks in Deutschland haben sich Vertreter der Kunst, Wissenschaft, des Handwerks und Handels in dieser Gesellschaft zusammengeschlossen. Die Gründer gehen dabei von der Lleberzeugung aus, daß gerade in der gegenwärtigen Rot die gei­stige, handwerkliche und kulturelle Substanz Deutschlands erhalten werden müsse, denn ein immer noch unerschöpfliches Kapital stecke in deutschen Köpfen und Händen. Zu den Grün­dern gehören neben Geheimrat Waehold der be­kannte Architekt Pros. Dr. Peter Behrens, der Goldschmied Fr. Wilm, Bankier Hamel und Dr. Bruno Werner.

Arbeitslose demonstrieren in Ottawa.

Vor dem Ottawaer Parlamentsge­bäude, in dem zur Zeit die britische Wirt­schaftskonferenz tagt, fand eine große Ar­beitslosenkundgebung statt, die zu schweren Zu­sammenstößen mit der Polizei führte. Der kana­dische Ministerpräsident Bennett hatte die Forderungen einer siebenköpfigen Abordnung der Arbeitslosen, die sich in großen Feld­lagern vor Ottawa niedergelassen haben, abgelehnt. Die Forderungen umfaßten eine wöchentliche Unterstützung von 50 Mk., Ein­führung des Siebenstundentages und Freilassung politischer Gefangener. Bennett erklärte, daß die ganze Demonstration von Moskau insze­niert sei und drohte mit den schärfsten Maß­nahmen. Daraufhin marschierten Tausende von Arbeitslosen durch die Straßen von Ottawa nach dem Parlamentsgebäude. Unter den RufenWir wollen Brot" ver­sammelten sie sich vor dem Parlament und nahmen eine drohende Haltung ein. Als berittene Polizisten mit Gummiknüppeln gegen die Ruhe­störer vorgingen, kam es zu einem schweren Handgemenge, bei dem die Arbeitslosen mit den bloßen Fäusten auf die Polizisten ein­schlugen. Viele erschrockene Ladenbesiher schlossen ihre Geschäfte. Erst nach längerem Kampf und nachdem mehrere Arbeitslose verhaftet worden waren, konnte die Ruhe wieder herge- stellt werden.

Schwere Unruhen

in einem amerikanischen Bergwerksbezirk.

Im Dergwerksbezirk Terrehaute (Indiana) find schwere Unruhen ausgebrochen. Der Gou­verneur hat Truppen eingesetzt und das Kriegs­recht erklärt, 5000 Bergarbeiter, die gewerk­schaftlich organisiert sind, belagern ein Bergwerk, in dem sich eine Gruppe von 80 Richtorganisierten verschanzt hat. Auf beiden Seiten sollen zahlreiche Bewaffnete sein. Bei einer Schießerei wurden drei Personen g c l 5 t e t und zahlreiche Beteiligte verletzt. Gouver­neur Leelie hat zwei Flugzeuggeschwader ge­gen die aufständischen Bergarbeiter eingesetzt. Die Flugzeuge sollen mit Gasbomben ausgerüstet werden und außerdem Nahrungsmittel und Mu- * nition für die belagerten Richtorganisierten ab­

werfen. die seit 35 Stunden ohne Rührung und ohne Wasser sind.

Lin Zwölfjähriger rettet ein Brautpaar vorm Ertrinken.

Bei dem thüringischen Ort Frankenroda geriet ein badendes Brautpaar in einen Strudel und drohte in den Fluten der Werra zu versinken. Den Vorfall bemerkte zufällig der 12jahrige Hans Joachim Witt au er aus Eisenach, der sofort m einen Kahn sprang und dem Brautpaar entgegen- uhr. Es gelang dem tapferen Jungen, das Braut­paar vom Tode des Ertrinkens zu retten.

Wieder ein schweres Unglück an einem Bahnübergang. Ein Ehepaar getötet.

Wie derEichsfelder Anzeiger" berichtet, ereignete ich in der Nähe von Groß-Bodungen (Provinz Sachsen) ein Zugunglück, sills ein Zug von Groß-Bodungen nach Bleicherode, den sog.Nacht­weg" kreuzte, stieß er am Bahnübergang mit einem von zwei Kühen gezogenen Gefährt zusammen, das dem Landwirt Singel in Groß-Bodungen gehörte. Der Landwirt und seine Frau, die sich auf dem Wagen befanden, wurden auf die Schienen geschleu­dert und überfahren. Beide waren sofort tot.

Mit einem Außenbordmotor von Schweden nach Nizza.

Ein dieser Tage in Nizza eingetroffener italieni» cher Dampfer hatte eine 24jährige Schwedin an Bord, die er unterwegs zwischen Korsika und der französischen Südküste ausgenommen hatte. Die junge Sportlerin hatte mit einem nur 1,50 Meter lan­gen Boot mit Außenbordmotor von Schweden aus eine Reise nach Neapel und von dort nach Korsika unternommen. Auf der Rückreise von Ajaccio nach Nizza hatte sie unterwegs Sch rau­be n b r u ch erlitten und war 48 Stunden hilf» losausdemMeere umhergetrieben. Von Nizza aus setzt sie nach der Reparatur ihres Bootes ihre Reise auf dem Wasserwege fort und will versuchen, über den Rhein-Rhone-Kanal nach Schweden zurück­zukehren.

Feuersbrunst in einem englischen Seebad.

Die Badegäste des englischen Seebades Great P a r m v u t h wurden in einer der letzten Nächte durch Feueralarm geweckt. Die große Floral Hall, ein Tanzpavillon auf der Landungsbrücke von Parmouth, stand in Flammen. Tausende eilten in Schlafröcken und Pyjamas nach der See- promenade, um das Schauspiel zu betrachten. Der Pavillon, der erst vor zwei Jahren gebaut worden war und 3000 Menschen aufnehmen konnte, brannte mit seinen Tausenden von Holzstühlen innerhalb einer halben Stunde lichterloh. Die Flammen zün­gelten 30 Meter hoch, und die Feuerwehr stand dem entfesselten Element ohnmächtig gegenüber. Da wenige Stunden vorher ein großer Batt in dem Pavillon ftattgefunben hatte, vermutet man, daß das Feuer durch einen achtlos weggeworfenen Zi­garettenrest entstanden ist. Die Musikkapelle hatte, da beim Schluß des Balles ein heftiger Regen ein­setzte, ihre Instrumente zum ersten Male in dieser Saison im Pavillon zurückgelassen, so daß auch diese den Flammen zum Opfer fielen. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen.

Dreister Mielgelderraub in Berlin.

In der Nähe des Schlesischen Tores in Berlin Jft dieser Tage ein dreister Raubüberfall verübt worden. In die Wohnung eines Hauswarts drangen zwei maskierte Räuber ein, die die Frau des Hauswarts und zwei weitere Anwesende mit vorgehaltenen Pistolen bedrohten. Sie erzwangen die Herausgabe der in der Wohnung befindlichen Miet­gelder, die mehrer tausend Mark betrugen. Danach verschwanden die Räuber unerkannt.

Explofionsunglück

in einer italienischen Fabrik. Bier lote.

In einer Metallfabrik in Turin ereignete sich ein schweres Unglück. Aus noch nicht feftgefteUter Ur­sache explodierte ein Kompressor für flüssige Luft: dadurch wurden vier Arbeiter getötet und drei schwer verletzt.

Schmelzofen-Explosion. Zwei Schwerverletzte.

In den Faßwerken in S a r st e d t bei Hannover explodierte ein Schmelzofen. Zwei Arbeiter wurden schwer verletzt. In dem Ofen befand sich glühender Koks, der mit großer Gewalt in die Luft geschleudert wurde und die umliegenden Holzdächer in Brand steckte. Das Feuer konnte bald gelöscht werden. Als Ent­stehungsursache vermutet man eine unvorherge­sehene Gasentwicklung.

Manöverunfälle in den französischen Alpen.

Gelegentlich der tombinierten Truppen- und Luftmanöver in den französischen Alpen ereignete sich ein schwerer Unfall, dem zwei Flie­ger und ein Bataillonsführer zum Opfer fielen. Ein Militärflugzeug stürzte in der Rähe von Mo- dane ab und ging vollkommen in Trümmer. Die beiden Insassen erlitten so schwere Ver­letzungen, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt. Ein Dataillonsführer verlor auf einem steilen Felsen die Gewalt über fein plötzlich scheuendes Pferd und stürzte in den Ab­grund. Während das Psnd sofort tot war, muhte er mit schweren inneren Ver­letzungen in ein Krankenhaus überführt wer­den.

Wettervoraussage.

Obwohl sich das Hochdruckgebiet über der Bis- kaya wieder gefräftiat hat und mehr nach dem Fest» lande vorzustoßen scheint, so wird sein Einfluß vor­erst nicht so weit durchdringen, daß eine beständige Wetterlage aufkommt. Die verschiedenen Kerne in der Rinne tiefen Druckes, die sich von Island in üdöstlicher Richtung bis nach dem Balkan hin er» treckt, wirkten immer nach störend ein. So fließen >urch das Tief über der Ostsee kühlere Luftmassen nach Deutschland, andererseits ist an der Westküste Irlands das Herannahen einer Staffel feuchtwar­mer Ozeanluft zu erkennen. Beim Zusammentreffen der verschiedenartigen Luft bildet sich weiterhin Be­wölkung aus und teilweise kommt es zu Gewitter­störungen ober Niederschlägen. Jedoch wird der hohe Druck noch zeitweise Aufheiterung bringen.

Vorhersage für Freitag: Wechselnd be­wölkt mit Aufheiterung, vorerst keine stärkere Jem« veraturzunahme. Noch vereinzelt schauerartige Nie­derschläge.

Vorhersage für Samstag: Etwas wär­mer, weiterhin bewölkt und aufheiternd mit Nei­gung zu einzelnen Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 3. August: mittags 16 Grad Celsius, abends 14,8 Grad: am 4. August: morgens 14,4 Grad. Maximum 20,5 Grad, Minimum 11,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe int 3. August: abends 19,1 Grad: am 4. August: morgens 16,4 Grad Celsius. Niederschläge 2,4 mm. Son- nenscheindauer VA Stunden.