Ausgabe 
4.8.1932 Erstes Blatt
 
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Ut. 181 Erstes Natt

182. Jahrgang

Donnerstag, 4- August 1952

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Enver Pascha.

Zum 10 inhnqcn Todesiag des Revoluiio- närs, Ltaatsma-ins imb Aftenleurers.

Als im Morgengrauen des 4. 21 ugust 1 922 Enver Pascha, vormals Kriegsminister der Türkei und jetzt ungekrönter König von Buchara aus dem Zeltlager der Oase sich erhob, um zur Jagd aufzubrechen, gewahrte seine türkische Leib» wache, das; die gesamte Oase von zwei Kavallerie, regimentern des berühmten russischen Reitergene, rals Budjonny umzingelt war. Enver Pascha, 41 Jahre alt, auf der Höhe seiner Schafsenskraft, begriff mit dem sicheren Blick des Soldaten und Jägers die Aussichtslosigkeit seiner Lage. Sein Glück und Schicksal der blitzenden Klinge des Krummschwertes anvertrauend, sprengte er gegen die langsam näher rückende Mauer der russischen Schwadronen an. Ein riesiger Kosakenwachtmeister parierte seinen Hieb. 3m nächsten Augenblick fuhr dem Seroskir der Türkei und dem heimlichen Kai. ser des groh.turanischen Reiches eine Lanze durch den Hals und warf ihn, zu Tode getroffen, in den Sand. Seine Leibwache folgte ihm in den Tod. General Budjonny liest den entseelten Kör­per bergen: Envers Rechte umklammerte noch im Tod den brillantenbesetzten Griff des Krumm, fchwertes, die Linke war in den blutverkrusteten Koran verkrallt, auf Envers Brust fand man das Emailbild einer ungewöhnlich schönen Frau, einer türkischen Prinzessin, die der unbekannte Haupt- mann Enver 1912 geheiratet hatte und deren Liebe ihm jenen unerhörten Aufstieg ermöglichte, der in der alten Türkei ohnegleichen war.

Mit Enver Pascha starb einer der wenigen auf­richtigen Freunde, die D e u t s ch l a n d im Welt­krieg besah. Als das Glück sich wandte, als es einsam um Deutschland zu werden begann, als Bulgarien und Oesterreich abfielen, war es Enver allein, der bis zum bitteren Ende die einmal ver­sprochene Waffenbrüderschaft durchhielt. Deshalb hat Deutschland Grund, in dieser Zeit des schnei- len Vergessens jenes Mannes zu gedenken, dem Deutschlands Schicksal jum eigenen Schicksal wurde.

Envers Herkunft ist dunkel. Seine Feinde sagten ihm nach, er sei der Sohn einer Leichenwäscherin auS dem Elendsviertel von Istcunbul gewesen. Es ist sicher, dah Envers Jugend im Schatten der äußersten Not und Armut gestanden bat. Dennoch gelang es, ihn in der Kadettenanstalt der Iantt- scharengarde unterzubringen. Dem blutjungen Militärattache Enver Bey, der 1908 inBerlin seine ersten gesellschaftlichen Triumphe feierte, sahen die Damen des Hofes nicht mehr seine Her­kunft an. Ein Jahr darauf begann der strahlende Aufstieg des neuen Sternes am politischen Himmel der Türkei. Als führender Kopf des jungtürkischen Komitees für Einheit und Fortschritt" machte En­ver der korrupten Haremswirtschaft 2lbdul Ha­mids ein Ende und begann mit Fiebereiser die Modernisierung der Türkei. Ehe sich die Reformen auswirken konnten, fiel Italien, mit­ten im Frieden, in Tripolis ein, um sich diese türkische Provinz anzueignen. Enver schlug sich durch die ägyptische Sperrzone durch und organi­sierte den Widerstand der kriegerischen Sekte der Senussi. Von Oase zu Oase ziehend, predigte er denheiligen Krieg", immer wieder warfen seine schlecht bewaffneten Scharen die Italiener unter dem Schutz der Schiffsgeschühe zurück. 2lls na­menloser Offizier kämpfte damals unter Envers Scharen der Mann, der sein Werk vollendete und der damals aus brennendem Ehrgeiz heraus sein leidenschaftlichster Rivale wurde. In den beiden Dalkankriegen zeichneten sich Enver wie auch Mu - stapha Kemal aus. Doch während Kemal nach wie vor der unbekannte Hauptmann im General­stab des Saloniki-Armeekorps blieb, hatte Enver seinen schwindelnden Aufstieg auf der Stufenlei­ter des Erfolges vollendet. Das Jahr 1913 sah den 31jährigen Helden von Tripolis a l s Kriegsmini st er der Türkei, als Schwieger­sohn des Sultans, desSchatten Gottes auf Er­den", als Mitglied des kaiserlichen Hauses Osman.

Die zwei Jahre zwischen dem türkischen Zu­sammenbruch in den Balkankriegen und dem Aus­bruch des Weltkrieges vermochten auch unter der rastlosen Energie Enver Paschas die unsagbare Korruptions- und Luderwirtschaft nicht auszutil- gen, die sich in Jahrhunderten entwickelt hatte. Entschlossen führte Enver jedoch die Türkei a n bie Seite Deutschlands. Obwohl in der Heimat durch das englisch-französische Expedi- ttoi^korps auf Gallipoli auf das schwerste be- droht machte Enver zwei türkische Armeekorps frei, die an der galizischen Front mit Auszeich­nung lochten. Enver wurde Ludendorffs Vertrauter. Ludendorff widmet demstol­zen, schonen und kühnen Mann" ehrende Worte in feinen Äricgdertnnerungen. Den Zusammen- bruch der Mittelmächte erlebte Enver nicht in der Türkei, sondern fieberkrank in Berlin Mit dem verzehrenden Schmerz des ungestillten Ehrgeizes mustte er erleben, dah fein Rivale Kemal den Sultan davonjagte und die anatolische Türkei zum Freiheitskampf gegen die Unterdrücker führte Roch vom Krankenbette aus bot sich Enver Kemal Pascha an. Das Antworttelegramm, das um- gehend eintraf, atmet den Geist des unversöhn­lichen Hasses zwischen diesen beiden großen Sol­daten und großen Revolutionären:Die einzige 2krtoenbung, die ich für Sie habe, ist der Gal­gen!"

Kaum war Enver genesen, so spornte ihn der Taten- und Abenteurerdrang zu neuen Wer- ken an. Im Sommer 1919 verhandelte er mit deutschen Freikorpsführern, die er zu einem plötz­lichen Angriff auf Polen bewegen wollte. Er selber plante, Lenin in diesen Krieg gegen Polen mithineinzureisten, um später als Schöpfer eines deutsch-russisch-türkischen Bündnisses und

Von Brüning zu Popen.

Hinter den Kulissen der letzten Kabinettskrisis. Eine interessante Veröffentlichung.

Bor kurzem erregte ein Rundschreiben Auf­sehen, das eine führende Persönlichkeit desDeut­schen Herrenklubs", den Freiherrn von Gleichen, »um Verfasser hatte. Aus diesem Schreiben wurden verschiedenfache Rückschlüsse auf besondere Beziehungen der neuen Reichsregie­rung zu dieser politisch-gesellschaftlichen Vereini­gung, vor allem auch im Hinblick auf die Ent­stehung des Kabinetts, gezogen. Jetzt äußerte sich eine andere führende Persönlichkeit aus diesem Kreis in einer Broschüre über die Vorgänge, die zur Bildung des Kabinetts Papen geführt haben.

Der Herrenklub als Regierungsmacher das ist ein schlechter Scherz." Mit diesen Worten lehnt Dr. Walther Schotte, einer der Mitbegründer des Herrenklubs in seiner SchriftDas Kabinett Papen- Schleicher-Gayl" eine Mitwirkung seines Kreises beim Sturze Brünings kategorisch ab. Es dürfte im wesentlichen richtig jein, wenn er feststellt, daß die führenden Persönlichkeiten desDeutschen Herrcn- klubs" durch die Bildung des Kabinetts von Papen völlig überrascht worden seien. Er bestätigt nur eine Auffassung, die den unterrichteten politi­schen Kreisen schon seit längerem Allgemeingut ge­worden ist, daß das Kabinett Papen allerdings von langer Hand vorbereitet gewesen sei, daß aber für d i e Berufung dieser Regierung der General von Schleicher die Berantwortung trage. Die Darlegungen, die Schotte in diesem Zu­sammenhang macht, dürften gerade im Hinblick auf Möglichkeiten der allernächsten Wochen von Bedeu­tung und Interesse sein:Die Tatsache dieser außer­ordentlichen geschichtlichen Verantwortung des Gene­rals von Schleicher muß festgestellt werden! Wenn man sie nicht in Rechnung stellt, versteht man d i e Hintergründe dieser Zeit nicht. Mit dieser Feststellung aber ist kein Werturteil abgegeben. Sollte das herausgefordert werden, so könnte nur die Erklärung abgegeben werden, daß der Mut d e s G e n e r a l s> v o n S ch-l ei ch e r z u b c w u n- dem ist. Er gehört zu den wenigen Persönlich­keiten dieser Zeit, die den Mut zu ihrer D e r - antwortung gehabt haben. Immerhin könnte man ihm empfehlen, sich auch zu den Tatsachen zu bekennen. Bescheidenheit ist da falsch am Platze. Wer um Großes spielt und weiß, was er verant­wortet, der braucht nicht auf den Ausgang aller Dinge zu warten, ehe er sich zu feinen Taten be­kennt."

Ueber den Kanzler selbst gibt der Verfasser der erwähnten Schrift folgendes Urteil ab:Herr von Papen ist konservativ, weil er sich ver­antwortlich fühlt für den revolutionären Lebens­willen der Ration. Der konservative Herr von Papen kann im Ramen der Konzentration aller aufbauwilligen, kurzum aller nationalen Kräfte, die nationale Diktatur wagen, wenn ihre Zett da ist." Ueber die Richtigkeit der bekannten 2leuherung Schleichers befragt, dah diese Re­gierung mindestens eine Lebensdauer von vier Jahren vor sich habe, gab der Kanzler eine Antwort, die diese Auffassung dem Sinne nach bestätigt. Rach einer allgemeinen Kennzeichnung der Aufgaben sagte Papen: Solche Aufgaben lassen sich nicht befristen, solche Aufgaben können von einem Uebergangskabinett nicht ungefaßt werden."

Die Aufgaben, die sich die neuen Männer ge­setzt haben, lassen sich nur auf dem Hintergrund der Vorgänge erkennen, die von Brüning zu Papen geführt haben. Die Darstellung geht von dem Versuch Brünings aus, der zu Beginn des Jahres Hindenburgs Amtszeit auf parlamenta­rischem Wege verlängern wollte. Dieser VecsuH soll daran gescheitert sein, dah Brüning nicht gleichzeitig mit Hugenberg und Hitler verhandeln wollte, weil er die Ueberzeugung in sich getragen habe,dah es der suggestiven Macht seiner Persönlichkeit ge­lingen würde, mit Hitler allein in Ord­nung zu kommen".Er täuschte sich auch darin," so meint Schotte,dah er die Persönlichkeit Hugenbergs bagatellisierte, und er vergah jede Vorsicht." So kam es zu der Notwendigkeit

einer Präsidentenwahl, in der nach Schottes Auffassung die Fronten verkehrt wurden. Hier wurden die Schwierigkeiten geschaffen, die sich einer Versöhnung zwischen dem Reichspräsi- denten und der nationalen Opposition entgegen­stellten. Gerade unter dem Eindruck der Präsi­dentenwahl habe Brüning alle dahinzielenden Bemühungen des Reichspräsidenten und seiner engeren Mitarbeiter so sagt wieder Schotte

sabotiert". Zum Ausbruch gekommen sei der wachsenüe Gegensatz dann an dem Verbot der S 21., dessen Zustandekommen immer noch nicht geklärt sei.

Wie weit Schotte die Vorgänge richtig sieht und beurteilt, müssen wir dahingestellt sein las­sen. Seine Darstellung ist jedenfalls ein inter­essanter Beitrag zur Zeitgeschichte.

DieDurchsetziW des innerpoliWenZiirssnedens

Berliner Preffestimmen.

Berlin, 4. 2Iug. (ERB.) Die blutigen Vor­fälle der letzten Tage geben einer Reihe von Zei- tungen Veranlassung, von der Regierung ener­gischstes Eingreifen zu fordern.

DerTag" schreibt: Die fortdauernden Un­ruhen machen schärfste Gegenmaßnahmen nottoen- dig. DieD A Z." fordere, daß mit der neuen Mordseuche" sofort Schluß gemacht wird. Leider scheine es sich doch zu bestätigen, meint das Blatt, dah diesmal auch von Elementen der radikalen Rechten Angriffe auf Leib und Leben politischer Gegner nach kommunistischen Me. thoden erfolgt seien. Wenn die Erregung nativ« nalsozialistischer Kreise auch verständlich und aus der bisher geübten Unterdrückung zu erklären sei, so sei nun, nachdem ein neuer Kurs gegenüber der Hitler-Bewegung eingeschla­gen worden sei, die Verantwortung der Leitung der NSDAP. besonders groß. Wenn auch ein rücksichtsloses Eingreifen der Staatsgewalt gefor­dert werden müsse, so könne das ganze Problem nicht mit polizeilichen Mitteln allein gelöst wer- den. Notwendig sei die politische N e u f u n - dieru ng der Staatsautorität durch die alsbaldige Einbeziehung der Nationalsozialisten in die Verant­wortung. In diesem Zusammenhang setzt sich das Blatt kritisch mit dem Aufsatz des national­sozialistischen Landtagsabgeordneten K u b e aus- einander, der in Verkennung der Situatton nichts I

Besseres zu tun wisse, als die bisher gegen Se- vering und Brüning betriebene Opposition nun­mehr gegen die Herren von Papen, Bracht und v. Gahl zu dirigieren. Diesehr kampfbereite Sprache" des Kubeschen Artikels dürfte im Brau­nen Haus in München, so mutmaßt das Blatt, durchaus kein Entzücken Hervorrufen, da sie manche Wege verschütte, die die Parteileitung der NSDAP, nach Lage der Dinge zu gehen ge­zwungen fei.

DieGermania" kritisiert die zögernde Hal­tung der Regierung, von der die angekündigten drakonischen Maßnahmen noch immer nicht durch­geführt worden seien. Mit besonderer Schärfe weist die r senzei t u n g" (Konservativ) die nationalsozialistische Parteiführung auf ihre Auf­gabe hin, den noch zum Nationalsozialismus zu zählenden Elementen, die offenbar jede Selbstbe­herrschung und Ueberlegung verloren hätten, das Handwerk zu legen. Auch von Staats wegen müsse dem Terrortreiben ein Riegel vorgeschoben wer­den, falls die Parteileitung nicht in der Lage fei, jene hitzköpfigen und gefährlichen Elemente zur Disziplin zurückzusühren. Das Blatt glaubt zu wissen, dah an verantwortlicher Stelle ernsthaft Maßnahmen erwogen werden, die ergriffen wer­den sollen, falls die NSDAP, der kopflosen Ele­mente innerhalb der Partei nicht selbst Herr werde. Es werde sich um die Verfügung drakoni­scher Strafmahnahmen handeln, die eine rasche, gründliche und ernste Sühne ermöglichen dürften.

Preußens Vertretung im Reichsrat

Oie Auffassung des ReichSkommiffafS.

Berlin, 3. 2Iug. (WTB. Amtlich.) In einem Teil der Berliner Presse haben die Vorgänge in der gestrigen Vollsitzung des Reichsrats eine Behandlung gefunden, die weder den Tatsachen, noch der Rechtslage entspricht. Zunächst muß festgestellt werden, daß von dem Reichskommissar für Preußen neue preußische Bevoll­mächtigte zum Reichsrat überhaupt nicht ernannt worden sind. Von den bisherigen ordentlichen und stellverttetenden Bevollmäch­tigten zum Reichsrat sind die von ihrem Amte entbundenen Minister zur Zeit an der Ausübung ihrer Tätigkeit im Reichsrat behindert. Außerdem sind die in den Ruhe st and versetzten Beamten mit der Versetzung in den Ruhestand aus dem Reichs­rat ausgeschieden. An der Stellung der im Reichsrat verbliebenen Beamten hat sich nichts geändert. Da die preußischen Regierungsstimmen im Reichsrat einheitlich im Gegensatz zu den Provinzialstimmen abgegeben werden müs­sen, so ist auch gegenwärtig für eine dauernde Vertretung Preußens im Reichsrat gesorgt, ohne daß es einer Neu­ernennung bedarf. Die preußischen Stimmen in den Sitzungen des Deichsrats werden von Mini­sterialdirektor N o b i s , der mit der Vertretung des in den Ruhestand getretenen Staatssekretärs Dr. Weismann beauftragt ist, geführt. Der Reichs- kommisfar und das gegenwärtige Staatsministe­rium treten auch hinsichtlich der Instruttion an

die bisher hierfür zuständigen Stellen.

Für die gestrige Vollsitzung des Reichsrats, die nach der Geschäftslage für einige Wochen voraussichtlich die letzte fein wird, da der Reichs­rat gestern eine. längere Ferienpause beschlossen hat, Tag ein Vorschlag des Sach­walters der bisherigen preußischen Staatsmini st er vor, den der Reichs­kommissar für Preußen soweit angenom­men hat, als er dies unter Wahrung seines Rechtsstandpunktes zur Vermeidung unliebsamer öffentlicher Auseinandersetzungen im Reichsrat tun zu können glaubte. Der Vorschlag ging dahin, daß d i e bisherigen preußischen Minister, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, ihre Tätigkeit im Reichsrat weiter aus­zuüben, auf ihr Erscheinen verzichten wollten, wenn bei dieser Sitzung kein Be­vollmächtigter der gegenwärtigen preußischen Regierung anwesend wäre. Weder die Reichsverfassung noch die Ge­schäftsordnung des Reichsrats sehen vor, daß sämtliche Länder auch in der Vollsitzung ver­treten sein müssen. Es sind schon vielfach Fälle Dorgefommen, in denen einzelne Länder oder Provinzen nicht vertreten waren. Der Reichsrat ist in der Vollsitzung ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig. Die gestrige Sitzung des Reichsrats war daher beschlußfähig. Ihre Beschlüsse sind rechtsgültig.

Zertrümmerer des Versailler Diktats Seite an Seite mit Ludendorff durch das Brandenburger Tor in Berlin einziehen zu können. Das 2Ibcn- teurerblut hatte über das staatsmännische Den­ken in politischen Möglichkeiten gesiegt. Schließ­lich glückte es Enver nach vier ergebnislosen Ver­suchen, sich auf einer halbwracken Flugmaschine über die polnische Front nach Rußland zu begeben. Lenin, ein eiskalter politischer Rech­ner, empfing den Schwiegersohn des Kalifen mit offenen Armen. Er entsandte ihn nach Du- cyara, um dort den englandfreundlichen König abzusetzen. In wenigen Wochen hatte Enver mit Hilfe der Russen den König und dann mit Hilfe der jubelnd zu ihm übergegangenen königlichen Truppen die Bolschewisten vertrieben. Während Kemal in der Türkei mit Feuer und Schwert die letzten Reste des Kalifentums ausrottete, war dem Islam in Enver ein neuer Kalif entstanden. Rußland schickte seine besten Truppen gegen diese neueste Gefahr, die von Innerasien her drohte. Der armenische Tschekist Agabe­kow kundschaftete Envers Lage aus. In der Nacht umzingelte Budjonny das Lager. Und beim ersten Strahl der ausgehenden Sonne fand ein Leben feinen Abschluß, das groß und schön gewesen war, wie das Abenteuer selbst.

Zollsenkung gegen Ermäßigung der Kriegsschulden.

MacdonaldsPlanzur Rettung vonLausanne

London, 3. Aua. (TU.)Daily Herald" mel­det, daß Macdonald einen Plan erwäge, den Vereinigten Staaten Zugeständnisse in Zollfragen zu machen, falls Amerika zu einem Entgegenkommen in der Kriegs- schuldenfrage bereit sei. Die Reise des eng­lischen Botschafters in Washington nach Eng­land, die zeitlich mit dem Besuch des amerika­nischen Londoner Botschafters in Amerika zu­sammenfällt, werde in politischen Kreisen als ein Anzeichen dafür angesehen, daß irgendwie Verhandlungen zwischen den beiden Staaten imGang seien. Macdonald, der viel mehr an der Regelung der internationalen Schul­den und Reparationen als an der Ottawaer Konferenz interessiert sei, sei entschlossen, das Lausanner Abkommen durchzu­bringen. Es sei daher möglich, dah sein gegen­wärtiger Aufenthalt in London zu neuen großen Entwicklungen führe. Baldwin, der Schahkanzler, Chamberlain und der Handelsminister Runciman

würden vielleicht nach Beendigung der Ottawaer Konferenz Washington einen Besuch ab* statten.

Vorah für Endlösung der Reparationen und Kriegsschulden

Minneapolis, 4. 2Iug. (WTB.) Funk­spruch.) In einer Rede erklärte Senator B o r a h. daß jede Wirtschaftskonferenz vergeblich sein müsse, wenn sich die Nationen nicht zugleich auf eine Lösung der Revarations-, Kriegsschulden- und Abrüstungs- Probleme einigen könnten. Die Vereinig* t c n Staaten müßten die Initiative dazu ergreifen, da sie selbst nur dann einen Ausweg aus der augenblicklichen industriellen und land* wirtschaftlichen Notlage finden könnten, wenn sie mit den anderen Nationen zusam­menarbeiteten. In dem Augenblick, in dem Europa endgültig die Reparations- und 21b- rüstungsfrage geregelt habe, würden die 'Bereinig* ten Staaten mit Freuden bereit fein, die Kriegs­schulden zu annulieren, um so einen dauernden Wohlstand anzubahnen.