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4.7.1932 Frühausgabe
 
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nen Partei, nicht von Partei au Partei, eine Listenverbindung statt. Dieser Regelung ist die Klarstellung vorausgegangen, daß für die DDP., die im übrigen selbständig vorgeht, keinerlei Unterstützung von einer Aegierungskoalition in Frage kommt, deren Bildung und Bestand vom Zentrum'und der Sozialdemo­kratie abhängig ist.

Wahlaufruf des Zentrums.

Berlin, 2. 3uli. (CRB.) DieG e r in a - n i a veröffentlicht einen Wahlaufruf des Zen­trums, in dem es heisst: Das Zentrum hat diese Neuwahlen zum Reichstage nicht gewollt. Sie sind ihm aufgezwungen worden. Run gibt es tein Kapitulieren mehr! Run gibt es für alle die, die in dem Zentrum den Ordnungsblock der Mitte sehen und die wissen, daß ohne ihn das Chaos kommen mutz, nur noch «ine Parole: Alle Kräfte frei gemacht für die Ent­scheidung! Das Zentrum wird in den kommenden Wochen nicht müd-e werden, in den Städten und draußen auf dem Laude für das zu werben und hir das einzutreten, was immer auch Inhalt seines Programms war: Aufbau, Versöh- nung und eine Politik der Sachlich­keit. Eine Politik, die nicht ins ilnglüd führen soll, verlangt klare Erkenntnisse der Tatsachen, verlangt Wahrheit und Klarheit. liniere Füh- rer, an der Spitze Dr. Heinrich D r ü n i ng , werden in den nächsten Tagen, in den nächsten Wochen im Osten und Westen, im Süden und Rorden des Reiches zu den Massen sprechen und sie werden überall da, wo sie hinkommen, den Demagogen, den Aufwieglern und denen, die persönliche Interessen als Interessen der Volks- gesamtheit ausgeben, die Maske vom Gesicht reihen.

Keine Listenveröindung zwischen Gtaaispartei und Zentrum.

Berlin, 2. Iuli. ($11.) Bon staatspartei­licher Seite wird mitgeteilt: Die Leitung der Deutschen Staatspartei hatte, um auf jeden Fall für die verfassungstreue Mitte die letzte Stimme bei der bevorstehenden Reichstagswahl mandatö- mäßig auszuschöpfen, Verhandlungen mit dem Zentrum ungebahnt, um eine tech - nische Zweckverbindung auf einer ge­rn ein f amen Reichsliste herzustellen. Der Vorstand der Zentrumspartei hat jedoch jetzt beschlossen, ohne Listenverbindungen U den Wahlkampf zu gehen. Die Deutsche Etaatspartei wird nunmehr alle übrigen praktischen Möglichkeiten einos solchen Versuches prü­fen. Sie ist aber fest entschlossen, unter allen Umständen den Wahlkampf mit ganzer Kraft zu führen, da jedes Mittel angewandt werden muh, um die Kräfte der Reaktion und Diktatur nicht zum Siege gelangen zu lassen.

Massendemonstrationen in München.

Hitler spricht nach einemAusmarsch der LA.

München, 3. Iuli. (WTB.) Soweit sich bis­her übersehen läßt, haben sich die Aufmärsche der nationalsozialistischen SA. und SS. und der Eisernen Front in München reibungslos vollzogen. Die nationalsozialistischen Gruppen sammelten sich in den östlichen Stadtteilen Münchens, während die Eiserne Froitt ihre Verbände im Süden um den Kaiser- Ludwig-Platz zusammenzog. Punkt 10 Uhr setzten sich die Züge, zu denen auf beiden Seiten Tau­sende auf geboten sind, in Bewegung. Gleichzeitig setzte aber Regen ein, der die Stimmung der die Marschstraßen umsäumenden Menschenmassen sichtlich herabminderte. Die Massenaufmärsche blieben bis gegen die Mittagsstunde von politi­schen Gegnern völlig unbehelligt. Die innere Stadt zeigt bisher vollständig das gewohnte Bild. Wie die Polizeidirektion über den Verlauf der Aufmärsche mitteilt, versuchten nur an einer Stelle einige hundert Kommuni st en durch Schreien und sonstigen Unfug den Zug der Ra­tionalsozialisten zu stören. Um Tätlichkeiten zu verhüten, muhten Polizeikräfte eingesetzt werden, die unter Anwendung des Gummiknüppels die kommunistischen Ansammlungen zerstreuten.

Zn dem in unmittelbarer Nähe des Stadions er­richteten Riesenzelt, das Platz für 30 000 Zuhörer bietet, sprach Adolf Hitler im Anschluß an den

DerReichskriegertag in Dortmund

Dortmund, 2.Juli. (TU.) Dortmund hat sich aus Anlaß des 4. Deutschen Reichskriegertages, zu dem an hunderttausend ehemalige Soldaten aus allen Teilen des Reiches erwartet werden, reichen Festschmuck angelegt. Auf den Straßen und Plätzen herrscht bewegtes Treiben. Uebera-ll sieht man ehemalige Krieger. Als die Reichswehr in einem Sonderzug eintraf, hatte die Polizei Mühe, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Von der Menge freudig begrüßt, zogen die Sol­daten mit klingendem Spiel zum alten Rathaus, wo sie die alten Fahnen der westfäli - schen Regimenter einbrachten. Das historische FestspielBarbarossas Traum", das nach, mittags in der Kampfbahn ,Rote Erde" zur Auf- sührung gelangte, hatte ebenfals eine ungeheure Menschenmenge angelockt. Den Höhepunkt des Fest­spiels bildete das Erscheinen des Alten Fritz, der unter dem Jubel der Tausenden die Parade der langen Kerls abnahm. Zum Schluß kamen die Abordnung en der abgetretenen Län­der: Elsaß-Lothringen, Oberschlesien, Danzig und Nord-Schleswig. Beim Erscheinen dieses Festwa­gens erhob sich die Menge und verharrte Minuten- lang in tiefem Schweigen. Das Schauspiel fand seinen Ausklang mit dem Gesang des Deutschland­liedes. Wahrend der Aufführung wurde ein zwei Meter hoher Lautsprecher vom Wind von dem Dach der Tribüne hinabg eworfen. Unter der Zuschauermenge entstand große Erregung, jedoch wurde zum Glück niemand verletzt. Ferner mußte ein Flugzeug, das während der £ yführung über dem Stadion kreuzte, in der Nähe notlanden. Das Flugzeug wurde so schwer beschädigt, daß es

ab monti ert werden mußte. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.

Ein Aufruf des Präsidenten von Horn.

In der ZeitschriftKyffhäuser" veröffentlicht der Präsident des Kysfhäuserbundes General a. D. von Horn einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: 3n dieser Stunde kameradschaftlicher Verbunden­heit richtet der Gesamtvorstand des Deutschen Reichskriegerbundes im Ramen seiner drei Mil­lionen Mitglieder an alle, die deutsch denken und vaterländisch fühlen, den Appell, sich immer enger in dem Bekenntnis zum Deutschtum zusammenzuschließen und über alle Rot und Kümmernisse hinweg den Blick freizuhalten für die Rotwendigkeit deutschen Lebens und deut­scher Zukunft. Aus den Wurzeln der deutschen Volksgemeinschaft, die wir Ehre, Treue, Pflicht und Freiheit nennen, muß die deutsche Ration ihren neuen Auftrieb beginnen. Rie war es notwendiger als heute, daß die deutsche I u g e n d sich wieder hineinlebt in das heilige Erbgut der Vorfahren. Dazu aber ist es notwendig, daß der Geist unseres Volkes sich freudig bekennt zum deutschen Vorbilde und zur deutschen Treue. Wir müssen die Zer­setzung der Volksseele niederkämp- f«n und uns von der Verblendung internatio­naler Strömungen abkehren. Rur so können wir in dieser Zeit des sich übersteigernden Rational- bewußtseins uns als deutsche Ration behaupten.

Aufmarsch der SS. und SA. über die politische Lage. Hitler führte u. a. aus: Die Gegner der National­sozialisten wollten in der Bewegung nichts anderes sehen als nur den Ausdruck der heutigen Not. Die Bewegung sei aber in erster Linie derseeliichen N o t des deutschen Volkes entsprungen. Sie sei der Ausdruck der Ideale, die dem deutschen Volke vor­schweben. Die Nationalsozialisten wollten keinen Stand oder Beruf retten, sondern die deutsche Na­tion. Wenn man sage, die Nationalsozialisten hätten nicht das Recht, Sieg oder Macht zu beanspruchen, so würde darüber nicht die Politik der Bayerischen Volkspartei entscheiden. Die nationalsozialistische Be­wegung sei entschlossen, denWiederausbau Deutschlands durchzuführen, auch wirt­schaftlich, und zwar in dem Sinne, daß das Ka­pital der Wirtschaft dem Volk dienstbar sein müsse. Die Arbeiterschaft müsse dem wiedererwachten Deutschland gewonnen werden, das Fundament aber für den Wiederaufbau müsse der Bauer sein. Wenn man auf gegnerischer Seite sage, es müsse ab­gerechnet werden mit dem Regiment Papen, so kümmere das ihn nicht. Ihn interessierten nur jene, die vorher das Regiment geführt hätten, vom 9. November 1918 bis in die Gegenwart.

Hessen und die Reichsreform.

Gründung eines Ausschusses Hessen-Rheinfrunken.

In Gießen traten Vertreter des Landesar­beitsausschusses des Hessischen Volksbundes und der Verfasser des Reichs­reformentwurfs, des sog. Frankfurter Entwurfs, Direktor Weitzel (Frankfurt a. M.), zur Grün­dung eines Ausschusses Hessen- Rheinfranken zusammen. Zweck des Aus­schusses soll dieSchaffung eines Landes Hessen-Rheinfranken nach Artikel 18 der Reichsverfassung sein. Der Ausschuß soll sich zu­nächst aus Mitgliedern des Hessischen Dolksbundes und Anhängern des Franksurter Entwurfs, sodann aus weiteren Kreisen der Bevölkerung des in Be­tracht kommenden Gebiets ergänzen. Der Hessi­sche Volksbund erstrebt dieDereinigungvon Hessen, Hessen - Rassa u, und Wetz- l a r. Der Frankfurter Entwurf greift weiter aus und bezieht das Gebiet von Trier - Koblenz, Birkenfeld, Pfalz, Saargebiet und das westliche llnterfranken in das zu bildende Land mit ein. Unter völliger Wahrung der Selbständigkeit beider Richtungen bezweckt der Ausschuß ihren Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbeit. An der Spitze des Ausschusses stehen Ge­

heimrat Prof. Dr. Sommer (Gießen), Direktor Weitzel (Frankfurt a. M.) und der Geschäfts­führer Decker vom Hessischen Volksbund.

Einberufung des Landtagsplenums zum Oonnerstag.

WHP. Darmstadt, 2. Juli. Der Direktor des Landtagsamtes hat im Einverständnis mit dem Staatspräsidenten das Plenum des Landtages ge­mäß Artikel 22 der Verfassung auf Donnerstag, den 7. I u l i, 12 Uhr, zur konstituierenden Sitzung eingeladen. Auf der Tagesordnung steht: WahldesPräsidenten und des übrigen Bureaus. Feststellung der Geschäftsordnung. Wahl desAelt,stenrates. Wahl der Ausschüsse und der übrigen Kommissionen. Die Fraktionen sind zu einer Vorbesprechung über die Tagesord­nung auf 10 Uhr gebeten.

Der Mörder des deutschen Sportlers in Myslowih wieder auf freiem Fuß.

Der polnische Leutnant, der am Mittwoch den deutschen Sportsmann W i n k e l st e i n im Myslowitzer Stadionbad erschossen hat, ist nach Abschluß der Untersuchung durch das Mili­tärgericht freigelasscn und seinem Regi­ment wieder zugeteilt worden, da der Staatsan­walt des Militärgerichts auf Grund der Unter­suchungen erklärt, daß der Offizier i n R o t w e h r geschossen habe. Die Zeugenaussagen stehen i n krassem Widerspruch zu dieser Feststel­lung des Staatsanwalts. Rotwehr kann schon des­halb nicht vorliegen, weil der Offizier die Bluttat nicht während der Auseinandersetzung mit Win- i kelstein begangen hat, sondern sich seinen Revol- I ver erst aus der Ankleide st eile desBa- d e s holte und dann den tödlichen Schuß auf den Deutschen abgab.

Aus aller Wett.

Graf Zeppelin" über London.

Graf Zeppelin" traf Samstag kurz vor 18 Uhr dem Lauf der Themse folgend über London ein und kreuzte von vielen Flugzeugen begleitet, lang­sam über der Stadt. Das Wetter war ausge­zeichnet, obwohl das Luftschiff gegen einen ziem­lich starken Gegenwind zu kämpfen hatte. Auf den Straßen und Plätzen sowie auf vielen Dächern hatten sich tausende von Menschen an­gesammelt, die das Luftschiff bestaunten und ihm zuwinkten. DerGraf Zeppelin" nahm direkten

Dars die Frau eifersüchtig fein?

Von Marlene Dietrich.

Im allgemeinen hält man Eifersucht für einen der schlimmsten Fehler der Frau und denkt, daß eine eifersüchtige Gattin die Ursache für eine völlige Zerrüttung der Ehe sein kann. Ich glaube aber, daß diese Ansicht wirklichkeitsfremde Theorie ist, und daß es in der Praxis ganz an - d e r s aussieht. Wenn ich den großen Kreis meiner Bekannten und Freunde daraufhin prüfe, muß ich jedenfalls feststellen, daß gerade die Frauen die glücklichsten sind, deren Liebe durch einen Schuß Eifersucht gewürzt ist. Die sogenannte bequeme Gattin, die sich um das Tun und Lassen ihres Mannes nicht kümmert, sondern ihm völlig freie Hand läßt, verliert bald jeden Kontakt mit ihm, und eine gegenseitige Entfremdung ist mei­stens die Folge.

Selbstverständlich gibt es für die Aeußerungen der Eifersucht Grenzen. Eine Frau darf nicht so weit gehen, ihrem Manne gegenüber ein pikiertes Gesicht aufzusetzen, wenn er eine Her­renpartie macht, seinen Skat spielt, in seinen Verein geht, oder dergleichen. Sie sollte ihm aber durchaus, in taktvoller und freundlicher Weise, zeigen, daß sie auf seine Gegen­wart Wert legt und ein Recht auf dieselbe hat. Denn wenn der Ehegatte ein eigenes, völlig unabhängiges Leben führen will, warum hat er dann geheiratet? Wie unsere Gesellschaftsord­nung aufgebaut ist, kann es auf keinem Ge­biete Rechte geben, aus deren Wahrnehmung nicht zwangsläufig Pflichten erwachsen würden. Oft wird es zwar anfangs vorkommen, daß der Mann diesbezügliche Andeutungen der Frau als Einschränkung seiner persönlichen Freiheit" und alsEingriff in seine Persönlichkeitsrechte" emp­findet, eine Frau mit Fingerspitzengefühl aber wird es immer zu verhindern wissen, daß ein bleibender Stachel im Herzen des Mannes zu­rückbleibt. Im Gegenteil, nach und nach wird der Gatte dahingehende Aeußerungen trotz äußerlichen Brummens als das empfinden, was sie sind: als Beweise der Liebe.

Ich habe es oft erlebt, daß Männer in dem völligen Fehlen jeden Anzeichens von Eifersucht einen Mangel an Liebe erblickten, und ich selbst

kann mir tatsächlich nicht vorstellen, daß echte Liebe lupenrein von jeder Eifersucht fein konnte.

Wenn ich die Gabe der Allmacht hätte und mir würde die Aufgabe zufallen, ein v o l l - kornrnenesWeib zu schaffen, würde ich unter ihre Tugenden bestimmt ein Gran Eifer­sucht mischen. Sicher erhöht eine kleine Portion Eifersucht die Anziehungskraft der Frau in stär­kerem Maß« und ist für ihreAusmachung" wesent­licher als die teuerste Schminke. Denn während Schminke und Puder sehr oft die natürlichen Reize einer Frau verdecken, läßt die Eifersucht die schönste Tugend der Frau, ihre Liebes­fähigkeit, um so heller hervortreten.

Run darf man die aus Liebe geborene Eifer­sucht nicht mit einer andern Eigenschaft, die mit echter Liebe nur schwer vereinbar ist, verwechseln, ich meine das Mißtrauen. Mißtrauen ist dem Gegenpol der Liebe, der Ge­hässigkeit, verschwistert. Mißtrauen verbreitet Un­frieden und beleidigt in seiner Plumpheit. Liebe­volle Eifersucht ist zart, und, statt zu verletzen, schmeichelt sie der Eitelkeit des Mannes.

In meinem FilmShanghai Expreß" kommt der typische Fall vor, daß das Gewähren völliger Unabhängigkeit und das Fehlen oder richtiger gesagt das Zurückstellen jeder natür­lichen Eifersucht das Glück einer Frau und ihres Geliebten zu vernichten droht. Zwei verwandte Raturen, beide stolz, unabhängig, jeder durch die Stärke des anderen erschreckt, treffen sich. Keiner will sich dem anderen unterwerfen. Die Frau verlangt völlige Freiheit für beide Teile. Rach außen hin zeigt sie nicht die leiseste Eifer­sucht. Infolgedessen verstärkt sich bei dem Manne immer mehr die Ansicht, daß sie ihn nicht liebt. Als die Entfremdung zwischen beiden auf ihrem Höhepunkt angelangt ist, begreift sie plötzlich, daß er geradezu jemanden braucht, derseine persönliche Freiheit" einschränkt und sich um ihn kümmert. Ohne Schwanken handelt sie und überzeugt ihn von ihrer Liebe, indem sie deren Rechte wahrnimmt.

Wenn ich als Bürgerin eines Staates das Recht habe, an den Wahlen zu seiner Volks­vertretung teilzunehmen und ich gehe nicht zur Wahl, so ist das ein Beweis von mangelnder Liebe zum Vaterland. Wenn ich das Recht habe, als Muter die Erziehung eines Kindes zu über­

wachen und ich überlasse das Kind sich selbst oder anderen, so ist dies ein Zeichen von fehlen­der Mutterliebe, lind wenn ich das Recht habe, das Lebon eines Mannes mitzuleben, einen Teil seines Denkens und seiner Fürsorge für mich zu verlangen, wenn ich ein Recht auf feine Treue habe, sollte ich nicht wie eine Löwin für ihr Iunges für diese Rechte kämpfen, wenn sie in Gefahr sind? Wäre nicht gleichmütiger Verzicht auch hierbei gleichbedeutend mit mangelnder Liebe?

O, ihr Karikaturisten, die ihr in euren Zeich­nungen zeigt, wie der arme, zähneknirschende Ehe­gatte von der eifersüchtigen Gattin an eiserner Kette geführt wird, ihr seid schlechte Freunde der Ehemänner und vor allem: der Ehen. Man kann das Schönste lächerlich machen und das Klügste ad absurdum führen, indem man es bis ins llnschöne und Dumme übertreibt, und Eifer­sucht darf sicher nicht in Herrschsucht ausarten. Eine taktvoll und mit Maß gezeigte Eifersucht wird nie befehlen, sondern stets nur bitten wollen. Sie wird nicht belauern, bespähen, son­dern nur teilnehmen. Dann aber wird sie auch für den Mann keine eiserne Kette, sondern ein dünnes Band sein, das er mehr als Zierde denn als Fessel empfindet.

Sie wird in richtiger Mischung mit Hingabe und Aufopferung den festesten Kitt der Che bilden. Allerdings lautet das genaue Rezept für diese Mischung für jede Ehe entsprechend dem Charakter der Beteiligten verschieden. Immer aber wird die Abstufung die folgende sein müssen: Sehr viel Hingabe, viel Aufopferung und ... ein klein wenig Eifersucht.

Das Oberhaus speist ...

Das englische Oberhaus besteht aus Lords. Und der Lord ist bekanntlich auf dem europäischen Festland das Symbol der Vornehmheit. Einen Lord ohne Bügelfalte in der Hose kann man sich schwer vorstellen, ohne daß das imaginäre Welt- gebäude der Vornehmheit dabei in die Brüche geht. Aber können Sie sich einen Lord tagaus tag» ein bei Bratwurst mit Kartoffelbrei vorstellen? Greues über Greuel! Eine Statistik über den Warenkonsum im Grfrischungsraum des

Kurs Über den Piccadillh-Plah, dem Zentrum Londons. Dann flog er in Richtung Drookland, der Londoner Autorennbahn, um den dort anwesenden Herzog von Bork und seine Gemahlin durch Abwerfen eines Rosen­straußes zu ehren. Kurz nach 18 Ahr traf das LuftschiffGras Zeppelin" über dem Flug­platz Henworth ein, wo sich bereits Zehm- tausende von begeisterten Menschen versammelt hatten, die mit Sonderzügen, Autobussen und Flugzeugen herbeigeeilt waren, um das deutsche Luftschiff zu begrüßen. 250 Pfadfinder standen unter dem Oberbefehl des früheren Kommandan­ten des englischen Luftschiffes R 101, Kapitän Meager, bereit, um die Landemanöver durchzu- sühren. Als derGras Zeppelin" von der Abend­sonne silbern beleuchtet am Horizont auftauchte, winkte die Menge begeistert mit den Taschen­tüchern und die Zeppelinfahrgäste erwiderten die Grüße von der Gondel aus. Rach nahezu ein» stündigem Aufenthalt auf dem Flugplatz Hen­worth startete das Luftschiff zu seiner 2 4 st ü n - di gen Rundfahrt über England.

Schon wieder zwei Schulbrände.

Die Serie der Berliner Schulbrände fand ihre Fortsetzung in einer neuen Brandstiftung, die in dem ehemaligen Kleist - Lyceum im Rord» westen Berlins verübt wurde. In dem Gebäude befindet sich jetzt ein der Stadt Berlin gehöriger Kinderhort. Das Feuer war in der Kochküche in einem Geräteschrank angelegt worden. Eine zweite Brandstiftung wurde im Schrank des Kü­chenraumes des städtischen Dorotheen - Ly­ceum s in der Wilhelmshavener Straße entdeckt. Der Schuldiener konnte den Brand rechtzeittg mit bem Handlöschgerät ersticken. Einen Anhalt für die Art der Brandstiftung sowie für die Brand­stifter selbst konnte bisher nicht ermittelt werden, wie auch die früheren Fälle derartiger Brandstif­tungen nod) vollkommen in Dunkel gehüllt sind.

Schwerer Lisenbahnzusammensioß in der Tschechoslowakei.

-Zwei Züge einer Rebcnbahn sind bei Deneschau in Südböhmcn zusammenge stoßen. Reun Personen wurden getötet und 30 verletzt, unter ihnen 12 schwer. Das Unglück ereignete sich während eines starken Gewitters, das über dieser Gegend wütete.

Schweres Jaltbootunglütf auf dem Oberrhein.

Zwischen Laibstadt und Schwaderloch auf schwei­zerischem Gebiet ereignete sich auf dem Rhein ein schweres Faltbootunglück. Vom Ufer aus sah man mitten im Rhein ein gekentertes Faltboot treiben, an dem sich drei junge Männer festhielten, die langsam in den Fluten versanken. Hilfeleistung mar unmög­lich. Auch das Faltboot konnte nicht sichergestellt werden. Man muß annehmen, daß die drei Insassen ertrunken sind. Ihre Identität steht nicht fest.

Todesslurz eines Motorradfahrers auf dem Rurburgring.

Auf dem Nürburgring ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der Godesberger Gründel kam auf seiner Jmperia-Maschine in hoch st er Geschwindig­keit zu Fall und erlitt einen schweren Schä» delbruch. Er starb kurz darauf.

Schweres Bergunglück im Oehtal.

Am Sicher Kogel ereignete sich ein schweres Bergunglück. Zwei Touristen aus Wien und die Schwester des einen von ihnen stürzten tödlich ab.

Raubmord eines Siebzehnjährigen.

Im Englischen Garten in München wurde die Leiche des 63 Jahre alten Kaufmanns Broer aus Solingen aufgefunden. Broer war, wie die Vorge­fundenen Spuren aufwiesen, nach schwerem K a mp f ermordet und beraubt worden. SHs Mörder wurde der 17 Jahre alte Eisendreher­lehrling Schlecht aus München festgenommen. Der Täter hatte seinen mit Blut und Schmutz bedeckten Anzug einem Schneidermeister zur Reinigung über­geben, der in der Tasche eine dem Ermordeten ge­raubte goldene Uhr fand und darauf hin die Polizei verständigte. Schlecht behauptete, daß er mit dem Fremden, dem er die Stadt gezeigt habe, im Englischen Garten inStreitgekommensei und ihn dabei niedergeschlagen habe. Als er bemerkt habe, daß der Fremde bewußtlos sei, habe er ihm Uhr, Geld und Schmucksachen weggenommen und sei daoongegangen, ohne sich um den Verletzten weiter zu kümmern.

englischen Oberhauses hat ergeben, daß die Lieb­lingsspeise fast aller Peers tagein tagaus in eben dieser Bratwurst mit der Kartoffelbreizugabe be­steht. Selbst König Georg und der Prinz von Wales bevorzugen diese, immer vom imaginären Weltbild der Vornehmheit aus gesehen, plebe­jische Speise. Auch sonst zeichnen sich die Männer, die Englands Politik machen, durch eine konser­vative Gesinnung aus. Sie lehnen moderne, mit Schokolade und Buttercreme bereitete Kuchen ab und halten sich an jenes Produkt hausfraulicher Dackkunst, das in Süddeutschland als Gugel­hupf bezeichnet wird. Wer einmal die Restau­ranträume des Reichstags besichtigt hat, muß leider zu dem Ergebnis kommen, daß es im Reichstag keine konservativen Politiker gibt. Denn Deutschlands Volksvertreter verschmähen weder die mit höchster Raffinesse zubereiteten Gerichte einer überfeinerten Küche, noch lehnen sie es ab, ihren Gaumen mit köstlicher Schokoladentorte zu letzen.

Oer Besorger.

Rot macht erfinderisch und die jungen Arbeits­losen haben einen neuen Beruf entdeckt. Es sind nicht die, die vor Hotels, Theatern, Restaurants usw. auf vorfahrende Autos lungern und die Tür aufreihen, um für diese überflüssige und uner­wünschte Handreichung einen Groschen zu emp­fangen. Die Iungen klingeln an den Haustüren und bieten sich zu ehrlicher Arbeit an. Sie wollen den Mülleimer auf den Hof tragen, holen Milch oder machen andere Besorgungen, durch die der Hausfrau Zeit oder Mühe gespart wird. Sie empfangen dafür zehn Pfennig, eine Frühstücks- stulle und dergleichen. Manche Iungen haben schon einen festen Kundenstamm gewonnen und damit einen regelmäßigen Verdienst. Sie klingeln bei ihren Kunden in bestimmter Reihenfolge und an bestimmten Tagen, wissen ganz genau, daß heute der Mülleimer dort geleert werden muß, morgen dort. Beide Teile sind befriedigt, der Iunge braucht nicht zu betteln und der Hausfrau wird manches erleichtert. Aber wie im Geschäfts­leben der Großen, so in Geschäften der Knirpse. Eine gute Geschäftsidee spricht sich schnell herum und die Konkurrenz wächst schneller, als man wünscht. Auch dieser Beruf ist schon überfüllt.