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Schleichers Betrauung im Spiegel -er presse
Das Echo im Ausland
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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für de, übrigen Teil Ernst Dlumfchein und iür den Anzeigenteil i.D.TH.KNmmel sämtlich in (Biegen.
Heute erste Kabinettssitzung.
Neurath fährt nach Genf.
Berlin, 3. De;. (LNB. Junffprud).) 3n unter- richteten Greifen erwartet man die Ernennung des neuen Kanzlers und feines Kabinetts, nachdem General von Schleicher dem Reichspräsidenten über feine bisherigen Verhandlungen Bericht e r ft a t tet hat, erst für den späten Nachmittag. heute tnittag fand die A b f ch i e d s f i h u n g des alten Kabinetts statt, in der Reichskanzler von Tß a p e n feinen Mitarbeitern dankte. 3m Anschluß an diese Sitzung des alten Kabinett» traten die Minister, die zur neuen Regierung gehören, zu einer Besprechung zusammen. Nach seiner Ernennung wird sich das Kabinett übrigens heute nur mit der außenpolitischen Frage beschäftigen, weil ja Freiherr von Neurath morgen nach Gens zurückkehrt. 3rgendwelche Beschlüsse oder sonstige Maßnahmen des Kabinetts sind heute nicht zu erwarten.
Die Besetzung der drei wirtschaftlichen Ministerien war heute mittag noch ossen, dagegen stehen alle übrigen Personalien fest, so auch da» Verbleiben de» Reichsminister» Dr. Popih im Kabinett.
Oer neue Mann.
Don G v. G
Die Alfen st raße in Berlin verbindet den Platz der Republik, wo der Reichstag und die Siegessäule stehen, in gerader, breiter Linie mit dem Ufer der Spree. Sie ist eine sehr stille Straße, die wenigen Häuser, die gepflegt rechts und links von ihrer Promenade sich befinden, tragen den Charakter ruhiger, höchst vornehmer Dillen. Sn der Mehrzahl von ihnen sind Gesandtschaften untergebracht. Rümmer 10 aber ist auch heute noch ein Privathaus — ein Privat- haus allerdings, in dem schon mehr als einmal
Geschichte gemacht worden tft. Dort wohnt einigen Jahren General Kurt von Schiel- cher mit seiner jungen Frau, der Tochter des ehemaligen Generals der Kavallerie von Hennigs. und ihrem zehnjährigen Töchterchen.
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cher wurde 1924 Oberstleutnant, 1926 Abtei- lungsleiter im Reichswehrministerium und bald darauf Oberst, 1929 Generalmajor.
21m 1. April 1929 übernahm er als Chef das neugebildete Ministeramt im Reichswehrministerium. Sn dieser Stellung tourte er am 1. Oktober 1931 zum Generalleutnant befördert. Schleichers Aufgabe war es. die Reichswehr frei von parteipolitischen Einflüssen als machtpolitischcs Snftrurnent des Staates zu erha - ten. Der Konflikt zwischen ihm und seinem Är mster Groener nach ter Auslösung der national sozialistischen SA.- und SS.» Formationen, der schließlich zum Sturze Groeners führte, ist bekannt Das Vertrauen des Reichspräsidenten berief dann ihn an Stelle Grögers Anfang Sun! 1932 auf den Posten des Reichswehrministers im Kabinett von Papen.
Der designierte Reichskanzler ist halb hanseatischen. halb westfälischen Mutes. Sein Urgroßvater fiel als Regimentskommandeur im Sahre Ivlo beim Sturm auf das Fort LignY- Dessen Sohm Ludwig von Schleicher, war gleichfalls Offizier ebenso wie der Vater. Kurt von Schleicher, der schon frühzeitig als Oberstleutnant starb. Don mütterlicher Seite her stammt Kurt von «^hleicher aus einer angesehenen Danziger Kaufmanns- familie.
ganz auf die dringenden Aufgaben des Winters mit seiner ungeheuren Arbeitslosennot konzentriere. Die Tendenzen der neuen Regieruna bewegten sich vielleicht in der Richtung die mir für ihre Arbeit als notwendig und Einzig möglich bezeichnet hätten; wir verzeichnen diese Eindrücke und warten ab, ob sie in der personellen Zusammensetzung des Kal", netts und vor allem in seinen Taten bestätigt werden. Bis dahin werde eine ruhige Wachsamkeit am Platze sein, die später, wenn Ziel und Wille der neuen Reichsregierung deutlich erkennbar geworden seien, einer anderen Betrachtung weichen möge. — Der „Deutsch e" (Christi. Gewerksch.) ist der An- siclst, daß der V e r st ä n d i g u n g s k u r s . den Schleicher steuern wolle, in seinen Grundzügen klar sei, die Verhandlungen mit den Führern der Parteien und Gewerkschaften hätten genügend Aufschlug darüber gegeben. Er werde sich für die Auf- Hebung der sozialpolitischen Ermächtigung einsetzen, ebenso für die Streichung der E i n st e l l u n g s p r ä m i e und für eine R c - vision der Tariflohnsenkung. Es sei auch nicht daran zu zweifeln, daß das Kabinett Schleicher den Kurs des Landwirtschaftsministers Braun nicht weiter steuern werde.
Er war der jüngste Generalleutnant tm Reichs- wehrministerium. Als er im Alter von 46 Fahren mehrere seiner rangälteren Kollegen uberiprang, haben ihm viele Leute das vielleicht nachgetragen. Heute sind diese Stimmen verstummt.
Dieser lebhafte Mann, an dem seine grauen Augen vielleicht das einzige Geheimnisvolle sind, dieser Mann mit den emia bewegten, ständig tm Ge präch arbeitenden und formenden Händen Der außerordentlich selbstsicher witzig, dabei absolut ruhig und nicht im mindesten nervös im Mittel- punkt der Berliner Gesellschaft steht, kann heute vielleicht als der erste Repräsentant, der volle^de^e Vertreter der klarste Ausdruck feiner od)id)t. darüber hinaus seiner Klasse angesehen werden.
Schleichers Lebensgang.
General ter Snfanterie Kurt von Schleicher ist 1882 in Brandenburg geboren. 1900 tourte er nach Absolvierung des Kadettenkorps als Leutnant in das dritte Garderegiment zu Fuß eingestellt, dasselbe Regiment, aus dem auch Hindenburg voraeaangen ist. Rach Besuch ter Kriegsakademie von^l910^bis 1913 tourte er Hauptmann und tm März 1914 zum Großen Generalstab £>mman- diert^ Hier arbeitete er auch im Kriege. Er hatte besondere Aufgaben in der Eisenbahnorgam ation, öu Oci Damalige Ob«stleutnant Groener wttet^ Dach der Revolutwn tarn er nach Kassel. Schiet
Dieses Haus wird von der Berliner Gesellschaft vielleicht mehr beachtet als die offiziellen Gebäude der Wilheimstraße, in denen die jeweilige Regierung „reiibiert" Es steht seit Jahren |d)on i m Mittelpunkt d e s Interesses. Dies liegt nid)* nur an der hervorragenden politischen und sozialen Stellung des Hausherrn, sondern auch an feiner ganz befonbeten Befähigung, benjemgen die dieses Haus als Gäste betreten, den Aufenthalt zu einem einzigartigen Erlebnis zu machen
Es ist keine Phrase Herr von «chleicher zahlt heute zu den besten Gesellschaftern der «tato Ber- [in Seine kleinen Teegesellschaften, feine Abendveranstaltungen. zu denen er gern und oft entladet, sind richtiggehende Ereignisfe für alle, die sich mit toefem Politiker und Weltmann einmal unterhalten
wachen und im richtigen Augenblick zu- zu schlagen. Dies ist irie Taktik des Generals von Schleicher.
pariser Stimmen.
Paris, 2. Dez. (TU.) Sn den Pariser Blättern, die bereits zur neuen Reichsregierung Stellung nehmen, ist die Bezeichnung „Kabinett der Entspannung" mehrfach zu fmten. Der „T emps" weist darauf hin, daß das Verbleiben Reuratys zur Annahme berechtige, die deutsche Außenpolitik werde durch die Umbildung eer Regierung in ihren großen Linien nicht geändert werden. Immerhin sei zu bemerken, daß General von Schleicher stets Anhänger einer be- sondersenergischenAußenpolltlk gewesen sei. während Papen bemüht gewesen sei. leben unnützen Streit mit den westlichen Großmächten und dem Völkerbund zu vermeiden. Da die parlamentarische Grundlage des Kabinetts Schleicher nicht so schmal sei wie die des vorigen Kabinetts, werde die Opposition gegen Schleicher möglicherweise weniger lebhaft als gegen Papen sein und eine Art W a s s e n st i l l st a n d zwischen der Regierung und dem Parlament zustande- kommen. - Im .Paris Soir erklärt Sauer- wein. daß die Kanzlerschaft Schleichers eine Entspannung des Verhältnisses zu den Parteien, terft* liche Beziehungen zu den Gewerkschaften und, so paradox es schiene, die Verteidigung der Republik bedeute. — Das nationalistische „Journal des Dubais" weist Darauf hin, daß General von Schleicher als Reichskanzler die gleiche Politik verfolgen werde, die er als Reichswehr Minister ununterbrochen unterstützt habe. d. h. Gleichberechtigung und mangels allgemeiner Abrüstung Aufrüstung Deutschlands. Cs sei in Berlin nämlich nicht Mode, daß ein Reichstoehrmini- ster Abrüstungspläne ausarbeite. (Das geht gegen den französischen Kriegsminister Paul Bvncour. D. Red.) - Der „Malin" schreibt, daß man außer Stalin keinen absoluten Herrscher kenne, ter mit ter Autorität wetteifern könne, die General von Schleicher als Reichskanzler und Reichswehrminister mit Unterstützung des Reichspräsidenten verkörpere. Diese Autorität werde General von Schleicher im Gegensatz zu Papen zum Besten ans- nühen. Frankreich habe die Pflicht, diesem Soldaten und absoluten Herrscher uter die Reichswehr gegenüber, der selbst der Mehrheit der Linksorganisationen in Deutschland sympathisch sei. beide Augen zu öffnen.
konnten. e
Die militärischen Kollegen im Reichswehrministe- rium nannten Schleicher vor Jahren einmal mit leisem spöttischem Unterton den .Bürogeneral ote glaubten. ,hn so bezeichnen zu dürfen - tei bieier Mann obwohl von ihrem eigenen Fleisch und Blut eine Bildung eine Kultur, ein me erlahmen- tes Interesse für" alle Wissensgebiete ausstrahlte, die nicht sehr häufig zu finden sind
Immer wieder -st es seine Art. junge Menschen aus den oerfch,ebensten Umgebungen von denen er gehört hatte, zu kleinen persönlichen Auslprachen einzulaten. Mit leidenschaftlicher Anteilnahme verfolgt er alle geistigen und politischen Strömungen, alle Leistungen, alle Ideen, alle Urteile der fugend Stets findet man ihn über alle Dinge, die in dieser Richtung liegen, gut informiert. Es 'st ^ne besondere Fähigkeit. mit Eleganz und schick nicht ohne Witz, sogar nicht ohne einen gewissen Zynismus Die eine Richtung gegen die andere auszw fpielen. Daher tft es nicht erstaunlich wenn er auch häufig Leute als seine Gäste sieht, die grundsätzlich zu seinen geschworenen Gegnern zahlen ...
Sm Gegensatz zu dem stets schweigsamen, ve^- fchlofsenen. sorgenumwitterten Brüning zeigt s-ch der General stets angrissslustig in der DHkust fion, höchst beweglich, gewandt und zreml.choffen herzig in seinen Aeußerungen.- Don chm die Worte- „Um ein Führer der Menschen zu fein, muh man einen gewissen 3pm6mu8 teilten. Das ist es. was hervorragende Persönlichkeiten auszeichnet. Es gehört Leichtigkeit u n o Geschmeidigkeit dazu, um ernste Probleme zu meistern." ,
Wenn man diese Aeußerungen recht versteht, dann wundert man sich vielleicht, warum dieser Wann in den Ruf kam, eine „Sphinx" zu sein, ein Zauberer, ein moderner Alchimist der Politil. Diese Einschätzung ist aber vielleicht zwangsläufig das Produkt seiner Umgebung, die stets hinter ihm zurückblieb, weil sie nicht seine Schnelligkeit, seine Kombinationsgabe besaß. Leute mit größerem Weitblick pflegen ihren Zeitgenoffen seicht unheimlich vorzukommen, felbst wenn auch nicht eine Spur von Dämonie ihnen anhaftet.
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Schleichers gesellschaftliche Begabung ist also in der Tat nichts weniger als eine Maske. Er ist em aufrichtiger Freund von Musik, von belebten Debatten von Geselligkeit Zum Beispiel gilt er als hervorragender Tänzer. Es wird erzählt, daß in manchen Minuten eine unbändige jungenhafte Lustigkeit sich aus ihm herausdrängt Sein Ehe- [eben roirb als denkbar glücklich und ungetrübt ge- ^E?ne^ Dame der Berliner Gesellschaft charakterisiert ihn als „den charmantesten Plauderer und den vorbildlichsten Ehemann" Alle, die mit- diesem Mann in Berührung gekommen sind, mochten es ihr gern bestätigen. e
-Die RSOAp.
Der „Nachtangriff (nat.-soz.) führt aus, wir können in Ruhe abwarten, wie es Herrn v. Schleicher gelingen wird, nicht nur sein Kabinett zusammenzustellen, sondern vor allen Dingen auch sich mit den verschiedenen politischen Gruppen aus» einanderzusetzen und dann wirklich etwas zu 1 e i st e n. Herr o. Schleicher will sich einerseits auf die Freien Gewerkschaften, andererseits aus das Zentrum und die Bayerische Dolkspartei mit den Christlichen Gewerkschaften und endlich auf die Deutschnationalen stützen. Wir sind der lieber- zeugung, daß d i e Gegensätze in diesen Gruppen so groß sind, baß das Fundament des Schleicherkabinetts sehr bald zusammenbrechen wind. Wie Herr v. Schleicher den K o n - flirt mit dem Reichstag vermeiden will, ist uns gleich ein ungelöstes' Rätsel. Die Deutschnatio» nalen sind vor die Zwangslage gestellt, entweder mit dem Zentrum und den roten Gewerkschaften zusammen das Kabinett v. Schleicher zu stutzen oder aber in Opposition zu gehen. — Die Nationalsozialistische Korrespondenz schreibt: Für uns Nationalsozialisten ist es schließlich gleichgültig, ob der neue Reichskanzler von Papen oder von Schleicher oder sonstwie heißt. Nun wird Herr von Schleicher möglichst rasch auf die fDlinifterjucte gehen müssen. Wir versagen uns. die Namen zu verholen, die genannt werden; denn sie werden auch, wenn sie besten Willens sind und kluge Männer fein mögen, die Not des Volkes nicht beheben können; sie werden an ihrer eigenen Unzulänglichkeit zerbrechen, well auch dieses Kabinett nur ein Zehntel des deutschen Volkes hinter sich hat und nur die Interessen ganz bestimmter Schichten vertritt. Daran ändert auch der Name des Kanzlers nichts. Es kommt der Tag, so schreibt die NSK„ an dem das Kabinett Schleicher einem Kabine11 H > 11er PI machen muß, wenn Volk und Vaterland nid)i ..gründe gehen und im Sumpf des Bolschewismus ersticken sollen."
Oie Rechte.
Experimenten und Zukunftsträu- men verzetteln, sondern auf die wesentlichsten Probleme konzentrieren müsse, also vor allem auf die Senkung der Arbeitslosenzahl und auf die Erkämpfung ter deutschen Wehrhoheit. — Die „K re u z ze i t u n g" (Stahlhelm) bezeichnet es als Schleichers Aufgabe, eine neue ge- sicherte Staatsmacht zu schaffen. Dazu sei notwendig, daß er den Weg zum Volk finde, den fein Vorgänger v. Papen vergeblich gesucht habe. Aber es müsse ein Weg fein, ter in ganz anderer Richtung gehe als der Weg ter Partei- führer und zu einem ganz anderen Ziele führe, als zu der Machtzersplitterung, in die das Parlei- unwesen unser Volk hineingeführt habe.
Das Zentrum.
Die „G e r m a n i a" (Zentrum) sagt, die neue Reichsregierung müsse alles unterlassen, was die ungeheuren Spannungen, die sich fast zu entladen ohten, noch weiter verschärfen könnte. Das schließe einen Verzicht auf V e r f a s s u n g s e x p e r i - mente ebenso ein, wie die Inangriffnahme einer wirklich sozialen Politik, die sich
Der „Lokalanzeiger" (deutschnatl.) würdigt rückschauend die Persönlichkeit Papens und sagt, ob die Kanzlerschaft Schleichers nunmehr als ne Fortsetzung ober mehr als ein Rückschlag gegenüber dem Kurs Papens erscheinen werde, der Name Papen werde aus der Entwicklung nicht ebenso fortzudenken sein, wie mancher andere Name. Ein Kabinett Schleicher sei einstweilen auch ein reines Pra fibialtabinett Daß ein Kcwinett Schleicher mit such liehen Dingen, in den heute so entscheidenden Fragen der Wirtschaft etwa wesentlich andere Wege als das Kabinett Papen sollte gehen können und wollen, sei trotz des Namens Warmbold kaum vorstellbar. Dazu sei es zu ausschließlich auf den Namen Hindenburg gestellt, der sich mit dem Wirtschaftsprogramm Papens ja restlos eins erklärt habe.
Die D A 3.“ betont, daß das Kabinett Schleicher nicht den Charakter eines Kampfkabinetts, sondern den einer U e b e r g a n g s 1 o s u n g haben wird, an deren Ausgang die Einfügung der nationalsozialistischen Bewegung in den Staat stehen mu se, die leitet in den letzten Wochen gescheitert sei. Der bis- herige Reichswehrminister dürfe sich nicht oamtt begnügen, die Gefahren zu vermeiten, die sich in diesen Tagen drohend erhoben hatten, sondern er werte von Anfang an sein Kabinett auf das Ziel der Versöhnung Hindenburgs mit Hitler einzustellen haben. Das bedingt ein fachliches Programm und eine Per- sonenauswahl, die beide zwar die uterpartev- liche, präsidiale Struktur tes neuen Kabinetts betonen, gleichzeitig aber ihm im Volke eine breite Unterstützung sichern und der Oppoltt.on keine zerstörenden Formen gestatten. Es- Ware verfrüht, über Schleichers Programm ausführlich zu sprechen. Soviel dürfe man jedoch letzt schon aussprechen, daß er feine Energie nicht in
Ur 285 Erstes Blati 182. Jahrgang Samstag, 5. Dezember 1932
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Was sagt man in London?
London, 2. Dez. (WTB.) Die Betrauung des Generals v. Schleicher, „des starken Mannes Deutschlands", wie die Blätter ihn nennen, wird in der Presse zustimmend ausgenommen. „S ta r" unterstreicht, daß die W a h l e i n e s S o l- baten durch den Reichspräsidenten, um Deutschland durch eine seiner schwersten Krisen hindurch zusteuern, eine Periode der Unsicherheit, der Agitation, die Intrige und Manöver beende. — „T t • m e s" sagt, in der jetzigen außerordentlich schwiegen Lage Deutschlands sei die Ernennung Schlei» .chers wahrscheinlich vom innenpolitischen Standpunkt das Beste, was geschehen konnte. Hingegen sei es einfach ausgeschlossen, daß das Ersctei- nen eines Soldaten an der Spitze der deutschen Regierung gegenwärtig in den Nachbarländern ohneBedenken beobachtet werden sollte. Nahezu unvermeidlich würden diese Bedenken in Gens und anderswo in Ge st a 11 einer weniger entgegenkommenden Stimmung ihre" Ausdruck finden. Wie friedfertig auch die Erkia rungen des Generals in der verantwortlichen Stellung sein mögen, in ganz Europa werde man sich daran erinnern, daß er der Mann ist, der erklärt hat, daß Deutschland unterallen Um st änden dieReichswehrreorganisieren und nicht länger die „entwürdigenden Versailler Bestimmungen dulden werde. Die Reorganisation, für die er eintrete, könne nicht zustande gebracht werden, ohne eine Aenderung der Abrüstungsklauseln des Per- sailler Vertrages. Es werde bereits allgemein zu« gegeben, baß biese Klauseln auf jeden Fall nachge- pruft und revidiert werden müßten. General von Schleicher sei keineswegs ein Militarist vom Feldwebeltyp. Er fei versiert in politischen Angelegenheiten, ein verbindlicher und gescheiter Unterhändler und ein intelligenter Mann. Sicher erscheine er als die repräsentativste Persönlichkeit im jetzigen öffentlichen Leben Deutschlands. General o. «chlei- cher habe gezeigt, daß er keineswegs unempfindlich für die Stimmung des Volkes fei. — --Daily Erpreß" schreibt. Die Ernennung des Generals von Schleicher ist ein weiterer Schritt zur offenen Diktatur, zu der das Durcheinander der Parteien und bas politische Chaos im heutigen Deutschland unvermeidlich führen müsse. Es gibt 3mei Wege zur Macht. Der eine besteht darin, die Ereignisse zu lenken und zu beherrschen, eine Methode, die in einer Welt ausgedehnter, unverantwortlicher Kräfte immer schwieriger wird. Der an» dere Weg ist, den Gang der Ereignisse zu über


