Ausgabe 
3.11.1932 Frühausgabe
 
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Neuer Außenminister in Polen.

Oer Vertraute pilsudskis.

Links: Oberst Beck, der außenpolitische Ratgeber des Marschalls Pilsudski, wurde zum neuen polni­schen Außenminister ernannt. Rechts: A. Zaleski, der langjährige polnische Außenminister

Warschau. 2. Rov. (WTV.) Außenminister I getreten. Als Nachfolger ist sein bisheriger Zaleski ist wie wir gestern in einem Teil un- I Mitarbeiter Oberst Beck vom Präsidenten der Re- serer Auflage schon meldeten. D.Red.) zurück- I publik ernannt worden. Deck gilt als Der-

Gießener Gtadttheater.

Luigi Pirandello:

Sechs Personen suchen einen Autor".

Der italienische Dichter Pirandello, der lange in Deutschland gelebt und in Bonn den Doktorgrad erworben hat, ist ebenso schnell vergessen worden, wie er schon an der Schwelle des Greisenalters vor ein paar Jahren entdeckt und berühmt wurde. Sein Pech war, daß man aus seiner seit Jahrzehnten im Schreibtisch an­gesammelten umfangreichen Produktion sein bestes Werk zuerst ans Licht zog. Bach dem großen Erfolg dieses Schauspiels (Sei personaggi in cerca d autore) hat man ziemlich unkritisch viel schwächere und ganz belanglose Arbeiten von Pirandello ausgegraben und aufgeführt: das hat den anfänglich ungeheuren Erfolg bald abge­schwächt und auch den Eindruck verwischt, daß die merkwürdige Derbindung von schöpferischer Phantasie und scharfem Intellekt, welche seine glücklichsten Arbeiten auszeichnet, den Vergleich mit einem unserer stärksten Dramatiker, mit Georg Kaiser nämlich, schon bei den ersten deutschen Aufführungen nahelegte.

Die Symbolik des Vorhangs, der doch mehr ist als nur ein technischer Behelf im Spiel auf dem Theater, wird ausgehoben in diesemStück, das gemacht werden soll": die Grenzen im Baum auf, vor und hinter der Bühne sind fließend geworden. Die Rollen sind vertauscht. Das Wort von den Brettern, die die Welt bedeuten, be­kommt einen neuen, tieferen Sinn. Das Theater wird Wirklichkeit, die Wirklichkeit verblaßt.

Im Hingleiten an den schmalen Grenzen der Dinge und Vorstellungen, in der verwirrenden und komödienhaften Verschlingung vonSpiel" undLeben" öffnet sich dem Zuschauer der Blick in die Werkstatt eines Dichters, der am Ende hilflos und überwältigt von seiner Vision mit gesenktem Haupt und gesenkten Händen vor den Geschöpfen seiner Phantasie steht.

Gestalten zwischen Tragik und Komik, zwischen Traum und Realität: die sechs Personen, die leben wollen und nicht leben können: sie er­scheinen ungerufen auf der Theaterprobe zu einem neuen Stück von Pirandello, wo alles in natür­lichster Einordnung durcheinanderwimmelt Di­rektor, Sekretär, Schauspieler, Inspizient, Souf­fleuse und Beleuchter wo alles lärmend und geschäftig im Betrieb ist, und wo gar nichts klappt.

Da tauchen sie auf, die Sechs, die den Autor suchen: die Rollen, die halb fertig sind: Bruch­

stücke oder Frühgeburten überquellender Phan­tasie: arme Menschen in unseliger Schicksalsver­kettung, denen, so wie sie von Dichters Gnaden sind, ein Weg vorgezeichnet wurde, und die fest entschlossen scheinen, diesen Weg zu Ende zu gehen und ihr angefangenes Leben zu einem Abschluß zu bringen. Weil sie aber auf ihrer ver­zweifelten Suche keinen Autor finden, der mit­leidig zu ihnen ist, flüchten sie zum Theater- direktor, um nun mit ihm und unter seiner Lei­tung ihr Spiel zu spielen zwischen Scherz und bitterem Ernst, ihr Leben zu leben zwischen Phan­tasie und Wirklichkeit.

Was tu diesemStück, das gemacht werden soll" Pirandello nicht nur als einen Autor, son­dern auch als einen Dichter legitimiert, ist dies: daß Spiel und Leben seiner sechs personaggi wie ein Gleichnis aus den Beschauer und Zu­hörer wirken und ein . tiefsinniges Bild dieser Welt entrollen, die wir als die echte und einzig gültige erkennen uns gewöhnt haben.

Der Vorhang fällt zwischenhinein und am Ende: und hier bekommt er eine andere Be­deutung als zu Anfang, wo er sinnvoll fehlte: er ist gleichsam der Schleier des Mißverstehens, niedergesenkt zwischen den Menschen, die Zufall, Schicksal oder Vorsehung (nur verschiedene Ramen für gleicherweise Anbegreifliches) zusammenge­führt haben. Die Lösung? Es gibt keine. Tra­gischer Auskl^>"g 'omif^'en Dorsviels auf dem Th.-ater. Der D rek o g b am En e ve zw ifelt die Fäden aus der Hanv, an denen er die sechs Personen Menschen oder Marionetten hatte lenken wollen.

Man sah - unter der Regie von Oberspiel­leiter Peter F a s s o t t eine der interessantesten und lebendigsten Aufführungen der bisherigen Spielzeit. Ihr kam zugute das im Werk des Italieners ursprünglich vorhandene echt komö­diantische Wesen des Dramas, jener uralt­improvisatorische Zug zur Commedia deilarte, zum Stegreif-Theater, das aus der schöpferischen Lust am Fabulieren geboren wird. Die kon­trastierenden Elemente des Werkes, die Gegen­überstellung von nüchterner Realität und traum­haft-verwirrender Illusion waren vor allem in dem vorzüglich gegebenen Mittelakt zu frappie­render Wirkung gesteigert. (Diese Szenen bildeten den Höhepunkt auch in der unvergeßlichen Auf­führung Reinhardts in Berlin und in jener an­dern, die wir von Pirandcllos eigener Truppe, I der Compagnia del Tcatro dArte, gesehen haben.) Doch war der Ausklang, die Schlußszene des letzten Aktes, in der sich die geheimnisvolle

heute

Berlin, 2. Rov. (ERB.) Zu der . gemeldeten Erklärung der preußischen Staatsregierung, daß die Reichs- regierung ihrer Pflicht, die preußischen Staatsminister wieder in ihr Amt einzusehen, nicht nachgekommen fei, erfahren wir von zu­ständiger Stelle daß die preußische Erklärung insofern irreführend ist, als sie unterstellt, daß nach der Entscheidung des Staatsgerichts­hofes eine Pflicht bestehe, die preußischen Staatsminister wieder formell in ihre Aemter einzufetzen. Eine solche Pflicht er­gibt sich aus dem Urteil des Staatsgerichtshofes nicht. Die Reichsregierung muß lediglich dem preußischen Staatsministerium die Ausübung derBefugnisse ermöglichen, die ihm der Staatsgerichtshof zuerkannt hat. Die Reichs­regierung hat die nötigen Vorschläge der preußischen Staatsregierung gemacht. Diese ist bis jetzt noch nicht auf sie eingegangen.

Erklärung des Kabinetts Vraun.

Fühlungnahme mit dem Reichskommissar?

Berlin, 2. Rov. Wie das VDZ.-Bureau meldet, teilt die preußische Staatsre­gierung offiziell folgendes mit:

In der heutigen Staatsministerial- s i tz u n g stellten die Staatsminister übereinstim­mend fest, daß die Reichsregierung ihre Pflicht, die nach der Entscheidung des Staatsge­richtshofes zu Anrecht ihres Amtes enthobenen preußischen Staatsmini st er wieder in ihr Amt als Staatsminister und Landesregierung einzusetzen, bis heute nicht erfüllthat."

In der preußischen Regierung nahestehenden Kreisen wird dem VDZ.-Bureau weiter erklärt, daß die preußische Staatsregierung auf Grund dieser ihrer Auffassung der bestehenden Tatsachen weitere Schritte eingeleitet habe. Aller­dings dürfte ein neuer Appell an den Staatsgerichts Hof vorläufig nicht in Frage kommen. Man weist darauf hin, daß es ja noch andere Möglichkeiten, insbesondere eine Fühlungnahme mit dem Reichskom­missar usw. gäbe, die für die Klärung dieser Dinge erschöpft werden müßten.

Eine offiziöse Erklärung drachis.

Berlin, 2.Rov. (CAB.) Wie wir aus der Amgebung des Reichsministers Bracht erfah­ren, kann die Erklärung der alten preu­ßischen Staatsregierung sich nur dar­auf beziehen, daß es dem Reichskommissar nicht möglich war, alle durch den Ministerialdirek­tor Brecht übermittelten Wünsche der alten Regierung wegen der Zuteilung der Diensträume zu erfüllen.. Grundsätzlich muß der Reichskom­missar daran festhalten, daß die Zuteilung der Diensträume Aufgabe der Exekutive ist. Reichs­minister Bracht legt aber den größten Wert darauf, die R a u m f r a g e in einer wirklich groß­zügigen und entgegenkommenden Weise zu regeln. Er hat deshalb sehr gute und ausreichende Räume

im Wohlfahrtsministeriuin zur Verfügung ge­stellt, die auch der Anforderung der Zweckmäßig­keit schon deshalb besonders entsprechen, weil sie eng mit dem Landtag und dem Staatsrat Zusammenhängen, bei dem ja die hauptsächlichsten Aufgaben liegen, die der Staatsgerichtshof dem alten Kabinett zugewiesen hat. Aus rein sach­lichen Gründen ist es aber nicht möglich, das Gebäude des Staatsministeriums, Wilhelmstr. 63 bis 64, zur Verfügung zu stellen. Der Fortgang der Arbeiten im Staatsministerium darf nicht gestört werden. Re.ichsminister Bracht würde es, wie weiter betont wird, überaus bedauern, wenn sich der von ihm hochgeschätzte Ministerpräsident Braun von anderen Persönlichkeiten drängen lassen würde, Prestigegründe in den Vordergrund zu stellen. Einem Verlangen, daß sich aus die Räume des Gebäudes Wilhelmstrahe 63 bis 64 versteift, müßte er aus den angegebenen sach­lichen Gründen mit allen Mitteln entgegentreten.

0er Standpunkt her Reichsregierung.

Auslands bekannt und, wie behauptet wird, be­sonders in Paris an gewisser Stelle recht unbeliebt. Die Ernennung Decks dürfte daher als ein Versuch, die Selbständigkeit der polnischen Außenpolitik in gewissen Fragen Paris gegenüber offensichtlich zu betonen, betrachtet werden.

Freiherr von Leröner in Darmstadt.

WSR. D a r m st a d t, 2. Rov. Wie wir hören, hat sich der Re i ch s v e r t r e te r bei den süd­deutschen Ländern, Freiherr von Lersner, am Dienstag zu einer Besprechung mit der hessischen Regierung in Darmstadt aufgehalten.

trauter des Marschalls Pilsudski, dessen langjähriger Adjutant er früher war.

Der plötzliche Rücktritt des Außenministers Za­leski hat hier allgemein überrascht. Welcher Umstand Zaleski so plötzlich veranlaßt hat, sein Demissionsgesuch einzureichen, und was den Staatspräsidenten bewegt, den Rücktritt dieses für Polen so bewährten Staatsmannes anzuneh­men, ist vorläufig unbekannt. Zaleski selbst gibt in einem Interview, das er der Agentur Iskra gewährt, Gesundheitsrücksichten als Ar- sache für sein Scheiden aus dem Amte an. Wie es heißt, soll aber Zaleski auch weiterhin dazu ausersehen sein, Polen bei den Ratssitzun­gen als erster Delegierter zu vertreten.

Außenminister Deck ist langjähriger engster Mitarbeiter des Marschalls Pilsudski, im In- und

des

Aus der

Verrats wurde im Urteil angegeben, Bullerjahn

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Spannung und die Verzauberung der Spielen­den und Zuschauenden lockert und löst, dort mehr auf die Wendung der Commedia zur Tragödie hin gespielt, wie es dem eigentlichen Wesen des romantischen Skeptikers Pirandello durchaus ent­spricht.

Bühnenbildner Löffler, Beleuchter Keim und Inspizient Wahlen arbeiteten mit Ge­schick und Routine in aller Selbstverständlichkeit wie bei einerwirklichen" Probe und unter­stützten so die Absichten des Dichters und des Spielleiters sinnvoll und sachgerecht.

hätte zu Weihnachten 1924 Gew gebraucht, um sei­ner Geliebten, die im Prozeß übrigens nicht ver­nommen wurde, etwas zu schenken. Der Angeklagte hatte immer wieder seine Unschuld beteuert. Jetzt wurde er nach siebenjähriger Strafverbüßung vor­läufig freigelassen, und die Wiederaufnahme des' Verfahrens angeordnet. Heute beginnt nun in Leipzig der neue Prozeß, das e r st e Wie-

Am 15. Januar 1925 erschienen auf der Abteilung IA des Berliner Polizeipräsidiums zwei Direk­toren der Berlin-Karlsruher Industrie- werke in Wittenau und teilten mit, der Werk-

Im Ensemble stehen sich personaggi und attori, die Personen des Stückes, das gemacht werden soll, und dierichtigen" Schauspieler gegenüber. Die Schauspieler werden vom Direktor komman­diert: ihn gibt Hub mit geflissentlicher Rüch- ternheit, nervös und betriebsam, dabei mit trocke­nem Humor und nicht ohne Ironie: doch hätte auch die andere Seite der Figur, die schon nicht mehr ins Komikerfach gehört, stärker zum Vor­schein kommen dürfen.

Fas sott als Vater: eine von ihrem Schicksal geschlagene und verwirrte Gestalt, erfüllt von ihrer Sendung, sich zu vollenden, eifervoll be­müht, auszusagen, was hiergespielt" werden soll: vielleicht fehlte zur Rundung des Bildes jenes zweideutig Schillernde, das dieser Person anhaf­ten soll, ein wenig Transparenz, die der irdischen Erscheinung ihre phantastische Herkunft und Ent­stehung beglaubigt.

In diesem Sinne echtestes Kind des Dichters: die von Frl. Berger gespielte Stieftochter, von der es heißt, daß sieganz bebend war von Haß und Verachtung": aber auch angespannt von komö­diantischem Temperament und dem leidenschaft­lichen Willen, ihrem Gefühl in großen Aus­brüchen und gesteigerter Rede freien Lauf zu lassen.

Schlicht und sehr menschlich die Mutter: Maria Koch: eine völlig phantastische Erscheinung, die Madame Pace der Frau Schubert-Iüng- l i n g . gut auch, obwohl stimmlich stellenweise et­was übersteigert, Herr Druck als Sohn. Auf der Gegenseite spielten Agathe Walther-Le­derer und Wilhelm Dielen in kurzen Szenen hübsch und pointiert.

Aebrigens lohnt es sich sehr, vor oder nach der Aufführung, das Stück zu lesen: auch der im Programm mitgeteilte Auszug aus der Vorrede Pirandellos zur Buchausgabe ist interessant und aufschlußreich. hth.

Toten,

Die Not Arbeit«r> tag am Gesa

deraufnahmeverfahren des Reichsgerichts während seiner 50jährigen Tätigkeit. Vorsitzender ist der frühere sächsische Justizminister, Senatspräsident Jünger. Mit der Berichterstattung ist Reichs­gerichtsrat Coenders beauftragt worden, der vor sieben Jahren dem ersten Prozeß beiwohnte und bereits damals Zweifel an der Schuld Buller- jahns gehabt haben soll. Der Kampf um die Auf­hebung des Urteils war deshalb besonders schwer, weil die Verhandlung geheim war und allen Be­teiligten Schweigepflicht auferlegt wurde. Allmählich wurden die Umstände, die zur Verurtei­lung geführt hatten, doch bekannt. Es stellte sich heraus, daß ein unbekannter Zeuge Bullerjahn außerordentlich belastet hatte. Es war dies Gene­raldirektor von G o n t a r d der Karlsruher In­dustriewerke, der inzwischen ins Ausland verzogen ist. Gonka rds Name wurde dem Angeklagten nicht genannt, der Zeuge erschien auch nicht vor Gericht, so daß im ersten Prozeß nicht geklärt wurde, was Gontard, der sein Wissen nur vom Hörensagen hatte, eigentlich Belastendes gegen Bullerjahn aussagen konnte. Man hat ihn jetzt zur Vernehmung nach Leipzig aufgefordert.

Aus aller Welt

Starker Reuschnee im Zugspitze-Gebiet.

Im Gebiet der Zugspitze hat seit einigen Ta­gen ausgiebiger Schneefall eingesetzt. Am Allerheiligentag wurden am Zugspitzhaus bei 14 Grad Kälte 70 Zentimeter Reuschnee gemessen. Im Tal liegt bis zu 15 Zentimeter Höhe Schnee. Auch aus Immenstadt, Berchtes­gaden, Hindelang und Oberstdorf liegen Schnee­meldungen vor.

Gronau in Athen gelandet.

Der deutsche Weltflieger Wolfgang von Gro­nau teilte in einem Radiotelegramm seine Lan­dung im Hafen von Athen mit. Gronau will als nächstes Tagesziel Rom anfliegen. Zur Beendigung seines Weltfluges liegt dann noch als letztes schweres Hindernis die Ueberque- rung der Alpen vor ihm, die mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Jahreszeit bei schlechter Wetterlage nicht möglich ist. Die Flieger werden in Rom deshalb besonders sorgfältig Wettermel­dungen einholen.

Do X" in Zürich.

Das FlugschiffDo X" ist aus seinem Flug» von Mannheim nach Zürich über Friedrichshafen erschienen, nachdem es vor fast zwei Jahren, näm- lich am 5. November 1930, feine Bauwerft am Bo­densee verlassen hatte. Das Flugschiff zog über der Stammwerft der Dornier-Metallbauten in Manzell eine große Schleife, wendete sich hierauf der Stadt zu, die es in niedrigem Fluge passierte und kreuzte schließlich auch noch über dem Gelände des Luft­schiffbaues Zeppelin. Dann setzte es seinen Flug in der Richtung nach der Schweiz fort und landete nach einem Rundflug über der Stadt Zürich auf dem Züricher See.

Tonfilm:Das schöne Abenteuer/"

Der Tonfilm, der seit gestern im Lichtspiel­haus läuft, schildert ein fchönes Abenteuer, ein Intermezzo. Wenn man die Entführung der Braut, unmittelbar vor der Hochzeit, überhaupt ein Aben­teuer nennen darf, während die Hochzeitsgäste warten, die Tante in Ohnmacht fällt, der Bräuti­gam nichts zu sagen weiß und sich alles auflöst, was vorher mit viel Mühe und Sorgfalt arrangiert worden war. Allerdings war nicht verwunderlich, daß es fo kam, denn daß die liebenswürdige, zarte und schöne Hälen den dicken, pedantischen und dabei doch übereifrigen Valentin (mit dem vielen Geld) heiraten würde, war von vornherein nicht zu glau­ben. Es kam alles anders, und Hälen heiratete zum Schluß ihren Entführer, den jungen, schneidigen Andrä, der ihr durch Intrigen ferngehalten wurde und später der Großmutter so gut gefiel: In diesem Film ist überhaupt (neben dem Liebespaar) die Oma die Hauptsache. Wenn auch das Thema, um das sich nicht weniger als drei Autoren be­müht haben, keinen Anspruch darauf erhebt, neu zu sein, so ist es doch hier der Ton, der die Musik macht d. h. die Art, wie der Film die Handlung roieöergibt. Reinhold Schünzel führt Regie. Er ließ es an glücklichen Einfällen nicht fehlen. Da war so viel Liebenswürdigkeit, Humor, Lebendig­keit und Tempo im Bild vereinigt, daß man von dem charakteristischen WörtchenEnde" auf der Leinwand etwas überrascht wurde, obwohl sich die beiden gekriegt haben. Man wäre gern noch etwas geblieben.

Die Darstellung darf hervorragend genannt wer­den. In erster Linie ist diesmal Adele S a n d r o ck zu nennen, die sich als Großmutter so prächtig gibt, so voll der Güte, daß man jedermann nachträglich eine solche Oma wünschen möchte. Käthe von Nagy ist eine Braut, wie sie in keinem Katalog einer Spezialfirma für Brautkleider schöner und liebens- werter dargestellt werden könnte. Wolf Albach- Retty ist der verführerische Andrä. Otto Wall­burg stellt den enttäuschten Bräutigam überzeu- gend pedantisch dar und sorgt für die Komik iit ausreichendem Maße. In diesem Film der Star- besetzung begegnet man ferner Käthe Haack, die als Jeantine im Hause der Großmutter waltet. Daß der Film schöne Landschaftsbilder aus dem süd­lichen Frankreich bringt, sei ihm hoch angerechnet. Ein freundliches Schlagermotiv durchzieht das Ganze und unterstützt die Handlung in dezenter Weise. Die Photographie ist sehr gut, die Ton­wiedergabe befriedigend. Man unterhält sich eine Stunde lang ausgezeichnet.

erfolgte die vorläufige Festnahme Bullerjahns. Dezember 1925 wurde er vom 4. Strafsenat Reichsgerichts wegen Landesverrat zu Jahren Zuchthaus verurteilt. Da­war der Fall aber nicht erledigt. Als Motiv

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Lagerverwalter W. Bullerjahn.

Werks durch die 2nterallierte Militär- Kontrollkommifsion, bei i>er verschiedene Waffen gefunden wurden, auf Angaben zurückzu­führen sei, die ein Angestellter des Werks der Kommission gemacht habe. Die Direktoren füg­ten noch hinzu, daß das gesamte Material des Werkssicherheitsdienstes der Polizei zur Verfügung stände, die sich wegen der Auslieferung nur mit einer bestimmten Stelle der Industriewerke in Ver­bindung zu setzen brauche. Am gleichen Tage mel­dete ein Kriminalbeamter, der wegen einer Dieb- stahlfache im Werk zu tun hatte, nur der Ober- lageroerroalter Bullerjahn, der die Verhält- nisfe im Werk genau kenne, käme als Verräter in Betracht.

Am 24. Dezember 1924 und am 5. Januar 1925 war die Militärkontrolle gewesen. Am 10. Februar

Der Schlußakt des Falles Bullerjahn

Oas erste Wiederaufnahmeverfahren vor dem Reichsgericht.