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nr. 259 Kvübaussave
Donnerstag, 5. November 1932
182. Zahrgang
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton ldi-.H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undlürdenAn- zeigenteili.B.Th.Kümmel sämtlich in Biegen.
Oie Durchführung der Reichsreform.
Eine neue Rede des bayerischen Ministerpräsidenten.
München, 2. Rov. (ERB.) Die Auseinandersetzungen, die sich an dieStuttgarterAede des Ministerpräsidenten Dr. Held geinüpft haben. haben dem Ministerpräsidenten Held Veranlassung gegeben, in einer fast zweistündigen Rede vor Pressevertretern den bayerischen Standpunkt zur Frage derReichsresorm und zu den Maßnahmen der R e i ch s r e g i e - r u n g auf diesem Gebiet darzulegen. Der Ministerpräsident betonte, daß die Pressebehauptungen, Bayern sabotiere eine Reichsreform, vollkommen unbegründet seien. Bayern habe zu allererst auf die Reformbedürftigkeit der Weimarer Verfassung hingewiesen. Allerdings habe man dabei in Bayern nicht an Dinge gedacht, die außerhalb des Rechtsstandpunktes liegen.
Bayern bekämpfe jede versassungs- und Reichsreform, die außerhalb des Rechts mit Gewalt durchgeführt werden solle.
Dr. Held betonte, er habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß der Rechts standpunkt auch im modus proccdcndi gewahrt werden müsse. Erst wenn die verfassungsmäßigen Organe, also Reichsrat und Reichstag, sich gegen eine Reform oder gegen einzelne als notwendig erkannte Reformen wenden sollten, wäre es berechtigt, die Frage zu untersuchen, ob über die verfassungsmäßigen Bestimmungen hinweggegangen werden könne. Man habe aber bis jetzt nicht den leisesten Versuch gemacht, die Verfassungsreform an die verfassungsmäßigen Instanzen überhaupt heranzubringen.
Was die Beseitigung des Dualismus Preußen-Reich anlange, so habe sich Bayern dagegen nie gesträubt. Dr. Held erinnerte an seine Stellungnahme auf der Länderkonferenz, bei der er sieben Grundforderungen hierzu aufgestellt habe, davon die, daß den anderen Ländern unter allen Tlmständen zuvor ,
verfassungsmäßige Garantien gegeben werden müßten, daß sie nicht automatisch oder willensmäßig von diesem neuen Reich bedrängt oder in ihrer Selbständigkeit beeinträchtigt werden kennten.
1 Er sei dec Ansicht, daß die Wirkungen des Dualismus Reich-Preußen weit übertrieben würden.
Lieber die Tl n t e r r e d u n g mit dem Reichskanzler im August dieses Jahres sagte der M n'.sterpräsident, der Reichskanzler habe damals erklärt, auf seinem Stuhl habe noch niemals ein Mann gesessen, der so Föderalist sei wie er. Zudem habe der Kanzler ausdrücklich die Zusicherung gegeben, es würde nichts ge- t a n werden, ohne v o r h e r mctBayern und den anderen Ländern in Verbindung zu treten. Während des Münchener Kanzlerbesuches habe Herr v.Papen wegen der knappen Zeit, die ihm zur Verfügung stand^ nur kurz über die Verfassungsreform mit Dr. Held sprechen können. Auch damals sei ausdrücklich zugesichert worden, daß nichts ohne vorherige Verständigung der Länder unternommen werden würde. Die gleiche Zusicherung habe Herr v.Gayl bei seiner Ostmarkenfahrt dem bayri- ; schen Innenminister gegeben. Versprechungen materieller Art dagegen seien nicht erfolgt und Nicht zu erreichen gewesen. 1.
' Was die Rotverordnung vom 20. Julr betreffe, so habe Bayern nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die Befugnisse eines Reichs- kommissars je nach dem Zwecke seiner Einsetzung in der Verfassung festumschrieben seien, iund daß es n i ch t m ö g l i ch sei, daß alle Befugnisse eines Landesmini st ers vom R e i ch s k o m m i s s a r an sich genommen werden und dann durch ihn die Landesregierung, oder ein Land:sminister erseht werde.
Bayern habe mit feiner Klage in Leipzig nicht etwa den preußischen Ministern eine hilfs- stcllung bieten wollen,
sondern es habe für fein eigenes Land und sein eigenes Recht gekämpft. Bayern habe im Leipziger Urteil mit feiner Auf- . fassung in allen wesentlichen Punkten Recht oe-
halten. Bayern habe gehofft, die Reichsregierung würde nun sachlich mit den Ländern beraten, aber sie habe das nicht getan, sondern in rascher und unverständlicher Meise Tatsachen geschaffen, die mit dem Leipziger Urteil nicht vereinbar feien. Auffällig sei, daß die Reichsregierung nicht einmal die eigentliche Begründung des Urteils des Elaatsgerichtshoses abgewartet, sondern schon nach dec nur vorläufigen UrteiIsbegründung ihre Maßnahmen getroffen habe.
Die Reichsregierung habe vollendete Tatsachen geschaffen, indem sie die neuen Reichsminister bestellt und mit der Führung preußischer Ministerien beauftragt, indem sie preußische Ministerien aufgehoben oder mit Reichsministerien vereinigt habe.
Das sei ein Eingriff in die innere Organisation eines Landes, der weder mit föderativen Gedanken, noch mit der überwiegenden Auffassung der Rechtslehrer in Einklang zu bringen sei. Werde Preußens Willensbildung und Willens- Meinung im Reich maßgebend, dann kämen alle anderen Länder in die schwerste Verlegenheit. Denn in der Gleichschaltung R e i ch — Preußen liege eine große Gefahr für die Länder und ihre staatliche Selbständigkeit. Die Zander Minister würden zu willenlosen Werkzeu- ! gen der Reichsregierung gemacht.
Die seelische Not unserer Zeit.
Rede des Reichsmnenministers auf einer Gustav Adolf-Kundgebung.
Berlin, 2. Nov. (WTB.) Die Gustav-Adolf- Vereine der westlichen Vororte Berlins veranstalteten heute abend in Gemeinschaft mit dem Evangelischen Bun? eine große evangelische Kundgebung zur Erinnerung an den 300sten Todestag des großen Schwedenkönigs. Auf dieser Kundgebung hielt Reichsinnenminister Frhr. v. G a y l eine Ansprache, in der er nach eingehender Würdigung der großen Verdienste des Gustav-Adols-Ver- eins um die evangelische Sache unter Hinweis auf die Persönlichkeit des großen Schwedenkönigs betonte, daß Männer die Geschichte machen, die sich rückhaltlos einsetzen für das als richtig erkannte Ziel bis zum Einsatz ihres Lebens. „Das Volk will wissen", fuhr der Minister fort, „daß seine führenden Männer jede Stunde bereit sind, sich persönlich einzusetzen und für die Erreichung ihres Zieles mit dem Leben zu zahlen, wenn dieses Ziel keine Erfüllung persönlichen Ehrgeizes, sondern eine große tragende Ädee von voiiweiter Bedeutung ist. ym Lärm und in der widerlichen Hetze und Verdrehung, die heute in unserem öffentlichen Leben herrschen, tritt diese
Sehnsucht des Volkes nach Männern, die sich tatsächlich einfehen.
scheinbar in den Hintergrund, oft zugunsten volkstümlich redender Demagogen. Dennoch besteht ,ie. Es ist gut, ab und zu eine Stunde in unfern erregten oft von zwecklosem Lärm erfüllten Tagen der Verehrung wahrhafter Helden zu widmen unö dabei Abstand zu gewinnen vom Geschrei des Tages und fick auf das tatsächlich Wesentliche .zu besinnen, was nach höherem Ratschluß das Loben der Völker bestimmt. Alle wirklich großen Führer eines Volkes oder einer Glaubensgemeinicyaft sind Gottes Werk- -euae gewesen, gleichviel, ob sie sich detzen bewußt S n Zr nicht." Ser Minister rrtorte weiter:
IDir tragen wohl von allen Völkern dauernd die schwerste Last, weil für unser deutsches Volk zu den sozialen Gegensätzen, die in aller Welt fühlbar sind, noch die Bürde hinzukommt, die uns die bekenntnismähige Trennung auserlegt.
Ob wir Katholiken oder Protestanten sind, keiner von uns will und soll seine Glaubensüberzeugung aurqeben. Mit der Tatsache der Trennung haben wir dauernd in Deutschland zu rechnen. Aber wir sind und bleiben deswegen doch ein Volk. Uns
verbindet nicht nur das deutsche Blut, die deutsche Sprache und die zwangsläufige Verbundenheit zu einem im mitteleuropäischen Raum stets von allen Seiten angefeindeten Volk, sondern auch das gemeinsame Band christlichen Denkens und Fühlens. Deutschtum und Christentum sind nicht mehr voneinander zu trennen. Wir müssen einen christlichen Staat bilden, wenn wir der seelischen Not unserer Zeit Herr bleiben wollen. In ihm müssen Protestanten und Katholiken sich finden auf gemeinsamer Grundlage und von ihr aus den gemeinsamen Marsch antreten zum Kampf um die Zukunst unseres Volkes, in dem wir uns gemeinsam sagen müssen: „Ich will es vollibring&n oder sterben!"
Jedem Vekenntnisleil das volle Recht und das Seine, aber in der Rot unserer Zeit ein gemeinsames Ziel und ein einheitlicher Wille! Es geht eine tiefe Sehnsucht durch Deutschland, nicht allein nach Besserung der materiellen Lage, sondern fast mehr noch nach einem Leben in lebendigem Glauben. Unsere Jugend schreit nach der Möglichkeit erfolgreichen Dienens an der Allgemeinheit, nach einem inneren Verhältnis zum deutschen Staat. Fördern wir diese lebendigen seelischen Kräfte, helfen wir ihnen zum Durchbruch, jeder in seinem Wirkungskreis, bann, aber nur bann wirb wieder die alte Devise Wahrheit werden: „Gott mit uns!“ Rach dem Reichsinnenminister sprach Hof- und Domprediger D. Doering. Er führte aus. Gustav Adolf habe die Reformation sehr gut verstanden, wenn er für die gottgewollte Einheit von Glauben und Volkstum das Schwert zog.
Reichskanzler von Popen kommt nach Darmstadt.
WSR Darmstadt, 2. Rov. Amtlich wird mitgeteilt: Reichskanzler von Popen hat die Absicht, im Anschluß an seine Besuche m Dres- den Stuttgart. Karlsruhe und nach der Einweihung der Rheinbrücke in Mannheim am 2 0. Rovember auch der hessischen Regierung in Darmstadt einen Besuch abzu
statten.
Zum Telegramm derbaherischenRe- gierung an den Reichspräsidenten erklärte Ministerpräsident Dr. Held, es sei der bayerischen Regierung zu einem anderen Weg keine Zeit mehr geblieben. Er verwahre sich und die bayerische Regierung dagegen, daß sie mit ihrem Telegramm an den Reichspräsidenten nach Form oder Inhalt etwas Tlnehrerbietiges unternommen hätten. Er habe auch kein unsachliches Wort gesprochen, wohl aber scharf sachlich kritisiert. „Wir sind in höchster Lebensnot, denn es ist nicht Reichsreform, was gemacht worden ist, und wenn es auch hundertmal bestritten wird."
Bayern sei für eine Reichsreform, aber nicht mit Artikel 48.
Run heiße es, die Reichsregierung werde mit Bayern nicht mehr verkehren. Derartige Drohungen seien sehr töricht und politisch nicht ungefährlich. Er seinerseits sei bereit, sich auch heute jederzeit mit dem Reichskanzler von P a p e n ruhig und sachlich auseinanderzusetzen.
Der Ministerpräsident schloß seine Ausführungen mit der Versicherung, wenn beim Reich genau derselbe gute Wille vorhanden sei, wie bei Bayern, dann sei auch heute die Möglichkeit noch nicht ausgeschlossen, daß es zu einer Verständigung unter den von Bayern umschriebenen Voraussetzungen kommen könne.
Eine amtliche bayerische Erklärung.
München, 2. Rov. (TTl.) Zu den Meldungen über die Aufnahme der Stuttgarter Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held in Berlin veröffentlicht die „Münchener Zeitung" folgende Erklärung von maßgebender bayerischer Steile:
„Ministerpräsident Dr. Held hat in Stuttgart noch einmal gewarnt und ernste Kritik an den letzten Maßnahmen der Reichsregierung geübt. Dabei hat ihm keinerlei Animosität gegen die Person des Reichskanzlers von Popen oder gegen irgendein Mitglied der Reichsregierung geleitet. Sein Widerspruch entspringt ausschließlich der tiefen, sachlichen Gegnerschaft gegen die letzten Maßnahmen der Reichsregierung, die man nicht mehr als föderalistisch, sondern als rein zentralistisch-unitaristisch ansehen muß. Die Erbitterung darüber ist am größten in Bayern, weil das ganze Vorgehen der Reichsregierung in schroffstem Gegensatz zu den Versprechungen steht, die Bayern gerade bei den letzten Besuchen des Reichskanzlers v. P a p e n und des Reichsinnenministers von G a y l erhalten hat, und das Mißtrauen ist um so größer, als
man die Empfindung hat, die Reichsregierung lasse sich bei ihren letzten Aktionen von Kräften treiben, die zwar nicht sichtbar sind, deren Wirkung aber um so verhängnisvoller nicht bloß für Bayern, sondern für das ganze Deutsche Reich ist. Bayern und sein Ministerpräsident stehen im übrigen in ihrer scharfen Ablehnung des jetzigen Vorgehens der Reichsregierung in der ganz gleichen Linie wie Württemberg und Bade n."
Oie Stellungnahme des Reichskabinetts.
Berlin, 2. Nov. (TU.) Die von amtlicher bayerischer Seite stammende Erklärung über die Stuttgarter Rede des bayerischen Ministerpräsidenten ist in Berlin zur Kenntnis genommen mor= den. Von zuständiger Stelle wird erklärt, daß sich in der amtlichen bayerischen Auslassung ein Satz befinde, der nicht den Tatsachen entspreche, nämlich die Behauptung, daß das Vorgehen der Reichsregierung im Falle Preußen im schroffsten Gegensatz zu den V e r s p r e ch e n stehe, die dem bayerischen Ministerpräsidenten Held sowohl durch den Reichskanzler, als auch durch den Reichsinnenminister gemacht worden seien. Die Maßnahmen der Reichsregierung, so wird in Berlin erklärt, bewegten sich ausschließlich im Rahmen des Leipziger Urteils.
Die vorgestrige Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, die sehr scharfe Angriffe gegen die Reichsregierung enthielt, hat in Kreisen der Reichsregierung außerordentlich d e r ft i m m t. Es bestätigt sich, daß die Reichs- regierung den politischen Verkehr mit München stark einschränken wird, solange sich Dr. Held nicht entschuldigt. Es ist nicht anzunehmen' daß der politische Beauftragte der Reichsregierung für die süddeutschen Länder, von L e r s n e r , noch besondere Instruktionen für Bayern erhält.
Ordnungsmäßige gesetzliche Erledigung.
Berlin, 2. Nov. (CNB) Zur Frage der Reichsrefvrm wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß über die Behandlung der Re ichs- reformpläne selbstverständlich keine endgültige Entscheidung im Kabinett gefällt werden wird, ehe nicht ^die Länder- regierungen mit dem großen Fragenkomplex befaßt worden sind. Nachdem im Anschluß | b a r a n die Entscheidung des K a b i n e t t s getroffen sein wird, wird eine ordnungsmäßige gesetzliche Erledigung des ganzen Pro- I blems erfolgen.
Nie Kontingentierung bleibt.
Berlin, 2. Rov. (VDZ.) Von der deutsch- nationalen Fraktion des Preußischen Landtags wird mitgeteilt, daß unter Führung des Frak- tionsvorsihenden Dr. v. W i n t e r s e l d am Mittwoch Vertreter der Fraktion einer Einladung des Reichskanzlers gefolgt waren. Die deutschnationalen Abgeordneten trugen dem Reichskanzler nochmals die dringendsten Forderungen zur Sanierung der Landwirtschaft vor. 3n erster Linie wurde gefordert, die autonomen Kontingente nunmehr sofort in ausreichender Höhe und unter Einbeziehung aller schutzbedürftigen Agrarprodukte durchzuführen. Der Reichskanzler sagte zu, daß das Kabinett nach Rückkehr der Kommission aus Dänemark schon am Donnerstag die Kontingentierung, an der unbedingt fest- gehalten werde, beschließen werde. Der Reichskanzler wies dabei auf seine früheren Reden hin. Er sagte ferner Maßnahmen zur Lastensen- k u n g zu.
Oie Neuordnung des deutschen Rundfunks.
Berlin, 2. Rov. (WTB.) Die Reuordnung des deutschen Rundfunks wird in organisatorischer Hinsicht binnen kurzem vollständig durchgeführt sein. Am 8. Rovember werden in den Deichsratsausschüssen, die betreffenden Entwürfe ihre abschließende Erörterung finden. Der Aufbau des Rundfunks wird nach Grundsätzen durchgeführt, die u. a. besagen:
Die Rundfunkgesellschaften stellen ihr Programm selbständig unter eigener Verantwortung im Rahmen der Richtlinien für die Programmgestaltung auf.
Grundsätzliche Programmfragen und solche des Programmaustausches werden von der Reichs- rundfunkgeseklschaft bearbeitet.
Als beratende Organe für den Programmdienst wirken Programmbeiräte mit.
Die Richtlinien für den Pvogrammdienst verpflichten den Rundfunk zur Aufbauarbeit an Volk und Staat, die frei von Parteieinflüssen und bureaukratischem Zwang sein soll.
Alle im Rundfunk tätigen Gesellschaften erhalten die Form der G. m. b. H. Die Anteile an der Reichsrundfunkgesellschaft liegen zu 51 v. H. in Händen der Deutschen Reichspost, zu 49 v. H. bei den Ländern, in deren Gebiet sich Sender befinden. An den Sendegesellschaften sind zu 51 v. H. die Reichsrundfunkgesellschaft, zu 49 v. H. die im Sendebezirk liegenden Länder nach einem bestimmten Schlüssel beteiligt.
An der Ausübung der Staatsaufsicht sind das Reich (Rundfunkkommissar des Reichspostministers für Verwaltung und Technik, Rundfunkkommissar des Reichsministers des Innern für Programmdienst) und die Länder beteiligt.
Die Befugnisse der Kommissare umfassen Fragen der Personalpolitik und des Programmdienstes.
Die Kommissare können einzelne Darbietungen aus politischen Gründen verbieten oder von Aen- derungen abhängig machen.
Streik des Verkehrspersonals in Berlin.
Berlin, 3. Roo. (WTB. Funkspruch.) Das gesamte Personal der Berliner Veckehrsge- s c 11 s ch a f t ist heute früh in den Streik getreten, so daß ganz unerwartet weder Straßenbahn, noch Untergrundbahn und Autobus verkehren. Bis zur Stunde ist der Streik restlos durchgeführt worden. Einzelne Arbeitswillige versuchten, auf einzelnen Linien den Straßenbahnverkehr in Gang zu bringen; doch mußten sie wieder umkehren, da die Wagen von Streikenden demoliert und die Fensterscheiben durch Steinwürfe zertrümmert wurden. 3n der Berliner Allee in Weißensee wurde ein in das Depot fahrender Straßenbahnwagen der Linie 60 E von etwa acht Nationalsozialisten durch Stein- würfe beschädigt. Zwei den Wagen begleitende Polizeibeamte konnten zwei der Täter festnehmen, die dem Polizeipräsidium zugeführt wurden, vor den einzelnen Straßenbahndepots sind zahlreiche Streikposten aufgestellt.
Geht Minister Leuschner nach Genf?
WER. D a r m st a d t, 2. Rov. Das „Berliner Tageblatt" schreibt unter der Tieberschrift „Veränderungen im Internationalen Arbeitsamt" u. a.:
Wie verlautet, stehen in der deuts ch e n Ve r - tretung beim Internationalen Arbeitsamt in Genf Veränderungen bevor. Der bisherige Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerttchastsbundes Hermann Muller lLich- tenberg; wird aus gesundheitlichen Rücksichten mit dem Frühjahr des nächsten Jahres aus feinem 2lmt ausscheiden. Als Rachfolger werden genannt u <l Professor Hendrik de Man in Frankfurt am Main und der derzeitige hessische Minister des Innern Leuschner."
Wie WER. hört, trifft es zu, daß der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund schon vor einiger Zeit mit einer solchen Anfrage an Minister Leuschner herangetreten ist. Selbstverständlich müsse eine solche Anfrage einen Mann wie Minister Leuschner, der mit den Gewerkschaften eng verbunden sei, außerordentlich interessieren, denn es handle sich bei der Vertretung in Genf um eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Sozialpolitik. Minister L e u s ch n e r hat jedoch eine Entscheidung noch nicht getroffen.


