Ausgabe 
3.10.1932 Erstes Blatt
 
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Montag, 3. Oktober 1951

182. Jahrgang

Nr. 232 Erstes Statt

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Umvers«lüt§-Vuch- und Zleindruckeret R. Lange in Eiehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

Was geschieht mit der Mandschurei?

Die Vorschläge des Völkerbunds-Ausschusses werden veröffentlicht.

Der Lytton-Bericht.

Autonomie der Mandschurei aber unter der Souveränität Chinas.

Genf, 2.Oft. (TU. Funkspruch.) Der Bericht des vom Völkerbund zur Prüfung der Man- dschureifratze entsandten diplomatischen Untersu­chungsausschusses, der nach dem Vorsitzenden be­nannten Lytton-Bericht, ist am Sonntag vom Dölkerbundssefretariat sowie gleichzeitig in Tokio und Banking veröffentlicht worden. Der Bericht, der vor der Anerkennung der Mandschurei durch Japan abge­schlossen worden ist, umfaßt 160 Seiten und ist in zehn Kapiteln gegliedert.

Dom 9. Kapitel an enthält er die allgemeinen Grundsätze und Empfehlungen für die Regelung der mandschurischen Frage, und zwar:

1. Japan und China haben ein Recht, gleiche Behandlung vom Völkerbund zu verlangen. Eine Lösung, die nur für einen Teil vorteilhaft wäre, würde nicht der Sache des Friedens dienen.

2. Die Wiederherstellung des Friedens zwischen den beiden Ländern muh den Interessen Sowjetruhlands Rechnung tragen.

3. Jede Lösung muh in Uebereinftimmung mit den Bestimmungen des Völkerbundes, des ttelloggpaktes und des Wa­shingtoner N e u n m ä ch t e - P a k t e s stehen.

4. Die Rechte und Interessen Japans in der Mandschurei sind nicht abzuleugnende Tat­sachen; eine Lösung, die diese Interessen ver­kennt, ist nicht befriedigend.

5. Eine neue Auslegung der Rechte, In­teressen und gegenseitigen Verantwortlichkeit der beiden Länder in der Mandschurei a u f dem Wege gegenseitiger Ueber­einftimmung ist wünschenswert.

6. Es müssen Bestimmungen für eine s o - farbige Regelung der Streit­punkte zweiter Ordnung geschaffen werden.

7. Die Regierung der Mandschurei muh in einer Weise abgeändert werden, die in Uebereinftimmung mit der Souveränität und der aermat- tungsmähigen Unantastbarkeit Chinas steht, wobei weitgehende A u t o n o - rniemahnahmenzur Berücksichtigung der lokalen Bedingungen und der besonderen Lage der drei Provinzen zu schaffen sind.

8. Die innere Ordnung muh durch eine totale Polizeitruppe aufrechterhalten werden. Die Sicherheit gegen einen äußeren Angriff muh auf der Zurückziehung sämtlicher Armeen außer der Polizei beruhen sowie auf dem Beschluh eines Nicht­angriffspaktes zwischen den interessier­ten Staaten.

9. Cin neuer Handelsvertrag zwi­schen Japan und China ist wünschens­wert.

10. Die Aufrechterhaltung des Friedens im Fer­nen Osten ist eine Frage internationalen In­teresses und erfordert eine zeitweilige inter­nationale Zusammenarbeit für die innere Wie­derherstellung Chinas.

Das Schlußkapitel 10 enthält die folgenden prak­tischen Vorschläge an den Völkerbundsrat zur Herbeiführung einer Endlösung: Der Völker­bundsrat lädt die japanische und die chinesische Re­gierung ein, auf der Grundlage der Empfehlungen des Ausschusses zu verhandeln. Falls diese Einla­dung angenommen wird, soll eine beratende Konferenz so schnell wie möglich einberufen werden, um ein besonderes Regime für d i e Verwaltung der drei Ost provin- z e n zu schaffen. Diese Konferenz soll aus Ver­tretern der japanischen und chinesl- schen Regierung und zwei Abordnungen der Vertreter der Bevölkerung zusammengesetzt werden. Im Streitfall entscheidet der V ö l k e r b u n d s r a t. Außerhalb dieser Konferenz verhandeln die chine­sische und die japanische Regierung unmittel- bta r miteinander. Der Ausschuß schlägt sodann vor, daß als Ergebnis dieser Gesamtoerhandlungen fol­gende vier getrennte Rechtsabkommen abgeschlossen werden:

1. Eine Erklärung der chinesischen Regierung über die Schaffung einer Sonderver- waf.ung für die drei Oftprooin- 3 e n auf Grund von Vorschlägen der Kon­ferenz;

2. ein japanisch-chinesisches Abkommen über die Interessen Japans;

Z. ein japanisch - chinesisches Abkommen über gegenseitige Hilfsmaßnahmen, Nichtangriff, Schiedsgerichtsbarkeit und Ver­gleichsverfahren;

4. ein .japanisch-chinesischer Handels» er- trag.

Vor dem Zusammentritt der beratenden Konferenz sollen die großen Linien der Verwaltung dieser Ge­biete Gegenstand eines Abkommens zwischen den beiden Regierungen unter Mitwirkung des Völker­bundsrates sein. Der Lytton-Ausschuß schließt seinen umfangreichen Bericht an den Dölkerbundsrat mit der Erklärung, das wesentliche Ziel müsse jetzt der so­fortige Beginn der Verhandlungen zur Wiederher­stellung des Vertrauens fein.

Oie Bandenkämpfe in der Mandschurei.

M u k d e n, 2. Oft. (TU.) Chinesische Frei­schärler haben Samstagabend einen neuen An­griff auf Tsitsikar unternommen. Es ist den Freischärlern nicht gelungen, in die Stadt einzudringen. In der Äähe von Tsitsikar wurde dersibirischeExpreßzug.der nach Wla­diwostok unterwegs war, von chinesischen Aufständischen angehalten. Die Zug­wache wurde entwaffnet und die Fahrgäste ausgeraubt. Der Zug ist noch nicht in Char- bin eingetroffen, so daft man insbesondere für die japanischen Fahrgäste die schlimmsten Be­fürchtungen hat. Rach einem bei der Der- waltung der ostchinesischen Eisenbahn eingegan­genen Telegramm haben die Eisenbahn-Wachen gemeutert, in Mandschuli 68 dort ansässige Japaner getötet und das japanische Konsulat beseht. Das Schicksal des Konsuls und des übrigen Konsulatspersonals ist noch unbe­kannt.

Oer Völkerbund in größter Verlegenheit.

Wte kann ein Austritt Japans vermieden werden?

Genf, 2. Ott. (TU. Funkspruch.) Der Lytton- Bericht bildet den Gegenstand eingehender Pru- ung der zuständigen Stellen der Ratsmächte. Uebereinstimmend geht die allgemeine Auffassung dahin, daß der Bericht ausdrücklich die Sou­veränität Chinas für die Mandschu­

rei anerkennt und lediglich Verhandlungen zwischen Japan und China zur Schaffung einer weitgehenden Autonom ie der drei Ostprovrn- zen vorschlägt. Der Lyttonbericht steht ferner tm schroffen Gegensatz zu der japanischen Auffassung, daß die Trennung der Mandschurei von China freiwillig war, da ausdrücklich festgestellt wird, daß die chinesischeDevölkerunginder Mandschurei die mandschurische Re­gierung ablchnt. Ebenso wird der Begrün­dung des japanischen Vorgehens in der Mand­schurei mit der Bekämpfung des Bandenwesens der Boden entzogen.

In seiner gesamten Stellungnahme ist der Be­richt insofern bereits durch die Tatsachen überholt, als die japanische Regierung kurz nach der Unterzeichnung des Lytton-Berichtes die Mandschurei als souveränen Staat an­erkannt und daniit den Völkerbund, die inter­essierten Großmächte und China vor eine vol- lendeteTatsachegestellt hat. Rach Auf­fassung aller interessierten Kreise würde eine A n- nähme des Lyttonberichts durch den Völker­bundsrat unweigerlich zum Austritt Ja­pans aus dem Völkerbund führen. Es zeigt sich jedoch in den leitenden englischen und französischen Kreisen nach wie vor das eifrige Bestreben, diesen Austritt mit allen Mitteln zu vermeiden. Man nimmt daher an, daß die unmittelbar interessierten Großmächte England, Frankreich und Italien sowie die Vereinigten Staaten diplomatische Schritte tun werden, um Verhandlungen mit der japanischen und chinesi­schen Regierung übereinen neuen modus vivendi her^izuführen, der jedoch nach der ge­genwärtigen Lage nur auf der Grundlage der Anerkennung des mandschuri- schenStaates gefunden werden könnte.

Es kann angenommen werden, daß die beut» sche Regierung in den bevorstehenden außer­ordentlich heiklen und schwierigen Verhandlungen des Völkerbundsrates über die mandschurische I Frage die bisherige neutrale Stellung­nahme weiter aufrechterhalten wird.

Oie Organisation der Fugendertüchtigung.

Keinerlei Zwang auf die Jugendverbände.

Berlin, 1. Oft. (TU.) Gegenüber einigen irri­gen Gerüchten, die über das Reichskuratorium für Jugendertüchtigung im Umlauf sind, wird vom Reich srnini st er des Innern mitgeteilt:

Eine Ernennung von Mitgliedern des Kura­toriums ist bisher noch nicht erfolgt. Die Er- .wägungen über den Kreis der zu berufenden Per­sonen, der selbstverständlich, wenn gedeihliche Ar­beit geleistet werden soll, zahlenmäßig begrenzt sein muh, sind jedoch abgeschlossen, sodaß etwa s ü r M i 11 e 0 k t o b e r mit der Bildung des Ku­ratoriums zu rechnen ist* Vorher soll vor allem noch eine Besprechung mit denLand e s - regierungen stattfinÄn, auf deren Mitarbeit besonderer Wert gelegt wird. Die Auswirkung des Erlasses des Herrn Reichspräsidenten vom 13. September 1932, mit dem das Reichskuratori­um für Jugendertüchtigung berufen wurde, ist sehr erfreulich gewesen; denn es haben sich za hl- reiche große und kleine Verbände zur Mitarbeit und zur Beschickung der geländesportlichen Lehrgänge bereiterklärt. ... , . w

Es ist schon aus diesem Grunde keinerlei Anlaß vorhanden, aber auch nie beabsichtigt gewesen, irgendwelchen Zwang auf die Verbände zur Beteiligung an den Aufgaben des Reichs­kuratoriums für Jugendertüchtigung auszuüben. Cs wird vielmehr besonderer Wert darauf gelegt, daß diese Mitarbeit völlig freiwillig ist. Jedem Verband steht es frei, ob und wann er sich an der Arbeit des Reichskuratoriums beteili­gen will. Ebenso wird nochmals ausdrücklich be­tont, daß durch diese Mitarbeit in keiner Weise das Eigenleben der Bünde und Verbände irgendwie beeinträchtigt werden soll. Durch das Reichskuratorium sollen lediglich den Vereinigungen, welche den Gelände­sport betreiben, einheitliche Richtlinien für die körperliche Ausbildung gegeben werden. Gleichzeitig sollen zur Erleichterung der Durch­führung des Geländesports innerhalb der Ver­bände aus deren Reihen gestellte Teilnehmer aus Geländesportschulen in mehrwöchi­gen Kursen in der Lehrtätigkeit geschult wer­den. Daß es sich bei dem Geländesport nicht um eine militärische Ausbildung handelt, hat bereits der Herr Reichskanzler gesagt."

Tagung des Ringes deutscher Flieger.

Die Veranstaltungen des Ringes deut­scher Flieger zur Erinnerung an die 20- jährige Wiederkehr des Gründungstages der deutschen Fliegergruppe begannen dieser Tage in Berlin mit einer Generalversammlung. Der bis­herige Vorsitzende Wilamowitz - Moellen- dorsf legte sein Amt nieder. An seine Stelle tritt Generalleutnant a. D. Otto v. Stülp- naget Der Reichspräsident von Hinden­burg hat anläßlich der Erinnerungsfeier an den Vorsitzenden des Ringes deutscher Flieger, von W i - lamowitz - Moellendors folgendes Tele­gramm gerichtet: In dankbarem Gedenken an die großen Leistungen der deutschen Fliegertruppe im Weltkrieg und ehrfürchtiger Erinnerung an die ge­fallenen deutschen Flieger nehme ich an Ihrer Feier aufrichtigen Anteil. Ich danke Ihnen für Ihre gu­ten Wünsche für mich und Ihre Grüße, die ich in alter treuer Kameradschaft herzlich erwidere. Gez. von Hindenburg, Reichspräsident."

Bei der vom Ring deutscher Flieger veran­stalteten Gedenkfeier konnte der seitherige erste Vorsitzende des Dings, Hauptmann a. D. von W i l l a m o w i tz - M o e l l e n ü o r f, Vertreter des Reichsheeres und der zivilen, an der Luftfahrt interessierten Behörden, Vertreter ausländischer Mächte, befreundeter Organisationen und sämt­licher Luftfahrtorganisationen begrüßen. Er er­innerte an die Leistungen der deutschen Flieger­truppe, gedachte der im Weltkrieg und im fried­lichen Ringen uiN die Eroberung der Lust Ge­fallenen und gab der Hoftnung Ausdruck, daß die deutsche Ration beim Ausbau der Zukunft auch die Fliegerei nicht vergessen werde. Als Fest­redner gab der älteste, noch im Reichswehr stehende Fliegeroffizier, Festungskommandant Oberst W r l» berg, ein Bild von der Entwicklung dieser ne­ben Heer und QHartne selbständig gewordenen Waffe. Bei der Schilderung gedachte er des besten deutschen Kampffliegers Oswald Dve lcke. Zum Schluß stellte Oberst Wilberg die Zerschlagung der deutschen Luftwaffe durch das Versailler Dik­tat dar. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß in den schwebenden und kommenden internationa­len Verhandlungen entweder die Abrüstung der Anderen durchgeseht werde, oder daß, wenn dies nicht gelinge, Die deutsche Fliegerei neu erstehen müsse, aufgebaut auf der Tradition der alten Heeresslieger. Das Deutschlandlied und der Zap­fenstreich mit anschließendem Gebet beendeten die Feier.

.Keine Landtagsauflösung in Braunschweig.

Der Braunschweigische Landtag hat den nationalsozialistischen Dringlichkeitsantrag auf Auflösung des Braunschweigischen Landtages gegen 13 nationalsozialistische, bürgerliche und kom­munistische stimmen mit 15 sozialdemokratischen bei 4 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die verfassungs» mäßige Zweidrittelmehrheit pnr sticht kkNiA

AalionalsozialiMcher Reichsjugendtag.

Hitler spricht vor der Jugend.

Potsdam, 2. Olt. (TU.) Seit Samstag­mittag steht Potsdam im Zeichen eines Massen­aufmarsches zum 1. nationalsozialisti­schen Reichsjugendtag. Die Mehrzahl der Teilnehmer findet ihre Unterkunft in einer regelrechten Zeltstadt, die von Berliner SS.- Leuten errichtet worden ist und die rund 45 000 Teilnehmern Unterkunft bietet. Für die übrigen sind Uebernachtungsmöglichkeiten in mehreren Fabrikgebäuden geschaffen.

Der Reichsjugendführer der RSDAP., B a l - durv. Schirach, hob in einer Pressebesprechung hervor, daß das Potsdamer Reichsjugendtreffen mit Parteipolitik und erst recht mit Wahlagita­tion nichts zu tun habe. Es habe die Jügend- verbände der Partei zu dieser Kundgebung auf- gerufen, um die Jungen und Mädel ein großes Gemeinschaftserlebnis als Dank für ihre unermüdliche und aufopfernde Arbeit zu be­scheren. Der Aufmarsch werde die überragende Stellung der nationalsozialistischen Jugendver- bände innerhalb der deutschen Jugend klar zum Ausdruck bringen.

Zu der Massenkundgebung am Samstagabend setzte schon am frühen Rachmittag ein so ge­waltiger Zustrom ein, daß das Stadion, in dem sich mehr als 50 000 Personen eingefunden hatten, bald polizeilich gesperrt werden mußte. Rach Begrüßungsworten des Reichsjugendführers nahm

Adolf Hitler

uon minutenlangen fieUrufen begrüßt, das Wort und führte u. a. aus:Es war früher jur tue Ju­gend vielleicht die Zeit insofern schöner, als sie ihr mehr am Leben bieten konnte, aber ärmer vielleicht insofern, als sie dicje Jugend nicht schon in so rühen Jahren einführte in das Leben und das Schicksal des eigenen Volkstums. Die Not und das Elend, das heute über dem Volke liegt, ist her- uorqerufen dadurch, daß sich das deutsche Volk in einer hi st arischen Stunde selb st ver­gaß daß es uneinig,wurde und damit auch Macht und Recht verlor. Wenn wir heute von Versuchen sprechen, die deutsche Not zu beheben, so wissen wir, daß sie ausgehen müssen von dem Volke selbst, das wieder lernen muß, sich als Volk zu fühlen und als Volk zu handeln. Wir werden es nicht ler­nen in den Generationen, die vergehen, sondern die Generation muß es lernen, die heute kommt. Das ist die große Aufgabe, die sich unsere Bewegung gesetzt hat. Ein solcher Kamps kann nicht früh genug beginnen, eine solche Erziehung nicht früh genug einsetzen. Die anderen mögen spotten und lachen über unsere Jugend, ihr seid einmal Deutschlands Zukunft. Niemals, so rief Hitler unter stärkstem Beifall aus, niemals, mein deutscher Junge, beuge vor dem Unrecht dein kleines Haupt. Sei stolz und trutzig, füge dich nicht, wenn dich andere zu einem

Unrecht zwingen wollen! Verlasse nie dein Volk und bleibe ihm am treuesten dann, wenn es in größter Not und Gefahr ist. Wir glauben, so schloß Hitler, auf dem richtigen Wege zu sein, und fühlen uns in diesem Glauben auf diesem Reichsjugendtag unter dem Hakenkreuz gestärkt. Für eure alten Tage wer­det ihr einst in der Erinnerung den Lohn haben, den euch heute niemand geben kann. Hitler schloß unter stärkstem Beifall mit dem RufeDeutschland erwache!"

90 000 Jugendliche als Teilnehmer.

Rach Angaben der Aufmarschleitung waren bis Sonntagsrüh über 90 000 Angehörige der nationalsozialistischen Jugendorganisationen, d. h. der Hitlerjugend, des Jungvolkes, des Bundes deutscher Mädel, des Schülerbundes usw. in Pots- dam eingetroffen. In dem großen Feldlager setzte nach dem Wecken um 5 Uhr am Sonntagmorgen bald ein reges Leben ein. Rach demKaffeefassen" begann für Teile der Hitlerjugend und des Jung­volkes der Abmarsch zur Schühenwiese, wo die Weihe neuer Dannfahnen erfolgte. Gleichzeitig fand im Stadion eine Weihe - stunde des Bundes deutscher Mä­dels statt. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach dankte den Jüngmädchen im Ra­inen des Führers für die unermüdliche Arbeit und die selbstlose Tätigkeit im Dienste der national­sozialistischen Bewegung. Don 9 Ahr ab setzte dann aus allen Lagern und Unterkünften der Ab­marsch durch die dicht besetzten Straßen Pots­dams zu dem am Ufer des Templiner Sees gele­genen Stadion ein. Der Weg führte auch an der Garnisonkirche vorbei, wo sich die Banner vor dem Eingang zur Gruft Friedrichs desGro- ß e n senkten. Kurz nach 11 Uhr traf die erste Abteilung im überfüllten Stadion ein, in dessen Mitte die Mädchengruppe Aufstellung genommen hatte, und eröffnete den von sonnigem Wetter begünstigten

Vorbeimarsch vor Hitler, der mehr als sechs Stunden in Anspruch nahm und um 17.30 Uhr endete. Als letzte marschierte eine größere Abteilung SS. i-m Paradeschritt an dem Führer vorbei, der dann unter begeisterten Hcilrufen das Stadion verließ. Der erste natio­nalsozialistische Reichsjugendtag hatte damit fern Ende gefunden. , _ , ,

Gegen 20 Uhr trafen die letzten Kolonnen nach ihrein Rückmarsch durch die stark belebten Straßen Potsdams mit klingendem Spiel und Gesang wie­der in ihren Quartieren ein. Dank bester Orga­nisation hat sich der gesamte Massenaufmarsch, der im Hinblick auf die Jugendlichkeit der Teil­nehmer zahlreiche Gefahrenquellen in sich barg, sowohl am Samstag, wie am Sonntag ohne Un­fälle oder Störungen von Belang vollzogen.