gen fein, den Reichspräsidenten in der Ausübung seiner regierungsbildenden Funktionen einzu- schränken, und ganz töricht sei es, gar von einer Aktion gegen den Reichspräsidenten zu sprechen. Es sei eine durchaus weise Einrichtung, daß der Reichspräsident, der sein Mandat aus den Händen des Volkes habe, darauf Bedacht nehmen müsse, Regierungen zu berufen, die ebenfalls im Einklang mit dem Volkswillen stünden. Es sei ein Verhängnis, Derfassungsreformen auf bestimmte Persönlichkeiten zuzuschneiden, die vergänglich seien.
♦
Der Reichspräsident wird am 8. oder 9. d. M. nach Berlin zurückkehren. Dann wird alsbald das Reichstagspräsidium vom Reichspräsidenten empfangen werden. Bei dieser Gelegenheit wird voraussichtlich eine Aussprache über die innerpolitische Lage stattfinden. Erst von deren Ergebnis werden die Rationalsozialisten ihr weiteres Verhalten abhängig machen. Vorher werden keine bindenden Abmachungen zwischen RSDAP. und Zentrum getroffen werden und vorher will auch der Reichstagspräsident Goring den Reichstag nicht einbe- iu f en.
Oer AOGV.zum Wirtschasts- programm derReichsregierung
Berlin, 2. Sept. (TU.) Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes befaßte sich mit den in der Rede des Reichskanzlers von Papen am 28. August angekündigten wirtschaftspolitischen Plänen der Reichsregierung. Einmütigkeit bestand darin, daß diese Pläne die Gewerkschaften zu schärfster Abwehr herausfordern müssen. Entscheidend bekämpfen die Gewerkschaften vor allem die mit den Plänen der Reichsregierung verbundene Absicht, den Tariflohn nach erfolgten Neueinstellungen von Arbeitskräften für alle Betriebsangehörigen zu senken. Durch die Lohnkürzungen der letzten Jahre ist das Einkommen der Arbeiter und Arbeiterinnen bereits weit unter dem Betrag gesunken, der zur Erreichung der notdürftigsten Existenz unentbehrlich ist. Weitere Lohnsenkungen würden eine unerträgliche Verschärfung der sozialen Bedrängnis der arbeitenden Bevölkerung sowie eine weitere Schrumpfung der Kaufkraft der breiten Konsumentenmassen und damit gesteigerte Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Die beabsichtigte Kürzung der Löhne steht auch im Widerspruch zu der vom Reichskanzler in seiner Rede in Münster abgegebenen Erklärung, daß es der Sinn des Regierungsprogramms sei, der De- f l a t i o n 5 p o I i t i f ein Ende zu machen, lieber- dies ist der Bundesvorstand der Ansicht, daß das von der Reichsregierung veröffentlichte Ziel, einen Anreiz zur Neueinstellung von Arbeitern zu geben, auch erreicht würde, wenn es bei der im Plan der Reichsregierung vorgesehenen Zahlung der Prämie von 400 Mark für jeden neu eingestellten Arbeiter sein Bewenden hätte. Im Rahmen des Gesamtplanes der Reichsregierung kann auf die Kürzung der Löhne verzichtet werden, wenn die Reichsregierung der Mahnung des Reichspräsidenten, sie möge darauf allsten, „daß die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleibe", gerecht werden will. Der Zweck, Arbeitslose in Arbeit zu bringen, würde gefördert werden, wenn die in Aussicht genommene Steuerrücker st attung ausschließlich auf solche Betriebe beschränkt bleibe, die durch Einstellung von Arbeitskräften bei der Üeberminbung der Arbeitslosigkeit mitwirken Dadurch würden von den vorgesehenen 1,5 Milliarden Mark erhebliche Beträge frei werden, die zur Arbeitsbeschaffung im Sinne der bekannten Forderungen der Gewerkschaften Verwendung finden könnten.
Oer Strich neben Evelgönne.
Von Martha von Zobeltih.
Max kam gegen Abend nach Hause und fand wie gewöhnlich einen Zettel auf dem Fernsprecher angespießt: „Jetzt gehe ich in die Stadt eintaufen und bringe kaltes Abendbrot mit. S." „S." bedeutete Susi und war der Name der ihm zugehörigen Herzensfreude.
Es war Max schon immer ein Rätsel gewesen, was Frauen täglich zu besorgen haben. Das riß anscheinend nie ab. Ein Mann hatte auch Besorgungen, gewiß. Beispielsweise brauchte er, Max, einen neuen Anzug. Aber dazu lief er nicht ein halbes Dutzend Läden ab, er rief einfach bei Herrn Ewald, feinem Schneider, an und bestellte Muster. So machte man das, man hob den Hörer ab und sagte einfach — fagte einfach: Donnerwetter wie hieß doch das neue Amt? Buch, wo ist das Buch? Gleich — gleich — gleich! Ebfen, Eifolt, Eifemann, Ettifch. Jetzt kommt gleich Ewald — ach, ist schon abgestrichen; nee, der Strich ist bei Evelgönne, Ingenieur. Komischer Name. Wozu streicht aber Susi Evelgönne, Ingenieur, an? Hm, hm, hm, Evelgönne!"
Max vergißt den Schneider und zerbricht sich nunmehr zwei Stunden lang den Kopf, was es mit Evelgönne für ein Bewenden haben könne. Endlich kommt Susi und hat an jedem Finger ein Paketchen. „Nabend, mein Guter. Was hat Susi gekauft: Räucherzunge hat sie gekauft und Lebermus, mh, mH, mH ..."
Max geht der Gedanke an Evelgönne nach, aber er will ganz schlau sein. So fragt er: „Niemand angerufen, während ich weg war?"
„Keine Seele."
„Und du, auch bei niemand?"
Sie stutzt: „Natürlich habe ich; Ellie und Mutter ... und ..."
„Und Herrn Evelgönne?"
„Wen? Nee, kenne ich gar nicht."
„Sufi, komm mal her, sieh mir in die Augen. Es wär' doch gar nichts dabei, wenn du einfach sagtest: ,Ja, der Ingenieur Evelgönne, den kenne ich von früher', ober ,Jch habe mich bei Frau Evelgönne nach einem Mädchen erkundigt', aber daß du so einfach abstreitest, den Namen zu kennen, das — ja, das macht mich betroffen."
Sie drückte das Kinn gegen ihr Hälschen und machte ihr beleidigtes Katzengesicht. „Ein andermal weiß ich ja nun, was ich für Ausreden brauchen kann. Ich sage dir einfach: Ich kenne den Mann nicht und kann ihn deshalb auch nicht angerufen haben!"
Sie ging in die Küche ohne ihn überzeugt zu haben. War es nicht fonoerbar, daß sie ihn nicht fragte, warum er sie fragte? Die angestrichene
Die Llmwandliing der Zeuchemr Todesurteile.
Echo der presse.
München. 2. Sept. (ERB.) Die Umwandlung der Beuthener Todesurteile wird von der Rationalsozialistischen Parteikorrespondenz dahin kommentiert, daß diese Begnadigung als neuer Schlag für das deutsche Empfinden bezeichnet wird. Die RSK. erklärt weiter, man sei sich von vornherein darüber klar gewesen, daß diese Todesurteile niemals vollstreckt worden wären. Wenn die Regierung glaube, daß der heutige Spruch zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen könnte, so sei sie falsch unterrichtet. 2llle Anzeichen deuteten darauf hin. daß die fünf SA.-Leute noch heute nach dem Zuchthaus in Groh-Strelih übergeführt werden. Die Frauen der Gefangenen seien von der Begnadigung sofort unterrichtet und unter der neuen Erschütterung zusammengebrochen. Es gelte nun. so schließt die RSK., mit aller Kraft das Wiederaufnahmeverfahren zu betreiben.
Die „D. A. Z." begrüßt aus Gründen der Menschlichkeit die Begnadigung und aus Gründen der Staatsautorität ihre Motivierung.
Der „L o k a l a n z e i g e r" meint, die Entscheidung habe nicht der Auffassung entsprochen, die bisher über die Absichten des Preußischen Staatsministeriums verbreitet waren. Man hatte angenommen, daß bei einem Teil der Verurteilten eine Umwandlung in zeitlich begrenzte Zuchthausstrafen folgen würde.
Die „Berliner B örsenzeitung“ bezeichnet die Begnadigung als ebenso notwendig wie das Urteil und sagt: Richts anderes kann der unvoreingenommen Erteilende sagen, als daß die Entscheidung des Preußischen Staatsministeriums einfach die logische Schlußfolge
rung aus der Sachlage ist: vom rechtlichen, vom menschlichen und damit auch vom politischen Standpunkt aus.
Der „Deutsche" erklärt: So stark erregt auch die öffentliche Meinung war, in einem allerdings war die Meinung einheitlich: in der Billigung, daß der Staat mit den schärfsten Mitteln gegen die äleberfall- und Mordseuche vorgehen müsse, und daß der Staat grundsätzlich nicht vor der Todesstrafe zurückschrecken darf. Wenn in diesem Falle die Oeffentlichkeit mit einer Begnadigung rechnete, so herrschte doch allgemein die Meinung vor, daß der An- st i f t e r zu dem Mord, der Gastwirt Paul Lach- maim, von einer Begnadigung ausgenommen werde. — Sn der „Bossischen Zeitung" heißt es: Die Vollstreckung der Todesstrafe, die das Beuthener Gericht dem Verordnungsparagraphen entsprechend verhängen muhte, ist nirgends in der deutschen Oeffentlichkeit verlangt worden; es wird sich auch kein Widerspruch gegen die Begnadigung regen. Riemand wird das Recht haben, den Degnadigungsbeschluh als Schwäche auszulegen. — Das „Berliner Tageblatt" erklärt, der Staat verzichte auf einen Strafanspruch, den es sich eigens zur Erhaltung seiner Autorität geschaffen habe. Der Begründung.des Gnadenaktes lasse sich entgegenhalten, daß die bevorstehende Rotverordnung lange vorher angekündigt gewesen sei. Von dem grundsätzlichen Standpunkt der Ablehnung der Todesstrafe aus sei die Entscheidung der Regierung nicht zu kritisieren. Es werde aber nicht leicht sein, den Rationalsozialisten jetzt begreiflich zu machen, daß über die Begnadigung zu lebenslänglichen Zuchthausstrafen nichts weiter erreicht werden könne.
Oer Oeutsche Katholikentag.
Die Veranstaltungen des Freitag.
E s s e n, 2. Sept. (TTl.) Rach der feierlichen Eröffnung der 70. Generalversammlung der deutschen Katholiken am Donnerstagabend steht Essen am Freitag vollkommen im Zeichen des Katholikentages. Diele Tausende neuer Teilnehmer sind in Essen eingetroffen. Der Flaggenschmuck in der Stadt hat sich noch verstärkt. Das Festzeichen, von festfrohen Menschen getragen, beherrscht das Stadtbild. Der Freitag brachte wieder eine Fülle von Sonderveranstaltungen. Sm Saalbau fand eine literarische Morgenfeier statt, in der der Se- fuitenpater Friedrich Muckermann über „Goethes Sendung für das Zeitalter der Technik" sprach. Der Rachmittag sah im städttschen Saalbau die große Volksdeutsche Kundgebung des Reichsverbandes für die katholischen Ausländsdeutschen, in der Kanonikus Steinwender (Salzburg) über „Die Volksdeutsche Sendung der deutschen Katholiken" einen Festvortrag hielt. Bon den Sonderveranstaltun- gen seien noch genannt die Generalversammlung des Vollsvereins für das katholische Deutschland, das Treffen der katholischen Studentenvereine und unter Leitung des Landeshauptmanns der Rheinprovinz, Dr. Horion, eine Versammlung der Künstler und Kunstfreunde. Seinen Abschluß und Höhepunkt zugleich scmd der Freitag mit den beiden ersten öffentlichen Abendverfamrn- lungen in den Ausstellungshallen, in denen Arbeitersekretär Gockeln (Düsseldorf), Prälat Prof. Dr. Schreiber (Münster), sowie Dechant Homscheid (Koblenz) und älniversitätsprofessor Dr. Dessauer (Frankfurta. M.) sprachen.
Oie sozialdemokratische „Volksstimme" in Frankfurt verboten.
Kassel, 2. Sept. (TU.) Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Rassau hat die in Frankfurt
Nummer haftete noch in seinem Gedächtnis, ein prickelndes Gefühl in den Fingerspitzen zog ihn zum Fernsprecher. Er hob den Hörer ab und verlangte die Nummer. Sofort meldete sich eine angenehme Jungmännerstimme: „Hier Ingenieur Evelgönne!"
„Bitte einen Augenblick, eine Dame wünscht Sie zu sprechen ..." Er eilte nach der Küche, ganz der finstere Intrigant, als der er sich fühlte.
„Sufi, ein Herr wünscht dich zu sprechen ..."
„Mich? Wer? Es hat doch gar nicht geklingelt ..."
„Nun mach schon, es ist wichtig ..."
„So? Woher weißt du denn das? Und überhaupt wer ..."
Aber sie hätte kein Weib sein müssen, wenn sie nicht neugierig an den Apparat gelaufen wäre. Max versteckte sich und belauschte sie grimmig.
„Hallo, wer ist denn da?"
„Hier ist Evelgönne. Sind Sie die Dame, die mich zu sprechen wünscht?"
„Nein."
„Nicht? Sie haben aber doch eben anrufen lassen."
„Ich habe nicht anrufen lassen. Ich kenne Sie überhaupt nicht. Wir sind sicher falsch verbunden. Bitte, Schluß."
„Nee, nee, nee! Es wird schon stimmen, seien Sie doch nicht so eilig, meine Gnädigste..." Herr Evelgönne schien gerade Zeit zu haben ... „Manchmal ist übrigens falsch verbunden auch richtig, und Ihre Stimme hat so was — so was Anregendes. Sie wohnen wohl im Hotel?"
„Gott bewahre. Warum denn?"
„Na, weil Sie mich durch den Boy haben anrufen lassen ..."
„Ich habe Sie nicht anrufen lassen, mein Herr, also Schluß!"
Kopfschüttelnd ging sie wieder in die Küche, wurde aber auf halbem Wege durch die Telephonklingcl zurückgerufen.
„Hallo?"
„Hier ist noch mal Evelgönne. Also, es stimmt. Ich habe nämlich nur mal beim Amt feststellen lassen, wer mich eoen angerufen hat. Nun weiß ich's. Wollen wir morgen zusammen Tee trinken gehen?"
Sie hängt ohne weiteres ab.
„Falsch verbunden?" fragte Max scheinheilig.
„Beide Male."
Zehn Minuten später saßen sie am Abendbrottisch „Sufi", sprach Max und strich sich das Lebermus auf Toast. „Ich muß dir etwas gestehen. Ich schäme mich geradezu: ich habe dir eine Falle gestellt und bei Herrn Evelgönne angeläutet, um zu sehen, wie du reagieren wirst ..."
„Du? Das ist doch geradezu verrückt"
„Es soll nie wieder vorkommen, mein Süßes, komm, wir trinken ein Glas Marsala zur Versöhnung, ich mache die neue Flasche auf ..." Es geschah, sie stießen an. Dann setzte er fein Glas nieder
am Main erscheinende „Volksstimme". Organ der Sozialdemokratie für Südwestdeutschland, wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Suni 1932 für die Zeit vom 3. bis einschließlich 5. September verboten. Das Verbot mußte ergehen, weil die „Volksstimme" in einem aus dem „Vorwärts" abgedruckten Artikel die Ausführungen des Reichskanzlers in Münster als „einProgramm des Der- fafsungsbruchs" bezeichnet und hierdurch den Herrn Reichskanzler gröblichst beschimpft und böswillig verächtlich gemacht hat.
Aus alter Wett.
Gronau in Japan.
Der deutsche Flieger Wolfgang v. Gronau startete von der Kurileninsel Paramuschiru und traf planmäßig in Nemuro auf Hokkaido, der nördlichsten der vier großen japanischen Inseln, ein. Die Strecke Paramuschiro—Nemuro beträgt etwa 800 Meilen. Sie wird von Pazifikfliegern allgemein als die schwierigste Flugstrecke angesehen und bereitete auch dem amerikanischen Flieger Lindbergh im Jahre 1931 mehrfach Schwierigkeiten. Gronau hatte zunächst nach dem Start von Paramuschiru günstige Wetterverhältnisse, die später jedoch schlechter wurden. Vor allem wurde die Landung in Nemuro durch Nebel und Regen erschwert.
Lufkschiffverbindung Europa—Rio de Janeiro.
Die regelmäßigen Südamerikafahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin" engten bisher in Pernambuco. Aus feiner nächsten, am 12. September in Friedrichshafen beginnenden Reise aber wird das Luftschiff, wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, nach einer kurzen Zwischenlandung in Pernambuco zum ersten Male seine Fahrt bis Rio de Janeiro ausdehnen und damit einen weiteren beachtenswerten Schritt im Ausbau seines Schnellverkehrs
und murmelte, ohne sie anzusehen: „Nun, da alles gut ist, kannst du mir doch sagen: Warum hast du den Namen Evelgönne im Telephonbuch angestrichen?"
Sie schlug verzweifelt auf den Tisch: „Ich weiß nicht, was du immerfort quasselst!"
Er stand auf und holte das Telephonbuch. Mit gerecktem Finger wies er auf die Stelle, der feine Strich war unverändert zu sehen. „Ich wollte meinen Schneider anläuten ..."
Auch sie reckte ihr spitzes Fingerchen und wies stumm auf den unteren Falz der Seite. Dort klebte traurig ein beim Zuschlägen des Buches platt gedrückter Fliegenleib mit fünf Beinchen. Sie pustete — und der ominöse Strich bei Evelgönne flog fort. Das war das sechste Beinchen.
Und sie verzieh ihm, obwohl sie im Recht war.
Am nächsten Tage um halb fünf schrillte wiederum der Apparat. Sufi antwortete: „Hallo?"
„Jetzt kenne ich Ihre weiche Stimme schon. Hier Evelgönne. Sie kommen doch? Bitte, bitte! Sagen wir Bristol?" ' ,
„Vielleicht, Herr Evelgönne. Schluß."
„Ha, ha, ha", lachte Max behaglich. „Auf so was soll ich reinfallen. So dumm bin ich nicht. Diesmal war's bestimmt eine falsche Verbindung."
Sie nickte. „Wie gestern", sagte sie anzüglich. „Jetzt gehe ich in die Stadt ..."
„Und bringst kaltes Abendbrot mit. Ha, ha, ha!"
„Ha, ha, ha!"
Das Kindesopfer der Schwestern Gish.
Gillian Gish, die eine der ergreifendsten und erfolgreichsten Erscheinungen der Filmgeschichte ist, hat sich während der letzten Lahre ganz vom Film zurückgezogen. Die Erklärung dieses Geheimnisses wird nun in einem Londoner Blatt gegeben, und zwar aus Anlaß der Tatsache, daß Lillian Gish sich zur Kur in Bad-Rauheim aufhält. Die Filmdiva erholt sich hier von der aufopfernden Pflege, die sie und ihre Schwester Dorothy ihrer Mutter gewidmet haben. Es ist ein Film-Drama der Wirklichkeit, das sich hier entrollt. „Es begann", so schreibt Seton Margrave, „vor 30 Jahren. Lames Lee Gish, dessen Familie aus Frankreich nach den Vereinigten Staaten eingewandert war und der eigentlich De Guiche hieß, starb 1902 und ließ eine 23jährige Witwe zurück mit zwei kleinen Töchtern, der 6jährigen Lillian und der 4jährigen Dorothy. Ilm für ihre Kinder zu sorgen, schloß sich Mary Gish einer herumziehenden Theatertruppe an, und schon ein Lahr später erschien ßtHian als Tänzerin in der Gesellschaft, die die berühmte Sarah D e r n a r d auf ihrer Tournee durch Amerika begleitete, während Dorothy in kleinen Dühnenrollen sich versuchte. Zehn Lahre
nach Südamerika unternehmen. Die Reue- rung ermöglicht es den Passagieren, Rio ohne älmsteigen in drei bis vier Tagen zu erreichen, bringt also gegenüber den bisherigen Verbindungen eine erhebliche Zeitersparnis. Von Rio aus bestehen gute Flugzeug- und Schiffsanschlüffe nach Montevideo, Buenos Aires und nach den Plätzen im Innern des Landes, so daß nunmehr in längstens sechs Tagen jede wichtigere südamerikanische Stadt von Europa aus zu erreichen ist. Dem Herbstfahrplan des Luftschiffes wird eine weitere Fahrt angegliedert werden, die am 24. Oktober d. 3. in Friedrichshafen ihren Anfang nimmt.
Die deutsche Himalaja-Expedition rüstet zur Besteigung des Jlanga-parbat.
Entgegen den Gerüchten über eine angebliche Llmkehr der deutschen Himalaja-Expedition wird aus Astor in Kaschmir folgendes gemeldet: Infolge der unerwarteten und anhaltenden Schlechtwetterperiode waren sämtliche Teilnehmer der Himalaia-Cxpedition 20 Tage lang im Lager festgehalten worden. Während dieser Zeit wurde bei kurzem Auf- klaren von Merkl, Wießner und Herron die zweite Besteigung des Chongra Peaks (6400 Meter) durchgeführt. Leider mußten drei Teilnehmer wegen Erkrankungen und zwei weitere wegen Ablaufs der verfügbaren Hrlaubs- zeit ausscheiden und die Heimreise antreten. Rach Wiederherstellung der Schönwetterlage stiegen die restlichen Teilnehmer am 21. August zum Hauptlager ab, um dort Vorbereitungen zum Endangriff auf den Ranga-Parbat zu treffen. Herron, Merkl und Wießner hoffen, mit zehn guten Kulis von dem bereits in 7000 Meter Höhe eingerichteten Lager VII erfolgreich zum Gipfel vorstohen zu können.
Dreifacher Mord.
Aus Herbern (Kreis Lüdinghausen) wird gemeldet: Der Landwirt Römer, genannt Sud- hoff, in Herbem ist in einer der letzten Rächte zusammen mit seiner Frau und einer Hausangestellten un bisher unbekannten Tätern ermordet worden. Offenbar hat an Ort und Stelle ein Kampf stattgefunden. Römer wurde vor seinem Bett, seine Frau auf einer kleinen Vortreppe zu seinem Schlafzimmer und die Hausangestellte ebenfalls in ihrem Bett tot aufgefunden. Die Täter sind nach der Tat anscheinend sofort geflüchtet. Die Leichen sind furchtbar zugerichtet. Sudhoff und seine Frau hatten über 12 Stiche in Herz und Hals. Dem Manne war durch einen von unten geführten Stich der Bauch aufgeschlitzt. Die Leiche des Dienstmädchens wies mehrere Stiche in Herz und Hals auf und lag im Blute schwimmend im Bett. Die drei Knechte, junge Leute von 18 bis 25 Lähren, wurden in der Rächt von Frau Sudhoff alarmiert, die schwer verletzt zu ihnen und dann zurück zu ihrem Mann gelaufen war. Als dann aber ein Schuß fiel, wagten die Knechte sich nicht an den Tatort. Erst zehn Minuten später, als alles ruhig war, begaben sie sich in die Küche, wo sie die Leiche der Frau fanden. Einer der Knechte benachrichtigte den Bürgermeister, der sofort mit Landjägern den Tatbestand feststellte. DaS Fenster neben der Haustür, vor dem die Leiche der Frau lag, war herausgedrückt. Vor dem Fenster fanb man ein Gewehr, aus dem offenbar der Schuh abgegeben worden war. Lm Schlafzimmer hatten die Verbrecher alle Behältnisse durchwühlt, doch steht noch nicht fest, ob sie Beute gemacht haben. Auf die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 1 000 Mark ausgesetzt worden.
Auto fahrt in eine Feuerwehrkolonne. — Zehn Verletzte.
Als die Freiwillige Feuerwehr von Klein- und Groß-Bauchlitz bei Dobeln dieser Tage von einem Uebungsmarfd) zurückkehrte, fuhr in der Nähe der Groß-Bauchlitzer Schmiede ein Personenauto aus Dobeln von hinten in die Kolonne; dabei wurden 15 Personen zu Boden gerissen. Zwei Feuerwehrleute wurden schwer und acht leicht verletzt.
lang lebten die drei so das romantische, aber ungewisse Dasein wandernder Komödianten, bis Lillian und Dorothy durch eine Freundin, Gladys Smith, die unter dem Romen Mary P i ck f o r d besser bekannt ist, zum Film gebracht wurden. Sie arbeiteten unter der Leitung des großen Regisseurs Griffith, und nach drei weiteren Lah- ren des Kampfes und der Entbehrungen kam der Ruhm über Rächt zu Lillian Gish, die bei der Erstaufführung des Films „Die Geburt einer Ration" in Reuyork als größte tragische Künstlerin des Films gefeiert wurde. Run waren Rot und Dingen vorbei. Aber die langen Lahre des Kampfes hatten die Gesundheit der Mutter untergraben. Vor zwölf Lahren erfranfte Frau Gish gefährlich, und die beiden Schwestern wichen achtzehn Monate nicht von ihrem Krankenlager und gaben ihr durch ihre aufopfernde Pflege die Gesundheit wieder." Als Dorothy Gish im Frühjahr 1926 in London weilte, um dort als Schauspielerin aufzutreten, war sie von ihrer Mutter begleitet, einer weißhaarigen Dame, aus deren Zügen ihre Güte spricht. Ln London erkrankte die Mutter wieder schwer und Dorothy wußte sich keinen anderen Rat, als nach der Schwester zu kabeln, die sich auch sofort auf den Weg machte. Frau Gish hatte die Sprache verloren, und der Kampf um ihr Leben mußte von den beiden Schwestern von neuem auf genommen werden. Sie weihten sich nun ganz dieser Aufgabe und haben völlig dem Glanz der Künstlerlaufbahn entsagt, um sich ganz im Stillen der Sorge für ihre Mutter hinzugeben. Während Lillian Gish in Dad-RauhÄm weilt, wird ihre Mutter in Reuyork von Dorothy betreut.
Oie Katze im Rundfunk.
Im Londoner Rundfunk gab es einige Tage hindurch merkwürdige Störungen. Wenn ein Geiger eine schmelzende Serenade vor dem Mikrophon spielte, bann ertönte an der zartesten Stelle ein klägliches „Miau". Man hätte das für eine realistische Nuance in der Rundfunkdarbietung halten können. Boshafte Hörer allerdings verbreiteten die Ansicht, daß der Londoner Rundfunk feinen künstlerischen Ehrgeiz fallen gelassen habe und durch das Einschalten des „Miau" seinen wahren Charakter als Katzenmusik enthüllen wolle. Die, Beamten des Rundfunks aber bekamen heiße Köpfe, denn man konnte sich die Ursache der Störungen nicht erklären. Es wurde schließlich eine ganz genaue Untersuchung aller Anlagen vorgenommen und da fand man den Störenfried, eine Katze, die sich in einen Raum eingeschlichen hatte und keinen Ausweg mehr fand, weder aus den Mauern, die sie umschlossen, noch aus her Fülle der Musik, die sie über sich ergehen lassen mußte.


