Ausgabe 
3.8.1932 Frühausgabe
 
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der um seines Namens willen eine gewisse Popu­larität gcnies;t. Aber bar starke Mann, der nun olles mit sich reifet und aus der Schwäche der Republikaner entscheidende Vorteile zu ge­winnen vermag, ist er wahrscheinlich auch nicht. Immerhin haben die 'Demokraten den entscheiden­den Schritt getan und einenasse Planke" in ihre Plattform eingezogen. Sie haben sich also damit gegen die Trockenlegung der Ver­einigten Staaten ausgesprochen und einen Ab­bau der Prohibition wenigstens für leichte Al­koholika proklamiert. Was da- bedeutet, läßt sich in Europa vermutlich kaum beurteilen. Der Kampf um die Trockenhaltung der Vereinigten Staaten hat ja die heterogensten Elemente zu Bundesgenossen gemacht. Auf der einen Seite die Idealisten männlichen und weiblichen Ge­schlechts, die aus sittlichen und arbeitspolitischen Gründen den Alkohol verdammen, auf der an­deren Seite aber auch die Kapitalistengruppen des organisierten Alkoholschmuggels, die ihr glänzendes Geschäft nicht verlieren wollen und deshalb mit aller Kraft für die Fortsetzung der Prohibition eintreten. Dadurch aber, dafe die Demokraten nun endlich Farbe bekannt haben, wird ein neuer Streitapfel in den Wahlkampf geworfen, der wieder zu einer gewaltigen Ver­schiebung der Fronten und dec Wähler führen kann.

Hedda Hai ein Auto.

Von Jakob Franken.

In meiner Verwandtschaft gibt es eine nette, junge Dame, die nicht glücklich ist. wenn sie nicht alles mitmachen kann, wasmodern" ist. Sie hat Polo gespielt, sie bat sich im Golf geübt, Bridge lernte sie an zwei Abenden. Sie hat sich eine Zeitlang für Astrologie, Psychoanalyse und andere Dinge interessiert. Aun hat sie ein Auto. Sie findet es höchst modern, wenn eine junge Dame in einem offenen Sportzweisitzer fährt.

Wir, die wir zur Familie gehören, haben un­seren Spaß an Hedda und ihrem Auto. Immer neue Geschichten kursieren. Einmal das erzählte uns Alfred kam sie in ein Handschuhgeschäft und liefe sich verschiedene Handschuhe vorlegen. Das Fräulein, das sie bediente, fragte nach ihrer Aummer. Prompt erwiderte Hedda:Al 3339!"

Einen kleinen -Unfall hat Hedda auch schon ge­habt, ein anderes Auto ist in ihren Kotflügel ge­fahren, hat aber die Unverfrorenheit besessen, ohne anzuhalten weiterzurasen. Hedda brachte den Vorfall zur Anzeige. DerBeamte, der den Ver­lauf zu Protokoll nahm, fragte nach Anhalts­punkten über Art uno Aussehen des Wagens, da Hedda die Aummer vergessen hatte. Hedda beschrieb so:Es war «in beigefarbenes Auto, klein und lang, mit einem dunkelblauen Streifen. Die Dame, die es lenkte, trug ein graugrünes Complet, das mit lila Borte eingesäumt war. Sie trug einen kleinen Kragen aus orangefarbenem ' Chiffon, einen grünen Schal mit Karomustern und eine schwarze Strickkappe. Ich glaube sie hatte blondes Haar und trug hellgraue Wildlederhand-

hat Hedda einmal aufgezogen und unter anderem auch gefragt, was sie täte, wenn sie un­glücklicherweise jemanden an- oder gar überfahren würde.

Hedda antwortete:Gleich die Versicherung an- rufen!

Frauen nehmen sich doch manchmal viel heraus. Hedda hat sich neulich etwas Schönes geleistet, sie hielt vor irgendeinem Dürohaus und rief einen jungen Mann an:Sagen Sie, mein Herr, können

< r fahren? Der Angesprochene blieb ver­dutzt stehen und verneinte. Darauf sagte Hedda seelenruhig:Ra herrlich! Würden Sie dann bitte so freundlich sein und zwei Minuten auf mein Auto auf passen 7"

Zugleich mit der Meldung über das Ableben des 'Altbundeskanzlers Dr. Seipel kommt die Aachricht von dem Tode des Erfinders Emil Marek. Der Mann, der das bittere Los eines glücklosen Crfindcrlebens gezogen hatte, der trotz seiner Begabung sich nicht durchzusehen ver­mochte und arm und verlassen in einem öffent­lichen Spital gestorben ist. Ein neues Kapitel zu dem nie endenden tragischen Roman des Erfinder- schicksals ist beendet. Emil Marek gehörte zu den Menschen, denen alles mißlingt, einerlei was sie in die Hand nehmen. Ja, wenn es sich bestätigt hätte, dafe er damals vor fünf Jahren sich absichtlich das Bein abgehackt hat, um in den Besitz der Versicherungssumme zu gelangen, dann wäre ihm selbst das miß­lungen, denn das Geld, das die Versicherungs­gesellschaft ihm zahlen mußte, ist in alle Winde verflogen. Es brachte ihm keinen Segen.

NisMand müßte etwas von Emil Marek, noch etwas von feinen Erfindungen, wenn sein Prozeß «im Jahre 1927 nicht so ungeheures Aufsehen In der ganzen Welt erregt hätte. Er war wegen Der- -sicherungsbetruges und wegen Selbft- Verstümmelung gemeinsam mit seiner Frau angeklagt. Er hatte sich bei seiner Versicherungs­gesellschaft gegen Unfall mit der außerordentlich hohen Summe von 400 000 Dollar versichert. Kurz nach Abschluß der Versicherung trat der Dersiche- rungsfall ein. Marek hatte eine elektrodyna­mische Puppe konstruiert. Die Puppe trug die Gesichtszüge seiner Frau. Er wollte den künstlichen Menschen schaffen. Bei den Arbeiten am der Puppe hackte er sich mit einem Beil in den Fuß. Die Wunde verschlimmerte sich und das Bein mußte amputiert werden. Darauf verlangte Marek die Auszahlung der Versicherungssumme. Die Gesellschaft weigerte sich aber und be­hauptete, Marek habe den Unfall absicht - l i ch herbeigeführt, um in den Besitz der 400000 Dollar zu gelangen. Die Klage Mareks gegen die Versicherungsgesellschaft beantwortete diese mH einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Versicherungsbetruges und Selbstverstümmelung. Es kam zu jenem berühmten Prozeß, der die ganze Welt in Spannung hielt. Es konnte Marek nicht nachgewiesen werden, daß er sich absichtlich ins Bein gehackt hat und er wurde freigesprochen. Sern Prozeß hat aber Schule gemacht, denn nach dem Marek-Prozeß wurde eine ganze Reihe von Fällen des Versicherungsbetruges durch Selbstver­stümmelung aufgedeckt.

Trotz der Schuldlosigkeit Mareks hat die Ver­sicherungsgesellschaft die 400 000 Dollar nicht be­zahlt. Sie einigte sich mit Marek auf 240 000 österreichische Schilling. Die Anwaltskosten Ma­reks befolgen bereits 60 000 Schilling. Mit dem Rest des Geldes ging M. nach Algier, wo er sich an elektrischen Unternehmungen beteiligte. Auch hier hatte er keinen Erfolg. Das Geld ging verloren, nur einen kleinen Rest konnte er

retten. Er kehrte nach Wien zurück und erwarb einen Obststand auf dem Marktplatz in Wiener- Aeustadt. Wieder eine Riete. Er preist sich glück, lich, alS es ihm nach vielem Suchen endlich ge­lungert war, eine kleine Anstellung irt einem Ra­

di oge schäft -u finden. Schon nach kurzer Zeit griff Iba6 Schicksal erneut ein und warf den jungen! Mann, denn er zählte erst 33 Jahre, aufs Kran­kenlager. Man schaffte ihn ins Spital, wo er nun gestorben ist.

Wieder Ruhe in Königsberg.

Oie Untersuchung der Terrorakte bisher ergebnislos geblieben.

Ein amtlicher Bericht.

DicFcstlienommencn verweigern dieAuksagc

Berlin, 2. August. (ERB.) Zu den Königsber­ger Vorgängen wird vom preußischen In- n e n m n i st e r i u m mit allem Nachdruck betont, daß nach den letzten Meldungen aus Königsberg dort absolute Ruhe herrscht. Die Dolizei ist durchaus Herr der Lage. Gestern nach­mittag wurde eine größere Auflage von Flug­blättern, in denen Aum Massenstreik aufgefordert wurde, beschlagnahmt. Im Übrigen ist die Königs­berger Polizei durch Heranziehung aus­wärtiger P o I i z ei m a n n f cha f te n ver­stärkt worden. Es sind in großer Anzahl Polizei­streifen unterwegs. Die einzelnen Reviere sind nur noch mit wenigen Beamten besetzt. Ferner sind vom Regierungsprälidenten besondere Bestim­mungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung erlassen worden. Insgesamt wurden bisher 40 Personen fest genommen. Bei der beschleunigt durchgeführten Untersuchung und der Vernehmung der Festgenommenen haben sämtliche ihre Aussagen bartnäckig verweigert, so daß die Nachforschungen nach ihrer politischen Zugehörigkeit bisher ergeb­nislos geblieben sind. Die weitere Untersuchung ist In die .Hände bet* Staatsanwaltschaft überaegan- gen. Amtlich wird erhärt, wenn bestimmte politische Gruppen besonders in Verbäckst geraten sind, so war dafür die Tatsache maßgebend, daß bei der Inbrandsetzung der Tankstelle S 21.-Leute in Uniform fe st genommen worden sind, und daß weiter ein junger SA.-Mann bei seiner Verneh­mung ausgesagt hat, ein SA.-Führer habe zu Plünderungen aufgefordert. Doch wird diese Aus­sage von den Nationalsozialisten b e st r i t t e n.

Der Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, hat an den Regierungs­präsidenten a. D. Dr. o. Bahrfeldt in Königs­berg das folgende Telegramm gerichtet:

Beglückwünsche Sie zum Mißlingen ruchlosen Attentats und wünsche baldige Wiederherstellung." pMischeAnMge in Marienburg

Marienburg, 2. Aug. (ERB.) Auf die Wohnungen deS Polizeiinspektors Riedel, des Stadtbaurats Mollenhauer und des Stadt­verordneten Rahn wurden heute nacht zwischen 12 und 2 Uhr R e v o l v e r a n s ch l ä g e ver­übt. In der vergangenen Rächt gegen 1 Ufer gaben mehrere Unbekannte vor der Gastwirt­schaft in Marienburg-Tessendorf Schreckschüsse ab, forderten den Wirt auf, auf die Straße zu kommen Und zwangen ihn, d a S Ueberfallkommando aus Marien­burg zu alarmieren. Während der Ab­wesenheit des Ueberfallkommandos aus Marien­burg wurden dann dort die Ans <chläge aus- ae f ü h r t. Die Täter hatten vor der Wohnung des Polizeiinfpektors Riedel mehrere Schüsse abgegeben und zwei mit Säure und Eisenstücken gefüllte Flaschen sowie ein langes Gasrohr gegen die Wohnung geworfen. Man fand auf der Straße vier Patronen für die Drmeepistolen 08. Zwei an der Wohnung Riedels liegende Fern- sprech leitungen der Post und der Reichs­wehr waren von den Tätern in der Annahme durchschnitten worden, dafe sie in die Woh­nung Riedels führten. In der Wohnung des Stadtbaurats Mollenhauer wurden die Fen­ier durch Steinwürfe zertrümmert und eben- alls zwei Säureslaschen geworfen. Der Bor- iyende des Marienburger Gewerkfchaftskartells Rahn wurde aufgefordert, sofort auf der Straße

zu erscheinen. Rahn folgte jedoch, durch die Kö­nigsberger Vorgänge gewarnt, der Aufforderung nicht.

Oer ».Völkische Beobachter^

zu den Vorfällen in Königsberg.

M ü n d} e n , 2. Aug. (ERB.) Zu den Vorfäl­len in Königsberg bemerkt derVölkische Be­obachter", die RSDAP. bedauere der- artigeVorfälle, aber sie seien dieSchuld eines Systems, dessen Unfähigkeit zu er­zieherischer Arbeit den Boden für die mör­derischen Verbrechen geschaffen habe. Man möchte sich daran erinnern, dafe gerade in Königsberg terroristische Aktemarxistischer Wegelagerer" an der Tagesordnung seien: erst am letzten Samstag sei ein SA.-Mannbuchstäb­lich abgeschlachtet" worden.

Ueberfall auf Nationalsozialisten.

Berlin, 3. Aug. (WTB. Funkspruch.) Im Rorden der Stadt wurden laut Polizeibericht heute früh etwa 15 auf dem Heimwege befindliche Rationalsozialisten aus einem Lokal von Kommunisten be­schossen. Ein Rationalsozialist wurde durch Kopfschuß getötet. Im Anschluß daran ent­stand ein schweres Handgemenge, in dem drei Nationalsozialisten durch Schüsse und Stiche schwer verletzt wurden. Gin Kom­munist, der ebenfalls Verletzungen davongetragen hat, wurde unter dem Verdacht der Mittäter- schäft ins Staatslrankenhaus eingeliefert. 17 Kommunisten, darunter der Haupttäter, wurden zwangsgestellt.

Wer wird Leiter des Hochschul­wesens in Preußen?

Berlin, 2. Aug. (WTB.) Ministerialdirektor Dr. R i ch t e r, der Leiter der Hochschulabteiluag im preußischen Kultusministerium, hatte am 30. Juni 1932 sein Abschiedsgesuch eingereicht, weil ihm die Verwirklichung der von ihm verfolgten grundsätzlichen hochschulpolitischen Ziele u n t e r d e r damaligen preußischen Regierung n i ch t m ö g l i ch erschien. Nach einer amtlichen Mit­teilung haben sich die Verhandlungen mit Dr. Richter über Die Beibehaltung seines Amtes zer­schlagen, da Dr. Richter inzwischen eine Professur für deutsche Philologie angenommen hat. Üeber den Nachfolger in der Leitung dxr Hochschulabteilung ist noch keine Entschei­dung gefallen.

Aus aller Wett.

Gronaus Weltflug.

Der deutsche Flieger Wolfgang o. Gronau hat seine Vermittlungsstelle in der Heimat beauftragt, nunmehr die jetzt reifen Pläne und vorbereiteten Flugstrecken für seinen Weltflug be° k<mntzugeben. Der Flug soll zuerst in mehreren kleinenBesuchsetappen" durch Oft« und West­kanada an die Küste des Pazifik gehen. Don Prince- Rupert an der Westküste Kanadas aus führt die Flugstrecke über die Aleckten 'bas nebelveichste Gebiet auf dem ganzen Fluge nach dem japani­schen Seeflughafen Haneda bei Tokio. Von Japan aus wird derDornier-Wal" in westlicher Richtung weiterfliegen. Eine genaue Flugstrecke ist jedoch hierfür noch nicht festgelegt. Der Flug dürfte aber an der Ostküste Chinas und Indiens über den Per­sischen Golf nach Europa zurückführen. Vom Start­hafen auf Sylt bis Japan hätte das Dornier-Flug­zeug rund 1 5000 Kilometer zurückzulegen. Davon sind bis Chicago rund 6 500 Kilometer be-

Einmal ist sie an einemProtokoll" mit knapper Mühe vorbeigekommen. Sie fuhr ziemlich schnell durch irgendein kleine- Rest. Am Ende des Ortes hielt sie ein Gendarm an:Warum sind Sie denn so durch den Ort gerast? Sie sind mit mindestens 50 Kilometern durch den Ort gefahren!"

Hedda ließ sich nicht in Verlegenheit bringen und erwiderte dem Wackeren mit ihrem süßesten Lächeln:Verzeihen Sie mir, Herr Wachtmeister aber ich habe eben bemerkt, daß mein Benzin zu Ende geht und da wollte ich recht schnell fah­ren, damit ich zu Hause wäre, ehe das Benzin ganz ausging I"

In einer kleinen märkischen Ortschaft hat Hedda Pech gehabt, sie hat einen Mann unsanft ange- faferen. Die Geschichte verlief noch glimpflich, der Mann hatte nur ein paar Hautabschürfungen und seine Jacke einen Riß. Hedda sprang gleich auS dem Wagen, half dem Mann und sagte ihm: Ditte seien Sie ohne Sorge! Ihre Schäden wer­den geheilt werden, und Sie bekommen außerdem ein anständiges Schmerzensgeld! Wieviel bean­spruchen Sie denn?" Der Mann rieb sich seine in Mitleidenschaft gezogenen Körperteile und fragte dann freundlich:Tjah... waS zahlen Sie denn so im allgemeinen?"

Sehen Sie, Hedda hat ein Auto! Lind solche Dinge gibt eS bei ihr jeden Tag.

Drei russische Emigranten.

In allernächster Zeit wird vor den Schranken eines Berliner Gerichtes ein Prozeß verhandelt werden, der blitzlichtartig die Situation eines großen Teils der russischen Emigranten beleuch­tet. Drei Männer werden sich vor einem deut­schen Gericht als Danknotenfälscher zu verantworten haben, drei Männer, die im kaiser- ließen Rußland eine geachtete Stellung in der Ge- ellschaft einnahmen und deren Schicksal in der steichen romanhaften Weise verlaufen ist, die chon Hunderten vor ihnen ihre bürgerliche Exi- tenz und ihre Ehre genommen hat. Der einstige russische Gardekapitän Alexander von Relidow, der ehemalige Offizier Mammonow und der ehe­mals sehr geachtete Maler Professor Mjassoje- dow sie alle gehören zu jener Armee von Ent­wurzelten, denen die russische Revolution ihr Va­terland und ihr Vermögen genommen hat. Lln- sähig, sich eine neue Existenz zu schaffen, sich den veränderten Llmständen anzupafsen, gerieten sie auf Abwege und beschäftigten sich teils mit üblen Spionagediensten, teils mit dem Fälschen von

Danknoten, bis die irdische Gerechtigkeit sie er­eilte.

Mammonow, der intellektuelle Leiter der Gruppe, war schon einmal in Schweden wegen Falschmünzerei verurteilt worden. Auch in Derlin hat er bereits eine Gefängnis­strafe toeaen des gleichen Vergehens verbüßt. Aber diese doppelte Erfahrung hat ihn nicht klüger gemacht. Rach seiner Entlassung setzte er sich mit seinem Freunde Mjassojedow In Verbin­dung und begann abermals, gefälschte Danknoten herzustellen. Miassojedow ist wohl der Interessan­teste der drei llmigVanten. Eine typisch russische Erscheinung, mit langem grauen Bart und dem Aussehen eines geistlichen Würdenträgers, ver­fügt er über eine hervorragend zeichnerische De- gabung. Die von ihm mit der Feder gezeichneten Dollar- und Pfundnoten werden von Fachleuten als außergewöhnlich gute Fälschung bezeichnet, die nur schwer von den Originalen zu unterschei­den sind.

Ist Mjassojedow in menschlicher Hinsicht der Demerkenswerteste der Angeklagten, so darf von Relidow, der die internationalen Beziehungen »um Absatz der gefälschten Roten schuf, wegen der außergewöhnlichen Skrupellosigkeit seiner Me­thoden das allgemeine Interesse beanspruchen. Er ist ein Geheimagent, wie er sonst nur in Kriminal­romanen vorkommt. Er leistete seine Spionage­dienste jedem, der ihn gut bezahlte, und niemand vermag anzugeben, wessen Interessen er nun eigentlich gewahrt hat außer seinen eigenen.

Drei Emigranten, drei Entwurzelte, drei Ver­brecher Menschen aus einer untergegangenen Welt, die das Gestern nicht vergessen können und das Morgen nicht erkennen wollen...

Gewiiierbeobachtungein neuer Sport

Die Auszeichnung des Datums, deS Beginnes und des Endes sowie der Dauer und der Stärke eines Gewitters ist eine Beschäftigung, die ge­wiß so manchen an Gewitterfurcht Leidenden auf andere Gedanken bringen würde, aber dieser Sport" hat außerdem noch einen wissenschaft­lichen Wert, indem er der Wetterkunde wichtige Tatsachen zuführen kann. Aus diesem Grunde hatte sich 6er englische Meteorologe S. Morris Dowes im vergangenen Jahr an alle Amateur- Meteorologen in Großbritannien mit der Bitte gewendet, die Gewitter in ihrem Bereich genau zu beobachten und ihm regelmäßig ihre Wahr­nehmungen mitzuteilen. Diese Anregung fiel auf

wältigt. Gronau mußte auf seinem Fluge nach Chicago wegen des Bruches der Wafserpumpe am Vordermotör auf dem St. Claik-See in der Nahe von Tecumseh (Ontario) eine Zwischenlan- dung vornehmen: die Reparatur wird nur geringe Zeit veanspruchen.

21. Deutscher Feuerwehrlag In Karlsruhe.

In der großen städtischen Ausstellungshalle in Karlsruhe, die kurz vor Ausbruch des Weltkrieges erbaut wurde, findet die mit dem 21. Deut­schen Feuerwehrtag verbundene Feller- wehrausstellllng statt. Rahezu 70 Firmen der Feuerwehr- und Sanitätsindustrie haben in der mächtigen Halle rund 4000 Quadratmeter, und auf dem vorgelagerten Freigelände nochmals 2000 Quadratmeter an Plätzen belegt. Den Hauptteil der Ausstellung bildet die Schau der modernen Feuerlöschgeräte aller führenden Firmen, aber auch auf dem heute besonders aktuellen Ge­biet des Gas - und Rauchschutzes wird eine lückenlose Aebersicht über die für den Feuer­wehrmann wie für die Zivilbevölkerung außer­ordentlich wichtigen Geräte geboten werden. Diese beiden Hauptgruppen werden durch eine gutbeschickte Ausstellung von Feuerwehr- und Sanitätsausrüstungen, Handfeuerlöschapparaten, Armaturen, Beleuchtungs- und Signalanlagen er­gänzt. In der historischen Abteilung werden alte Löschgeräte, darunter zwei Spritzen ausgestellt, die beim Karlsruher Hoftheaterbrand im Jahre 1847 Verwendung sanden. Unter dem MottoSelb st- entzündung oder Brandstiftung?" bringt das Badische Landeskriminalmuseum eine Sonderschau, deren Besuch sehr zu empfehlen ist: gibt sie doch auf Grund langjähriger Beobach­tungen und Llntersuchungen eine Fülle von An­regungen und Winken zur Aufklärung von Brandursachen. In einem Sonderraum lassen die Daimler-Denz-Werke in Gaggenau Filme über Brände und die bei ihrer Löschung verwendeten Geräte vorführen. Während der Ausstellung werden auf dem Freigelände vor der Ausstellungshalle Löschgeräte praktisch vor­geführt.

3ugenb(agung des Bundes Königin Luise.

120 Wimpel, 700 Iungmädchen in der blauen Diensttracht des Bundes Königin Luise im Burg­hof der alten sächsischen Herzogburg We11in bei Halle an der Saale. Die Ramen aller deut­schen Gaue las man auf dem blauen dreieckigen Wimpeltuch. Gin Lehrgang hatte die Iugend- führerinnen zu ernster Arbeit in dem schönen Eigenheim des Bundes zusammengeführt. Volks­lied Volkstanz und Volkssport zeugten 'von der in den Ortsgruppen geleifte-len Arbeit. Ein Vor­trag von Professor Hahne, Halle, ließ einen tiefen Einblick tun in die kosmische Verbundenheit des Menschen. Die Angehörigen des jungen Sa­nitätskorps des Bundes konnten erfreuliche Lei­stungen vorweisen. Als dann am Abend Fackeln. ihre Lichtreflexe in den alten Gemäuern auf und ab spielen ließen, und das Rosenwunder der heiligen Elisabeth im Laienspiel den jungen Zu­schauern sich neu erfüllte, durchströmte die Liebe zur deutschen Heimat alle Mädchenherzen. Hei­mat ist eine Ausgabe Gottes läßt der Dichter- Herr Dr. Krug aus Witten, der dieses Festspiel für den Bund Königin Luise dichtete, die junge Landgräfin sprechen und schreibt dazudieles Laienspiel hat nur einen Schauplatz, das volks­verbundene Herz der deutschen Frau!" Lebendige Volksverbundenheit kam zum Ausdruck in dem Gottesdienst in der alten Dorfkirche und in einem Vortrag über den heiligen Sinn der Kamerad­schaft.

Polnisches Jagdflugzeug in Pommern gelandet.

Wie aus Stolp berichtet wird, landete bei dem Dorfe Strickershagen in der Nähe von Stolp ein polnisches Flugzeug, das mit zwei Offizie­ren besetzt war. Das Flugzeug wukds beschlag­nahmt. Die Offiziere, ein Hauptmann und ein Leutnant, wurden in einem Stolper Hotel fest­gesetzt. Die Untersuchung, die gemeinsam von Reichs­wehr und L^ndeskriminalpolizei eingeleitet wurde, ergab, daß es sich um ein Jagdflugzeug handelt, in dem sich weder Waffen noch Photoapparate befan­den. Die Offiziere erklärten, sie hätten sich auf einem Fluge nach Bromberg verirrt.

fruchtbaren Boden, und er hat von mehr als 900 Personen auf den britischen Inseln ein­gehende Berichte über ihre Erfahrungen wäh­rend der Sommermonate von 1931 empfangen, öle er als erste Veröffentlichung bei1Gewitter- Zählungs-Organisation" unter dem TitelSom­mergewitter. Erster Jahresbericht 1931" soeben veröffentlicht. Wenn es sich dabei auch natür­lich nur um englische Verhältnisse handelt, so sind doch so manche Tatsachen festgestellt worden, die allgemeineres Interesse beanspruchen. So ergab sich z. B., daß viele Gewitter von den Wetterwarten unbeobachtet bleiben. Bisher nahm man an, daß nächtliche Gewitter in der Londoner City sehr selten auftreten; nun stellt sich aber heraus, daß dies durchaus nicht der Fall ist, sondern daß diese Raturerscheinungen nur oft nicht registriert werden, weil die City in der Rächt ganz verlassen ist. Gewitter wurden irgendwo auf den britischen Inseln an 110 Tagen von den 183 Tagen der sechs Sommermonate im vergangenen Jahr beobachtet. Weite Ge­biete von Großbritannien werden merkwürdiger­weise häufiger im Winter von Gewittern be­troffen als im Sommer. Einige Berichterstatter aus Wales meldeten eine ungewöhnliche Er­scheinung um Mitternacht, die wie ein sehr schwerer Donner klang. Dabei aber war sonst keine Spur von einem Gewitter zu bemerken. Rähere Rachforschungen ergeben, daß es sich dabei um den Fall eines großen Meteors han­delte. Ein Mitarbeiter aus Sussex verzeichnete ein Gewitter, das nach andern Angaben 58 Kilometer entfernt gewesen sein muß, als er zuerst den Donner hörte. Im allgemeinen glaubt man, daß die Entfernung eines Gewitters sich dadurch ausrechnen läßt, daß man die Ent­fernung von 1,5 Kilometer für jede Sekunde zwischen Blitz und Donner annimmt. Dieser Glaube ist aber irrig, denn tatsächlich zeigt ein Zwischenraum von 5 Sekunden zwischen Blitz und Donner die Entfernung von etwa 1,5 Kilo­meter an. Wenngleich es bis zu einem ge­wissen Grade von Sicherheit möglich ist, voraus­zusagen, wo und wann Gewitter auftreten werden, so ist doch die Gewitter-Vorhersage ebenso großen Fehlern unterworfen wie die Vorhersage so vieler Witterungserscheinungen. Man hofft, durch die regelmäßige Beobachtung und Zählung der Ge­witter durch eine große Anzahl von Personen an den verschiedensten Orten die Grundlage für eine sichere Prophezeiung zu schaffen.