sächlich Wurde der Panzerwagen gefunden. Es handelt sich um einen mit fünf Millimeter dickem Stahlblech beschlagenen und mit Schießlöchem und gefechtsmäßiger Ausrüstung versehenen Kraftwagen, der von der Schutzpolizei in der Polizeiunterkunft sichergestellt wurde. Maschinengewehre oder andere Waffen konnten bisher nicht gefunden werden. Die Nachforschungen nach Waffen gehen jedoch weiter. Festnahmen sind bisher nicht erfolgt.
Zu der Beschlagnahme eines Panzerwagens teilt die Presse st eile der Regierung in Kassel mit, daß am Dienstagmittag in i>em Gehöft des Landwirts Holt in Hofgeismar auf An- vrdnung des Landrats eine polizeiliche Durchsuchung stattfand. Hierbei wurde ein alter Lastkraftwagen beschlagnahmt, der nach Angabe der Beteiligten auf Anordnung der Kreisleitung der RSDAP. in den letzten Rächten mit 5 Millimeter starkem Blech gepanzert worden ist. Die Panzerung ist nach allen Seiten durchgeführt und nur durch Sehlöcher und auf beiden Flanken durch einen Schlitz unterbrochen. Der Führer der SA.-Formation erklärte, daß der Wagen zum ungefährdeten Transport von SA. - Angehörigen bestimmt sei. Die Durchsuchung nach angeblich vorhandenen weiteren Waffen ist erfolglos geblieben. Rur wurde bei einem zu der Durchsuchung herbeigecil- ten Angehörigen der SA. eine Pistole mit 75 Schuh Munition beschlagnahmt. Die Entscheidung über die Durchführung eines etwaigen Strafverfahrens und über den Verbleib des Wagens auf Grund des Kriegsgerätegesetzes vom 27. Juli 1927 istSachederordentlichenGerichte.
Oie RGOAp. zu den Königsberger Vorfällen.
München, 3. Aug. (ERB. Funkspruch.) Unter der Niederschrift „Die Wahrheit über Königsberg" besaht sich die nationalsozialistische Partei- kvrrespondenz mit den Königsberger Vorgängen und verweist auf die Ermordung des S A.- Mannes Reinke, der am Montag eine neue Bluttat gefolgt sei. Die Erregung darüber, so wird erklärt, habe auf alle anständigen De- völkerungskreise übergegriffen, besonders nachdem es völlig offenkundig geworden sei. dah die polizeilichen Abwehrmittel dem „älntermenschentum" gegenüber versagt hätten. Die Korrespondenz fährt fort: „So bedauerlich die letzten Königsberger Vorgänge auch sind, endlich wird es begreiflich, wenn sich unter den obwaltenden Umständen eine Empörung — und zwar gegenüber den intellektuell verantwortlichen — herausbildet, und wenn auch Rationalsozialisten von dem Raturrecht der Rotwehr Gebrauch machen, um sich nicht weiter nutzlos abschlachten zu lassen. Daraus schlieht dann der Artikel, dah es unbedingt die Aufgabe der Regierung sei, nun ohne weitere Folgen „dem marxistischen Dlutterror mit den äußersten staatlichen Machtmitteln den Garaus zu machen".
Neue Zeuerüberfätte.
Rach Meldungen, die noch einer Bestätigung bedürfen, ist auf den Reichsbannerführer R a s ch k o w s k i in Szillen bei Tilsit ein Feuerüberfall verübt worden. Verletzt wurde niemand. — Rach einer Meldung des „Völkischen Beobachters" fuhr in der Rächt zum Montag eine Gruppe von Kommunisten in einem Kraftwagen am Braunen Haus in Kaiserslautern vorbei und gab auf das Gebäude mehrere Schüsse ab. Personen sollen, wie es weiter heißt, dabei nicht zu Schaden gekommen sein. Die Rationalsozialisten hätten sechs Kommu- nisten festgenommen und der Polizei übergeben. — Auf die Kieler Synagoge wurde in der vergangenen Rächt von unbekannten Tätern ein Spreng st off anschlag verübt. Beschädigt wurden ein Teil der Außenwand, eine innere Wand und einige kleine Butzenscheiben. Ferner wurden durch umherfliegende Steinstücke iu dem gegenüberliegenden Elektrizitätswerk mehrere Fensterscheiben zertrümmert. — Auf mehrere vor dem Zwenkauer Volkshause stehende Personen wurden in der vergangenen Rächt von einem vorüberfahrenden Kraft
Gommer, Gönne, Süden.
Don Siegfried von Vegesack.
Jeder Tag, jede Stunde ist unwirklich wie ein Traum, und wenn du am Morgen aufwachst, mußt du dich lange besinnen, ob du wirklich schon wach bist oder noch träumst. Da ist zuerst der Amselruf: noch im Halbschlaf, im Dämmergrün der geschlossenen Fensterläden hörst du die hell jubelnde Stimme, der eine andere aus der Ferne antwortet, — und schon in diesem morgendlichen Zwiegesang der winzigen Dogelkehlen liegt alles Sommerglück beschlossen.
Dann fallen die Glocken ein. Zuerst die von Sorengo; stotternd, noch verschlafen, torkeln und stolpern die Schläge über die Wiesenschlucht und die Rebenhugel. Dann antwortet Biogno: erregt und heiser bimmelt es von der Höhe. Brummend fällt Breganzona ein, aber Biogno behält doch keifend das letzte Wort. Bis dann ganz fern über den See die tiefe summende Stimme von Agno ernst und mahnend die lärmenden Geschwister zur Ruhe verweist.
Jetzt ist es Zeit: der Tag ist angebrochen. Ich öffn« die Mappernden Fensterläden, beuge mich weit hinaus in das blendende Licht, trinke die noch tau- feuchte Lust des strahlenden Morgens. Die Sonne hebt sich schon über den dunstigen Hängen des Bog- lia. Der Himmel ist noch von dünnen Schleiern überspannt, aber das Blau dringt immer kräftiger durch, die Nebel über dem See verdampfen. Schnell unter die Brause, und dann im Badeanzug in den Garten.
Die Johannisbeerbüsche sind schon voll roter Trauben. Dunkelrot hängen die vom Nachtregen blankpolierten Kirschen an den niedrigen Zweigen. Hellblau, rosa und violett bauschen sich die Blütenbälle der Hortensien. Und dort, im Schatten des alten Walnußbaumes, schimmern die weißen Sterne des Jasmin.
Aber am schönsten ist der Morgen in der kühlen Rosenlaube, zwischen den dichten Stauden, neben dem unermüdlich plätschernden Rinnsal. Grün gedampft fällt das Licht durch das von Bienen umsummte Blätterdach und wirft gesprenkelte Sonnen- flecke auf den Frühstückstisch. An der terrakotta- £»V-aUSm.auer §e'chnen sich die zackigen Schatten der Wemranken ab. Zartgliedrig und schlank stehen Spireen gegen das Schwarz einer offenen Tür.
Die Amsel ruft noch immer. Dann und wann kommt ein verspäteter Glockenschlag torkelnd von
wagen aus sechs Schüsse abgegeben. Ein 19jähriger junger Mann erhielt einen Schuh in den Fuß. Die Täter sind unerkannt entkommen. Auf den Gemeindevorsteher von Norgau (Ostpreußen), S a l l o w s k i, der Mitglied der SPD. ist, wurde ein Revolveranschlag verübt. S. ist von zwei Schüssen in den Kopf getroffen worden und liegt hoffnungslos darnieder. Vor seinem Hause fanden sich gegen 11 Uhr zwei bisher unbekannte Männer ein, die ihm unter dem Vorwande, etwas zu bringen, ans Fenster lockten. Als S. mit seiner Frau und seinen Kindern hervortrat, gaben die Männer die beiden Schüsse ab.
Oer evangelische Religionsunterricht in Preußen.
Berlin. 2. Aug. (WTB.) Die Frage, in welcher Form die Interessen der evangelischen Landeskirchen Preußens an der Erteilung des Religionsunterrichts im Rahmen des Artikels 149 Abs. 1 der Reichsverfassung gewahrt werden sollten, war in wiederholten gemeinsamen Beratungen zwischen dem LInterrichtsministerium, den Vertretern des Evangelischen Oberkirchenrats und den hauptsächlichsten evangelischen Lehrerverbänden vor den letzten Wahlen zum preußischen Landtag soweit gefördert worden, daß die Veröffentlichung des Ergebnisses schon damals erwartet wurde. Die Staatsregierung hat sich nunmehr zur unveränderten Bekanntgabe der damals fe st ge st eilten Grundsätze entschlossen. Für den Bereich der öffentlichen und privaten Volks- und mittleren Schulen wird danach den preußischen evangelischen Landeskirchen die Möglichkeit geboten, durch Beauftragte, in der Regel staatliche Schulaufsichtsbeamte, ausnahmsweise Leiter oder Lehrer öffentlicher Schulen, die das Vertrauen der Leh
rerschaft genießen, den Religionsunterricht besuchen zu lassen. Die Reuregelung läßt die Rechte der Staatsschulaufsicht unberührt.
Oie Berliner presse zur polnischen Beschwerde.
„Eine ungewöhnlich dreiste Heraussordcrnng."
Berlin, 3. Aug. (TU.) Die Zurückweisung der polnischen Beschwerde wegen des Flaggen» -wischenfalls in Warschau am 31. 3uli wird von den meisten Berliner Blättern begrüßt. Die „Germania" bezeichnet die Zurückweisung als die einzig richtige Antwort. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt, die deutsche Antwort habe nicht anders als mit dürren Worten die polnische Dreistigkeit zurückweisen können. — Der „L o k a l a n z e i g e r" bezeichnet die Beschwerde als eine s e l b st für polnische Verhältnisse ungewöhnlich dreiste Herausforderung Deutschlands. Das Blatt vertritt die Auffassung, daß selbstverständlich der Fall mit der Zurückweisung nicht erledigt sein könne. Die Forderung nach einer Genugtuung sei eine völlige Selbstverständlichkeit. — Das „Berliner Tageblatt" schreibt, durch diese reichlich nervöse Taktik der Polen sei nunmehr eine Lage geschaffen, die der weiteren Entwicklung der ohnehin nicht erfreulichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen nicht förderlich sein könne. — Die „Deutsche Zeitung" bezeichnet die polnische Beschwerde als eine Herausforderung, die wiederum zeige, bis zu welchem Grade, der polnische Größenwahn bereits angewachsen sei.
Aus aller Welt.
Die Bergungsarbeiten an der „Riobe".
Die Bergungsarbeiten am Wrack der „Riobe" konnten wegen des schlechten Wetters nicht fortgesetzt werden: sie wurden jedoch Mittwoch wieder ausgenommen. Die Taucher sind jetzt damit beschäftigt, das Oberdeck zu räumen. Zu diesem Zweck wurde der Fockmast über Deck abgesprengt und die Wanten gelöst. Tote sind bisher weder am Wrack noch an den Küsten der R ach b a r l än de r gef u nde n worden.
Wellenänderung des Kasseler Senders.
Der Rundfunksender Kassel o-beitet mit elf anderen europäischen Sendern auf der internationalen Gemeinschaftswelle 1220 kHz (245,9 m). Die Empfangsverhältnisse sind infolge der Beeinflussungen der übrigen Sender sehr ungünstig. Um die Verhältnisse zu bessern, ist nunmehr in Aussicht genommen, den Rundfunksender Kassel im Gleichwellenbetrieb mit Frankfurt a. M. auf Welle 259,3 m zu betreiben. Gleichzeitig wird die Leistung des Senders verdoppelt. Kassel soll ferner den in Münster (Westfalen) freigewordenen Sender empfangen, der auf den neuesten Stand der Technik gebracht wird. Mit der Inbetriebnahme des neuen Senders ist Anfang 1 933 zu rechnen. Da die neue, für die Ausbreitungsverhältnisse an sich günstigere Welle in der Rahe der bisherigen Kasseler Welle liegt, werden sich Empfangsschwierigketten auch bei ganz einfachen Geräten nicht ergeben. Die Einstellung des Dreh- kondensators beim Empfangsgerät wird sich nur wenig ändern.
hessen-Rassau
hak die geringste Säuglingssterblichkeit.
Hessen-Nassau hat seit einigen Jahren unter allen Vergleichsgebieten die g e r i n oft e Säuglings- sterblichkeit aufzuweisen. Bereits 1913 starben in Hessen-Nassau von 100 Säuglingen im ersten Lebensjahr nur 9 gegen 15 im Reichsdurchschnitt. 3m Jahre 1926 waren es in Hessen-Nassau nur I noch 7, im Reich 10; 1928 in Hessen-Nassau 6, im |
Reich 9; 1930 in Hessen-Nassau 5 und im Reich 8. Dieses Verhältnis blieb auch im Jahre 1931 bestehen. Jedenfalls steht Hessen-Nassau in dieser Hinsicht recht günstig da.
von Gronau bei Lhikago gelandet.
Der deutsche Atlantikflieger Wolfgang v. Gronau ist, von Detroit kommend, auf dem Michigansee bei Chikago gelandet.
Freundlicher Empfang des Kreuzers „Karlsruhe" in Peru.
Der deutsche Kreuzer „Karlsruhe" hat nach mehrtägigem Aufenthalt den peruanischen Hasen Callao verlassen. Der Kreuzer ist von der peruani- chen Reaierung und den in Callao ansässigen Deut« ■ chen sehr freundlich ausgenommen wor- )en. Der Staatspräsident von Peru, der den Kommandanten des Kriegsschiffes in Audienz empfangen hatte, besichtigte den Kreuzer. Er sprach bei diesem Anlaß persönlich sein Beileid zu dem Untergang des Schulschiffes „Niob e" aus. Die Besatzung des Kreuzers beteiligte sich durch Entsendung einer Landungskompagnie mit Musik an der Feier des peruanischen Nationaltagee.
Professor piccard über feine Absichten.
Professor Piccard ist mit seinem Begleiter und seiner Ballongondel im Lastwagen in Mühlhausen im Elsaß eingetroffen und hat nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Zürich fortgesetzt. Auf Befragen erklärte er, daß er während seines Fluges nur sehr wenig funkentelegra- phischeRachrichten geben werde, da er dazu kaum Zeit habe. Sein Begleiter und er würden vielmehr mit wissenschaftlichen Versuchen sehr stark beschäftigt sein. Er habe außerdem nicht die Absicht, seinen letzten Höhenrekord zu überbieten. Es sei möglich, daß er über 16 000 Meter steigen werde, es sei aber auch nicht ausgeschlossen, dah er sich unter dieser Grenze halten werde. Es liege ihm weniger an der Erreichung einer einer möglichst großen Höhe als an der Durchführung der von ihm geplanten Der- suche.
einem Hügel. Und wenn die eine Glocke einschläft, dann wacht die andere auf. In der Lust ist ein immerwährendes Summen von Glocken und Bienen. Das fröhliche Getute des Postautos schallt hell von der Collina d’ Oro herüber, und unten im Tal schnurrt pfeifend die blaue Ponte-Tresa-Bahn aus dem Tunnel.
Nach dem Mittag wandere ich zum See nach Ag- nuzzo. Hier herrscht gottlob noch kein mondäner Badebetrieb, wie am Lido in Lugano, man kann unaestört auf der Kleewiese liegen, der See ist noch nicht von Menschenköpfen angefallt. Ein Motorboot knattert vorüber, ein brummender Flieger zieht hoch oben seine Bahn, — aber ich will mit niemand tauschen. Hier liegen und in den Himmel schaun ist vollkommenes Glück: Sommer, Sonne, Süden ... Ich schließe die Augen und öffne sie wieder: nein, ich träume nicht, ich liege hier wirklich. Und doch wird mir bald alles wie ein ferner Traum erscheinen: der Sommer neigt sich schon, die Sonne hat sich gewendet, der Süden versinkt. Wenn man die Zeit doch, wie eine Stoppuhr, zum Stillstehen zwingen könnte! Aber der unermüdliche Zeiger der Zeit läuft unbarmherzig weiter. Die Schatten wach- sen. Und jeder Tag, jede Stunde ist unwiderbringlich verloren.
Dann kommt der Abend, die Nacht. Schnell wird es dunkel. Ueberall flammen Lichter auf: elektrische Campen, Glühwürmchen, Sterne. In kühn geschwungenem Bogen steigt die flimmernde Lichter- tette der Funicolare in den nächtlichen Himmel. Und überall klingt es, quarrt es, zirpt es, singt es- in der nahen Osteria klimpert ein Vertical, die Laub- frösche schnarren, aus der Ferne tönt der schwer- mütige Moll-Gesang der Tessiner Burschen.
Ich setze mich auf die steinerne Bank vor der Osteria, trinke den dunkelroten Nostrano, breche das weiße, duftende Brot. Die kleine kraushaarige Angelina hat mir einen Teller blanker Kirschen auf den Tisch gestellt. Jetzt eilt sie auf ihren klappernden Holzschuhen in das hallende Haus. Wie ich das Klappern dieser „Zoccoli" liebe. Eine grau-weiße Katze lugt scheu aus dem Torbogen hervor, huscht mit gestrecktem Schwanz über die enge Gasse. Vom Garten her tönt das dumpfe Kollern der Boccia- Kugeln. Von den dunklen Mauern strömt noch auf- gespeicherte Sonnenwärme.
Sommer, Sonne, Süden. >. Jeder Tag, jede Stunde ist ein Geschenk. Aber ein Geschenk, das du nicht halten, nicht aufbewahren kannst. Und einmal wird es Herbst.
Vogelzug nach dem Mondlichi.
Bei dem Geheimnis des Vogelzuges, das noch immer nicht völlig gelöst ist, spielt auch die Frage eine Rolle, wann die Zugvögel im Frühjahr erscheinen und wann sie uns int Herbst verlassen. Beobachtungen des Wetters führten zu keinen Ergebnissen. Da nun viele Vogelarten bei Rächt wandern, so kam der Wiener Meteorologe Dr. Dörr auf den Gedanken, zu beobachten, ob ein Zusammenhang zwischen dem Zug und den Mondphasen bestehe. Cs lag ja nahe, anzunehmen, daß der Mond den Wandervögeln das nötige Licht spendet. Bei seinen ünter- suchungen wurden Beobachtungen aus Oesterreich. Ungarn, der Schweiz, aus Frankreich, Estland, Rordschweden und Rorddeutschland berücksichtigt. Wie der Gelehrte nun in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften mitteilt, ergab sich deutlich eine Abhängigkeit der Daten des Einzugs und Abzugs vom Mondlicht. Die meisten Vögel traten ihre Wanderung um den Vollmond an oder trafen um diese Zeit ein; aber auch im ersten und letzten Viertel waren größere Zahlen zu verzeichnen. Run fällt der Vollmond in jedem Jahr um elf Tage früher als in den vorausgegangenen, und dem entspricht der gleiche Wechsel in der Ankunftszeit der Zugvögel. Tritt der Vollmond schließlich sehr früh auf, so zeigt sich eine Verstärkung der Zughäufigkeit nach diesem Vollmond und umgekehrt. Zwar fällt erst nach 19 Jahren der Vollmond wieder auf das gleiche Monatsdatum, aber schon nach je drei Inhren liegen die Daten wieder nahe beieinander und noch näher rücken sie nach je acht Jahren. Auf Grund eines großen Materials konnte Dörr nun nachweisen, daß diese drei Mondperioden, die neunzehn-, die acht- und die dreijährige, mit den Beobachtungen der Wanderzeiten der Zugvögel gut übereinstimmen.
Zeitschriften.
Snt Augustheft der „Zeitwende" (C. H. Beck sche Verlagsbuchhandlung München) hat Johannes Gerhardt die Zerrüttung der Weltwirtschaft zum Gegenstand einer fesselnden, auch dem nS’HL verständlichen Abhandlung gemacht. Zur Abhilfe fordert Gerhardt Reuaufbau der Weltwirtschaft und Herstellung einer neuen Der- trauensgrundlage. Eugen Kalkschmidt zeigt am Beispiel der vorbildlichen preußischen Ostsiedlung
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 3. August 1932.
Amtsgerichtsrat Gros 60 Jahre alt.
Am morgigen Donnerstag, 4. August, kann Amtsgerichtsrat Franz Gros in Gießen in voller Rüstigkeit und bester Schaffensfreude seinen 60. Geburtstag begehen.
Franz Gros ist geborener Oberhesse und mit feiner oberhessischen Heimat aufs innigste verwachsen. Er wurde am 4. August 1872 zu Hof Kolnhausen bei Lich geboren, besuchte die Gymnasien zu Gießen und Minden (Westfalen) und widmete sich dann von 1892 bis 1895 dem juristischen Studium in Gießen und in Berlin. Don 1896 bis 1899 war er als Sekretär der Großherzoglichen Handelskammer in Gießen tätig, hierauf war er bis 1901 als Gerichtsassessor am Landgericht in Mainz beschäftigt. Von 1901 bis 1904 amtierte er als Gerichtsass<;ssor, Amtsanwalt und stellvertretender Amtsrichter in Fürth i. O. und in Alsfeld, von 1905 bis 1913 war er Amtsrichter in Lorsch a. d. Bergstraße, seit 1. Oktober 1913 ist er als Amtsgerichtsrat in Gießen. Sein Dienst als Grundbuch-, Vormundschafts-, Iugend- und Aufwertungsrichter führt ihn mit breiten Bevölkerungsschichten aus Stadt und Land täglich eng zusammen. Durch feine großzügige, jedem Bureaukratismus abholde Amtsführung und durch seine Befähigung, in menschlich mitfühlender Weise jedem einzelnen so weit wie nur irgend möglich entgegenzukommen, hat er sich ein Maß von Wertschätzung erworben, das in unserer Zeit nicht allzu häufig anzutreffen sein wird. Zu seiner großen Beliebtheit trug aber auch feine bereitwillige ehrenamtliche Mitarbeit auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens bei. Während seiner Alsfelder Dienstzeit war er Wiederbegründer und 1. Vorsitzender des dortigen VHC., und in dieser gemeinnützigen Tätigkeit hat er sich in vielfältiger Weise um die Förderung der Interessen der Stadt Alsfeld verdient gemacht. In den Kriegsjahren war er als Vorsitzender der Kreisverteilungsstelle des Kommunalverbandes, der Kriegskinder-Fürsorge und verschiedener anderer Stellen tätig, ferner wirkte er als Mitglied des Kreisausschusses in Ernährungefragen mit. Seine aufopferungsvolle und von Erfolg gekrönte Arbeit fand ihre wohlverdiente öffentliche Anerkennung durch die Verleihung der Hessischen Silbernen Kriegsverdienstmedaille und des Preußischen Kriegsverdienstkreuzes. Seit langer Zeit ist er Vorstandsmitglied des Gesellschaftsvereins in Gießen, ferner arbeitet er in hervorragender Weise im Obst- und Gartenbauverein mit. 1Is Aufsichtsratsmitglied und sodann als stellvertretender Auffichtsratsvor- sitzender der Handels- und Gewerbebank in Gießen stellt er fein ausgezeichnetes fachliches Wissen • und seine reichen Erfahrungen in vorbildlicher Weise der Förderung des handwerklichen und gewerblichen Mittelstandes unserer Stadt zur Verfügung. Außerdem ist er von jeher zahlreichen Voll mossen in Stadt und Land, die sich um Rat und Belehrung an ihn wandten, ein gewissenhafter und selbstloser Ratgeber geworden. Zu dieser Hilfeleistung befähigt ihn nicht nur seine Erfahrung im Amt, sondern auch seine jahrelange Tätigkeit als Mitherausgeber der Hessischen Gesetzessammlung, die er in Gemeinschaft mit dem bekannten hessischen Genossenschaftsführer und früheren Landtagsabgeordneten _ • Justizrat Dr. Reh bearbeitet.
Reben feiner vielseitigen Tätigkeit in dienstlicher und ehrenamtlicher Eigenschaft fand er immer noch Zeit und Mutze zur Schriftstellerei. Hier wurde feine tiefe Liebe zu feiner oberhessischen Heimat: und zu dem kernigen, bodenständigen Volksstamm unserer Provinz ganz besonders sichtbar. In feinen köstlichen Erzählungen aus dem oberhessischen Volksleben, die ihren älrsprung im Volke selbst haben und frei sind von mehr oder minder künstlicher Aufmachung, gewinnt man prächtige Einblicke in die Eigenart unserer oberhessischen Heimat und ihrer Bewohner. Dadurch und durch die sorgsam gestaltende Feder des Schriftstellers haben sich feine Erzählungen über Gießen und Ober- hefsen hinaus ein dankbares Publikum erworben. Hierzu trugen die liebenswürdigen, vorbildlichen Charaktereigenschaften des Verfassers bei.
vor zweihundert Iahren, wie auch ein armer, zu äußerster Sparsamkeit gezwungener Staat auf diesem Gebiet bei zielbewutztem Einsatz seiner Kräfte Gröhes und für die Zukunft der Ration Entscheidendes leisten kann. Sein Aussatz „Der Soldatenkönig als Landesvater Ostpreußens" beschäftigt sich vor allem mit der umsichtigen Fürsorge, die Friedrich Wilhelm I., der Vater Friedrichs des Großen, den um ihres Glaubens willen vertriebenen Salzburgern widmete. — Fritz Schuncks Erinnerungen eines Anstaltsgeistlichen über „Die letzten Tage eines Raubmörders" schließlich sind ein ebenso anschaulicher wie menschlich tiefer, von aller Parteiagitation unabhängiger Beitrag zu der heute die Oeffentlichkeit bewegenden Frage nach der Berechtigung der Todesstrafe.
Sochschulnachrichten.
Von der Preußischen Akademie der Wissenschaften sind zu korrespondierenden Mitgliedern gewählt worden: in der philosophisch-historischen Klasse der Professor H u S ch i an der llniberfität Peking; in der physikalisch- mathematischen Klasse Professor Fritz <5 a r a f i n in Basel und der Professor für Physik Arthur Holly C o m p t o n an der ilniberfität Chikago.
Prioatdozent Dr. Richard A l e w y n an der Universität Berlin hat den an ihn ergangenen Ruf auf die durch den Tod des Professors Dr. Friedrich G u n b o l f freigeworbene planmäßige cmßerorbent- liche Professur für neuere deutsche Literatur an ber Universität Heidelberg für den 1. Oktober 1932 angenommen.
Professor Dr. Kirschner, ber Direktor der Chirurgischen Klinik in Tübingen, hat einen Ruf an bie Universität Heibelberg als Nachfolger von Prof. Dr. E n b e r I e i n erhalten.
Professor Dr. Adalbert Czerny, der Berliner Ordinarius für Kinderheilkunde, tritt wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Sein Rachfolger wird, wie früher bereits gemeldet, der Leipziger Ordinarius Professor Dessau.
Professor Dr. Franz Schacht in Heidelberg, der als Verfasser einer langen Reihe von Schriften und Arbeiten auf dem Gebiete der Land- und Volkswirtschaft bekannt geworden ist, beging seinen 8 0. Geburtstag.
Professor Dr. Georg PetschekinWien beging dieser Tage seinen 6 0. — nicht, wie ursprünglich berichtet wurde, den 70. — G e b u r t $ t a g.


