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Öen, daß er der letzte fei, der fich ^ofs über in gewagte Abenteuer stürzen würde.

Financial News" führt aus, der Beschluß des Präsidenten von Hindenburg, Herrn von Pa- ven mit der Bildung einer Regierung zu betrauen, die sich nicht auf politische Parteien oder Gruppie­rungen stütze, habe in der Londoner City einen günstigen Eindruck gemacht. Man erwarte, daß der Reichstag ausgelöst und die neue Negierung nach Lausanne gehen werde, ge­stützt allem auf die Autorität des Reichspräsidenten und ohne Rücksicht auf die Haltung des Parla­ments. Daß Dr. Brüning nicht nach Lausanne gehe, sei zwar bedauerlich, allein die Aenderung habe zweifellos gewisse Borteile. Man wisse, daß Herr von Papcn für die Annäherung mit Frankreich gearbeitet habe und deshalb persona grata in Paris sei. Es wäre denk­bar, daß die französische Regierung jetzt mehr Nei- gung zu Zugeständnissen zeigen werde, als sie es gegenüber einer Brüning-Regierung getan hätte. Ucberbics habe sich Herr von Papen auf keinerlei Politik festgelegt und sei vielleicht aus diesem Grunde eher im Stande, die Unpopularität auf sich zu neh- men, die irgendwelche im Interesse eines Kompro­misses mit Frankreich gemachte Zugeständnisse mit sich bringen würden.

In der PariserInformation" schreibt Fer­nand de Brinon, es wäre eine neue Illusion, etwa schon jetzt zu behaupten, daß die Regierung von Papen keine Autorität haben werde, um Deutschland auf den großen wirtschaftlichen Konferenzen zu ver­treten. Bon Papen sei der Typ eines deutschen Kon­servativen; er sei von Anfang an Mitglied des deutsch-französischen Studienaus­schusses gewesen und keineswegsein Geg­ner Frankreichs, als den schlecht unterrichtete und infolgedessen übelwollende Leute ihn hinstellen wollten. Er werde in Interesse beider Nationen eine Verständigungwünschen, natürlich zunächst zugunsten Deutschlands, das der hauptsächlich for­dernde Teil sei. Er werde die völlige endgültige Streichung der Reparationszahlungen verlangen. Bisher habe von Papen hinsichtlich aller dieser Punkte nicht wie ein Kriegshetzer Stellung genommen.

Oie Opposition der Staatspariei.

Berlin, 2.3uni. (ERD.) Der Geschäftsfüh- rende Dorstand und die Reichstagsfraktion der Deutschen Staatspartei haben eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Die Deutsche Staatspartei lehnt mit aller De stimmt- heit das Kabinett von Papen ab. das gegen den Geist der Verfassung gebildet und ohne Rücksicht auf außenpolitische, innenpolitische und wirtschaftliche Gefahren lediglich dazu bestimmt ist. die Weisungen der rechtsradikalen Parteien aus­zuführen, ohne daß DUese selbst an der Verant­wortung formell beteiligt sein wollen.

Hindenburgs Dank an Brüning.

Ein Schreiben des Reichspräsidenten an den scheidenden Kanzler.

Berlin, 2. Juni. (WTB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident hat an den scheidenden Reichskanzler Dr. Brüning das nachstehende Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

Ihrem Anträge um Entbindung von Ihren Aemtern als Reichskanzler und als Reichsmini st er des Auswärtigen habe ich mit dem anliegenden Erlasse entsprochen.

Ich empfinde es schmerzlich, mich von Ihnen trennen zu müssen, nachdem ich während der zwei Jahre unserer Zusammenarbeit so vielfach Gelegenheit hatte, Ihren lauteren Charakter, Ihre umfassenden Kennt­nisse und Ihre selb st lose Hingabe an die übernommene Pflicht kennen und hoch- schätzen zu lernen. Für alles, was Sie in diesen an schweren Erschütterungen und wichtigen Entschei­dungen so reichen Jahren im Dienste des Vater­landes getan haben, spreche ich Ihnen namens des Reiches wie in meinem Namen meinen herz­lichsten Dank aus. Die Zusammenarbeit mit Ihnen werde i ch nie vergessen und Ihrer Person stets mit großer Hochachtung ge­denken.

Mit meinen besten Wünschen für Ihr persönliches Wohlergehen und mit freundlichen Grüßen verbleibe ich stets Ihr ergebener

(gez.) von Hindenbur g."

Auch den übrigen aus dem Amte scheidenden Mitgliedern der Reichsregierung hat der Herr Reichspräsident anläßlich der Uebersendung der Ent­lassungsurkunden mit herzlichen Schreiben seinen Dank für ihre in schwerer Zeit dem Vaterlande geleisteten Dienste ausgesprochen.

Oie Verlängerung des internationalen Reichsbanttredits.

Paris, 2. Juni. (1BI23.) 3n der Frage des internationalen Rediskontkredits für die Reichsbank in höhe von 90 Millionen Dol­lars ist heute eine grundsätzliche U e b e r e in­ff i m m u n g erzielt worden, nachdem der Regent­schaftsrat der Bank von Frankreich sich mit der An­gelegenheit auch heute nachmittag beschäftigt hat. Der Kredit wird erneuert, ohne daß, wie dies von französischer Seite ursprünglich beabsichtigt gewesen, eine teilweise Zurückzahlung schon jetzt vorgenommen wird. E» soll gleichzeitig aber eine Formel festgesetzt werden, welche eine automatische Tilgung des Kredites im Zusammenhänge mit der Besserung der De­vise n l a g e der Reichsbank erlauben soll.

Oie Regierungsbildung in Bayern.

München, 2. Juni (EDV.) Die Baye- rifche Volkspartci hat nunmehr die I n i - tiative zur Bildung einer parla­mentarisch verantwortlichen Regie­rung in Bayern ergriffen. Der Vorsitzende der Landtagsfraktion der DVP. hat an die Fraktion der RSDAP., der SPD, des Bauern- und Mit­telstandsbundes und an die Gruppe der DRVP ein Schreiben gerichtet. Der Vorschlag der Par­tei läuft aus die Wahl eines Minister­präsidenten ohne vorausgehende Vereinbarungenkoalitionsmäßiger A r t unter den Parteien hinaus. Für die Wahl zum Ministerpräsidenten schlägt die DVP. den bisherigen Ministerpräsidenten Dr. Held vor. OieDersorgungderKriegSbeschädigten.

Berlin, 2. Juni. (VDZ.) Ilm Kriegsbeschä- digtenausschuß wurde ein Antrag Mumm lEhr.-Soz.) zur Aenderung der Vierten R o t d e r o r d n u n g mit den Stimmen sämtlicher Parteien angenommen. Er ersucht die Regierung

chie Anrechnung ver Sozlakrenren auf die Kriegsbeschädigtenrenten wieder zu beseitigen und, solange dies nicht möglich sei, eine Reihe von Milderungen eintreten zu lassen, insbesondere von völliger Auf­hebung der Sozialrenten abzusehen und zu verhüten, daß Heimstätten, die Kriegs­beschädigte mit Hilfe einer Kapitalabfindung ihrer Kriegerrente geschaffen hätten, diesen wiederum verloren gingen.

Oie Weliwirtschastskonferenz.

Starker Argwohn in Frankreich.

Paris, 3. Juni. (WTB. Funkspruch) Die eng­lische Initiative, eine internationale Wirt­schaftskonferenz nach London einzuberu­fen, wird von der französischen Presse stark bearg­wöhnt.Echo de Paris" schreibt: Offensichtlich verfolgt England mit seinem Plan einen doppelten Zweck. Einmal soll aus der Lausanner Konferenz

Neun Wahllisten.

Darmstadt, 2. Juni. Die Einreichungsfrist für die Wahllisten für die hessische Landtagswahl ist heute abgelaufen. Es sind neun Listen eingereicht worden. Die Wahlvorschläge numerieren sich wie folgt:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

2. Zentrum.

3. Sozialistische Arbeiterpartei und Kommuni­stische Opposition.

4. Kommunistische Partei Deutschlands.

5. Dr. Leuchtens.

6. JDeutfdjnahonale Volkspartei.

7. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

8. Liste Reiber (Hessische Demokraten).

9. Nationale Einheitsliste.

Wie wir hören, besteht einfache Listenv^r- b i n b u n g zwischen den Listen 1 und 8 (SPD. und Reiber); verbunden sind weiter die Listen 5 und 6 (Leuchtgens und DNVP.), während die Deutschnatio­nalen und die Nationalsozialisten noch einmal eine engere Liftenoerbindung eingegangen sind.

Oie nationalsozialistische Kandidatenliste.

Darmstadt, 2. Juni. (WSN.) Die Kandidaten­liste der NSDAP, lautet wie folgt: Gauführer Lenz, Darmstadt; Prof. Dr. Werner, Butz­bach; Fabrikarbeiter Kern, Eberstadt; Bürger­meister Ritter, Gau-Odernheim; Dr. Daum, prakt. Arzt in Oppenheim; Landwirt Schwinn, Ober-Kainsbach; Landwirts D i e h l, Gau-Odern- heim; Landwirt Wilhelm Seipel II., Fauerbach; Dr. Best, Gonzenheim; Lehrer Klostermann, Bockenrod; Landwirt Gockel, Langen; Friseur- Obermeister Rentz, Alzey (neu); Handlungsgehilfe Hauer, Darmstadt; Regierungsrat Dr. Muller, Alsfeld; Buchdruckereibesitzer d'A n g e l o ; Haupt­mann a. D. Wassu n g, Darmstadt; Obersteuer­inspektor Claß, Darmstadt; Rechtsanwalt Jung, Worms; Landwirt Geiß, Vadenrod; Chemiker Dr. I v e r s, Eberstadt; Landwirt Dr. Wagner; Graf Solms -Lo ubach, Arnsburg; Kauf­mann Brückmann, Auerbach; Handelsvertreter Zürpz, Darmstadt; Bayer, Framersheim (neu); Ziegler, Michelstadt (neu); Amtsgerichtsrat Dr. Barth, Offenbach.

Ausgeschieden find also Dr. Schilling, Gau-Odernheim; Hans Düring, Darmstadt; Dr. Schäfer, Offenbach; Josef Buttler, Eberstadt und Karl Wahl, Badenrod.

Oer Landtagswahlvorschlag Or. Leuchtgens.

Friedberg, 2. Juni. (WSN.) Der frühere Land­tagsabgeordnete Dr. L e u ch t g e n s hat folgende , Litte zu der hessischen Landtagswahl eingereicht: 1. Dr. Heinrich Leuchtgens, Beigeordneter in Friedberg, 2. Richard Hofmann, Landwirt und

Berlin, 3. Juni. (BDZ.) Die heutige Plcnar- itzung des Preußischen Landtags, in der die poli- ische Aussprache beginnt, ist auf den Zugangs­traßen und im Hause wieder stark durch polizei­liche Absperrung und strenge Kontrolle gesichert worden. Auf der Regierungsbank sind nur einige Miiiisterialbeamte erschienen.

'21 bg. Kasper (Komm.) erklärt, die geschäfts- ührende Regierung habe es bisher nicht ür nötig gehalten, an den Tagungen des neuen Landtags teilzunehmen. Heute sitze die Regierung auf der Anklagebank. Die Kommunisten beantrag­ten daher, daß die Regierung sofort herbeigerufen werde.

Abg K u b e (NS.) bezeichnet den Antrag der Kommunisten als eine absolute S e l b st v er­tön d t i ch k e i t. Solange die Regierung im Amt ei, müsse sie der Volksvertretung Rechenschaft geben, olange die Herren die hohen Gehälter beziehen, haben sie hier anzutreten. (Lebhafte Zustimmung und Bravorufe bei den Nationalsozialisten.)

Abg. Hamburger (Soz) betont, das Ministe­rium führe lediglich die Geschäfte und habe keine Veranlassung, sich dem Landtag oder irgendeiner Partei des Landtags zu stellen.

Der Antrag auf Herbeirufung des Staats­ministeriums wird mit den Stimmen der Ratio­nalsozialisten, der Deutschnationalen und Kom­munisten angenommen und die Sitzung auf eine Viertelstunde unterbrochen.

Bei Wiedereröffnung der Sitzung ist die Re­gierungsbank weiterhin leer. Die Zentrums­minister Dr. S t e i g e r, Dr. H i r t s i e f e r und Dr.Schmidt sitzen aus ihren Abgeord- netenplähen.

Abg. Kube (Rats.) ruft:Wo sind die Herren Minister?" und erklärt dann zur Geschäftsord­nung: Ich möchte den Herrn Präsidenten fragen, ob die Herren Minister von ihrer Verpflichtung, hier zu erscheinen, unterrichtet worden sind und was sie darauf geantwortet haben.

Präsident Kerrl teilt mit, daß er den Ministerpräsidenten habe unterrichten lassen. Der Ministerpräsident habe ihm erklärt, daß er damit beschäftigt sei, einen Dries an den Land-

alles, was nicht direkt mit den Reparationen zu- sammenhängt, herausgenommen werden. England wird auf diese Weise eine Frist -von eini­gen Wochen gewinnen, um sich über seine Zollpolitik schlüssig werden zu können. In der Zwischenzeit wird die britische Reichskonferenz in Ottawa stattfinden und die englische Regierung Klarheit darüber erhalten haben, ob es auf den Abschluß von Vorzugszollabkommen mit denübrigen Mitgliedern der englischen Familie" rechnen kann und dementsprechend wird England sich gegenüber Europa einstellen. Zum anderen be­zweckt England, die Vereinigten Staaten für ein Goldwährungssystem zu interessieren, das Englands Interessen entspricht. England will d i e a l t e Vorherrschaft des Londoner Fi­nanzmarktes wieder Herstellen, indem es eine enge Zusammenarbeit mit Neuyork eingeht. Das Blatt ist überzeugt, daß die Währungskonferenz, an die England denkt, kaum Erfolg haben wird.

Beigeordneter in Rodheim v. d. H., 3. Dr. K. S t e i n, Oberveterinärrat in Friedberg, 4. Philipp Reitz in Weckesheim. Die Lifte ist mit der L i ft e der Deutschnationalen Volkspartei ver­bunden.

Oie Kandidaten

der Hessischen Demokraten.

D a r m st a d t, 2. Juni. (WSllN Die Liste der Hessischen Demokraten (Reiber) weist neun Namen auf. An der Spitze steht Rektor Reiber (Darmstadt), dann folgen Bürgermeister Schuck- mann (Bechtolsheim), Studienrat Balser (Ingel- heim), Landwirt und Bürgermeister Loch (Otter­bach), praktischer Arzt Dr. Hammer (Darmstadt), Postsekretär Schäfer (Darmstadt). Um einen Ver­lust von Reststimmen zu vermeiden, wurde eine wahltechnische Li st.e nverdindung mit den Sozialdemokraten eingegangen.

Gregor Straßer in Darmstadt.

Da r m ft ab t, 2.Juni. (WSN.) Die National- sozialisten hielten am Mittwochabend hier ihre erste große öffentliche Wahlversammlung ab, in der als Hauptredner Gregor Straßer auftrat. Der Red­ner erklärte, daß die Nationalsozialisten, bildlich gesprochen, Gewehr bei Fuß ständen, denn sie wüß­ten, daß man sie in kurzer Zeit rufen werde. Dann werde der nationalsozialistische Reichskanzler die Konkursmasse des heutigen Systems restlos li­quidieren. Die hessische Landtagswayl gelte als eine Generalprobe z u der kommenden Reichstagswahl. An das Steuerruder des Volkes dürfe nur ein Mann, der die Wünsche, die Nöte und die Sehnsüchte seines Volkes kenne und der von sich glaube, daß er diese Nöte auch meistern kann. Die Nationalsozialisten seien von Anfang an aufgetreten gegen die Lüge, daß die Wirtschaft alles bedeute, wie einmal Walther Ra- thcnau behauptet habe. Aus solcher Einstellung her- aus würden Völker zu Tridutkolonicn. Nicht die Höhe des Satzes des Reichsbankdiskonts, sondern der Prozentsatz des Volkes, der hinter ihm stehe, sei wesentlich für den deutschen Reichskanzler, der mit dem Ausland verhandele, lieber der Wäh­rung stehe das Volk, und wenn die Wäh­rung das Volk zugrunde zu richten drohe, dann müsse das Volk gesunden und die Währung zu­grunde gehen, aber nicht umgekehrt. Falsch sei auch der Satz:Kapital schafft Arbeit". In Wirklichkeit schaffe Arbeit Kapital. Auf eigenem Boden sei in Deutschland genug Arbeit vorhanden, an Menschen und an Handwerkszeug fehle es nicht. Es gebe heute Gelegenheit genug zum Sie­deln. Es müßten Straßen gebaut werden, Oedland aufgeschlossen, Land entwässert werden, die Hoch- Wasserschäden müßten durch vorbeugende große Ar- beiten beseitigt werden. Die Nationalsozialisten wür­den diese Dinge bewußt durchführen und der Welt zeigen, daß Arbeit den Wert des Borwärtskommens ausmache und nicht der hohe Zins des internationalen Bankkapitals.

tag zu diktieren, weil er und das Staatsmini­sterium Zweifel hätten, ob die Herbeirufung eines bereits zurückgetretencn Kabinetts zulässig wäre.

Abg. Kube (NS.) bringt den Antrag ein, sämt­liche preußischen Minister, die der SPD. und der Staatspartei angehören, wegen schuldhafter Ver­letzung der preußischen Verfassung vor dem S t a a t s g e r i ch t s h o f a n z u k l a^ e n.

Präsident Kerrl fügt seiner Mitteilung hin­zu, Ministerpräsident Braun habe ihm weiter er- klärt, er würde in der morgigen Kabinettssitzung die Zweifel, die er habe, vortragen.

Aba. Steuer (DN.) führt aus, daß die G e - schäftsordnungsänderung den Charakter einer moralisch ungewöhnlich tief stehenden parla­mentarischen Schiebung, eines glatten Betrugs an dem neuen Landtag und seiner Wählerschaft trage. Die Deutschnationalen verlangten eine beschleunigte Klarstellung, welche Parteien gegenwärtig bereit seien, diese Betrugsmanöver zu decken. Der neue Landtag hat die dringende Pflicht, eine beschleunigte Neuwahl des neuen Ministerpräsidenten zu erzwin­gen und Vorkehrungen dagegen zu treffen, daß die zurückgetretenen Minister unter Mißbrauch der Ver­fassung alslaufende Geschäfte" grundlegende Maß­nahmen der Staatsführung treffen.

Vizepräsident Baumhosf teilte hierauf dem Haus das angekündigte Schreiben des Mi­nisterpräsidenten mit. Das Schreiben besagt, daß der Ministerpräsident für Freitag eine Sitzung des Staatsministeriums einberufen habe, in der die Frage geklärt werden sollte, ob eine zurückgetretene Regierung noch verpflichtet sei, im Landtag zu er­scheinen.

Abg. Kube (Nats.) sagt u. a.: Dor einer Be­reinigung der Angelegenheiten im Reich werde eine Bereinigung der preußischen Regierungsfrage we­der zweckmäßig noch notwendig sein. Wir warnen die Börse vor einer Fortsetzung ihres verbreche­rischen Spieles. Sollte dieses Spiel der letzten Tage fortgesetzt werden, werden wir die Schließung sämtlicher Börsen in Preußen sofort ver­langen. (Beifall rechts.) Hätte man im Kriege man­chen Kriegsschieber rechtzeitig gehängt, wäre es

besser um Deutschland gewesen. Dte Herren 6peh> lanten mögen zur Kenntnis nehmen: Was vor 14 Jahren vergessen worden ist, kann noch nachgeholt werden. Der Redner protestiert dann nochmals da* gegen, daß das Kabinett Braun nicht ook dem Landtag erscheine.

Das Kabinett'Braun habe in den letzten Wochen eine gesteigerte politische Tätigkeit entfaltet, nicht nur in der Ernennung von besonders gut bezahlten Beamten, sondern darüber hinaus in der Ter­rorisierung von Beamten anderer politischer Rich­tungen. In keinem Staat herrscht eine derartige politische Bevormundung wie in Preu­ßen. Ich nehme Rußland und Italien aus, weil da keine Dcrgleichsmöglichkeiten bestehen. Dann reden Sie doch nicht von Demokratie. Dann sagen Sie doch offen: Gewaltherrschaft!

Der Staat soll dem Volk Arbeit, Freiheit, Wohl­stand, Unabhängigkeit und Aufstieg, Gerechtigkeit und Kultur vermitteln. Da das deutsche Volk christlich ist, ist es auch Pflicht des Staates, dem Wunsche der Eltern auf christliche Erziehung ihrer Kinder Rechnung zu tragen. Das kann er nicht, wenn er sozialdemokratisch regierfroirb. Den f o m m u n i ft i -i schen Antrag auf Fürstenenteignung lehnen wir aus Gerechtigkeitsgefühl ab. Der Sozialismus hat auch das^Recht der Hohen- zollern anzuerkennen. (Rufe links: verhört! Das nennt sich Arbeiterpartei.) Jawohl, Arbeiterpartei. Es gibt kein höheres Recht des Arbeiters, als den Volksgenossen gerecht zu beurteilen. Wir National­sozialisten ehren die große Vergangenheit unseres Volkes und Staates. Ohne die Hohenzollern, ohne Friedrich I., Friedrich den Großen und den alten verehrungswürdigen Kaiser (nach links gewandt) säße keiner von Ihnen an dieser Stelle. Das Volk, das seine Geschichte verleugnet, gibt sich selbst auf. Das deutsche Volk hat den Klassenkampf satt. Die Nationalsozialistische Partei wird die so­ziale und nationale Befreiung der Nation bringen, sie wird den preußischen Staat wieder zum Funda» ment deutscher Größe machen. In Oldenburg und Anhalt und eines Tages auch in Preußen wird Adolf Hitler, der dcutsche"Arbeiter, der Herr des Staates sein. (Lebhafter Beifall, Bravorufe und Händeklat­schen bei den Nationalsozialisten.)

Als Abg. H e i l m a n n (Soz.) nunmehr die Rednertribüne betritt, verlassen die meisten Ra­tionalsozialisten den Sitzungssaal. Abg. Heilmann; führt u. a. aus: Für die erste Regierung deo Harzburger Front, die jetzt gebildet ist, ist charak­teristisch, daß ihr kein Mensch angehört, der aus der deutschen Arbeiterklasse hervorging. Ich hoffe, diese Kostprobe genügt, »um den Arbeitern den Geschmack am Dritten Reich gründlich zu ver­derben. Die neue Reichsregierung erscheint unS als unmittelbare Bedrohung der Reste der So­zialversicherung und der anderen Arbeiterinsti­tutionen. Jetzt gilt es, den Zusammenschluß aller Arbeiter zu betreiben.

Abg. Letterhaus (Zentr.): Die Stunde für eine staatsbejahende Rechte war 1930 gekommen. Diese Stunde hat aber keine arbeitswillige Rechte gefunden, obwohl das Zentrum frei war nach jeder Seite und immer die Kräfte gesucht hat, wo sie sich zu ernster Zusammenarbeit boten. Brüning und Stegerwald sind Opfer einer Wühlarbeit ge­heimer Konventikel und exklusiver Klubs ge­worden. Unö wiederum sind es Großindustrie und Großlandwirtschaft, die bei dieser Arbeit zusammenwirken. Wir fürchten, daß das deutsche Volk die Kosten dieser Politik zu zahlen haben wird. In Preußen kann nur ein Ministerpräsi­dent gewählt werden, dem das Zentrum zu- ftimmt. Wir warten in aller Ruhe (Rufe bei den Rats.: Wir auch!), was die Sieger des Wahl­kampfes, die Rationalsozialisten, mit ihren 162 Abgeordneten praktisch hier im Preußischen Land­tag anzufangen wissen. Was wir im übrigen hier erlebt haben, ermutigt uns keineswegs in der Annahme, daß die Rationalsozialisten zu dieser positiven Arbeit bereit sind.

Abg. Stendel (DVP.) nennt die Geschäftsord­nungsänderung ein Stück aus dem Tollhaus. Man sollte annehmen, daß die Nationalsozialisten nun das Bestreben hätten, die bisherige Regierung so schnell wie möglich zu beseitigen. Statt dessen wollten sie, wie Abg. Kube ausgeführt habe, bis nach den kommenden Neuwahlen im Reiche warten. (Abg. Kube:Das hat seine Gründe!") Die dringendste Ausgabe des neuen Landtages sei es, sobald wig möglich eine verfassungsmäßige Regierung zu bilden,

Abg. Veidt (Chr.-Soz.) verurteilt gleichfalls die im alten Landtag getroffene Aenderung der Ge­schäftsordnung. Durch solche Methoden werde das politische Leben vergiftet.

Aus aller Well.

Lin gelungenes Fernseh-Lxperimenk.

Das Londoner Metropol-Kino bot seinen Be­suchern eine ganz besondere äteberraschung: Der Schluß des Derbyrennens wurde auf drahtlosem Wege auf die Kinolein- wand übertragen. Das Experiment, das erste dieser Art, kann, wenn man die großen technischen Schwierigkeiten berücksichtigt, als wohl- gelungen bezeichnet werden. Man sah deutlich, wie das siegreiche Pferd die anderen überholte und in scharfem Galopp durch das Ziel ging. Vorher sah man die Pferde in den Ring gehen und die Aufstellung zum Start. Der Verlauf des Rennens selbst, der nicht gezeigt wurde, wurde durch einen Ansager von Epsom aus geschildert.

Drohbriefe an Marlene Dietrich.

Wie aus Hollywood gemeldet wird, erhält die deutsche Filmschauspielerin Marlene Dietrich seit Wochen anonyme Drohbriefe, in denen 10 000 Dollar gefordert werden, andernfalls die Entführung der 4jährigen Tochter Maria angedroht wird. Die Tochter Maria wird bereits wochenlang von Detektiven bewacht. Auch ein wohlhabender in Hollywood wohnender deut­scher Wäsche-Importeur Egon Müller erhielt einen Drohbrief, in dem 500 Dollar gefordert werden. Müller hat einen4jährigenSohn Die Polizei sieht die Drohbriefe als eine Ver- chwörung gegen die wohlhabenden Kreise der deutschen Kolonie an.

(Ein Artillerieoffizier von einer Granate getötet.

Leutnant Werner Lenne von der 3. Abteilung des Artillerieregiments 5 Ludwigsburg war als Offizier zur Beobachtung am Ziel während des Scharfschießens kommandiert. Aus Dienstinteresse ließ sich der Offizier verleiten, ent­gegen den Bestimmungen den schutzsicheren Unter­stand vorübergehend zu v e r l a s s e n. Er wurde von einer in der Nähe einschlagenden Granate ge­troffen und sofort getötet.

(Ein wildgewordener Stier.

3n Witzhelden (Rhein-Wupperkreis) wurde ein Stier, der von einem Landwirt in den Stall zurück- geführt worden war, plötzlich wild. Er griff die im «tall anwesenden Personen an und verletzte!

Aufmarsch zum Wahlkampf in Hessen.

Große politische Aussprache im preußischen Landtag.

Ministerpräsident Braun lehnt das Erscheinen im Parlament ab.

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