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Ur. 128 Erstes vlatl

182. Jahrgang

Zreitag, 5. Juni 1952

Erlchern» tägltd), außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die OCuftnerte (Diefoener Jamilienblätter Heimat tm Bild Die Schalle Monat; Bezugspreis:

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Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Vrvck tmö Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Stetnöruderei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und SeschäftrfteNe: ZchulNrahe 7.

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tdynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschem und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen

Das neue Michskabinett geht an die Arbeit.

Oie Vervollständigung des Reichslabineiis.

Vereidigung und erste Kabinettssitzung.

Berlin, 2. 3unl. (D)IB.) A m l l i ch. Der Herr Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers

den Botschafter Freiherrn von Reurath zum Reichsminister des Auswärtigen,

den Blinifterialöirettor im Relchsfinanzminifterium

Graf Schwerin-Krafigk zum Reichs- minifter der Finanzen,

den bayrischen Iustizminister Dr. Gärtner zum Reichsminister der Justiz ernannt und ferner

den Reichswirtschastsminisier Prafesfor Dr. warmbaidt mit der einstweiligen wahr- nchmung der Geschäfte des Reichsarbeitsmini' fters beauftragt.

Der Herr Reichspräsident hat heute nachmittag die durch das Reichsminisiergeseh vargeschriebene Ver­eidigung des Reichskanzlers van Papen und der Mitglieder der neugebildeten Reichsregie­rung vargenammen. Das Reichskabinett trat darauf unter dem Vorsitz des Reichskanzlers von Popen zu seiner ersten Sitzung zusammen. Diese Sitzung war nur kurz und trug lediglich formalen Charakter.

Oer Reichskanzler an das Zentrum.

Berlin, 2. Juni. (WTB.) Reichskanzler von Dopen Hot an den Vorsitzenden der Deutschen Zentrumspartei Prälat Dr. Saas folgenden Brief gerichtet:

Sehr verehrter Herr Prälat!

In einer der schickf aisvollsten Stunden deutscher Geschichte bat mich der Herr Reichspräfident berufen, die neue Regierung zu bilden. Die seelische und materielle Lage des deutschen Volkes verlangt gebieterisch die Synthese aller wahrhaft nationalen Kräfte aus welchem Lager euch immer sie kommen mögen. Richt als Parteimann, sondern als Deutscher bin ich gewiß nicht leichten Herzens dem Rufe des Mannes gefolgt, dem die Ration soeben einen überwältigenden Beweis des Vertäuens er­teilt hat und dessen, wahrhaft historische Persönlich­keit auch in den schwersten Stunden deutscher Ke- schichte nie etwas anderes erstrebte, als die 3 u - fammenf affund aller dieser Kräfte zum Wohle des Landes.

Ein solcher Schritt kann nicht im Wider- Spruch stehen zu der unermüdlichen, planvollen und sachlichen Arbeit des Kanzlers Dr. Brüning, deren Würdigung einer anderen Gelegenheit Vor­behalten bleibt. Auch die Deutsche Zentrumspartei und der in ihr politisch organisierte Katholizismus werden sich der Erkenntnis nicht verschließen rön­nen, daß das neue Deutschland nur auf der Grundlage der Kräfte aufgebaut wer­den kann, die die geistige Wende unserer Tage zur Hoffnung der jungen Generation ge­macht hat.

Wenn mich infolge der Erklärung der Deutschen Zentrumspartei der Weg heute leider von Ihnen trennt, so lebe ich der Hoffnung, daß nicht nur die sachliche Arbeit, die das Land heute von uns fordert, uns bald wieder vereinigen wird. Mehr noch ist es die unerschütterliche lieber- zeugung, daß die Voraussetzung jeder Wieder- grnesung der Ration die rücksichtslose Geltendmachung der unvergeßlichen Grundsätze unserer ch r i st 1 i ch c n Weltanschauung sein muß.

Ich bleibe, sehr verehrter Herr Prälat, in auf­richtiger Verehrung Ihr ergebener

gez.: v. Papen."

*

Herr von Popen bat infolge seiner Ernennung zu in Reichskanzler fein Mandat als Auf- sichtsrat derGermania"- Aktienge­sellschaft und damit den Dorsih im Auf­sicht srat niedergelegt. Die Leitung des Auf- NchtsrateS derGermania" übernimmt nunmehr Dr. h. c. Florian Klöckner, der gleichfalls Hauptaktionär dieses Unternehmens ist.

KeinFall Popen".

UngercchtfcrliqtcAngriffcgcgeudcnNcichs- lanzler wegen seines Verhaltens im Kriege.

Berlin, 2.Juni. (ERB. Funkspruch.) Gegen den neu ernannten Reichskanzler von P a pe n finb in der in- und ausländischen Presse zum -teil scharfe Polemiken mögen seines Verhol- tens als deutscher Militärattache in Washington während der er st en Kriegsjahre erschienen. In Kreisen der Regie- nina empfindet man es peinlich, daß gewiße Telle der d c u t s ch e n Presie dem A u s 1 a n d e, ms- besondere der amerikanischen Oeffentlichkeu, gewißer- maßen das Stichwort dazu gegeben ha­ben Wenn jetzt die amerikanischen Zeitungen ihre Kartotheken über denFall Papen" geleert haben, io kann man ganz beruhigt fein, daß das angekun- diate Feuer auch wieder ausbrennen wird. Reichs­kanzler von Papen hat damals in feiner (Eigen- schatt als deutscher Militärattache in Washington genau so nur seine Pflicht getan, wie alle

diejenigen, die als Kriegsverbrecher auf den Aus- Heferungsliften gestanden Haden. Dies kommt auch im übrigen in holländischen Pressestimmen ganz nachdrücklich zum Ausdruck, in denen gesagt wird, daß für die gleichen Handlungen, die von Papen zum Vorwurf gemacht worden finb, i n den alliierten Ländern vielen Leuten Ordensauszeichnungen verliehen mür­ben. Im übrigen hat ber Dundesftaatsanwalt bes Staates Reuyork im März biefes Jahres bie Akten über ein im April 1916 gegen Herrn von Popen eingeleitetes Verfahren, bie er zufällig auffonb, mit bem Vermerk:E r l e b i g 1" versehen lassen. Das Verfahren ist also auch formell niebergeschla- 8 e n.

Die Sicherung der deutschen Währunc

Berlin, 2. 3uni. (WTB) Amtlich. D< Reichskanzler empfing heute nachmittag be Reichsdankpräfidenlen zu einer eingehc den Aussprache. Dabei wurden sämtliche Pröble, behandelt, die für die der Reichsbank obliegenden Aufgaben von Bedeulung find. Cs ergab sich völ­lige Uebereinftimmung Insbefonöere her­über, daß keinerlei währungsexperi mente und überhaupt auf dem währungs- un Kreditgebiete keine Maßnahmen in Frag kommen, aus welchen sicheineGefahrfürdet Bestand der Währung ergeben könnte.

Oer Reichskanzler vor der Presse.

Herzliche Worte der Anerkennung für Dr. Brüning. Das Ziel der neuen Regierung.

Berlin, 2. 3uni. (ERB.) (Reichskanzler von Papen empfing heute abend im Kongrehsaal der Reichskanzlei Vertreter der deutschen Presse. Ich habe das Bedürfnis, zu Ihnen einige Worte als Mensch zum Menschen zu sprechen. Cs liegt mir besonders am Herzen, Ihnen zu sagen, daß ich dieses Amt in einer Stunde sehr ern- ster vaterländischer Hot übernom­men habe, entsprechend dem Appell, den der Herr Reichspräsident an mich gerichtet hat, aber daß ich den Entschluß doch nursehr, sehr schweren Herzens gefaßt habe. Richt allein wegen der unerhörten Sorgen, die damit ver­bunden finb, und der Lasten, sondern besonders auch, weil es mir als Menschen unendlich weh tat, mich auf den Platz eines Menschen zu setzen, dem ich innerlich besonders nahegestanden habe. Das Werk, das der Reichskanzler Dr. Brüning vor mehr als zwei Jahren begonnen hat, wurde von mir m i t ganzer Anteilnahme, ich darf sagen, mit ganzem Herzen verfolgt, und ich habe nichts sehn­licher gewünscht, als daß es zum Erfolge führen möge für unser Land. Das Urteil über die Ar­beit dieses Kanzlers bleibt einer anderen Stunde Vorbehalten. Das Werk bleibt. Cs gehört der Geschichte an. Wenn Menschen wechseln, sind die Rachfolger berufen, an diesem Werke wei­terzuarbeiten

Hm Ihnen zu zeigen, wie nahe es mir gegangen ist, daß ich mich an den Platz meines Vorgängers sehen mußte, möchte ich Ihnen wiederholen, was

ich de m Herrn Reichspräsidenten ge­jagt habe, gleich nachdem ich das Amt über­nommen hatte:Herr Reichspräsident, meine erste Bitte ist, daß Sie morgen früh den Herrn Reichs­kanzler Dr. Brüning empfangen und ihm sagen, mit welch innerem Zwiespalt ich dieses Amt angetreten habe, und daß ich es nur über­nehme, weil Sie an mich und an mein vater­ländisches Gefühl appelliert haben." Reichskanzler v. Papen fügte hinzu, daß diese Hnterrcbung mit Dr. Brüning nicht stattgefunden habe, weil der frühere Kanzler leider unpäßlich war und noch zu Bett liegt.

Warum diese neue Regierung gebildet worden ist, fuhr Reichskanzler v. Papen fort, darüber brauche ich zu Ihnen nicht lange zu sprechen. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Lasten und d i e O p f e r, die in dieser Zeit von Deutsch­land g cf o r b e r t werden, d a~bu rch tragbar zu machen, daß man bie seelische Fundie - rung finbet, bie allein sie zu tragen ermöglicht, b. h. bie Zusammenfassung aller nationalen Kräfte, gleich aus welchem Lager sie kommen mögen. Eine so gewaltige Kraftanstrengung, wie sie von bem beutschen Volke in ber nächsten Zukunft erwartet werden muß, kann nach unserer Auffassung nur geleistet werden, wenn alle geistigen, see­lischen und nationalen Potenzen herangeholt werden, bie überhaupt erreich­bar finb. Das wirb bie Aufgabe Dieser Regie­rung sein.

Oer neue Kurs.

Reichslandbundpräsidenien Graf Kalckreuth.

Ein Interview mit dem

Kopenhagen, 2. Juni. (TU.) Der P r ä f i deut des Reichslandbundes, Graf von Kalckreuth, hat derBerlingske Tidende" ein längeres Interview gegeben, das in großer Auf- machung gebracht wird. Graf von Kalckreuth äußert sich über die Wirtschaftspolitik der neuen Reichs­regierung: Die Basis der Regierung fei brei­ter, als man nach den Mitteilungen der Presse glauben könne. Brünings Zeit war abgelaufen. Seine historische Aufgabe fei es gewesen, bie Kre - ditinf lation zu beenden. Aber er war nicht der Mann positiver Aufbauarbeit. Seine Deflations­politik habe vielmehr die Gefahren einer neuen Inflation heraufbeschworen. Wäre Brüning im Amte geblieben, so würden bie Städte s i ch genötigt gesehen haben, Rot- gelb auszu stellen. Er fei sich völlig darüber klar, daß die große Hausse an den Börsen in den letzten Tagen aus den Gerüchten entsprungen sei, die über eine neue Inflation verbreitet worden feien. Auf die Frage, ob er eine neue Inflation für wünschenswert halte, antwortete Graf Kalckreuth, daß er kein Anhänger der Inflation sei. Aber auf der anderen Seite müsse es ihm erlaubt fein darauf aufmerksam zu machen, daß es sechs M i I l i o n en Arbeitslose gebe, die Deutsch land jährlich etwa 4 Milliarden Mark kosteten Diese ungeheuere brachliegende Ar­beitskraft müsse aber in Ganggebracht werden. Wir müßten durch Arbeitslosen- Arbeit ein neues Kapital schaffen und er meine, daß wir genötigt fein würden, dieses Zukunftskapital in gewissem Umfange zu diskontieren. Das habe mit Inflation aber nichts zu tun. Graf Kalckreuth glaubt, daß Frei­herr von Braun, der als Landwirtschafts- Minister in das Kabinett eintrete, mit feinen An­sichten im wesentlichen ü b e r c i n ft i m m c. Eine neue handelspolitische Orientierung müsse kommen. Er sei Anhänger des Kontingentie- rungssystems der verschiedenen Warengruppen sowie für Abbau der allgemeinen Meistbegünstigung und Zollbindungen. Schließlich sprach Gras Kalckreuth von den Arbeitslöhnen. Richt auf der ganzen Linie müßten die Arbeitslöhne gesenkt werden. Aber er glaube, daß die Löhne e l a st i s ch e r g e ft a 11 e t werden müßen. Dadurch würden mehrBetriebe in Arbeit kommen. Die gefamten Arbeitsein­nahmen würden größer werden. Aus die Frage, ob die kommende Regierung die Goldparität a u f g c b e n werde, antwortete er, daß er dies

nicht glaube. Auf die Frage, ob man dcuu imstande fein werde, sagte er, Deutschland werde fähig fein, die Mark zu verteidigen.

(SPD. und Kabinett Papen.

Ein Interview mit Breitscheid.

Kopenhagen, 3 Juni. (TH.)Berlingske Tidende" veröffentlicht eine Hnterredung m i t Dr. B r e i t f ch e i d. dem Fraktionsvorsihen- den der SPD. Auf die Frage, wie lange das Kabinett v. Papen dauern werde, antwortete er. die Herren der neuen Regierung rechneten selber mit vier Jahren. Er. Breitscheid, glaube jedoch, daß sie einen falschen Schachzug getan hätten. Man werde bald einer anderen Lage gegenüberstehen. Er glaube, jetzt schon sagen zu können, daß die Reichstagsauf- lösung beschlossen sei. Wan stehe vor dem heftigsten Wahlkampf in der deut­schen Geschichte. Das Ergebnis werde ein An­wachsen der RSDAP. fein. Er rechne da­mit. daß die Sozialdemokraten wie bei den Preußenwahlen etwa 6.5 Prozent verlieren wür­den. Die Sozialdemokraten würden unter keinen Umständen mit den Kommunisten in den Wahl­kampf gehen. Die Sozialdemokraten ständen zum ersten Male seit Monaten parteipolitisch frei und würden diese Sachlage bis zum äußersten ausnützen.

Aus die Frage des Blattes, ob es nach seiner Ansicht zu einem neuen Kriege kommen werde, antwortete er, Frankreich habe eine Links­regierung. Eine Zusammenarbeit zwischen der neuen deutschen Regierung und einer französi­schen Rechtsregierung wäre leichter gewesen. Auf die Frage des Blattes, ob diese Regierung zu einer Regierung Hitler führen werde, ant­wortete Breitscheid, er glaube nicht daran. General v. Scbleicher sei der Mann, der die Lage beherrsche, der Vertreter der Reichswehrpolitik, bei der die Absicht bestehe, jetzt zu einem entscheidenden politischen Macht­faktor in Deutschland zu werden. Schleicher wolle Hitler nicht zur Regierung tom- men lassen. Beide hätten wohl miteinander verhandelt, aber er. Breitscheid. sei sicher, daß fieeinanderzuRarrengehalte n hätten. Es könne aber auch leicht zu einer Präfident- fchaftskrise kommen, da Hindenburg ver -

assungstrcu fei und wahrscheinlich fordern erde, daß die neue Regierung das Der- auen des neugewählten Re.chstags besitze Wie e Dinge liegen, muß ich als Führer der Soziak- mofrattc eine offene Regierung Hit - r wünschen.

Oie Politik her NGOAP.

München. 2. Juni. (ERB ) Die Nationalsozia­listische Parteikorrespondenz teilt mit: Alle bisheri­gen Meldungen über den Inhalt der Unter­redung unseres Führers Adolf Hitler mit dem Herrn Reichspräsidenten, die

-gcblid) von nationalsozialistischer Seite kommen ollen, steht die NSDAP, fern. Ihre grundsätzliche Auffassung über die Lage nach dein Sturz des Ka- ünetts Brüning ist bekannt und in der Rational- vstatistischen Parteikorrespondenz dahingehend zum lusdruck gebracht worden, daß ein Kabinett «es besonderen Vertrauens vorerst die Ausgabe zu lösen habe, den Reichstag nach Hause zu schicken, Neuwahlen auszuschreiben, die Organisations-Propaganda und Demonstrations- freibeit für die bisher so maßlos unterdrückte na­tionalsozialistische Bewegung wiederherzcistellen und )urch den Appell an die Nation lieber- einftimmung zu schaffen zwischen dem Willen des Volks und feiner parla­mentarischen Vertretung. Die Losung einer solchen ebenso notwendigen wie staatspolitiich bedeutsamen Aufgabe als Voraussetzung einer grund­legenden wirtschaftlichen und politischen Neugestal­tung würde durchaus auf der Linie der großen Zielsetzung liegen, die die national­sozialistische Freiheitsbewegung dem deutschen Volk gegeben hat und die sie auf dem schnellsten Weg durchzuführen entschlossen ist. Die Veröffentlichung der Stellungnahme der Partei zum neuen Kabinett und seinen Maßnahmen wird zur gegebenen Zeit erfolgen.

Oie Haltung des Christlich» Sozialen Dolksdienstes.

Klare Verantwortlichkeiten gefordert.

VDZ. Die Reichstagssraktion des Ehristlich- Sozialen Volksdienstes nahm nach mehrstündiger Aussprache in folgender Entschließung zur Lage Stellung:

Die gegenwärtige Krise ist durch Kräfte herbei- geführt worden, in deren Ziel die Oeffentlichkeit noch keinen vollen Einblick hat. Der Dolksdienst lehnt jede Mitverantwor­tung für die gefährlichen Folgen ab, die sich hieraus in außen- und innenpolitischer Beziehung wahrscheinlich ergeben werden. Der Dolksdienst hält die H e r st e l l u n g e i n e r kla­ren r e r s a ss ung s m ä h i g e n Verant­wortlichkeit für die weitere politische Ent­wickelung für unerläßlich. Diese Forderung kann nur durch formale Eingliederung der Rationalsozialisten in die Ver­antwortung erfüllt werden. Der Dolksdienst wird aber selbstverständlich diese Regierung nicht von vornherein an ihrer Arbeit zu hindern suchen, wenn auch ihre Bezeichnung alsRegierung der nationalen Konzentration' sachlich unbegründet ist. Der Dolksdienst wird sein Derhalten nach den Taten der Regierirng richten und auch hier die Sachfragen der vaterländischen Po­litik maßgebend fein lassen. Hierbei handelt eS sich für ihn außenpolitisch um die zielbe­wußte Fortsetzung der von dem bis­herigen Kanzler eingeleiteten und methodisch geförderten Desreiungspolitik. innenpolitisch um die Abwehr der Entrech­tung des Arbeitnehmertums (Angriffe auf die soziale Gesetzgebung und auf die Hnab- hängigkcit der Berufsorganisationen), um Heberwindung der Arbeitslosennot durch großzügige Dauernsiedlung, vor allem im Osten, und durch Arbeits­dienst. um Schuh der Währung gegen alle leichtfertigen Manipulationen, um eine un­parteiische Handhabung Der Staatsgewalt, und um eine eigene pofltive, christlich bestimmte Kulturpolitik.

0er Eindruck in London.

Papen ein Vesürworicr

der deutsch-französischen Verständigung.

London, 2. Juni. (WTB. Funkspruch.) Dis Blätter berichten ausführlich über die Bildung der neuen Reichsregierung.Daily Telegrap h", beschäftigte sich besonders eingehend mit der Per- iönlichkeit des Generals von Schleicher, den er den starken Mann im neuen Reichs- Kabinett nennt. Herr von Papen wird dem Ka­binett feinen Namen geben, aber General von Schleicher fei die treibende Kraft, die die Politik des Kabinetts bestimmen werde, und der Hauptoerbindungsmann zwischen Kabinett und dem Reichspräsidenten. Es würde ein Fehler fein, wenn man im General Schleicher unbedingt ein Unglück für Europa sehen wollte. Wahrscheinlich weiß nie­mand besser als er, daß Herr von Papen eine französisch - deutsche Verständigung für dringend notwendig hält. Es steht fest, daß der General nicht beabsichtigt. Deutsch» land an die Diktatur Hitlers und feiner heißköpfigen Unterführer auszuliesern. Er hat bei den Politikern aller Parteien den Eindruck hervor-