Nr. 284 Erstes Matt
182. Jahrgang
Freitag, 2. Dezember (932
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SietzenerAnzeiger
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Der Pakt zwischen Paris und Moskau.
Von Dr. Otto tzoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin.
In dieser Woche erforderte die Ostfragen gatt* vordringliche Behandlung. Am 23. November erklärte der rumänische Austenmini st er, die Verhandlungen über den Nichtangriffspakt mit Nustland feien endgültig gescheitert. Am gleichen Tage wurde das r u s - fisch-polnische Schlichtungsabkommen in Ergänzung des bereits gezeichneten Nichtangrisfs- paktes zwischen Warschau und Moskau unterschrieben, und am 27. wurde durch Verordnung des Staatspräsidenten in Polen und durch den 3351 in Moskau der russisch-polnifche Nichtangriffspakt ratifi-'ert. Am 29. wurde sodann der Ti g trenig"'eas ei i he geschlos e in', c Z ich- nung des Nichtangrisss^attes zwischen Frankreich und Ruhland.
Die Motive des rumänischen Auhenmini- ste.rs, aus denen er sich zu einer Lockerung des Verhältnisses zu Polen und Frsankreich entschloß, sind bekannt, aber angesichts der ganzen Lage Rumäniens wird diese Politik nicht ganz klar, sie macht nicht einen besonders realistischen Eindruck. Denn wenn sich Rumänien so von Polen und Frankreich lösen wollte, mühte es in seiner völligen Isolierung nach einer Anlehnung, nach einer anderen Orientierung suchen, für die weder Ungarn noch die Türkei ausre-chen, sondern allein Deutschland und Rußland, und zwar beide gemeinsam in Frage kommen würden. Davon ist aber in Bukarest gar keine Rede.
Um so klarer und um so realistischer ist die Politik Polens, mit der offenbar auch dek Wechsel im Außenministerium zusammenhängt. Es scheint, als wenn der neue Außenminister, Oberst Beck, in ganz besonderem Maße eine Außenpolitik des Marschalls Pilsudski verträte, die von seiner bisherigen allerdings abweicht. Denn Pil- fudskis Orientierung ging gegen Rußland und vielleicht einmal mit Deutschland, während bekanntlich die Nationaldemokraten genau die entgegengesetzte Orientierung vertreten. Was Pilsudski jetzt tun ließ, ist aber nationaldemokratische Politik: die konsequente Verständigung mit Rußland und damit Sicherung der O st grenze, unter gleichzeitiges Schwächung Der Militärbündnisse mit Rumänien und Frankreich. Wir glauben nicht, daß darin eine bewußte Absicht des Marschalls liegt, nunmehr die Richtung gegen Westen, gegen Deutschland zu nehmen. Gerade weil er derartige Kundgebungen wohl vermeiden wollte, hat er die Ratifikation des Paktes mit Rußland durch Verordnung vorgezogen, obwohl im Sejm unbedingt eine Mehrheit dafür gewesen wäre. Er wünschte aber wohl nicht irgendwelche Demonstrationen in diesem Sinne.
Das Ineinandergreifen dieser Ostpolitik erkannte man recht deutlich, als nun Frankreich den Pakt mit Rußland vollzog. Wieder ein Schritt in einer systematischen Politik Herriots, mit der dieser der für Frankreich drohenden Isolierung zu begegnen sucht, für den Fall, daß die Abrüstungskonferenz vollständig scheitere! Der französisch-russische Nichtangriffspakt ist in verschiedenen Richtungen sehr interessant. Er enthält die bekannten Verzichte auf Krieg und Angriff, wobei für Frankreich das Geltungsgebiet ausdrücklich auf alle Kolonien und Protektorate und die Mandatsgebiete ausgedehnt wird und Rußland ausdrücklich a u f alle Propaganda innerhalb und außerhalb Rußlands in Anam, Tunis, Syrien, Marokko verzichtet, soweit, daß sogar so wenig wesentliche Organisationen wie die Jungtunesische oder Jung- ananrttü^e ausdrücklich genannt werden, die ihren Sitz in Rußland haben und deren Unterstützung Rußland aufgibt. Dagegen verpflichtet sich Frankreich in Bezug auf die russischen Emigranten auf seinem Boden nur in beschränkten Grenzen zu ähnlichem. Nur militärische Organisationen zu Angriffszwecken werden verboten, sonst können selbst Bereinigungen früherer russischer Militärs in Frankreich weiterbestehen. Sehr merkwürdig ist aber vor allem L?r Artikel 4, in dem beide verzichten auf die Teilnahme an jeder internationalen Vereinbarung zum — gebrauchen wir gleich diese Dölker- bundsausdrücke — wirtschaftlichen und finanziellen Boykott. Der französische Erfolg liegt dabei in ausdrücklichem Verzicht auf ein Sowjetdekret, das russische Bestellungen in Frankreich ausschloß. Dafür bindet sich aber Frankreich wirtschaftlich und finanziell in einer Weise, ,die nicht ohne weiteres mit feinen gleichen Gedanfen von dem Sanktionsrechte des Völkerbundes vereinbar erscheint, das doch im fierrjotplan von neuem und noch ausgeprägter gefordertI wird. Rußlands Erfolg ist hierin groß, denn Frankrieich verzichtet ausdrücklich somit auf die sogenanntes „Antisowjetfront", von der in Moskau immer so viel Wesens gemacht wird. Eine Erklärung zu ©unfteri Rumäniens und ein Schlichtungsabkommen schlichen sich an, Wirtschafts- Verhandlungen sollen folgen.NDas Abkommen ist der Erfolg einer Politik, die fovvohl in Moskau wie in Paris gleich vorsichtig uny zäh betrieben worden ist, und mit der jetzt beiffle Teile zufrieden fein können. Jrn ganzen if( der Erfolg auf der russischen Seite größer als auif der französischen.
Es ist natürlich richtig, wenn in der deutschen Presse daraus hin/gewiesen wird, daß au feiten Ruhlands darin t e i n e Spitze gegen Deutschland läge. Tpir haben ja längst den gleichen Pakt mitt Rußland seit 1926. Es ist auch richtig, daß/sich damit die Richtigkeit der deutschen Politik ^gegenüber Rußland erweist. indem Frankreich, wo man Deutschland so oft Vorwürfe wegc^n seiner Rußlandpolitik
Schleicher mit der Kabinettsbildung beauftragt.
Berlin, 2. Dez. (WTB.-Funkspruch). Reichspräsident von Hindenburg erteilte heute dem Reichswehrminister, General der Infanterie a. D. von Schleicher, den Auftrag zur Neubildung der Reichsregierung. General von Schleicher hat diesen Auftrag angenommen.
Der Auftrag an Schleicher.
AufBorschlag desRcichskanzlersvonPapcn
Berlin, 2. De;. (LNB. Funkspruch.) General von Schleicher wird sich jetzt mit den Persönlichkeiten in Verbindung sehen, die er für sein Kabinett in Aussicht genommen hat. Schon jetzt steht fest, wie von unterrichteter Seite ausdrücklich betont wird, daß er das Reichswehrministerium behält. 3m übrigen kann über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts noch nichts authentisches gejagt werden.
3m einzelnen erfahren wir zu der Betrauung Schleichers folgendes: Gestern abend und heute früh hat der Reichskanzler von Papen dem Reichspräsidenten ausführlich Bericht erstattet über seine Ansicht zur politischen Lage. Er hat dabei f e l b ft den Vorschlag gemacht, von seiner Dieder- betrauung abzusehen unb den General von Schleicher mit der Bildung des Kabinetts zu beauf tragen. Dabei ging er von der Erwägung aus, daß er feine Person hinter die Erfordernisse der augenblicklichen politischen Lage zurückstellen müsse. Er hat feinen Vorschlag mit der Erwartung begründet, daß eine Entspannung der politischen Lage einfreten werde, wenn General von Schleicher die Regierungsbildung gelingt. Weiter gab Reichskanzler von Papen der Hoffnung Ausdruck, daß man mit einem Kabinett von Schleicher ohne Konflikt mit dem Reichstag auskommen wird.
Weiter wird von unterrichteter Seite betont, daß der Reichspräsident erst nach längerer Ueber- kgung und nur schweren Herzens dem Vorschlag des Herrn von Papen zugestimmt habe, sich von ihm zu trennen. Der Reichspräsident hat Herrn von Papen seines vertrauens versichert und ihm den wärm st en Dank für die Arbeit seiner Regierung ausgesprochen. Er glaubte aber, sich den Erwägungen nicht verschließen zu dürfen, die Reichskanzler von Papen ihm vorgetragen hatte und alle persönlichen Auffassungen hinter die sachlichen zurückstellen zu müssen. Deshalb hat er den General von Schleicher mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt.
Die voraussichtliche Minisierliste
Berlin, 2. Dez. (ERB. Funkspruch.) Wie wir erfahren, wird das Kabinett von Schleicher voraussichtlich folgendermaßen aussehen:
Reichskanzler und Reichswehr: General von Schleicher;
Aeuheres: Freiherr von Neurath: 3nneres: Dr. Bracht;
Finanzen: Gras Schwerin v. Krosigk; 3ustiz: Dr. Gärtner;
Verkehr und Post: El; von Rübenach. Offen sind die drei Wirtschaftsministerien, also das eigentliche W.rtfchaftsministerium, ferner das Ernährungs- und das Arbeitsministerium. Heber die Besetzung dieser drei Posten soll wegen der besonderen Bedeutung, die ihnen zu- fommf, noch eine sorgfältige Klärung herbeige- führt werden. General von Schleicher beabsichtigt gemeinsam mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Luther und anderen in Betracht kommenden persönlich- teilen zunächst die Grundlagen für ein feftes wirtschastsprogramm zu klären. Zu diesem Vorgehen haben die Erfahrungen der letzten Zeit geführt, die sich auf einem gewissen Heben- und Gegeneinander dieser drei Ministerien ergaben. Man braucht nur an die Kontingentie- rungsfrage zu erinnern, um zu zeigen, wie not
wendig eine solche planmäßige Behandlung der wirtschaftlichen Fragen ist. Erst wenn Klarheit über dieses Programm besteht, wird General von Schleicher die personelle Seite in Angriff nehmen. 3n politischen Kreisen rechnet man damit, daß Freiherr von Braun nicht als Ernährungs- m i n i ff e r wiederkommen wird. Ium mindesten Zweifelhast ist auch das verbleiben des bisherigen Reichsarbeitsministers Schaeffer. Dagegen wäre es denkbar, daß Dr. W a r m b o l d das wirlfchaftsminisierium auch in dem neuen Kabinett leitet.
Reichskommissar für Preußen wird auf Grund der Fassung der ursprünglichen Not- ocrordnung automatisch der neue Reichskanzler. Dagegen nimmt man in unterrichteten Kreisen
nicht an, daß Reichsminister Bracht die Stellvertretung des Reichskommissariats behält, weil die Leitung beider Aemler schon rein arbeitsmäßig eine zu große Ausgabe ist, als daß sie von einer Persönlichkeit geleistet werden könnte. Als Stellvertreter des Reichskommissars für Preußen wird also voraussichtlich ein neuer Mann ernannt werden.
3n politischen Kreisen rechnet man damit, daß General von Schleicher die Kabinettsbildung gelingt. Allerdings werden die Verhandlungen — schon wegen der wirtschaftlichen Ministerien voraussichtlich einige Tage dauern. Die Ernennung des Kabinetts wird erst erfolgen, wenn es in allen Einzelheiten feststeht.
Schleichers Programm.
Wirtschasts- und Sozialpolitik stehen im Vordergrund.
Heber die grundsätzliche Einstellung des neuen Kabinetts verlautet von unterrichteter Seite, daß die Verfassungsfragen zurückge- stellt werden. Daraus und aus der Sorgfalt, die auf die Neubesetzung der drei wirtschaftlichen Ministerien verwandt wird, ergibt sich, daß die wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben den Kernpunkt der jetzt beginnenden Regierungsvolitik bilden. Damit hat sich die Auffassung durchgesetzt, daß die Innenpolitik jetzt hinter der Wirtschasts- und Sozialpolitik zurücktreten muß. Destätigt wird das auch durch die Bemühungen um die V e r m e i d u n g des Konflikts mit dem Reichstag. Die An- sähe zur wirtschaftlichen Be^erung können, nach der Auffassung auch des Generals von Schleicher nur weiter vorwärts getrieben werden, wenn die wirtschaftlichen Interessen nicht dauernd von der politischen Seite — sei es durch Wahl- oder Derfassungslämpfe — gestört werden.
Das Verhältnis zum Reichstag.
Ein Konflikt soll vermieden werden.
Die Beauftragung des Generals von Schleichers kam heute mittag einigermaßen überraschend, da man gestern abend doch wieder stark an die Wiederbetrauung des Reichskanzlers von Papen glaubte. Ter Berichterstattung des bisherigen Reichskanzlers beim Reichspräsidenten ging eine K a b i n e t t s s i tz u n g voraus, bei deren Beginn man ebenfalls noch sehr stark mit der Wiederbetrauung des Herrn von Papen rechnete. Tie psychologischen Gründe, die gegen diese Lösung sprachen, kamen aber auch in der Kabinettssitzung so stark zum Ausdruck,
und sie wurden auch von Reichskanzler von Papen selbst nachdrücklichst betont, daß auch der Bericht beim Reichspräsidenten in dem oben gemeldeten Sinne aussiel. Eine besondere interessierende Frage ist nun natürlich, in welcher Form es gelingen kann, den Konfliktfall mit dem Reichstag zu vermeiden. Hierzu muh unterstrichen werden, daß der Traht zwischen dem General von Schleicher und den Nationalsozialisten keineswegs abgerissen ist. Es ist anzunehmen, daß die Schleicherschen Bemühungen oer letzten Tage in der gleichen Richtung fortgesetzt werden und zwar wahrscheinlich besonders durch Verhandlungen mit dem Reichstagspräsidenten Göring, der ja für diese Dinge die zuständige Stelle ist. Eine Verschiebung des Zusammentritts des Reichstags kommt schon aus den Gründen nicht in Frage, die sich aus der Verfassung ergeben. Die Bedeutung der ersten Sitzung liegt ja auch nur in der Konstituierung. Die Verhandlungen mit dem Reichstagspräsidenten werden sich deshalb in der Richtung bewegen, daß möglichst eine Vertagung de s Reichstags nach dem Zusammentritt erreicht wird. Die Aussichten dafür dürften um so größer fein, als auch der letzte Reichstag sich nach seiner Konstituierung zunächst um acht Tage vertagt hat. Wenn eine ähnliche Vereinbarung gelingt, so hat der neue Reichskanzler Zeit, seine Verhandlungen wegen der Haltung des Reichstags zu dem Kabinett in aller Ruhe weiterzuführen. Zunächst stehen allerdings jetzt die Verhandlungen über die Neubildung des Kabinetts selbst im Vordergrund.
Englands zweile Schnldennole an die Union.
London. 1. Dez. (WTD.) Der Wortlaut der neuen britischen Note an Amerika liegt nunmehr vor. Die 20 Folioseiten umfassende Note betont besonders eindringlich die tiefe Tleberzeugung der britischen Regierung, daß eine Wiederaufnahme der Kriegsschuldenzahlungen , wie sie vor dem Hoover-Moratorium bestanden, unvermeidlich die Depression im Welthandel verschärfen und verhäng- nisvolle Folgen für jede Nation zeitigen werde. Die britische Regierung glaubt, daß eine Erörterung der Angelegenheit mit der amerikanischen Regierung fruchtbare Ergebnisse zeitigen könne, und ist überzeugt, daß die Aussichten des Erfolges wesentlich durch die Verschiebung der Dezember rate gebessert werden würden.
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Die Note weift mit Nachdruck darauf hin, daß das System der zwischen st aatlichen Schulden einen der wichtigsten Gründe für die Untergrabung des Vertrauens darstellt. Diese interstaatlichen Schulden, heißt es weiter, find grundverschieden von wirtschaft' lichen Anleihen, die sich durch ihre Produktivität selbst liquidieren. Reparationen und Kriegsschulden aber sind Ausgaben zur Zerstörung, die nichts hervorbringen, womit sie zurückgezahlt werden könnten. Auf lange Sicht können internationale Schulden nur In der Form von waren oder Diensten gezahlt wer- den. Vertrauen und Kredit können nicht wieder
machte, jetzt genau in die gleiche Linie einbiegt. Das ist alles ganz richtig. Wir dürfen aber die Dinge nicht nur mit dieser Gemütsruhe und in so weitem Abstand sehen. Erleichtert wird damit die deutsche Politik in Rußland zweifellos nicht, wenn man in Moskau diese Verbindung mit Frankreich hat und ausgestaltet. Noch mehr aber worauf wir unablässig seit Jahren h.n- aewiesen haben: wenn wir von weiter abgelegenen Punkten wie einen Nichtangriffspakt Rußlands mit Japan oder gar Nordamerika absehen und die rumänische Lücke als so unbedeutend nehmen wie sie ist, so ist nunmehr das ganze O st - paktsystemabgeschloffenundlmfran- zösischen Sinne, dem der Hernotplan erneut Ausdruck gegeben hat, würde darin nur noch ein Glied fehlen, nämlich das sogenannte für uns unannehmbare Ostlocarno. Dabei ist dieser Begriff Don Frcuckreich gemeint im Sinne ausdrücklicher Garantie der Grenze. Der deutsch-volnische Schiedsvertrag von Locarno ist aber bereits ein Nichtangriffspakt mit seinem
Verzicht auf Anwendung von Gewalt bei Lösung von Streitigkeiten.
Herriot hat gewußt, warum er so sehr auf diesen Abschluß drängte, der natürlich ein Er- folg Frankreichs im Sinne der Befestigung des augenblicklichen Status in Europa ist, und Frankreich in eine Position zwischen Polen und Rußland bringt, die man von Haus aus für vollständig ausgeschlossen halten muhte Und das Zustandekommen dieses ganzen verwickelten Systems von Verträgen, in das sich Frankreich letzt eingeschaltet hat, sollte bei uns zum Nachdenken darüber anregen, ob wir demi überhaupt in den letzten Jahren fo etwas wie „konstruktive Ostpolitik getrieben haben.
Ein westslawischer Block gegen die „deutsche Gefahr".
Prag, 1. Dez. iTU.) Der Posener „Nowy Kurjer" veröffentlicht unter der Tleberschrift „P o *
len und die Tschechoslowakei sind zu einem Zusammenschluß vorherbestimmt" eine Unterredung mit dem Vorsitzenden des Posener polnisch-tschechischen Vereins, Kierski. Kierski stellt fest, daß die Polen und Tschechen, abgesehen von der kulturellen und rassischen Einheit vor allem durch die deutsche Gefahr aufs tiefste verbunden sind. Nach der Meinung Kierskis sollte schon längst zwischen den Polen und Tschechen ein unzerreißbares Band geknüpft fein. Sie würden dann einen starken Block nicht nur gegen die deutsche Gefahr bilden. sondern auch eine Bürgschaft des europäischen Friedens sein. Weiter sprächen auch noch wirtschaftliche Erwägungen für den Zusammenschluß beider Staaten. — Die Nachricht wird von der tschechischen Presse besonders in dem tschechisch- agrarischen „Derer", dem Blatte des Ministerpräsidenten Malhpetz, groß aufgemacht wieder- gegeben.


