Oer Kommandant der ,/7lio6eZf vor dem Kriegsgericht.
..v/Xlfe,
Kapitänleutnant Ruhfus, der Kommandant des Schulschiffs „Niobe", wird am 3. November vor dem Kriegsgericht in Kiel stehen, um sich gegen alle Vorwürfe, die gegen ihn nach dem tragischen Untergang der „Niobe" gerichtet wurden, zu verteidigen.
chen 9,969 Millionen Mari, für soziale Maßnahmen u nd Gesundheitswesen 1.C65 Millionen Mark, für Wohnungswesen 0,348 Millionen Mark, für den Schuldendienst 1.767 Mill. Mk., für Ruhegehälter 6,257 Mill. Mk. und sonstige Ausgaben 3,851 Mill. Mark. Per A 11 i m o A u - g u st ergibt sich also für das lausende Rechnungsjahr eine rechnerische Mindereinnahme von 7,783 Millionen Mark. Im außerordentlichen Haushalt stehen zu dem gleichen Zeitpunkt 0,431 Mill. Mk. Einnahmen 0.397 Mill. Mk. Ausgaben gegenüber.
Anträge
im Hessischen Landtag.
Darmstadt, 1. Rov. (WHP.) Unter den neuen Anträgen, die im Hessische n Landtag eingebracht worden sind, ist von den nationalsozialistischen Anträgen u. a. ein Antrag beachtenswert, der bei Vergebung von staatlichen und kommunalen Lieferungs- und Arbeitsausträgen des Staates, der Gemeinden und der öffentlichen Körperschaften wünscht, daß vor allen andern he^s fische Lieferanten und Unternehmer berücksichtigt werden, daß nach Möglichkeit Handwerks- und Kleinbetriebe bevorzugt und jeder Bezug von Warenhäusern. Konsumvereinen und ähnlichen Unternehmungen unterbleiben solle. Ein weiterer Antrag verlangt, daß in den öffent° lichenHeilan st alten, Krankenhäusern usw. keine gewerblichen Arbeiten ausgeführt werden, die das ortsansässige Gewerbe zu schädigen geeignet sind. Außerdem soll die Regierung verhindern, daß die Zuckerrübengelder der Landwirtschaft für Steuern oder öffentliche Gefälle, auch der Cntwässerungsverbände, gepfändet werden. Die Regierung soll unverzüglich die Vereinfachung der hessischen Verwaltung in organischer Weise in Angriff nehmen und dem Landtag bis spätestens 1. Dezember eine Vorlage -unterbreiten.
In einem andern Antrag verlangen die Ratio- nalsozialisten zur Verhinderung des Doppelverdien erunwesens, daß die Reg erung 1. alle verheirateten weiblichen Ange- steltten he^s scher Behörden oder öffentlicher Betriebe, Seien Ehemann ein regelmäßiges, zum Unterhalt beider Ehegatten ausreichendes Einkommen hat. zum nächsten Kündigungstermin entläßt, de^g e chen alle verheirateten männl chen Angestellten deren Ehefrau ein
regelmäßiges zum Unterhalt beider Ehegatten ausreichendes Einkommen hat, falls sie nicht die Ehefrau zur Aufgabe ihrer Stellung veranlassen; 2. daß bei allen ledigen weiblichen Angestellten unter 25 Jahren sofort geprüft wird, ob die wirtschaftliche Lage ihrer Eltern ein selbständiges Einkommen notwendig erscheinen läßt und daß diejenigen, für die diese Frage verneint wird, zum nächsten Kündigungstermin entlassen werden; 3. daß die so frei- werdenden Stellen sofort wieder besetzt werden, wobei verheiratete Angestellte vor den ledigen und Kriegsbeschädigte und Frontsoldaten vor andern zu bevorzugen sind; 4. daß allen Beamten, deren Ehegatten als Beamte oder Angestellte e n regelmäßiges Einkommen haben, cm gegeben wird, d cse zur Aufgabe der Stellung zu veranlassen; 5. daß jede Rebenbefchäfti- g u n g von männlichen und weiblichen Beamten in schärfster Weise verhindert toirS.
In einem weiteren nationalsozialistischen Antrag zur „Bekämpfung des jüdischen Einflusses" wird die Regierung ersucht, „folgende Maßnahmen durch geeignete Derwaltungs- anordnungen durchzuführen bzw. die für ihre Durchführung erforderlichen Gesetzentwürfe dem Landtag vorzulegen: 1. Die Aenderung jüdischer Vor- und Familiennamen wird verboten. 2. Alle in Hessen wohnenden Personen jüdischen Stammes und Glaubens haben, sofern sie einen nichtjüdischen Vornamen führen, diesem ihren Synagogennamen beizufügen. 3. Alle seit dem 1.August 1914 eingewanderten Ostjuden werden aus dem Gebiet des Dolksstaates Hessen ausgewiesen. 4. Der Gebrauch der jüdischen Sprache beim Dieh- handel ist verboten. 5* Firmenbezeichnungen müssen immer den wirklichen Inhaber erkennen lassen. Soweit der Erlaß der zur Durchführung vorstehender Maßnahmen erforderlichen Rechtsnormen die Zuständigkeit des Volksstaates Hessen überschreitet, wird die Regierung ersucht, bei der Reichsregierung auf den Erlaß entsprechender reichsrecktlicher Vorschriften zu dringen."
Die englischen Hungermürschler gegen das Parlament.
London, 1.Rov. (LU.) „M assenangriff de r Hungermürschler aus das Par- l a m e n t" ist das Schlagwort, das am Dienstagabend ganz London in Atem hielt. Die Hunger- märschler, die dauernd mit roten Bannern durch die Straßen marschieren, erklären, sie wollten das Parlament am Dienstagabend (türmen, um ihre Forderungen anzuh5ren und ihre von einer Million Menschen unterschriebene Bittschrift entgegenzunehmen. Sie gaben die Parole aus, sich um 20.30 Ahr MEZ. vor dem Parlamentsgebäude zu sammeln. In Flugb'ättem werden die Schutzleute ausgeford^rt. ihre Gummiknüppel nicht zu gebrauchen. Die Polizei hat Maßnahmen ergriffen, um die Drohung der Hungermürschler zu vereiteln. Sie führte am Dienstagmittag eine Durchsuchung der Zentrale der kommunistischen Organisation „A r b e i t s I o s e n b e w e- gung" aus, die den Hungermarsch in Szene gesetzt hat. Es wurden fünf Zentner Schriftstücke beschlagnahmt. Der Kommunistenführer Hannington wurde testgenommen, dem Richter vorgeführt und für eine Woche in lln° tersuchungshaftgenommen H. hatte bei einer Kundgebung die Schutzleute au'gefordert, mit den Hungermürfch'een zufaume'zu e e.i. Auch ein anderer Kommun stensührer wurde verhaftet. Als die Verhaftung Hanningtons begannt wurde, versuchten mehrere hundert Hungermärschlec das Polizeigericht zu stürmen. Sie wurden jedoch von den Schutzleuten zurückgeschlagen.
In dem Bezirk um das Parlament wurden Tausende von Schutzleuten zusammengezogen. Das Parlament ist von einer staclea Po.izeckette umgeben. Innerhalb d r La n- meüe um das Parlament dürfen keine Kundgebungen stattfinden. Bisher wurden fünfzig Pers on en lest genommen.
Aus aller Welt
Beileid des Reichsverkehrsministers jum Unglück des Köln-Londoner Postflugzeugs.
Der Reichspoft- und Reichsoerteyrsminister hat folgendes Telegramm an die Deutsche Lufthansa
Onkel Oschas Zlyarren.
(Sin attltvrandua es Zdyi».
33on Sieqfned von Deqefacl.
Onkel Osct)a war unser Lieblingsonkel, der richtige Kinderonkel, mit einem mächtigen weißen Bart, den er immer in zwei Zipfeln nach rechts und nach links auseinanderstrich, bujchigen Augenbrauen, unter denen zwei knabenhaft spitzbübische Augen lustig hervorblitzten, und einem hellen herzlichen Lachen, wie ich es ftfnft bei keinem Menschen gehört habe.
Onkel Ofcha war als kleiner Junge gefallen und deshalb im Nucken ein wenig verwachsen. Mit feinem breiten; merkwürdig kurzen Oberkörper, der sich hurtig und lebhaft hin und her bewegte, hatte ■er etwas Gnomenhaftes, besonders abends, wenn wir mit ihm durch die Zimmer tollten, und er mit dem weißen Elfenbein-Papiermesser hinter uns herrannte, um uns die Köpfe abzusäbeln.
Onkel Oscha hatte selbst keine Kinder, war unverheiratet und hielt es nie lange auf seinem etwas verwahrlosten Gute aus. Er war deshalb immer unterwegs mit seiner kleinen Kaiesche oDer J)em altmodischen „Wajok", einem Kupee auf Schlittenkufen, und dem alten Kutscher Maarz auf dem Bock, von einem Gut zum andern immer bei Verwandten zum Besuch. Und niemals gab es einen größeren Jubel, als wenn seine . bekannten vier braunen Rosse auf der Landstraße sichtbar wurden, in die Allee einbogen und vor der Veranda hielten. Dann schallte es durchs ganze Haus: „Onkel Oscha ist da' Onkel Oscha ist da!"
Und kein Onkel in der ganzen Verwandtschaft wurde von uns Kindern so begeistert begrüßt wie Onkel Oscha, wenn er dann im weißen Staubmam tel oder im dicken Fuchspelz hervorkroch und gleich als erstes jedem von uns eine Tüte Karamellbon- bons aus den Ohren zog! Denn das war seine Spezialität: er zog so lange an den Ohrläppchen, bis eine Tüte Bonbons herauskam!
Im Winter prüfte Onkel Oscha immer genau die Temperatur in seinem Gastzimmer, denn er konnte nur schlafen, wenn es so heiß war, daß sich „bie Haare kräuselten". Und deshalb wurde schon tagelang vorher 'c;n Zimmer wenn man ihn
erwartete.
Onkel Oscha yali. Schwache im gute
Zigarren. Beim Morgenkaffee lag immer ein
schweres silbernes Kästchen neben seinem Platz, das mit köstlichen „Bafonettas" gefüllt war, die er direkt aus Hamburg bezog Und bei der letzten Kaffeetasse kam dann der feierliche Augenblick, wenn Onkel Oscha das Kästchen öffnete, eine dicke Zigarre herausholte, sie umständlich beschnitt und mit liefern Behagen in Brand steckte
Und da dachten wir uns einmal etwas ganz Tolles aus. Wir hatten in der Frühe eine Maus lebendig gefangen, Onkel Oschas Zigarrenkästchen geleert und die Maus hineingesteckt
Nun faßen mir zitternd, vor Spannung beim Morgenkaffee um den Tisch und warteten auf den feierlichen Augenblick, wenn der Onkei das Kästchen öffnen würde. Und da kam er. Onkel Oscha lehnt sich behaglich in den Korbsessel zurück, schlägt den Deckel auf, — und wie ein Strich schießt die Maus über das weiße Tischtuch!
Für diesen Streich mußten wir allerdings büßen, da half uns kein „Mundjpitzen", und Onkel Oscha zog uns allen der Reihe nach die Hosen stramm, bis wir „die (Engel im Himmel pfeifen hörten."
Am nächsten Morgen sann ich mir aber etwas Neues aus. Wie der Onkel ein wenig zur Seite schaut, nehme ich heimlich das Zigarrenkästchen, doch mit Absicht jo, daß er es bemerken mußte, trage es ins Zimmer und bringe es gleich daraus ebenso geheimnisvoll wieder zurück Ich sehe, wie es in Onkel Oschas Augen triumphierend blitzt, aber er läßt sich nichts anmerken.
Nach dem Kaffee nimmt er das Zigarrenkäftchen in die Hand, steht auf, ruft mich zu sich und erklärt feierlich.
„Nun komm mal mit!"
Und neugierig folgen wir ihm alle nach.
Onkel Oscha geht triumphierend voran, das silberne Kästchen bleibt immer fest in der Hand. Er geht bis zum nahen Teich, bleibt aus dem schmalen Brettersteg stehen und donnert mich an:
,Hetzt paß mal auf — diesmal habe ich dich angeführt!"
Und damit beugt sich Onkel Oscha tief über das Wasser und öffnet vorsichtig das Kästchen nach unten: zehn köstliche dicke „Bajonettas" plumpsen in den Teich — Onkel Oscha starrt sprachlos in die Tiefe, dann stürzt er auf mich 'os, aber jubelnd fliehen wir alle auseinander, und der gute Onkel mußte feine geliebten Zigarren allein aus dem Wasser fischen.
Sronon fehrf von feinem WMna Möck.
i
is
r
l ■
Xfi
SW. %
Nach der Zurücklegung einer Flugstrecke von rund 60000 km ist der deutsche Pilot von Gronau mit seinem Flugzeug gestern duf der Insel Cypern eingetroffen, von wo er in den nächsten Tagen nach Deutschland zurückkehrt. Mit Ausnahme der Notlandung im Bengalischen Meerbusen hat die Dornier-Maschine die riesige Strecke über Meere und Gebirge, in grönländischer Eiseskälte und tro- vischer Hitze bisher ohne jeden Unfall geschafft. — Unser Bild zeigt Gronau mit seinen Kameraden an Bord des Dornier-Wals, mit dem er die Welt umkreiste.
Berlin gesandt: Da der Lod der Flugzeug- besatzung beim Anfall auf dem Reichspostflug vom 29. Oktober traurige Gewißheit zu sein scheint, spreche ich Ihnen zu dem schweren Verlust meine herzlichste Teilnahme aus mit der Ditte, diese auch den Angehörigen der beiden Verunglückten zu übermitteln. Das Ereignis berührt mich um so schmerzlicher, als es ganz kurz vor dem Abschluß einer Flugperiode einftat, die nach ihren flugtechnischen Ergebnissen einen unverkennbaren Fortschritt in der Entwicklung der Reichspostflüge bedeutet, um den auch die verunglückte Besatzung sich besonders verdient gemacht hat.
„Graf Zeppelin" auf der Heimreise.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erreichte, einem Funkspruch aus Friedrichshafen zufolge, auf seiner Rückfahrt am Dienstag um 23 Ahr MEZ. die Kanadischen Inseln.
vier Fischer ertrunken.
Dieser Tage waren vier Fischer aus Rest bei Köslin in See gefahren, um ihre ausgelegten Retze einzuholen. Von dieser Fahrt tarnen die Fischer nicht zurück. Jetzt wurde ihr Book am Strande bei Rest leer angetr eben. Man muß annehmen, daß die vier Fischer — es handelt sich'um drei Vettern namens Erdmann und einen Fritz Schwartz aus Rest — ertrunken sind.
Sturm- und Ueberschwemmungsschäden in Frankreich.
Aus den nordfranzösifchen Hafenstädten und Badeorten werden weitere schwere Sturm- s ch ä d e n gemeldet. Besonders Trouville, Deauville, Cherbourg und St. Malo haben schwer gelitten. Der Strand von Trouville ist mit Brettern und Baumstämmen besät. Eine ganze Reihe von Lotalzügen mußte den Verkehr einstellen. Aus Cherbourg werden 8 O 8 - R u f e einer größeren Zahl von Schiffen gemeldet, die sich im Aermelkanal befinden. Der Hasendienst in Sankt Malo mußte eingestellt werden. — Auch aus den innerfranzösischen Provinzen werden schwere Sturm - und Regenschäden gemeldet. Die Marne und ihre Rebenflüsse sind in der Gegend von Chalons aus den Äsern getreten und haben weite Flächen überschwemmt. Verschiedene
Ortschaften sind vollkommen von der Außenwelt abgesperrt. Die Landstraßen sind teilweise stark überschwemmt. Chalons-sur-Saone bietet den gleichen Anblick. Die kleineren Flüsse in der Am- gebung der Stadt sind sämtlich überdieAfer getreten. Auch in Rordfrarckreich wurde viel Schaden angerichtet. Die Maa-S steigt in beunruhigender Weife.
Ergebnislose Suche nach den verschollenen Gotländern.
Die Suche nach den 18 lungen Gotländer, die sich vor einigen Tagen im Schifferboot aufs Meer begeben hatten, ist erfolglos geblieben. Der Abendpresse zufolge hält man es für möglich, daß bafc Boot nachts von einem der vor Gotland liegenden russischen Kriegsschiffe überfahren worden ist. Czner anderen Vermutung nach sollen die jungen Leutd photographische Ausnahmen von den russischen Kriegsschis en gemacht haben und deshalb an Bord eines der Kriegsschiffe gebracht worden fein. Die russische Gesandtin in Stockholm. Frau Koll on t a i, hält dies für ausgeschlossen.
Reue Erdstöße in Ehalkidike.
Auf der Halb.nse. Ehalkidike wurde, wie ein Funtsprach aus Athen meldet, am Dienstag um 18.05 Ahr ein außerordentlich heftiger Erdstoß verspürt, der besonders stark in Poei- gyros, Araka, Stageira, Stratoniki und Hir- rissos war, wo zahlreiche Häuser einstürz- t e n. Die Bevölkerung ist in Angst und Schrecken verseht. Am 18.15 Ahr rief ein zweiter wellenförmiger Erdstoß unter der Bevölkerung Entsetzen hervor, der auch in Sekds, Drama, Ra- toala und Romani zu spüren war. Die Behörden bemühen sich, die Bevölkerung zu beruhigen.
Vierbesiellungen aus USA. in Erwartung der Aufhebung der Prohibition.
In Voraussicht der Aufhebung der Prohibition m USA. hat sich, wie die Hofbräuhaus Koburg AG. mitteilt, die Großhandelsfirma Geo Borgfeldl & Co. in Neunork den Vertrieb des „Ko- burger Hofbräu" auf Grund eines Vertretervertrages gesichert und bei der Brauerei eine namhafte Bestellung auf Faßbier getätigt, die zur Abführung gelangen soll, sobald die Prohibition in den USA. gefallen ist -x
O.e Frau, der das Schlechteste nachgejagt wird.
Indiskretionen aus dem Souffleurkasten.
XSon Lothar Sachs.
Mit Diel Ironie hat einmal ein Kritiker die Souffleuse als die Frau bezeichnet, der im Laufe der Saison das Schlechteste nachgesagt wird. Auf jeden Fall hat sie in allen Stücken das M e i ste zu reden. Trotzdem bleibt sie im Dunkel der Anonymität, ihr Name steht nicht auf dem Theaterzettel. Eigentlich müßte er fett gedruckt werden So wichtig ist die Rolle der Souffleuse. Der Laie macht sich da meist falsche Vorstellungen. (Er glaubt, es sei doch keine Kunst, si' in den Souffleurkasten zu setzen und den einzelnen Schauipielern die Stichworte zu bringen. Bitte probieren Sie es doch einmal! Sie werden schon nach der ersten Szc^e des ersten Aktes eingesehen haben, w i e schwer das ist
Wer nicht die nötige Routine besitzt, wird entweder zu laut ober zu leise soufflieren. So fängt die Katastrophe schon an. Es macht dem Pudli- tum fein Vergnügen, wenn es schon alles von Der Souffleuse erfährt, bevor der Schauspieler auf der Bühne überhaupt den Mund aufgemacht hat, und es macht den Schauspielern noch weniger Vergnügen, wenn sie fein Wort von dem verstehen, was die Frau im Kasten souffliert. Es ist gar nicht jo einfach und erfordert Uebung und Erfahrung, die Stichworte flüsternd und doch de u 11 i ch zu geben (Eine gute Souffleuse ist ebenso begehrt wie em guter Schauspieler Namentlich an den Repertoir- Bühnen, wo häufiger Stückwechsel — im Gegettzatz zu den en suite spielenden Bühnen — kein wochenlanges Proben gestattet, ist die Souffleuse oft die einzige Rettung der wild „schwimmenden" Darsteller
(Eine Souffleuse muß aber auch Menschenkenntnis besitzten Sie muß sich auf die kleinen Schwächen geschickt einstellen. Sie notiert sich die Wortklippen, an Denen bei den Proben Der jugendliche Held regelmäßig scheitert, sie paßt auf, daß Der Komiker an Dieser Stelle ober an jener Die Pointe nicht zu früh losschießt, sie weiß, wann sie nur wenig soufflieren Darf, um nicht zu irritieren, unö weiß, wer an Gebächtnisjchwäche leiDet unD Darauf wartet, daß ihm Satz für Satz Vorgesprächen wird.
Die Aufgabe Der Souffleuse ist Dann besonders schwierig, wenn während Der Proben dauernd am Text geändert wird, so Daß Die Aermste bald selber nicht mehr im Bilde ist, wie Die endgültige Fassung lautet. Dazu kommt, daß sich namentlich Die prominenten Schauspieler nie an Den Text halten unD jeDesmal andere Satzformulierungen bringen. Dafür sind grabe sie am aufgebrachtesten, wenn sich bie Souffleuse einmal irrt. Die hoch- gehenden Wogen der (Erregung während der Pro- ben schlagen auch in den Souffleurkasten. Gar oft wird die Souffleuse unschuldig verdächtigt, wenn ein Austritt ober Abgang verpatzt wirb ober ein Darsteller ben Faben verliert. Dann gibt es Debatten zwischen Bühne und Souffleurkasten, dis bei einer „Hoslichkeitswoche" bestimmt nicht preisgekrönt würben. Aber was eine richtige Souffleuse ist, nimmt solche Temperamentausbrüche nicht tragisch und läßt sich mit einer netten Bonbonniere leicht roieber versöhnen.
Eigentlich sollte ber Souffleurkasten für ben Schauspieler nur bas sein, was bas aufgefpannte Netz für Den Luftakrobaten beDeutet: Rettung im alleräußersten Notfall In Wirklichkeit beherrschen aber viele Schauspieler nur im »lleräußersten Notfall ihre Rollen so souverän, daß sie die Souffleuse entbehren können.
3u viele Elefanten in Uganda.
Seit einigen Jahren wird von der Zunahme der Elefantenherden in Aganda (Aequatorialafrika) berichtet, die sich immer stärker vermehren, seitdem die dort früher übliche Wilddieberei unterbunden worden ist. Außer der natürlichen Zunahme der Herden nimmt man an, daß die Elefantenzahl in dem Toro-Gebiet sich auch durch Einwanderer erhöht hat, die aus dem belgischen Kongo kamen. Sie wurden von dort durch eifrigere Jagd vertrieben. Man hat in Aganda in den letzten Jahren den Elefanten geschützt, und die Tiere wurden nach Möglichkeit in unbewohnten Gebieten gehalten Aber die gewaltigen Herden lassen sich nun nicht mehr zurückdrängen und die Tiere werden allmählich zu einer Gefahr für die Ansiedler. Man hat daher jetzt angeordnet, daß 600 Elefanten abgeschossen werden sollen, um dadurch die Herden zu verkleinern und sie wieder in dis abgelegenen Gebiete des Toro-Landes zurückzutreiben, wo sie kein Anheil anrichten können.


