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2.11.1932 Erstes Blatt
 
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Nachdruck verboten.

Fahrt draußen bei Mondschein herrlich! Komm nur! Hupp, Fritz!" Er winkte dem Jugendge- spielen, sie schulterten das Boot und trugen es vorsichtig hinaus in den fast taghellen Sommer­abend.

Erika hatte einen Augenblick gezögert. Aber als sie hinaustrat in die zauberhafte Helle der som­merlichen Rächt, die Gestalten der Gefährten sah, die da schnell und fröhlich dem Flusse zugingen, da lief sie schnell hinterher.

Gestalt im Arme halten würde. Diese Vorstellung ließ sein Blut schmerzhaft aufrauschen: er konnte sich nicht bezwingen das eine mußte er wenig­stens fragen:

Erika, nicht wahr, das vorhin war doch nur ein Scherz, mit dem, was die Leute reden, daß dein Vater dich bald verheiraten will..

In seiner Stimme schwang etwas mit, was sie auffehen ließ: aber in ihrer kindlichen Llnbe- fangenheit ahnte sie nicht, was den Jugendfreund bewegte.

Du hast wohl Angst", lachte sie,daß ich eines Tages die Frau von einem der Angestellten werden könnte? Ach nein, Kurt, das sind doch nur die Leute, die reden, die es mir und dem Vater nicht gönnen, daß er mich besser gehalten hat als die anderen Eltern ihre Mädels. Er sagte immer, die Mutter wär' was Feineres ge­wesen als die Mädels seines Standes, und ich sollte auch was Besseres kennen als nur Wasch­küche und Zimmeraufräumen und Kochen. Mit- geben könnt' er mir nichts, da wollt 'er mir wenigstens das eine mitgeben, daß ich ordentlich was gelernt hätte, um auch mal auf eigenen Füßen zu stehen. And vorläufig denk' ich ja überhaupt nicht ans Heiraten: dazu hab' ich noch lange, lange Zeit. Ta müßte erst der Richtige kommen."

And wie mühte er denn aussehen, der Rich­tige?" fragte Kurt stockend. Er sah mit heißer Sehnsucht auf das blühende, klare Mädchengesicht neben sich, über das jetzt ein schelmischer Zug ging.

Ich hab' mich wirklich mit dem Gedanken noch nicht geplagt, Kurt. Ich hab' ja noch Zeit, viel Zeit, ich bin ja noch so jung und muß noch so schrecklich viel lernen. Aber gut müßte er sein und lachen müßte er können, und man mühte so viel Vertrauen zu ihm haben wie zu..Sie stockte.

Wie zu wem, Erie?" fragte Kurt in tiefer Erregung. Anwillkürlich blieb er stehen, sah sie an; feine dunklen, ernsten Augen forschten in ihrer Seele.

Ein unbekanntes Gefühl schauerte durch das Mädchen.Wie zu dir!" sagte es unwillkürlich und scheu.

And dann ging sie, wie auf der Flucht vor sich selbst, schneller vorwärts. Kurt schwieg einen Augenblick und ging in gleichem Schritt neben Erika her. Eine zarte Befangenheit lag auf ein­mal zwischen den beiden jungen Menschen.

Ehe sie in den schmalen Weg einbogen, der zu den Werkwohnungen führte, sagte Kurt:

Das war ein gutes Wort, Erika. Willst du immer daran denken, dah du einem Manne, dem du einmal gut sein kannst, soviel Vertrauen ent­gegenbringen mußt wie mir?"

Er sah sie mit einem seltsam zwingenden Blick an. Erika wurde rot, sie nickte kurz: es war so ein herbes Ricken, als wäre sie noch das drei­

Deiner Hände Werk

Roman von Klothilde von Gtegmann-Stein.

Copyright by Martin Feuchtwangrr. Halle (Saale)

zehnjährige linkische Mädel aus früherer Zeit. And bann, wie auf stillschweigende Verabredung, wechselten sie das Thema.

Sie waren bald an der Wegbiegung ange­langt, wo die grohe Pappel stand und von der aus man einen Ausblick auf Bremerschloh hatte. Kurt gab Erika die Mappe zurück.

Also auf Wiedersehen, Erie!" 3n seiner Stimme war etwas Verhaltenes, das sie noch nicht kannte, was sie aber mit einem süßen, leisen Schauer durchrieselte.Kommst du heute nach dem Abendbrot in die Werkstatt? Ich möchte einiges an dem Motor versuchen; ich habe mir da einige Verbesserungen ausgedacht, auch im Zeichensaal von der Hochschule daran geknobelt vielleicht fahren wir auch ein Stückchen..."

Erika nickte, und nach einem herzlichen Hände­druck ging sie schnell durch das schwarze Holztor, das den Werkshof von der Straße her trennte. Kurt sah ihr noch einen Augenblick nach, bis ihre schlanke Gestalt auf der kleinen Treppe verschwun­den war, die zu der Wohnung des Materialver­walters im ersten Stock führte.

Sechst es Kapitel.

3n der Werkstatt, die sich Kurt in einem leeren Schuppen des Weicks eingerichtet hatte, brannte eine elektrische Lampe ohne Schirm. Sie warf ihr grelles Licht auf ein kleines Doot, das da auf zwei Böcken in der Ecke stand. Aeber dieses Boot neigte sich Kurts heißes Gesicht, neben ihm stand Erika. .Sie hatte einen Trainingsanzug an und sah aus wie ein schlanker, schmaler Junge.

And wie ein Junge arbeitete sie mit, putzte mit einem Wollappen an den einzelnen Ma­schinenteilen, schmierte die kleinen Windungen, putzte, hauchte wieder, während Fritz sachver­ständig Kurt die nötigen Handreichungen machte. Schweigend arbeiteten sie, nur hin und wieder von Kurt dirigiert.

Durch das geöffnete Fenster kam der Flieder­duft von dem Werksgarten draußen herein; ein Rachtfalter verirrte sich und flog mit geisterhaf­tem Flügelschlag an der Decke entlang, wunder­liche Schatten werfend. Die jungen Menschen waren hingegeben an diese ihre Arbeit, und sie hörten es nicht, daß die Ahr draußen erst die neunte und dann die zehnte Stunde schlug.

Endlich erhob Kurt sein heißes, gespanntes Gesicht.

Jetzt hab' ich's, sicherlich wird der Motor so bedeutend besser und sparsamer funktionieren. Wollen wir ihn jetzt noch ausprobieren?"

Erika machte ein bedenkliches Gesicht.Ich glaub', es ist schon spät..."

Ach was, spät", warf Kurt ein,dein Vater ist ja doch heute beim Kegeln. Was willst du an dem schönen Sommerabend daheim? Das wäre das erstemal, Erie, daß ich ohne dich was an meinem Motorboote probierte. And jetzt eine

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Auf Schloß Bremerwerk hatte sich die Abend­gesellschaft nach dem Essen auf der Gartenterrasse versammelt. Olaf Crikson stand neben Hiltrud und sah mit aufrichtigem Entzücken in den Park hinein.

Das ist wirklich ein außerordentlich schönes Besitztum, Herr Kommerzienrat, chas Sie da haben. Jetzt in diesen schönen Fruhsommertagen entfaltet es erst seine ganzen Reize. Besonders solch eine Mondnacht ist etwas Zauberhaftes."

Da sollen Sie erst einmal die wundervolle Stimmung sehen, die heute abend über b?m Flusse liegt", meinte der Kommerzienrat.Wie wäre es, Melanie, wenn ihr unserem Gaste ein­mal den Blick von der Werksbrücke hinüber zu der alten Burg im Mondschein zeigen würdet? Mich müssen Sie entschuldigen, ich habe noch ein paar dringende Briese zu erledigen."

Vielleicht begleitet Hiltrud unseren jungen Freund", schlug Frau Melanie vor,ich bin heute etwas ermüdet. Den ganzen Tag gesellschaftliche Verpflichtungen ich weiß mitunter wirklich nicht, wie ich das bewältigen föll", klagte sie.

Sehr einfach, Melaniechen, du schiebst etwas von dem Gescllschaftsklimbim ab", rief der Kom­merzienrat.

Frau Melanie sah ihn strafend an.

Du vergißt, daß eine gesellschaftliche Stellung wie die unsere auch Verpflichtungen mit sich bringt, denen man sich nicht entziehen kann. Du hast leider früher auf diese Dinge zu wenig Wert gelegt, lieber Friedrich."

Kommerzienrat Bremer seufzte leise. Er mußte daran denken, daß auch ohne diese gesellschaft­lichen Verpflichtungen feine Firma groß unb anerkannt geworden und daß sein Haus ihm heimischer und beglückender gewesen, da nur aus­gesuchte Freunde zu ihm und feiner Margaret« gekommen waren. Aber es hatte keinen Zweck, darüber nachzudenken, wie ganz anders sich das Leben in feiner zweiten Ehe gestaltet hatte. Er hatte es langst aufgegeben. Melanie in dieser Hinsicht ändern zu wollen. Er war froh, wenn er seinen Frieden hatte. So schwieg er auch jetzt und verabschiedete sich freundlich von den Seinen und von dem jungen Schweden.

(Fortsetzung folgt.)

Mit einem warmen Freundschaftsblick, in dem aber noch die ganze Anbefangenheit eines Kindes war, sah Erika den Jugendgespielen an:

Du muht nicht so bitter sein, Kurt. Verdirb dir die schönen Ferientage nicht; deine Mama wird auch einmal zur Einsicht kommen..."

Die nie! war die heftige Antwort des jungen Mannes. Dann lenkte er gewaltsam ab: Was macht deine Stenographie, Erie, und deine Schreibmaschine? Wieviel Silben? Ich hab' schon jeden Tag Angst, daß du mir etwa auch einmal einen kalten 'Schreibmaschinenbrief schreibst aber nicht wahr, das tust du mir nicht an? Hast du viel zu arbeiten?"

Ach, es geht. Ich möchte doch nach dem Kursus bald eine Stelle finden; da muß ich fleißig üben. Weißt du, Vater wird auch jetzt oft schon sehr müde; wenn er nicht mehr arbeiten kann wer soll dann für ihn sorgen?"

Aber Erie, er braucht sich doch keine Gedanken ?,u machen. Solange mein Vater da ist, wird doch einer der alten Angestellten jemals Rot leiden."

Erika schwieg. Sie mochte dem Jugendfreunde nicht sagen, was man sich auf dem Bremerwerk von der Gesundheit des Kommerzienrats Bremer erzählte: Daß er plötzlich mitten in einer geschäft­lichen Besprechung blaß wurde, sich nach dem Herzen griff, und dah er immer öfter mitten aus der Arbeit heraus ins Schloß hinübergehen müsse, um sich hinzulegen. So lenkte sie denn die Unter» Haltung ab:

Du hast recht, Kurt, das sind Sorgen, die wir uns heute und morgen noch nicht zu machen brauchen. Aber daß ich gern bald auch auf eigenen Füßen stehen möchte, das kannst du dir denken. Amsomehr, als die anderen Leute auf dem Werk schon immer spitze Bemerkungen machen, dah mein Vater und ich hoch hinaus wollen, weil er mich auf die bessere Schule geschickt hat und nun noch was lernen läßt, anstatt mich zu Hause zu be­halten und mich möglichst bald an irgendeinen von den jungen Leuten aus unserem Stande zu ver­heiraten."

Absichtlich hatte Kurt sein Studium nicht in die nahe Aniversität verlegt, so bitter schwer es ihm auch wurde, sich vom Vater, vom Dremer- werk und von Erika zu trennen Aber es war leichter so. Zum ersten Male jetzt bei Erikas Worten kam ihm schreckhaft der Gedanke, dah ein anderer ihm zuvorkommen, ein anderer diese Lippen küssen, ein anderer diese schlanke, knospende

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Oie Reichstagswahl am 6. November 1932.

Die Wahlhandlung (Abstimmung) zur Reichstagswahl findet am (Sonntag, dem 6. November 1932, ununterbro­chen von 9 bis 18 Ahr, statt. Zur Stimm­abgabe dürfen nur amtlich hergestellte Stimmzettel, die alle zugelassenen Kreis­wahlvorschläge, die Partei (Kennwort) und die Namen der ersten Bewerber jedes Vorschlages enthalten, verwendet werden. Die Ausgabe der amtlichen Sttmmzettel erfolgt am Wahltage im Wahlraum unter gleichzeitiger Aushändigung eines amt- lichen Wahlumschlags.

Die Abstimmbezirke der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrn- wald, die Abstimmungsräume, die Namen der Abstimmungsvorsteher und deren Stellvertreter sind aus dem Aushang in den amtlichen Aushängekasten, ferner durch Aushang in der alten Klinik, Liebig- straße 16, im alten Rathaus, Markt­platz 14, im Stadthaus, Gartenstraße 2, und im Stadthaus, Bergstraße 20, zu ersehen. Der Wahlraum für den II. Wahl­bezirk (bisher Studienanstalt, Nordan­lage 28) befindet sich bei der Wahl am 6. XL 1932 im Saal 6 der Schiller- schule, Schillerstraße 8. Die Wahlräume der übrigen Bezirke haben eine Aenderung nicht erfahren.

Es ist untersagt, hn Wahlraum oder in depen Zu- oder Eingängen Plakate irgend­welcher Art (Wahlaufrufe usw.) anzu- bringen.

Das Wahlergebnis für den 19. und 20. Wahlbezirk (Kliniken, Kranken- und Pflcgeanstalten) wird nach beendeter Wahlhandlung im Stadthaus, Berg­straße 20, Zimmer 8 und 9, festgestellt werden.

Die Ausstellung von Stimmscheinen für solche Wähler, die sich am Wahltage aus zwingenden Gründen außerhalb chres Wahlbezirks aufhalten, erfolgt bis ein­schließlich Samstag, den 5. November 1932, 17 Ahr, durch das städtische Wahl- amt, Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13. Die Entgegennahme der Stimm- scheine hat durch die Wahlberechtigten, die sich über ihre Person genügend aus- zuweisen haben, selbst zu geschehen. Sind dritte Personen mit der Entgegennahme eines Sttmmscheins beauftragt, so müssen sie sich durch Vorlage einer Vollmacht des Wahlberechtigten ausweisen.

Gießen, den 2. November 1932. Bürgermeisterei Gießen.

__________Z. V.: Dr. Seid. 7723C

Bekanntmachung.

In unser Handelsregister Abteilung B wurde am 27. Oktober 1932 bei der Firma Schade & Füllgrade, Aktiengesellschaft, Zweigniederlassung Gießen, folgendes ein­getragen: Durch Beschluß der General­versammlung vom 28. September 1932 sind die durch die Aktienrechtsnovelle vom 19. September 1931 außer Kraft gesetzten Aufsichtsratsbestimmungen (§§ 10 und 11 der Satzungen) wieder ausgenommen worden. 77280

Gießen, den 1. November 1932.

______Hessisches Amtsgericht.______

Zwangsvei steigerung

am 10. November, 13 Ahr, auf dem Gerichtstag in Rodheim an der Bieber: Gastwirtschaft und Metzgerei des Wil- Helm Bender II. in Rodheim a. d. B., Gießener Straße 50, nebst Nebengebäu­den und Hausgarten, 17,43 Ar groß.

Amtsgericht Gladenbach. 373id

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Der Verein der Einzelhändler e. V. Gießen hat in einer längeren öffentlichen Erklärung unserem Verbände den Vor­wurf gemacht, dah er mit einem Flugblatt in eine noch nicht abgeschlossene Tarifverhandlung ein gegriffen habe; ferner seien die aufgestellten Behauptungen unberechtigt und unrichtig. Dazu stellen wir fest:

Uns kam es selbstverständlich darauf an, den Gang der Verhandlungen im günstigen Sinne für die Angestellten durch unser Flugblatt zu beeinflussen. Eine öffentliche Stellungnahme n a ch Abschluß der Verhandlungen hätte natürlich keinen Wert mehr gehabt. Inzwischen ist ein neuer Tarifvertrag für die Angestellten des Gießener Einzel­handels mit dem Verein der Einzelhändler e. V. Gießen zustandegekommen, in dem wesentliche Verschlechterungs­forderungen der Arbeitgeber abgewehrt wurden. Dabei hat das Flugblatt seinen Zweck erfüllt, in dem übrigens nichts Wahrheitswidriges behauptet wurde und dessen Inhalt wir nach wie vor aufrecht erhalten.

Wir betonen, daß der D. H V. stets ein arbeitsgemein­schaftliches Zusammenwirken zwischen Arbeitgebern und Angestelltenverbänden vorzieht und sich davon für beide Teile einen besseren Erfolg verspricht als von öffentlichen Auseinandersetzungen. Er scheut aber auch diese nicht, wenn sie im Interesse der Angestellten und der Gesamt,

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