Aus aller Welt.
hochverratsverfahren vor dem Reichsgericht. — Drei Jahre Zuchthaus für einen ehemaligen Rlcttrofen- gefreiten.
Der 5. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig verurteilte den früheren Matrosengefreiten Kurt Spital vom Torpedoboot „Greif" wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens in Tateinheit mit versuchtem Verbrechen nach § 1 Absatz 2 des Gesetzes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse sowie in Tateinheit mit einem Verbrechen gegen § 92 des Militärstrafgesetzbuches (Richtbefolgung eines gegebenen Befehls) zu drei fahren Zuchthaus, Entfernung aus der Marine und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von sechs Jahren. Ein Jahr zwei Monate und ein Tag der Strafe gelten als durch die Untersuchungshaft verbüßt. In den Jahren 1930/31 ist ein kommunistischer Funktionär an den Angeklagten herangetreten, angeblich, um den Angeklagten für die Gedanken der KPD. zu gewinnen, tatsächlich jedoch in der Absicht, aus dem Angeklagten einen willigen Helfer zu militärischem Verrat für Rußland zu machen. Der Angeklagte kennt den 21 amen dieses Kommunisten, gab aber nur zu, daß der Mann „Fritz" genannt werde und Reichstagsabgeordneter der KPD. gewesen sei. Spital hat neben anderen Mitteilungen an diesen Fritz zwei Briefe geschrieben. Einer der Briefe enthielt als Anlage ein geheim zu haltendes Schriftstück über Artillerieschiehen. Der Vorsitzende stellte in der Urteilsbegründung u. a. fest, der Angeklagte habe selbst zugegeben, daß er überzeugter Kommunist sei und alles daransetzen wollte, um die kommunistischen Gedanken in die Marine eingehen zu lassen; Spital sei jedoch absichtlich nicht zur Zersetzungsarbeit der KPD. verwendet worden, da er ihr viel besser dadurch dienen konnte, dah er militärische Rachrichten gab, die z. T. von der KPD. zum Zwecke des Bürgerkrieges zurückgestellt werden konnten, z. T. aber auch an Rußland weiterzugeben waren.
Einbruchsversuch
bei der Königsberger Staatsanwaltschaft.
Wie die Justizpressestelle Königsberg mitteilt, ist in einer der vergangenen Rächte der vergebliche Versuch gemacht worden, die Räume der Staatsanwaltschaft im neuen Gerichtsgebäude in Königsberg zu erbrech en, die die Zimmer des Sachbearbeiters der Terrorakte vom 1. August d. I. (Mordüberfälle und Brandstiftungen) beherbergen. Der Einbruchsversuch kann nur der Erlangung der Akten dieser Ermittlungssache gegolten haben. Die Täter haben sich offenbar abends im Gerichtsgebäude einschliehen lassen und haben dieses, nach dem Einbruchsversuch, anscheinend durch ein Fenster im Erdgeschoß verlassen.
von einem polnischen Grenzbeamten erschossen.
Dieser Tage hatte der Arbeiter Silvester Po- Panda aus Sorowski (Kreis Guttentag) mit einem Mädchen an der polnischen Grenze ein Stelldichein. P. stand dabei etwa 15 Meter von der Grenze entfernt auf polnischem Gebiet. Einige Freunde von ihm, die sich auf deutscher Seite
befanden, machten P. darauf aufmerksam, daß ein polnischer Grenzbeamter in Sicht sei. Po- panda wollte sich auf deutschen Boden zurückbegeben, blieb jedoch auf den Halt-Ruf des polnischen Beamten stehen und hob die Hände hoch. Der polnische Beamte fragte P., ob er etwas bei sich habe, was dieser verneinte. Darauf schoß der Beamte auf Popanda und verletzte ihn schwer. Rach dem Weggang des polnischen Zollbeamten wurde P. auf deutsches Gebiet geschafft. Kurze Zeit darauf starb er. P. konnte noch dem Landjäger den Vorfall genau schildern. Auch Popan- das Begleiter machten die gleichen Aussagen. Die Aussagen von polnischer Seite stehen jedoch im Widerspruch dazu.
lleberschweminung im Regierungsbezirk Stabe.
Die andauernden Riederschläge haben im gesamten Regierungsbezirk Stade (zwischen Weser und Elbe) verheerende Wirtungen hervorgerufen. Obwohl der Wasserstand der Lesum und der Weser sich nicht sehr wesentlich verändert hat, sind im Dinnenlande doch weit ausgedehnte Ueberschwemmungenzu verzeichnen. Riesige Seen haben sich in der Oste- und Mehe-Riederung gebildet. Bei dem hohen Wasserstand der Oste ist ein Abfliehen des Wassers vorläufig nicht möglich. Die Feldwege sind vielfach derartig aufgeweicht, daß der Verkehr zur Einholung der Rübenernte auf den Feldwegen verschiedentlich nur noch mit Schlitten betrieben werden kann.
Tränengasbomben in einem Hamburger Kaufhaus.
Unbekannte Tater warfen in Hamburg in die Verkaufsräume des Einheitspreisgeschäftes Epa eine Anzahl Tränengasbomben, durch die die Verkaufsräume völlig unter Gas gesetzt wurden, so daß Publikum und Personal flüchten mußten und der Verkauf für etwa zwei Stunden unterbrochen wurde. Ein Mann wurde festge- n o m m e n, der jedoch bestreitet, der Täter zu sein.
Herbststurm über Reuyork.
Neuyork und Umgebung wurden von einem ungewöhnlich heftigen Unwetter heimgesucht. Sturm und Regen richteten überall große Zerstörungen an. Besonders schwer betroffen wurden die Wochenendkolonien auf Longisland, wo rund 80 Häuser von der Sturmflut zerstört wurden. 20 zum Glück unbewohnte Wochenendhäuser wurden von der hochgehenden See fortgespült. Die Lage wurde dadurch verschärft, daß in mehreren der ein- gestürzten Häuser Feuer ausbrach. Ein großes Aufgebot von Feuerwehren, Polizisten und Sani- tätsmanwschasten eilte zu Hilfe. Rach den bisher vorliegenden Meldungen sind 15 Personen verletzt worden. Auch in Neuyork selbst wurde erheblicher Schaden angerichtet. Vom Woolworth- Wolkenkratzer stürzte eine große Fensterscheibe in die Tiefe. Ein junges Mädchen und ein Polizist wurden durch die Splitter schwer verletzt. Der Hasenverkehr war zeitweise unterbunden. Die Ozeandampfer treffen verspätet ein.
15 Personen ertrunken.
Ein mit 50 Arbeitern besetztes Dampfboot kenterte, einer Meldung aus Santiago de Chile zufolge, in der Rähe der Guano-Insel Alacran, 15 Personen fanden den Tod.
stände an Weizen und Roggen wird begreiflicherweise erst getroffen werden, nachdem im späteren Verlaufe des Erntejahres ein sicherer Uebcrblick über die Ernte- und Versorgungsoerhält- nisse möglich ist. Bei der Verwertung wird aber jede Rücksicht auf die Brotgetreideversorgung genommen werden.
Außenminister Zaleski zurückgetreten.
Warschau, 2. 2lov. (WTB. Funkspruch.) Außenminister Zaleski ist zurückgetreten. 2lls Rachfolger ist sein bisheriger Mitarbeiter Oberst Beck ausersehen. Beck gilt als Vertrauter des Marschalls P i l s u d s k i, dessen langjähriger Adjutant er früher war.
Hernots Reise nach Madrid.
Der militärische Hintergrund.
London, 2. Rov. (WTB. Funkspruch.) Es ist bekannt, daß einer der Vorschläge, die von der französischen Delegation inGenf erwogen worden sind, sich auf die Schaffung von Arsenalen internationaler schwerer Waffen bezieht, und daß Spanien als ein Land benannt wurde, auf dessen Gebiet das erste internationale Waffenlager untergebracht werden könnte, Ueberdies schließt der französische Plan Reutralität im Kriegsfall für jedes Völkerbundsmitglied aus, und Spanien, das zwischen Frankreich und einigen Gebietsteilen liegt, aus denen Frankreich so erhebliche militärische Verstärkungen heranziehen würde, würde im Falle eines „Völkerbundskrieges'" eine ganz neue Art von Bedeutung erlangen. Beide Länder haben in Rordwest- afriks viele gemeinsame Interessen, und es gibt einige kleinere Differenzen, die ausgeglichen werden müssen. Die Rachricht, daß der Haupt- hafen der Balearischen Inseln ausgebaggert werden soll, hat großes Interesse erregt, besonders deshalb, weil der spanische Minister für öffentliche Arbeiten bei Einbringung der Vorlage in den Cortes freimütig auf die „militärische Wichtigkeit" von Mino rca hinwies. Es wird erklärend bemerkt, „die Inseln müssen gegen jede kühne oder habgierige Aktion eines Feindes gesichert werden". Herrioi beklagt sich über die deutsche
-reffe.
Madrid, 2.Rov. (TU.) Auf einemPresse- empfang in der französischen Botschaft am Dienstag, zu dem auch die Auslandpresse eingeladen war, wies H e r r i o t alle Vermutungen über den Zweck seiner Reise zurück. Er bemerkte dabei, daß
er von derdeutschenPresse trotz seiner Auf- richtigkeit schlecht behandelt werde. Auf die Zwischenbemerkung eines spanischen Pressevertreters, daß doch bei der Reise der Gedanke cm ein Bündnis Frankreichs mit Spanien naheliege, antwortete Herriot, daß kein Mensch das Recht habe, an dem Wort eines frarzosische.a Ministerpräsidenten zu zweifeln. Er |ei als Freund der spanischen Demokratie in Madrid und wolle Spanien nicht in Konflikte bringen.
Eine neue englische Konversionsanleihe
London, 1. Noo. (WTB.) In einem morgen von der Bank von England zu veröffentlichenden Prospekt bietet die Regierung eine Zprozentige Konoersionsanleihe von 300 Millionen Pfund zum Kurse von 97% Prozent, rückzahlbar ab 1. März 1953,. oder zu einem früheren Datum nach dreimonatiger Kündigung ab 1. März 1948 zur Zeichnung an. Die Zahlung ist wie folgt zu leisten: 5 Prozent bei Zeichnung, 52% Prozent am 1. Dezember 1932 und 40 Prozent am 1. Februar 1933. Die Auflage beginnt am Donnerstag, 3. November, und wird am gleichen Tage geschloffen werden.
Kleine politische Nachrichten.
Der 5. Strafsenat des Reichsgerichts hatte sich mit den Beschwerden gegen das Verbot der „Hessischen Landeszeitung" in Darmstadt, der „Mainzer Tageszeitung", der „Wormser Tageszeitung", der „Oberheftischen Tageszeitung" und der „Offenbacher Rachrichten" zu beschäftigen. Die Beschwerden wurden bezüglich der „Oberhessischen Tageszeitung" als unbegründet, im übrigen als unzulässig auf Kosten der Beschwerdeführenden verworfen.
Die Wochenschrift „Das andere Deutschland" ist mit Verfügung vom 1. Rovember vom Polizeipräsidenten von Berlin bis zum 30. April 1933 verboten worden.
Die Staatsanwaltschaft I Berlin hatte bekanntlich gegen Polizeivizepräsident Dr. Bernhard Weiß und Polizeikommandeur Heimanns- b e r g Anklage wegen Vergehens gegen § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten betreffs die Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung der Provinz Brandenburg und Berlin vom 20. Juli 1932 erhoben und beantragt, das Hauptverfahren vor der Großen Strafkammer beim Landgericht 1 zu eröffnen. Diese hatte es jedoch abgelehnt, das Hauptverfahren zu eröffnen. Die vom Generalstaatsanwalt beim Landgericht I eingelcgie Beschwerde ist nunmehr zurückgegangen, so daß Dr. Weiß und Heimannsberg endgültig außer Verfolgung gesetzt sind.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 2. Rovember 1932.
Wichtig für die Reichsiagswahl!
Die Bürgermeisterei veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung über die Reichstagswahl am Sonntag, 6. Rovember. Alle Wahlberechtigten werden auf diese wichtige Bekanntmachung hingewiesen.
Die Wähler des II. Wahlbezirks (bisher Studienanstalt, Rordanlage 28) stimmen diesmal im Saal 6 der Schillerschule, Schillerstrahe 8, ab.
Die Ausstellung von Stimmscheinen kann beim Wahlamt (Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Rr. 13) nur b i s einschl. Samstag, 5. Rovember, 17 Uhr, beantragt werden. Die Ausstellung ist nur möglich, wenn ein Wahlberechtigter am Wahltage aus zwingenden Gründen von Gießen abwesend ist und auswärts wählen will.
Hypothekenfreies Glück.
Oft seh ich in verschwornmnen Farben mein Vaterhaus im Sternenlicht.
Die roten Schindeln hatten Rarben, und Putzverblendung gab's rax^i nicht. Es fehlten Fahrstuhl, Heiztabellen, Warmwasser, Haushalttkartothet.
Es gab noch keine Radiowellen und keine dritte Hypothek.
Oft seh im Geist ich Burg und Wälle, der Vaterstadt in liebem Licht.
Die täglichen Derkehrsunfälle und Asphaltstraßen gab's noch nicht. Kein Kino, kein Denzinbehälter hat, lichtumflutet, hell gestrahlt.
Jedoch die städtischen Gehälter hat man am Ersten stets gezahlt.
Oft seh ich, nur in Träumen leider, ein liebes, fragendes Gesicht.
Die rückenfreien Abendkleider und Lippenstifte gab's noch nicht. Der Sex appeal, noch nicht erfunden, hat junge Herzen nicht beschwert.
Doch war ein Kuh in jenen Stunden wohl etwas mehr, als heute wert.
Und dennoch kann ich mich besinnen, dah damals man mit Weh und Ach voll Schmerz bei jeglichem Beginnen von guten, alten Zeiten sprach ... Mir fehlen Kraft und Mut zu fragen, was wohl dereinst, in neuem Licht, die kommenden Geschlechter sagen, wenn man von unsern Zeiten spricht!
Puck.
Wahlversammlung der Zentrumspartei
Jrn Katholischen Vereinshaus hielt die Zentrumspartei gestern abend eine öffentliche Wählerve.sammlung ab. Als erster Redner sprach Reichstagsabgeordneter Schwarz, Frankfurt. Man habe erwarten müssen, daß die Regierung v. Papen ihrem Wirtschaftsprogramm möglichst nachhaltige Wirkung zu geben bemüht bleiben werde. Leider sei dem nicht so. Die Kontingentierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse habe schon bei der Bekanntgabe den Boykott deutscher Güter im Ausland ausgelöst. Der sozialpolitische Teil der Rotverordnung vom 5. September fordere die größten Opfer von der arbeitenden Klasse. Die Reichsregierung habe sich die Ermächtigung geben lassen, die Sozialversicherung vereinfachen oder gar aufheben zu dürfen. Dadurch sei die soziale Gerechtigkeit bedroht. Diese Politik könne das Zentrum aus seinem christlichen Gewissen heraus nicht mitmachen. Das deutsche Volk sei mündig und berechtigt, maßgeblichen Einfluß auf die Gestaltung der Politik zu nehmen. Kein Volk der Welt habe in Ruhe und Ordnung so viele Opfer auf sich genommen, wie das deutsche. Der Reichstag sei zweimal entgegen der Verfassung aufgelöst worden; es hätte in beiden Fällen kein Anlaß hierfür vorgelegen. D.e Regierung hätte zurücktreten müssen, wenn es der Reichstag verlangte. Der Volksvertretung und damit dem Volle sei keine Möglichkeit der Kontrolle gegeben. Durch die Verbindung RSDAP-Zentrum habe man gehofft, den Reichstag arbeitsfähig zu machen. Das sei staatspolitische Aufgabe gewesen. Die Regierung habe die Verhandlungen gestört. Heute sehe sich Herr v. Papen überall Konflikten gegenüber. Gegenwärtig seien andere Dinge wichtiger, als Wahlrechts- und Verwaltungsreform. Zur Durchführung solcher weittragender Veränderungen bedürfe die Regierung des Vertrauens des Reichstages. Daran müsse festgehalten werden. Deshalb gehe am Sonntag der Kampf auch um die Erhaltung selbstverständlichster Volksrechte. Es sei nötig, daß sich alle, die guten Willens sind, die Hände reichen. Das Zentrum sei bereit, auch fernerhin dem Volke und dem Vaterlande durch verantwortungsbewußte Arbeit zu dienen. (Lebhafter Beifall.)
Hierauf sprach Landtagsabgeordneter Ministerialrat Hoffmann (Darmstadt). Der Kampf des Sonntag gehe um die Erhaltung des Staates als Staat des Rechts. Wie sich der Staat gestalte, dürfe dem Zentrum vom religiösen Standpunkt aus nicht gleichgültig sein. Ein Volk, das sich der Religion begebe, verfalle der Auflösung. Cs sei schwer, der Situation völlig gerecht zu werden, denn sie ändere sich von Tag zu Tag. Run bestehe die Gefahr, daß man in eine Herrendiktatur geführt werde. Es dürfe nicht fein, daß wieder kleine Klubs und Gruppen, wie im Kriege, dominieren. Die Entwicklung in Hessen sei der Politik im Reiche immer um einen Schritt voraus gewesen. Man habe nach Wahlen oft gefragt, was das Zentrum tun werde. In der Antwort habe man enttäuschen müssen. Es blieb jedesmal abzuwarten, was die stärkste Partei zu tun beabsichtigte. Leider sei von dieser Sette nichts geschehen als die Aeußerung des Wunsches zur Ueberlassung der alleinigen Macht. Die Haltung der RSDAP. und ihre 'Verschanzung hinter die bekannten zwölf Punkte habe in Hessen eine Verständigung unmöglich gemacht. Inzwischen habe
sich die Einstellung der RSD2lP. etwas geändert, man sei zur Koalitton bereiter als vorher. Die RSDAP. wolle sich auf den Boden der Derfas- fung stellen, auch in Hessen. Das könne eine Verhandlungsbasis sein, aber es bleibe immer festzuhalten, daß sich das in seiner konfessionellen und polittschen Konstitution so gegensätzliche Volk einer egoistischen Parteipolitik niemals beugen werde. Die RSDAP. wolle in Hessen nur einen eirz g:n (nationalsozialistischen» Mini er. Das bedeute aber die von dieser Partei bisher immer verurteilte Parteiherrschaft. Das sei nicht zu billigen. Einen einzigen Minister? Ja! Qlber einen unparteiischen Fachminister. Man sollte sich öfter vor Augen halten, daß durch Äeuwahlen an einem an sich bestehenden wesentlichen Zustand nichts geändert werden könne. Im Hessischen Parlament fei schon mancher unsachliche, haltlose Antrag eingebracht toorben. Man fordere nun die Auflösung des Landtages. Auflösung bedeute neue Unruhe für Staat, Wirtschaft und Regierung. In Fragen der Reichsreform habe Hessen eine schwierige Stellung. Es sei nicht zu verkennen: im Rhein-Maingebiet sei eine Reform notwendig. Hessen dürfe dabei aber nicht ausgekauft werden. Es gehe nicht an, daß man von Kassel her Oberhessen kassieren wolle. Gießen würde dabei als Universitätsstadt bestimmt schlecht abschneiden. Ein gewisser Zusammenhang müsse gewahrt bleiben. Grundsätzliche Gleichmacherei sei abzulehnen. Hessen müsse bis zur völligen Reichsreform erhalten bleiben. Großdeutschland müsse nach Stämmen gegliedert werden, über Stämme hinweg aber ein einiges Volk darstellen, das christlich denkt, fühlt und handelt.
Beide Reden wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die COerfammtung nahm einen ruhigen Verlauf.
Geldspende für die Winternothilfe.
Die Handarbeits-Ausstellung der Firma .Haus der Handarbeit" wurde am Montagabend abgeschlossen. Die Ausstellung war von insgesamt 2344 Personen besucht. Die Firma „5)aus der Handarbeit" war daher in der Lage, den Erlös aus Eintrittsgeldern in Höhe von 234,52 Mark dem Wohlfahrtsamt der Stadt Gießen zur Verfügung zu stellen.
Bornotizen.
— T ageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 20 bis 22 Uhr, „Sechs Personen suchen einen Autor". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplah, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — RSDAP., Landgraf-Philipp- Platz, 16 Uhr, Toten-Gedenkfeier. — Deutsch- nationale Volkspartei, 20.15 Uhr, Cafe Leib, öffentliche Versammlung. — Dezirkssparkasse Gießen, 9 bis 18 Uhr, Turnhalle der Pestalozzischule, Ausstellung „Kinderland und Spargedanke". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das schöne Aben- teuer“.
— Der Goethe-Bund hat, wie man uns mitteilt, für seinen ersten dieswinterlichen Dichterabend den feinsinnigen Dichter Hans Carossa gewinnen formen. Der Goethe-Bund glaubt, mit der Berufung dieser Dichterpersönlichkeit den Gießener Literaturfreunden ein ganz besonderes literarisches Erlebnis vermitteln zu können. Dies um so mehr, als der Dichter infolge beruflicher Inanspruchnahme nur sehr wenig auf Dortrags- fahrten sein kann. Hans Carossa, der bayrische Arzt und Dichter, gehört heute unzweifelhaft zu den ersten deutschen Prosaisten. Es wurde ihm bekanntlich auch der Gottfried-Keller-Preis für 1932 verliehen. Zur Vorlesung kommen Abschnitte aus einem Werk „Lebensübersicht", das im nächsten Jahre erscheinen soll. Der Goethe-Bund erwartet zu diesem bedeutsamen literarischen Ereignis die Literaturfreunde unserer Stadt in recht großer Anzahl. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
— Volkshochschule. Die Kurse „Rechtsfragen des täglichen Lebens" und „Französisch II" nehmen heute (Mittwoch) ihren Anfang. (Siehe heutige Anzeige.)
** 40 Jahre im Dien ft e der Stadt Gießen. Der Vermessungsinspektor Wilhelm Schwalb, wohnhaft Licher Straße 33, konnte am gestrigen Dienstag, 1. November, auf eine 40jährige Tätigkeit beim Städtischen Vermessungsamt zurückblicken. Der Jubilar ist als strebsamer Beamter bekannt und erfreut sich in weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung bester Wertschätzung.
•* Festakt im Stadttheater. Von der Bürgermeisterei wird uns mitgeteilt, daß der Festakt zur Feier des 25jährigen Bestehens des Gießener Stadttheaters, der einen szenischen Querschnitt durch die Arbeit des Stadttheaters geben wird, am Sonntag, 27. Rovember, 11 Uhr stattfindet. Es wird gebeten, daß Vereine und sonstige interessierte Kreise dieses Datum möglichst berücksichtigen.
** Vom Verein für das Deutschtum im Ausland. Die Maßnahmen der Reichsregierung zur körperlichen Ertüchtigung der Jugend und zur Pflege staatsbürgerlichen Gemeinsinnes haben die Hauptleitung des VDA. veranlaßt, die maßgebenden Stellen auf die Wichtigkeit der volksbürgerlichen Erziehung gerade der jungen, zwischen Schule und Berufsleben stehenden Generation hinzuweisen. Bei der Hauptleitung des VDA ist ein besonderes Referat eingerichtet, das sich die Festigung auch der schulentlassenen Jugend im volksdeutschen Denken, die Erziehung zu einem deutschen Gesamtempfinden und zu 2Irbeit und Opfer für die im Kampf stehenden auslandsdeutschen Volksgenossen zur Ausgabe gesetzt hat. In Anknüpfung an bereits vorhandene und erfolgreiche Entwicklungen in einigen Landesverbänden des VDA. soll nunmehr die Zusammerrfassung auch der schulentlassenen Jugend in festen Organisationsformen, sowie die Durchdringung der von Reichsregierung und 2kr- bänden vorgesehenen Arbeits- und Erziehungseinrichtungen mit Volksdeutschem Geiste nachdrücklich gefördert werden.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen.
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H Schöne weiße Zähne: Chlorodont E* *£^411


