Ausgabe 
2.8.1932 Frühausgabe
 
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So wurde in den Wahlkreisen gewählt.

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DIE ZAHLEN AN DEN KREISEN BEDEUTEN PROZENTZlFTERN VZZÄ SPLITT ER PARTEI EN

Unser Schaubild zeigt, wie die fünf großen Parteien fast in allen Wahlkreisen mehr als neun Zehntel aller Stimmen erringen konnten. Zum erstenmal wird im neuen Reichstag wie in England und Amerika die Parlamentspolitik von ganz wenigen großen Parteien und nicht mehr von Gruppen einer Vielzahl von Parteien bestimmt. Da die 35 Wahlkreise sehr verschieden große Zahlen von Wahlberechtigten oufweisen, sind auch die Kreise in der obigen Statistik verschieden groß gehalten.

Die politischen Terrorakte in Königsberg.

Eine Erklärung der nationalsozialistischen (Sauleitung verurteilt die direkte Aktion

Berlin, 1. August. (ERB.) Die nationalsozia­listische Partei hat durch die Gaulcitung Ostpreußen zu den Vorfällen in Königsberg eine Erklärung veröffentlicht, die gleichzeitig dem Reichsinnenmini­ster auf telegraphischem Wege zugeleitet worden ist. Darin heißt es, daß die Gauleitung der NSDAP, mit den Vorfällen nicht das geringste zu tun habe und sie aufs schärfste verurteile, weil es ihr völlig fern liegt, mit solchen verwerflichen Mitteln um eine Poijtition zu kämpfen, die chr durch den Wahlgang auf legalem Wege zugefallen sei. Der deutsch­nationale Lokalanzeiger bezeichnet diese Er­klärung als erfreuliche klare Stellungnahme, der freilich die Tatsache gegenüberstehe, daß es sich, was im Laufe der Vernehmung mehr und mehr zutage trete, bei den Tätern offenbar um poli­tische Fanatiker und Utopisten handele, die dem nationalsozialistischen Jdeen- kreis angehörten, wenn sie auch mit der Partei selbst hinsichtlich der Tat in keiner Verbindung stehen.

Die DAZ. schreibt, es verdiene ernsteste Beach­tung, daß die Ereignisse in Königsberg allem An­schein nach von Anhängern der Rechten ausgeführt worden seien. Eine amtliche Be- stätiguna dieser Annahme liege allerdings vorläufig noch nicht vor. Gerade weil Hitler und seine Partei bisher auch in schwierigen Stunden, wie z. B. anläßlich des SA.-Verbotes m u ft e r - gültige Disziplin bewahrten, müsse gefor­

dert werden, daß die zuständigen f rgane der Partei diesen Doxfällen in Königsberg u n - verzüglich ernsteste Aufmerksamkeit zuwendeten und gegebenenfalls die Schuldigen einer exemplarischen Bestrafung z u - führten. Die Kommunisten trügen ein Maß voll Schuld daran, daß diese üblen Witdwestzustände überhaupt bei uns möglich geworden seien. Diese Feststellung könne aber für ihre poli­tischen Gegner kein Freibrief sein, um ihrerseits einen individuellen Terror cruszuüben.

Verstärkter Polizeischutz in Königsberg.

Königsberg, 1. August. (WTB) Bisher find unter dem Verdacht der Beteiligung an den Mord- Überfallen mehr als 20 Personen oerhaf - t e t worden. Auf Anordnung des preußischen Mi­nisters des Innern hat der Oberpräsident die Polizeischule in Sensburg für den Ein - s a tz in Königsberg zur Verfügung gestellt.

Zum Schutz gegen weitere Störungen der Ord­nung hat die Polizei u. a. auch ein mit Maschinen­gewehren armiertes Panzerauto eingesetzt, das unablässig Streifenfahrten durch die Straßen unter­nimmt. Am Kaufhaus Lachmanski und am Instru­mentengeschäft Grünewald sind trotzdem heute nach­mittag die S ch a u f e n st e r durch S t e i n ro ü r f e zertrümmert worden. Außerdem hört man

aus Kreisen der Geschäftswelt, daß einer ganzen Anzahl jüdischer Kaufleute anonyme Briese zugegangen seien, in denen ihnen Ueb er fälle auf ihre Geschäftsräume für die kommende Nacht angedroht werden. In einem Einheits­preiswarenhaus sind sämtliche S cha u f c n sterscheiben eingeschlagen.

Die bürgerlichen Königsberger Zeitungen verurteilen auf das schärfste die Terrorakte. Die Königsberger Allgemeine Zeitung" erhebt die For­derung daß zur gewaltsamen Unterdrückung solcher Akte Standgerichte eingesetzt werden müßten. DieKönigsberger Hartungsche Zeitung" hat an den Reichsinnenminister ein Telegramm gerichtet, in dem energische Maßnahmen erbeten werden.

Handgranaienanschläge in Schleswig-Holstein.

Altona, 1. 2lug. (WTB.) Das Polizei­präsidium teilt mit: 3n der Nacht zum 1. August sind in lieferten, Bramstedt, Elmshorn, Pinneberg, Lunden, Marne und Altona vom Kraftwagen aus Handgranaten ge­gen Gebäude und auf d i e Straßen geschleudert worden. Da die betroffenen Gebäude zumeistMitgliedernderKPD. und SPD. gehören, ist anzunehmen, daß die flüchtigen Täter in den Kreisen der politischen Gegner dieser Parteien zu suchen sind.

Oie hessischen Nationalsozialisten an den Reichsinnenminister.

WSR. Darmstadt, 1. Aug. Der Führer der Hess. Rationalsozialisten, L e n (M. d. R.), hat an den Reichsinnenminister fol­

gendes Telegramm gerichtet:3m Ramen von 364 000 hessischen Wählern erbitte Verwirklichung der uns verfassungsmäßig zugesicherten Rechte, sofortige Aufhebung des Verbots der hessischen nationalsozialisti- Leitungen und Maßnahmen der Reichsregie­rung, die künftig verhindern, daß die Rational­sozialisten einseitig an der Ausübung ihres Wahlrechts und ihrer sonstigen poUtischen Betätigung behindert werden."

polnische Brüskierung des deutschen Geschäftsträgers

Verletzung der Exterritorialität.

Warschau, 1. Aug. (WTB.) Der deutsche Ge­schäftsträger in Warschau, Herr o. R i n t e l e n, hat heute vormittag beim polnischen Außenministerium Verwahrungeingelegt gegen einen lieber. griff, den sich gestern die polnische Polizei gegen die Exterritorialität seiner Wohnung herausgenommen hat. Auf Veran­lassung der Polizei war in dem zu der Wohnung des Herrn o. Rintelen gehörigen @cyten aus Anlaß des polnischenFe st es des Meeres", das gestern veranstaltet wurde, durch den Hauswart eine polnische Flagge auf- gezogen worden. Herr v. Rintelen fand die ohne seine Ermächtigung erfolgte Beflaggung seines Gar­tens mit polnischen Farben aus solchem Anlaß für unstatthaft da Gebäude und Garten als Exterritorial nur in den Farben des Lan­des beflaggt werden dürfen, dessen Vertreter das Gebäude bewohnt und ließ die Flagge im Garten entfernen. Als in den Nachmittagsstun­den erneut die Flagge im Garten gehißt wurde, entfernte sieHerr v. Rintelen persön- l i ch. In diesem Augenblick drangen drei pol­nische Polizisten unter Verletzung der Exter­ritorialität des Wohnsitzes des deutschen Geschäfts­trägers in dessen ©arten ein und verlangten von Herrn v. Rintelen, daß er sich legitimiere. Nach Einsichtnahme in seine diplomatische Legitimation zogen sie sich wieder zurück und brachten dann die Flagge ein drittes Mal am Grund- st ü ck an, aber diesmal an der äußeren Seite des Gartens, wo sie weiter unbehelligt blieb.

Die meisten polnischen Blätter berichten über die­sen Vorfall in sensationeller Aufmachung und unter völliger Verdrehung des Tat­bestandes. Sie ließen den eigentlichen Zwischen- fall, nämlich die Verletzung der Exterri- t o r i a l i t ä t der Wohnung §es deutschen Geschäfts­trägers, ganz außer acht und sprachen von dem Vorgehen des Herrn v. Rintelen gegen die polnische Beflaggung seines Gartens in beispielslos agresfiver Weise und unter heftigen und beleidigen­den Ausfällen.

Krieg in Südamerika.

Tie Feindseligkeiten zwischen Bolivien und Paraguay haben begonnen.

TU. Buenos Aires, 1. Aug. Wie aus La Paz berichtet wird, wird dort der Krieg mit Paraguay für unvermeidlich ge­halten. Die Feindseligkeiten im Gran Chaco- Gebiet nehmen täglich einen ernsteren Charakter an. Der bolivianische Oberbefehlshaber hat dem Kriegsministerium gemeldet, daß seine Truppen das Fort Bouqueron, eines der wichtig­sten Paraguaynischen Forts, erobert haben. Wie das bolivianische Kriegsministerium weiter mitteilt, ist auch das paraguahnische Fort To­ledo mit der gesamten Festungsausrüstung ein­schließlich einer Anzahl wichtiger militärischer Schriftstücke erstürmt worden. Auch die Re­gierung von Paraguay hat nunmehr die volle Mobilmachung der Armee angeordnet. Der Gesandte von Paraguay in Buenos Aires hat Journalisten erklärt, daß ein Krieg praktisch infolge des Angriffs der Bolivianer gegen Forts in Paraguay begonnen habe. .

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Somelag nachmittag geschlossen.

Kaspar Hauser in der Südfee.

Eine merkwürdige Entdeckung.

Von John Freemann.

Dies ist einer der seltsamsten Robin- sonaden, die das Leben je geschrieben hat. John Freemann, ein friesischer Kaufmann, der die ganze Welt bereist hat, stieß auf seiner letzten Reise auf einem Südsee- Atoll, auf einen blondhaarigen Wildling, den er mit nach Deutschland nahm. Hier ist die abenteuerliche Lebensgeschichte, die diesem Kaspar-Hauser-Schicksal zugrunde­liegt.

3m 3ahre 1884 wohnte in der belgischen Ortschaft Oesterzelle ein junges Liebespaar, dessen ehelicher Verbindung sich so viel Hinder­nisse entgegenstellten, daß der Mann, namens 3ean Milhout, schließlich auf den Gedanken kam, mit samt seiner jungen Geliebten nach dem Kongo auszuwandern, um dort, fern den Tücken der Menschen, ganz der Ratur und seinem Liebesglück zu leben. Der Mann, der diese ferne Gegend nur aus Erzählungen von Matrosen kannte, die selbst vielleicht niemals dort ge­wesen waren, wußte das anfangs widerstrebende Mädchen so zu überzeugen, daß sie darin ein­willigte, 3ean Milhout in die Wildnis zu be­gleiten.

Richt lange vor der beabsichtigten Abreise machte Milhout jedoch die Bekanntschaft eines deutschen Segelschiffkapitäns der noch heute als sehr alter Mann in einer kleinen deutschen Küstenstadt lebt und dieser Kapitän erklärte sich damit einverstanden, 3ean Milhout und seine Geliebte mit nach der Südsee zu nehmen, um die beiden dort auf einer der kleinen para­diesischen 3nseln abzusehen, die dort zu vielen Tausenden im warmen Sonnenschein die 3ahr- tausende verträumen. Der Kapitän verlangte seinerseits, daß Milhout während der lleber- fahrt Matrosendienste verrichten sollte, im übri­gen aber keinerlei Fahrgeld weder für sich noch für feine Begleiterin zu entrichten brauchte.

Rach mancherlei Stürmen und endlos langen Fahrten, die Küste von Afrika hinab, nach Durban, von dort nach Ostindien und schließlich nach der Südsee, gelangten die beiden Liebenden

in jene Gegend der zahllosen 3nseln nach Poly­nesien. Cs mag hier eingeschaltet werden, daß ich selber eines Tages, an Bord eines Kabel­dampfers, nach demselben Eiland kam, das von dem jungen Liebespaar vor so langen 3ahren betreten worden war, das ist der Grund, wes­halb ich die Feder zur Wiedergabe dieser ganzen Geschichte überhaupt ergreife, denn meine Er­zählung könnte als eine heute unmodern ge­wordene Variation zuPaul und Virginie", das nun folgende aber als eine Robinsonade erscheinen.

Der Grund, weshalb unser Kabeldampfer hier an diesem von Palmen umsäumten Eiland ankerte, war, daß unser Trinlwasser brackig ge­worden war. Cs wurden also drei Boote mit Wassertonnen ausgesetzt und so, nachdem wir' ein Korallenriff umfahren hatten, betraten wir die Koralleninsel. 3n diesen Gegenden herrscht der immerwährende Frühling, Stürme sind un­bekannt an diesen sonnigen Gestaden, die von klaren blauen Wassern sanft umspült werden.

3ndem ich mich von den übrigen trennte, um in der Rähe umherzustreifen, gewahrte ich, daß diese Oase in der Wasserwüste ein sogenanntes 2ltoll war, d. h. eine jener 3nseln, welche in ihrem 3nnern einen See umschließen. Man kann sich keinen Begriff von der Unberührtheit und der sanften Raturschönheit dieser 3nsel machen. Heber wundervolle Blüten hin flattern große blaue Schmetterlinge, 3nsekten summen, ein Bach rauscht durch grüne Wiesen, und dichtbelaubte Bäume spenden kühlenden Schatten ...

Ohne mich sehr weit von den übrigen ge­trennt zu haben, war ich dennoch entfernt genug um die majestätische Ruhe dieses Gartens Eden zu genießen. Da vernahm ich den lauten Aus­ruf eines unserer Leute, es entstanden lärmende Zurufe und Pfiffe, die meine Aufmerksamkeit erregten, und so eilte ich denn dorthin, wo ich die übrigen wußte. Die Ursache dieser Erregung war höchst sonderbar: einer der Leute, ein Kabel­ingenieur aus Rordenham, hatte einen Menschen entdeckt, der ungefähr vierzig 3ahre alt war und ein verwildertes Aussehen hatte. Er trug einen langen wirren Bart, blond, wie auch seine flachsgelben Haare lang auf seine Schultern her­abhingen. Cs war aber nicht etwa ein Südsee­insulaner. sondern zweifellos ein Angehöriger

der arischen Rasse. Seine Kleidung? Offenbar hatte dieser Sonderling einem großen Fisch, viel­leicht einem angetriebenen Hai, die Haut abge­streift, denn diese Fischhaut, zusammengehalten durch einen gebogenen, kleinen Knochen, hing von seinen Hüften herab, und endete an den Knien in seltsam gezacktem Rand. Ein sonderbarer Anblick für mich, als ich diesem Adam, um­geben von sechs wohlausgerüsteten, weißgeklei­deten Europäern modernsten Typs unter den schlanken Kokospalmen erblickte! Wer war dieser Mensch? Ein Schiffbrüchiger? Ein Weltflücht­ling? Welche Sprache redete dieser Fremde?

Das Verhalten des so plötzlich Entdeckten zeigte, wie scheu er war. Mit großen, naiven blauen Augen sah er, kindliche Furcht in den Blicken, auf die Ruhestörer. Unter diesen herrschte eine ausgelassene Freude, und es fielen die denkbar witzigsten Bemerkungen. Zuletzt machte der Mann einige Anstrengungen, um zu reden, und dann stieß .er unkultiviert die zwei Worte hervor: Moeder dood!". War er ein Holländer, ein Flamländer? Wir alle horchten auf. 3ch selbst war ernst geblieben und richtete jetzt einige Fragen an den Bärtigen. Er wiederholte nur: M o eder doo d!". Daraus zeigte er in eine bestimmte Richtung und setzte sich in Bewegung. Erwartungsvoll folgten wir, sahen uns bald an einer primitiven Hütte angekommen, welche nur einen Raum enthielt, auf dessen hart- gestampften Boden eine Art Blätterlager zu sehen war. Und hier übergab uns der Wild­ling ein Paket Briefe, deren Schrift fast völlig vergilbt war ... Der 3nhalt dieser Briefe? 3n flämischer Sprache, in ungelenker Schrift waren es teils Briefe einer grau, zum geringeren Teil diejenigen eines Mannes an die fernen Ver­wandten in Belgien, worin diese beiden 3nfu- laner, eben die im 3ahre 1884 aus der Heimat Entwichenen, ihre seelische Qual schildern, allein und verlassen an diesem Ort leben zu müssen, und nur von der Hoffnung belebt, einst durch ein Schiff aufgenomihen zu werden. Aber wie aus den Briefen des jungen Weibes hervor­ging, war der Geliebte eines Tages erkrankt, ohne daß ein Arzt zur Stelle war, um Rettung öu bringen. Da ich diese Briefe an mich ge­nommen habe, werde ich sie vielleicht eines Tages veröffentlichen. Der Mann ist bald nach seiner (Srfranfung gestorben, und ergreifend sind die Worte, welche die junge Einsiedlerin gefunden

hat, um ihre Trauer auszudrücken. Sie war Mutter eines Knaben geworden, um dessen Zu­kunft die Bedauernswerte von Sorgen erfüllt ge­wesen fein muh. Der zuletzt datierte Brief, vom 11. Dezember 1894, enthält nur wenige Worte, am Schluß desselben heißt es:3k ben ziek" (3ch bin krank). Es ist anzunehmen, daß auch das von Reue und Sehnsucht, von Sorge um das Kind gequälte Weib gestorben ist, den vielleicht achtjährigen Sohn zurücklassend.

Den jetzt Aufgesundenen nahmen wir mit an Bord: er wurde bekleidet und allmählich mit den Sitten und Gebräuchen, der deutschen Schrift und der Sprache bekannt gemacht. Gr ist ein halbes 3ahr später nach Deutschland gebracht worden uNd lebte hier einige Zeit in der Familie eines Kapitäns. Als ich ihn vor einem Monat zum letzten Male in Hamburg sah, war er so verändert, sowohl in seinem Aussehen wie in seinem Wesen, daß ich ihn fast nicht wieder­erkannte ...

Stimme von Purpur und Gold."

Ein erster Stern am Opernhimmel, dessen Stimme von Purpur und Gold" einst begeistert gepriesen wurde, ist jetzt in Not und Vergessenheit von dieser Welt geschieden. Es ist die 56jährige Opernsängerin Marie D e l n a, die jetzt in einem Pariser Kran­kenhaus gestorben ist, nachdem sie viele Sabre in Armut verbracht. Ihr wirklicher Name war Marie Ledant, aus dem sie ihren Bühnennamen durch Um­stellung von Buchstaben bildete. Mit einer wunder­vollen Altstimme begabt, wurde sie durch einen Zu­fall entdeckt und betrat bereits mit 16 Iasten die Bühne der Pariser Op6ra Comique. Damals richtete & o u n ob an den Direktor Earoalho die Frage, wo erdiese Stimme von Purpur und Gold" ausfindig gemacht habe, und Sarah Bernhardt äußerte sich in begeisterten Tönen über die darstellerische Begabung des jungen Mädchens. Sie hatte dann eine kurze Glanzzeit, in der sie zu den berühmtesten französischen Sängerinnen gehörte, aber die Stimme, deren jugendliche Schönheit so sehr entzückt hatte, verlor bald an Fülle und Wohllaut; sie mußte der Bühne entsagen und versuchte ihr Brot als Gesangs- lehrsrin zu verdienen. Mühselig schlug sie sich durch, bis sie vor einigen Monaten krank und mittellos in das Pariser ^itiS-Krankenhaus gebracht wurde, wo sie gestorben ist.