Nr. 179 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)
Dienstag, 2. August 1932
Was leistet der Freiwillige Arbeitsdienst?
Don Erich Mehenlhin, Korv.'-Kapitän a. O. Ehrensenator der Technischen Hochschule Äreslau.
3m Verlauf von Beratungen über den sog. ..Konstruktiven Aufbauplan" hat das Reichs- kabinett beschlossen, erheblich verstärkte MittelfürdieErweiterungdesFrei- willigen Arbeitsdienstes zur Verfügung zu stellen. Cs dürfte sich um insgesamt rund 60 Millionen handeln, mit denen eine etwa einjährige Beschäftigung von 60 000 jungen Leuten sichergestellt sein würde. An den Grundsätzen für die Verwendung des Freiwilligen Arbeitsdienstes hat sich nichts geändert.
Der Freiwillige Arbeitsdienst geht von der Anschauung aus, daß das Elend der Arbeitslosen nicht nur in ihrer bedrängten materiellen Lage, sondern ebenso in dem iziederdrückenden Gefühl besteht, für nichts auf der Welt von Ruhen zu sein. Diesen seelischen Druck will er dadurch beseitigen, daß er ihnen für eine Reihe von Wochen die Möglichkeit zu nützlicher Beschäftigung gibt. Da dies nicht für alle Arbeitslose durchgeführt werden kann, und da es bei der gegenwärtigen Finanzlage unmöglich ist, für die Arbeitsfreiwilligen eine erhebliche materielle Besserstellung herbeizuführen, gründet sich die Beteiligung auf freiwillige Meldung. Dadurch erfolgt von vornherein eine Auslese, indem diejenigen berücksichtigt werden, die unter der Untätigfeit am meisten leiden.
Mit diesem Gedankengang, der von der Rot des einzelnen Arbeitslosen ausgeht, verbindet sich im Aufbau des Arbeitsdienstes ein zweiter, der die Allgemeinheit im Auge hat. Es ist unbefriedigend, Daß jahraus, jahrein riesige Geldsummen, die mit großer Schwierigkeit durch Versicherungsbeiträge und Steuern zusammengebracht werden, dem bloßen Lebensunterhalt der Erwerbslosen dienen, ohne daß diese der Allgemeinheit eine <3 egen» leistung bieten. Diese Lieberlegung Hot schon vor mehr als zehn Jahren zur Einrichtung der „‘Berte schafsendem Erwerbslosen- fürsorge" geführt. Ihr Grundgedanke ist der: unter der Bedingung, daß dadurch öffentlich rechtlichen Körperschaften die Inangriffnahme von sonst finanziell undurchführbaren Aufgaben ermöglicht wird, wird den zu ihrer Durchführung herangezogenen Erwerbslosen die Unter, stützung weitergezahlt, so daß sich der Arbeitslohn, der von dem Unternehmen selbst aufgebracht werden muß, um den Unterstühungs- betrag verringert. Bei solchen Rotstandsarbeiten werden die tariflichen Löhne gezahlt. Infolgedessen erwies sich aber diese Erleichterung oft als nicht ausreichend, um Arbeiten in Gang zu bringen. Man half nach durch eine „verstärkte Förderung" in Form von langfristigen und niedrig verzinslichen Darlehen zur Beschaffung von Materialien, Maschinen und dergleichen bis zur Höhe von 13 Mark je Tag und Arbeiter. Diese zusätzlichen Beträge konnten selbstverständlich nicht aus den laufenden Mitteln der Erwerbslosenfürsorge genommen, sondern mußten durch Reich und Staat besonders bereitgestellt werden. Mit der Verschlechterung der Finanzlage wurde das immer schwieriger, so daß der Umfang der Notstandsarbeiten sich stark verringerte. Wenn man, wie dies gelegentlich geschieht, die Einführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes für diesen Rückgang verantwortlich macht, so ist das falsch. Durch den Freiwilligen Arbeitsdienst darf kein Vorhaben aufgenommen werden, ehe nicht das Landcs- arbeitsamt sorgfältig geprüft hat, ob nicht die Erledigung der Aufgabe auch in freier Arbeit — die grundsätzlich den Vorzug hat — oder in Form einer Notstandsarbeit möglich ist. Der Freiwillige Arbeitsdienst soll, das ist ein grundlegender Gesichtspunkt, auf dessen Durchführung mit aller Strenge geachtet wird, keineranderenStelleArbeitfort- nehmen, sondern zusätzliche Arbeitschaf- f c n und dadurch die Zahl der Beschäftigungslosen verringern.
Vom Standpunkt des Arbe'itnehmers ist die produktive Erwerbslosenfürsorge die vorteilhaftere Form, weil er dabei den vollen Tariflohn erhält und sich außerdem durch seine Arbeit den Anspruch auf eine entsprechende Verlängerung der Unterstiitzungs- dauer durch die Arbeitslosenversicherung schafft. Der Freiwillige Arbeitsdienst kennt keine Tarif- l ö h n e. Der Arbeitswillige erhält nur den Betrag, der ihm auch zustande, wenn er nicht arbeitete. Eine gewisse Vergünstigung liegt darin, daß unter bestimmten Bedingungen von der Einzelberechnung der Ansprüche abgesehen und eine Pauschale von 2 RM. je Tag und Arbeitskraft gezahlt werden kann. Für jugendliche Arbeiter und solche, die niederen Tarif- klassen angehören, bedeutet dies eine Besserstellung. Außerdem darf dieser Betrag, wenn die Durchführung der Arbeit solange dauert, auch über den Termin hin ausgezahlt werden, an dem der Anspruch ohne die Beteiligung am Freiwilligen Arbeitsdienst wegen des Ablaufs der zwanzig Unterstützungswochen erlöschen würde. Die Arbeits- dauer für den einzelnen Erwerbslosen ist im allgemeinen auf zwanzigWochen beschränkt, kann aber verlängert werden. Dringend der Aenderung bedürftig erscheint mir der gegenwärtige Zustand, daß durch die Beteiligung am Freiwilligen Arbeitsdienst kein neuer Unterstützungsanspruch erworben, dieser vielmehr genau so aufgebraucht wird, als wenn der Unterstützungsempfänger untätig geblieben märe. Diese Bestimmung erklärt sich daraus, daß die Arbeitslosenversicherung in ihrer bedrängten finanziellen Lage neue Leistungen nicht aus eigener Kraft zu übernehmen vermag. Meiner Ansicht nach muß hier in ähnlicher Weise wie bei der Werte schaffenden Arbeitslosenfursorge mit besonderen Mitteln von Reich und Staat ein» gesprungen werden.
Der Freiwillige Arbeitsdienst soll Leistung — Dien ft — für d i e Allgemeinheit fein. Er darf darum nicht zum Vorteil von Privatpersonen eingesetzt werden. Er ist aber auch nicht auf öffent» lich-rechtliche Körperschaften beschrankt. Es kann sich vielmehr jede Vereinigung, z. B. Meliorationsgenossenschaften, Sportvereine. Iugendvereme seiner zur
Durchführung von Arbeiten bedienen, soweit dabei Personen verwendet werden, die Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, Krisenfürsorge oder Wohlfahrtsunterstützung haben, im letzten Falle freilich nur, wenn die unterstützende Gemeinde ihren Beitrag auf den staatlichen Satz erhöht. Da Beihilfen nach Art der Darlehen bei der Werte schaffenden Erwerbslosenfürsorge nicht gegeben werden, kommen im allgemeinen nur Arbeiten in Frage, bei denen d i e Arbeitslöhne den überwiegenden Teil der li tt k o st e n ausmachen. In der Praxis wird es sich in den meisten Fällen um Erdarbeiten, z. B. um Meliorationen, Ziehen und Reinigen von Gräben, Verlegen von Dränageröhren, Herstellung von Pflanzlöchern bei Aufforstungen, Herrichtung von Wegen, etwa bei der Aufteilung von Gütern zum Zwecke der Siedlung, um Planieren von Bauplätzen, Ausheben von Baugruben und ähnliches handeln.
Bei der Durchführung wird zwischen der unternehmende Stelle, die etwas mißverständlich als „Träger der Arbeit" bezeichnet wird, und den aus- führenden Kräften, dem „Träger des Dienstes" unterschieden. Diese beiden Stellen können auch identisch sein, wenn z. B. ein Sportverein mit Hilfe seiner arbeitslosen Mitglieder einen Sport- oder Schwimmplatz herrichtet. Meist wird es sich freilich in solchen Fällen nur um eine einmalige Gelegenheitsarbeit handeln. Im übrigen können Organisationen der verschiedensten Art als Träger des Dienstes auftreten, z. B. der Jungdeutsche Orden, der Stahlhelm, das Reichsbanner, soziale Ausschüsse, Jugendorganisationen aller Art usw. Im allgemeinen hat es sich als praktisch erwiesen, für die Durchführung einer Arbeit einen Personenkreis einzusetzen, der schon vorher einen inneren gesinnungs-
Jn dieser heißen Jahreszeit bereitet es dem Mitteleuropäer eine gewisse Freude, den Namen „Grönland" auszusprechen. Denn von diesem Begriff her winkt Abkühlung. Was stellt man sich darunter vor? Steinige Küsten, ödes Land, kleine Katen, und Eis, ewiges Eis. Was sollte — wenn man dieses entworfene Bild rein materiell und ökonomisch, nicht ideell und poetisch betrachtet — diese Gegend für merkwürdige Reize beherbergen, die eine alte Fehde zwischen zwei Ländern rechtfertigen könnten?
Und doch, seitdem Grönland — nach Australien die zweitgrößte Insel der Welt — sich auf der Landkarte aus einem großen weißen Fleck i n eine Landschaft mit besonderen U m - rissen verwandelte, dauerte der Streit an, wer in dieser Landschaft regieren, wer aus i h r Nutzen ziehen könnte. Fast tausend Jahre ist es mittlerweile her, daß diese Insel durch Isländer norwegischer Abstammung entdeckt wurde — aus einem puren Versehen, wie so die meisten Ent- beaungen vor sich gegangen sind. Da man aber plötzlich über ein Stück Land mehr in der Welt verfügte, sah man sich gezwungen, mit diesem Land auch etwas anzufangen. Zunächst wurde es also durch Isländer und Norweger kolonisiert. Fast zweihundert Jahre später, im Jahre 1261, hatte diese Besiedlung so weit eine konkrete Form angenommen, daß es für die Norweger lohnend schien, Besitz von dieser Insel zu ergreifen. König Haakon der Alte von Norwegen wurde in diesem Jahr 3um Herrscher über Grönland ausgerufen.
Weitere hundert Jahre später, im Jahre 1397, veränderte sich die politische Lage Grönlands insofern, als in der Kalmarer Union der Zusammenschluß Skandinaviens und Dänemarks verfügt wurde. Wenn diese drei Staaten auch in Zukunft eine getrennte Innen- Politik durch führten, wenn ihre Verfassungen nicht verschmolzen, sondern für sich weitergeführt wurden, so verblieb es doch allen drei Staaten, aus der Kolonie „Grönland" gleichermaßen Ruhen zu ziehen. Die Folge war, daß Schweden sowohl als auch Dänemark und Rorwegen ihren Desih- anteil an dem nordischen Eiland beanspruchten. Diese Unklarheit mußte sich später bitter rächen. Sie ist auch heute, wie gerade der jüngste Vorfall beweist, nicht aus der Welt geschafft.
Denn die Zusammenkoppelung dieser drei Staaten erwies sich auf die Dauer nicht als haltbar. Schweden stieg im Lause der Zeit zu einer europäischen GrohmachtsteUung auf und drängte die beiden anderen Staaten, vor allem Rorwegen, in den Hintergrund. 1520 wurde diese Zwangsehe Skandinaviens mit Dänemark gelöst, 16 Jahre später wurde Rorwegen auf dem Kopenhagener Herrentag als Provinz dem dänischen Staat einverleibt. Wo blieb bei alledem Grönland? War Grönland nun der dänischen Provinz Rorwegen oder dem dänischen Mutterland untertan — von Schweden ganz zu schweigen? , <
So schleppte sich dieser Konflikt jahrhundertelang hin. Der Reuzeit, der Zeit nach dem Weltkrieg, blieb es Vorbehalten, diele Frage zu lösen. Und zwar war Dänemark es, das zuerst entscheidend eingriff. Im Jahre _ 1921 pflanzte die dänische Regierung die Fahne über ganz Grönland auf. Rorwegen, inzwischen längst wieder eine selbständige Ration, lehnte sich begreiflicherweise gegen diese Gewaltmaßnahme auf. So kam. nach längerem Hin und Her. im Jahre 1924 das sog. Grönland- Traktat zustande. Dänemark mußte Rorwegen das Anrecht auf gewisse östliche Teile der Insel bestätigen, mußte weiter zulasten, daß die norwegischen Siedler auf der Insel volles Staatsbürgerrecht genießen konnten. Sie durften selbständig Häuser bauen, Schifffahrt treiben, ohne fremde Konzessionen fischen und jagen. Uebrig blieben nur einige Reservate, die die Dänen auf eigene Rechnung auszubeuten
mäßigen Zusammenhang besaß. Es haben sich aber auch besondere Organisationen für die Durchführung des Freiwilligen 'Arbeitsdienstes gebildet, wie z. B. der „D o l k s d u n d für '21 r - beitsdien st". Auch die Technische Nothilfe hat sich energisch des neuen Betätigungsgebietes angenommen. An eine derartige Organisation oder auch an das Arbeitsamt als vermittelnde Stelle, würde fu jemand zu wenden haben, der sich des Freiwilligen Arbeitsdienstes zu bedienen gedenkt ohne selbst „Träger des Dienstes" werden zu wollen. Der Begriff „für die Allgemeinheit nützlich" wird im allgemeinen nicht allzu eng ausgelegt. So find z. B. die Wiederaufforstungen von privaten, durch Windbruch vernichteten Gebirgswäldern darunter gerechnet worden, weil ein erhebliches Interesse der Allgemeinheit an der Bewaldung der Berghänge zur Verringerung der Hochwassergefahr vorliegt.
Zu größeren Arbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes werden die Beteiligten in Arbeitslagern zusammengefaßt. Sie erhalten Unterkunft, kräftige Verpflegung, Arbeitsanzug, Schuhwerk und ein Taschengeld von 40 bis 50 Ps. pro Tag. Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich etwa sieben Stunden, während eine Stunde für Sport, Vorträge und dergleichen verwendet wird. Freilich bestehen in dieser Hinsicht große Unterschiede, da die erziehliche Einwirkung nicht gesetzlich gefordert ist. Bei größeren Arbeiten, z. B. auf dem Meliorationsgebiet, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, |ac kundige Unternehmer einzuschalten, ebenso ist es erforderlich, daß eine genügende Zahl geschulter Vor- a r b e i t e r, die natürlich tarifmäßig bezahlt werden müssen, vorhanden ist. Die Arbeitsleistung ist recht verschieden. Sie hängt in hohem Maße von der Persönlichkeit des Leiters ab. In einzelnen Fällen erreicht sie fast die Leistung des freien Arbeiters, im großen Durchschnitt bleibt sie aber um etwa ein Drittel bis ein Viertel zurück, wobei freilich die um eine Stunde verkürzte Arbeitszeit in Betracht gezogen werden muß. Arbeitseifer und Willigkeit wer-
gedachten. Dieser Kompromiß erwies sich natürlich nicht als eine dauerhafte Lösung, sondern, wie alle älteren Verträge, als eine Quelle zu neuen Mißverständnissen und Plänkeleien. Wichtig dabei war nur, daß Dänemark grundsätzlich auf seine hundertprozentige Oberhoheit verzichtete — auf zwanzig Jahre wenigstens, dann sollte eine neue Entscheidung die restlose Lösung der Frage herbeiführen.
Im Laufe der letzten acht Jahre aber zeigte es sich, daß das natürliche Interesse der beiden Länder an Grönland absolut ungleich war. Die Grönlandfrage war und ist für Norwegen eine Lebensfrage — denn das nordische Land, an sich
„Hessische Textil-Industrie Gießen" — so lautet die Firma, die vor einiger Zeit hier in Gießen gegründet wurde und — nebenbei gesagt — prächtig floriert. Das aber wäre verwunderlich in dieser Zeit der Rot, wenn es Wirklichkeit wäre. Die Firma, die diesen Titel führt, ist eine Liebergangsfirma, eine Unter- r i ch t s f i r m a. ein Unternehmen, das dem kaufmännischen Rachwuchs dienen und die Berufsausbildung vorantreiben will. Man muh einmal zu Besuch gewesen sein in den Bureauräumen dieser Firma, wenn man ermessen können will, welche Arbeit geleistet wird und welche Bildungsarbeit in einer solchen Liebergangsfirma geleistet werden kann! Lind man muß mit den Leitern, den Direktoren der Firma sprechen, wenn man wissen will, wie gearbeitet wird, was alles geschieht und welche Ziele verfolgt werden.
Die Liebergangsfirma ist ein Unternehmen, das in jeder Hinsicht in seiner Organisation einem modernen Geschäft gleicht und ebenso geführt wird. Der Zweck der Uebungsfirma ist, die Angestellten. die im Erwerbsleben stehen, fortzubilden und chnen jenes Wissen zu vermitteln, das (als Gegengewicht für die fortgeschrittene Rationalisierung und der damit verbundenen Spezialisierung der Arbeitskräfte) den Kontakt gewinnen läßt zu allen Zweigen eines kaufmännischen Betriebes.
Einmal in der Woche finden sich die „Angestellten" dieser Firma in den Bureau- räumen des Zentralverbandes der Angestellten in der Johannisstraße ein, um hier mit Feuereifer an die Arbeit zu gehen.
Die Angestellten, die im Alltag als Verkäufer, als Buchhalter usw. ihren Posten ausfüllen, werden für drei Stunden zu Chefs, zu Prokuristen, Korrespondenten, Lagerverwaltern. Expedienten usw. Cs sind Lehrlinge da und Stenotypistinnen. ein jeder hat seine Arbeit zugewiesen, die er unter fachmännischer Leitung zu erledigen hat und nach Möglichkeit selbständig erledigt. Da ist das Sekretariat, die Buchhaltung, das Lager und die Versandabteilung, eine Abteilung für allgemeine Arbeiten, und — der Branche der Uebungsfirma entsprechend — eine Abteilung für Textilien, sowie Abteilungen für Maßanfertigung und Konfektion. Ein reger Geschäftsbetrieb, der naturgemäß nur theoretisch und ohne Waren arbeitet, praktisch also nur den Ein- und Ausgang der Waren an nimmt, herrscht und verlangt von jedem der „Angestellten" oder von jedem der „Ehess" (die Firma ist eine offene Handelsgesellschaft) den Einsatz seiner ganzen geistigen Kräfte und seiner Fähigkeiten. Es ist die Korrespondenz zu erledigen, Prospekte müssen hinausgegeben werden, Angebote eingefordert,
den fast allgemein anerkannt. Eine vorzeitige Auf. gäbe der Arbeit, die seitens des Freiwilligen jederzeit erfolgen kann, da ein Arbeitsverhältnis im Sinne des Gesetzes nicht besteht, ist verhälmisrnäßig selten. Die meisten Freiwilligen bedauern es, wenn die zwanzig Arbeitswochen abgelaufen sind, und die Hauptwünsche der „Träger des Dienstes" gehen dahin, daß die normale Arbeitsdauer auf etwa vierzig Wochen verlängert werden möchte.
Im Frühjahr 1932 waren in ganz Deutschland etwa 40 000 Arbeitsfreiwillige tätig. Diese Zahl ist, verglichen mit der Gesarntziffer der Arbeitslosen, noch recht klein. Sie wird sich nicht unerheblich fici gern lassen, wenn der Gedanke des Freiwilligen Arbeitsdienstes bei den Stellen, die zur Vergebung von Arbeiten in Frage kommen, allgemeine Beachtung findet. Gegenwärtig steht eine sehr große Zahl von Arbeitsdien st willigen zur Verfügung, die aus Mangel an Arbeitsaufgaben nicht angesetzt werden kann. Etwa zwei Drittel der Arbeitswilligen sind junge Leute unter 21 Jahren.
Es wäre falsch, wenn man glaubte, im Freiwilligen Arbeitsdienst oder auch in der gesetzlichen Einführung eines Pslichtarbeitsdienstes könne das Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden werden. Davon ist schon deswegen keine Rede, weil die Zahl der volkswirtschaftlich wertvollen Objekte, die ihrer Art nach für den Arbeitsdienst geeignet sind, beschränkt ist. Trotzdem darf man sagen, daß sich der Freiwillige Arbeitsdienst schon im ersten Jahre seines Bestehens gut bewährt hat und sich in Zukunft, nach Weber- Windung der unvermeidlichen Kinderkrankheiten voraussichtlich noch besser bewähren wird. Wer einmal jugendliche großstädtische Arbeitsdienstfreiwillige zu Beginn ihrer Arbeitsperiode und dann wieder gegen deren Ende gesehn Hal, gut ernährt, braun gebrannt, körperlich entwickelt, frisch und munter — der wird aus ehrlicher Ueberzeugung tun, was er kann, um den Freiwilligen Arbeitsdienst zu fördern.
schon begrenzt in seinen Arbeitsmöglichkeiten, die die Natur ihm gibt, kann sich kaum mit dem Verlust gewisser Fischereikonzessionen in Grönland ab- finden. Dazu kommt, daß die Wirtschaftskrise auch in Norwegen Einzug gehalten hat. Wenn Norwegen also nicht in kurzer Zeit eine Wirtschaftskatastrophe drohen soll, dann wird es mehr oder weniger dazu gezwungen sein, mit Gewalt von Grönland Besitz zu ergreifen — während Dänemark noch über genügend andere Hilfsmittel verfügt, um die bedrohliche Lage einstweilen von sich abwälzen zu können.
Eine kahle, unwirtliche Insel also ist es, die einen der größten bisher dagewesenen nordischen Konflikte erzeugt. Hoffen wir, daß diese Frage nicht zu einem politischen Gefahrenherd wird, der sich unschwer auf südlichere, uns wesentlich verwandtere Gegenden erstrecken könnte ...
Mahnungen geschrieben. Rechnungen ausgefertigt, Zahlungsgeschäfte erledigt, die Bücher geführt, und alle jene Arbeiten geleistet werden, die zur Aufrechterhaltung eines solchen Geschäftsbetriebes in allen seinen Teilen notwendig sind. Run aber — und das ist wesentlich — arbeitet Die „Hessische Textilindustrie Gießen" nicht nur in ihren eigenen vier Wänden, vielmehr steht sie in innigstem Zusammenhang mit vielen anderen Uebungsfirmen des ZdA., Deren es 160 gibt. Die Post geht zwischen Den einzelnen Firmen hin und her, gegenseitige Bestellungen toerDen getätigt und es vollzieht sich Damit ein sehr lebendiger Geschäftsbetrieb, der sich von einem wirklichen Geschäftsbetrieb nur dadurch unterscheidet, daß er ohne Waren, bzw. nur mit fiktiven Waren geführt wird. Die Rückwirkung auf die Angestellten der Firma bleiben nicht aus. Sie werden mit allen Zweigen einer kaufmännischen Betriebsführung vertraut gemacht.
Eine Reihe von Dorträgen, zwanglos im Rahmen des Uebungsabends gehalten, ergänzen diese Arbeit
und vermitteln den Teilnehmern bei dieser Art Berufs-Fortbildungsarbeit ein umsangreiches Wissen und viel praktische Ersahrung. die sie einmal in den Stand sehen, ihren Posten aus dem Ueberblick über die ganze Organisation heraus auszufüllen. Die günstige Wirkung dieser Arbeit, um die sich der Zentralverband Der Angestellten zum Wohle des kaufmännischen Rachwuchses verdient macht. Dürfte unumstritten sein.
Eine ähnliche, ja, im Grunde und dem Sinne nach die gleiche Arbeit, leistet auch
der Oeutschnationale Handlungel- gehilfenverband
im Rahmen seiner Gießener Ortsgruppe an der faufmänn^fchen Jugend. Auch im DHV wird eine Scheinfirma geführt, die sich unter dem Titel „Schröter 6 Seibert, Kohlenhandlung, Gießen", etabliert hat. Das „Geschäftslokal" befindet sich im Vereinsheim an der Lonystraße. wo sich die Angestellten der Firma zu ihrer Arbeit einfinden. Reben dieser Scheinfirma Dienen Der beruflichen Fortbildung verschiedene Ausbildungskurse. die besonders im Lause des Winters durchgeführt wurden und viel Interesse fanden. Auch in den Sommermonaten laufen verschiedene Kurse. „Kaufmännisches Rechnen", „Deutscher Handelsbrief", „Buchführung für Anfänger", „Höherer Lehrgang in Buchführung", so lauten Die Titel dieser Grundlehrgänge Maschinenschreiben, Reichskurzschrift (für Anfänger und für Fortgeschrittene), Fremdsprachenkurse (für Anfänger und Fortgeschrittene) wurden abgehalten und fanden mehr oder weniger starke Beachtung. Roch heute laufen verschiedene Kurse, die von den
Wem gehört Grönland?
lleblmgssirma und ArbMemeinschast...
Aus der Bildungs- und Jugendarbeit der Angestelltenverbände in Gießen. 3m Zentralverband der Angestellten.
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