Ausgabe 
2.8.1932 Erstes Blatt
 
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M oetHreOle Mel.

Original-Roman von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 23 Sortfct j. * Nachdruck verboten!

Der Alte nickte zustimmend. Er ging in sein Zimmer und kehrte bald in einem eleganten Lleberzieher und einem weichen Filzhut teuerster QIct zurück. Wie ein vornehmer alter Herr der ersten Kreise sah Melchior Stampferi a.ts. Lil trug jetzt einen dunkollila Samtmantel mit Her­melin und dazu passenden kappcnartigen Hut. Entzückend sah sie aus, wie sie durch die Wege des Hydeparks spazierte, ab und zu einen Satz mit ihrem Begleiter wechselnd.

Kein Mensch von allen, die ihnen hier begeg­neten, und von denen sich mancher Herr nach dem bezaubernden zierlichen Mädchen umschaute, wäre auf die Idee verfallen, diese junge, vor­nehme Dame, die sich hier anscheinend mit ihrem Großvater erging, könne gleichbedeutend sein mit dem Dlown Fix, den allabendlich wahre Bei­fallsstürme umtosten.

Man nannte in Fachkreisen den ElownFix" den besten Clown der Welt, und es stimmte auch wohl. Lil hatte noch viel dazu gelernt, seit sie chr erstes großes Engagement angenommen, sie arbeitete ständig, übte und probierte oft stunden- und tagelang an einem neuen Trick. Aber ihr Bankkonto bewies ihr auch, daß sich ihr Fleiß reich lohnte.

Ueberall, wohin sie kam, lebte sie zurückgezo­gen. Sie ließ sich an Melchior Stampferls Ge­sellschaft genügen und arbeitete für eine Zu­kunft. über die sie noch nicht allzuviel nach­gedacht hatte. Ein kleiner Gutshof schwebte ihr manchmal vor für spätere Jahre, wo sie sich schöne Pferde und Hunde halten konnte. Aber niemals spielte der Gedanke, einmal zu heiraten, in ihre Träume und Pläne vom Später hinein.

Sie konnte keinem anderen Manne gut sein, wie sie Werner gut gewesen, dem ihr Herz noch gehörte, und sie konnte sich von keinem anderen Mann mehr küssen lassen.

Ihre Lippen hatte Werner mit den seinen be­rührt, kein anderer Mann durfte ihr die Erin­nerung daran wegküssen.

17. Kapitel.

Ein sertsamer Besuch!

Celia hatte Werner Sturm die Summe von

zweihunderttausend Mark auf ihrer Bank an­gewiesen. Sie brachte ihm die Anweisung und befand sich nun mit ihm in seinem Arbeits­zimmer, saß neben ihm auf dem bequemen Leder­sofa.

Du bist sehr gut, Celia", dankte er ihr,ich habe das Gefühl, dir gar nicht oft genug wieder­holen zu können, wie ich mich schäme, dich bisher so völlig verkannt zu haben. Ich, der ich bisher geglaubt habe, ein guter Menschenkenner zu sein, bin jetzt davon überzeugt, daß ich gar keine Menschenkenntnis besitze." Er küßte ihre Hand, vertiefte sich in die Betrachtung ihrer hübschen, pikanten Züge und meinte:Ich bin ein Glücks­kind. Nicht nur mein Krankenhaus darf jetzt Wahrheit werden, ich bekomme mit dem Geld dafür noch eine entzückende Frau dazu. Ich habe bereits ein mittelgroßes Haus mit kleinem Borgarten und größerem Hintergarten im Auge für meine Wünsche. Es war bisher ein Haus­haltungspensionat darin und es bedarf keiner besonders schwierigen baulichen Beränderungen, um es für den neuen Zweck einzurichten. Ich lasse, wenn ich mit der Besitzerin des Hauses einig werde, dein Geld dort als Hypothek ein­tragen. Den größeren Teil davon, den anderen hier auf unser Haus in der Lindenstraße, das völlig hypothekenfrei ist."

Celia sagte nachdenklich zu Werner:Ich glaubte eigentlich, du beabsichtigtest, ein neues Haus aufbauen zu lassen."

Er verneinte.Das nimmt zuviel Zeit in An­spruch, darauf mag ich nicht warten."

Sie lächelt«:So gut wie du das Kranken­haus in einein Borort untevbringen kannst, ich meine, wenn es nicht nötig ist, das) es in der Innenstadt liegt, kannst du doch ebensogut meine Billa nehmen. Nödelheim ist auch nicht aus der Welt und die Billa sehr geräumig. Außerdem ist noch Platz zum Anbauen überreichlich vor­handen."

Er küßte wieder ihre Hand.Dein Borschlag ist ausgezeichnet, Celia. Eine glänzende Idee ist das. Ditte, wir wollen die Billa gleich besich­tigen. Ich kenne sie ja kaum."

Er hätte auf der Stelle geheiratet, wenn sie es gewollt hätte, so froh war er bei dem Ge­danken, wie sehr sich nun alles für ihn verein­fachte. Er brauchte nicht mehr mit fremden Leu­ten um den Kaufpreis zu schachern und brauchte auch das Geld nicht von Celia. Ihm war jetzt schon mit einer viel kleineren Summe gedient, die er noch selbst zusammenbrachte.

Sie legte die Arme um seinen Hals.Ich liebe dich, Werner, und ich habe nicht nur Hände zum Küssen, sondern auch einen Wund."

Das stimmt allerdings!" lachte er, und in dem Augenblick jäh aufwallender Dankbarkeit für den Rat und die Hilfe Celias küßte er sie lange und heih. Ganz scheu drängte sich wieder Lils Bild vor ihn hin, zierlich und blond. Er schob es fort. Was kümmerte ihn noch das trotzige, durch­gebrannte Mädel, das inzwischen die Frau eines Amerikaners geworden war. In seine Ehe mit Celia sollte sich der Spuk Lils nicht mehr ein­drängen, es war übergenug, daß er bis jetzt immer wieder aufgestiegen war aus einem Her­zenswinkel, wo sein Wille noch nicht hatte hin­reichen können, um ihn zu vernichten.

Die Billa war ganz das, was Werner für seine Zwecke brauchte. Hohe geräumige Zimmer, Flügeltüren und breite niedrige Treppen. Auch hatten Lust und Licht überall Zutritt.

Celia war besonders zufrieden. Sie konnte ihr Geld behalten, von dem sie sich nur schweren Herzens getrennt hätte, und die Billa blieb eigentlich auch ihr Eigentum, da Werner eine Lieberschreibung auf seinen Namen nicht für nötig hielt und er in der Ehe Gütertrennung wünschte.

Du sollst deinen Reichtum behalten", erklärte er,ich will meine Frau selbst ernähren, den Kleiderlurus, den du bisher getrieben, kann ich dir allerdings nicht bieten, aber du wirst als meine Frau auch einfacher leben und weniger mitmachen. Ich weih ja nun, du hast dich nur aus Furcht vor der Einsamkeit in den Trubel der Geselligkeit gestürzt. Du botest mir an, bei mei­nem Werk nach Kräften zu helfen. Ich freue mich sehr darauf, Celia."

Sie lächelte heimlich, weil sie gar nicht daran dachte, sich um kranke Menschen zu kümmern. Sie hotte nur dergleichen sagen müssen, um den Monn, den sie begehrte, einzufangen.

Mit Eifer stürzte sich Werner Sturm jetzt in die Arbeit. Celia verkaufte die meisten Möbel der Billa und zog zu ihrer Tante, Frau von Welp, dann begannen die Handwerker ihr Werk, die Innenräume der Billa nach den Anordnun­gen Dr. Sturms zu verändern.

Ein paar Wochen vor seiner Hochzeit saß er mit seiner Mutter und Celia im Wohnzimmer des Doktorhauses beisammen, als das Mädchen eine Karte brachte.Franz Hirt, London" stand darauf gedruckt, und darunter war geschrieben: Möchte Herrn Baron Dr. Sturm in wichtiger Angelegenheit sprechen."

Das Arbeitszimmer und das Wartezimmer wurden neu tapeziert, deshalb diente das Wohn­zimmer vorübergehend dazu, Patienten oder Be­sucher Werners zu empfangen.

Komm mit in mein Zimmer, liebe Celia", schlug die Baronin vor, die sehr zufrieden war mit der Verlobung.

Celia nickte und las die Karte auch. Sie fragte: Kennst du diesen Franz Hirt, Werner?"

Er zuckte die Achseln.

Keine Ahnung habe ich." Das Mädchen sah ihn fragend an, er rief ihr zu:Eintreten lassen, bitte."

Auf dem Flur sahen die Baronin und Celia den Besucher. Cs war ein magerer, alter Herr in tadelloser, fast zu eleganter Kleidung. Sein Gesicht war von zahllosen Fältchen durchzogen, aber es standen in dem Gesicht, mit dem auf­fallend großen, schmallippigen Mund ein paar ernste, kluge Augen, die jetzt die beiden an ihm vorübergehenden Damen aufmerksam betrachteten.

Celia äußerte zu der Baronin, nachdem der Fremde im Wohnzimmer verschwunden war, wo ihn Werner erwartete:Dieser alte Mann hat unverschämte Augen, ich möchte wirklich wissen, was er von Werner will."

Werner Sturm empfing den Eintretenden mit höflicher Verneigung.

Ich bin Dr. Werner Sturm und bitte Sie, mir zu sagen, was Sie zu mir führt."

Der viel kleinere Besucher nickte:Gerne, des­halb bin ich ja von London hierhergekommen."

Werner Sturm wies auf einen Stuhl und der andere setzte sich.

Ich komme nicht in eigener Angelegenheit", begann er,sondern im Auftrage einer anderen Person. Um es kurz zu machen: Jemand in London, der mit Aufmerksamkeit über Ihre neue Heilmethode gelesen hat und sich auch sonst über Sie unterrichtete, erfuhr, daß Sie ein Kranken­haus einrichten möchten, wozu aber vorläufig noch die Mittel fehlen. Die soll ich Ihnen, um der guten Sache willen, jetzt zur Verfügung stellen. Dreimalhunderttausend Mark liegen be­reit für Sie auf der Bank von London und werden, sobald Sie mit meinem Vorschlag ein­verstanden sind, unter Ihrem Namen einer hie­sigen Bank überwiesen. Ich betone gleich, mein Auftraggeber wünscht ungenannt und unbekannt zu bleiben. Es handelt sich nur um den guten Zweck."

(Fortsetzung folgt.)

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