M oetHreOle Mel.
Original-Roman von Anny von panhuys.
Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 23 Sortfct j. * Nachdruck verboten!
Der Alte nickte zustimmend. Er ging in sein Zimmer und kehrte bald in einem eleganten Lleberzieher und einem weichen Filzhut teuerster QIct zurück. Wie ein vornehmer alter Herr der ersten Kreise sah Melchior Stampferi a.ts. Lil trug jetzt einen dunkollila Samtmantel mit Hermelin und dazu passenden kappcnartigen Hut. Entzückend sah sie aus, wie sie durch die Wege des Hydeparks spazierte, ab und zu einen Satz mit ihrem Begleiter wechselnd.
Kein Mensch von allen, die ihnen hier begegneten, und von denen sich mancher Herr nach dem bezaubernden zierlichen Mädchen umschaute, wäre auf die Idee verfallen, diese junge, vornehme Dame, die sich hier anscheinend mit ihrem Großvater erging, könne gleichbedeutend sein mit dem Dlown Fix, den allabendlich wahre Beifallsstürme umtosten.
Man nannte in Fachkreisen den Elown „Fix" den besten Clown der Welt, und es stimmte auch wohl. Lil hatte noch viel dazu gelernt, seit sie chr erstes großes Engagement angenommen, sie arbeitete ständig, übte und probierte oft stunden- und tagelang an einem neuen Trick. Aber ihr Bankkonto bewies ihr auch, daß sich ihr Fleiß reich lohnte.
Ueberall, wohin sie kam, lebte sie zurückgezogen. Sie ließ sich an Melchior Stampferls Gesellschaft genügen und arbeitete für eine Zukunft. über die sie noch nicht allzuviel nachgedacht hatte. Ein kleiner Gutshof schwebte ihr manchmal vor für spätere Jahre, wo sie sich schöne Pferde und Hunde halten konnte. Aber niemals spielte der Gedanke, einmal zu heiraten, in ihre Träume und Pläne vom Später hinein.
Sie konnte keinem anderen Manne gut sein, wie sie Werner gut gewesen, dem ihr Herz noch gehörte, und sie konnte sich von keinem anderen Mann mehr küssen lassen.
Ihre Lippen hatte Werner mit den seinen berührt, kein anderer Mann durfte ihr die Erinnerung daran wegküssen.
17. Kapitel.
Ein sertsamer Besuch!
Celia hatte Werner Sturm die Summe von
zweihunderttausend Mark auf ihrer Bank angewiesen. Sie brachte ihm die Anweisung und befand sich nun mit ihm in seinem Arbeitszimmer, saß neben ihm auf dem bequemen Ledersofa.
„Du bist sehr gut, Celia", dankte er ihr, „ich habe das Gefühl, dir gar nicht oft genug wiederholen zu können, wie ich mich schäme, dich bisher so völlig verkannt zu haben. Ich, der ich bisher geglaubt habe, ein guter Menschenkenner zu sein, bin jetzt davon überzeugt, daß ich gar keine Menschenkenntnis besitze." — Er küßte ihre Hand, vertiefte sich in die Betrachtung ihrer hübschen, pikanten Züge und meinte: „Ich bin ein Glückskind. Nicht nur mein Krankenhaus darf jetzt Wahrheit werden, ich bekomme mit dem Geld dafür noch eine entzückende Frau dazu. Ich habe bereits ein mittelgroßes Haus mit kleinem Borgarten und größerem Hintergarten im Auge für meine Wünsche. Es war bisher ein Haushaltungspensionat darin und es bedarf keiner besonders schwierigen baulichen Beränderungen, um es für den neuen Zweck einzurichten. Ich lasse, wenn ich mit der Besitzerin des Hauses einig werde, dein Geld dort als Hypothek eintragen. Den größeren Teil davon, den anderen hier auf unser Haus in der Lindenstraße, das völlig hypothekenfrei ist."
Celia sagte nachdenklich zu Werner: „Ich glaubte eigentlich, du beabsichtigtest, ein neues Haus aufbauen zu lassen."
Er verneinte. „Das nimmt zuviel Zeit in Anspruch, darauf mag ich nicht warten."
Sie lächelt«: „So gut wie du das Krankenhaus in einein Borort untevbringen kannst, ich meine, wenn es nicht nötig ist, das) es in der Innenstadt liegt, kannst du doch ebensogut meine Billa nehmen. Nödelheim ist auch nicht aus der Welt und die Billa sehr geräumig. Außerdem ist noch Platz zum Anbauen überreichlich vorhanden."
Er küßte wieder ihre Hand. „Dein Borschlag ist ausgezeichnet, Celia. Eine glänzende Idee ist das. Ditte, wir wollen die Billa gleich besichtigen. Ich kenne sie ja kaum."
Er hätte auf der Stelle geheiratet, wenn sie es gewollt hätte, so froh war er bei dem Gedanken, wie sehr sich nun alles für ihn vereinfachte. Er brauchte nicht mehr mit fremden Leuten um den Kaufpreis zu schachern und brauchte auch das Geld nicht von Celia. Ihm war jetzt schon mit einer viel kleineren Summe gedient, die er noch selbst zusammenbrachte.
Sie legte die Arme um seinen Hals. „Ich liebe dich, Werner, und ich habe nicht nur Hände zum Küssen, sondern auch einen Wund."
„Das stimmt allerdings!" lachte er, und in dem Augenblick jäh aufwallender Dankbarkeit für den Rat und die Hilfe Celias küßte er sie lange und heih. Ganz scheu drängte sich wieder Lils Bild vor ihn hin, zierlich und blond. Er schob es fort. Was kümmerte ihn noch das trotzige, durchgebrannte Mädel, das inzwischen die Frau eines Amerikaners geworden war. In seine Ehe mit Celia sollte sich der Spuk Lils nicht mehr eindrängen, es war übergenug, daß er bis jetzt immer wieder aufgestiegen war aus einem Herzenswinkel, wo sein Wille noch nicht hatte hinreichen können, um ihn zu vernichten.
Die Billa war ganz das, was Werner für seine Zwecke brauchte. Hohe geräumige Zimmer, Flügeltüren und breite niedrige Treppen. Auch hatten Lust und Licht überall Zutritt.
Celia war besonders zufrieden. Sie konnte ihr Geld behalten, von dem sie sich nur schweren Herzens getrennt hätte, und die Billa blieb eigentlich auch ihr Eigentum, da Werner eine Lieberschreibung auf seinen Namen nicht für nötig hielt und er in der Ehe Gütertrennung wünschte.
„Du sollst deinen Reichtum behalten", erklärte er, „ich will meine Frau selbst ernähren, den Kleiderlurus, den du bisher getrieben, kann ich dir allerdings nicht bieten, aber du wirst als meine Frau auch einfacher leben und weniger mitmachen. Ich weih ja nun, du hast dich nur aus Furcht vor der Einsamkeit in den Trubel der Geselligkeit gestürzt. Du botest mir an, bei meinem Werk nach Kräften zu helfen. Ich freue mich sehr darauf, Celia."
Sie lächelte heimlich, weil sie gar nicht daran dachte, sich um kranke Menschen zu kümmern. Sie hotte nur dergleichen sagen müssen, um den Monn, den sie begehrte, einzufangen.
Mit Eifer stürzte sich Werner Sturm jetzt in die Arbeit. Celia verkaufte die meisten Möbel der Billa und zog zu ihrer Tante, Frau von Welp, dann begannen die Handwerker ihr Werk, die Innenräume der Billa nach den Anordnungen Dr. Sturms zu verändern.
Ein paar Wochen vor seiner Hochzeit saß er mit seiner Mutter und Celia im Wohnzimmer des Doktorhauses beisammen, als das Mädchen eine Karte brachte. „Franz Hirt, London" stand darauf gedruckt, und darunter war geschrieben: „Möchte Herrn Baron Dr. Sturm in wichtiger Angelegenheit sprechen."
Das Arbeitszimmer und das Wartezimmer wurden neu tapeziert, deshalb diente das Wohnzimmer vorübergehend dazu, Patienten oder Besucher Werners zu empfangen.
„Komm mit in mein Zimmer, liebe Celia", schlug die Baronin vor, die sehr zufrieden war mit der Verlobung.
Celia nickte und las die Karte auch. Sie fragte: „Kennst du diesen Franz Hirt, Werner?"
Er zuckte die Achseln.
„Keine Ahnung habe ich." Das Mädchen sah ihn fragend an, er rief ihr zu: „Eintreten lassen, bitte."
Auf dem Flur sahen die Baronin und Celia den Besucher. Cs war ein magerer, alter Herr in tadelloser, fast zu eleganter Kleidung. Sein Gesicht war von zahllosen Fältchen durchzogen, aber es standen in dem Gesicht, mit dem auffallend großen, schmallippigen Mund ein paar ernste, kluge Augen, die jetzt die beiden an ihm vorübergehenden Damen aufmerksam betrachteten.
Celia äußerte zu der Baronin, nachdem der Fremde im Wohnzimmer verschwunden war, wo ihn Werner erwartete: „Dieser alte Mann hat unverschämte Augen, ich möchte wirklich wissen, was er von Werner will."
Werner Sturm empfing den Eintretenden mit höflicher Verneigung.
„Ich bin Dr. Werner Sturm und bitte Sie, mir zu sagen, was Sie zu mir führt."
Der viel kleinere Besucher nickte: „Gerne, deshalb bin ich ja von London hierhergekommen."
Werner Sturm wies auf einen Stuhl und der andere setzte sich.
„Ich komme nicht in eigener Angelegenheit", begann er, „sondern im Auftrage einer anderen Person. Um es kurz zu machen: Jemand in London, der mit Aufmerksamkeit über Ihre neue Heilmethode gelesen hat und sich auch sonst über Sie unterrichtete, erfuhr, daß Sie ein Krankenhaus einrichten möchten, wozu aber vorläufig noch die Mittel fehlen. Die soll ich Ihnen, um der guten Sache willen, jetzt zur Verfügung stellen. Dreimalhunderttausend Mark liegen bereit für Sie auf der Bank von London und werden, sobald Sie mit meinem Vorschlag einverstanden sind, unter Ihrem Namen einer hiesigen Bank überwiesen. Ich betone gleich, mein Auftraggeber wünscht ungenannt und unbekannt zu bleiben. Es handelt sich nur um den guten Zweck."
(Fortsetzung folgt.)
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MM
Gießen
Freitag, d.5.August Monats-Versammlung bei Hovseld.
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