Ausgabe 
2.7.1932 Frühausgabe
 
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Cin deutscher Arzt erobert Afrika

Gustav Nachtigals Heldentaten im Schwarzen Erdteil.

Don patit A. Hofer.

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Auf zum Tschad-Gee!

Der Doktor Gustav Nachtigal hat seine ersten Forscherlorbeeren gepflückt. Er hat dabei dem Lod einige Male aus beängstigender Nähe ins Auge gesehen, aber das hat ihn nicht sonderlich ge­schreckt. Diel schlimmer ist es, daß Alexandrine Tin ne. !die holländische Afrikaforscherin, die gleichzeitig mit ihm in Mursuk gewesen und von hier aus eine Expedition zu den Tuaregs unter­nommen hatte, von den Arabern ermordet worden ist. Nachtigal ist tief erschüttert. Ein anderer hätte nach dieser Hiobsbotschaft wahrscheinlich schleu­nigst Kehrt gemacht. Aber der deutsche Doktor läßt sich nicht so leicht wankend machen.

In Europa zieht sich das Gewitter des dohenden deutsch-französischen Krieges am Horizont zu­sammen, als Nachtigal zu seiner Reise nach Dornu aufbricht, nach dem Lande des Tschad- See. Es muh eine Fahrt voll unerhörter Stra­pazen gewesen sein, man kann es in seiner großen Beschreibung der Expedition zwischen den Zeilen lesen, aber Nachtigal macht nicht viel Auf­hebens davon. Er ist ein Forscher, was gilt ihm da schon das eigene Schicksal! Dec Mann, der über den Tod eines kleinen Tieres zu Tränen ge­rührt sein kann, der in all den Jahren seiner afri­kanischen Laufbahn nie den Hahn seines Gewehres abgedrückt hat. um ein Lebewesen zu töten, geht in einem Nebensatz darüber hinweg, dah er schon wieder, fieberkrank, hungrig und halbverdurstet, mehr als einmal dem Hungertode nahe war.

Nach zehn Wochen kommt die kleine Karawane in Kuka, der Hauptstadt von Dornu. an. Dor Nachtigals Augen liegt der Tschad-See. der zweite Traum seiner Jugend hat sich erfüllt. Aber die Wirklichkeit kann mit der Phantasie nicht Schritt halten. Der große blaue Fleck auf der alten Schullandkarte entpuppt sich als ein ver­sumpftes, unbestimmbares riesiges Etwas, ein ent­täuschendes Schilfgewirr mit flachen Landstreifen, die das Wasser durchsetzen.

Pionier in unerforschtem Land.

Scheich Omar von Dornu ist von den Geschen­ken König Wilhelms einem Thronsessel, lebens­großen Bildern des Königs, der Königin und des Kronprinzen und einigen Kleinigkeiten hoch­erfreut. Er verspricht dem Doktor jeden Schuh md jede Hilfe. Lind der denkt ernstlich daran, ie in Anspruch zu nehmen. Eigentlich hätte er ja jetzt heimkehren dürfen, seine Mission ist erfüllt. Niemand hat ihn beauftragt, sein Leben im Dienste der Wissenschaft aufs Spiel zu setzen. Aber Nach­tigal fällt es nicht ein, tatenlos den Rückweg an­zutreten. Jetzt ist er einmal im Herzen Afrikas, wäre es nicht einfach lächerlich, eine so wunder­volle Gelegenheit vorübergehen zu lassen? Zudem: in Kuka war auch schon Rohlfs gewesen und vor ihm Deurmann, das ist kein besonderer Ruhm mehr. Er schaut sich die Karte mit den leeren Flecken an. Da im Osten Hausen die Wadai, ein wilder, kriegerischer Stamm. Kein Weißer ist noch lebend aus diesem Lande herausgekommen. Wie wäre es, Doktor Gustav Nachtigal? Sein Entschluß ist gefaßt: er wird nach Osten marschieren, quer durch das Larrd der Wa­dai, bis zum Nil. Damit wird die nördliche Hälfte von Zentralafrika zum ersten Male erschlossen.

Aber im Orient haben die Menschen Zeit, und noch mehr Zeit haben sie in Afrika. Sechs Monate itzt Nachtigal schon in Kuka, aber es ergibt sich keine Gelegenheit, den Plan durchzuführen. Lind eines Tages kommt gar die Schreckensbotschaft, daß die Wadai gegen den Scheich Omar Krieg ühren wollen. Da ist es also vorläufig nichts mit der großen Fahrt. 3it diesem Augenblick er­scheint in Dornu eine Araberkarawane vom Stamm der A u l a d S o l i m a n. die nach ihrer Heimat, dem Kanem und nach Dorku ziehen. Das liegt am östlichen Rande der Sahara, in einer Gegend, in der der Deutsche von Deurmann sei­nen Tod gesunden hatte. Nachtigal wird vor dem räuberischen und gewalttätigen Charakter der Au- lad Soliman nachdrücklich genug gewarnt, aber er hat nicht die mindeste Lust, weiter in Kuka herumzusitzen.

Mnnesmut und Räuberbanden!

Wieder geht es in unerforschtes Land, und noch dazu in einer Gesellschaft, vor der man oft genug das Grausen kriegen kann. Er muß es meA als einmal erleben, wie seine Begleiter harmlose Ka­rawanen überfallen, bis aufs letzte ausrauben und jeden, der sich zur Wehr setzt, einfach über den Haufen schießen. Ganz verloren inmitten einer Schar fanatischer Moslems wagt es derChristen­hund" trotzdem, ihnen all seine Wut und seine ganze Verachtung über dieses niederträchtige

Das Ergebnis desPfing st rückfahr- karten-Verkehrs. Die statistischen Berechnun­gen der Reichsbahn haben ergeben, daß der dies­jährige Pfingstoerkehr trotz der verlängerten Gültig­keit und der allgemeinen Erweiterung der Festtags- Rückfahrkarten im ganzen schwächer war als der vorjährige, und daß die Verkehrszahlen von 1931 nirgends erreicht wurden. Die verlängerte Gültig­keit der Rückfahrkarten bewirkte, daß sowohl der Hinreise-, als auch der Rückreiseverkehr sich mehr verteilten, so daß starke Derkehrszusammenballungen nur in wenigen Bezirken beobachtet wurden. Der Ausflugsverkehr war bei dem günstigen Wetter sehr lebhaft. Die Zulassung der Schnellzugsbenutzung auf Festtags-Rückfahrkarten hat zu keinen betrieblichen ^ch^icrigkeiten geführt. Die Zahl der aus Anlaß des Pfmgstoerkehrs gefahrenen Sonderzüge betrug 5501 gegen 6238 im Jahre 1931.

** 3 u m Rechner der katholischen K t r ch eng em einde Gießen und Grünberg wurde der Bankbeamte Konstantin Kranz in Gießen ernannt und vom Kreisamt verpflichtet.

* Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Llhr bei kleinen Preisen geöffnet.

** Zunächst den Hausarzt auch an Sonntagen! Der Wirtschaftliche Derband der Aerzte für die Provinz Oberhessen, Bezirk Gießen, bittet uns um den Hinweis, daß die re­gelmäßigen Anzeigen über den Sonntagsdienst der Aerzte, Zahnärzte und Apotheken hinsichtlich der Aerzte nicht so aufzufassen sind, als ob nur die jeweils genannten Aerzte in Anspruch genom­men werden könnten. Es solle vielmehr stets zu­nächst versucht werden, den zuständigen Haus­arzt zu erreichen.

** Der Kavallerien erein Gießen be- geht am nächsten Samstag, 9. Juli, 20 Uhr, im Cafe Leib sein 25. Stiftungsfest. Den schlechten wirt­schaftlichen Verhältnissen Rechnung tragend, sieht so schreibt man uns der Verein von einer größeren Veranstaltung ab und beschränkt sich nur auf einen Festabend. Das Programm des Abends verspricht allen Teilnehmern einige recht frohe Stun- den in vaterländischem Sinne und dürfte besonders alle Kameraden der ehemaligen Reiterwaffe inter­essieren.

" Die Paddelboot-Auffahrt bei dem Militärkonzert zur Werbung für den Rudersport, das am Mittwochabend auf dem Dootsplah der Gießener Rudergesellschaft stattfand, erfolgte wie man uns berichtigend mitteilt nicht von feiten der Paddlergilde. Die Paddelboote ge­hörten vielmehr den drei Rudervereinen an, für die das Konzert werben sollte, nämlich der Gießener Rudergesellschaft, dem Derein Ruder­sport und dem Ruderklub Hasfia.

" Die Schlägerei in der Licher Straße. Der Inhaber der GastwirtschaftZur Stadt Lich" in der Licher Straße bittet uns, mit» zuteilen, daß die von dem Polizeibericht am Donnerstag früh gemeldete Schlägerei in der

Licher Straße nicht in seiner Wirtschaft statt­gefunden hat, sondern sich auf offener Straße abspielte. In dem Polizeibericht war von der GastwirtschaftZur Stadt Lich" mit keinem Wort die Rede gewesen, und wir können nach noch­maliger Erkundigung nur bestätigen, daß die GastwirtschaftZur Stadt Lich" mit dem ganzen Vorfall nicht das geringste zu tun hat.

" Ermittelte Fensterstürmer. Die Täter, die in der Nacht zum 16. Iuni an der Pestalozzischule in den Eichgärten die Fenster- scheiben zertrümmert haben, sind, wie der Po­lizeibericht meldet, ermittelt worden. Es han­delt sich um hiesige junge Leute, die in der frag­lichen Nacht ein Trinkgelage in einem Garten­haus in den Eichgärten veranstaltet und an­schließend die Fenster des Schulgebäudes attakiert hatten.

** Ein Uhrendieb verhaftet. Der Polizei- bericht meldet: Am Donnerstagnachmittaq konnte ein junger Mann aus Odenhaufen a. d. Üda. hier im städtischen Freibad ermittelt und festgenommen werden, der einige Tage vorher in dieser Bade­anstalt eine silberne Herrenarmbanduhr entwendet hatte. Die Uhr befand sich noch in seinem Besitz. Der Täter wurde dem Amtsgericht zugeführt.

'* Aus dem Leben geflohen. Der Polizeibericht teilt mit, daß ut der Nacht zum Freitag ein 34 Iahre alter Kaufmann aus Kob­lenz hier in einem Gasthaus seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht hat. Welche Beweg­gründe den Mann zu der Tat veranlaßt haben, ist noch nicht bekannt.

Slus der provinzialbauptstadt.

Gießen, den 2.Iuli 1932.

Juli Monat der 2Reife.

4 Noch deutlich ist es uns in Erinnerung, wie der ßanbmann auf die Felder ging, um das Korn zu säen, damit wir Brot für den Winter haben werden. Wir wissen noch genau, wie schon und reizvoll die Entdeckung war, da wir die jungen Halme auf den Aeckern erblickten: in tiefdunklem Grün standen sie bereits dicht beieinander, und die Lerchen konnten sich schon darin verstecken. Ein wenig später da war das Getreide bereits in die Höhe geschossen und bildete Blütenähren, die wieder ein paar Tage wei- ter sich öffneten und auf die Befruchtung durch die straft des Windes warteten. Da war schon und end­lich der Sommer angebrochen, den wir so leiden­schaftlich herbeisehnten nach den vielen unfreund­lichen Monaten, die uns das eigenartige Klima der deutschen Heimat bescherte. Und nun werden die Mehren von Tag zu Tag schwerer und voller die langaufgeschossenen Halme beugen sich. Denn in jedem Aehrenstand bilden sich die Körner, die un­sere Nahrung enthalten. Immer schneller geht der Reiseprozeß vor sich, und der Juli-Monat vollendet, was seine Brüder vorbereitet und entwickelt

Wie Bemai-d Shaw zu feiner$rou kam.

2fus Bernard Shaws Werken gewinnt man den Eindruck, es mit einem Ehefeinde zu tun zu haben. Wie aber Theorie und Praxis oft verschieden sind, lebt auch Bernard Shaw seit langem in einer sehr glücklichen Ehe, die gar nicht irgendwie exzentrisch zustande gekommen ist. Bernard Shaw hat sich da­mals durchaus an die üblichen Formen gehalten. Er lernte Charlotte Panns Townshend bei Bekann­ten kennen, die gerade mit der Abfassung eines Buches beschäftigt waren. Dadurch hatten die beiden Gäste viel Zeit, sich miteinander zu unterhalten. Nach wenigen Wochen schon schrieb Shaw einer Be­kannten, daß er im Begriff sei, sich in Charlotte Townshend zu verlieben. Nach ihrer Rückkehr nach London stattete Shaw der Dame einen Besuch cb und kam ein Jahr lang viel rn.it ihr zusammen. Dann erkrankte er ernstlich, weil er sich jahrelang überarbeitet hatte. Diese Krankheit währte achtzehn Monate. Seine Mutter und Charlotte Townshend verabredeten, daß er zu seiner Genesung nach ihrem Landhaüse gebracht werden sollte, aber Shaw wider­setzte sich und erklärte, nicht in dem Hause einer unverheirateten Dame wahnen zu können. Da sie jedoch auf ihrem Vorschlag beharrte, gab Shaw schließlich nach unter der Bedingung, daß fie einen Trauring kaufte und sich gleich mit ihm verheiratete. Wenn man Shaw in späteren Jahren fragte, ob er um des Geldes willen oder aus Liebe geheiratet habe, sagte er immer: Wir heirateten, weil wir ein­ander unentbehrlich geworden waren. Ihr nicht un­beträchtliches Vermögen hat Shaw bei feinem Schaffen einen wesentlichen Rückhall gegeben.

Verhalten ms Gesicht zu schleudern. Daß sie seine Anwesenheit daraufhin nicht gerade besonders er- treulich finden, ist klar. Aber der Mut des kleinen putschen Doktors imponiert ihnen doch. Freilich kann er sich jetzt nicht einmal ruhig schlafen daß einer seiner Diener bewaffnet Wache halt. Zumal inzwischen auch noch besonders strenggläubige S e n u s s i p r ie ft er erschienen Und. die den Aulad Soliman alle Strafen dev Holle m Aussicht stellen, weil sie denHeiden" m dieses heilige, noch nie von einem Christen ver­unreinigte Land gebracht haben.

Seine Lage verschlechtert sich zusehmds. Trotz­dem hat er den Mut, in Mao, dem kleinen Nest im Kanem, in dem Beurmann ermordet wurde eine tolle Szene zu provozieren. Er erklärt bei seiner Ankunft dem Alifa, dem eingeborenen Gou­verneur dieses Landstrichs, daß er nicht daran denke von seiner Gastfreundschaft Gebrauch zu machen: Leute, die einen einzelnen Fremdling, der nur Gott zum Schuhe gehabt hatte, umzubrin- gen imstande seien, könne er nur mit Verachtung behandeln. Cs ist das erstemal in der Geschichte der Erforschung Afrikas, daß ein Europäer so etwas gewagt hat. Trotz alledem lassen sie ihn ziehen. Aber er ist doch heilfroh, als er endlich wehr als neun Monate nach seinem Aufbruch wieder n-ach Dornu zurückkommt. Die Verbrechervisagen der Aulad Soliman, die ihn natürlich in aller Freundschaft auch bis aufs Hemd ausgeplundert haben, sind ihm mit der Zeit doch allzusehr auf die Nerven gegangen.

3m Lande der Gklavenjäger.

Kaum hat er sich ein paar Wochen ausgeruht, ist auch schon ein neuer Reiseplan in Sicht. ®er Weg durch das Wadai-Land ist noch immer versperrt, also entschließt sich Nachtigal, noch ein­mal nach Süden, nach Bagirmi vorzustohen, um den entthronten König dieses Volkes, Abu ? c tV u. ein nicht gerade vertrauenerwecken­der Name, denn er bedeutet etwa: Freund des Messers zu besuchen. Wieder eine Reise in ein Land, das zuvor noch kein Weißer betreten hat, eine Reise zu einem Volk, das blutgierig und räuberisch seinen Haupterwerb aus dem Sklavenraub zieht. Verdeutsche Doktor bringt es sogar über sich im Interesse der Wissenschaft eine solche Iagd auf mensch­liches Wild mitzumachen, zwar nicht aktiv, wie es die Bagirmi gern gesehen hätten, ober doch als Zuschauer. In jener Gegend haben die Neger aus Angst vor diesen Räubern sich richtige Fe­stungen auf Bäumen angelegt. Ganz hoch in der Daum-Riesen sitzen sie und ver­teidigen sich bis zum letzten Atemzug gegen die Angreifer, aber doch gelingt es den Bagirmi, ein paar dieser Festungen nach und nach zu er- o&ern, und schaudernd muß Nachtigal mit an­sehen, wie die überlebenden Männer erbarmungs­los n i e d e rg e m e tze l t, die Frauen und Kin­der mit Stricken zusammengebunden und in Die Sklaverei getrieben werden. Auch einen heimtückischen Lieberfall über ein ganzes, wehr­loses und nichtsahnendes Dorf erlebt er, bei dem es zu einem wahren Dlutbad kommt. Als er am Abend traurig über die Stätte der Verwüstung .reitet, zählt er 27 halb verbrannte Leichname von Säuglingen, die von ihren eigenen Müttern er­mordet wurden, um sie vor dem sicheren langsamen Untergänge in einiger Sklaverei zu bewahren.

Krankheit, Hunger und die unvorstellbaren Stra­pazen der heveinbrechenden Regenzeit tragen nicht dazu bei, die Stimmung des Doktors zu heben. Anfang März des Iahres 1872 ist er von Dornu aufgebrochen, erst im August läßt ihn Abu Sekkin wieder ziehen. Er fühlt sich gewissermaßen für das Wohlergehen seines Gastes verantwortlich und will ihn nur mit sicherer Begleitung den griähr- lichen Rückweg machen lassen. Lind als i^n der Doktor eines Tages von einem schweren Darm­katarrh völlig erschöpft voller Verzweiflung klagt, er wolle nicht hier im Heidenland sterben, antwortet der Scheich höchst philosophisch:Wenn du wirklich dem Tode verfallen bist, dann ist es mir ganz gleichgültig, ob du hier oder in Kuka tirbst. Dein Vaterland wirft du ja doch nicht er­reichen!"

Aber endlich ist der ersehnte Tag doch da. Der Rückmarsch ist eine einzige Qual, Nachtigals letztes Pferd stirbt unterwegs vor Erschöpfung, tagelang muß er durch metertiefen Lehm waten, aber chließlich kommt er nach Dornu. Es ist ihm zu­mute. als wenn er in die Heimat zu nahen Ver­wandten zurückgekehrt wäre, so grausig erscheint ihm die Erinnerung an diese letzten Monate.

Dreieinhalb Iahre ist Nachtigal jetzt unterwegs. Europa hat in dieser Zeit ein anderes Gesicht be­kommen. @i: erfährt nichts davon. Die letzte und schwerste Etappe steht ihm bevor.

(Fortsetzung folgt!)

Zusammenlegung -er Vermessung-, und Jeldbereinigungsämler.

Don zuständiger Stelle in Darmstadt wird ne- schrieben: Die Notlage der Landwirtschaft macht sich auch auf dem Gebiete des Feldbereinigungswesens bemerkbar. Es besteht die Gefahr, daß es infolge wirtschaftlichen Not der Zeit wegen der damit verbundenen Kostenbelaftung zum Erliegen kommen q-'rxi. . H'vblick auf die große Bedeutung der ^bere.niaung für die Landeskultur hat sich des- -?eglerung entschlossen, die zur Zeit bestehende Organisation und das Verfahren zu oer» einfachen und nach Möglichkeit zu verbilligen. Wie "utgeteilt, sollen außerdem, um die Land- mirtfdjaft von den rückständigen Feldbereinigungs- asten.für die Verzinsung und Tilgung der rückständigen Geldoorlagen der Staatskasse Er- leichterungen gewährt werden. Als erste Maßnahme im Nahmen des von der Regierung vorgesehenen Reformprogramms wurden die Feldbereini- g u n g 5 ämter und Vermessungsämter "weinig t.Die neuen Aemter führen die Bezeich­nungVermessungsamt". Infolge der Zusammen- legung wird es möglich fein, auf dem Gebiete der Personalverwaltung nicht unwesentliche Ersparnisse zu erzielen, die dem Feldbereinigungswesen zugute kommen werden. Ueber die sonstigen Absichten der Regierung wird demnächst weitere Mitteiluna er­folgen.

Angestellte und Notverordnung

Der Bezirk Gießen im Gewerk­schaftsbund der Angestellten hielt in Butzbach eine stark besuchte Bezirkstagung ab.

Die Tagung wurde so berichtet man uns vollständig beherrscht von Erörterungen über die sozialpolitischen Maßnahmen der Deichsregierung Don Seiten der Versammelten wurde das stärkste Bed^iern darüber zum Ausdruck gebracht, daß es Vie Regierung unterlassen hat. mit den Gewerk­schaften als den berufenen Vertretern der Arbeit- v^mer über die tief einschneidenden Maßnahmen sich in Verbindung zu fetzen, die hier den breiten Massen aufgebürdet worden sind. Dor allen Din­gen werden die Angriffe, die in Bezug auf die An- gestelltenversicherung unternommen worden sind alß im höchsten Maße schädlich und ungerechtfer­tigt bezeichnet. Die Lage der Angestelltenverfiche- rung sei so, daß sie heute durchaus den Hundert­tausenden von Witwen, Waisen und Derufs- unfähigen Renten in der vom Gesetz vorgesehenen Hohe zahlen könnte. Der rohe und mechanische Ergriff der durch die Notverordnung mit Rück­sicht auf die Invalidenversicherung erfolgte, stelle eine Nichtachtung der besonderen Angestellten- mtereflen dar, gegen die stärkster Einspruch erho­ben werden müsse. Weiterhin kamen die größ­ten Besorgnisse zum Ausdruck über die Absichten Der Regierung in Bezug auf die Anlegung und Verwaltung der Deckungskapitalien der Angestell- tenverficherung. Ieder Versuch, auf dem Wege öer Gefahrengemeinschaft in die Finanzgebarung einzugreifen, würde als ein unerträglicher Ein­griff in die Selbstverwaltung empfunden und ab­gelehnt.

^ie Tagung klang aus mit der Forderung an die Regierung, dah fie die Maßnahmen der Notver­ordnung den Sozialbedürfnissen der Arbeitnehmer entsprechend abändert. Die Angestellten müssen darauf bestehen, daß die notwendigen Mittel durch eine wirklich gerechte Einbeziehung aller Einkom­men in der Wirtschaft aufgebracht werden. Der mit der Notverordnung beschrittene Weg läßt die elementarsten Grundsätze sozialer Gerechtigkeit völlig außer acht.

Im geschäftlichen Teil wurde eine Reihe wich­tiger interner Fragen erörtert. Zum Vorsitzenden des Bezirks wurde Ludwig Zecher (Gießen) und zum Stellvertreter Ernst Kais (Butzbach), ge­wählt.

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Julitage sind Tage der Reife. Ueberall beginnt jetzt jener geheimnisvolle und doch so klare Prozeß der Bollendung: nicht immer so schnell wie bei dem Getreide, aber doch stetig. Denn der Juli kündet in all seiner Schönheit doch schon wieder die Doll- enbung der Sommertage an. Die Sonne hat ihren höchsten Stand bereits überschritten: noch werden wir das zwar mit unseren stumpfen Augen nicht gewahr und haben eher den Eindruck, als bringe erst der Juli die ganze Kraft des Sommers zum rechten Ausdruck. Heißer und immer heißer brennt bie Sonne, so will es uns scheinen. Und wir be= bauern den Landwirt ein wenig, der in dieser un­endlichen Glut tätig sein nzuh, wenn die Tage der Lrnte beginnen, wenn der Roggen gemäht sein will, bamit er rechtzeitig gedroschen werden kann und die Kärnei zur Mühle kommen.

Es schabet nichts, wenn wir uns klarmachen, Die schwer viele Mitmenschen arbeiten müssen, da­mit wir das ganze Jahr überunser täglich Brot" haben werden, dessen Wichtigkeit auch im schönsten, veil einfachsten aller Gebote seinen Ausdruck ge­sunden hat. Etwas mehr Verständnis wird dann euch der leicht zur Ueberheblichleit neigende Städ- 1er für den schweren Beruf des Landwirtes bekom­men, der von tausend Geschehnissen der Natur und ihren Gewalten abhängig ist, um sich und uns dis Brot für des Lebens Notdurft zu sichern. Der Städter kann wenn das auch in diesen Zeiten reichlich erschwert wurde in der größten Hiße- zeit sich das Leben erleichtern, indem er sein Stand- quartier verläßt und es mit den Schönheiten der Welt an anderen Orten vertauscht. Für den Land- mann bleibt der Monat der Reife die schwerste Zeit des Jahres. Aber wir sind gewiß: er möchte auch die anstrengenden Tage Des Erntebeginns nicht missen. Der Erfolg seiner harten Arbeit söhnt ihn voll aus mit den Anstrengungen, die auch der Juli in so reichem Maße bringt. Sn.

Vom Wert her Schulferien.

Prof. Dr. Eugen Schlesinger hat an 1500 Schulkindern buiaj Messung der Gewichts- und Längenzunahme, durch objektive Prüfung der kör- ixrF.dxn Leistungsfähigkeit und der Erholung den Erfolg der Ferien gemessen. Der beste Erfolg wurde erzielt bei einem Schulland­heim oder Zeltlager. Planmäßige sportliche Be- tähgung in Verbindung mit Luftbädern, abwech- selnd mit Ruhe, hatte eine weit günstigere Wir* tung als ein planloses Spielen im Freien oder kostspielige Erholungsreisen mit der Familie, tcenn dabei von der gewohnten Lebensweise zu Hause nicht viel abgewichen wurde.

Eine dauerhafte Gewichtszunahme während der Ferien und nach Erholung steht in ziemlich en­gem Verhältnis zu der Summe der dabei zur Anwendung und Auslösung gelangten Reize, der ton Stoffwechseln anregenden Anreize und Wech­selreize. An erster Stelle dieser Reizwechsel in den SHulserien steht die grundsätzliche Umstellung der zeitlichen Verteilung von geistiger Arbeit und Er­holung; dann bei den Kindern, die während dev Ferien verreist waren, der Wechsel der klimati­schen und meteorologischen Verhältnisse, noch be- , deiltsamer das Heraus aus der Großstadt in eine reinere Atmosphäre, und noch wichtiger der Llm* v-eltwechsel, das Herauskommen aus dem ge- v-ohnten Familienleben und der gewohnten Häus­lichkeit in einen Kreis mit mehr oder weniger an­deren Lebensgewohnheiten, wohl auch mit an­derer Kost, mit einem anderen Küchenzettel.

Eine maximale Llmstellung der Lebensführung und damit ein maximaler Reiz kommt zustande bei den Kindernj welche für mehrere Wochen ein Lchullandheim oder ein Zeltlager beziehen, in dem ne sich einen großen Teil dessen, was zur Le­benshaltung gehört, selbst erarbeiten in der Ge­rn cinschaftsarbeit, die einen wesentlichen Beständ­ig der erzieherischen Grundsätze neuzeitlich orien» tierter Schullandheime darstellt. Die Frankfurter Kindererholungsstätte Wegscheide im Spessart, in oen Baracken des ehemaligen Truppenübungsla- gers, ist hierfür ein klassisches Beispiel. Schließ­lich kommt noch zu diesen Reizwechseln als ein u-mstand von außerordentlicher Bedeutung für die ^b^lrche Ertüchtigung der Kinder neben der Er- olung eine eifrige, regelmäßige, planmäßige 'b-ortliche Betätigung irgendwelcher Art, der 2-ngung und körperlichen Verfassung des einzel- Ea Kindes entsprechend.

Am besten ist wohl ein mehrseitiger Sportbe- nsÜx- ^möglich in Verbindung mit täglich rnehr- Itimöigern Luftbad, unterbrochen von mehrstündi- (Liegekuren). Die hierdurch erzielte : \?Ptoe'$fcIfteigerung läßt sich manchmal ge- Qn bet Gewichtskurve, die körperliche Er- .nchtigung am Spirometer ablesen. Es darf frei* r'2J!U' fwn'?r-J^fätoiegen werden, daß bei einer Betätigung nicht allzu fei- öu verzeichnen sind, nicht nur Gewichts, sondern auch bei den Lei- &1? Folgen einer ileberöofierung Knabe oder Mädchen der icindlichen älmstellüng seiner Lebensweise plus Fhftrtk -l1 verändertem Klima plus dem ' nicht voll gewachsen war. Aus-

nnr/ ^mung, Gebaren dieser Kinder lassen ihr^ un<? gar nicht von einem Fehlerfolg bJed um so weniger, als eine Vermehr fn-aR C körperlichen Ruhe zu Hause, auch ohne "luinf a9e* ausnahmslos rasch wieder zum Keinesfalls dürfen solche Cin- re1 ®runb|at? wankend machen: Kör- ber Heranwachsenden Schul*

1 9mo wahrend der Schulferien.