Von Geld und Me.
Vornan von Grete von C*
Copyright by SRartta Feuchkwcmger, Statte
26. Fortletzung. Nachdruck verboten.
Er setzte sich ans Klavier, spielte -um Lanz auf. Die Paare sanden sich, traten zum Tanz an.
Maria Costa ging zu dem Kommerzienrat. Sie fühlte sich verpflichtet, ihn zu trösten. Ihre weihe, kühle Hand umschloß die seine. Ihr großer, dunkler Blick versank für Sekunden in den seinen.
„Rose hat mir anvertraut, daß Sie Verdruß gehabt haben", flüsterte sie ihm mit ihrer singenden Stimme zu, „bad tut mir leid."
Rose ist ein Kall» und diese Maria ein indiskretes Frauenzimmer, dachte er und zog seine Hand aus der Marias.
„Was haben Sie?" fragte sie leise.
»Vichts."
Er sah mit finster zusammengeschobenen Brauen in das Gewühl der Tanzenden. Dickes gleichmäßige, monotone Geschiebe machte ihn nervös. Die Tanzenden grüßten ihn mit blödem Lächeln, so ost sie an ihm vorüberschoben.
„Seekrank macht mich das, toeim das noch lange so geht", sagte er zu Maria.
„3a, die neuen TänzeI" erwiderte sie. „Es ist kein rechter Rhythmus in ihnen. Kommen Sie, Kommerzienrat, wir gehen, während hier getanzt wird, ins Speisezimmer. Ich habe Ihnen etwas mitzuteilen, etwas sehr Interessantes."
Er folgte ihr. Auf ihre versprochene Mitteilung schien er nicht sehr neugierig zu sein. Er blieb vor dem Büfett stehen.
„Aha — sie an — hier gibt's gute Sachen.
„Iackh!" rief Maria, und Roses Diener kam angestürzt.
„Was befiehlt der Herr Kommerzienrat?
Münchmeyers Blick glitt von den aufgestellten Leckerbissen ab, um sich auf Iackys Gesicht zu heften. Iackh hieß der Kerl! Wie ein Papagei! Richt zu glauben! Er schüttelte den Kopf. Zum ersten Male hörte er den Ramen.
Dieser famose Iackh war wohl eine Reuanschaffung. Rose hatte Geschmack, das muhte man ihr lassen. Hielt sich einen Diener, der den Ramen eines Papageis und die Manieren eines Oberkellners hatte.
Er wandte sich wieder an Maria:
„Ditte, meine Gnädigste, wählen Sie aus!"
„Danke, ich darf jetzt nichts genießen, weil ich später tanze."
„Aha — soso. Ra, bann gestatten Sie wohl, daß ich..."
„Ja, bitte."
„Also, 2acko — Iackh, wollt' ich sagen —
hangen Me mir mal vom Hummersalaf unb "nett Steiniger dazu, 'nen zweistöckigen..."
„Kaviar auf Eisblock ist auch da", machte Maria ihren Freund aufmerksam.
„Ra. das muh man Rose lassen: aufs Leben versteht sie sich." .
Er verzehrte seinen Hummersalat, während Maria erzählte: ,
Also ich war vor Tagen in den U.-l.-Lichtspielen. Da habe ich mir den amerikanischen Film ,Der König der Berge' angesehen, in dem Miß Ellen Harrisson die züchtige Gritta spielt, iln- vergleichlich, sag' ich Ihnen! Sie müssen sie sehen. Sie weint unstillbare Glyzerintränen, weil ihr Schatz eine andere heiraten muß. Gr muh, weil er einmal wider Willen leichtsinnig gewesen war. Lind Gritta tröstet sich mit einem anderen, während ihr ehemaliger Geliebter in den Bergen auf Gemsen wildert."
Münchmeyer trank einen Steinhäger und sah. während er sich den Mund mit der Serviette abwischte, mit einem Seitenblick auf Maria.
„Wie kommen Sie eigentlich zu der Vermutung, daß ich mich für Filme interessiere?"
Sie, von seiner Grobheit ungekränkt, lächelte.
„Zu der konnte ich doch sehr leicht kommen, da Miß Ellen Harrisson in diesem Film spielt."
Er knüllte die Serviette zusammen, warf sie auf seinen Teller.
„Ich weih nicht einmal, wer diese Miß Ellen Harrisson ist — hab' sie nie gesehen und will sie auch gar nicht sehen."
Marias Blick ruhte in erstauntem Ausdruck auf seinem Gesicht.
„Unglaublich, dah Sie das nicht wissen! Hat Rose Ihnen denn nie ein Wort davon gesagt?"
„Wovon?"
„Dah ihre Schwippschwägerin der berühmte amerikanische Filmstar Ellen Harrisson ist?"
Er schüttelte den Kopf.
„Was ist das: Schwippschwägerin?"
„In diesem Fall: Ellen Harrisson ist die Schwester von Roses Schwager Schadow."
„Ach nee! Das ist allerdings sehr interessant."
Lieber Marias Gesicht glitt ein triumphierendes Lächeln, über das des Kommerzienrats ein nachdenkliches. Diese Schadows waren fixe Menschen, das mußte man ihnen lassen.
„Ich würde am liebsten sofort hinfahren, um sie mir anzusehen", sagte er.
Maria sah auf ihre Armbanduhr.
„Es wäre noch Zeit: stehlen wir und heimlich fort."
„Wir? Sie müssen doch tanzen?"
„Ich hätte getanzt — für Sie. nur allein für Sie. Aber wenn Sie lieber Mih Ellen sehen wollen...“
Er lächelte. Sie ist tolerant — das gefällt mir.
So muß eine Frau sein.
„Ich hätte schon Lust."
„Gut — gehen wirk"
Er rief den Diener:
„Iacky, los, flitzen Sie mal in meine Garage. Heinicke soll in fünf Minuten mit dem Wagen vor dem House sein. — Wo ist Ihr Pelz, Gnädigste?"
„In Roses Schlafzimmer."
Wieder staunte er. War Rose verrückt? Sie lieh die Pelze ihrer Gäste in ihrem Schlafzimmer unterbringen statt in der Garderobe. Hatte sie etwa Angst, daß sie gestohlen werden könnten? Bei der Gesellschaft, die sie um sich versammelte, war so etwas vielleicht möglich.
„Erwarten Sie mich im Qtuto“, flüsterte Maria ihm zu und huschte davon.
Er muhte auch erst in seine WohnuNg gehen, um sich Hut und Pelz zu holen. Als er zurückkam, stieh er im Treppenhause auf Hans-Achim. Bei dieser Begegnung empfand er so etwas wie Feindseligkeit gegen ihn.
„Kommst du jetzt erst aus der Dank?" fragte er ihn schroff.
„Rein, ich ging um sieben Uhr aus der Dank fort."
„Was war denn dort so lange zu tun?"
„Sehr viel. Du hast uns sehr gefehlt. Ich versuchte es mehrmals, dich telephonisch zu erreichen, aber leider vergebens."
„Was gab es denn?"
Die Costa kam die Stiegen herab. Hans-Achim zog den Hut.
„Du willst auSgehen, Papa. Ich will dich nicht aufhalten."
Er machte gegen Maria Costa eine knappe Verbeugung.
„Ihre kleine Frau gibt große Gesellschaft", sagte die Costa mit klingender Stimme.
„So? Da will ich nicht stören."
Die Costa zog warnend die Brauen hoch.
„Richt davonlaufen, sonst wird Rose Ihnen böse fein."
Er erwiderte nichts darauf. Folgte den beiden, verlieh mit ihnen zugleich bad Haus, sah, wie sie den Wagen bestiegen, der lautlos mit ihnen davonglitt.
Als es zehn schlug, erwachte Kommerzienrat Münchmeyer. Eine bbfe Rächt lag hinter ihm.
Sein Kopf schmerZte. Und dennoch funktionierte er gut. Ganz klar überdachte er das gestern Erlebte. Verdrießlich war es von Anfang bis zu Ende.
Erst die Enttäuschung mit Ottilie. Danach die Verlobung mit Maria Costa — die war nicht nur verdrießlich, die war, bei Licht besehen, ein Wahnsinn. An den Hals hatte sich ihm diese Person geworfen, nachdem sie ihn mit ihrer süh flötenden Stimme blödsinnig gemacht.
Rach dem Kinobesuch waren sie in ein Weinrestaurant gefahren, wo sie gespeist und viel
Champagner getrunken hatten. Darauf folgte Verlobung.
Daß er so ein Esel war, sich einfangen zu lassen von einer, die nur darauf aus war, gut versorgt zu werden, hätte er nicht geglaubt. Aber es war so, das stand nun fest. Er zündete sich eine Zigarette an.
Das Telephon auf feinem Rachitisch k i gelte. Er nahm das Schallrohr aus der Gabel, meldete sich.
„Ah, du! — Morjen, morjen! — Ja, was ist denn? — Ob ich in die Dank komme? Ree, heute nicht. — Ich muß? 3 wo! — Was kann ich dabei machen? — Gekündigte Depots müssen aus- gezahlt werden, selbstverständlich! — Kein Geld da? — Ach, Unsinn! Rur keine Dange,-es kommt schon wieder was ein. — Die kleinen Einzahler müssen selbstverständlich ihre Einlagen zurück- haben. — Du meinst, es fiele bereits unangenehm auf, dah ich mich fernhalte? — Das kommt dir ja bloß so vor. — Behalte du mal vor allen Dingen den Kopf oben. — Geh mal zu Gisevius: sieh zu, dah er dir fünfzigtausend Mark gibt. Auf deine Rechnung selbstverständlich, du verstehst. — Die Summe wird ausreichen, um die fleinen Einzahler zu befriedigen. Morgen schasse ich schon Rat. — So, Schluß!"
Er legte den Hörer in die Gabel zurück und sprang aus dem Bett. Klingelte' dem Wiener und befahl: -
„Dringen Sie mir mein Frühstück und sagen Sie Heinicke, dah er sich bereithalten soll. 3n spätestens einer halben Stunde fahren wir."
Er lleidete sich an. Während er seinen Kaffee trank, machte er sich Vermerke in sein Rotizbuch. Zwischendurch drängte sich ihm das Bild der fünften Gritta auf, die unstillbare Glyzerintränen weinte. Und bann lächelte er und dachte: Kleine Mädel haben es gut — die brauchen nur schon zu fein, dann haben sie alles! Schön war diese Lene Schadow! — Die Costa hatte ihm erzählt, dah Helene sich in Hollywood bereits ein Vermögen gemacht habe. Dies wußte sie aus der Filmpresse. Wenn es wirllich Wahrheit war, konnten die Schadows lachen.
Er addierte eine aufgestellte Zahlenreihe zusammen, wurde durch erneutes Klingeln des Telephons darin unterbrochen und fluchte ärgerlich.
3n dem Moment kam Heinicke ins Zimmer, um zu melden, daß der Wagen bereitstehe.
„Fragen Sie mal, wer da am Apparat ist!" „Maria Costa!"
„Sagen Sie, ich sei nicht zu Hause."
Er brüllte es so laut, dah die Costa es im Apparat gehört hatte. Ein girrendes Lachen traf Heinickes Ohr, und dann klang eine singende Stimme: *
„3ch habe gehört, Herr Kommerzienrat will nicht zu Hause fein — für mich ist er da! — Sagen Sie, feine Braut wünsche ihn zu sprechen."
lFortsetzung folgt.)
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