Die Pressefreiheit im Wahlkampf.
Zusicherungen der Innenminister.
Berlin, 1. März. (51t.) Sn einigen Blättern 3ft behauptet worben, die preußische Regierung beabsichtigt, den Zeitungen unmittelbar vor der Reichspräsidentenwahl einen Aufruf zur zwangsweisen Veröffentlichung zuzustellen, der sich g e g e n d i e K a n d i d a t u r Hitlers wende. An zuständiger preußischer Stelle wird versichert, daß diese Rachricht völlig aus der Luft gegriffen sei. Angesichts der Beunruhigung, die in einem Teil der Oeffentlichkeit über Anweisungen der preußischen Regierung an die Ober- und Regierungspräsidenten hinsichtlich der Anwendung der Presseverordnung entstanden ist, wird an preußischer Stelle Wert auf die Feststellung gelegt, daß nur in besonders krassen Fällen, wie grober Verleumdung und Beleidigung, zu Auflagenachrichten bzw. scharfen Gegenmaßnahmen gegriffen werden soll. Auch derReichs - i n n e n m i n i st c r erklärt, daß gegen grobe Aus- schreitringen in der Presse selbstverständlich nachdrücklichst eingeschritten werde: es könne aber für die Zeit des Wahlkampfes auf jeden Fall mit einer loyalen Auslegung der Verordnung durch das Reichsinnenministerium gerechnet werden.
Oie Harzburger Opposition.
Eine Richtigstellung der Deutschnationalen.
Berlin l.März. (CAD.) Di,e Deutsch- nationaleP resse st elle teilt mit: Sn einer nationalsozialistischen Versammlung, die am Montag in Holzminden stattfand, gab der nationalsozialistische Gaupropagandaleiter G u t t e r e r (Hannover) eine, wie er behauptete, Partei- offiziöse Erklärung ab, in der er sagte, zwischen Dr. Hugenberg und dem Reichskanzler Dr. Brüning habe vor einigen Tagen eine Besprechung stattgefunden, in der Hugenberg sich verpflichtet habe, im zweiten Wahlgang seine Anhänger zur Wahl Hindenburgs aufzufordern unter der Bedingung, daß Brüning zurücktrete, Groener Reichskanzler und Düst erbergRerchs- wehrminister werde. Es sei daher zu erwarten, daß Deutschnationale und Stahlhelm im zweiten Wahlgang für Hindenburg gegen Hit'er stimmen würden. — „Diese Behauptung", so heißt es weiter in der Mitteilung der Deutschnationalen Pressestelle, ..von der wir nicht annehmen können, daß sic im Auftrage einer veranwortlichen Stelle der RSDAP. aufgestellt ist, stellt sich als eine ungewöhnlich dreiste Wahllüge dar. Eine Besprechung zwischen Hugenberg und Brüning hat überhaupt nicht stattgefunden. Abmachungen in Bezug auf den zweiten Wahlgang sind nach keinerRichtung hin getroffen worden." OerReichslandbund gegen Hindenburg
Berlin, l.März. (ERB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes nahm in seiner heutigen Sitzung eine Entschließung an, in der fest- gestellt wird, die nationale Opposition habe die Proklamation Hindenburgs durch die Parteien des Weimarer Systems m i t der Heraus st ellung ihrer Vorkämpfer Hitler und Duesterberg beantwortet. Der Reichslandbund stehe i m Lager der nationalen Opposition. Er werde seine Stimme nicht für Hindenburg einsehen. Der Kampf für den einen der beiden Kandidaten der nationalen Opposition dürfe nicht zum Kampf gegen den anderen werden. Der gemeinsame Kampf richte sich „gegen die Herr- "Ichaft der verderblichen Kräfte, die für die Srr- wege unserer bisherigen gesamtstaatlichen und Wirtschaftspolitik" veranwortlich sind.
Falsche Behauptungen.
Berlin, l.März. (TU.) Gegenüber immer wieder in der Presse auftauchenden Nachrichten, daß der Staatssekretär des Reichspräsidenten, Dr. Meißner, und sein Sohn und Adjutant, O b e r st von Hindenburg, Sozialdemokraten seien, wird von amtlicher Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, daß derartige Meldungen in keiner Weise den Tatsachen entsprechen. Der Staatssekretär Meißner ist aus der elsaß-lothringischen Beamtenlaufbahn hervorgegangen, war 1906 Assessor und 1911 kaiserlicher Regierungsrat in Straßburg. Er hat sich nie parteipolitisch betätigt und gehört auch keiner politischen Partei an. Als Hauptmann der Reserve hat er auch am Krieg teilgenommen. Oberst von Hindenburg ist nur Offizier und als solchem kommt für ihn von vornherein keinerlei politische Betätigung in Frage; er hat auch nie einer politischen Partei an« gehört.
Oie Deutsche Bolkspartei im Wahlkreis Westfalen-Süd.
Dortmund, l.März. (ERB.) Der engste Vorstand der Deutschen Volkspartei von Westfalen-Süd hat heute den zur Zeit in Berlin an einer Staatsratssitzung teilnehmenden Vorsitzenden H e m b e ck aufgefordert, den Austritt der südwestfälischen Organisation aus der DVP. zu erklären. Der Vorsitzende Hembeck ist dieser Aufforderung nachgekornmen.
Die Parteilung der DVP. erklärt zum Austritt des Wahlkreises Westfalen-Süd, die telegraphische Erklärung Hembecks sei weder rechtlich fundiert, noch moralisch vertretbar. Heute schon stehe fest, daß die übergroße Mehrheit des Wahlkreises einen solchen Verrat an ihrer alten Partei und die Verleugnung aller nationalliberolen Traditionen a b - lehne. Die ordnungsmäßige Reubesetzung der Wahlkreisleitung werde unverzüglich aus dem Wahlkreis heraus durchgeführt, da dessen überwiegende Mehrheit zweifelsfrei hinter der Parteileitung stehe.
Oer Bierstreik in Berlin.
Die Berliner Gastwirte zu Verhandlungen bereit.
Berlin, 1. März. (TU.) Der Ortsausschuß der Gastwirtevereinigung Berlin hat in einer Versammlung festgestellt, daß der Bierstreik lediglich aus wirtschaftlichen Gründen begonnen worden ist, nicht aber infolge parteipolitischer Beeinflussung. Er richte sich daher nicht gegen die Regierung, sondern nnr gegen Maßnahmen auf dem Gebiet der Steuerpolitik und der Preissenkung. Dem Ortsausschuß sei es daher nicht möglich, den im guten Glauben seiner
Oie Sicherung -er Ernte 1932.
Oie Einschränkung der Nahrungsmitteleinfuhr. — Volle Einsetzung der Betriebsmittel.
Berlin, 1. März. (ERB.) Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hatte Vertreter der Presse zu einer Aussprache über die noch bestehenden Rotwendigkeiten der Sicherung der Ernte 1 9 32 eingeladen. Rittergutsbesitzer Dr. h. c. Schurig (Zeestow) wies darauf hin, daß Deutschland in Anbetracht der Devisenlage die Rahrungsmitteleinfuhr aus dem Auslande soweit wie irgend angängig, einschrän- k e n müsse. Der deutschen Landwirtschaft falle deshalb die wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe zu, einen möglichst großen Teil des deutschen Rahrungsmittelbedarfes aus eigener Erzeugung zu decken. Der Redner betonte den wertmäßigen Rückgang der Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse seit 1927. Das große seit Jahrzehnten erstrebte Ziel, das deutsche Volk aus eigener Scholle zu versorgen, sei annähernd erreicht. Sn diesem Augenblick drohe aber die Gefahr, daß die Landwirtschaft durch die Rot der Verhältnisse gezwungen sei, auf dem erfolgreich beschrittenen Wege umzukehren. Die DLG. richte in letzter Stunde einen Appell an die Landwirtschaft, tunlichst alle für die Erreichung einer guten Ernte unerläßlichen Betriebsmittel voll einzusehen und so Ernte und Volksernährung zu sichern.
In der Aussprache wies Reichsminister Dr. Schlange-Schöningen auf die Gefahren hin, die der deutschen Landwirtschaft und der gesamten deutschen Volkswirtschaft drohten, wenn nicht alle zur Verfügung stehenden Betriebsmittel eingesetzt werden würden, um eine möglichst große Ernte zu erzielen. Wenn die sich in der Umschuldung befindlichen Betriebe durch ungenügende Düngung in diesem Jahre schwere Betriebsver- lüfte erlitten, so müsse er als Reichskommissar für die Osthilfe heute schon jede Verantwortung für die Folgen ablehnen. Auch außenpolitisch werde das Reich durch ungenügende Versorgung mit Lebensmitteln aus eigener Produktion gefährdet. Der Minister wies den Gedanken einer Preis
garantie zurück. Derartige Garantien bedeuteten cinAbgehen von den privatwirtschaftliche Prinzipien, für deren unbedingte Auf- rechterhaltung die Landwirtschaft sonst stets eintrete. Da aber der Reichsregierung das besondere Kapitalrisiko, das bei der Ernte in diesem Jahre den Landwirt bedrohe, bekannt sei, sei sie bemüht, eine gesunde Kalkulationsbasis zu schaffen und diese Risiken weitgehend zu vermindern.
Oer Reichslandbund fordert Zollauionomie.
Berlin, 1. März. (WTB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hielt heute eine Sitzung ab, in der zur Zdll- und Handelspolitik eine Entschließung gefaßt wurde, in der es heißt, die Einführung des Maximaltarifes bedeute nämentlich angesichts der bestehenden Z o l l b i n« düngen und des herrschenden Meistbegün- st i g u n g s s y st e m s für die Landwirtschaft keine Verbesserung des noch völlig unzureichenden Schutzes der heimischen Agrarerzeugung. Das gelte insbesondere, solange die bisherigen Tendenzen der deutschen Zoll- und Handelspolitik beibehalten werden. Weiter wird behauptet, die Reichsregierung habe auf wichtigen Gebieten des landwirtschaftlichen Zollschutzes bis jetzt völlig versagt. Einzelmaßnahmen seien verspätet und unzureichend getroffen worden. Der Reichslandbund fordere die sofortige Einführung einer scharfen Kontingentierung der Einfuhr und baldigste Herstellung der Zollautonomie. Die Prcsseäuße- rungen, nach denen eine Uebereinstimmung zwischen In dustrie und Landwirt- schäft hinsichtlich des soeben von der Reichsregierung angekündigten Maximal-Zolltarises bestehen soll, seien unzutreffend. Maßgebliche Verhandlungen zwischen der Industrie und der Landwirtschaft hierüber haben nicht stattgefunden.
Mitglieder begonnenen Kampf lediglich um Verhandlungsmöglichkeiten zu finden, zu beenden. Der Ortsausschuß sei jedoch jederzeit bereit, mit den in Frage kommenden Behörden zu verhandeln. Er werde hierbei gern die Hilfe jeder Stelle annehmen, die eine überparteiliche Vermittlung übernehmen wolle. Die Industrie - und Handelskammer ist vom Ortsausschuß ersucht worden, sich auch im Snteresse der in Mitleidenschaft gezogenen Devölkerungsgruppen für eine Vermittlung einzusehen.
Oie Preissenkung bei der öffentlichen Hand.
Vorstellungen des Mittelstandskartells.
Berlin, l.März. (ERB.) Die von der Der- sammlung des Reichskartells des selbständigen Mittel st andes gewählte Kommission ist, wie das Reichskartell mitteilt, noch gestern nachmittag wegen der Senkung der Strompreise sowie der übrigen Werksgebühren, der öffentlichen Tarife und Abgaben mit dem Preisüberwachungskommissar in Verhandlungen eingetreten. Die Kommission, an der auch der Vorsitzende des Berliner Mittelstandskartells teilnahm, mochte den Preiskommissar allen Ernstes auf die Gefahren aufmerksam, die aus einem einseitigen Eingriff in die Preise erwachsen. Während die einzelnen Fachgruppen des selbständigen Mittelstandes bisher Bearbeitungsobjekte des Preiskommissars gewesen seien, hätte man sich an Monopole, Syndikate und die öffentliche Hand wenig ober gar nicht herangewagt. Entweder greife der Preiskommissar mit derselben Energie die Syndikatspreise und die Preise und Gebühren der öffentlichen Hand an, oder aber seine Verordnungen würden sehr schnell von keinem Menschen mehr ernst genommen. Darin liege die größte Gefahr, die sich vornehmlich aus dem Gegensatz der öffentlichen Wirtschaft gegenüber der Privatwirtschaft ergebe.
Reichskvmmissar Goerdeler erwiderte, daß von 1014 Elektrizitswerkcn 842 ihre Preise gesenkt hätten. Allerdings seien diejenigen, die noch nicht gesenkt hätten, d i e größten Werke. Die öffentlichen Tarife zu senken, habe er sich als besonderes Gebiet Vorbehalten. Es sei selbstverständlich, daß der gewaltsame Eingriff in die Preise nur dannZweck habe, wenn er auf de r ganzen Linie, also auch bei der öffentlichen Hand, erfolge. Die Mittelstandsvertreter erklärten, daß die Beschleunigung und der Umfang dieser Maßnahmen bestimmend seien für die Anordnung oder aber die Beendigung der jetzt im ganzen Reich zunehmenden Licht st reikbewegung.
Oie Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ein Vortrag Dr. Goerdelers.
Königsberg, 2. März. (ERB.) Auf Einladung der jungpreußischen Bewegung sprach in Köniasberg dessen früherer Bürgermeister und jetzige Oberbürgermeister von Leipzig, Reichskommissar für die Preisüberwachung Dr. Goerdeler. Als Grundthese seiner Ausführungen stellte Dr. Goerdeler die Forderung nüch möglichster E l a st i z i t ä t der deutschen Wirtschaft auf. Bei seiner Arbeit als Preiskommissar sei es ihm im wesentlichen auf eine Lösung der Preisbindungen und eine Ueberwachung der Preisspannen angekommen, die jetzt vom P u b l i - fum in der Praxis am wirksamsten fort« geführt werden könne. Dr. Goerdeler ging dann insbesondere auf die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein. Zur Zeit würden vom Reich und den Gemeinden jährlich rund 3,5 Milliarden RM. für Arbeitslose ausgegeben. Bei einer Zusammenlegung von Arbeitslosenfürsorge, Krisenfürsorge und Wohlsahrtssürsorge sei mit einer Ersparnis von 300 bis 500 9)1 ib Honen RM. zu rechnen. Ferner gebe eine elastischere Gestaltung der Tarifpolitik gewisse Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung. Dr. Goerdeler ging weiter auf den freiwilligen Arbeitsdienst ein, in dessen Rahmen 150000 bis 200 000 Menschen Arbeit finden könnten. Als weitere Möglichkeit der Belebung des
Arbeitsmarktes käme die Schaffung zusätzlicher Arbeit in Betracht, z.B. durch Aufforstung von 500 000 Morgen Oedland und durch Melioration von 1 Million Morgen Land; das gäbe Arbeit für 3 0 0 0 0 0 Menschen. Zur Beschaffung der Mittel könnten die Gesellschaften für öffentliche Arbeiten heran- gezogen werden. Alle diese Maßnahmen seien aber nur möglich auf der Basis gesicherter öffentlicher Etats. Das Ziel aller in Betracht kommenden Maßnahmen müsse sein eine Belebung der Kaufkraft, die aufgebaut werde auf vermehrter Produktion.
Einführung eines Markenregisters.
Berlin, 1. März. (WTB. Amtlich.) Zur verstärkten Kontrolle der preisgebundenen Markenwaren hat der Reichskommissar für Preisüberwachung die Ein- fvchrung eines Markenregisters angeordnet. Durch diese Markenregister werden laufend nicht nur diePreise und Rettomengen bzw. Retto- gewichte verfolgt, sondern auch vor allem die Entwicklung der Handelsspanne. Außerdem wird durch die neue Markenartikelverordnung nach einer allerdings längeren Tlebergangs- frift angeordnet, daß Markenartikel den Ausdruck der Rettomenge oder des Rettogewichts tragen.
Oer Memelkonfl ki.
DieMehrheitsparteien lehnen den Vorschlag Simmats ab.
Memel, 1. März. (WTB.) Die Fraktion der Landwirtschaftspartei und der Volkspartei waren heute zusammengetreten und haben nach der Sitzung dem vom Gouverneur zum Präsidenten des Memeldirektoriums ernannten Landes- rat Simmat heute mittag das nachstehende Schreiben überreicht: Sie haben in der Unterredung, die Sie. gestern mit Vertretern der Mehrheitsparteien über d i e Ernennung der Landesdirekt o r e n hatten, darauf bestanden, daß neben zwei Vertretern der Mehrheitsparteien (Wasch- kies und Luttkus) Landesrat Tolischus oder ein anderer Herr Ihrer Wahl als ßan» desdirektor in das Direktorium eintritt. Sie haben dabei zum Ausdruck gebracht, daß bei einer Abstimmung im Direktorium bei Stimmengleichheit Sie mit Ihrer Stimme den Ausschlag gäben. Bei einer solchen Zusammensetzung des Direktoriums würde die Vertretung der Mehrheitsparteien bedeutungslos fein, da sie bei eintretenden Unstimmigkeiten überstimmt würde. Wir können ein solches Direktorium nicht als Direktorium ansehen, da es nicht nach parlamentarischen Grundsätzen gebildet wurde. Die Herren Waschkies und Luttkus haben uns erklärt, daß sie es ablehnen, in ein solches Direktorium einzutreten. Aus der ersten mit Ihnen geführten Rücksprache war noch nicht zu übersehen, ob eine Ausgleichung der Ansichten herbeizuführen möglich wäre. Darüber könnte nur eine weitere Aussprache mit den Vertretern der Minderheitsparteien Klarheit schaffen.
Kunst und Wissenschaft.
Gerhart Hauptmann über Goethe.
Der deutsche Rundfunk gab gestern abend von der großen Rede Gerhart Hauptmanns über Goethe in der Columbia-Universität in Neuyork den Teil wieder, worin sich Hauptmann mit seinem persönlichen Goethe-Erlebnis und der großen kulturellen Bedeutung Goethes für unsere Zeit, auch in bezug auf das angelsächsische Geistesleben, beschäftigte. Der Redner schilderte seine Wanderungen als Student der Universität Jena zu den klassischen Stätten Goetheschen Wirkens und Lebens. Er zeigte ferner die gesellschaftlichen Wirkungskreise des großen deutschen Dichters auf und seine Beziehungen zu den Enzyklopädisten. Aber soviel« Fäden ihn auch mit dem Zeitalter der Aufklärung verbänden und so sehr er Vernunft und Wissenschaft als des „Menschen allerhöchste Kraft" verehrte, so sei gegenüber dieser apollinischen Natur des Meisters die dionysische, das Bewußtsein des Mysteriums „ein Teil des Teils zu sein, der anfangs alles war" stark und schöpferisch gewesen. Was in der Zeit von Goethes Tod bis zur Gegenwart ausgebüeben sei, gelte es nachzu-
holen. Hauptmann schloß mit den Worten: „Gehe» wir an die Arbeit, meine Damen und HerrenI"
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Gerhart Hauptmann wurde von der Columbia-Universität zum Ehrendoktor der Rechte ernannt.
Aus aller Welt.
Zusammenlegung der Industrie-u. Handelskammern Kassel und Mühlhausen.
Die Sndustrie- und Handelskammern Kassel und Mühlhausen haben, von dem Bestreben nach Verstärkung des Wirkungsgrades der amtlichen Berufsvertretung von Industrie, Handel und Verkehr ihrer Bezirke und nach Schaffung einer möglichst zweckmäßigen Verwaltungsorganisation beseelt, vereinbart, zur Durchführung der gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Interessen ihrer Bezirke und Firmen die Bezirke ihrer beiden Kammern zusammenzulegen und eine Kammer mit dem Sih in Kassel zu errichten. Zur Vertretung der lokalen Belange des Stadt- und Landkreises Mühlhausen und der Kreise Worbis und Heiligenstadt erhält Mühlhausen eine Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer.
Repe Kleinsiedler- und Kleingarlensiellen.
In der Zeit vom 25. Februar bis^März 1932 sind 1128 Kleinsiedlerstellen bewilligt worden, u. a. Hindenburg (Oberschlesien) 60, Westfalen 125, Meiningen 55, Elmschenhagen-Schleswig-Holstein 50, Braunschweig 126, Halle a. d. Saale 140, Mansfeld-Land 100, Mainz 100. Ebenso sind in derselben Zeit zahlreiche Kleingartenstellen bewilligt worden, so in Hindenburg (Oberschlesien) 245, Zittau 120, Wurzen 100, Leipzig 1000, Spremberg (Lausitz) 100, Hirschberg 102, Krefeld-Uerdingen 320, Altenburg (Thür.) 100, Braunschweig-Stadt 225.
Mord an einem Reichsbahnassistenten.
Auf dem Bahnhof Sondelfingen bei Reutlingen wurde kurz nach Mitternacht der diensttuende Beamte Reichsbahnassistent Veit i m Fahrdienst zimmer überfallen und getötet. Der Beamte wurde kurz nach der Durchfahrt des letzten Zuges um 0.15 Llhr von einem auf die Hilferufe herbeigeeilten Weichenwärter neben seinem Schreibtisch liegend schwer verletzt aufgefunden. Er hatte mehrere Messerstiche in der Brust; ein auf ihn abgegebener Pistolenschuß war vom Schlüsselbein bis in die Rierengegend durchgedrungen. Der Beamte muh überfallen worden sein, solange er mit der Geldabrechnung beschäftigt war. Der Täter, der es offenbar auf einen Kassenraub, abgesehen hatte, ließ das zur Ablieferung bereitgelegte Geld liegen und flüchtete unerkannt. Dis jetzt fehlt jede Spur von ihm.
Geheimnisvolle Entführung
des Söhnchens von Oberst Lindbergh.
Der kleine Sohn des durch seinen Ozeanflug berühmt gewordenen amerikanischen Flieger-Obersten Lindbergh war zur gewohnten Zeit um 19.30 älhr zu Bett gebracht worden. Als dann jemand um 22 Tlhr nach ihm sah, war es aus - dem Schlafzimmer verschwunden. Der Raub erfolgte in dem neuen V^hnsitz des Fliegers in dem Hügelland von Hopewell. Das Haus liegt einsam und weit entfernt von den Verkehrs- ftraßen. An seiner Vorderseite dehnt sich offenes Land aus, an seine Rückseite grenzen dichte Wälder. Sn der weiteren Rachbarschaft wohnen nur Farmer. Oberst Lindbergh und seine Frau hatten das Grundstück von einem Flugzeug aus gesehen und ausgesucht, da sie sich infolge seiner Abgelegenheit völlige Ruhe versprachen.
Wettrennen zur englischen Küste.
Die englische Presse bringt aufsehenerregende Be- richte über große Wettrennen der ausländischen Schiffe nach englischen Häfen, die ihre Waren noch vor dem Inkrafttreten der Schutzzölle in englische Häsen bringen wollen. Vielen Schiffen sei es infolge des Sturmes nicht gelungen, rechtzeitig anzukommen, was einen Mehrgewinn von vielen taufend Pfund für das Schatzamt bedeute. Die große Zahl der noch im letzten Augenblick angekommenen Schiffe habe für die Zollbeamten eine ganz ungeheure Mehrbelastung bedeutet.
Schneefall in Rom.
Sn Rom und Umgebung hat es erheblich geschneit. Die Straßenkehrer mußten, was hier seit drei Sahren nicht mehr vorgekommen ist, sogar Schnee schippen. Sn den großen öffentlichen Parks vergnügte sich die römische Su- gend mit dem seltenen Vergnügen einer Schnee- b al l s ch l a ch t. Auch aus Mailand und Genua werden stärkere Schneefälle gemeldet.
Todesurteil für einen mehrfachen Raubmörder.
Das Posener Standgericht verurteilte den mehrfachen Raubmörder Frankowski, der auch in Pommern zwei Morde und mehrere schwere Raubüberfälle verübt hatte, zum Tode durch den Strang, obwohl er seine ihm zur Last gelegten Verbrechen leugnete und nur seine in Deutschland verübten Untaten zugab.
Der Bruder des Reichspräsidenten gestorben.
In Lübeck ist Bernhard v. Hindenburg, der Bruder des Reichspräsidenten, im 74. Lebensjahre gestorben. Bernhard von Hindenburg, der am 17. Januar 1859 in Glogau geboren wurde, war früher Offizier und widmete sich später schriftstelle« rischer Tcttiakeit. U. a. hat er im Jahre 1915 ein Lebensbild seines Bruders veröffentlicht.
Wcttervorausiage.
Die kräf ttge Sonnenstrahlung wirkt sich am Tage weiter aus, so daß die über dem Festlande lagernde Lust immer mehr erwärmt wird. Dabei geht das Barometer zurück, und die Frostwetterlage kommt allmählich zum Abbau, zumal auch über Island Störungstätigkeit stärker zur Geltung kommt. Das seitherige Tief über der Discaya schiebt sich zwar immer weiter nach Frankreich vor, kommt aber vorerst noch nicht recht zur Entwicklung, da über ganz Mitteleuropa noch kontinentale Luftzufuhr herrscht. Erst allmählich dürfte die milde ozeanische Luft in der Höhe nach dem Festlande Vordringen und zum Auftreten von Bewölkung und weiterer Erwärmung führen. Die Temperaturen bleiben nachts zunächst ncxh etwas unter Rull.
Aussichten für Donnerstag: Weitere Milderung, nachts Temperaturen noch etwas unter Null, bewölkt, trocken.
Aussichten für Freitag: Fortschreitende Erwärmung und Zunahme der Bewölkung.
Lufttemperaturen. Am l.März, mittags: + 4,9 Grad Cels., abends: — 0,5 Grad ©elf. Am 2. März, morgens: — 4,2 Grad Cels. Maximum: + 5,0 Grad Cels., Minimum: — 4,8 Grad Cels. Sonnenscheindauer: 91/* Stunden.
Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am l.März, abends: — 0,8 Grad Cels.
1 Am 2. März, morgens: — 0,8 Grad Seit


