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Die Pressefreiheit im Wahlkampf.

Zusicherungen der Innenminister.

Berlin, 1. März. (51t.) Sn einigen Blättern 3ft behauptet worben, die preußische Regie­rung beabsichtigt, den Zeitungen unmittelbar vor der Reichspräsidentenwahl einen Aufruf zur zwangsweisen Veröffentlichung zuzustellen, der sich g e g e n d i e K a n d i d a t u r Hitlers wende. An zuständiger preußischer Stelle wird versichert, daß diese Rachricht völ­lig aus der Luft gegriffen sei. Ange­sichts der Beunruhigung, die in einem Teil der Oeffentlichkeit über Anweisungen der preußischen Regierung an die Ober- und Regierungspräsi­denten hinsichtlich der Anwendung der Presse­verordnung entstanden ist, wird an preußischer Stelle Wert auf die Feststellung gelegt, daß nur in besonders krassen Fällen, wie grober Verleumdung und Beleidigung, zu Auf­lagenachrichten bzw. scharfen Gegenmaß­nahmen gegriffen werden soll. Auch derReichs - i n n e n m i n i st c r erklärt, daß gegen grobe Aus- schreitringen in der Presse selbstverständlich nach­drücklichst eingeschritten werde: es könne aber für die Zeit des Wahlkampfes auf jeden Fall mit einer loyalen Auslegung der Verord­nung durch das Reichsinnenministerium gerech­net werden.

Oie Harzburger Opposition.

Eine Richtigstellung der Deutschnationalen.

Berlin l.März. (CAD.) Di,e Deutsch- nationaleP resse st elle teilt mit: Sn einer nationalsozialistischen Versammlung, die am Mon­tag in Holzminden stattfand, gab der national­sozialistische Gaupropagandaleiter G u t t e r e r (Hannover) eine, wie er behauptete, Partei- offiziöse Erklärung ab, in der er sagte, zwischen Dr. Hugenberg und dem Reichskanz­ler Dr. Brüning habe vor einigen Tagen eine Besprechung stattgefunden, in der Hugenberg sich verpflichtet habe, im zweiten Wahl­gang seine Anhänger zur Wahl Hinden­burgs aufzufordern unter der Bedingung, daß Brüning zurücktrete, Groener Reichskanzler und Düst erbergRerchs- wehrminister werde. Es sei daher zu erwar­ten, daß Deutschnationale und Stahlhelm im zwei­ten Wahlgang für Hindenburg gegen Hit'er stim­men würden.Diese Behauptung", so heißt es weiter in der Mitteilung der Deutschnationalen Pressestelle, ..von der wir nicht annehmen können, daß sic im Auftrage einer veranwortlichen Stelle der RSDAP. aufgestellt ist, stellt sich als eine ungewöhnlich dreiste Wahllüge dar. Eine Besprechung zwischen Hugenberg und Brü­ning hat überhaupt nicht stattgefunden. Abma­chungen in Bezug auf den zweiten Wahlgang sind nach keinerRichtung hin getroffen worden." OerReichslandbund gegen Hindenburg

Berlin, l.März. (ERB.) Der Bundesvor­stand des Reichslandbundes nahm in seiner heuti­gen Sitzung eine Entschließung an, in der fest- gestellt wird, die nationale Opposition habe die Proklamation Hindenburgs durch die Parteien des Weimarer Systems m i t der Heraus st ellung ihrer Vor­kämpfer Hitler und Duesterberg be­antwortet. Der Reichslandbund stehe i m Lager der nationalen Opposition. Er werde seine Stimme nicht für Hindenburg einsehen. Der Kampf für den einen der beiden Kandidaten der nationalen Opposition dürfe nicht zum Kampf gegen den anderen werden. Der gemeinsame Kampf richte sichgegen die Herr- "Ichaft der verderblichen Kräfte, die für die Srr- wege unserer bisherigen gesamtstaatlichen und Wirtschaftspolitik" veranwortlich sind.

Falsche Behauptungen.

Berlin, l.März. (TU.) Gegenüber immer wie­der in der Presse auftauchenden Nachrichten, daß der Staatssekretär des Reichspräsidenten, Dr. Meißner, und sein Sohn und Adjutant, O b e r st von Hindenburg, Sozialdemokraten seien, wird von amtlicher Stelle ausdrücklich darauf hinge­wiesen, daß derartige Meldungen in keiner Weise den Tatsachen entsprechen. Der Staatssekretär Meißner ist aus der elsaß-lothringi­schen Beamtenlaufbahn hervorgegangen, war 1906 Assessor und 1911 kaiserlicher Regierungsrat in Straßburg. Er hat sich nie parteipolitisch betätigt und gehört auch keiner politi­schen Partei an. Als Hauptmann der Reserve hat er auch am Krieg teilgenommen. Oberst von Hindenburg ist nur Offizier und als sol­chem kommt für ihn von vornherein keinerlei politische Betätigung in Frage; er hat auch nie einer politischen Partei an« gehört.

Oie Deutsche Bolkspartei im Wahlkreis Westfalen-Süd.

Dortmund, l.März. (ERB.) Der engste Vorstand der Deutschen Volkspartei von Westfalen-Süd hat heute den zur Zeit in Berlin an einer Staatsratssitzung teilnehmenden Vor­sitzenden H e m b e ck aufgefordert, den Aus­tritt der südwestfälischen Organisation aus der DVP. zu erklären. Der Vorsitzende Hembeck ist dieser Aufforderung nachgekornmen.

Die Parteilung der DVP. erklärt zum Austritt des Wahlkreises Westfalen-Süd, die telegraphische Erklärung Hembecks sei weder rechtlich fundiert, noch moralisch ver­tretbar. Heute schon stehe fest, daß die über­große Mehrheit des Wahlkreises einen solchen Verrat an ihrer alten Partei und die Verleug­nung aller nationalliberolen Traditionen a b - lehne. Die ordnungsmäßige Reubesetzung der Wahlkreisleitung werde unverzüglich aus dem Wahlkreis heraus durchgeführt, da dessen über­wiegende Mehrheit zweifelsfrei hinter der Par­teileitung stehe.

Oer Bierstreik in Berlin.

Die Berliner Gastwirte zu Verhandlungen bereit.

Berlin, 1. März. (TU.) Der Ortsausschuß der Gastwirtevereinigung Berlin hat in einer Versammlung festgestellt, daß der Bierstreik le­diglich aus wirtschaftlichen Grün­den begonnen worden ist, nicht aber infolge parteipolitischer Beeinflussung. Er richte sich da­her nicht gegen die Regierung, sondern nnr gegen Maßnahmen auf dem Ge­biet der Steuerpolitik und der Preissenkung. Dem Ortsausschuß sei es daher nicht möglich, den im guten Glauben seiner

Oie Sicherung -er Ernte 1932.

Oie Einschränkung der Nahrungsmitteleinfuhr. Volle Einsetzung der Betriebsmittel.

Berlin, 1. März. (ERB.) Die Deutsche Land­wirtschaftsgesellschaft hatte Vertreter der Presse zu einer Aussprache über die noch bestehenden Rotwendigkeiten der Sicherung der Ernte 1 9 32 eingeladen. Rittergutsbesitzer Dr. h. c. Schurig (Zeestow) wies darauf hin, daß Deutschland in Anbetracht der Devisenlage die Rahrungsmitteleinfuhr aus dem Aus­lande soweit wie irgend angängig, einschrän- k e n müsse. Der deutschen Landwirtschaft falle deshalb die wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe zu, einen möglichst großen Teil des deutschen Rahrungsmittelbedarfes aus eigener Er­zeugung zu decken. Der Redner betonte den wertmäßigen Rückgang der Einfuhr land­wirtschaftlicher Erzeugnisse seit 1927. Das große seit Jahrzehnten erstrebte Ziel, das deutsche Volk aus eigener Scholle zu versorgen, sei an­nähernd erreicht. Sn diesem Augenblick drohe aber die Gefahr, daß die Landwirtschaft durch die Rot der Verhältnisse ge­zwungen sei, auf dem erfolgreich beschrittenen Wege umzukehren. Die DLG. richte in letzter Stunde einen Appell an die Landwirtschaft, tun­lichst alle für die Erreichung einer guten Ernte unerläßlichen Betriebsmittel voll ein­zusehen und so Ernte und Volksernährung zu sichern.

In der Aussprache wies Reichsminister Dr. Schlange-Schöningen auf die Gefahren hin, die der deutschen Landwirtschaft und der gesamten deutschen Volkswirtschaft drohten, wenn nicht alle zur Verfügung stehenden Betriebsmittel eingesetzt werden würden, um eine möglichst große Ernte zu erzielen. Wenn die sich in der Umschuldung be­findlichen Betriebe durch ungenügende Düngung in diesem Jahre schwere Betriebsver- lüfte erlitten, so müsse er als Reichskommissar für die Osthilfe heute schon jede Verantwortung für die Folgen ablehnen. Auch außenpolitisch werde das Reich durch ungenügende Versorgung mit Le­bensmitteln aus eigener Produktion gefährdet. Der Minister wies den Gedanken einer Preis­

garantie zurück. Derartige Garantien bedeuteten cinAbgehen von den privatwirtschaft­liche Prinzipien, für deren unbedingte Auf- rechterhaltung die Landwirtschaft sonst stets eintrete. Da aber der Reichsregierung das besondere Kapitalrisiko, das bei der Ernte in diesem Jahre den Landwirt bedrohe, bekannt sei, sei sie bemüht, eine gesunde Kalkulationsba­sis zu schaffen und diese Risiken weitgehend zu vermindern.

Oer Reichslandbund fordert Zollauionomie.

Berlin, 1. März. (WTB.) Der Bundesvor­stand des Reichslandbundes hielt heute eine Sitzung ab, in der zur Zdll- und Handelspolitik eine Ent­schließung gefaßt wurde, in der es heißt, die Ein­führung des Maximaltarifes bedeute nämentlich angesichts der bestehenden Z o l l b i n« düngen und des herrschenden Meistbegün- st i g u n g s s y st e m s für die Landwirtschaft keine Verbesserung des noch völlig unzu­reichenden Schutzes der heimischen Agrarerzeugung. Das gelte insbesondere, solange die bisherigen Tendenzen der deutschen Zoll- und Handels­politik beibehalten werden. Weiter wird be­hauptet, die Reichsregierung habe auf wichtigen Gebieten des landwirtschaftlichen Zollschutzes bis jetzt völlig versagt. Einzelmaßnahmen seien verspätet und unzureichend getroffen wor­den. Der Reichslandbund fordere die sofortige Einführung einer scharfen Kontin­gentierung der Einfuhr und baldigste Her­stellung der Zollautonomie. Die Prcsseäuße- rungen, nach denen eine Uebereinstimmung zwischen In dustrie und Landwirt- schäft hinsichtlich des soeben von der Reichsregie­rung angekündigten Maximal-Zolltarises bestehen soll, seien unzutreffend. Maßgebliche Ver­handlungen zwischen der Industrie und der Land­wirtschaft hierüber haben nicht stattgefunden.

Mitglieder begonnenen Kampf lediglich um Ver­handlungsmöglichkeiten zu finden, zu beenden. Der Ortsausschuß sei jedoch jederzeit be­reit, mit den in Frage kommenden Behörden zu verhandeln. Er werde hierbei gern die Hilfe jeder Stelle annehmen, die eine über­parteiliche Vermittlung übernehmen wolle. Die Industrie - und Handelskam­mer ist vom Ortsausschuß ersucht worden, sich auch im Snteresse der in Mitleidenschaft gezoge­nen Devölkerungsgruppen für eine Vermittlung einzusehen.

Oie Preissenkung bei der öffentlichen Hand.

Vorstellungen des Mittelstandskartells.

Berlin, l.März. (ERB.) Die von der Der- sammlung des Reichskartells des selb­ständigen Mittel st andes gewählte Kom­mission ist, wie das Reichskartell mitteilt, noch gestern nachmittag wegen der Senkung der Strompreise sowie der übrigen Werksge­bühren, der öffentlichen Tarife und Abgaben mit dem Preisüberwachungskommissar in Verhandlungen eingetreten. Die Kommission, an der auch der Vorsitzende des Berliner Mittelstandskar­tells teilnahm, mochte den Preiskommissar allen Ernstes auf die Gefahren aufmerksam, die aus einem einseitigen Eingriff in die Preise er­wachsen. Während die einzelnen Fachgruppen des selbständigen Mittelstandes bisher Bearbeitungsob­jekte des Preiskommissars gewesen seien, hätte man sich an Monopole, Syndikate und die öffentliche Hand wenig ober gar nicht herangewagt. Entweder greife der Preiskom­missar mit derselben Energie die Syndikatspreise und die Preise und Gebühren der öffentlichen Hand an, oder aber seine Verordnungen würden sehr schnell von keinem Menschen mehr ernst genommen. Darin liege die größte Gefahr, die sich vornehmlich aus dem Gegensatz der öffentlichen Wirtschaft gegen­über der Privatwirtschaft ergebe.

Reichskvmmissar Goerdeler erwiderte, daß von 1014 Elektrizitswerkcn 842 ihre Preise gesenkt hätten. Allerdings seien die­jenigen, die noch nicht gesenkt hätten, d i e größten Werke. Die öffentlichen Tarife zu senken, habe er sich als besonderes Gebiet Vor­behalten. Es sei selbstverständlich, daß der ge­waltsame Eingriff in die Preise nur dannZweck habe, wenn er auf de r ganzen Linie, also auch bei der öffentlichen Hand, erfolge. Die Mittelstandsvertreter erklärten, daß die Be­schleunigung und der Umfang dieser Maßnahmen bestimmend seien für die Anordnung oder aber die Beendigung der jetzt im ganzen Reich zunehmen­den Licht st reikbewegung.

Oie Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ein Vortrag Dr. Goerdelers.

Königsberg, 2. März. (ERB.) Auf Ein­ladung der jungpreußischen Bewegung sprach in Köniasberg dessen früherer Bürgermeister und jetzige Oberbürgermeister von Leipzig, Reichskommissar für die Preisüberwachung Dr. Goerdeler. Als Grundthese seiner Ausführungen stellte Dr. Goerde­ler die Forderung nüch möglichster E l a st i z i t ä t der deutschen Wirtschaft auf. Bei seiner Arbeit als Preiskommissar sei es ihm im wesent­lichen auf eine Lösung der Preisbindun­gen und eine Ueberwachung der Preis­spannen angekommen, die jetzt vom P u b l i - fum in der Praxis am wirksamsten fort« geführt werden könne. Dr. Goerdeler ging dann insbesondere auf die Möglichkeiten zur Bekämp­fung der Arbeitslosigkeit ein. Zur Zeit würden vom Reich und den Gemeinden jährlich rund 3,5 Milliarden RM. für Arbeitslose ausgegeben. Bei einer Zusammenlegung von Arbeitslosen­fürsorge, Krisenfürsorge und Wohlsahrtssürsorge sei mit einer Ersparnis von 300 bis 500 9)1 ib Honen RM. zu rechnen. Ferner gebe eine ela­stischere Gestaltung der Tarifpolitik gewisse Möglichkeiten der Arbeitsbeschaf­fung. Dr. Goerdeler ging weiter auf den frei­willigen Arbeitsdienst ein, in dessen Rah­men 150000 bis 200 000 Menschen Arbeit finden könnten. Als weitere Möglichkeit der Belebung des

Arbeitsmarktes käme die Schaffung zusätz­licher Arbeit in Betracht, z.B. durch Auf­forstung von 500 000 Morgen Oedland und durch Melioration von 1 Million Morgen Land; das gäbe Arbeit für 3 0 0 0 0 0 Menschen. Zur Beschaffung der Mittel könnten die Gesell­schaften für öffentliche Arbeiten heran- gezogen werden. Alle diese Maßnahmen seien aber nur möglich auf der Basis gesicherter öffentlicher Etats. Das Ziel aller in Be­tracht kommenden Maßnahmen müsse sein eine Belebung der Kaufkraft, die aufgebaut werde auf vermehrter Produktion.

Einführung eines Markenregisters.

Berlin, 1. März. (WTB. Amtlich.) Zur verstärkten Kontrolle der preis­gebundenen Markenwaren hat der Reichskommissar für Preisüberwachung die Ein- fvchrung eines Markenregisters angeordnet. Durch diese Markenregister werden laufend nicht nur diePreise und Rettomengen bzw. Retto- gewichte verfolgt, sondern auch vor allem die Entwicklung der Handelsspanne. Außer­dem wird durch die neue Markenartikelverord­nung nach einer allerdings längeren Tlebergangs- frift angeordnet, daß Markenartikel den Aus­druck der Rettomenge oder des Rettogewichts tragen.

Oer Memelkonfl ki.

DieMehrheitsparteien lehnen den Vorschlag Simmats ab.

Memel, 1. März. (WTB.) Die Fraktion der Landwirtschaftspartei und der Volks­partei waren heute zusammengetreten und haben nach der Sitzung dem vom Gouverneur zum Prä­sidenten des Memeldirektoriums ernannten Landes- rat Simmat heute mittag das nachstehende Schreiben überreicht: Sie haben in der Unterredung, die Sie. gestern mit Vertretern der Mehrheitspar­teien über d i e Ernennung der Landes­direkt o r e n hatten, darauf bestanden, daß ne­ben zwei Vertretern der Mehrheitsparteien (Wasch- kies und Luttkus) Landesrat Tolischus oder ein anderer Herr Ihrer Wahl als ßan» desdirektor in das Direktorium eintritt. Sie haben dabei zum Ausdruck gebracht, daß bei einer Abstim­mung im Direktorium bei Stimmengleichheit Sie mit Ihrer Stimme den Ausschlag gäben. Bei einer solchen Zusammensetzung des Direkto­riums würde die Vertretung der Mehrheitsparteien bedeutungslos fein, da sie bei eintretenden Unstimmigkeiten überstimmt würde. Wir kön­nen ein solches Direktorium nicht als Direktorium ansehen, da es nicht nach parlamentari­schen Grundsätzen gebildet wurde. Die Herren Waschkies und Luttkus haben uns erklärt, daß sie es ablehnen, in ein solches Direktorium einzutreten. Aus der ersten mit Ihnen geführten Rücksprache war noch nicht zu übersehen, ob eine Ausgleichung der Ansichten herbeizuführen möglich wäre. Darüber könnte nur eine weitere Aussprache mit den Vertretern der Minderheitsparteien Klar­heit schaffen.

Kunst und Wissenschaft.

Gerhart Hauptmann über Goethe.

Der deutsche Rundfunk gab gestern abend von der großen Rede Gerhart Hauptmanns über Goethe in der Columbia-Universität in Neuyork den Teil wieder, worin sich Hauptmann mit seinem persön­lichen Goethe-Erlebnis und der großen kulturellen Bedeutung Goethes für unsere Zeit, auch in bezug auf das angelsächsische Geistesleben, beschäftigte. Der Redner schilderte seine Wanderungen als Student der Universität Jena zu den klassischen Stätten Goetheschen Wirkens und Lebens. Er zeigte ferner die gesellschaftlichen Wirkungskreise des großen deut­schen Dichters auf und seine Beziehungen zu den Enzyklopädisten. Aber soviel« Fäden ihn auch mit dem Zeitalter der Aufklärung verbänden und so sehr er Vernunft und Wissenschaft als desMenschen allerhöchste Kraft" verehrte, so sei gegenüber dieser apollinischen Natur des Meisters die dionysische, das Bewußtsein des Mysteriumsein Teil des Teils zu sein, der anfangs alles war" stark und schöpferisch gewesen. Was in der Zeit von Goethes Tod bis zur Gegenwart ausgebüeben sei, gelte es nachzu-

holen. Hauptmann schloß mit den Worten:Gehe» wir an die Arbeit, meine Damen und HerrenI"

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Gerhart Hauptmann wurde von der Colum­bia-Universität zum Ehrendoktor der Rechte ernannt.

Aus aller Welt.

Zusammenlegung der Industrie-u. Handelskammern Kassel und Mühlhausen.

Die Sndustrie- und Handelskammern Kassel und Mühlhausen haben, von dem Bestreben nach Verstärkung des Wirkungsgrades der amtlichen Berufsvertretung von Industrie, Handel und Ver­kehr ihrer Bezirke und nach Schaffung einer mög­lichst zweckmäßigen Verwaltungsorganisation be­seelt, vereinbart, zur Durchführung der gemein­schaftlichen wirtschaftlichen Interessen ihrer Be­zirke und Firmen die Bezirke ihrer beiden Kam­mern zusammenzulegen und eine Kammer mit dem Sih in Kassel zu errichten. Zur Vertretung der lokalen Belange des Stadt- und Landkreises Mühlhausen und der Kreise Worbis und Heiligenstadt erhält Mühlhausen eine Zweigstelle der Industrie- und Handels­kammer.

Repe Kleinsiedler- und Kleingarlensiellen.

In der Zeit vom 25. Februar bis^März 1932 sind 1128 Kleinsiedlerstellen bewilligt worden, u. a. Hindenburg (Oberschlesien) 60, Westfalen 125, Mei­ningen 55, Elmschenhagen-Schleswig-Holstein 50, Braunschweig 126, Halle a. d. Saale 140, Mans­feld-Land 100, Mainz 100. Ebenso sind in der­selben Zeit zahlreiche Kleingartenstellen bewilligt worden, so in Hindenburg (Oberschlesien) 245, Zit­tau 120, Wurzen 100, Leipzig 1000, Spremberg (Lausitz) 100, Hirschberg 102, Krefeld-Uerdingen 320, Altenburg (Thür.) 100, Braunschweig-Stadt 225.

Mord an einem Reichsbahnassistenten.

Auf dem Bahnhof Sondelfingen bei Reutlingen wurde kurz nach Mitternacht der diensttuende Beamte Reichsbahnassistent Veit i m Fahrdienst zimmer überfallen und getötet. Der Beamte wurde kurz nach der Durchfahrt des letzten Zuges um 0.15 Llhr von einem auf die Hilferufe herbeigeeilten Wei­chenwärter neben seinem Schreibtisch liegend schwer verletzt aufgefunden. Er hatte mehrere Messerstiche in der Brust; ein auf ihn abgegebener Pistolenschuß war vom Schlüsselbein bis in die Rierengegend durchgedrungen. Der Beamte muh überfallen worden sein, solange er mit der Geldabrechnung beschäftigt war. Der Täter, der es offenbar auf einen Kassenraub, abgesehen hatte, ließ das zur Ablieferung bereitgelegte Geld liegen und flüch­tete unerkannt. Dis jetzt fehlt jede Spur von ihm.

Geheimnisvolle Entführung

des Söhnchens von Oberst Lindbergh.

Der kleine Sohn des durch seinen Ozeanflug be­rühmt gewordenen amerikanischen Flieger-Ober­sten Lindbergh war zur gewohnten Zeit um 19.30 älhr zu Bett gebracht worden. Als dann jemand um 22 Tlhr nach ihm sah, war es aus - dem Schlafzimmer verschwunden. Der Raub erfolgte in dem neuen V^hnsitz des Fliegers in dem Hügelland von Hopewell. Das Haus liegt einsam und weit entfernt von den Verkehrs- ftraßen. An seiner Vorderseite dehnt sich offenes Land aus, an seine Rückseite grenzen dichte Wäl­der. Sn der weiteren Rachbarschaft wohnen nur Farmer. Oberst Lindbergh und seine Frau hatten das Grundstück von einem Flugzeug aus gesehen und ausgesucht, da sie sich infolge seiner Abge­legenheit völlige Ruhe versprachen.

Wettrennen zur englischen Küste.

Die englische Presse bringt aufsehenerregende Be- richte über große Wettrennen der auslän­dischen Schiffe nach englischen Häfen, die ihre Waren noch vor dem Inkrafttre­ten der Schutzzölle in englische Häsen brin­gen wollen. Vielen Schiffen sei es infolge des Sturmes nicht gelungen, rechtzeitig anzukommen, was einen Mehrgewinn von vielen taufend Pfund für das Schatzamt bedeute. Die große Zahl der noch im letzten Augenblick angekommenen Schiffe habe für die Zollbeamten eine ganz ungeheure Mehrbe­lastung bedeutet.

Schneefall in Rom.

Sn Rom und Umgebung hat es erheblich ge­schneit. Die Straßenkehrer mußten, was hier seit drei Sahren nicht mehr vorgekommen ist, sogar Schnee schippen. Sn den großen öf­fentlichen Parks vergnügte sich die römische Su- gend mit dem seltenen Vergnügen einer Schnee- b al l s ch l a ch t. Auch aus Mailand und Genua werden stärkere Schneefälle gemeldet.

Todesurteil für einen mehrfachen Raubmörder.

Das Posener Standgericht verurteilte den mehrfachen Raubmörder Frankowski, der auch in Pommern zwei Morde und meh­rere schwere Raubüberfälle verübt hatte, zum Tode durch den Strang, obwohl er seine ihm zur Last gelegten Verbrechen leugnete und nur seine in Deutschland verübten Untaten zugab.

Der Bruder des Reichspräsidenten gestorben.

In Lübeck ist Bernhard v. Hindenburg, der Bruder des Reichspräsidenten, im 74. Lebens­jahre gestorben. Bernhard von Hindenburg, der am 17. Januar 1859 in Glogau geboren wurde, war früher Offizier und widmete sich später schriftstelle« rischer Tcttiakeit. U. a. hat er im Jahre 1915 ein Lebensbild seines Bruders veröffentlicht.

Wcttervorausiage.

Die kräf ttge Sonnenstrahlung wirkt sich am Tage weiter aus, so daß die über dem Festlande la­gernde Lust immer mehr erwärmt wird. Dabei geht das Barometer zurück, und die Frostwetterlage kommt allmählich zum Abbau, zumal auch über Island Störungstätigkeit stärker zur Geltung kommt. Das seitherige Tief über der Discaya schiebt sich zwar immer weiter nach Frankreich vor, kommt aber vorerst noch nicht recht zur Ent­wicklung, da über ganz Mitteleuropa noch kon­tinentale Luftzufuhr herrscht. Erst allmählich dürfte die milde ozeanische Luft in der Höhe nach dem Festlande Vordringen und zum Auftreten von Bewölkung und weiterer Erwärmung führen. Die Temperaturen bleiben nachts zunächst ncxh etwas unter Rull.

Aussichten für Donnerstag: Weitere Milderung, nachts Temperaturen noch etwas unter Null, bewölkt, trocken.

Aussichten für Freitag: Fortschreitende Erwärmung und Zunahme der Bewölkung.

Lufttemperaturen. Am l.März, mit­tags: + 4,9 Grad Cels., abends: 0,5 Grad ©elf. Am 2. März, morgens: 4,2 Grad Cels. Maximum: + 5,0 Grad Cels., Minimum: 4,8 Grad Cels. Sonnenscheindauer: 91/* Stunden.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am l.März, abends: 0,8 Grad Cels.

1 Am 2. März, morgens: 0,8 Grad Seit