b«itsstLtten jener sind, die heute die Wirtschaftskrise zur Arbeitslosigkeit verurteilt.
Der entscheidende Grund für die Wirtschaftskrise Deutschlands aber liegt in der Zerreißung der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge. Deutschland hatte in den Jahren von 1924 bis 1927 seinen volkswirtschaftlichen Apparat erneuert. Es erlebte 1926 eine erste Krise. Manche Betriebe erwiesen sich als unrentabel. Solche Verluste mußten hingenommen werden. Zwar war damit zu rechnen, daß das Ausland in stärkerem Maße als vor dem Kriege eigene Industrien entwickeln würde. Aber diese unausbleiblichen Spannungen und Depressionen wurden zu vernichtender Krise erst dadurch, daß in raschem Abbruch dos Ausland die kapitalisti- fchen wie die Handelsbeziehungen zu Deutschland löste. Je mehr Deutschland wirtschaftliche und politische Schulden zu bezahlen hatte, desto mehr hätte die Welt bereit sein müssen, ihm Waren und Dienste abzunehmen. Keine kapitalistische Weltwirtschaft, ja überhaupt keine Weltwirtschaft ist ohne solchen Ausgleich denk- bar Schon immer boten Kapitaldarleihungen dem Schuldnerland die Möglichkeit, seine Wirtschaft zu entwickeln und so seine Schulden durch Warenlieferungen in das Gläubigerland oder an dritte Märkte obzutragen, deren Erlöse dann an das Gläubigerland zurückflossen. Und wenn einmal Kapitaldarleihungen, entgegen der Absicht und den Erwartungen der Darleiher, nicht solche wirtschaftlichen Gegen- kräfte schufen, so mußte von diesen Forderungen un- weigerlich soviel nachgelassen werden, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt war.
Den politischen Schulden Deutschlands stand irgendeine Kräftesteigerung überhaupt nicht entgegen. Sie wären nur zahlbar gewesen, wenn die Entwicklung Deutschlands durch eine besonders ergiebige Verwendung heimischer deutscher Wirtschaftskraft und fremder Kapitaldarleihungen sich so gesteigert hätte, daß über Lebens- und Kapitalbil- dungsbedarf Deutschlands und über den wirtschaft- lichen Zinsendienst hinaus weitere Erträge sich gebildet und aus ihnen ohne Schädigung der notwendigen Kapitalentwickluna jene Leistungen hätten bewirkt werden können. Die Entwicklung hat gezeigt, daß das nicht möglich war, mehr, daß das auch in Zukunft nicht möglich fein wird und kann. Dennoch haben die Gläubiger- staaten an den Forderungen festgehalten. Die Folge war, daß Deutschland mehr zahlte, als es wirklich zu zahlen vermochte, daß es seinen Staatshaushalt drosseln mußte, und daß gleichermaßen aus politi- fchen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen eine tiefe Erbitterung wachsender Volkskreise gegen die politische Einschnürung Deutschlands sich erhob. Die Folge von all dem wiederum war, daß die auslän- dischen Kapitalgeber in der Sicherheit des Vertrauens auf Rückzahlung alter und neuer Schulden Deutschlands erschüttert wurden: so kam es zu den ungeheueren Zurückziehungen von Darlehen des Auslandes im Jahre 1931, in der weiteren Folge zu steigender Erschöpfung der Wirt- fchaftskraft, steigender Arbeitslosigkeit, steigender Hoffnungslosigkeit.
Deutschland hat unter diesem Druck nichts mehr an fremden Geldern erhalten und um so mehr oer- sucht, seine Ausfuhr zu steigern ober wenig- stens solange wie möglich zu erhalten. Wie lange noch? Mit steigendem Nachdruck wehrt fast jedes Land „nicht notwendige Einfuhr" ab. Handelspolitische Erwägungen und Erklärungen kommen dagegen nicht mehr auf. War die Welle des Protektionismus zunächst unter volkswirtschaftlichen oft auch unter militärisch-politischen Erwägungen des einzelnen Landes zur Entwicklung heimischer Industrien bedingt, so ist sie heute in den Augen vieler Länder durch die Ereignisse auf dem Währungsge- biete zwangsläufig geworden. Nicht mehr suchen die Länder den Ausgleich ihrer Handelsbilanz durch Kreditgewährungen. Das allgemeine Miß- trauen veranlaßte in steigendem Maße, Verbindlichkeiten in kürzester Zeit in Gold einzutreiben und damit die Goldgrundlage der Währung des Schuldnerlandes anzugreifen. So hausten sich die Goldvorräte in Frankreich und Amerika, aus anderen Gründen in Holland und der Schweiz. Damit aber ist das Gold unfrucht- bar geworden. Statt daß es im Schuldnerland ein Mehrfaches feiner eigenen Kraft in Kreditgewährung für die heimische Wirtschaft entfaltet, ver- trocknet es in den Goldkellern des Gläubigerlandes zu einem unfruchtbaren, unbewegten und nichts bewegenden Klumpen, wird es aus einem Werkzeug kräftigen dynamischen Wachstums und feinsten Ausgleichs zu einem ertragslosen volkswirtschaftlich gleichgültigen Lagerungsgegenstand. Ging früher von ihm der Wechselstrom des Lebens unter den Völkern aus, so tritt nun Vereisung an die Stelle des Lebens. In der Absicht, sich gegen die Abziehung des verbliebenen Goldbestandes zu schützen, sperren die bedrohten Länder sich gegen Wareneinfuhr ab, um nicht Verbindlichkeiten entstehen zu lassen, die zu Goldabgaben zwingen könnten, ober — unb viele tun beibes zugleich — sie hemmen Abgabe von De- Visen ins Ausland unb verhinbern so bie Begleichung alter Einfuhrforberungen unb bie Entstehung neuer. So ist „Weltwirtschaft" heute ein Schatten geworben. Die Auflösung b e r Weltwirtschaft als ber Gesamtheit vor allem bes Güter- unb Kapitalaustausches bebroht Deutschland empfindlicher als die meisten anderen Länder. Zur Zeit wird in Basel über bie Leiftungskraft Deutschlanbs für etwaige künftige Kriegszahlunaen verhandelt; in Berlin barüber, wie nach bem 29. Februar eine Verlängerung des Stillhaltens ber auslänbischen privaten Bankiers mit ihren Forberungen an Deutfch- lanb erfolgen unb eine oerftänbige Regelung auf lange Sicht angebahnt werben soll.
So ist in sehr entscheidenden Beziehungen die Lage Deutschlands in die Hand des Auslandes gegeben; das ist bitter zu sagen, aber not« wendig zu erkennen. Und doch muß auch von beutfurr Seite aus vieles und Schweres geschehen, vor allem um bie Kosten, unb Preislage in Deutschland dem veränderten Stand ber Welt- wirtschaft anzupassen unb, soweit es von beutscher Seite aus möglich ist, Hemmungen auszuräumen, die vom weltwirtschaftlichen Waren, unb Diensteaus- tausch Deutschland entgegenstehen. Die deutsche Reichsregierung ist feit anderthalb Jahren diesen Weg gegangen, lieber Ausmaß und Zeitmaß ist hier nicht im einzelnen zu sprechen. Daß die Reichsregierung nicht den Weg einer Währungsveränderung gegangen ist, wird überall im deutschen Volke begriffen werden. Manche ihrer Maßnahmen bedeuten einen bisher unerhörten Eingriff in die Eigengesetzlichkeit des Wirtschaftslebens. Erfahrungsgemäß können solche Eingriffe nur dann nützlich sein, wenn sie sich in ber Richtung der natürlichen Wirtschaftsentwicklung bewegen und von dieser alsbald eingeholt werden, unb wenn so das Vertrauen in den Ablauf der Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft wie die vom Staate verbürgte Vertrags- ficherheit und Freiheit wiederkehrt.
Umfang und Zeit des Erfolges hängt davon ab, daß auf selten der Weltwirtschaft selbst
die gro^gWende erfolgt. Wenn die Zerrüttung einen hohen Grad erreicht haben muß, um die gemeinsame Erkenntnis der Notwendigkeit ber Umkehr zwingenb zu machen, so bürsten wir auf eine bal- bige Lösung hoffen. Das Schicksal schreitet überall nach gleichen inneren Gesetzen vor. AuchFrank - reich wirb bereits von ber Krise berührt. Aber Anfälligkeit ober Festigkeit des einzelnen Volkskörpers sind verschieden. Die glückliche Ausgeglichenheit zwischen Landwirtschaft und Stadtwirlschaft, ber viel stärkere bäuerliche unb altbürgerlidje Einschlag lassen erwarten, baß bie Wucht ber Krise in Frankreich gemildert wird. Noch verharrt Frankreich auf alten Standpunkten. Es wehrt sich gegen die Dynamik ber Weltgeschichte, ber Weltwirtschaft, der fortschrittlichen Entwicklung. Auch diese Weigerung kann n i ch t f ü r i m m e r den Weg versperren. Ob sie zur rechten Zeit einer bejahenden Einstellung Platz machen wird, davon freilich hängt die Entwick
lung von 1932 zu einem sehr großen Teile ab, hängt insbesondere es ab, ob das Jahr 1932 bie großen Entspannungen politischer, wirtschaftlicher unb sozialer Art unb die notwendigen neuen fruchtbaren Verflechtungen ber Weltwirt - schäft bringt, ober ob es die Spannungen, Entflechtungen, Absperrungen verschärfen wirb.
Das deutsche Volk hat keinen Anlaß zu verzweifeln. Die Kräfte bes innern Rechtes Unb bes Fortschrittes finb bei ihm. Wann sie wirksam werben, steht nicht allein bei uns, aber jegliche günstige Wen- bung von außen verlangt zu ihrer Ausnutzung für Deutschlands Förderung auf dem Weg zu Wohlfahrt und Kraft, jede ungünstige Entwicklung von außen verlangt zur Abwehr des Unheils dasselbe von unferm Volk und seinen Führern: unbeugsame Festigkeit in allem Wesentlichen, klare Erkenntnis des Wirklichen, Einheit im Willen.
Die Reichsregienmg bei Hindenburg.
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Der Reichspräsident begrüßt den wachhabenden Offizier der Reichswehr am Neujahrsmorgen.
Der Reichspräsident empfing in feinem Palais am Reujahrsmorgen auch die Reichs- Minister und Staatssekretäre, wobei R e i ch s p o st m i n i st e r Dr. Schätzet als Vertreter des beurlaubten Reichskanzlers dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Reichsregierung überbrachte. Dr. Schätzei führte u. a. aus: Mit der Reichsregierung vereint sich das ganze deutsche Volk und wünscht in dankbarer Verehrung, daß Ihnen auch im neuen Jahre Gesundheit und Wohlergehen beschieden sein mögen. Die Worte, die Sie, Herr Reichspräsident, gestern mahnend und aufrichtend dem deutschen Volk zuriefen, werden neue Zuversicht und Hoffnung in jedes deutsche Herz tragen. Das neue Jahr soll nun die entscheidenden Verhandlungen mit dem Ausland bringen und die Reichsregierung hofft, daß es der Einsicht aller gelingt, zu einer Regelung zu kommen, welche die Wirtschaft wieder heilt und den schwergeprüften, von der Geißel der Arbeitslosigkeit gepeinigten Völkern neuen Lebensmut einhaucht. An diese schwere Arbeit geht die Reichsregierung von dem festen Willen beseelt, unserem Volk und Vaterland die notwendigen Erleichterungen zu schaffen. Sie findet hierbei Stühe und Stärke in dem leuchtenden Vorbild,
daß Sie in einem an Arbeit und Erfolgen reich gesegneten langen Leben uns allen geben.
Oer Reichspräsident
erwiderte u. a.: Ich erkenne dankbar an, daß der Herr Reichskanzler und Sie mit hingebender und pflichttreuester Arbeit alles getan h ab e n, um Deutschlands Finanzen und Wirtschaft den veränderten Verhältnissen a n z u p a s - fen und den uns ganz besonders bedrohenden Sturm der Weltwirtschaftskrisis zu bestehen. Unter dem Zwange der Notwendigkeit mußten dem deutschen Volke harte Lasten auferlegt und Eingriffe in die Rechtssphäre oorgenommen werden. Die in ernsten Tagen immer bewährte hohe moral i l d) e Kraft des deutschen Volkes, sein stets bewiesener Wille zur Selbstbehauptung und sein stark ausgeprägter Ordnungssinn haben Deutschland befähigt, diese Opfer zu tragen und standzuhalten. Ich bin im Innersten überzeugt, daß Deutschland auch in Zukunft alle Gefahren überstehen wird, wenn es nur einig ift und t r e u. So begrüße ich es, daß die Reichsregierung, von dem festen Willen beseelt, dem deutschen Volk die notwendigen Erleichterungen zu schaffen, in das neue Jahr eintritt. Möge die Arbeit der Reichsregierung und möge Ihrer aller persönliches Wirken von Erfolg begleitet sein.
OerReichspräsideni amMikrophon
Die Ansprache des Reichspräsidenten am Rundfunk, die nicht nur über alle deutschen Sender, sondern auch über angeschlossene Sendergruppen nach Amerika, Dänemark und England weitergeleitet wurde, stellt am Ausklang des Jahres ein in seiner Art ungewöhnliches Ereignis dar. Denn es ist zum ersten Male, daß der Reichspräsident seit Aebernahme seines Amtes eine solche Ansprache durch den Rundfunk gehalten hat. Ein einzigesmal vorher, kurz vor seiner Wah 1, hat der Reichspräsident von seinem Arbeitszimmer in Hannover aus zum deutschen Volk gesprochen. In der Zwischenzeit sind mehrere seiner Reden unb Ansprachen, so bei der Taufe des Panzerschiffes „Deutschland", in Tannenberg, bei Empfang der von der Weltreise zurückgekehrten Zeppelinfahrer usw. übertragen worden. Wieder hat man ihm diesmal wie vor fast sieben Jahren in Hannover das Mikrophon an seinem Schreibtisch aufgebaut, und die Stimme, die von dessen Schwingungen in die Welt hinausgetragen worden ist, hat seither in ihrem
markigen Klang, in ihrer zu Herzen gehenden Eindringlichkeit nicht ein Atom eingebüßt.
Als der Reichspräsident seinen Dank an das Deutsche Volk unterstrich für die Art und Weise, wie es den Anforderungen dieser schweren Zeit gerecht wird, als er den Anspruch auf gleiche Sicherheit betonte, und als er schließlich aufrief zur fchicksalsverbundenen Einigkeit, war das bei allem tiefem Klang die Stimme, der man fast unbewußt folgt. Prägnant auch wie in der Wahl der Worte und bezeichnend für die Persönlichkeit Hindenburgs war die kurze und knappe Form desAus druck s. Was zu sagen war, war in diesen wenigen Sähen enthalten und mit schlichter Einmaligkeit unb Eindringlichkeit formuliert. Reichspräsident von Hindenburg hat dem deutschen Volk und, wie man hoffen darf, der ganzen Welt, mit seinen Reujahrswünschen mehr gegeben, als viele lange Reden anderer und ganze Bücher mit exaktem Beweismaterial zu unserer und zur Lage der Welt vermochten.
Tiefer Eindruck der Hindenburgbotschast im Ausland.
In Amerika war die Rundfunkansprache des Reichspräsidenten inhaltlich und technisch d i e be st gelungene internationaleRund- funkveranstaltung im ganzenJahre. Die amerikanische Rundfunkgesellschaft ehrte den Reichspräsidenten durch Umrahmung seiner Rede mit einem deutschenSpe zialprogramm. Sie ließ dabei die „W acht a m R h e i n" und das Deutschlandlied singen. Die kräftig und würdig gesprochenen Worte H ndenburgs machten allgemein einen gewaltigen Eindruck. Sowohl die Ansprache wie ihre englische Ueberfetzung waren ausgezeichnet zu hören. Jedes Wort war klar Derftänb(id). Der deutsche Generalkonsul in Neuyork, Kiep, vermittelte den Amerikanern die englische Uebersehung. Die Morgenblätter bringen die Rede Hindenburgs zum Jahres
wechsel in großer Ausmachung. In den Ueberschriften werden besonders die Stellen der Rede hervorgehoben, die sich auf eine Zumutung unmöglicher Leistungen und auf den Anspruch gleicher Sicherheit beziehen.
Die Reujahrsrundfunkansprache des Reichspräsidenten wird auch von den führenden Londoner Zeitungen im Wortlaut wiedergegeben. Man habe gefühlt, so sagt die „Times", daß es in diesen Zeiten ber allgemeinen Sorge einer Silvesterfeier angemessen war, wenn der Feldmarschall an das deutsche Volk persönlich in Worten, die von ihm selbst gewählt waren, einen Appell richtete. — „Cvening Standard" bezeichnet die Rundfunkrede des Reichspräsidenten als eine hervorragende Leistung. Die tiefe
Stimme Hindenburgs war eher die eines Soldaten als die eines Redners, aber jedes Wort, klar und langsam ausgesprochen, war verständlich auch für die, die im Deutschen nicht ganz zu Hause sind. Hindenburgs Glauben an sein Land nennt „Evening Standard" höchst eindrucksvoll.
Die Botschaft hat i n H o 11 a n d einen großen Ein. druck gemacht. Alle Blätter veröffentlichen den Wortlaut der Rebe in großer Aufmachung. „Al- gerneen Hanbelsblab" stellt in einem Kommentar fest, baß keine frühere Runbfunkrebe Hinbenburgs bie Zuhörer so ergriffen habe, wie bie jetzige Neujahrs- botschaft.
Die Runbfunkrebe bes Reichspräsibenten, für bte inItalien nicht nur bei ben hier lebenben Deutschen lebhaftes Interesse vorhanben war, wirb in ber gesamten italienischen Presse in ausführlichen Auszügen unb teilweise sogar in wörtlicher lieber- setzung zum Ausbruck gebracht. „Stampa" erwähnt oie innere Erregung, bie in ber Stimme bes Reichspräsidenten unb in seinem schlichten Vortrag zu erkennen gewesen sei. — „Resto bei Carlino" bezeichnet ben Reichspräsibenten als d e n N a t i o n a l- helben bes beutfdjen Volkes. Das Blatt glaubt, baß die Rebe in ganz Europa erörtert werden wirb.
Llnfreundliches Echo in Paris.
Nervöse Kommentrre der Pariser Presse.
P a r i s. 2. Jan. (WTD. Funkspruch.) Die französische Presse steht im Gegensatz zum übrigen Ausland den Ausführungen des Reichspräsidenten in seiner Rundfunkrede im allgemeinen ablehnend gegenüber. — Der sozialistische „P o - p u l a i r e“ fragt, was Hindenburg sagen wolle, wenn er von gleichem Recht auf Sicherheit spreche. Die öffentliche Meinung in Deutschland und diejenige im Auslande werde das so auffassen, daß Deutschland das Recht auf Aufrüstung fordern werde, falls die allgemeine Abrüstung nicht durchgeführt würde. Dieser .These werde das Blatt die gleiche Energie entgegensetzen, mit der es die allgemeine 2Ü>- rüftung fordere. — Der linksstehende „Quo - tidien" sagt, der Sieger von Tannenberg habe als guter Deutscher gesprochen, wenn die Deutschen jedoch durch ihren Reichspräsidenten erklärten: genug mit den Opfern, genug mit den Tributen, so erklärten die Franzosen, daß sie auf ihren Gläubigeransprüchen der freiwillig unterzeichneten Verträge bestehen müßten. — Der „Paris Soir" betont, daß der außergewöhnlich entschlossene Ton dieser Ausführungen um so b-merkenswerter sei, als man am Vorabend von zwei wichtigen Konferenzen stehe. Roch niemals habe Deutschland mit solcher Sicherheit erklärt, daß es sich endgültig von den Verpflichtungen befreien wolle, die man ihm seit 1919 auferlegt habe. Dis entschlossene Haltung des Reiches und die Ermutigungen, die es vom Auslande erhalte, müßten in Frankreich mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. — „Paris Midi" erklärt, der Reichspräsident habe mit seiner Rede das deutsche Volk auf den Widerstand vorbereiten wollen, der auf der Tributkonferenz notwendig werden könnte. Seine Ausführungen würden sicherlich nicht ungehört im Ausland« verhallen. Aus der Verbindung zwischen bet Tributkonferenz und der Abrüstungskonferenz einerseits und der Schlacht bei Tannenberg anderseits könne man interessante Schlußfolgerungen über die Auffassung der führenden deutschen Kreise ziehen.
Lin kommunistischer Störungsversuch
Unerhörte Provokation des Reichs- oberhaupls.
Berlin, 31. Dez. (TU.) Die Ansprache bes Reichspräsibenten ist gestört worben. Als ber Reichspräsident am Schluß seiner Rebe ausführte: „Auch heute rufe ich ..begannen bie Störungsversuche mit ben Worten: „Achtung, Achtung! Deutschlanb steht im Zeichen von Rot- fr o n 11 ..." Der kommunistische Propaganbaspre- cher, ber alsbann noch von ber Einheitsfront bes Proletariats sprach unb gegen Diktatur unb Not- verorbnung ausrief, konnte bann roieber von ber Welle oerbrängt werben, so baß bie letzten Worte bes Reichspräsibenten wieder beutlid) zn hören waren. Die Störung ist auf vielen Senbern überhaupt nicht in Erscheinung getreten, so z. B. soweit wir feststellen konnten auch nicht im Bereich bes Südwestdeutschen Runbfunks Frankfurt-Stuttgart.
Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, batz bas Leitungskabel nach Königswusterhausen hinter bem Krankenhaus Neukölln auf freiem Felde angeschnitten worben ist. Die Täter haben es fertiggebracht, unter ben vielen einzelnen Kabel- abern, bie in einem großen Bünbel zusammenlaufen, gerabe bie Aber herauszusuchen, über bie ber Reichspräsibent sprach. Es gehört bazu eine genaue Sachkenntnis unb unter Umftänben auch eine längere Vorbereitung ber Tat. Hat man erst einmal bie richtige Aber gefunben, so ist bas Zwischensprechen mit ganz geringen technischen Mitteln ohne weiteres möglich. Auf jeben Fall geht baraus hervor, baß hier Leute am Werk gewesen finb, bie nicht nur mit Telephon unb Funkerei, son« bem vor allem auch mit ben örtlichen Verhältnissen, wie ber Lage bes Kabels unter ber Erbe genau Bescheib wissen Man kann annehmen, baß es Leute gewesen finb, die seinerzeit bei ber Anlegung ober bei ber Reparatur bes Kabels beschäftigt waren. Damit finb bie Nachforschungen auf einen ganz bestimmten Personenkreis beschränkt. Unb bie Arbeit ber politischen Polizei scheint in dieser Richtung schon sehr weit fort- geschriten zu sein.
Eine Neujahrsboischast -er hessischen Staatsregierung
Darmstadt, 31.Dez. (WSR. Amtlich) Das Hessische Gesamtministerium erläßt an die hessische Bevölkerung folgenden Aufruf:
„An der Schwelle des neuen Jahres entbietet die hessische Staatsregierung der Bevölkerung des Hessenlandes herzliche Wünsche für 1932. Wenn schon am letzten Jahreswechsel betont wurde, wie not es tue, die furchtbaren Schwierigkeiten mit vereinter Kraft anzupacken, aber auch allen Röten zum Trotz sich mit Zuversicht zu wappnen, so sind solche Mahnungen heute mehr wie je am Platze. Wir stehen an einem Zeitabschnitt der deutschen Geschichte, wie er ernster in der Vergangenheit nicht oft erlebt wurde. Es ist gut, sich in solchen Zeitläuften zu erinnern, daß das deutsche Volk noch immer Herr wurde über die Röte der Zeit, weil es


